aufgehen,
V.,
unr.; schwer gliederbares Bedeutungsfeld; 1-16 unter dem Gesichtspunkt ‚Aufwärtsrichtung’ unterschiedlichster Bezugsgrößen und anschließbarer Variationen metaphorischer u. a. Art zusammengehörig; 17 signalisiert die Ausdehnung, 18 die Öffnung einer Bezugsgröße; 19-22 durch gemeinsamen Bezugsbereich ‚Waren, Kosten’ verbindbar; 23-25 isoliert und schwach belegt.
1.
›sich von einer niedrigeren zu einer höher gelegenen Stelle begeben‹, meist vom Menschen gesagt: ›hinaufgehen, hinaufsteigen, sich hinaufbegeben‹.
Phraseme:
aufgehen wie ein hebel von zorn
›hochgehen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  245.
Vereinzelt in spezialisierten Verwendungen, darunter:
a) ›auferstehen (im Sinne von: sich aus dem Grabe erheben, von Christus)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.
b) ›zum Himmel fahren (von Christus)‹.
c) ›(ein Schiff) besteigen‹.
d) ›(von Vögeln:) sich emporschwingen, sich erheben‹; metonymisch: ›(in die nächste Schulklasse) aufrücken, aufsteigen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  2.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 393, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Jêsus hiez sîne jüngern ûfgân in ein schiffelîn.
Feudel, Evangelistar
24, 6
/7 (
omd.
,
M. 14. Jh.
):
In der czit gynk Jhesus uf czu Jherusalem.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
63, 10
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
wen das gebirge ist gar [...] schuyelich uf czu gen von den slangin.
Gille u. a., M. Beheim
104, 500
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wer zu der selben vest wolt ein, | der must dy stieg auff gane.
Koppitz, Trojanerkr.
25053
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Wa der valke noch uff gatt, | Die entte im bilich vedren latt.
Päpke, Marienl. Wernher
14129
(
halem.
,
v. 1382
):
Gang uf, froͮwe, wunneklich | Und nim gewalt und allú rich | Zedinen werden handen.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2921
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Durch die [laiter] so giengend uff und ab | Der himelschen engel hab.
Ebd.
2791
:
Wie Jhesus nach des todes trifft | Ist uff gegangen aͮne frist | Mitt sines gewaren libes arche | Durch des beschlossnen grabes sarch.
Ebd.
2927
:
Oͮch ist er uff gegangen schon | Hin wider zuͦ des himels tron.
Maaler
33r
(
Zürich
1561
):
Aufgon / Sich blaͤyen. Aufgon wie ein hebel von zorn.
Feudel, a. a. O.
18, 6
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 131
;
Vetter, Pred. Taulers
23, 18
;
34, 7
;
Päpke, a. a. O.
608
;
Lindqvist, a. a. O.
4545
;
Ruh, Bonaventura
342, 15
;
Schwäb. Wb.
1, 380
.
2.
phrasematisch
auf- und niedergehen
›mit jm. verkehren, in gutem Kontakt stehen‹.

Belegblock:

Mollwo, Rotes Buch Ulm
92, 14
(
schwäb.
,
1376
):
der hie [...] mit wesen ist, und bi dem andern uf und nider gat, der sol ouch also unusgericht beliben.
3.
›ein Amt antreten‹, Synekdoche zu 1 über die Assoziation: ›aufs Rathaus hinaufgehen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4,  11.
Gegensätze:
vgl.  9.

Belegblock:

Opel, Spittendorf
30, 28
(
osächs.
,
um 1480
):
Die bornmeister sollen auch nach mittage mit uffgehen und auch bey der börung sitzen.
Ebd.
282, 19
:
Uffn dinstagk der drey könige tagk nach mittage unter der vesper gingen wir uff.
Pfälz. Wb.
1, 373
(a.
1579
).
4.
›ansteigen (vom Wasser o. ä.)‹; als Synekdoche: ›Wasser hervorbringen, laufen (von Brunnen)‹; in der Terminologie des omd. Bergbaus:
zeche aufgehen
›überflutet werden (von der Zeche)‹,
wasser aufgehen lassen
›den Wasserspiegel ansteigen lassen‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße: ›(die Zeche o. ä.) überfluten, vollaufen lassen, unzugänglich machen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.
Wortbildungen:
aufgehung
,
aufgang
1 (dazu bdv.: vgl.  15).

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged.
92, 443
(
1635
):
die grüne See geht auf, die Quelle springen gar | aus ihren Adern auf.
Dubizmay, kurß zu Teutze
24, 13
(
hess.
,
1463
):
Wunderlich sind des meres auff geÿnge.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
108, 27
(
omd.
,
1548
):
Da eine zeche waßer- ader ander not halben mitten in der wochen aufginge.
Ebd.
138, 27
(
1529
/
30
):
dann wo man wasser am hiltag liß ufgeen, so must man am arbetentag fey
e
ern.
Ebd.
146, 22
(
1554
/
1633
):
Aufgehung der waßer geschehen nicht.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 21, 16
(
schles.
,
1339-1361
):
lis man das wasser aufgen zu den Goltsmiden, und davon mochten die von dem Staine ir tiefstes nicht gearbeiten, und ertrank.
Ebd.
252, 13
(
1528
):
So man die tiefesten oder schacht mit wasser uffgehen lest und so in einer zech die tiefesten stollen strecken oder ander ortter ufflassen oder versturzen will.
Maaler
32v
(
Zürich
1561
):
Aufgang vnnd abgang deß Meers. [...]. Aufgang der wasseren.
Chron. Augsb.
2, 144,
Anm. 2 (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
do der prunn dez ersten uff gienge.
Ebd.
303, 5
:
der wasserturn, in dem die prunnen aufgand, der ward gantz und gar nider gemacht.
Löscher, a. a. O.
58, 33
;
Patocka, Salzwesen.
1987, 120
;
Schwäb. Wb.
1, 380
;
Schweiz. Id.
2, 13
.
5.
›keimen, sprießen, hervortreiben, aufwachsen, emporwachsen‹, oft in religiösen Bildern und Metaphern.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  9.
Syntagmen:
baum / eiche / stam / wurzel / rute / same
(mehrfach) /
gerste, kinder / evangelium / gottes wort a.
;
aufgehende warheit.
Wortbildungen:
aufgang
2.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel
2307
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Gerste lusteclich uf gat, | Grune, crusp, breit ist ir blat.
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 131
(
thür.
,
1385
):
do vor demphtin sy den somen mit erme vfgange.
Luther. Hl. Schrifft. Marc.
4, 5
(
Wittenb.
1545
):
Etlichs fiel in das Steinichte / da es nicht viel erden hatte / vnd gieng bald auff / darumb / das es nicht tieffe erden hatte.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
241, 38
(
osächs.
,
1570
/
7
):
müssen die eichen, wann sie gesäet worden und aufgangen, untten ausgeschnötelt werden.
Gille u. a., M. Beheim
441, 4
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Maria mait, | ain wurczel und ain stame, | ain ursprung aller wirdikait | und dar zu ain auff gender same.
Illing, Albert. Sup. miss.
795
(
els.
,
n. 1380
):
die in in lont vfgon die wurzel der bitterkeit der súnden.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
126
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Von der wurtzen Yesse wolgeton | Wirt sicher uff gon | Ain baͤrendy ruͦtt sicherlich.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
109, 13
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
seit vnder den anrurung des pegyrigen menschen man nicht mag derchennen, welhew von vnserm herren Cristo pesunderleich entspringent vnd auffgent.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
126, 12
(
tir.
,
1464
):
tu pist der gros hoch paum, der da aufget in die höch der himel.
Gerhardt, Meister v. Prag
32, 23
;
Gille u. a., a. a. O.
98, 136
;
Voc. Teut.-Lat. b VIIIv;
Dietz, Wb. Luther
129
-130.
6.
›aufsteigen, emporsteigen (von Rauch o. ä.)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
13130
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Der rouch des suzen smackes | Der gienc uf rechte strackes | Von des engeles hant | Vor Got.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
182, 14
(
Frankf.
1535
):
Welche fraw den rauch laßt vnden auff gehn / der treibt todte geburt auß.
Luther. Hl. Schrifft. 1. Mos.
19, 28
(
Wittenb.
1545
):
da gieng ein Rauch auff vom Lande / wie ein rauch vom ofen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
395, 20
(
oobd.
,
1349
/
50
):
ez hât die art, daz ez den räuchen und den dünsten wert, daz si iht aufgên in daz haupt von dem magen.
Helm, a. a. O.
12808
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 131
;
Pfeiffer, a. a. O.
112, 31
.
7.
im Syntagma
feuer
(seltener:
brunst / flamme
)
aufgehen
›Feuer ausbrechen‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße: ›in Flammen aufgehen (z. B. von einer Stadt)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3,  12.

Belegblock:

v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
682, 12
(
thür.
,
1421
):
wen die stat an 20 ader an 30 enden mit füer uf gyngk.
Luther. Hl. Schrifft. 2. Macc.
1, 32
(
Wittenb.
1545
):
Da gieng auch eine flamme auff / Aber die ward verzeret von der flamme des fewrs auff dem Altar.
Bernoulli, Basler Chron.
5, 293, 16
(
alem.
,
15.
/
16. Jh.
):
do Swerstat uffgieng, sachent die von Basel, das die vorstat [...] ouch uffgieng.
Chron. Augsb.
2, 354, 16
(
schwäb.
,
v. 1536
):
daß under dem boffel kain auffruͦr werde oder ain feur auffgang
[hier ütr.].
Turmair
4, 1103, 7
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Es gieng in Hispanien ein ander feuer auf.
Luther. a. a. O. Richt.
20, 40
;
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
327, 16
;
328, 4
;
Chron. Augsb.
2, 149, 11
;
242, 20
;
4, 28, 7
;
253, 14
;
5, 21, 10
;
327, 2
;
8, 53, 10
;
209, 3
;
9, 128, 8
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
208, 10
;
Rwb
1, 873
;
Dietz, Wb. Luther
129
-130;
Schwäb. Wb.
1, 380
;
Schweiz. Id.
2, 12
;
Vorarlb. Wb.
1, 146
.
8.
›hochlaufen, hinaufführen, aufwärtsführen‹; hier anzuschließen:
aufgehende brücke
›Zugbrücke‹.

Belegblock:

Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
12, 2
(
oobd.
,
1349
/
50
):
die [âdern] entspringent in dem herzen und gênt auf in daz hirn.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
53, 32
(
tir.
,
1464
):
der selbig wëg der gieng auf in den himel.
Adrian, Saelden Hort
6471
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
sam húettet ir ain vester turn | mit ainer uf gander brugg.
Schweiz. Id.
2, 12
;
14
.
9.
›auf etw. hinauslaufen‹.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
156, 10
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
hie gât alliu diu rede zemâle ûf.
10.
›hinauf-, emporreichen bis zu einem bestimmten Punkt oder über einen Punkt hinweg‹.

Belegblock:

Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
492, 24
(
oobd.
,
1349
/
50
):
cyclopedes, die sint sô lanch, daz si über hôch päum aufgênt.
Turmair
4, 354, 5
(
moobd.
,
1522
/
33
):
dem kürzten der lengst Kriech nit an die achsel aufgieng.
11.
›etw. aufrichten, aufstellen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  1, .

Belegblock:

Chron. Augsb.
4, 286, 21
(
schwäb.
,
v. 1536
):
hat der kaiser [...] ain grosen, gescheipten hauffen mit holtz laussen legen [...] und in mitten des hauffen mit holtz ain hiltzine saul laussen auffgan.
12.
›sich mit seinen religiösen Kräften, mit seiner religiösen Erkenntnisfähigkeit erheben, auf-, emporsteigen‹; Ütr. zu 1.
Mystische Texte des 14. Jhs.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5,  3.
Syntagmen:
mensch / sele / gemüte / vernünftigkeit a.
;
in begerung, mit verstandnis a.
;
über die creatur, in die geistliche finstre, in / zu got
(mehrmals),
in das wort a.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 303, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Diu sêle muoz mit heizer begerunge ûfgân und übergân vil wirdicheit der engel in den grôzen tugenden.
Ebd.
2, 536, 7
:
Ie wir mit unserm verstantnisse mê ûfgân, sô wir mê in im einez sîn.
Jostes, Eckhart
104, 23
(
14. Jh.
):
Du solt úber alle creatur uf gan in daz ewig wort, in dem allú dinck wárlicher und adelicher lúhtend wan in in selber.
Vetter, Pred. Taulers
149, 33
(
els.
,
1359
):
wan es enwart dem fúre nie als natúrlich uf ze gande noch einem vogel als licht ze fliegende als einem rechten lidigem gemuͤte uf ze gonde in Got.
Illing, Albert. Sup. miss.
2068
(
els.
,
n. 1380
):
das der moͤnsche vfginge in got vnd demme incorperiert vnd vereinet wúrde.
Schmidt, Rud. v. Biberach
70, 20
(
whalem.
,
1345
/
60
):
der lerer [...] sprichet, daz der erste staffel vf gandes in got ist.
Quint, a. a. O.
45, 1
;
2, 371, 5
;
Vetter, a. a. O.
129, 11
;
Schmidt, a. a. O.
72, 7
;
139, 20
.
13.
›sich entwickeln, zunehmen, wachsen; emporkommen; im Wert, im Preis steigen‹; hier anschließbar: ›dazukommen; erhöht, draufgerechnet werden‹; Ütr. zu 1.
Bedeutungsverwandte:
, .
Gegensätze:
 16, .
Syntagmen:
j.
(Personen),
der bau / nuz, das reich / volk, die vernunft, güter, korn a.
;
aufgehender schade
›wachsender Schade‹.
Wortbildungen
aufgang
3 (dazu Synt.:
zol a. haben
).

Belegblock:

Chron. Köln
2, 175, 23
(
rib.
,
15. Jh.
):
Jn dem selven jair [do] binnen Coelne dat korn ein wenich upgeink ind den beckeren zer stont gein bescheit inwart.
Schmitz, Schiltb.
155, 2
(
Frankf.
1597
):
in betrachtung deß gemeinen Nutzes / damit derselb allenthalb auffgieng vnd zuneme / vnnd nirgend schaden litte.
Vetter, Pred. Taulers
333, 33
(
els.
,
1359
):
die minne ist recht under gegangen und die vernunft die ist recht uf gegangen
[auch als Ütr. auffaßbar].
Bihlmeyer, Seuse
505, 18
(
alem.
,
14. Jh.
):
waz dem menschen an lútri des gebettes abe gat, daz gat ime uf an widerwertikeit des lidendes.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3607
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
das sÿ [volk] uff giengen an eeren, | Des laidetet er sÿ gen dem herren.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
211, 14
(
halem.
,
1525
):
Die güter gangen och merklich uf.
Welti, Stadtr. Bern
631, 10
(
halem.
,
1539
):
soll allwegen an der schatzung für ieden halben schuch 6 d. vffgon vnnd bezalt werden.
Chron. Augsb.
4, 329, 4
(
schwäb.
,
v. 1536
):
er ist ain reicher kauffmann gewessen und gechlingen auffgangen.
Roth, E. v. Wildenberg
19, 5
(
moobd.
,
v. 1493
):
das die Römer an gewalt und reichtumb abgingen und die Frantzi [...] aufgingen.
Turmair
4, 449, 35
(
moobd.
,
1522
/
33
):
[das] römisch reich, so ietzo sich erhebt und aufgieng.
Sachs
17, 328, 2
;
Rwb
1, 868
;
873
;
Schwäb. Wb.
1, 380
;
Schweiz. Id.
2, 13
.
14.
›aufgehen (von Himmelskörpern u. ä.)‹; oft ütr. auf religiöse Bezugsgrößen.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 155, 4
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Als er [Vênus] vor der sunnen gât und er ê ûfgât dan diu sunne, sô heizet er ein morgensterne.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
113
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Die waren frúnd Gottes userkoren: | Von den gieng uff Gottes stern, | Des sunnen glantz, die schon lutzern, | Maria.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
16, 18
(
noobd.
,
1347
/
50
):
wo der mensch wont auf ertreich, do gent im sehs himelzaichen auf, und die andern sehs gen im unter.
Buijssen, Dur. Rat.
10, 2
(
moobd.
,
1384
):
hat man ‹von› erst chriechischen mess gesprochen in der chirchen des aufgans der sunn
[hier ütr.].
Luther. Hl. Schrifft. Marc.
4, 6
; 1. Mos.
19, 23
; Ps.
19, 7
;
Feudel, Evangelistar
88, 16
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
37, 14
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 222, 8
;
Asmussen, Buch d.
7
Grade 1187;
Bell, G. Hager
59, 3, 3
;
Andreae. Ber. Nachtmal
41v, 3
;
Brévart, a. a. O.
14, 11
;
Maaler
1v
;
32v
.
15.
›anbrechen (von einer Tageszeit); hervorbrechen (von Lichterscheinungen)‹.
Vorwiegend älteres und mittleres Frnhd.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
2
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 342, 9
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Das götlîche lieht gât ûf in der sêle.
Luther. Hl. Schrifft. 1. Mos.
19, 15
(
Wittenb.
1545
):
D Ann die Morgenröte auffgieng / hiessen die Engel den Lot eilen.
Ebd. Mt.
4, 16
:
die da sassen / am ort vnd schaffen des tods / den ist ein lieht auffgangen.
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz.
71, 29
(
alem.
,
um 1430
):
frü by der zit, so der tag uff gaut.
Sappler, H. Kaufringer
1, 83
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
Da nun der liechte morgen | was kommen und aufgegangen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 35, 3
;
Päpke, Marienl. Wernher
3326
;
Rieder, St. Georg. Pred.
58, 26
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
14, 52
.
16.
›entstehen, sich erheben, ausbrechen (meist von negativ bewerteten Bezugsgrößen)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5,
1
 9,  4.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel
821
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Ein riche dar nach uf gat, | Isen glich ez hie bestat.
Ebd.
6157
:
In irn richen ouch her nor | Muz sunde, valscheit uf gan.
Bernoulli, Basler Chron.
4, 30, 9
(
alem.
,
1424
):
ee der krieg uͦfgieng.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
5173
(
schwäb.
,
1453
):
So förcht ich auch den grossen gewalt, | Der yetzen uff dem mer uffgaut.
Chron. Augsb.
4, 247,
Anm. 2 (
schwäb.
,
1529
):
[ain kranckait] ist nachmals auf das land [...] auch kuͦmen [...], also durch das gantz land aufgangen.
Koller, Ref. Siegmunds
327, 44
.
17.
›anschwellen‹; von Teig: ›sich ausdehnen, aufgehen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  3,  12.
Syntagmen:
brot / kuchen / teig a.
Wortbildungen:
aufgang
4.

Belegblock:

Maaler
32v
(
Zürich
1561
):
Aufgang des brots im ofen / weñ mans eyngeschossen hatt.
Ebd.
33r
:
Aufgon / Sich blaͤyen.
Pfälz. Wb.
1, 373
(a.
1590
);
Schweiz. Id.
2, 12
.
18.
›etw. (z. B. eine Tür) öffnen; sich öffnen, aufgehen, entfalten (von Knospen)‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. 4. Mos.
17, 8
(
Wittenb.
1545
):
fand er [Mose] den stecken [...] grunen / vnd die blüet auffgangen vnd mandeln tragen.
Ebd. 1. Kön.
7, 26
:
Seine dicke aber war ein hand breit / vnd sein rand war wie eines Bechers rand / wie ein auffgegangen Rosen.
Ebd. Jes.
5, 27
:
keinem gehet der gürtel auff von seinen Lenden / vnd keinem zweisset ein schuchrime.
Chron. Augsb.
8, 101, 12
(
schwäb.
, zu
1561
):
des statwagners gesell [...] hat die thür zuͤgehalten, daß der Manlich nit aufthon muegen.
Maaler
33v
;
Dietz, Wb. Luther
129
-130;
Schwäb. Wb.
1, 380
.
19.
›anfallen, entstehen, erwachsen (von Kosten o. ä.)‹; subst.: ›Aufwand‹.

Belegblock:

Loersch, Weist. Boppard
129, 16
(
mosfrk.
,
1598
):
was den scheffen weiters ufgehet, sollen die partheyen auch bezahlen.
Kollnig, Weist. Schriesh.
122, 14
(
rhfrk.
,
1599
):
der muß allen kosten ausrichten, der uffgangen ist.
Turmair
4, 1084, 14
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Hat den überflus in claidern [...] abtan, an im selbs angehebt, die kost und das aufgên des kaiserlichen hofs gemindert.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V.
90, 25
;
Merk, Stadtr. Neuenb
79, 5
;
Rwb
1, 873
;
Pfälz. Wb.
1, 373
;
Schweiz. Id.
2, 14
.
20.
›etw. (z. B. einer Forderung) entsprechen, gleichkommen‹.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
gegen eine forderung a.

Belegblock:

Rwb
1, 873
(a.
1698
).
21.
›Abgang finden, weggehen, verkauft werden (von Waren)‹.

Belegblock:

Chron. Augsb.
9, 335, 17
(
schwäb.
,
1536
):
man wollt darüber lassen umbsagen, und was aufgieng, sollt im sein gelt darumb werden.
Ebd.
337, 3
:
da gab man das schmaltz umb. kr. 4, dann es wollt nit theurer aufgon.
22.
›draufgehen, verbraucht werden‹; mit negativer Wertung: ›verschwendet werden‹; von der Zeit: ›vergehen, ablaufen, dahin gehen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  8 (zur letzten Variante).

Belegblock:

Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
199
(
pfälz.
,
1436
):
da etwan uil tusent jare uffgangen sint.
Chron. Nürnb.
2, 306, 16
(
nobd.
,
1450
):
am anfang des krigs [...], so lud man oft 8 oder 12 wegen mit brot, und daz ging denn alles auf.
Ebd.
5, 636, 10
(
1501
):
daselbst sind auf einen ieden tag beileufig dritthalb tausent laib brot aufgangen.
Chron. Augsb.
4, 221, 2
(
schwäb.
,
v. 1536
):
sein sun Joachim und sein tochtermann Frantz Baungartner haben auff ain nacht in ainem panget thüren laussen auffgan und verthon [...] 10000 fl.
Dietz, Wb. Luther
129
-130;
Schwäb. Wb.
1, 380
;
Schweiz. Id.
2, 14
.
23.
›umschlagen, sich unvermittelt verkehren, verändern (vom Wein)‹, auch mit Verschiebung der Bezugsgröße auf das Weinfaß.

Belegblock:

Mollwo, Rotes Buch Ulm
202, 32
(
schwäb.
,
1376
):
Weres aber, das dehainem winschenken hie ze Ulme dehain soͤlich vass wins, so er das uffgetaͤt und anfienge ze schenken, ufgienge saiger oder ungerecht wuͥrde, das er das nicht mer schenken woͤlte.
Ebd.
203, 4
;
Schweiz.Id.
2, 14
.
24.
›jn. verspotten, lächerlich machen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (V.) 1.

Belegblock:

Maaler
33r
(
Zürich
1561
):
Aufgen für Verspotten [...]. Sy habend den alten lassen Aufgen vnnd verspottet. Deridiculo fuit senex.
Schweiz. Id.
2, 14
.
25.
etw. aufgehen lassen
›etw. veröffentlichen, erlassen‹.
Syntagmen:
eine verschreibung a. lassen.

Belegblock:

Rwb
1, 873
(a.
1664
).