austun,
V.,
unr.
1.
›etw. aus einem Bezugsraum herausschaffen, heraustun; etw. (z. B. Grenzzeichen) ausziehen, entfernen; jn. vertreiben, jn. (aus einer Gemeinschaft) ausschließen‹.
Syntagmen:
ein zeichen a., den frefler, die Jesuiten a., jn. von der gemeine a., sich der gemeine a.
Wortbildungen:
austuung.

Belegblock:

Karsten, Md. Paraphr. Hiob
11677
(
omd.
,
1338
):
Daz ist, sy [wib] muze snodeclich | Sich uz tun der gemeyne.
Maaler
47r
(
Zürich
1561
):
Außthůn. Expungere. Auß seinem ort thůn.
Rwb
1, 1129
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 343;
Schweiz. Id.
13, 406
;
408
;
Vorarlb. Wb.
1, 205
.
2.
›(jm.) etw. (Geld, Grundstücke, Werte) auf Ertrag ausgeben, verpachten, verleihen‹.
Omd.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. , .
Syntagmen
etw.
(z. B.:
gelt
)
zu / auf / um zins a., etw. zur heuer, zu pflege / borge a., das haus / dorf a., vieh / schafe / rocken a., jm. den weinberg a.

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Ämterb.
41, 10
(
preuß.
,
1387
):
36 lest kornes, dy man usgetan hat den luten.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
118, 14
(
thür.
,
1474
):
sundern eß [gelt] ist umbe lipzcinß unde ander phlicht by deme lebin des pristers ußgetan.
Ebd.
153, 14
:
als sie sollich gelt von der stadt wegen uf ein zcins außgethann haben.
Luther, WA
41, 29, 31
(
1535
):
Er wird komen und diese weingartner umbbringen und seinen weinberg andern austhun.
Ders. Hl. Schrifft. 3. Mose
25, 37
(
Wittenb.
1545
):
du solt jm [dein Bruder] dein geld nicht auff wucher thun / noch deine speise auff vbersatz austhun.
Ebd. Mt.
21, 33
:
[ein Hausvater] pflantzet einen Weinberg / [...] / vnd thet jn den Weingartnern aus / vnd zog vber land.
Ziesemer, a. a. O.
41, 37
;
ders., Gr. Ämterb.
81, 5
;
194, 34
;
634, 31
;
Grosch u. a., a. a. O.
153, 7
;
16
;
Dietz, Wb. Luther
190
;
Rwb
1, 1032
;
1129
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 343.
3.
›(jm., auch: sich) etw. (Mitgetragenes, meist: Kleider, Waffen) ablegen, ausziehen, abnehmen‹; als Synekdoche: ›sich umziehen‹.
Md./wobd.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  1,  14,  13.
Gegensätze:
 1,  1.
Syntagmen:
(jm.) die kleider / waffen a., die kutte, den schuh, die stiefeln a., sich a.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Ez.
44, 19
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
wen sy geen in den uzsirn vrithof zu dem volke, so sullin si uztuen ire cleidir.
Wyss, Limb. Chron.
58, 27
(
mfrk.
,
1367
):
der vurgeschreben grebe Johan der [...] sprach si darzu, daz si di wapen ußdaden.
Chron. Köln
1, 1103
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
ir wapen worden in vs gedain, | men dede sy in eynen kercker gain.
Feudel, Evangelistar
51, 5
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Dor nach toten sy ym uz ir cleit unde toten ym syn cleit wedir an.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
50, 15
(
omd.
,
n. 1474
):
Do wir vns zcu Asadt [...] hatten uß gethan, do gingen wir uff den thüm.
Vetter, Pred. Taulers
432, 21
(
els.
,
14. Jh.
):
obe man oͮch diser goͤtlicher brúte dise alte kleidere, die minre túgende und wisen, umbe daz si alt sint, út us súllent tůn und súllent ir anderen an tůn.
Wyss, a. a. O.
32, 3
;
Welti, a. a. O.
42, 3
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 139
;
Serranus
23r
;
Brinckmeier
1, 215
;
Schweiz. Id.
13, 407
.
4.
›etw. (Verschließendes, mit Verschiebung der Bezugsgröße: Verschlossenes) öffnen; etw. (z. B. die Hand) ausbreitend öffnen, ausbreiten‹; ütr. an letztere Nuance anschließbar: ›sich ausbreiten (z. B. vom Glauben)‹.
Phraseme:
mit ausgetaner hand
›mit flacher Hand‹.
Syntagmen:
die fatten, das loch /
(verschoben:)
gut a.
;
glaube
(Subj.)
sich a.
;
mit ausgetanen flügeln.

Belegblock:

Diehl, Dreytw. Essl. Chron.
18, 10
(
schwäb.
,
1548
):
under der kugel ein adeler mytt wenig ausgettanen fligell, alles auff das aller kostlichest gezeyrtt.
Winter, Nöst. Weist.
3, 450, 30
(
moobd.
,
1584
):
Schlägt er aber mit außgethoner hant.
Schweiz. Id.
13, 406
/7.
5.
›etw. löschen, ausmachen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  3, .

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
10907
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
dô schikte iz ir einer sô, | daz daz licht wart ûzgetân.
6.
›etw. (schriftlich Fixiertes) / jn. (über den etw. schriftlich fixiert ist) löschen, tilgen, austragen, streichen‹.
Gegensätze:
 4, .
Syntagmen:
die schrift / schuld / stat / steuer, den namen / punkt / reim / terminus, das geld / wort a., jn.
(z. B.
den gewerken
)
a.
Wortbildungen:
austunelgeld
›Löschungsgebühr‹ (
-el-
bereitet Erklärungsprobleme).

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Konventsb.
188, 32
(
preuß.
,
1407
):
das gelt sal man noch usthun us des herren buch.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
5445
(
rhfrk.
,
um 1405
):
So solde is
[Text]
ußgetaen sin und gekratzet abe.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
1, 74, 20
(
thür.
,
1474
):
daz dy frouwe [...] sich der sechczig alden schog vorczogen unde dy hat heyßin ußthun.
Ermisch, Sächs. Bergr.
148, 21
(
osächs.
,
1500
):
die solle der schichtmeister den amptleuten [...] im register anzeigen, die von stundt sollen awßgethan werden.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
88, 6
(
omd.
,
1548
):
der aufnehmer hette gleichwol aufs erste freymachen die gewercken im kegenbuch nicht austhun laßen.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
544, 31
(
nobd.
,
n. 1525
):
er hat [...] sein selbs aigen stewr, die er schuldig gewest ist, im stewrbuch ausgetan.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 39, 21
(
halem.
,
n. 1529
):
in beschribner vereinung im 19. artikel sol das wort gselschaft ussgeton [...] werden.
Maaler
41v
(
Zürich
1561
):
Außgethon auß dem sold / Auß dem Rodel gethon. Expunctus stipendijs.
Chron. Augsb.
9, 332, 9
(
schwäb.
,
1536
):
wann sie im nit vertrauen wollten, so hetten sie macht, daß sie in austhetten, oder (er) mueßt ain burgen stellen.
Ziesemer, a. a. O.
91, 3
;
231, 28
;
Ermisch, a. a. O.
120, 10
;
Löscher, a. a. O.
97, 14
;
Chron. Augsb.
8, 438, 4
;
Rot
344
;
Golius
115
;
Dietz, Wb. Luther
190
;
Rwb
1, 1129
/30;
Preuss. Wb. (Z) 1, 343;
Schwäb. Wb.
1, 533
;
Schweiz. Id.
13, 406
/7.
7.
›etw. (das einem zusteht) ablegen; etw. tilgen; sich e. S. (deren man sicher ist) entäußern; etw. aufgeben, auf etw. verzichten‹; teils im Sinne der Mystik: ›(den alten Menschen) überwinden‹; als Ütr. anschließbar an 5 und 6.
Bedeutungsverwandte:
 2,  2,  5,  1, ; vgl.  36.
Syntagmen:
den titulum, die gerechtigkeit a.
;
sich der besitzung, der gefangenen, der rosse a.

Belegblock:

Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
6, 4
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
ist not, das sich der mensch abczyhe und außtu von allen sindlichen, entpfintlichen, sitenlichen und beschaffen creaturen und ganczer in sich einge.
Vetter, Pred. Taulers
183, 5
(
els.
,
1359
):
anders so enhant si enkeinen friden, die ensin alle us getan.
Ebd.
432, 15
(
14. Jh.
):
daz us tůn in eime groben sinne daz ist der alte mensche.
Maaler
41v
(
Zürich
1561
):
Außgethon / Vertilgket / deren mã nit mer achtet. Absumptus.
Rot
311
;
Brinckmeier
1, 215
;
Rwb
1, 1129
/30;
Preuss. Wb. (Z) 1, 343;
Schweiz. Id.
13, 406
.
8.
›sich in einer bestimmten Weise äußern, erklären, auslassen, etw. vorgeben, sich e. S. anheischig machen, sich mit etw. brüsten; sich für jn. ausgeben‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, , ; vgl.  2,  12,  8.
Syntagmen:
sich a., das [...] / wie das [...] / zu [...]
(jeweils Objektsatz),
sich a.
(+ indirekter Objektsatz);
sich der demut, des sieges, einer kunst, grosses verstandes / grosser dinge a.
;
sich für jn.
(z. B.:
einen christen / hauptman / schüler
)
a.

Belegblock:

v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
686, 19
(
thür.
,
1421
):
der konig von Behemen der was an deme Reyne unde ted sich nyrgen des uss, das her umbe das reich mit om streiten wolde.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 154, 30
(
halem.
,
n. 1529
):
des glichen er vorhin muntlich vor’n Eidgnossen zetůn sich hat ussgeton.
Maaler
47r
(
Zürich
1561
):
Fründtschafft die sich vil Außthůt / vnnd ist aber nützid darhinder. Amicitia ambitiosa. Sich einer kunst Außthůn vnnd beruͤmen. Artem sibi arrogare. Sich für ein hauptmañ Außthůn / sich der hauptmañschafft vnderwinden.
Chron. Augsb.
1, 313, 19
(
schwäb.
,
1381
):
ir waren fünff, die teten sich auß die leut gesund ze machen an dem gicht.
Jaksche, Gundacker
1402
(
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
er hat sich des ouz getan | er sei chunich.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
46, 12
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Derselb Turckh [...] hat sich fur ainen Kristen ausgetan.
Ebd.
121, 22
:
Der bischolff tet sich aus, er woldt sich der zicht an allen enden bereden.
Ebd.
129, 29
:
Die pawren umb Hollenburg [...] tetten sich aus, sy wolten nicht huldigen, sunder sy wolten sy wern.
Turmair
4, 208, 32
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Stabius und Celtis (in allen künsten mêr, dan si sich austan haben überaus gelert).
Maaler
32v
;
Rwb
1, 1130
;
Schwäb. Wb.
1, 533
;
Schweiz. Id.
13, 407
/8.
9.
›etw. zu Ende führen, durchführen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  29,  2.

Belegblock:

Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 669, 13
(
schwäb.
,
1558
):
es soll auch von einem mittag bis zu dem andern außgethan und geurtailt werden.
10.
›(einer Prozeßhandlung) entgegenwirken‹.
Syntagmen:
die klage a.

Belegblock:

Rwb
1, 1129
(a.
1570
).
11.
›jn. freisprechen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Schmoller, Straßb. Tucher- u. Weberzunft
255, 5
(
nalem.
,
1627
):
Wann nun ein meyster [...] einen lehrjungen drey oder vier jahr lang gelehret, und wie gebreüchlich vor gericht widerumb austhun lässt.