abweisen,
V., unr. abl.
und (mit gleicher Häufigkeit) regelmäßig.
1.
›jn. (z. B. vor Gericht) / etw. (z. B. einen Anspruch) zurückweisen, abweisen; jm. etw. durch Urteil absprechen‹.
Zu rechtssprachlichen Differenzierungen: Rwb
1, 338
.
Vor allem in Rechtstexten und Chroniken.
Bedeutungsverwandte:
 3.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
157a, 3
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
der vater můz vor iz bůzen deme clegere vnde deme richtere, ab iz nicht abe gewiset ist.
Chron. Köln
3, 787, 26
(
Köln
1499
):
schickde der rait van Coellen ouch irre vrunde dairbi ind den scheffen wart dat urdel afgewist, dat si neder laegen.
Leman, Kulm. Recht
2, 80
(
Thorn
1584
):
so sal der der dy gewere geloubet hat.den antworten.vnde den enttreten vnd vor treten.vnde den letzten cleger abe wysen.
Schmitz, Schiltb.
151, 2
(
Frankf.
1597
):
Also ward zuletzt die gute Tochter nach langem getuͤmmel abgewiesen.
Barack, Zim. Chron.
2, 578, 3
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
do ward er doch damit abgewissen.
V. Anshelm. Berner Chron.
2, 254, 26
(
halem.
,
n. 1529
):
Die andren wurden irs begers gar abgewuͤst.
Pyritz, Minneburg
1230
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Abe dann die frawe fruͤtlich | In niht ab wyset guͤtlich | Und sprichet durch fug.
Chron. Nürnb.
1, 32, 18
(
nobd.
,
v. 1407
):
alzo liezz sich der von Hesspurk ab weisen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
239, 41
(
moobd.
,
1478
/
81
):
sunder sein haubtleüt nämlich in oft abwisen und untreulich handlten.
Dietz, Wb. Luther
1, 35b
.
2.
›jn. vermögensrechtlich abfinden, aussteuern‹.
Rechtstexte.
Bedeutungsverwandte:
1
 1; vgl. .

Belegblock:

Leman, Kulm. Recht
4, 20
(
Thorn
1584
):
ab syner tachter kynt dy her nicht vs geradet noch abe gewiset hat nicht tzu yren iaren qweme noch kynt gewunne.
Ermisch, Freib. Stadtr.
67, 23
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Wo erbe irstirbit an kindir unde blibit in derselbin hant, kumin di kindir zu irin iarin, si werdin abegewisit adir nicht.
Ebd.
24, 6
;
Rwb
1, 339
.
3.
›jn. von etw. (z. B. einer Handlung) abbringen, abhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
 10; vgl.  3.

Belegblock:

Küther, UB Frauensee
398, 17
(
thür.
,
1530
):
verfuegen wolle, ire amptsverwanten von irem unpillichen vornemen und heimlichen eintringen abtzuweisen.
Vetter, Pred. Taulers
370, 21
(
els.
,
1359
):
la dich nieman dannan ab wisen noch ziehen.
Chron. Augsb.
7, 37, 17
(
schwäb.
, zu
1550
):
als in der burgermaister gern darvon abgewisen, so halfs doch nit.
Welti, Stadtr. Bern
390, 28
(
halem.
,
E. 15. Jh.
):
suͥllent die vier venner daruf ernstlichen lůgen, vnd wen si also byeinandern sitzen vinden, abwisen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
25, 38
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
wen ainer sein halter weist oder heist, er soll das viech auf seines nachbaurn oder andern zu schaden treiben und wil sich nit abweisen laßen.
4.
›etw. verhindern‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5.

Belegblock:

Chron. Augsb.
7, 125, 3
(
schwäb.
, zu
1548
):
solches on allen zweifel, wa dise stat mit gleicher oberkait von erbern geschlechten besetzt gewesen, auch gleicher gestalt beschehen und der krieg abgewisen worden were.
5.
›jn. zum Abfall von jm./etw. bewegen, abtrünnig machen‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  1.

Belegblock:

Chron. Augsb.
7, 85, 20
(
schwäb.
, zu
1548
):
in Ir kay. mt. gehorsam vestigclich verharren und bleiben, sich von derselben durch kain gesuͤchten schein lassen abweisen.
Sachs
15, 362, 32
(
Nürnb.
1562
):
Daß er durch den unreinen geist | Nicht wider werde abgeweist | Von gott in sünd alls ungemachs.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
157, 7
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Er ist auch allen edlen und unedlen im lanndt Osterreich veindt, die sich so luederlich von irem herrn lassen abweysen.
Reithmeier, B. v. Chiemsee, Vorrede §
6
(
München
1528
):
Welh [...] aus vnuerstsnd [...] vom wege der warheit abgeweist [...] seinn.
Anderson u. a., Flugschrr.
22, 8, 18
([
Erfurt
]
1525
):
ließ er [Petrus] sich von eynem weyb von Christo abweysen.
6.
›jm. jn. (z. B. Dienstboten) abwerben‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  1.

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist.
2, 872, 39
(
moobd.
,
1434
):
Es sol auch kainer den andern unter den unsern sein knecht noch diern noch ander sein verdingt arbaiter abweisen.
Ebd.
534, 40
.
7.
›(Gewässer) ableiten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.

Belegblock:

Preuss. Wb. (Z)
1, 74
;
8.
›etw. (z. B. einen Stich) ablenken, abgleiten lassen‹.

Belegblock:

Sachs
21, 43, 5
(
Nürnb.
1558
):
Sie
[Talismane]
sind mir nützer denn ein bantzer, | [...] | Dieweil sie mir all stich abweisen.