lenken,
V.
1.
›etw. / jn. (auch: sich) konkret oder im ütr. Sinne in eine bestimmte Richtung bewegen‹; im einzelnen: ›sich strecken, gerade richten‹; ›sich niederbeugen; jn. niederwerfen‹; ›sich in bestimmter Weise verhalten‹; ›sich e. S. hingeben, etw. anstreben‹; ›sich auf etw. ausrichten, sich nach jm. richten, sich an jn. anpassen‹; ›etw. in etw. verkehren‹; ›etw. gegen jn. lenken, richten‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 5,  5,  36, , .
Syntagmen:
sich l., das [...], sich in etw.
(z. B.
in js. dienst
)
l., etw. in etw. l., den geist l., die sinne auf etw. l., etw.
(z. B.
das recht
)
auf etw.
(z. B.
auf das unrecht
)
l., sich zur rechten / linken, zur erde / seite, zu etw.
(z. B.
zur ehe / ungelassenheit
)
l., etw.
(z. B.
die zeit
)
nach etw.
(z. B.
nach gut / ere
)
l., sich nach etw. l., sich gegen [eine stat] l., etw.
(z. B.
den zorn
)
gegen jn. l.; arme / hände / füsse sich l.; das l. des traumes
.
Wortbildungen:
lenksam
›gezwungen‹.

Belegblock:

Schorer, Sprachposaun
72, 8
(o. O.
1648
):
wissen dennoch nicht gnug [...] mit dem gantzen Leibe sich zu buͤcken / lencken vnd schicken daß sie es annehmlich [...] bringen.
Schöpper, Vorrede (
Dortm.
1550
):
das die Oberlendische zung [...] dester gefuͤglicher inn vnsere spraach gelenckt vnnd gezogen werd.
Luther, WA
10, 3, 5, 36
(
1522
):
[wie wir] uns gegen jedermann halten sollen, Nemlich, uns nach unser Nehsten schwacheit lencken.
Ebd.
10, 3, 7, 11
 f. (
1522
):
Es ist kein künigk also starck, der den glantz der sonnen bygen oder lencken müge, [...]. Aber die hitz laͤßt sich lencken und bygen.
Ebd.
21, 31, 24
(
1528
).
das sich Johannes nach euch lenckete und predigte, was yhr gerne hoͤretet.
Ebd.
31, 2, 267, 15
(
1527-30
):
ßo gehen wyr lengksam uff krummen wegen.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
186, 9
(
Magdeb.
1615
):
Boͤse [...] wirdt die Creatur / so sie zur vngelassenheit lencket von Gott.
Pfefferl, Weigel. Ges.
8, 12
(
Hamburg
1646
):
da standt er [Adam] in der mitten bloß vnd vor gott vnd lencket sich weder zur rechten noch zur lincken.
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
228, 12
(
wmd.
,
1634
):
wan ich dein gedencke, | Deiner quaalen, deiner noth, | Jch mich matt zur Erden lencke.
Hübner, Buch Daniel
920
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Ich bit uch nu gedenken | Vil wol des troumes lenken | Vorne an biz zu ende.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 75, 149
(
Frankf.
1557
):
wer sich kan zur seiten lencken, | Gegen dem Wind den Mantel hencken.
Ebd.
4, 94, 266
:
Der vor das Recht nimpt gab vnd gschenck, | Damit das Recht auffs vnrecht lenck.
Ettmüller, Heinr. v. Meißen
3, 33, 3
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
Sit vrouwen pris solch wirde | treit in lobes girde | geapartiret und geschrenket, gelenket.
Guth, Gr. Alex.
5622
(Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Ze stund begund sie lencken | Yren zorn wider in.
Steer, Schol. Gnadenl.
3,
M1, 94 (
halem.
,
M. 15. Jh.
):
doch so mag er sich darczue lenkchen vnd beraitten, das er sy [genad] hab.
Henisch
232
(
Augsb.
1616
):
Bedencks / darnach lencks.
Primisser, Suchenwirt
10, 134
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Er prauchet unde lenket | Vil manigen uber satels ort.
Klein, Oswald
10, 6
(
oobd.
,
1421
?):
So wundert mich vor allem nicht so sere, | das ich mein zeit neur lenck nach güt und ere.
Ebd.
76, 7
(
um 1418
):
do ich ir [graserin] half den gattern rucken, | smucken für die schrencken, | lencken, sencken in die seul.
Niewöhner, Teichner
418, 34
(
moobd.
,
1360
/
70
):
mit der vart so tuͤt sich lenchen | hent und fuezz und andrew gelider.
Qu. Brassó
4, 25, 46
(
siebenb.
,
1603
/
20
):
Nachdem thät er sich gegen Honigberg mit seinem Haufen lenken.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
486, 15822
;
491, 16308
;
564, 22565
;
Mayer, Folz. Meisterl.
1, 245
;
Primisser, a. a. O.
30, 238
;
Schöpper
73b
;
Stackmann u. a., Wb. zur Gött. Frauenlob-Ausg.
1990, 210
.
Vgl. ferner s. v.  3, (V.) 3.
2.
›etw. beugen, formen, gestalten; sich biegen, sich gebogen darbieten (jeweils konkret gedacht)‹.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
838, 12
(
Lübeck
1639
):
Eysen laͤst sich nicht handeln / biegen oder lencken.
Pyritz, Minneburg
5179
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Sine [vogel] reinen swankeln sytten | Waren meisterlich gelenket.
Stackmann u. a., Frauenlob
1, 13, 32
(Hs. ˹
alem.
,
14. Jh.
˺):
ich kan uz siben hornen schenken, | die man sach uf dem lamme lenken.
Primisser, Suchenwirt
3, 172
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Jn dem golt getzieret was | Drey leben praǔn von ademas | Jn parre weis gelenket.
Pfälz. Wb.
4, 934
.
3.
›(die Flexionssilbe) verändern, beugen‹.
Bedeutungsverwandte:
 2; vgl.  9,  6.

Belegblock:

Rot
303
(
Augsb.
1571
):
Declinirn, [...] die letzt silben eines worts in ein andre lencken.
4.
›etw. überlegen, erwägen, gedanklich hin und her wenden‹.

Belegblock:

Guth, Gr. Alex.
5642
(Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
ze stund tet er bedencken | Und in den synnen lencken.
Jellinek, Friedr. v. Schwaben
6242
(
schwäb.
, Hs.
1478
):
Ain annders begund er lingken: | Bald er das bedaucht.
5.
›etw. (z. B. das Gemüt) / jn. lenken, leiten, steuern; sich beherrscht verhalten‹; speziell: ›jn. beherrschen‹.
Wortbildungen:
lenker
.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged.
179, 91
(
1636
):
die stille Neigung selbst, die die Gemüter lenkt.
Luther, WA
9, 397, 23
(
1519-21
):
Besunder daß Euangelium berurdt czame freye willige herczen, [...], lassen sich feyn lencken und regyren.
Opel, Spittendorf
201, 45
(
osächs.
,
um 1480
):
Dieselbigen, die dieser dinge heber und lengher waren.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 283, 6
(
Bautzen
1567
):
heil wo wir wund sein. | Lenck was halsstarrig ist.
Chron. Nürnb.
1, 142, 8
(
nobd.
,
1387
):
dem ir dorinne gentzlichen [...] gelawben muͤgt, und euch auch nach seiner unterweisung darzu lenken lasset.
Jellinek, Friedr. v. Schwaben
6253
(
schwäb.
, Hs.
1478
):
Den rossen ward gelencket, | Unnd iedes sper gesencket.
Klein, Oswald
94, 14
(
oobd.
,
um 1411
?):
wenck, lenck, | herzlieb, mich fellende!
Luther, WA
10, 3, 17, 26
;
Kurz, Waldis. Esopus
2, 66, 30
.