peinigen,
V.
1.
›jm. Qual, Pein, Beschwernisse unterschiedlichster Art bereiten; jm. körperlichen Schmerz zufügen, jn. physisch quälen, peinigen‹; offen zu den Spezialisierungen unter 2-5;
vgl.  1.
Gehäuft Texte religiösen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1,  45, ,  2,  3, , , , (V.) 1, , (V.) 6.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 89, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Der danne næme allez daz viur, daz ie gebrante, und schutte ez ûf mîne hant, daz möhte mich niht gepînigen.
Hübner, Buch Daniel
4975
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
daz mir | Ein tropfe nach miner gir | Werde uf die zunge min | Kulende! wand mich der schin | Diz vuers puniget sere.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mk.
1, 34
(
osächs.
,
1343
):
her machite manige gesunt di da gepînegit wâren mit maniger hande pînen, und warf ûz vile tûfele.
Ebd. Lk.
19, 43
:
dich sullin ummegebin dîne vîende mit eime ummelegere und ummegebin dich und pînegen dich allenthalbin.
Voc. Teut.-Lat. ff jv (
Nürnb.
1482
):
Stechen oder prickeln od’ stupffen oder treyben oder raytzẽ. oder peinigen.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
109
(
Nürnb.
1517
):
Was haben wir [teufel] und du mit einander zu tun, o Jesu? Worumb bistu kumen, vor der zeit uns zu peinigen?
Chron. Strassb.
412, 3
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
in [Karle] den fůr der tyfel unde pinigete in drige tage.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel 
1, 29, 1
Var. (
Straßb.
1466
, Var.
Augsb.
um 1475
):
o herr: mein kint leit litsuchtig im haus: vnd wirt vbel gequelt
[Var. P-Oa:
gepeinigt
].
Vetter, Schw. zu Töß
22, 13
(Hs.
15. Jh.
):
do verhangt únser her dem boͤssen gaist als fil sines gewaltes úber sy das sy mit manigfaltigen grossen arbaitten gepinget ward.
Maaler
316r
/v (
Zürich
1561
):
Von vilen vnfaͤlen peyniget vnnd vexiert. […] Von kelte peyniget werden.
Ebd.
407v
:
Einen Treyben / Verspotten / Betriegen / Narren / Peynigen.
Henisch
1502
(
Augsb.
1616
):
Mit Kranckheit fast gepeiniget […]. […]. In allen Glideren gepeiniget werden […]. Von schmertzen geplaget vnd gepeiniget werden.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
20, 11
(
tir.
,
1464
):
Got der verhenngt zu ëtleicher zeit, das die guten müessen leiden vnd gepeiniget werden von den pösen vnd hoffhartigen menschen.
Ebd.
55, 35
:
Die [pösen geiste] schriren vnd sprachen: Jeronime, warum pist tu vns als grösleichhen ëchten vnd peinigen?
Schöpper
21a
;
Feudel, Evangelistar
12, 10
;
25, 16
;
Anderson u. a., Flugschrr.
19,
 11, 10;
28, 7, 15
;
Gille u. a., M. Beheim 
109, 46
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
103
;
Vetter, Pred. Taulers
405, 37
;
ders., Schw. zu Töß
114, 28
;
Eschenloher. Medicus
57, 6
;
Diefenbach
595a
;
2.
›jn. (als Mittel der Strafjustiz, meist zur Erzwingung von Geständnissen) foltern, martern, einem
peinlichen
Verhör unterziehen‹, vereinzelt: ›jn. zu Tode foltern‹; ›jn. (in weltanschaulichen Auseinandersetzungen) physisch peinigen, quälen‹;
im strafrechtlichen Kontext offen zu 3; vgl.  2.
Vermehrt rechtswissenschaftliche und chronikalische Texte.

Belegblock:

Schöpper
68b
 (
Dortm.
1550
):
Punire. Peynigen foltern recken peinlich verhoͤren.
Ulner
334
(
Frankf.
1572
):
Peinigen. peinlich fragen / martern / zerbraͤchen / auff die Volter ziehen / recken / peinlich verhoͤren / voltern / daumenstock anlegen / auff die Leiter hencken / spannen.
Köbler, Ref. Wormbs
342, 8
 (
Worms
1499
):
soll niemant vffgezogen oder mit ernstlicher handlung gepyniget noch gefrogt vnd das gericht der massen nit angefangen werden.
Hübner, Buch Daniel
4663
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Wol mochte er [her Nabuchodonosor] von rechte | Wirdigen swen er wolde, | Ouch nidern so er solde, | Tœten, pinien lute.
Behrend, Magd. Fragen
202, 13
(
omd.
,
um 1400
):
Man sal rechtis halben nymandis pynigen umme ungerichte noch umb missetat, e denne her des vor gerichte vorwunden worde.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck 
168, 20
(
thür.
,
1474
):
Hat der man […] by synem lebin unde als er met pyniclichin sachen in deme stogke vaste vorsucht unde gepyniget wart, […] ußgesaget […], das […].
Thür. Chron.
5r, 20
(
Mühlh.
1599
):
Von diesem [Tarquinius] sind alle Instrumenta erdacht / damit man die Leute Peiniget / Stoͤcke / Schrauben / Fesser / Jumpfer.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 350, 2
(
Straßb.
1522
):
Her der Richter, legen in an das Seil, martyren und pinigen in! Er wuͤrt die Warheit sagen.
Chron. Augsb.
4,
 146, 11 (
schwäb.
,
v. 1536
):
er ist ain hörter, strenger mann gewessen gegen armen leutten an der wag, die man gemarterot und peiniget hat; hat auch darzů ain fraid und begir gehept und besundere instrument darzů gehept, die leut an der wag zů marteren, daß sie verjechen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
207, 27
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
haben sye ainen schawer gemacht auf dem marck vor seiner genadenn herberg und haben darauf gemacht ain reckpannck, darauf sy zwen officir seiner gnaden gereckt und gepeinigt haben.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. 
165, 39
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Er [soldan in Egypten] vieng all cristen und peinigt die vast.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
118, 9
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
45, 30
;
Rauwolf. Raiß
41, 2
;
Heydn. maister
36v, 9
;
Schmitt, Ordo rerum 
695, 11
;
Diefenbach
441
c;
599b
;
Voc. Teut.-Lat. h iiijv; z ijv; ff vr;
Maaler
316r
;
Volkmar
390
;
Dauner, Obd. Bibelgl.
1898, 88
/9.
3.
›jn. (für ein begangenes Unrecht) bestrafen, jn. (schmachvoll und schmerzhaft) strafen, züchtigen; jn. hinrichten‹, einmal: ›js. Leichnam schänden‹; sowohl weltliche Strafen als auch solche in bezug auf religiöse Schuld, dann im Rahmen von asketischen Bußübungen auch: ›jn. / sich geißeln, sich / seinen Körper kasteien‹;
in bezug auf weltliche Strafen offen zu 2, auf religiöse zu 5; vgl.  3.
Überwiegend theologisch(-dichterische) und rechtliche Texte.
Bedeutungsverwandte:
 5,  1112, , ,  2, , .

Belegblock:

Schwartzenbach K iijr (
Frankf.
1564
):
Kaͤstigen. Kasteyen. Den leib maͤgern / Oder Peinigen.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl. 
755
(
pfälz.
,
1436
):
der almechtig barmhertzig got hat sin geriecht gesetzt jn des menschen hant, also nach dem als Appostulus spricht, jst das das mensch sich selber hie pyniget volkommenlich, so wirt es in jhener welt ewiglich nicht gevrteilt zu keyner hand pin.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob 
10311
(
omd.
,
1338
):
Got benymt min recht, | Sint er mich pinget ane schult.
Feudel, Evangelistar 
130, 26
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
der herre wart irczurnet unde hiz en sere pynegen unde also lange biz her ym alle syne schult vorgulde.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
595, 7
(
osächs.
,
1523
/
4
):
Ich Ditterich Zerpfennig gebe schult Ulrich Bottener, das der deube geziegen hat und mich darumb zu stock pracht hat und hat mich in dem gepeiniget und mit strengen geworgt als ein diep.
Anderson u. a., Flugschrr.
19,
 16, 24 ([
Eilenb.
]
1524
):
Jch bin yrre worden / ane allen trost / an Got vnd der creatur zu vberkom̃en / do peiniget mich got / mit meinem gewissen / mit vnglawben / vertzweyflung / vnd mit seiner lesterung / von außwendig / werde ich vberfallen / mit kranckheyt / armut / iamer / vnd aller nodt / von boͤßen leutten.
Langen, Myst. Leben 
162, 30
 (
nobd.
,
1463
):
Her, hy haw mich, hye verwunt mich vnd hie peynig mich, daz du dort mein ewigklich schonest.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
4, 31
 (
halem.
,
1218
):
wer die rechten mãsse nit gibet, der sol gepinget werden alz ein falscher und sol von deshin nuͥt offenlich veil hãn in der stat.
Lindqvist, K. v. Helmsd. 
3650
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Zů dem [knecht] sprach er [herr]: ,du boͤswicht, | Ich schnid da ich nie gesat‘, | Und hiess in pingen gar gedrat | Und berǒben aller eer.
Koppitz, Trojanerkr.
19162
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Mitt dem totten er gerïtt | Dristund umb die veste. | […] | Alsus der künne ritter zartt | Nach todes fraisse gepingett ward.
Mollwo, Rotes Buch Ulm
207, 6
(
schwäb.
,
1427
):
dar umbe er an sinem libe oder leben zu straufen, ze buͤssen ald ze pingen were gewesen.
Ebd.
223, 10
(
1418
):
das Got der herre uͥberfluͥssikait der hoͧchfart und unmaͤssikait uͥbriger coste […] mit straͧfe gepinget haͧt.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
28, 25
(
tir.
,
1464
):
Die menschen, die got lieb hat, die ist er offt straffen vnd peinigen.
Dies., Imitatio Haller
98, 18
 (
tir.
,
1466
):
Du solt iczund deinen leichennamen peinigen vnd kchestigen durch die pueswertikhait, das du dar nach ewikchleichen getröstet werdest inn dem reich gottes.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V. 
20, 23
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
130, 3, 31
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
183, 36
;
394, 37
;
Chron. Augsb.
7, 429, 9
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. 
25, 13
;
Maaler
7r
;
243r
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 94
.
Vgl. ferner s. v.  1.
4.
›jn. peinigen, foltern, martern (speziell auf Christus bezogen)‹;
vgl.  7.
Theologische Texte, meist in Versform.
Bedeutungsverwandte:
, (V.),  1.

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch 
3484
(
rib.
,
1444
):
dat he wart | Under Pilatus gepyniget hart, | Gecruciget, starff ind wart begraven.
Froning, Alsf. Passionssp. 
34
(
ohess.
,
1501 ff.
):
unßer her Jhesu Crist, | der ßo ser gepynniget ist | umb das mer gesundiget hon!
Mayer, Folz. Meisterl. 
80, 124
(
nobd.
,
1517
/
8
):
Am jüngsten dag, | So dy jüden selbs sehen, | Wy sie doch hie gepeinigt hon, | Genagelt an, | Die ir gewissen erst dar umb wirt schmehen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 15, 8
 (
Nürnb.
,
1631
):
Die Helig fuͤnff Wunden roth, | Welche den Sohn Gottes milde, | Peinigt haben biß in Todt.
Lindqvist, K. v. Helmsd. 
1606
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
die faigen juden, | Der spot und schal mit worten flugen, | Mitt nid und mitt falschem rat, | Jhesu, din hertz gepingot hat.
Meijboom, a. a. O.
11130
;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk.
8, 45
;
Kehrein, a. a. O.
1, 162, 2
;
Lindqvist, a. a. O.
2066
.
5.
›jn. in der Hölle, Verdammnis, in alle Ewigkeit peinigen, martern, foltern‹, teils als Strafe für die Sündhaftigkeit des Menschen gedacht;
vgl.  8.

Belegblock:

Steer, W. v. Herrenb. Büchl. 
293
(
pfälz.
,
1436
):
So nü die sele des menschen vntzergenglich ist vnd ewig vnd ,jr belonet wirt nach iren wercken‘, so ist dem menschen ein notdurfft, das es jn dieser zyt gute wercke volnbringe, wil es ewiglich nicht verlorn werden vnd jemerlichen gepyniget.
Palmer, Tondolus
237
 (
Speyer
um 1483
):
Do sprach der engel in disem tal werdent ewiglich gepiniget die in hochfart sterbent […] Aber den berg den du vor dir sichst do werdent in gepiniget alle die wider die warheit lebent.
Gille u. a., M. Beheim 
81, 56
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
gedenk, das du in deinem lebm | me auf der erden hoste | Dein guten ding genomen ein. | darumb wirstu yczt in der pein | gepeinigt und geröste.
Chron. Augsb.
7, 429, 7
(
schwäb.
, zu
1564
):
Auf das ward beschließlich mit urtail erkennt: dieweil Panurgus in allen und jeden hellischer straff(würdigen) lastern zum hechsten verschuldt befunden, daß er umb gerechter rach und widergeltung willen von allen laster straffenden teufeln samentlich und zuͤmal angriffen und fürohin ewigclich auf allerlei form, weiß und weg geplagt, gepeinigt gemartert und gestrafft werden sollt. solche urthail die teufel mit großen freuden annamen, in, der gern appelliert hett, zur pein hinzogen, mit schwerer, grausamer, schmerzlichister und unendlicher marter peinigten, auch unaufhörlich und imerwerend peinigen werden. amen!
6.
›jn. psychisch plagen, quälen, peinigen, jm. inneren Schmerz zufügen; jn. beunruhigen, betrüben, niederdrücken, demütigen, ängstigen‹; refl.: ›sich ängstigen, innerlich quälen, grämen‹;
vgl.  5.
Gehäuft Texte religiösen und didaktischen Inhalts.

Belegblock:

Matthaei, Minner. I,
7, 401
(Hs.
15. Jh.
):
ich [frawe] wil dich [ritter] pinigen sus und so, | daz dir verget din mut so ho.
Schöpper
21a
 (
Dortm.
1550
):
Engstigen […] ängsten vexieren peynigen […] vnseligen vmbtreiben verkuͤmmern.
Strauch, Par. anime int.
129, 10
(
thür.
,
14. Jh.
):
queme Got in di sele und inwere si ime nicht glich, si worde da fon gepinigit.
Neumann, Rothe. Keuschh. 
2659
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
ess piniget auch ein swerer mud.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk.
12, 50
(
osächs.
,
1343
):
mit einer toufe habe ich getouft zů werdene, und wî werde ich gepînigit, biz daz si volbrâcht wirt.
Langen, Myst. Leben 
155, 12
 (
nobd.
,
1463
):
daz vnter allen pein der verdampten menschen am aller maist peynigt dy verdampten, daz sy ir zeit, dy in got verlihen hat, vnnuczlich verczert haben.
Ebd.
189, 6
:
das ich mich der großheit der offenwarung nicht vberhebe vnd vberneme, dor vmb so ist mir geben sathanas, das er mein fleiß peinige.
Hampe, Ged. v. Hausrat
1, 7, 12
(
Nürnb.
,
n. 1480
):
So dan des weib geperen sol | wirt der mon gepeiniget wol | gar eilet heist mon in do hol | dy hebam müs er hab.
Maaler
316r
(
Zürich
1561
):
Sich selbs peynigen / auß forcht der marter. Angi timore cruciatus.
Rot
358
(
Augsb.
1571
):
Vexirn, Plagen / engstigen / bekümmern / peynigen / vnruͤhig machen / einem mit wort vnnd gsoͤtt vbel thůn.
Strauch, a. a. O.
85, 15
;
Gille u. a., M. Beheim 
75, 124
;
Vetter, Pred. Taulers
150, 19
;
Diefenbach
595a
;
Vgl. ferner s. v. .