aufrichten,
V.
Die Bedeutungen 1-4 sind verbindbar durch die Vorstellung ‘etw. nach oben richten’, 5-7 daran assoziativ anschließbar; 8-12 zusammengehörig durch das Inhaltsmerkmal ‘etw. gründend oder vollziehend leisten’, 13-16 durch das Merkmal ‘etw. Rechtsgültiges bewirken’; 17 isoliert.
1.
›etw. physisch aufrecht hinstellen, aufstellen, in die Höhe richten, (Wasser) aufstauen; gerade nach oben verlaufen; nach oben wachsen, sprießen; jn. körperlich aufrichten, jn. (z. B. Christus) aufgerichtet ans Kreuz schlagen; sich körperlich aufrichten, erheben, aufgerichtet gehen / stehen; eine aufrechte Körperhaltung (im Gegensatz zu gebückter, kniender, zusammengesunkener Haltung) annehmen‹; als Synekdoche zu ›sich erheben‹: ›aufbrechen, sich aufmachen‹; als Ütr.: ›sich hochmütig benehmen, sich auflehnen; jn. rehabilitieren‹.
Phraseme:
den kam aufrichten
›sich überheblich benehmen‹.
Bedeutungsverwandte:
, ,  1,  3, (V.) 3, (zu ›sich erheben‹); vgl.  1,  1,  1,  11,
1
 1,  1, .
Syntagmen:
die gleie
(›Lanze‹)
/ kerze / schlange
(als Zeichen)
/ säule, den galgen / götzen / spies / stein / leiterbaum, das banier / kreuz / mal / segel / zeichen a., jn.
(auch:
sich
)
a., jn. an kreuzes stam a.
;
aufgerichtetes fänlein, aufgerichteten leibes sein, aufgerichtete beine haben, aufgerichtet stehen / sein.
Wortbildungen:
aufrichtung
1.

Belegblock:

Schöpper
19a
(
Dortm.
1550
):
auffschwellen schwantz vffwerffen den kam vffrichten sich vffblaͤhen sich auffbruͤsten hochfart treiben.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
8182
(
rib.
,
1444
):
Tzwae gleyen hadde sij up gericht, | In beide yre ougen stijff gesticht.
Froning, Alsf. Passionssp.
5644
(
ohess.
,
1501ff.
):
helffet uns das crucz uffrichten!
Feudel, Evangelistar
35, 6
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
richte her sich uf unde sprach: ‘swelch uwir ane sunde sy, der werfe an sy den ersten steyn’.
Ebd.
123, 10
:
Jhesus nam en by syner hant unde richte en uf.
Hübner, Buch Daniel
6628
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
[Danyel] Richte dich uf! min zunge | Wil mit dir sprechen.
Luther. Hl. Schrifft. 1. Sam.
15, 12
(
Wittenb.
1545
):
[Samuel] ward angesagt / das Saul gen Charmel komen were / vnd hette jm ein Siegzeichen auffgericht.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
92, 8
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
sollen die spis alwegenn vffgricht sein, bis mann sicht, wo man sie will angreyffenn.
Chron. Nürnb.
4, 166, 11
(
nobd.
,
15. Jh.
):
stund er aufgericht und er het zwen degen ploß, die setzt er an seinen ploßen hals.
Bell, G. Hager
162, 1, 21
(
nobd.
,
1597
):
Das [wasser] aber her ab kam mit fleiss | Sollicher weiss | auf gericht, [...] | wie ein Mauren.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 371, 13
(
Nürnb.
,
1631
):
auffgericht ans Creutzes stamm, | Verspott war er von jederman.
Fuchs, Murner.
4
Ketzer 4215 (˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Zwuͦ seülen hettents vffgericht.
Päpke, Marienl. Wernher
10235
(
halem.
,
v. 1382
):
Do Maria das crúce uf richten sach.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2930
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
[er] hat in guͦter zuͦ versicht | Die laiter boͮme uns uffgericht.
Koppitz, Trojanerkr.
15734
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Ir segel ward da uff gericht.
Maaler
35v
(
Zürich
1561
):
Sich Aufrichten / Aufwachsen. Sagt man von zweyen vnnd kreuteren.
Ebd. :
Der schlang Richt sich zornigklich Auf / oder emboͤrt sich trutzlich.
Sappler, H. Kaufringer
15, 38
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
[das weib] richt sich auf an dem pett.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
62, 13
(
Ulm
1486
):
Bugglot. Vast gebogen vor alter das er sich nit mocht auff richten.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
30, 12
(
oobd.
,
1349
/
50
):
ist der mensch ains aufgerihten leibes gegen dem himel.
Ebd.
73, 9
:
daz feur [...] prinnet, wenn man die kerzen aufriht.
Ebd.
288, 26
:
[der weisel] hât [...] aufgerihteu pain.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
199, 10
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Mit dem richt sich der pfaltzgraf mit den seinen zu ross auf.
A. à S. Clara. Deo Gratias
34, 23
(
Wien
1680
):
wir Wienner aber / durch Aufrichtung der Seulen / haben viel tausend beym Leben erhalten.
Quint, Eckharts Pred.
296, 6
;
Kurz, Waldis. Esopus
1, 34, 28
;
Feudel, a. a. O.
35, 10
;
122, 3
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
24, 30
;
Luther. a. a. O. Mk.
1, 31
; Joh.
8, 6
; Apg.
9, 41
; 1. Mose
28, 18
;
37, 7
; 4. Mose
21, 8
; Hes.
39, 15
; Dan.
10, 11
;
Kehrein, a. a. O.
1, 5, 2
;
Bihlmeyer, Seuse
199, 23
;
Sexauer, Schrr. in Kart.
219, 19
;
Päpke, a. a. O.
1241
;
14641
;
Hulsius O ir;
Maaler
35v
;
Rot
311
;
Rwb
1, 925
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 250;
Schwäb. Wb.
1, 408
;
Schweiz. Id.
6, 400
-402.
2.
›(ein Körperglied) hochheben, aufrichten (oft zeichenhaft)‹; Spezialisierung zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.
Syntagmen:
die fäuste / finger / hände, das haupt, den kopf, das auge a.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 154, 4
(
nrddt.
, Hs.
1601
):
Do seindt 2 Becker außgangen, die andern aber alle geblieben und zwei finger aufgericht.
Ebd.
183, 16
:
die Jenigen, so bey dem Rathe und dem Wort Gottes bleiben wollen, die richten alle ihre Hende uff wie ich.
Luther. Hl. Schrifft. Ps.
3, 4
(
Wittenb.
1545
):
du HERR bist der Schild fur mich / Vnd der mich zu ehren setzet / Vnd mein Heubt auffrichtet.
Ebd. Apg.
9, 41
:
[Petrus] gab jr [Tabea] die hand / vnd richtet sie auff / [...] vnd stellet sie lebendig dar.
Rieder, St. Georg. Pred.
230, 3
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Daz ander oge da mit wir Got nach sont sehen, daz ist ain uf gerihtes oge.
Schweiz. Id.
6, 401
.
3.
›sich erheben, sich aufrichten (von Menschen, menschlichen Kräften, religiösen Gegenständen); etw. (religiöse Kräfte) aufrichten, stärken‹; als Part. Prät. auch: ›aufrecht, aufrichtig‹; Ütr. zu 1.
Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  2,  12,  3.
Syntagmen:
den geist / sin, das gemüt / gewissen / herz, die kunst / sele a.
;
ere gottes sich a., sich gen himmelreich a., sich in begerunge / minne a., jn. a.
;
aufgerichtetes gemüte, aufgerichtete begierde
;
im herzen aufgerichtet sein
;
eitles a.
(subst.).
Wortbildungen:
aufrichtung
2.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 313, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz daz oberste teil der sêle sol stân ûfgerihtet staeticlîche.
Ders., Eckharts Trakt.
265, 8
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
die [sinne] werdent hie ûfgerihtet und gote ordenlîchen erboten.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
3, 36
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
wo die demutikeit enspringt, do richtet sich auch auf die ere gots.
Gille u. a., M. Beheim
73, 132
f. (
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
so wir vallen, sy [engel] uns auf | richtent.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
173
(
Nürnb.
1517
):
Got ist er alzeit einformig und derhalb in seinem herzen aufgericht.
Vetter, Pred. Taulers
24, 20
(
els.
,
14. Jh.
):
ein ufrihtunge des gemuͤtes in Got und in ein entlidigen des innewendigen grundes.
Ebd.
262, 30
(Hs.
1359
):
des sol der geschaffene geist sich vereinen und uf richten und sich in senken in den ungeschaffenen geist Gotz.
Ebd.
425, 29
(
14. Jh.
):
daz du habest ein ufgerihtet gemuͤte in Got.
Adrian, Saelden Hort
375
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
ich wil min hertz uf rihten, | min hobet wil sich geslihten.
Ebd.
684
:
[dú maget] mit hertzen, ogen, hende sich | rihtende uf gen himelrich.
Steer, Schol. Gnadenl.
5, 157
(
halem.
,
15. Jh.
):
daz got vúrkome die sele vnd si erweke vnd si beruͤre vnd vf richte zuͦ dem guͦten gedanke.
Maaler
35v
(
Zürich
1561
):
Das gemuͤt widerumb Aufrichten vnd ein hoffnung haben / Einen muͦt machen.
Rieder, St. Georg. Pred.
145, 2
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
nu riht uf, sel min, all din kunst.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
42, 30
(
tir.
,
1464
):
ich wais wol, das die pösen menschen sich auf werden richten zu verstrikhen die sëlen der ainuelttigen getreüen menschen.
Vetter, a. a. O.
99, 31
;
245, 14
;
Adrian, a. a. O.
463
;
Strauch, Schürebrand
15, 18
;
Rieder, a. a. O.
23, 37
;
Voc. Teut.-Lat. g VIIIr;
Dietz, Wb. Luther
140
;
Winkler, Flugschr.
1975, 89
.
4.
›etw. (Gebäude aller Art) errichten, aufbauen; etw. (das eine vertikale Dimension nach oben oder unten hat, z. B. Möbel, Anlagen aller Art) bauen‹; speziell: ›den Haspel über einem Bergbauschacht errichten‹ (als Zeichen der Inbetriebnahme des Bergwerks und des Besitzes der Abbauberechtigung).
Syntagmen:
das gezelt / haus, die burg / hütte / kapelle / stat / werkstat, den bau / turm, das fas, die bank / falle / schiesstat / wasserkunst, den altar / aquaeductus / feuerkasten / predigtstul / tisch a.
Wortbildungen:
aufrichtung
3.

Belegblock:

v. Tscharner, Md. Marco Polo
21, 18
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
richt man das hus uf in deme monen junio.
Luther. Hl. Schrifft. Joh.
2, 19
(
Wittenb.
1545
):
Brechet diesen Tempel / vnd am dritten tage wil ich jn auffrichten.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
131, 8, 21
(
schles.
,
1345
):
daz ir mugit [...] eine kapelle adir ein betehus vf richtin vnde buwin.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 30, 35
(
schles.
,
1533
):
seine mitgewercken drei grosse wasserkunste daselbst [...] aufrichten erpoten.
Asmussen, Buch d.
7
Grade 155 (
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Esechiel sach aufgeriht | [...] |einen tempel hoh auf ainen perch.
Wickram
4, 9, 6
(
Straßb.
1556
):
an offenen strassen / tisch und baͤnck auffgericht / ire speisen zuͦsamen getragen / und also tugentlich miteinander gessen.
Maaler
35v
(
Zürich
1561
):
Aufrichtung eines bauws.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
223, 25
(
schwäb.
,
v. 1542
):
sent fuer casten [...] in der statt gar aufgericht und außgemacht worden.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
180, 25
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
sich nicht understehen bei ihren heüßern schießstett aufzurichten.
Ebd.
437, 19
(
17.
/
18. Jh.
):
soll sich keiner [...] unterstehen [...] cleng und fallen aufzurichten und abzuschiessen.
Paul, Wb. Bergmannsspr.
1987, 134
(
Wien
1573
):
der Schacht / mit seiner gerechtigkait / als fuͤlpaum / Stützen / Rippaum / Einhorn / Sail / zwo HenckPenck angeschlagen vnnd aufgericht.
Luther, a. a. O. 1. Mose
12, 8
; 2. Mose
26, 30
; 4. Mose
21, 27
; Jes.
23, 13
; Jos.
6, 26
; Esr.
5, 11
;
Ermisch, Sächs. Bergr.
118, 16
;
Asmussen, a. a. O.
81
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
203
;
Chron. Augsb.
1, 318, 13
;
7, 55, 24
;
327, 29
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
48, 24
;
Serranus 7r;
Maaler
35v
;
Rot
287
;
Ulner
56
;
Rwb
1, 928
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 250;
Schweiz. Id.
6, 401
.
5.
›etw. (z. B. einen Chor, Heeresabteilungen) aufstellen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.

Belegblock:

A. à S. Clara. Deo Gratias
11, 20
(
Wien
1680
):
Music von zweyen hierzu aufgerichten Choͤren.
Schweiz. Id.
6, 403
.
6.
›etw. in besonderer Weise herrichten, zurechtmachen‹; speziell im Bergbau: ›einen Trog Gestein neben den Schurf schütten und einen grünen Zweig hinein stecken‹ (als Zeichen für die rechtsgültige Inbetriebnahme des Bergbaubetriebs); mit der Spezialisierung offen zu 9.

Belegblock:

Paul, Wb. Bergmannsspr.
1987, 134
(
Wien
1573
):
auß ainem yeden Schurff / ain halber trog vol Perges / mit ainer Khratzen genomen / neben dem Schurff geschüt vnnd gestürtzet werden / vnnd sol darein ain grüenes Zweig gestecket werden / vnnd diß sol also ain zaichen [...] sein, das Er ordentlich sey aufgericht.
Schweiz. Id.
6, 404
.
7.
phras.:
ein dorf / haus im roten feuer aufrichten
›ein Dorf / Haus in Flammen aufgehen lassen‹.

Belegblock:

Schweiz. Id.
6, 402
(a.
1523
).
8.
›etw. gründen, stiften; etw. (meist: durch obrigkeitlichen Beschluß, seltener: aufgrund privaten Entschlusses) einführen, einrichten‹.
Syntagmen:
den/ einen anlas / brauch / brief
(›Urkundeninhalt‹)
/ bund / frieden / glauben / handel / markt
(mehrfach)
/ orden / stand / stok
(›Almosenstock‹)
/ zol, das gericht / gewerbe / reich / statut / zolgeld, die / eine abgötterei / apoteke / auflage / bruderschaft / burse / herschaft / kirchfart / messe / müle / münze / neuerung / ordnung
(mehrfach)
/ satzung / schmiede / schule / stat / steuer / werkstat / zunft
(mehrfach)
a.
Wortbildungen:
aufrichter
3.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron.
26, 4
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
he richte uf di herschaͤft von Drevorde.
Luther. Hl. Schrifft. Apg.
1, 6
(
Wittenb.
1545
):
HErr / wirstu auff diese zeit wider auffrichten das reich Jsrael?
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 61, 33
(
schles.
,
1538
):
ein eyssnhandl, den er uf den Freudentalischen guetern ufzerichten vermaint.
Kurz, Murner. Luth. Narr
3433
(
Straßb.
1522
):
Ich hab gerichtet vff ein bunt, | Den nie kein mensch an sigen kunt.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
22, 30
(
Straßb.
1650
):
in dem sie eine neue Aufflag oder Zollgelt auff unserm Weg auffrichten wollen.
Chron. Augsb.
4, 164, 18
(
schwäb.
,
v. 1536
):
haben auch ain stock in sant Peters kirchen [...] auffgericht, das allenmuͦssen einzuͦlegen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
84, 25
(
moobd.
,
1478
/
81
):
viel das volk von dem glauben Cristi und richten wider auf ir abgötterey.
Ebd.
114, 26
:
richt er auf Compostel und machte da ein patriarchtumb.
Turmair
4, 406, 2
(
moobd.
,
1522
/
33
):
hat die gröst liberei [...] in der hauptstat in dem land Africa [...] aufgericht.
Ebd.
778, 20
:
Symon mit seinen nachkummen hat ein besundern orden in der christenhait aufgericht.
Ebd.
882, 4
:
Diocletianus ain vater und aufrichter der goldenen gnadenreichen neuen welt zuegenant von den gelerten wirt.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
161, 6
(
smoobd.
,
1585
):
soll sich kainer underwinden, [...] ze hülzen, ze pauen oder ainiche neuerung aufzerichten.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
13, 23
(
m/soobd.
,
1577
):
hab ich [...] ein albmordnung aufgericht.
Luther, a. a. O. 1. Mose
6, 18
; 1. Makk.
6, 60
; Dan.
2, 44
;
Welti, Stadtr. Bern
427, 6
;
Chron. Augsb.
7, 147, 22
;
148, 5
;
8, 111, 9
;
9, 73, 11
;
380, 23
;
Spiller, a. a. O.
51, 21
;
Turmair
4, 70, 21
;
Mell u. a., Steir. Taid.
3, 5
;
10, 18
;
42, 25
;
Bischoff u. a., a. a. O.
13, 20
;
277, 4
;
471, 41
;
Maaler
35v
;
Dietz, Wb. Luther
140
;
Rwb
1, 925
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 250;
Schwäb. Wb.
1, 408
;
Schweiz. Id.
6, 402
/3.
9.
“›eine bergmännische Anlage in bauhaften Zustand versetzen und damit den Rechtsanspruch auf dieses Bergwerkseigentum wahren‹“ (so Paul, s. u., S.
133
); ›(ein Bergwerk) in Betrieb nehmen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  12,  11.
Wortbildungen:
unaufgerichtet
für eine „nicht in bauhaften Zustand versetzte bergmännische Anlage, deren Eigentumsrecht dadurch verloren wurde“ ( Paul, s. u., S.
133
) (dazu bdv.: ),
aufrichtung
4 ›Tätigkeit und Ergebnis des Aufrichtens‹.

Belegblock:

Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 113, 23
(
schles.
,
1486
):
wir [...] vergonnen [...] mit disem brieve, allenthalben in unsern landen [...] allerlei erczt und perckwerch zu suchen aufzurichten und zu pauen durch sich selbs und ander.
Ebd.
21, 65, 3
(
schles.
,
1538
):
so ist und wurt [...] ein erschieslich berkwerch aufgericht.
Paul, Wb. Bergmannsspr.
1987, 133
(
Wien
1573
):
ES sollen alle [...] die da Perckhwerch pawen / [...] alle Jar / wann man die Perckhwerch widerumben auf new pflegt aufzurichten / auf jhre Schurff vnnd Perckhwerch fleissig achtung haben.
Ebd. :
dise aufrichtung der Hütten vnnd Müllen / sol ... alle halbe Jar vernewert vnnd aufgericht werden.
Wutke, a. a. O.
20, 205, 25
;
Paul, a. a. O.
130
;
133
.
10.
›etw. veranstalten, abhalten, durchführen‹; hier anzuschließen das im Rwb
1, 925
einmal belegte: ›einen Prozeß anstrengen‹ (17. Jh.); offen zu 11.
Syntagmen:
das fest / kapitel
(›Sitzung eines Kapitels‹),
die disputaz / fart, den markt / prozes a.

Belegblock:

Fuchs, Murner.
4
Ketzer 409 (˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Der obseruantzer orden hatt | Zuͦ wimpen [...] | Ein capitel vffgericht.
Ebd.
3759
:
Sy hetten einen grossen hatz | Vnd richtent vff ein disputatz.
Merk, Stadtr. Neuenb.
97, 11
(
nalem.
,
1523
):
in derselben stadt Newemburg alle jar auf sant Jorgen tag ain jarmarkt aufzurichten und zu halten.
Chron. Augsb.
9, 166, 17
(
schwäb.
,
1368
):
wann nun die ordnung des rats session von den zunftmaistern auffgericht würde.
Schweiz. Id.
6, 403
.
11.
›etw. erfüllen, vollziehen, ausführen‹; resultativ zu 10.
Wortbildungen:
aufrichter
4.

Belegblock:

v. Groote, Muskatblut
96, 15
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wol an ir meister dichter gesanges ein ufrichter.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
59, 24
(
halem.
,
1349
):
wir lopten bi únsern eiden [...], stête ze haltenne, ufzerichtenne, ze tuͤnne und ze volleistenne [...] die ordenunge.
Ebd.
63, 24
:
daz si stete haben voͤllenklich und ufrichten, alz da vor geschriben stat.
Welti, Stadtr. Bern
591, 15
(
halem.
,
1539
):
sollent sy [weybel] vonn der statt eynung wegen fürpiettenn vnnd dem grichtschryber, so dz vffrichten vnnd ferttigenn soll [...] ghorsam sin.
12.
›etw. bewirken, etw. erzielen; jm. etw. verursachen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
7682
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
des vroit sich ouch der bôsewicht, | daz er hatte ûfgericht | den cristnen sulche ubirlast.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 198, 35
(
schles.
,
1516
):
vormeynen mit der holffe des almechtigen gotis unsern bergkwergk czum Reichnstein durch etlich offinschmeltzen rosten arbten und zurichtung bessern nocz und fromen auffzurichten.
13.
›etw. sozialverbindlich (meist: rechtsgültig) beschließen, festsetzen, festlegen; (Gesetze o. ä.) erlassen; (Vereinbarungen o. ä.) abschließen‹; offen zu 15.
Bedeutungsverwandte:
 7 (mehrfach),  2,  2, , ; mehrfach im Handlungsrahmen:
etw. aufrichten
, ; vgl.  7,  9.
Syntagmen:
den artikel / frieden / pactum / vertrag / dingzettel, das bündnis / dekret / gesaz / gesez / interim, die ordnung
(mehrfach)
/ vergleichung a., etw. mit briefen a.
;
aufgerichteter abschied / beschlus / vertrag, aufgerichtete ordnung, aufgerichtetes vergleichnis.
Wortbildungen:
aufrichter
5 ›Vertragschließender‹; ›Vormund‹.

Belegblock:

V. Anshelm. Berner Chron.
4, 2, 29
(
halem.
,
n. 1529
):
uf den ersten Ougst ein puͤntnuͤss beredt und vergriffen, [...] beschlossen und ufgericht ward.
Chron. Augsb.
7, 85, 3
(
schwäb.
, zu
1548
):
des heiligen reichs jüngst aufgerichtem reichsabschied und dem beschloßnen Interim.
Ebd.
9, 134, 27
(
schwäb.
,
1544
/
5
):
daß die fürnembsten des römischen senats [...] auch gesatz und decret nach irem gefallen auffgericht.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
177, 9
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Als dise ding also aufgerichtt wurden mit hantfesten, briefen.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
73, 9
(
mslow. inseldt.
,
1603
):
vermug Zwiśchen denen hinterlaßnen erben aufgerechteten vergleichnus.
Kollnig, Weist. Schriesh.
144, 39
;
Chron. Augsb.
7, 295, 23
;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
110
;
Grothausmann, a. a. O.
81, 20
;
Golius
131
;
Schöpper
66b
;
Dief./Wü.
107
;
Rwb
1, 925
;
Shess. Wb.
407
;
Pfälz. Wb.
1, 392
;
Schwäb. Wb.
1, 409
.
14.
›etw. (Maße, Gewichte) eichen‹; Spezialisierung zu 13.

Belegblock:

Rwb
1, 925
(a.
1505
);
Pfälz. Wb.
1, 392
.
15.
›etw. (rechtsförmlich Beschlossenes) schriftlich fixieren, aufsetzen, abfassen, formulieren; etw. (z. B. Inventarlisten) schriftlich zusammenstellen, anfertigen‹; als Synekdoche: ›etw. rechtskräftig beurkunden‹.
Beleghäufung im Obd.; rechts- und wirtschaftsgeschichtliche sowie chronikalische Texte.
Syntagmen:
den brief
(häufig)
/ anlas / schein / vertrag, das buch / gemächtnis / geschäft / inventar / libel / original / testament, die abrede / (-)beredung / quittanz / verschreibung a., etw. schriftlich / vertragsweise a.

Belegblock:

Meisen u. a., J. Eck
26, 24
(
Ingolst.
1526
):
so durch vertrag hochloͤblicher gedechtnuß kayser Maximilianus verordneten commissarien uffgericht und nachgends [...] zuͦ merer bestetigung durch ir maiestet selbs [...] versigelt?
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 77, 23
(
schles.
,
1539
):
freihaiten zu geben aufrichten und ausgeen zu lassen.
Merk, Stadtr. Neuenb.
77, 31
(
nalem.
,
1491
):
die brief, so vor datum dis betrags usserthalb ufgericht und gevertiget sind.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 128, 18
(
Straßb.
1522
):
er solt sie das Testament ires Vatters uff lassen richten.
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
331, 6
(
schwäb.
,
n. 1409
):
Diß original und darbei gelegte vidimirte
[!]
copi ... der Füesischen freihait mit abstraaffung irer burger etc., in anno 1407 aufgericht.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
231, 11
(
moobd.
,
1478
/
81
):
ward doch das selb Testament von hertzog Jörgen nit formlich [...] aufgericht under etlicher seiner landtsässen besiglung.
Zingerle, Inventare
65a
, 36 (
tir.
,
1495
):
sind von wortt ze wortt gegeneinander gleich lauttend gecollacioniret, aufgericht.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
265, 23
(
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
sein diser betädigung [...] zwai gleichlautund libell in rechts vertrags weise aufgericht.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
198, 30
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
ain ordentliches inventari darüber alsobalten aufgericht und verfertiget wiert.
Merk, a. a. O.
179, 24
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
34, 1
;
36, 10
;
Hauber, UB Heiligkr.
1, 505, 26
;
Chron. Augsb.
7, 272, 12
;
9, 164, 4
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 23, 47
;
Spiller, a. a. O.
198, 28
;
Turmair
1, 58, 36
;
Rintelen, B. Walther
137, 26
;
Siegel u. a., a. a. O.
218, 18
;
Winter, Nöst. Weist.
2, 52, 5
;
Bischoff u. a., a. a. O.
300, 38
;
Schöpper
98b
;
Maaler
35v
;
Ulner
388
;
Dief./Wü.
107
;
Scherzius
68
;
Rwb
1, 925
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 250;
Schweiz. Id.
6, 403
.
16.
›etw. gerichtlich beweisen, förmlich darlegen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3,  14.

Belegblock:

Mell u. a., Steir. Taid.
158, 16
(
m/soobd.
,
1. H. 16. Jh.
):
Wo aber ain burger den andern mit scheltwartn seiner ern entsetzt, das sol er auf im aufrichten.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
66, 29
(
smoobd.
,
17. Jh.
):
kombt eer nit und der mag aufrichten, solch schrai gethan [ze haben].
Ebd.
214, 34
(
1624
):
das stet dem glaubiger bevor aufzerichten wie landsprauch und recht ist.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
234, 16
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
welcher ainer schildt und unehrlich bezicht und zu denselben nicht aufrichten mag.
17.
›(jm.) etw. (vor allem: einen Schaden) ersetzen, vergüten; etw. bezahlen‹.
Wortbildungen:
aufrichter
6,
aufrichtung
5.
18.
›jn. ermuntern, aufrichten, stärken, erquicken‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, ,  1; vgl.  2,  2,  3.

Belegblock:

Göz. Leichabd.
214, 1
(
Jena
1664
):
Gott wolle die Herzen der Eltern und hohen Anverwandten gewaltig aufrichten.
Maaler
33v
(
Zürich
1561
):
Eim Auf ein rossz Hellfen / Auff ein rossz setzen. [...]. Auffhelffen / Den bekümberten widerum̃ aufrichten vnnd troͤsten. [...]. Eim Aufhelffen / Fürderen. [...]. Eim Aufhelffen zuͦ guͦt und eer. Aliquẽ erigere [...]. Eim verdorbnen widerumb Aufhelffen. Calamitatem detrahere alicui.
Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 570, 3
(
rib.
,
1497
):
mit uprichtonge aller schaden ind kusten.
Chron. Köln
2, 519, 7
(
Köln
1499
):
[he] wart der viant ind wolde des stiftz cost ind schaden van in upgericht hain.
Behrend, Magd. Fragen
175, 13
(
omd.
,
um 1400
):
das her im do vor gnuk thun wolde und den schaden uff czu richten.
Welti, Stadtr. Bern
94, 37
(
halem.
,
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
im von dem richter gebotten wirt, sin schuld vff ze richtenne dem kleger.
Hauber, UB Heiligkr.
1, 246, 5
(
schwäb.
,
1345
):
daz sont die ietzo genanten geweren der aebtissenn dem convent ze Hailigcruͥtztal [...] ufrihten gar und gaentzlich aun ir schaden.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
322, 29
(
smoobd.
, Hs.
15. Jh.
):
der sol das aufrichten, was er mit dem rechten verlorn hat.
Buch Weinsb.
4, 76, 29
;
Hauber, a. a. O.
1, 236, 20
;
517, 37
;
Rintelen, B. Walther
177,
Anm. zu 21;
Rwb
1, 925
;
927
;
928
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 250;
Schwäb. Wb.
1, 408
;
Schweiz. Id.
6, 404
.