gang,
der
;
-(e)s/-e
, auch
, jeweils + Uml.
1.
›das Gehen, die Art des Gehens, Ganges (eines Menschen, Tieres)‹; vgl.  1; auch ütr. auf den Lauf, die Funktion z. B. von Mühlen, Schiffen.
Phraseme:
jn. / etw. im gang halten
›jn. / etw. in Bewegung halten‹;
etw. zu gang bringen
›etw. in Bewegung setzen‹;
gang haben
›in Bewegung sein‹.
Bedeutungsverwandte:
 1.
Syntagmen:
ein falscher / geschwinder / guter / rechter / träger / weiblicher / wunderbarer / zuchtlicher g
.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming Ged. (
1631
):
Frau Flora schläft nicht lange, | [...] kömpt mit geschwindem Gange | auf ihre Wiesen zu.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Die juncvrowe nach im lief | Ane wipliche ganc, | Want sie ein truwe herze twanc.
Hilliger, Urb. St. Pantaleon (
rib.
,
1662
):
sollen [...] die muhl im gutem gang und bau halten.
Gille u. a., M. Beheim
267, 86
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Zwai hupsche schuchlin spiczig | als kalbs meuler und aines stelczers gank.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Bruder Lielhart | Ist in der leng [...] | Fast eben wie Sanct Franciscus, | Auch an dem gang gleich solcher art.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. (Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
sie hat ein gang recht wie ein pfauw.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
ain junges medlin, das im am gang und der apparenz gefallen.
Rot
317
(
Augsb.
1571
):
einem seinen gang vnd andre geberd nach thuͦn.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
si hat berait die vergift da mit si die sel toͤten wil, daz sint ir spilden ôgen und ir valschen geng und ir trugenliches smieren.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Es gieng vil rechten gang da hin | Und lúf och rechten loff vil wol.
Nun hoffete er, das die sach alle angeschanzt were, das im gang were, das mit der hilf Gottes nümmen wyt were.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Ir schiff daz hatte geschwinden gang.
Wyss, Luz. Ostersp.
10210
(
Luzern
1545
):
woll, wend wirs bringen zuͦ gang vnnd louff, | so ist an in verloren Chrisem vnnd touff.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
er [esel] hât ainen trægen ganch und ist unvernünftig.
Klein, Oswald
36, 29
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Von anefangk ains kindes gangk bis auff die schranck | schier gen den fünfzig jaren.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
si hat ein wunderleiche gankch.
Schmitt, Ordo rerum
47, 5
;
48, 7
;
Hulsius
F ijr
;
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 55
;
Schmid, R. Cysat
6, 35
;
Weber, Oswald. ;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 175
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 62
;
Dietz, Wb. Luther f.;
Vorarlb. Wb.
1, 1056
;
2.
›Fortbewegung auf ein Ziel‹; als Metonymie: ›Weg, Strecke, Zugang‹; ütr.: ›Her-, Fort-, Übergang‹;
vgl.  1.
Bedeutungsverwandte:
 1,  2, .
Syntagmen:
einen g. bereiten / beschauen / gehen / machen / tun, etw. seinen g. gehen lassen; ein freier / gämelicher / schneller / vergnügter / weiter g
.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
5412
(
Magdeb.
1608
):
Jm Circkel / in die quer vnd leng / | Beschawet alle Weg vnd Geng.
Hilliger, Urb. St. Pantaleon (
rib.
,
1675
):
Praetor noster Duffhaus einen gang auf der weiden a villico oppignorato 50 dal. redemit.
Froning, Alsf. Passionssp.
5942
(
ohess.
,
1501ff.
):
O we, o we des ganges, des ich ge, | synt ich myn kynt gemartelt se.
Stoltzius, Chym. Lustg. (
Frankf./M.
1624
):
mich gebar | Mein Vatter lauter / rein vnd klar: | Welcher mit seinem schnellen Gang | Die Welt vmblauffen hat sehr lang.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Uz ist diz capitels ganc.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
226, 34
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Wie die genge und pfädt, dahin man wiltpret haben wil, zu bereiten seind.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
100, 19
(
nobd.
,
15. Jh.
):
ein hune sal einen ganck han so fern, als einer uf einem hauße gritelig sitzend mit einem ey wirft.
Gerhardt, Meister v. Prag
173, 3
(Hs. ˹
nobd.
,
1477
˺):
Ihesus [...] tet einen ganck zcu Iherusalem.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1437
/
42
):
was aber si der jare gank | gewesen zuͦ derselben zit, | davon sagt das latin nit.
Schmidt, Rud. v. Biberach
71, 17
(
whalem.
,
1345
/
60
):
dis ist ein gang von zitlichen dingen ze ewigen.
Wyss, Luz. Ostersp.
2551
(
Luzern
1583
):
Es wirdtt beschlossen sin die port, | [...] Kein Mann sin gang dardurch nitt hatt.
Goldammer, Paracelsus
7, 175, 19
(
1530
):
derwegen sollen sie der ehe iren gang lassen.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
23, 24
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
do was ein gart, do er vil geng hin tet.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
127, 6
(
1438
/
9
):
vyche, das er selber czucht, das sol eynen fryen gang haben in des reichs welden.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1380
):
Ez schol auch chain gankch über den Cherwach haben weder steg noch weg.
A. à S. Clara. Deo Gratias (
Wien
1680
):
deine Volckreiche Versam̄lung und eiverige Gewerbschafften haben wiederum den vergnügten Gang und Fortgang.
3.
›Unternehmen, Vorhaben‹; ütr. zu 2.
Syntagmen:
einen g. gewinnen / tun / wagen; eines ganges pflegen; ein gefärlicher / harter / unnötiger / züchtiglicher g
.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Du must ein mal ein genglin wagen. | Das wirdt dir leicht nit wol behagen.
Perez, Dietzin
2, 294, 11
(
Frankf.
1627
):
Sehet ein harter Schritt oder Gang fuͤr ein schamhafftige Jungfraw.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
9, 9
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
liebe sach ich mir, wann sie so züchtigliches ganges pflag und alle ere bedenken kunde.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
219, 19/25
(
osächs.
,
1570
/
79
):
Nach vorrichtung dieser aussicherung und zusammentreibung der lerchen mugen sie [...] mist ihren netzen [...] an der ausgesicherten ort eines einen gang thun.
Schaer, Pyr.-Thisbe-Sp. III,
336
(
osächs.
,
1607
):
Ich wi(e)ll noch mit dir thun ein gangk.
Weise. Jugend-Lust (
Leipzig
1684
):
Ich kan den gefaͤrlichen Gang nicht verhindern.
Sachs (
Nürnb.
1549
):
Der jüngling fieng widerumb an: | Vil geng ich dir zu lieb hab than.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
sie hetten ein gengle mit ainandern gethon und ieder den andern nach vorteil gerauft.
4.
›Weg, Bahn, Lauf von Flüssen, Sternen‹.
Bedeutungsverwandte:
 3.
Syntagmen:
des flusses / mondes / sterns, der sonne, des wassers g
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Eufrates daz ist ein flum, | Der hat vil begriffen rum; | Um Babylonie get sin ganc.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
sie dort buwen wider | Naher bi des wazzers ganc.
Ettmüller, Heinr. v. Meißen
364, 3
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
Die siben spæren sol man mezzen; | in zwelif himelzeichen sint gesezzen | ir genge, ir wege ân underscheit.
Jahr, H. v. Mügeln
113, 835
(
omd.
, Hs.
1463
):
die achte lert der sterne gank, | und wie die zirkel haben schrank.
Morrall, Mandev. Reiseb.
83, 15
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
daz [wasser] nennent sie Alboine, und sin gang ist nit verre von Damasch.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1407
):
das eis [...] mocht zuͦ Regenspurg sein rechten gang nit gehaben und luff durch den hoff.
Plant u. a., Main. Naturl.
294ra, 22
(
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
die steten sternent gant von dem oriente zvͦ dem occidente naturliche den ganc hant si.
Goldammer, Paracelsus
5, 178, 4
(
1530
):
der Jordan [...] hat also ein starken fluß und gang, daß es umbstoßt, was es ergreift.
Vogel, Pract. Alg. Ratisb.
148, 24
(
moobd.
,
M. 15. Jh.
):
auch mustu wissen eines ydlichen [planeten] täglich gank.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
80
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
damit [...] das [wasser] selbig Winter vnnd sommer an schaden der Keller seinen ganng vnnd lauff haben meg.
5.
›Gang, Flur in Gebäuden; Bogen-, Säulengang‹.
Syntagmen:
den g. bauen; ein heimlicher / sauberer / schmaler / trockener / verborgener g
.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1405
):
das her den gank und den thorm buwen und sperren sal.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2292
(
Köln
1476
):
Dayr oeuer wart snellich bereit | Eyn ganck zom wall, myt houltz becleit.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Alle wege und genge waren rich | Von finem golde gepafriget glich.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth (
Frankf.
1603
):
Der ehebrecher war durch den heimlichen gang in des barbierers hauß entlauffen.
Küther, UB Frauensee
216, 8
(
thür.
,
1443
):
den czymmerluden meister Hanse und meister Conczen 25 schog vor dem bruwehuß, schlaffhuse, schurn, kemenathe und gange und thore zu richten.
Hoffmeister, Kuffstein. Gef.
B iiijr, 16
(
Leipzig
1625
):
begab mich demnach auff den Weg / langete auch allda bald glücklich an / erstes gangs in den Pallast gehende / zu sehen / was Braͤuch vnd Ceremonien allda gehalten wurden.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. (Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
er füert sie an ein ende | wol uber ein schmalen gang.
Rot
304
(
Augsb.
1571
):
Ein gang darauff man abwertz steigt.
Rauwolf. Raiß ([
Lauingen
]
1582
):
Damit aber dise geng sauber vnnd trucken bleiben / haben sie an etlichen orten / vnder der tieffe verborgne riñen.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 204, 15
(
halem.
,
n. 1529
):
da dannen er
[Papst]
mit sampt etlichen cardinaͤlen, bischofen, praͤlaten, hofluͤten und Roͤmeren in sin veste Engelburg on parfemier durch heimliche gaͤng kum entlief.
Uhlirz, Qu. Wien (
moobd.
,
1475
):
in dasselb zimer get man uber den gangk, der uber den hof gemacht ist.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1479
):
in dem gang ligen viii laͤre füervaͤsser.
6.
›Gefäß, Ader, Vene, Darm (im menschlichen und tierischen Körper)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 1; .
Syntagmen:
die gänge durchschleusen / öfnen / weichen
.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Mt. 15, 17
(
Wittenb.
1545
):
Das / alles was zum munde eingehet / das gehet in den Bauch / vnd wird durch den natürlichen Gang ausgeworffen.
J. W. von Cube. Hortus
123, 21
(
Mainz
1485
):
Zuͦ dem virden schadet sye die gederme vnd die genge des harmß.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz ist dar umb, daz der dunst dann gar verprant ist, daz er des menschen inwendig gäng durchsleuft und durchizzet.
wenn man die veigen izt, sô man vastet, mit nuzzen, sô öffent si des ezzens ganch wol.
der syrop hât die art, daz er des êrsten entlœst oder waichet die gäng.
7.
im Bergbau: ›Ader, Lagerstätte von Erzen, Kohle‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 8, , ,  5.
Syntagmen:
einen g. entblössen / erkennen / eröfnen / finden / messen / schlagen / suchen
;
ein freier / holer / neuer / verborgener g
.
Wortbildungen:
gangfal
›Verlauf einer Lagerstätte von Erzen, Kohle‹ (a. 1536).

Belegblock:

Helbig, Qu. Wirtsch.
4, 88, 21
(
md.
,
1472
):
das wir [...] Hansen Raspen [...] zcu eynem schichtmeister unser genge, zcoge unde stollen desselebigen berges gesatzt geordent unde ym befolhen habenn.
Ebd.
4, 146, 19
(
md.
,
1559
):
Es bricht aber gleichwolh nicht zur tieffestenn, sonder vffm Stolnn vber sich, do kommen [...] Zwen genge ader zwey drömmer zusammen.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
86, 22
(
omd.
,
1548
):
muste er auch sein lehen und fundtgrube im mundtloch des stollens, da man erstlich den gang im gesteine erkennet, anzuhalten, den berg hinan strecken.
Ebd.
95, 25
:
so sol der berckmeister im vormessen auf dem schorf, da er den gang erstlich [...] gesehen, anhalten.
Ebd.
102, 31
:
ob sich der hauptgange getheilt, drumer und abkemen von sich getheilt ader ob es frembde genge, flecz ader zufellige kluft und geschicke sein, die uber ader durch den heuptgang fallen.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
28, 8
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
in der provincien Cathay do ist eyn odere odir eyn gank in der erdin swarczer steyne.
Ermisch, Sächs. Bergr. (
osächs.
, Hs.
15. Jh.
):
Kummet er mit syner wassirseyge an dy genge der berge [...] fyndet er ercz alleyne, das doch yn eynem fryhen sy, man misset keynen berg.
Ebd. (
osächs.
, Hs.
E. 16. Jh.
):
Eyn yczlicher oberbergmeister adir obirster lyher hat dy gewalt von rechte, daz er yczliche genge eyme yczlichen bergmanne lyhen mag umme derselben furstin recht.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1578
):
Zudeme wird sich das berckwerck und die genge ohne zweifel in dieselbe herrschafft erstrecken.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
1
(
mslow. inseldt.
,
1492
):
Also daß sein hofnung wer genngk oder Erczt czw vindenn.
Ders., Igl. Bergr.
24, 6r
(
slow. inseldt.
,
16. Jh.
):
komet er, mit seinner wasser Saigen, an die gennge der perge.
Ermisch, a. a. O. ; ; ; ;
Weizsäcker, Graupn. Bergb.
33, 29
;
43, 33
;
52, 17
;
110, 13
;
115, 31
;
155, 15
;
174, 13
;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
1
;
13
;
16
;
17
;
Ders., Igl. Bergr.
28, 22
, r;
28, 28
, r;
29, 36
, r;
30, 2
, r;
31, 34
, r;
Veith, Bwb. .
8.
in der Webtechnik: ›Webgang (der die Anzahl der Fäden enthält, durch die die Breite des zu webenden Tuches bestimmt wird)‹.
Syntagmen:
die gänge abzälen / besehen / messen
.

Belegblock:

Helbig, Qu. Wirtsch.
4, 18, 1
(
md.
,
1451
):
Es sollen auch alle lyneweber [...] die kemme von so vil gengen machen, das eyn iczlich lynwat, golczsch und drelich sine breite habe in massen also das vor alder gewest ist.
Ebd.
4, 53, 33
(
md.
,
1601
):
Es sollen gemelte Schau vndt Zeichenmaister schuldig sein alle 14 tage [...] bei allen Maistern di gezeug besehen, vndt messen, auch di gänge abzehlen.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1377
):
Auch sollen die wobir machen die langen duche von drenundviertzig elen von gantzer wollin und viere genge und nun gebund breyd.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
, Hs.
1673
):
umb die rechten geng des lodens, hauslodens und walchlodens, wer die nit recht würkt.