aufkommen,
V.;
eng zusammengehörig 1-4 unter dem Aspekt ‘im konkreten Sinne in die Höhe gehen’; 5-8 ‘sich sozial (so 5-6) oder biologisch (so 7; 8) durchsetzen, halten’, insgesamt steht 4-8 im Übertragungsverhältnis zu 1; die Bedeutungen 9-13 sind eng zusammengehörig unter dem Aspekt ‘plötzlich in Erscheinung treten’; 14 isoliert.
1.
›aufstehen, sich vom Boden erheben; sich aufwärts bewegen, aufsteigen‹, speziell von Fischen: ›auftauchen‹.

Belegblock:

Feudel, Evangelistar
131, 21
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
den ersten visch nym der do uf kumt.
Päpke, Marienl. Wernher
14251
(
halem.
,
v. 1382
):
Si kam uf zuͦ der engel lant | Die da Virtutes sint genant.
Chron. Augsb.
7, 340, 12
(
schwäb.
, zu
1559
):
ist Jr mt. sambt dem pferd hernider gefallen, doch kain schad geschehen. und als Jr mt. aufkomen und das schwein selbst stechen wellen.
Rwb
1, 886
.
2.
›auferstehen (von Christus)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod.
2515
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Weder Jesus lebende si uf komen | oder er uns toter si benomen.
3.
›sich ausdehnen, aufgehen (vom Teig)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  17.

Belegblock:

Pfälz. Wb.
1, 381
(a.
1532
).
4.
›aufgehen (von Geschwüren, Blasen o. ä.), sich öffnen‹.

Belegblock:

Preuss. Wb. (Z)
1, 239
(
14. Jh.
).
5.
›sozial emporkommen, aufsteigen (von Personen und Geschlechtern), zur Macht gelangen (von Stämmen); gedeihen, sich entwickeln (von Einrichtungen)‹.

Belegblock:

Buch Weinsb.
3, 14, 21
(
rib.
,
1578
):
Sin nit die jonkeren Kannegeisser von amtzluden uffkomen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 150, 3
(
Augsb.
1548
):
Wann die Gerechten überhand haben / so gehts sehr fein zuͦ / Wann aber Gotlosen auffkommen / wendet sichs unter den leüten.
Chron. Augsb.
7, 421, 6
(
schwäb.
,
um 1564
):
da hat er sich darnach mit ains schlechten, aufkomen kaufmans dochter [...] verheirat.
Turmair
4, 370, 19
(
moobd.
,
1522
/
33
):
wer urbering von geringem wesen aufkäm, solt alzeit desselbigen eingedenk sein.
Ebd.
5, 2, 12
:
Nach diser zeit sein die Baiern wider aufkomen und der Römer zu ainzing herren worden.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
202, 27
(
m/soobd.
,
16.
/
17. Jh.
):
soll man auch [...] den bösten nutzen und aufkumben deß spittall betrachten.
Rwb
1, 886
.
6.
›gegen jn. die Oberhand gewinnen, e. S./e. P. Herr werden, sich vor jm./etw. retten‹.

Belegblock:

Straus, Juden Regensb.
979, 53
(
oobd.
,
1518
):
kan doch niemandt vor der J. ...vergiften, beschediguͤng fuͤrnoch ufkommen.
Winter, Nöst. Weist.
2, 508, 8
(
moobd.
,
1561
/
77
):
ob ein dieb einem in sein hauß kem, der wirt wurd sein in und kem auf und erschlug [...] ihn.
Schwäb. Wb.
1, 392
.
7.
›gedeihen, aufwachsen, sich entwickeln (von Menschen, Tieren und Pflanzen)‹, mit Verschiebung der Bezugsgröße auch z. B. von Wäldern gesagt.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .
Syntagmen:
kind / knabe / son / wald a., junge mit blut a.
(›aufgezogen werden‹).

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Hos. 8, 7
(
Wittenb.
1545
):
Jr Saat sol nicht auffkomen / vnd jr Gewechs kein mehl geben.
Maaler
34r
(
Zürich
1561
):
Wol Aufkommen die yetz inn jr bluͦst ist.
Pfälz. Wb.
1, 381
;
Schweiz. Id.
3, 272
.
8.
›gesunden, von einer Krankheit genesen; am Leben bleiben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
2. Mose 21, 19
(
Wittenb.
1545
):
Kompt er auff / das er ausgehet an seinem stabe / So sol der jn schlug / vnschüldig sein.
Maaler
34r
(
Zürich
1561
):
Von einer kranckheit wider aufkommen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
135, 13
(
oobd.
,
1349
/
50
):
sô diu muoter gepern schol, sô gêt si in ain tief wazzer, dar umb, daz diu gepurt iht vall auf die erd, wan sô möht si niht auf komen.
Eis, Wahrsagetexte
33, 8
(
1491
/
92
):
Der kranck ist, kompt nit balde vff, das sage ich dir.
Preuss. Wb. (Z)
1, 239
.
9.
›entstehen, aufkommen, üblich werden (von sehr unterschiedlichen Bezugsgegenständen, z. B. von Zöllen, Bräuchen); gegründet werden (z. B. von Städten); in Betrieb gehen (z. B. von Bergwerken); geöffnet werden (z. B. von Bädern)‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1,  1,  8; vgl.  9,  45.
Syntagmen:
bad / bergwerk / keller / müle / stat / (-)reich / abgötterei / brauch / geschrei / lere / teiding / traum a.
;
a.
(subst.)
der einsiedelen
;
aufkommene neuerung.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Dan. 2, 39
(
Wittenb.
1545
):
Nach dir wird ein ander Königreich auffkomen / geringer denn deines.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 61, 3
(
schles.
,
1377
):
das anderswo kein pergkwerck aufqueme, in welches herrn teile das aufkumpt, der sol sein geniessen so er beste mag.
Gille u. a., M. Beheim
453, 101
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Von dieser stat hin auff dem se | wol zwo tagrais [...] | [...] ain stat auff kame, | Venedig waz ir name.
Maaler
34r
(
Zürich
1561
):
Die kunst deß redens ist in d‘ selbigen statt Aufkommen.
Heidegger. Mythoscopia
23, 22
(
Zürich
1698
):
Wie hat die Abgoͤtterey schon vor der Suͤndflutt aufkommen koͤnnen.
Chron. Augsb.
5, 7, 22
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
Wie ain maien bad auffkam für die lemi und schäden von der Frantzosen plattern.
Winter, Nöst. Weist.
4, 2, 10
(
moobd.
,
A. 16. Jh.
):
warum das pandeding ist aufkumben.
Turmair
4, 1060, 26
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Von den münchen und aufkummen der einsidel.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
372, 24
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
es soll auch kein unterthon [...] kein maut, pruggrecht und dergleichen aufkombne neuerungen geben.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
94, 29
(
tir.
,
1464
):
das geschrai des selbigen mordes das cham auf in dem selbigen dorff.
Wutke, a. a. O.
20, 195, 3
;
21, 16, 9
;
152, 22
;
Turmair
4, 277, 10
;
Schwartzenbach
B iiijv
;
Dietz, Wb. Luther
1, 134
;
Rwb
1, 886
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 239
;
Pfälz. Wb.
1, 381
.
10.
›gefunden, entdeckt werden (z. B. von Erz)‹.

Belegblock:

Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 46, 14
(
schles.
,
1355
):
das in der geginheyt irgen keyn ysinsteyn uff qweme in dem obgenanten wichpilde.
Ebd.
91, 13
(
schles.
,
1470
):
ercz, das do umb yn derselben gegenheit gefunden uffkomen und uffbracht worde.
11.
›erscheinen, auf den Plan treten‹.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
2. Mose 1, 8
(
Wittenb.
1545
):
DA kam ein newer König auff in Egypten / der wuste nichts von Joseph.
Ebd.
Richt. 2, 10
:
DA auch alle die zu der zeit gelebt hatten / zu jren Vetern versamlet worden / Kam nach jnen ein ander Geschlecht auff / das den HERRN nicht kennet.
Chron. Augsb.
7, 195, 21
(
schwäb.
, zu
1550
):
als der hertzog mit seinem volck aufkomen und gesehen, daß die von Magdeburg so schwach gewesen, hat er inen nacheilen wellen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
139, 1
(
m/soobd.
,
1607
):
soll ein jeder burger von seinen gesindl 4 mitbringen, in die 2. ordnung stöllen und auf daß beste aufkumen als er kan.
Rwb
1, 886
;
Dietz, Wb. Luther
1, 134
.
12.
›ausbrechen (vom Feuer)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  7.

Belegblock:

Chron. Augsb.
7, 364, 19
(
schwäb.
, zu
1559
):
ist in des Johann de Taxis heusern in ainem kümich auch ain feur aufkomen.
Chron. Magdeb.
2, 136, 20
.
13.
›anbrechen (vom Tag)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1 (Synekdoche),
2
.

Belegblock:

Buck, U. v. Richent. Chron. Conz.
63, 1
(
alem.
,
um 1430
):
früe mornends, als der tag uff kam.
Päpke, Marienl. Wernher
3765
.
14.
›eine Leistung für etw. erbringen, für etw. zahlen, aufkommen‹, meist subst.: ›Einnahme, Einkommen von jm.‹, auch Subst. des Part. Präs.:
aufkommende
(a. 1549; 1592).

Belegblock:

Mosler, UB Abtei Altenb.
2, 747, 20
(
rib.
,
1390
):
davan doin allit, dat davan geburt zo doin, id sy van upkomen of van nedervalle.
Ebd.
259, 8
;
Rwb
1, 886
;
Schweiz. Id.
3, 272
.