antreten,
V., unr. abl.
1.
›beginnen (im räumlichen Sinne); an jn. angrenzen‹.
Bedeutungsverwandte:
 3,  2 (zu ersterer Variante).

Belegblock:

Wattenbach, Urk. Czarnowanz
49, 13
(
schles.
,
1405
):
der walt antrittet czwisschen dem Fogilsseyfen vnd Lichtenwerden.
Schweiz. Id.
14, 1474
.
2.
›in etw. eintreten, etw. betreten (räumlich gesehen)‹.

Belegblock:

Eschenloher. Medicus
86, 8
(
Augsb.
1678
):
So bald sie aber die Kirchen angetretten / empfande sie [...] grosse Kraͤfften.
3.
›beginnen, anfangen (von Bezugsgegebenheiten, die sich in der Zeit erstrecken); mit etw. (das sich in der Zeit erstreckt) beginnen, anfangen; in Kraft treten‹.
Bedeutungsverwandte:
 5; vgl.  2.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
3638
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
do sie das leben an traten.
Opel, Spittendorf
134, 40
(
osächs.
,
um 1480
):
ab es nicht eher geschen kunde, das die ordenung doch uffs lengste zu weynachten antrete.
Chron. Nürnb.
1, 129, 29
(
nobd.
,
1391
):
die juden und judinn sollen antreten mit halber stewr auf den nehsten sant Walpurg tag.
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
269, 16
(
nürnb.
,
1464
/
75
):
[sie] sullen mit der ersten zallung zu Lucie schirst antretten.
Loose, Tuchers Haushaltb.
109, 14
(
nürnb.
,
1514
):
mit dem ersten ½ czins in der loßungstuben sol der kirchemaister antretten auf Martini.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
6, 369, 16
(
Straßb.
1466
):
do antrad der .vij. moned. do die kinder israhel waren iglich in iren dingen.
Goedeke, Fischart. Flöh haz
2126
(
1594
):
[ich] thet unaufhörlich beten | Den alten, mit mir anzutreten.
Goldammer, Paracelsus
5, 150, 14
(
1530
):
in allen dingen ist die hochst weisheit, die wir mentschen uf erden haben mugen, daß wir in allen dingen mit der forcht gottes antretten
[hier: ›handeln‹].
Lexer, a. a. O.
322, 33
;
Loose, a. a. O.
153, 26
;
Rwb
1, 753
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 185;
Schweiz. Id.
14, 1473
.
4.
›in bestimmte Verhältnisse eintreten, etw. beginnen, übernehmen‹; mit unterschiedlicher Bezugsgröße, z. B.
die not a.
›die Not auf sich nehmen‹;
des sabbates a.
›den Tempeldienst übernehmen‹;
die herschaft a.
›die Herrschaft übernehmen‹;
die arbeit a.
›die Arbeit aufnehmen‹;
das recht a.
›ein Rechtsverfahren aufnehmen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  13.
Wortbildungen:
antretung
,
antrit
5 (dazu bdv.:  2).

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel
2635
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Nu trit wider an die not!
Luther. Hl. Schrifft. 2. Chron.
23, 8
(
Wittenb.
1545
):
nam ein jglicher seine Leute / die des Sabbaths antratten mit denen die des Sabbaths abtratten.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
453,
Anm. (
m/soobd.
,
17. Jh.
):
zuvor ich die besagte herrschaft von dem wolgebornen herren [...] abgeledigt und angetretten.
Ebd.
167, 2
(
1635
):
als ich die herschaft Shielleiten, welche vorher Rindtsheitisch gewesen, angetrötten und in mein posses gebracht.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
6, 3
(
mslow. inseldt.
,
1569
):
wan Er Zue rechter gewöhnlicher Zeit an die Arbeit an Ziehet antritt.
Rwb
1, 753
/54;
Schweiz. Id.
14, 1474
.
5.
›sich zu militärischem Angriff sammeln, zu etw. antreten; etw./jn. angreifen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  14,  9.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
453, 1978
Ü (
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
von dem antretten zw dem sturm vor Triest.
Bernoulli, Basler Chron.
4, 200, 28
(
alem.
,
1446
):
das vil uf dem selben ord verwústet wart, eb sy anderswo antrottent.
Chron. Augsb.
2, 279, 15
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
als die Wirtzpurger antretten sind an den sturm.
Schwäb. Wb.
1, 277
;
Schweiz. Id.
14, 1473
.
6.
›etw. betreffen, antreten, berühren‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
256, 6
(
thür.
,
1474
):
Hat abir ymant schaden gemacht, der daz gerichte antrit.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
27, 1
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
dy xij bayorn di do also geschickit sint czu werbin was dy provincien antrit.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
32, 8
(
schles.
,
1364
):
allir der, die is an tritt adir an getreten mak czu czukumftigen geczeiten.
Ebd.
131, 11, 26
(
1345
):
das nuͦtz vnde vromen der stat antrit.
Ebd.
37, 6
;
Rwb
1, 753
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 185.
7.
›jn. überkommen, befallen, überfallen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  11.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel
7584
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Alzu hant sie al an trat | Leide, durch die rede hie.
Ermisch, Freib. Stadtr.
242, 22
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
wenne di stat [...] eine not antrittit.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
171, 20
(
thür.
,
1421
):
do on die keisserynne straffte, das her torlichen tete, das her seynen schatz alles den armen gebe unde ap on not antrete, denn nicht hette.
8.
›jm. zuteil werden, zufallen; jm. zugehören‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (zu letzterer Nuance),  3 (allg. Nuance).

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
16443
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
sî besammit quâmin | und gevangin nâmin | in der vorholnin vêde | dî cometûre bêde, | den man den Elbinc haldin sach | und Helwîge von Goltbach, | den Cristburc dô trat ane.
Hübner, Buch Daniel
1344
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Waz du uns, herre, tete | Und Jerusalem der stat | Die unser vetre an trat, | Von rechte tete du daz.
Rwb
1, 753
.