anmassen,
V.
1.
›etw. gegen geltende Normen für sich in Anspruch nehmen; etw. usurpieren; sich etw. zu eigen machen (auch z. B. über Unsitten gesagt)‹; offen zu 2.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  25.
Syntagmen:
refl.; selten mit Akk., meist mit Gen. d. S.

Belegblock:

Rosenthal. Bedencken
42, 15
(
Köln
1653
):
die es [Ampt] aber nit haben / vnd doch es ihnen selbst anmassen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 689, 8
(
Bautzen
1567
):
Der vnglaub den krancken auch antast, | Durch sathans list sich seins ampts anmast.
Chron. Augsb.
8, 167, 12
(
schwäb.
, zu
1562
):
Wie aber sein öltester son Jacob sich seines vatters untugenden anmaßt und die leut zuͤ betriegen von ime wol gelernet.
Mell u. a., Steir. Taid.
47, 24
(
m/soobd.
,
nach 1590
):
diser iezigen zeit massen sich die von Schlädming obberüertes fürpergs gar aigentumblich an.
Ebd.
259, 2
(
1570
):
Das hochgericht oder der galgen steet in hieobverschribnen gemaines marckts angemasten purckfrid.
Dietz, Wb. Luther
92
;
Bad. Wb.
1, 57
.
2.
›sich e. S. unterwinden, sich unterstehen, erdreisten, anmaßen, etw. zu tun, sich etw. zutrauen‹.
Bedeutungsverwandte:
, , , ; vgl.  11.
Syntagmen:
refl.;
sich der auslegung / gemeinschaft / gerechtigkeit / gewonheit / kunst / verwaltung eines ampts / weisheit / tugend a.
;
sich anmassen, zu [...]
;
angemaste entschuldigung.
Wortbildungen:
anmassung
1.

Belegblock:

Rosenthal. Bedencken
22, 11
(
Köln
1653
):
ohn anmassung eines vnzustaͤndigen Gewalts.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
209, 26
(
thür.
,
1474
):
uff syne anemassunge etczliche bewiesunge unde irkundunge zcu thunde.
Ebd.
297, 2
:
wy er sich wedder recht unde aldeherkomende gewonheyt anemaßet unde met synes selbist gewalt unde torst vornymmet, eyne nuwe schefferye uffzcubrenge.
Ebd.
316, 18
:
[er] hat yn sollicher syner angestalten schulde [...] zcu obirzcugen, wy recht ist, in synen schrifften sich irbotin unde geanemaßet.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
156, 34
(
Bamb.
1507
):
wann ein soͤlche moͤrderin auff gedachter jrer angemasten vnbeweysten frevenlichen entschuldigung bestehen wolt.
Ders. u. a., Peinl. GO Karls V.
21, 4
(o. O.
1532
):
die auss zauberey oder anndern kunsten warzusagen sich anmassen.
Goldammer, Paracelsus
7, 302, 8
(
1530
/
34
):
also ist es auch im neuen testament mit allen dergleichen zu verstehn, die sich der auslegung anmaßen.
Rosenthal. a. a. O.
32, 14
;
Grosch u. a., a. a. O.
299, 34
;
313, 8
;
317, 1
;
Schöpper
104b
;
Serranus
13v
;
Schwartzenbach F iijr;
Ulner
468
;
Dietz, Wb. Luther
92
.
3.
›sich e. S. unterziehen, annehmen, sich e. S. angelegen sein lassen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  13.
Syntagmen:
refl.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
3, 230, 34
(
preuß.
,
1450
):
welden sie sich des vor anemossen, der herre homeister welde hirinne gerne seyn vormogen tun.
Kurz, Waldis. Esopus
2, 17, 49
(
Frankf.
1557
):
billich ein jeder tregt | In seinem beruff die arbeit schwer, | Wie es von alter ist kummen her, | Vnd sich der arbeit thun anmassen, | Vnd Gottes willn gefallen lassen.
Ebd.
57, 13
:
Wenn jr mir etwas bfehlen thet, | Wolt ich keins schweigens mich anmassen, | Fuͤrm Maul kein Spinnweb wachssen lassen.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
185, 16
(
osächs.
,
1542
/
70
):
die sol man dem gefangenem [...] ader andern, die sich ihne zu defendiren anmaßen, zustellen.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 160, 11
(
schles.
,
1583
):
den eisenstein anlangend, obwohl die gemeinde sich desselben anzumassen vermeinet.
Tittmann, Schausp.
16
. Jh. Rebh. 79, 16 (
Zwickau
1536
):
du, o mein Got, wirst mich nicht verlaßen | und diser rach zur zeit dich recht anmaßen.
Kurz, a. a. O.
3, 92, 8
;
Opel, Spittendorf
334, 3
;
Göz. Leichabd.
291, 12
;
Berthold u. a., a. a. O.
125, 4
;
Dietz, Wb. Luther
92
;
Rwb
1, 690
.
4.
›sich an jn. wenden, jn. ansprechen‹.
Syntagmen:
refl.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
2, 4, 46
(
Frankf.
1557
):
Auff Nachbawrn darff mich nicht verlassen; | Der Freundtschafft muß ich mich anmassen, | Vnser blutgwanten sprechen an.
5.
›sich den Anschein geben, sich gebärden, sich stellen (als ob man etw. Bestimmtes tun wolle); sich nach etw. richten‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  18.
Syntagmen:
refl.

Belegblock:

Chron. Augsb.
9, 90, 11
(
schwäb.
,
1544
/
5
):
als nun [...] auch Sextus sich anmasset, daß er bald zu haus reiten wollt, ist die Lucretia in ir schlaffkamer zu ruwen gangen.
Maaler
24r
;
Ulner
142
;
Schweiz. Id.
4, 440
.
6.
›jn. nachahmen, nachäffen‹.
Bedeutungsverwandte:
 2, ,  1.
Syntagmen:
mit Akk. d. S./P.
Wortbildungen:
anmasser
,
anmasserin
(dazu bdv.: ),
anmassung
2 (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Maaler
23v
(
Zürich
1561
):
Einsi gestalt Anmassen oder ansich nemmen. [...] Einen waͤsenlich Anmassen mit baͤrden abcontrafehen. [...] Ein froͤmbde person Anmassen.
Schwäb. Wb.
6, 1516
;
Schweiz. Id.
4, 440
.