1
reden,
V.;
zu
mhd.
reden
›sprechen‹
().
- Die Ansätze 1-4 beziehen sich auf die Fähigkeit des Menschen, sprechen zu können, und zwar: (1) auf diese Fähigkeit generell, (2) auf das Beherrschen einer bestimmten Sprache, auch einer Fremdsprache, (3) auf die Art und Weise, wie das Reden vollzogen wird bzw. werden soll; Ansatz (5) eröffnet den Bezug zum Gesagten als Reden über etw., gefolgt vom Reden über jn. (6), speziell das bewertende Reden über jn. (7); die Ansätze 8-13 sind dialogisch, adressaten- und aushandlungsbezogen; Ansatz 14 bezieht sich auf das göttliche Sprachhandeln; vgl. auch die Gliederung von
rede
(
die
).
1.
›Sprachfähigkeit besitzen und ausüben‹ (bezogen auf die Sprachkompetenz des Menschen und ihren Charakter als anthropologische Differenz zu anderen Lebewesen); speziell auch: ›sprechen, situationsbezogen in der Lage sein, etw. zu sagen, etw. (laut) aussprechen zu können, etw. / sich artikulieren zu können, Worte finden / haben für etw.‹; ›Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse, Ideen in bestimmter Weise formulieren, in Worte fassen, sich sprachlich ausdrücken können‹.

Belegblock:

v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
Als die Königin diese angemme
[sic!]
zeitung verstanden, erfrewet sie sich dermassen, daß sie lange weil nichts reden kondt.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
In welchem [theil] [...] Tabelln / auff alle vergangene und kuͤnfftige Zeiten / von anfang der Dinge / biß zu ihrem untergang (menschlich zu reden) die Tage eines ietwedern Jahres [entdeckt werden].
Gille u. a., M. Beheim
82, 164
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
fundens das kint Jhesum, | und klain was es [...] | und pedorfft fremder steüre | Und kunt nit reden sunderpar | reht als ain ander kint furwar.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
kumet unser herre und sticht sinen heiligen vinger dem menschen in sin ore und sine speichelen uf des menschen zungen, und der mensche wirt redende.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
[kam es], daß sich der siche beßert und redent wart.
Wyss, Luz. Ostersp.
9253
(
Luzern
1545
):
ich mein, der tüffel red vs im! | er hatt noch gar ein manlich stim.
Maaler (
Zürich
1561
):
Reden wie ein mensch. [...]. Er kan vor weinen nit ein wort reden.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
1, 5
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
Ez ist zewissen, daz einem ieklichen dingen bekömlich ist, daz im bekümit nach der eigener reden der eigener naturen, alse dem menschen bekümet zeredenne.
Heydn. maister
28v, 19
(
Augsb.
1490
):
[Pythagoras hat]
jnen etlich iar den geprauch des redens verpoten.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
der vogel wenn er gezämt wirt redet menschleich stimm, aber er hât niht menschleich vernunft.
Eis u. a., G. v. Lebenstein
58, 19
(
oobd.
,
1. V. 15. Jh.
):
wem die sprach verligt von sichtung vnd wie es ist, der trinck da wasser: so wirt er wider reden.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
151, 21
.
2.
›eine bestimmte Sprache sprechen / beherrschen‹ (z. B. Französisch, Latein); auch: ›etw. in einer bestimmten Sprache sagen, ausdrücken‹ (z. B. als Übersetzung aus einer anderen Sprache); ›sich ausdrücken, wie es in einer Sprache üblich ist (sprachgebrauchsbezogen)‹; offen zu 3.
Phraseme:
deutsch (mit jm.) reden
›Klartext mit jm. sprechen, so, dass er es versteht‹.
Bedeutungsverwandte:
 1.
Syntagmen:
deutsch / französisch / türkisch r., eine sprache r
.;
auf / in deutsch, mit js. sprache r
.;
gut deutsch r
.

Belegblock:

Luther, WA (
1521
):
szo ichs in solch weisz auff deutsch redet: Got ist ein solcher herr, [...], das er krefftiglich zurstrewet die hohmutigen.
Ebd. (
1525
):
Hie beruffe ich mich auff alle Deutschen, ob ich auch deutsch rede. Es ist ye die rechte mutter sprache, und so redet der gemeyne man ynn Deutschen landen.
Knape, Messerschmidt. Bris.
22, 66
(
Frankf./M.
1559
):
Jch geschweige seiner guten vnnd herrlichen sprachen des Latins / des Griechischen / Hispanischen / vnd Frantzoͤsischen / die er alle so wol vnd zierlich außsprechen vnd reden kan.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
17, 1
(
Frankf./M.
1626
):
da man sich fuͤr anderen befleisset / herzlich vnd gut Teutsch zu reden.
Bell, G. Hager
33, 2, 15
(
nobd.
,
1593
):
[Pfingstgeschichte]
es hörtt ein ieder forte, | Das sÿ ge meine | mit seiner sprach retten mit schalle.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Jener Schweitzer, welcher zwantzig Jahr in des Königs Leibwacht geweßt, vnd doch noch nicht drey Wort Frantzösisch reden konte.
Maaler (
Zürich
1561
):
Zwo vnd zwentzig spraachen Reden.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Das ist in Dewtzsch also geret: Nempt war, ir vertzert die milch.
Moscouia
B 1v, 29
(
Wien
1557
):
Dise sprach reden auch die Carster / so Lateinisch Carm vnd Venedigisch oder Waͤlhisch Carssy genent werden.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
17, 25
(
mslow. inseldt.
,
1546
):
[hat] PerZig Januśch [...] beZeügt, das Balaśśa Melcheors bey 8 huśśarn [...] eingefallen śein, [...] tüerkiśch geradt, tüerkiśch kaPPen aufgehabt.
3.
›sprechend tätig sein, sprechen, sich äußern‹ (allgemein als kommunikative, in der Regel mündliche Tätigkeit); auch pejorativ: ›inhaltsleer daherreden, oberflächliches Geschwätz betreiben‹; bei größerer Gewichtung des Aussagegehaltes offen zu 5.
Bedeutungsverwandte:
,  2, .
Gegensätze:
, (V., unr. abl.) 1.
Wortbildungen:
redmässig
,
redmässigkeit
›ideales, ausbalanciertes Kommunikationsverhalten‹,
redsprüchigkeit
(dazu bdv.: , ).

Belegblock:

Luther, WA (
um 1535
):
Du soltest nicht ehr rede die küe fiste denn | Denn soltestu sprechen liebe gros mutteR.
Anderson u. a., Flugschrr.
3, 10, 18
(
Wittenb.
1525
):
Jch geschweyge eym solchen vnnuͤtzen eygensynnigen schwetzer / der niemant gerne reden hoͤret / denn sich selbst / ia niemant reden lest noch hoͤren wil.
Koeniger, Sendgerichte (
rhfrk.
2. H. 15. Jh.
):
so thun ich banne und fredden uber den helligen send, dass nyemant redde, er thue iss dan mit laube.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
12, 29
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wann das flaysch rett und gibt im ein linde, suͤße, wolluͤstige [...] dinck.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Nun nimm selbst ein, den Augenschein, | Daß sie im Schlaff nit reden.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 271, 2
(
Hagenau
1534
):
Laß yhn reden was er will / er hatt darumb nicht was er will. Reden und thuͦn / begeren unnd haben ist zweyerley.
Maaler (
Zürich
1561
):
Reden on alles vorbetrachten / Frey von hand vnd vnbesiñt reden [...]. Reden wie ein vogel im kefe / Nichts dann bladeren vnd vnnütz geschwaͤtz treyben.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
376
(
Genf
1636
):
redspruͤchigkeit / da man den Leuthen gern zu redet.
Heydn. maister
9r, 10
(
Augsb.
1490
):
Aber Solon nit redet / ward er von Periãdro gefraget ob er vmb mangel willen der wort / odʼ ob er ein tor waͤr / das er nit redet.
Ebd.
16v, 10
:
Cleobolus hat geraten [...] mer fleissig zesein hoͤren dann reden.
Bauer, Geiler. Pred.
93, 21
(
Augsb.
1508
):
Es sey mit sehen. mit hoͤren. mit reden. mit gebaͤrden und in allen seim tuͦn und lassen ist er auf sich selber mercken / daz er sein seel verhuͤte.
Ebd.
462, 17
:
Nym war der lobsamen wort. [...] underweisende wort / redmaͤssigen wort. [...] die alle guldin seind.
Ebd.
465, 10
:
Die fünft frucht ist redmaͤssigkeit. Es ist da ain mensche [...]. Er waißt was er redt / warumb er redet. Er brauchet eben sovil wort als nott ist und nit mer.
Rot
331
(
Augsb.
1571
):
Notarius, Ein schreiber oder auff zwicker / sonderlich der einem Redenten mit Schreiben volgt.
Schülke, Geistl. Gemahelsch.
22, 30
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
wie ie eins daz andere ane lachende ist vnd gar liepliche zuͦ ime redende ist, vnd denne ein anders in dem herzen meinende ist.
Bauer, Zist.-Pred. Haller
57, 290
(
tir.
,
1466
):
der da verschwigen ist mit dem reden, vnd der da still ist vnd nicht czue vil reden ist in dem kchloster.
Heydn. maister
30r, 24
;
Sappler, H. Kaufringer
14, 422
;
Nyberg, Birgittenkl.
1, 227, 24
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
4.
›sich sprachlich in einer bestimmten Art und Weise ausdrücken‹; auch: ›etw. in einer bestimmten Weise schriftlich formulieren‹ (zumeist ausdrucksorientiert, z. B. in einer bestimmten Aussprache, Lautstärke, Stimmführung, gemäß der Grammatik, in einem bestimmten Dialekt, mit rhetorischer Gewandtheit, langsam oder schnell, viel oder wenig; auch bezogen auf die Aufrichtigkeit des Gesagten); oft verbunden mit impliziten oder expliziten Gesprächsidealen wie nicht zu viel, authentisch und selbstbestimmt zu sprechen.
Phraseme:
goldene worte reden
;
nach dem takt und der tabulatur reden
;
jm. etw. in ein or reden
›flüstern‹;
wie man pfleglich redet
›wie man es üblicherweise, gewöhnlich nennt / sagt‹.
Bedeutungsverwandte:
 3,  2, ,  1, .
Syntagmen:
aufgeblasene worte r
.;
r. können
;
angenem / bedächtig / einfältig / ersamlich / fein / freundlich / heimlich / klärlich / ländlich / lang / langsam / laut / leise / lieblich / lützel / öffenlich / ordenlich / prächtig / recht / sorgfältiglich / spitzig / übel / unnütz / verständlich / viel / weise / weitläuftig / wenig / witzig / wol
(häufig)
/ zierlich, kurz abbunden, mit züchten, halben worten, mit / aus dem herzen, aus der lunge, in eigener person, nach dem gemeinen brauch r
.,
wie ein anderer r
.
Wortbildungen:
redensart
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
645, 17
(
Lübeck
1639
):
Keyser Augustus vnd Cicero haben die fuͤr Meister im Reden gehalten / die klaͤrlich vnnd Verstaͤndlich von Sachen haben reden koͤnnen / das man darzu keines Ziegeuners beduͤrfft.
Was eyner fur man ist, darnach redet er auch. [...] die rede ist eyn ebenbild odder controfeytt bild des hertzen. Jst das hertz reyn, ßo redet es reyn wort.
Ebd. (
1532
):
das Christus nicht ein solcher geukler ist, der mit halben worten redet.
Ebd. (
1535
):
So sol man unterschiedlich reden, quod alle Christen sind kinder Jesu.
Ebd. (
1541
):
Man solle Furstenbrieue dreymal lesen, Darumb das sie muͤssen bedechtig reden, das sie nicht Narren geacht werden.
Ders. Hl. Schrifft.
Hiob 15, 2
(
Wittenb.
1545
):
Sol ein weiser Man so auffgeblasen wort reden / vnd seinen Bauch so blehen mit losen reden?
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
152, 27
(
rhfrk.
,
um 1435
):
[Grymmyner] legete sin gerede nidder vnd redte dem armen man in ein ore ein wort / da von er zü stunt nyder sang.
Ebd.
169, 7
:
Herre sprach Warakir redent heymlich / das die nit erwachent.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
56, 16
(
Frankf.
1535
):
[Agathes] heylt der schlangen biß / Getragen macht wol reden / weise / lieblich vnd angenem.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Solchs redt ich nit auß ernstem hertzen, | Das ich nur moͤcht mit worten schertzen.
Lichtenstein, Lindener. Katzip.  (o. O.
1558
):
Es ist ein ander ding ein edelman und ein bawrendremmel, die weder reyten noch reden künnen.
Thür. Chron.
6v, 28
(
Mühlh.
1599
):
daß man [...] in dem gantzen Vmkreis kein wort / so leisse oder offentlich Reden kondte / man hoͤrt eß in allen Gemachen.
Göz. Leichabd. (
Jena
1664
):
seine suͤsse Reedens⸗Art / durch welche Er die Gemuͤhter der Zuhoͤrer an sich verbunde.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
Abir betinde sult ir nicht vile reden
[nd. Bibel 1478:
spreken
;
Emser
1527 /
Eck
1537:
geschwetz treybẽ
;
Froschauer
1530:
klapperen
;
Luther
1545:
plappern
]
, alse di Juden und heiden tuͦn.
Logau. Abdank.
164, 6
(
Liegnitz
1651
):
Eß ist weder spitzig noch sonderlich witzig von mir geredet.
Reichert, Gesamtausl. Messe
141, 19
(
Nürnb.
um 1480
):
so redt er [priester] nicht in eygner persone also sprechende ,ich mache‘, aber begerende spricht er ,es werd‘.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
37
(
Nürnb.
1517
):
Nach der boßhaftigen rechtfertigung folgt die großmachung derselben, und das - wie man pfleglich redt – aus einer gezwungen nachfolg.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 5, 24
(
Hagenau
1534
):
Also haben unserer alte Deutschen einfeltig geredt / und wenig wort gebraucht.
Ebd.
154, 5
:
Wer vil redet / der leuget gern.
Ebd.
2, 71, 16
([
Augsb.
]
1548
):
Auß der Lungen / und nicht auß dem hertzen reden.
Ebd.
250, 10
:
Guldene wort reden.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
wenig Reden. Mutire. [...]. zierlich Reden.
Golius (
Straßb.
1579
):
Grammatica, die kunst recht vnd wol lesen / schreiben / reden oder außsprechen.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Wir rumpffen die stirn, zehlen schritt vnd tritt, gehen vnd reden nach dem tact vnd der tabulatur.
Maaler (
Zürich
1561
):
Einen Anteren / reden wie ein anderer.
Reden / Schwaͤtzen. Loqui [...]. Reden on auffhoͤren. [...]. Auß dẽ buͦch Reden / wie es jm vorgschriben ist / Laͤsen. De scripto dicere. Dapfferlich / on alle forcht / vnd vnuerzagt Reden. [...]. Die weyß vnd form raͤcht zereden. [...]. Du Redst raͤcht vnd freündtlich.
Kurtz abbunden Reden. [...]. Landtlich oder nach dem gemeinen brauch mit eim Reden. [...]. Lang vnd vil von eim ding Reden. [...]. Mit züchten vor euweren eeren ze Reden.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
375
(
Genf
1636
):
praͤchtig (reden) [...]. Vbel (reden) nicht bered sein [...]. Vbel (reden) fluchen [...]. Weitlaͤufftig (reden).
Fastnachtsp. (
halem.
,
16. Jh.
):
Er kan woll reden, wen er wil. | Dann er mir sduoch
[sic!]
hat ab erschwetzt.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
man sagt, kündern und hailigen sei guet phlegen, sie künden nit oder dörfen doch nit vil reden.
Österley, Steinhöwels Äsop (
Ulm
1474
/
82
):
Ze vil reden bringt rüwen.
Heydn. maister
11r, 13
(
Augsb.
1490
):
Auf dẽ weg solt nit eÿlẽ / so du redst solt die hand nit bewegen / dann es sit vnsinniger leüt gebaͤrd.
Ebd.
14v, 22
:
Vil gelt zehaben ist et werck des gelücks Ordelich redẽ mit ruͤigẽ gemuͤt ist dʼ weißheit aigẽschaft.
Ebd.
23r, 10
:
auß denen ist nachmals dz wol reden entsprungen.
Ebd.
37r, 7
:
wÿe mage eüch ein hauß halten / dieweil jr souil redt.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Das ainer der ain wort reden oder schreyben will, fleyssig auffmerckung hab auff die bedeütung.
Rot
308
(
Augsb.
1571
):
Eloquirn, Außsprechen / außreden / für vnnd für sagen. Auff Oratorisch zierlich reden.
Ebd.
342
:
Pronuntiation, Weiß des redens / oder des außsprechens / außsprechung / außsprach.
Wolf, Norm im sp. Ma.
38, 31
(
oobd.
,
1486
):
wen sy gen durch dy welt, das sy [...] ersamiklich reden mit einem yeglichen, als es czimpt.
Nyberg, Birgittenkl.
2, 35, 3
(
1523
):
Widerumb auch so inen vergont wirt zu reden, sollen sie langsam reden, [...], alßdan mit wenigen wortten.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
251
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
schepphen aygenleich zu reden ist etzwaz von nichte machen, aber wurchen hat vor im ain matery.
Ebd.
1715
:
Du scholt nichtes turstichleich reden vnd dein hercz schol nicht snell sein czu reden vor got.
Palm, Veter Buoch ;
5.
›etw. sagen, etw. über etw. aussagen, von / über etw. sprechen, eine Aussage mit Sach- und Weltbezug machen‹ (allgemein, darstellungs- und wahrheitsfunktional); dies mit unterschiedlichen Illokutionen: – ›einen Sachverhalt darstellen, von etw. berichten, etw. mitteilen; jn. über etw. / jn. informieren; etw. informierend beschreiben‹ (repräsentativ mit unterstelltem Wahrheitsbezug); ›etw. behaupten, feststellen‹ (assertorisch, den Wahrheitswert einer Aussage postulierend); ›eine Aussage machen‹ (vor Gericht); ›jm. mit einer Aussage etw. unterstellen‹ (epistemisch fraglich); – ›seine Meinung über etw. kundtun, etw. kommentieren; eine Meinung zu etw. haben‹ (einstellungsbezogen); – ›etw. verraten, was geheim bleiben sollte, etw. ausplaudern‹; in 1 Beleg auch: ›jn. verraten‹.
Phraseme:
auf etw. reden
›auf etw. zu sprechen kommen‹;
brots halben reden
›einer Obrigkeit nach dem Munde reden‹;
jm. etw. in die feder reden
›eine Aussage schriftlich dokumentieren, protokollieren‹;
zu den sachen reden
›eine Meinung äußern‹;
nicht aus einem leren hafen / topfen reden
›nicht ohne Erfahrung, Kenntnis etw. sagen‹;
etw. hinter dem wein reden
;
überlaut reden
›etwas lautstark behaupten, prahlen‹; sprichwörtlich:
wes das herz vol ist, davon redet der mund
(Meister Eckart).
Bedeutungsverwandte:
 9,  4, ; zu den Spezialisierungen: , ,  1.
Syntagmen:
unrecht, die meinung, die deutsche warheit, böse worte r
.;
ich / wir / Isidorus / Platon, der mensch / prophet, die alten, der mund, die zunge, das herz, die lippen r., der artikel / text
(Subj.)
etw. r
.;
von jm. / etw
. (z. B.
von Christo / got, dem adel / fleisch, von der frauen / freundschaft / geburt / materie / schrift, von hohem wesen, den fischen / provincien / sachen / weibern, heiligen dingen
)
r
.;
in die fäuste, in die luft r., in guter treue, nach dem gutdünken, der meinung / wahrheit r
.;
frei / grob / schlecht / süslich / überlaut, falsch von etw
. (z. B.
von der steuer
)
wegen r., unrecht zu etw. r
.;
unvergleichlich zu r
.
Wortbildungen
redstille
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Glawb myr alß dem, der solchs erfarn [...] hat und nit auß eynem topffen redt.
Ders. Hl. Schrifft.
Ps. 34, 14
(
Wittenb.
1545
):
Behüte deine [...] Lippen / das sie nicht falsch reden.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
,Wes daz herze vol ist, dâ von redet der munt‘. Daz ist alwege eines guoten menschen zeichen, daz er gerne von gote rede, wan wâ mite die liute umbegânt, dâ von redent sie gerne.
Buch Weinsb. (
rib.
,
um 1560
):
wie verstendige kreichsleut darvon retten, [...].
Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
Jr gedencken zwar jch rede von meinem Fleisch / als von einem schlechtẽ naturlichen Corper.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
532
(
mrhein.
,
um 1335
):
Daz rede ich, daz nuͦ werde irkant, | daz [...].
Köbler, Ref. Franckenfort
90, 2
(
Mainz
1509
):
[so die fürsprechen] vor den Schoͤffen reden würden / So sol [...].
Ebd.
93, 20
:
Wo aber Clager oder antwurter jre sachen moͤntlich fürbrengen vñ jn die fedder redden oder thuͦn lassen woltenn / welche parthy abschrifft [begeren].
Feudel, Evangelistar
17, 27
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
uz der irvullunge des hercen redit der munt.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
9, 14
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Man rede was man welle: [...].
Ebd.
18, 1
:
Wer von sachen nicht enweiß, der kan von sachen nicht gereden.
Ebd.
31, 2
:
Eigen rede verurteilt dicke einen man und sunderlich einen, der jezunt eines und darnach ein anderes redet.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
304, 25
(
thür.
,
1474
):
Der genante Marggraffe ist auch sollicher worth halbin, ap her dy also addir derglichen forme geredt hette, keynerley busse [...] darumbe nicht phlichtig.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
2, 29
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
czu vordirst wil her redin von v provincien.
Sermon Thauleri
4ra, 4
(
Leipzig
1498
):
Nu geburet vnnß tzu reden von dyßer geburt [...].
Opitz. Poeterey
17, 25
(
Breslau
1624
):
Ein Heroisch getichte (das gemeiniglich weitleufftig ist / vnd von hohem wesen redet) soll man stracks von seinem innhalte vnd der Proposition anheben.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
14, 31a
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
daz ich von disen heiligen dingẽ rede.
Gille u. a., M. Beheim
109, 21
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Wann waz sie reden mit dem mund, | das mains nit mit dem herczen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
249, 5
(
Nürnb.
1548
):
das ist / wie der Prophet hie redet / sie begeren / das Got solche suͦnd zudecken [woͤlle].
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Dem hilfft in warheit kein auffschauen, | Wie etwann auch die alten reden.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
si het nv́t geret von dem hohen glenzenden vernv́nftigen adel, do von ich wol gereden kvnde [...]. Do sprachent die zwo beginen: ach lieber vatter, wir begerent an dich, [...], daz dv ettewas do von redest.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
4538
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Das man nit reden doͤrff von dir | Dein buͦben stuck.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Jr retten wol anders zuͦ den sachen: | Man muͦß sie dannocht leidlich machen.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Reden erdichtes. Comminisci.
Roloff, Brant. Tsp.
2167
(
Straßb.
1554
):
Darumb mag ich wol reden frey | Das ich allein allmechtig sey.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
das es in der Hölle, ohnvergleichlich zu reden, besser hergehe.
wann ich eben die Teutsche Warheit reden soll, so haben Zorn, Schwälgerey, Stolz, Geitz, Uppigkeit, [...] ihren Vrspung von der Heucheley.
Jch verstehe Freyheit zu reitten vnd zu reden, dann, Lieber, was darff ein Postillon nicht reden?
Aber die so schuldig sind, die wüssend, das ich nit uß einem laͤren hafen reden.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
[si] rettent alwegen úberlut: si woͤltent den kuͤgstal zerstoͤren.
Maaler (
Zürich
1561
):
Wirt eigẽtlich von den fischen geredt / als so man spricht: Der karpff ist mir Abgestanden.
Jch hat es auff ein anders / oder in einer onderen meinug Geredt.
Redstille / Verschwigenheit (die).
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
171, 3
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
daz man von dem guoten unde von dem übele in der tüewunge muoz reden, alse man von den guoten unde von den übelen in den dingen redet.
Sappler, H. Kaufringer
17, 10
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
[wie die fraw] von got süesslich reden kund.
Ebd.
20, 76
(Hs.
1472
):
[für gericht] er redt das wort mit weisem ticht | dem schuoster da ze frummen gar.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1363
):
wer der were der unreht zuͦ den sachen raete.
Ebd. (
1544
/
5
):
als in dem klainen rat von der steur wegen gerödt wardt.
davon hat ain rat gerödt die mainung, daß zunftmaister [...] von webern geschaumaister [...] nemen mügen.
Heydn. maister
35r, 9
(
Augsb.
1490
):
[Tullius] daselber auch redet von der freüntschaft / spricht also [...].
Ebd.
39v, 15
:
wañ du freünd wilt machen woͤllest von jnen guͦts reden.
Bauer, Geiler. Pred.
466, 5
(
Augsb.
1508
):
Der mund der da redet boͤße wort / ist das nest da aller wuͦst und unflat inn funden würt.
Ebd.
471, 17
:
wenn du redest / das dich der boͤß gaist nit greif in deinen worten.
Ebd.
473, 25
:
Du vahest etwann an tzureden in guͦter mainung / du wilt dein swoͤster troͤsten.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 53, 26
([
Augsb.
]
1548
):
Ich wills im wol abfragen. Also redet man / wenn die übelthaͤter [...] was gethon haben / auff ain leügnen.
Ebd.
79, 17
:
Der redet brots halben.
Ebd.
87, 4
:
Soll ich nicht reden / wie ichs versteh / warumb fragt man mich dann?
Henisch (
Augsb.
1616
):
Es ist etwa besser inn die Faͤust / dann in Lufft geredt. Geredt ist geredt / man kans mit keinem Schwam̃ mehr abwischen. Was hinder dem Wein geredt / das gilt nicht.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
das erdrich, [...], als Ysiderus redt, ist genant von einem kalten acker.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
waz ich red, daz ist nicht war.
Wackernell, Adt. Passionssp. St. I,
931, 6
(
tir.
,
v. 1496
):
Du pist halt ainer der junger, | Die mit Jhesu giengen [...] | [...] | Das red ich auff dich zu diser frist.
Opitz. a. a. O.
13
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
7, 8
;
Dienes, E. Gros. Witwenb.
3, 22
;
Schade, Sat. u. Pasqu. ;
Lauchert, a. a. O. ;
Vetter, Pred. Taulers ;
Goldammer, Paracelsus
5, 181, 24
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 554, 10
;
Baumann, Bauernkr. Oberschw. ;
6.
›sprachlich auf jn. / etw. referieren, Bezug nehmen, von jm. / etw. handeln, die Rede auf jn. / etw. bringen‹; auch verweisend auf Personen und Sachverhalte, von denen innerhalb eines Textes oder in anderen Texten die Rede ist: ›innereinzeltextlich oder intertextuell auf jn. / etw. anspielen, etw. alludieren‹; eng anschließbar an 5.

Belegblock:

Luther, WA (
1519
):
Jst nu die frag, ob disse alle billich ketzer werden gescholten (den von dissen allein und keynen andern rede und handele ich).
Ebd. (
1535
):
Redt auff sichern geister, ut Corinthii, qui faciebant.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Disen sin redet sant Augustînus in dem fünften buoche von der drîvalticheit.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
Es ist eben der Ritter [...], welchen diese Frauwe, von deren ich rede, bey jr helt.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
wie auch der gantze Andere Artickel vnsers Christlichen vnd Apostolischen Kinderglaubens durchaus von Christo handelt vnd redet.
DErhalben so redet dieser Text von der herrligkeit des HERRN Christi.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
An welchem end disz buͦchs von vnuerpfendten schulden geredt würdt.
Maaler (
Zürich
1561
):
Es ist gnuͦg daruon Geredt odʼ geschwaͤtzt / heb das maul zu / vnnd gang nahin. [...]. Jch muß antwurt gaͤben / auff die ding die du voranhin Geredt hast.
Rot
289
(
Augsb.
1571
):
Alludirn, mit worten auff ein andre red deuten oder spilen / auff etwar reden.
Rauwolf. Raiß
22, 11
([
Lauingen
]
1582
):
Deren [Türcken] kamen etliche / inn dem weil wir dauon redeten / zuͦ vns gelauffen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
17. Jh.
):
Es sollen sich [...] burger [...] waß auf dem rathauß gehandlet und abgerödt, [...] auch sonst bei der herrschaft und burgerschaft in denen gehaimbnussen gerödt wiert, nichts darvon außschwäzen noch rötten.
v. Keller, a. a. O. .
7.
›bewertend und sozial beziehungssteuernd über eine Person sprechen, eine kategorisierende Aussage über jn. machen‹ (allgemein; im Unterschied zu 5 bezogen auf Aussagen über Personen); häufig: ›invektiv sprechen, jn. sprachlich verletzen, entehren‹ (allgemein); speziell: ›jn. verspotten, beleidigen, verunglimpfen, js. Ehre, js. Leumund beschädigen‹; ›jn. verfluchen‹; anschließbar an 5.
Zur Sache:
Lobenstein-Reichmann, Sprachliche Ausgrenzung
131
.
Phraseme:
einen exorcismus reden
›jn. verfluchen‹;
jm. (zu) nahe reden
;
jm. an / auf seine ere, seinen glimpf reden
;
jm. (zu) übel reden
; positiv:
jm. gutes reden
.
Syntagmen:
lügen, schändworte, lästerliche worte r
. (z. B.
wieder jn
.),
schimpflich / schimpfsweise / schlecht / übel / wol r.; (etw.) von jm. r
. [+ Hauptsatz im Konj.].

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
Er redet sonderlich nahe beide, den Kluͤglingen und nase weisen Splitter Richtern der Christen.
Hie mit were der Christenheit zu nahe geredt, Und sie wuͤrde von uns verdampt.
Ebd. (
1530
):
Wenn du [...] deinem nehesten ubel redest, die leut austregest und verleumbdest.
Bell, G. Hager
267, 2, 2
(
nobd.
,
1603
):
Da jch sie wolt er lösen Recht, | Retten sie schlecht | Grosse lügen wider mich.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
O Vetter, das verbiet mir got, | Das ich beschwer ein solch rot! | Nur einen exorcismum ret, | Der in ein mündpflin leids thet.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Reden das verletzlich [...]. Reden eim an sein ehr.
übel Reden / schelten.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
182, 33
(
halem.
,
1380
/
1
):
Des hat der Murer von im geret, er [...] hab im v ß underschlagen und schelkt und smecht inn und redet im an sin er.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
hand ir mir ǔbel geredt, daz hand die mörder nach mer gethǎn, wann sy schultend mich ein [...] huoren kind.
Maaler (
Zürich
1561
):
Einem übel ze Reden ein anlaß vnd vrsach gaͤben.
Schimpfflich oder in schimpffsweyß Reden.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1455
):
das herr Hanns Vittel dem rath vor dem kayser abgelegt und demselben an sein eere [...] geredt hatte.
Ebd. (zu
1532
):
was kain mensch da, [...], der im guͦts redet oder gunnet.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Darumb sprücht man gemainlich, das fründs mundt nimer oder doch selten wol rede.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
[Rubein] warumb hast du das von meinem weib geret?
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
22, 10
(
mslow. inseldt.
,
1498
):
Iśt die śach der frauen Margaretha Treütlerin in dieśer wais vor vnś khomen, wie das śie iśt gegrieffen worden in dieśer śach, das śie Leütth auf ihr ehr geredt hat, vnnd des nit beweren gekunt.
Rechn. Kronstadt
2, 120, 12
(
siebenb.
,
1528
):
ir 2 di im hat losen richten di lesterlich vort haben geret von k(ineclich) m(ajestet) den czyganen asp. 25.
Roloff, Brant. Tsp.
1936
;
Heydn. maister
10v, 19
;
Siegel u. a., Salzb. Taid. ; ;
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
213, 124
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
106, 7
;
8.
›mit jm. sprechen, beziehungsfunktional reziprok (in der Regel symmetrisch) kommunizieren (auch mit sich selbst)‹ (allgemein); im Einzelnen situativ ausdifferenzierend mit Öffnung zu verschiedenen illokutiven Zwecken, z. B.: ›ein Gespräch mit jm. führen; sich unterhalten, mit jm. plaudern‹ (dialogisch, auch bezogen auf den Dialog mit schriftlichen Texten); ›jn. ansprechen, mit jm. verbal Kontakt aufnehmen‹ (gesprächseinleitend, inchoativ); ›antworten‹ (reziprok); ›sich verstehen, verständigen‹ (bezogen auf die kommunikative Funktion); ›zu jm. sprechen‹ (hier eher monodirektional und asymmetrisch); ›zu einer Gruppe sprechen, öffentlich eine Rede halten‹; hier als speziell anschließbar: ›jm. mit einer Aussage nach dem Munde reden, jm. schmeicheln‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, ; zur Spezialisierung: ,  1, (V.), .
Syntagmen:
j. worte r., (etw.) miteinander / untereinander r., mit mir / uns, dem herren / fürsten, dem weibe, den hirten / indianern r., heimliche worte r., eine schlange mit dem menschen, die selen mit jm. r., ich mit jm., dieser zu mir r
.;
mit sanftmütigen worten, zu gefallen r
.;
etw. auf js. rede r., zu jm. r
;
jm. reden, was er gern hört
;
j. heftig / streng, öffenlich r
.
Wortbildungen:
redebule
›Person, mit der man alles besprechen kann, was einen bedrückt‹ (zum Gw vgl.  3),
redefenster
›Fenster im Kloster, das der kommunikativen Kontaktaufnahme mit der nichtklösterlichen Außenwelt dient‹,
redehaus
›Ort im Kloster, an dem gesprochen werden darf‹.

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Ges.
21, 12
(
Hamb.
1646
):
wie kompt sie [Schlange] aber herfür, das sie mit dem Menschen rede?
Luther, WA (
1545
):
Zween muͤgen mit einander singen, aber mit einander koͤnnen sie nicht reden.
Ders. Hl. Schrifft.
1. Mose 18, 27
(
Wittenb.
1545
):
ABraham antwortet [...] Ah sihe / Jch hab mich vnterwunden / zu reden mit dem HErrn / wiewol ich Erde vnd Asschen bin.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
118, 14
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Die wile sie also mit eyn ander redten / so [...].
J. W. von Cube. Hortus
6, 30
(
Mainz
1485
):
welcher mit fursten oder mit herrẽ reddẽ wolt der mag vor hyn eppich bruchen in der kost.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
damit ich [...] Gelegenheit moͤchte vberkommen / mit den Jndiandern zu reden.
Feudel, Evangelistar
88, 28
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Do sy alsus redeten undir eyn andir, do begonde Jhesus en czu nehende.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Joh. (
osächs.
,
1343
):
[sine jungern] wuͦnderten sich daz her mit dem wîbe redete. Abir doch nimant sprach: Waz redes du odir waz kôsis du mit ir?
Opitz. Poeterey
56, 4
(
Breslau
1624
):
rhue / welche wir schoͤpffen auß dem geheimen gespreche vnd gemeinschafft der grossen hohen Seelen / die von so viel hundert ja tausendt Jharen her mit vns reden.
v. Ingen, Zesen. Ged.
387, 29
(
Breslau
1641
):
wir reden noch taͤglich mit ihm / ob er schon laͤngst verblichen / wenn wir nur seine anmutige Schrifften aufschlagen.
Gille u. a., M. Beheim
111, 555
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Da der engel also pegand | reden mit den hirten zu hand.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
133
(
Nürnb.
1517
):
das wißt ir, nit ein verechtlich zeichen der lieb sein mit einander reden, do die geist gegen einander ausgossen werden.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Kein freundlich Wort er mit mir red.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
siht er, wie ein mensche gegen ime gonde kvmet, des selben menschen er [...] begeret hette [...] ettewas heimelicher worte mit ime zuͦ redende.
do fvgete es got, daz ich vf eine zit zuͦ einen menschen wart redende, vnd er rette ǒch wider vmbe zu mir.
Strauch, Schürebrand (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Diser selbe erlúhtete heilge gottesfrúnt rette in den selben ziten gar vil mit mir in frúntlicher minnesamer warnunge von der eigenschaft.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Reden vff eins rede. Suscipere.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
[Fuchsschwänzer] sie reden dem Herren, was er gern höret.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
dankberi sol daz ampt der zit sin, rúwe dú kuchi, [...], mit Got und von Gotte reden daz redehus.
Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Du müssist ain redbuolen han. | Macht davon nun nit enlan, | So wolt ich üch ain fründs rat geben.
Vetter, Schw. zu Töß (
halem.
, Hs.
15. Jh.
):
Aller gesellschaft gab sy ain friges urlob; Des redvensters und aller ussrer menschen hat sy kain acht.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern (
halem.
,
1501
):
so wellen wir, das in soͤlichem gotzhus nit mer dann ein redfenster sin.
Maaler (
Zürich
1561
):
Haͤfftig vnd streng mit einem Reden.
Offentlich vnd vor yedermañ Reden. [...]. Was Redst du mit dir selbs.
Brandstetter, Wigoleis
197, 19
(
Augsb.
1493
):
die weil sy also miteinander redten do ryt ein maget eylend her.
Bauer, Geiler. Pred.
318, 5
(
Augsb.
1508
):
Das haisset trost. wenn du ainen menschen in leyden und in truck waist / das du tzuͦ im redest / und im damit aufenthalt und ergetzlichait machest.
Rot
287
(
Augsb.
1571
):
Adulirn, Schmeichlen / liebkosen [...] schoͤn thuͦn mit worten vnd wercken [...] sagen was man gern hoͤrt / zu gfallen reden.
Nyberg, Birgittenkl.
1, 286, 22
(o. J.):
das bei dem redhauß nit zu vnzeiten [...] vbrig geschwetzs getriben werde.
Ebd.
2, 37, 24
(
1523
):
So nun die braut also eingeclaidt ist, so sol die eltest [...] sy füeren zu dem redhauß oder redfenster zu iren freünden.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
do red konig Heinrich mit vil senftmuͦtigen worten mit hertzog Arnolden.
Palm, Veter Buoch ;
Lauchert, a. a. O. ;
Mollay, H. Kottanerin
11, 38
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
9.
›appellativ adressatenbezogen sprechen, um etw. zu erreichen; ein Anliegen sprachlich mit jm. aushandeln (auch mit sich selbst)‹ (allgemein); im Einzelnen situationsbezogen mit spezifischen Nuancen von ergebnisoffen über agitierend, manipulativ bis deklarativ: ›etw. in Ruhe mit jm. besprechen‹; ›etw. mit jm. verhandeln‹ (Geschäftliches, auch vor Gericht); ›jn. etw. lehren, unterrichten; predigen‹; ›zielstrebig argumentieren; über etw. disputieren, diskutieren‹; ›jn. / sich etw. fragen‹; direktiv: ›um etw. nachfragen, bitten‹; ›jm. etw. raten, empfehlen‹; mit deutlich manipulativer Konnotation: ›jn. bereden; jn. zu etw. überreden, jn. von etw. überzeugen‹; resultativ: ›etw. mit jm. ausmachen, vereinbaren; sich mit jm. absprechen‹; deklarativ: ›eine verbindliche Erklärung abgeben, etw. schriftlich oder mündlich festlegen‹; ›jn. verurteilen‹ (vor Gericht); offen zu 10.
Phraseme:
jn. reden
›jn. in einem Gerichtsverfahren verurteilen‹;
mit sich reden lassen
›kooperativ sein‹;
aus den sachen reden
›sich absprechen‹;
jm. etw. aus den augen / aus dem sin reden
›jm. etw. ausreden‹.
Bedeutungsverwandte:
 126,  2, (V.) 2,  7, , .
Syntagmen:
j. r
. [+ Relativsatz im Konj.];
jn. vom kirchhof r
.;
j. r., welcher [...]
;
etw. mit jm. (geschäftlich) r., das [...]
,
nach etw
. (z. B.
ungeld
)
r. in einem kauf von etw. r., von etw
. (z. B.
von der briefe, von den gütern
)
(wegen) mit jm. r., um etw. r., jn. zu etw. r
.;
geschriftlich / vergebens / umsonst r
.
Wortbildungen:
reden|strik
›Argumentation, Beweisführung‹.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
1, 416, 16
(
preuß.
,
1424
):
von der wieselfarer brieffe, [...], von der wegen unsir herre mit sienen steten und sie mit im vaste redten.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
152, 24
(
rhfrk.
,
um 1435
):
sprach der arme man / du redest vmb sust / jch gebe den essel nit.
Köbler, Ref. Wormbs
301, 27
(
Worms
1499
):
So einem ein grunt verkaufft ist gepürt dem kauffer weg [...] lut diser vnser ordnunge [...] ob auch in dem kauff dauon nit geredt oder gehandelt were.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501 ff.
):
Eya! der ist eyn man von Galilee? | was sail ich den reden men? | syn richter ich nicht enbyn!
Feudel, Evangelistar
16, 9
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
sy hatten geredet welcher der groste were undir en.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
20, 28
(
omd.
,
1487
):
gibt mir schult, ich rede gerne darzcu das sich lewte vor ehlichenn.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
125, 18
(
thür.
,
1474
):
[Ist Volhart] kegenwertig gewest [...] unde doch in solliche gutter von wegen synes wybes nicht geredet nach gesprochin.
Ebd.
207, 38
:
[Heinrich] hat gesaget, er wolde [...] wolle nicht heymgehen, daz man nicht dorffte sprechen, daz er met synen knechten ichtis anders uß den sachen geredt hette.
Ebd.
287, 20
:
[daz er Nigkeln Schultheyßin] zcu sollicher gaben met hinderlistigen addir betriglichin wortten darczu nicht geredt nach geczogen habe.
Mon. Boica, NF. (
nobd.
,
um 1434
):
[Hanns Keppner] sol 4 tag holcz hawen von seinem gutlein ist geret.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
da luffen ir die statknecht nach und redten sie vom kirchof mit guten worten und fuͤrten sie ins loch.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1506
):
Rett mit dem puben, als jr woll künt, daz er ler vnd redlich halt, pis jch kum.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
229
(
Nürnb.
1517
):
die versteen und nit reden, sein nit weis, die wöllen und nit würken.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
habt jetzt nicht jr | Eur Magd alhie geschickt zu mir, | Daß jhr was mit mir reden wolt?
Bachmann u. a., Volksb. (
alem.
,
15. Jh.
):
Nun was der will als starck in ir, das sy es mit dem margafen Wilhalm wolt reden.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
lieber frvnt, wellen wir nv ane vohende sin, ettewas mit einander zuͦ redende.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
An deme andern tage schihte der bischof geisteliche lute in die stat, daz sü soltent reden umbe fride und suͦne.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
mit eim Reden lassen. Ad colloquium admittere.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Es konten ihr weder die Eltern noch die Verwandte solches auß dem sinn reden.
Maaler (
Zürich
1561
):
Es ist Geredt. Dictum est.
Mit einem geschrifftlich Reden.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1397
):
wer furpaz nach ungelten redt oder würb, des guͦt solt verlorn sein.
Ebd. (Hs.
16. Jh.
):
es waren landherren von Behaim, die mit dem künig redten, daß er [...].
Ebd. (zu
1549
):
daß man sich nit solte in gesellschaft oder sonst rottieren, [...] in glaubenssachen disputieren, arguieren oder conversieren, reden oder handlen solte.
Ebd. Anm. 3 (zu
1560
):
was ich Eur f. gn. land und leuten zu gutem geredt, hab ich heut meinem herren, [...], nach lengs erzelt.
Bauer, Geiler. Pred.
100, 33
(
Augsb.
1508
):
vergebens und umbsunst / redt die zung des predigers / wa got durch sin genad nit klopft / an den hertzen der menschen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 10, 7
([
Augsb.
]
1548
):
Diß ist ain klage / über der welt undanck / gegen alle die ir wol thuͦn / Es ist aber also geredt / das mans hingehn und passiern lasse / Es muͤsse also sein.
Ebd.
50, 17
:
Ain armer redet mit flehen / aber ain reicher antwort stoltze.
Bastian, Runtingerb.
2, 183, 2
(
oobd.
,
1397
):
ich het im [Albreht] zway grabew tuͤch enpfolchen, di solt er mir verchaͤuft haben; [...] der sol er mir ye fuͤr ain ellen geben 55 R. Daz ret er mit mir dez samcztag vor Yudika.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
37, 28
(
noobd.
,
1347
/
50
):
bruͤf, daz der redenstrik niht kreft hat, der also spricht: [...].
Mollay, H. Kottanerin
17, 21
(
moobd.
,
1439
/
40
):
Da erkam ich hart [...] vnd redat ir das aus den augen, als ich pest kuͤnd.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Es ward vil und oft darunter geredt; er wolt aber sich kainen weis bereden lassen.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe ;
Roloff, Brant. Tsp.
175
;
Bastian, a. a. O.
2, 300, 19
;
Spiller, a. a. O. .
10.
›verbal gegen jn. / etw. vorgehen‹ (allgemein); im Einzelnen: ›jm. widersprechen, (textkommunikativ) Widerstand leisten‹; ›(agitierend) gegen etw. / jn. streiten, kämpfen‹; ›Einspruch gegen jn. / etw. erheben‹; ›Klage vor Gericht gegen jn. erheben‹; am ehesten hier anschließbar: ›jm. hineinreden, sich verbal in js. Angelegenheiten einmischen‹.
Phraseme:
jm. ins spiel reden; jm. in sein siegel reden; jm. darein r
. ›sich einmischen‹;
an etw. reden
›etw. angreifen‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Luther, WA (
1531
):
so sol unser Herr Gott offt einen Nicodemum unter sie geben, der ins spiel redet und alle jr ding zu nichte und sie jrre machet.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1044
(
mrhein.
,
um 1335
):
der keyser zornet es wider dich. | Wan (er) [Iesus] redet an daz rich.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
56, 22
(
schles.
,
1361
):
Ouch tedinget Helwic vnde ret von minem Schilde, der mich an geerbit ist.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica (
schles. inseldt.
,
1456
):
do stunden sy beyde eynkeygenwortig vnd lassen ÿn dan brudern das gut frey vnd ledig [...], dor noch nymmer cz reden wadir czu vordern.
wÿ das vor vns ist kommen Mertin Czegenhalzin [...], redÿnde, wy das ir man [...] alle zeyn gut [...] der kirchin bescheydin hot.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
117, 20
(
nobd.
,
1391
):
Pertel ist die stat verboten 3 jar [...], daz er [...] dheinen frid wolt haben und darzuͤ uppiclichen redt, daz wider den rat waz.
Franck, Decl.
354, 18
(
Nürnb.
1531
):
So hoͤrt nun Plinium wider die trunckenheit also redende.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
153, 29
(
els.
,
1362
):
Wie getar ieman wider dich reden, oder sinen munt wider dich uf tuͦn?
Maaler (
Zürich
1561
):
Es ist ein wunder das er dir nichts dareyn Redt / Das er dir nit widerredt. [...]. Jch wil nit schwaͤrers wider jn reden / Jch lassz jn bleyben wie er ist.
Wider einen Reden / vnd ein rechtshandel fuͤren.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1501
):
wiewol die zunftmaister von weber hert darwider retten, warumb inen nit das mer ferfolgen zuͦ lassen.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
es kan nichts in ainer stat furgen, sie [Barfüssen] wissent es als; krigt ain man mit seinem weib, sie redent darein.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
184
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Wider die [pösen prelaten vnd pharrer] redt Bernhardus in der person aines guten prelaten.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1515
):
da wirstu mir geloben das du meinem genedigen herren in sein sigill nit reden werst.
11.
›jm. etw. versprechen, etw. zusichern; etw. schwören, sich zu etw. verpflichten, sich jm. verpflichten‹ (als kommissiver Sprechakt); ›etw. verheißen‹ (vom Sprechen Gottes), jeweils mit der Implikation, das Versprochene zu halten (s. u. in der Formel
reden und halten
).
Bedeutungsverwandte:
 3,
2
 3, , ; vgl.  1,
3
,
1
 7.

Belegblock:

Dubizmay, kurß zu Teutze
62, 10
(
hess.
,
1463
):
Selig ist der der seyn begirde erfullet hat er wirt nicht geschendet als er (ge) redet (hat) mit seynnen feinden an dem tode.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
wanne sy hatten deme jungen hern geret, sy wolden ome dy stad gewinnen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
63, 26
(
thür.
,
1474
):
[Conrad unde Anne] habin vor Conrads vom Steyn gerichte, geredt unde globit, nymmer keyne ansprache [zcu thunde].
Ebd.
91, 1
:
hat derselbige Hans Koppe [...] der andern tochter [...] derttehalbhundert gulden zcu metegabe geredt unde gegeben.
Ebd.
164, 12
:
[Concze Beher] habe yr geredt, her wolle sy zcu der ee nemen.
Ebd.
230, 8
:
wy dayz sy ym syn erbe unde sin gud abegekoufft habin unde ym daz geredt uff benante zcyt guttlichin zcu beczalne.
Weizsäcker, Graupn. Bergb.
191, 37
(
osächs.
,
1538
):
haben benante baide juden [...] mit wurklichen stipulacion und hantschlegen geredt und gelobet, diselb hinderstellige summa [...] zu erlegen.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
25, 3
(
nobd.
,
um 1430
):
hat er dan kein nachfolgenden hern oder gehort der zweier hern des dorfs keinem an, so magk er reden hinter der hern einen, welchen er wil.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
um 1525
):
Haben die viertelmaister geantwurt: Sy haben den bawrn nichts geret, noch zugesagt, sein in auch weder gelopt, noch geschworen, in etwas zu leyhen.
Goldammer, Paracelsus
242, 13
(
1530
):
sollen wir sein lob preisen, daß er uns sein warheit zu nacht mitteilt. das ist: er hats geredt, er hats gehalten, wir sollen unser leben haben auf erden.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 542, 25
(
Hagenau
1534
):
es solt eyn biderman halten was er geredet.
Grosch u. a., a. a. O.
244, 27
;
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica ;
Mayer, Folz. Meisterl. ;
Gilman, a. a. O.
544, 25
;
12.
›sein Anliegen vor jm., auch: vor einem Gericht vertreten, für jn. sprechen, jn. verteidigen (auch sich selbst)‹.
Wortbildungen:
redbote
›Stellvertreter, j., der z. B. js. Abwesenheit vor Gericht entschuldigt und diesen eventuell auch vertritt‹,
1
redegeld
›Lohn für einen Fürsprecher vor Gericht‹ (a. 1511; dazu bdv.: vgl. ),
redfürer
›Rechtsbeistand‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1529
):
bitte ich gantz freundlich, ein iglichs frumes hertz wolte mich nicht verdencken, ob ich meine notturfft rede.
Matthaei, Minner. I, (Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
so hoͤrt, syd ich ir reden sol, | frow Mynn, so hoͤrt der betriepten clag.
Merz, Urk. Wildegg
124, 11
(
halem.
,
1558
):
redfuͤrer: vogt Rudolff Sutter.
Maaler (
Zürich
1561
):
Einem Reden vnd sein sach schirmen. Pro aliquo dicere. [...]. Für sich selbs oder für ein anderen Reden.
Chron. baier. Städte. Regensb. (
noobd.
,
1521
):
[gedachter von Absperg] erstach den alten grafen von Otingh im feld sambt einem doctor, der dem grafen geredt hett.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1585
):
so frag ich euch [...], was nun dann ein gerichtsman verbrochen habe, der auf heutigen tag zum recht nit erscheint noch seinen redpotten aus ehehaften, genuegsamen ursachen an sein stat darbei alda?
Bremer, Voc. opt.
37014
;
Siegel u. a., a. a. O. ;
13.
›mit seinem inneren Selbst sprechen, im inneren Dialog mit sich selbst, dem Gewissen, Gott / Christus stehen‹; speziell: ›sinnieren, denken‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. ,  1.

Belegblock:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
88, 4
(
Frankf.
1535
):
Goldt hilfft dem zittern hertzen / vnnd nimpt die traurigkeyt / vnnd ist den guͦt genützet / die mit jn selbs reden vnd fantasiern.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
149
(
Nürnb.
1517
):
so die seel erweichet ist, erseuftzt sie manigfaltig, weinet, verleßt sich selbs ganz und gar und redet frölich mit Christo.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
Do ich also in dirre rede [...] was, in der selben stvnden so hoͤre ich wie indewendig in mir selber die aller svͤsseste frevlicheste stimme redende ist.
Heydn. maister
33r, 5
(
Augsb.
1490
):
Jch red mit mir selbs spricht Crates zuͦ dez jüngling.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
46, 7
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
also redt sin und mein gedankch.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
In disen sorgen redt er wider sich selber, sprach: Villeicht pin ich dem künig verraten.
14.
›sprechen, handeln, wirken, schaffen‹ (vom Sprechen und Handeln Gottes gesagt; allgemein); mit Einzelfunktionen: ›mit den Menschen Kontakt aufnehmen, kommunizieren‹; ›den Menschen die göttliche Botschaft und Wahrheit verkünden, predigen; die Menschen lehren‹; ›den Menschen gebieten‹; ›sich sprachlich im Menschen entfalten, Teil der Seele und des Menschen werden, im Menschen wirken‹; ›schöpfen, schaffen als Creator mundi‹.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
 4,  6, (V.) 4, , .
Syntagmen:
christus / got, der herre, der heilige geist, die dreifaltigkeit r
.;
worte r
.;
aus / durch / in / mit jm., mit der sele, durch gleichnisse, js. mund, in parabolis, in manchem wege, zu dem volk, zu den menschen / scharen r
.;
gelobend / hartlich / mannigfaltiglich / ratend / strafend / tröstend, heimlich raunend r
.

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Ges.
35, 8
(
Hamb.
1646
):
solche reden, ob sie schon wider einander sein, vnd wider die warheit selbst, gelten gleich viel, man fraget nichts darnach, es muß alles der Heilige Geist geredt vnd geschriben haben
(ironisch).
Luther, WA (
1519
/
20
):
Sol nu got in yhm wircken und leben, so mussen alle disse laster und boszheit [...] auszgerattet werden, [...], das hynfurt [...] nit wir, sonder Christus in uns lebe, wirck und rede.
Ebd. (
1520
):
bitten [wir] got umb rechten vorstand dieszes magnificat, der do nit allein leuchte und rede, szondern brenne und leb yn leyb und seel.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ich wil swîgen und wil hœren, waz got in mir rede.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
420
(
mrhein.
,
um 1335
):
So wollen wir moyses lere han, | bit dem got selbe geredet hat.
Meisen u. a., J. Eck
5, 16
(
Leipzig
1520
):
were leichtlich tzu ermessen, ab Christus auß bruder Luder redde oder nicht, der ein solche auffruͤre understehet tzu machen.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
[sie] werden Christum in jhren Thoren einlassen / vnd jhn lassen reden vnd gebiten / biß an der Welt Ende.
Bell, G. Hager
239, 3, 15
(
nobd.
,
1601
):
was gott gret Hat, | Das ist vnd bleibt war früe vnd spat.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
97
(
Nürnb.
1517
):
als er [got] geredt hat durch den mundt der heiligen propheten.
Ebd.
135
:
er [got] redt nit dan einmal und veranderweit das nit, dann in einem einigen und kurzen reden eröfnet er die ganzen warheit.
Ebd.
230
:
er hat geredt, und es ist geschehen.
Dietrich. Summaria
19v, 34
(
Nürnb.
1578
):
fieng Jesus an zu reden zu dem volck.
Goldammer, Paracelsus.
3, 292, 8
(
1523
/
30
):
zeichen, weliche Christus, als er in parabolis redt, – allein dem gemeinen mann geredt ist worden.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
nu sont ir merken wie únser herre mit der sel redet, sin wort und sin red daz ist nit anders won sin gnade.
Schmidt, Rud. v. Biberach
35, 6
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Merkent, das got in mengen weg mit vns ret: Etwenne hertlich vnd straffende [...]. Er ret oͮch etwenne nuͥtzlich rattende, etwenne warhaftlich geloͮbende, etwenne suͤslich troͤstende, [...]. Got ret oͮch etwenne heimlich rvͥnende.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 153, 23
([
Augsb.
]
1548
):
Was Gott redt / das sollen wir glauben / und an der warhait der wort nicht zweiffeln.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1821
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
do Christus die wort redat auf erden, do was er in dem hymel.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
7, 7
(
tir.
,
1464
):
Got hat etwenn geret mannikfëltikleichen durch viel sinn zu dem menschen durch seinen heiligisten liebsten sun Jeronimum von den heiligen geschrifften in vil krëfften vnd wunderzaichen.
Dies., Zist.-Pred. Haller
73, 556
(
tir.
,
1466
):
alles das Kchristus reden ist vnd lernen ist, das rett auch vnd lernet die heilig triualtikchait.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. ;
Mathesius, a. a. O. ;
Dietrich. a. a. O.
21v, 14
;
24v, 14
;
Wyss, Luz. Ostersp.
760
.