anschlagen,
anschlahen
(letzteres im Inf. und Präs. mit größerer Häufigkeit bis ins 16. Jh., umgekehrt im Part. Prät. einige Belegformen mit
-h-
),
V., unr. abl.
– Sehr differenziertes Bedeutungsfeld: 1-16 mit dem Ausgangspunkt ›schlagen‹, 17-24 ohne konkrete Bedeutungsgrundlage.
1.
›jn. an etw. (i. c. Christus ans Kreuz) annageln, anschlagen; etw. an etw. anderem befestigen‹; ›jn. an den Pranger stellen‹;
anschlagendes schlos
›fest montiertes Schloß (im Gegensatz zum vorgehängten)‹; hier folgende Phraseme anzuschließen:
jm. lasterlappen anschlagen
›jm. etw. anhängen‹;
jm. flecken anschlagen
›jm. einen Makel anhängen‹;
jm. schmach/schandmassen anschlagen
›jm. übel nachreden‹;
jm. eine schelle anschlagen
›jm. eins auswischen‹.
Phraseme:
Ähnliche Phraseme s. v.  8.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 187, 5
(
Nürnb.
1631
):
Sie schlugen den HErrn ans Creutze, | Zwischen zwey Schaͤchern an.
Bihlmeyer, Seuse
414, 20
(
alem.
,
14. Jh.
):
Daz vierde, daz du dinem offenen munt ein sloss an slahest.
Mollwo, Rotes Buch Ulm
197, 29
(
schwäb.
,
um 1420
):
das nieman hie ze Ulme dehain anschlahent schloss noch ainzaͤchtig schluͥssel [...] nicht fail haben sol.
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz.
24, 8
(
alem.
,
um 1430
):
die hießen erst recht anschlahen der herren waupen an die hüßer.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 203, 8
(
Augsb.
1548
):
Zuͦ Hofe gilt er nicht / wa er nicht laster lappen kan yederman anschlagen.
Fuchs, Murner.
4
Ketzer 385 (˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Wygand in seim libell | Doctor Branten vil manche schell | Mit boͤsen worten aneschluͦg.
Froning, Alsf. Passionssp.
5634
;
Maaler
26r
;
Schwäb. Wb.
1, 253
;
Schweiz. Id.
9, 380
;
Rwb
1, 716
;
Wmu
1, 105
.
2.
›einen Aushang, Anschlag machen; (Bücher an geeigneter Stelle) anschmieden, befestigen‹; ›Siegel anheften‹; metonymisch zu ersterer Variante: ›etw. durch öffentlichen Aushang, Anschlag bekannt geben‹, vereinzelt auch: ›etw. veröffentlichen‹; ›etw. mitteilen‹.
Phraseme:
jm. des reiches schlos anschlagen
›js. Vermögen beschlagnahmen‹;
das blech anschlagen
›etw. beschlagnahmen‹.
Syntagmen:
das buch / gesez / mandat, den brief
(mehrmals)
/ markt / zettel / vers, die bulle / meinung / ordnung / schrift a.
; mit Satzgliedverschiebung:
den hof a.
Wortbildungen:
anschläger
1,
anschlahung
1.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
337, 36
(
preuß.
,
1449
):
5 bucher sermones in der kirchen angeslagen.
Ermisch, Sächs. Bergr.
116, 17
(
osächs.
,
1499
/
1500
):
das der auffnemer vier wochen anslage, ap der alden gewercken einer mitbawenn wolt.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 126, 32
(
schles.
,
1561
):
Wir haben euer schreiben [...] von wegen wider abthuunge der ro. k. mt. ... ausgegangene und auf dem bergwerk Tarnowitz angeschlahene mandat [...] empfangen.
Gille u. a., M. Beheim
453, 1986
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Die liessen reschlich slahen an | und auff plasen, daz yeder man | Sich beraitet zw deme | und in seinen stand keme.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1475
):
Is sy eyn selige geystliche ordenunge angeschlagen und gesetzt.
Ebd.
303, 8
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
satzten do gesworn notarien in beden hoͤfen und gobent inen zeichen anzuͦslahen, mit iren nammen uszgezeichnet.
Geier, Stadtr. Überl.
420, 11
(
nalem.
,
1552
/
1609
):
so würt man die drei markt nachainandern vorlesen und mitlerzeit [...] offenlich anschlachen.
Sudhoff, Paracelsus
4, 146, 25
(
1527
):
dwyl nun aber diser kúnstler sich beflissen [...] soliche schmachverß wider mich anzeschlahen und angeschlagen.
Volz, Prophet Daniel Z
10, 21
(
Zürich
1529
):
welchs in der warhafften geschrifft verzeychnet vnd angeschlagen ist.
Turmair
5, 459, 27
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Geben, eröffent und angeschlagen zu Avion am achten tag des weinmonats.
Rintelen, B. Walther
43, 8
(
moobd.
,
1552
/
58
):
Von Anschlahung der Crida, was massen auch darinnen verfaren wirdet.
Chron. Köln
3, 899, 10
;
Ermisch, a. a. O.
98, 23
;
110, 6
;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
73, 6
;
92, 19
;
96, 22
;
Wutke, a. a. O.
47, 2
;
Rennefahrt, Gebiet Bern
245, 24
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
235, 36
;
Turmair
5, 457, 29
;
Maaler
26r
;
Dietz, Wb. Luther
97
/98;
Rwb
1, 716
;
Schweiz. Id.
9, 382
/83.
3.
a) ›etw. aufbauen, aufschlagen, aufstellen‹;
b) im Bergbau: „im Schachte aufzufördernde Fördergefässe füllen und an das Seil befestigen; auch bereits gefüllte Fördergefässe an das Seil befestigen, beziehungsweise auf das Fördergestell schieben, um sie im Schachte ausfördern zu lassen“ (Veith, Bwb
23
).
Wortbildungen
(zu b):
anschläger
2.

Belegblock:

Zu a):

Kurz, Waldis. Esopus
2, 2, 12
(
Frankf.
1557
):
Da gundten alle Thier erschrecken, | Sprachen: „da seindt viel feindt, im Hagen | Haben jhr laͤger angeschlagen“.
Chron. Augsb.
2, 38, 21
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
schluegen sie laittern an und sturmeten mit großem volk und hetten die stat gern gewunen.

Zu b):

Löscher, Erzgeb. Bergr.
222, 7
(
omd.
,
1. H. 18. Jh.
):
Man braucht sie [Grubenjungen] aber in der Grube erst zum Anschlagen, diese nennet man Anschläger.
Ebd.
223, 5
.
4.
›(durch Anschlagen der Turmglocke) ein Zeichen für etw. (meist Feuer) geben, Gefahr läuten‹.
Bedeutungsverwandte:
 4.

Belegblock:

Schmitz, Schiltb.
176, 3
(
Frankf.
1597
):
Als jhn etliche gesehen hatten / [...] erschracken sie vber die massen sehr drab / [...]: schlugen derowegen sturm an.
Chron. Nürnb.
5, 703, 13
(
nobd.
,
1506
):
an dem sant Johanns(tag) ains in die naht da slug man gar oft an und plies oft feur an.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
73, 34
(
smoobd.
, o. J.):
ob man anschlüg, das ain ieder seinem obman zulauf und demselben gehorsam sei.
Chron. Nürnb.
4, 328, 19
;
347, 16
;
Chron. baier. Städte. Regensb.
110, 1
;
115, 34
;
Schwäb. Wb.
1, 253
;
Schweiz. Id.
9, 379
;
Rwb
1, 716
.
5.
die sichel / mit der sichel anschlagen
›die Sichel anlegen, ernten‹; hierher das im Schweiz. Id.
9, 383
zu mehreren Bezugsgegenständen belegte ›etw. in Gang, in Bewegung setzen‹.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. Joel
3, 18
(
Wittenb.
1545
):
Schlahet die Sicheln an / denn die Ernd ist reiff.
Ebd. Offenb.
14, 16
:
Schlag an mit deiner Sicheln vnd erndte / Denn die zeit zu erndten ist komen.
Schweiz. Id.
9, 383
.
6.
›an etw. anstoßen, auf etw. aufstoßen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5.

Belegblock:

Maaler
26r
(
Zürich
1561
):
Etwar Anschlahen vnd zerbrechen.
7.
›(eine Waffe beim Schießen an die Wange) anlegen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  16,  3.

Belegblock:

Kohler u. a., Bamb. Halsger.
172, 18
(
Bamb.
1507
):
jme lest vngeverdlicher weyss vnd wider seinen willen sein Puͤchs oder armprust, ee vnd er recht anschlecht vnd abkuͤmpt, vnd scheusset also yemant zu tode.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V.
146, 17
;
Schweiz. Id.
9, 380
.
8.
›(dem Vieh ein Zeichen) einbrennen‹; ›Zeichen (an Bäumen o. ä.) anbringen‹.

Belegblock:

Maaler
26r
(
Zürich
1561
):
Dem vech ein zeichen Anschlahen.
Rwb
1, 716
.
9.
›anspülen, anschlagen (von Wasser)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , .

Belegblock:

˹Ütr. im religiösen Sinne:
Vetter, Pred. Taulers
173, 24
(
els.
,
1359
):
das die unden in sturm wetter uf sin schiffelin etwie dicke von ussen slahent als si in ieze versoͤiffen wellent: das enmag so ungestuͤmlichen nút in an slahen, er soͤlle von innen in guͦtem friden bliben
˺.
Maaler
26r
(
Zürich
1561
):
Anschlahen wie ein wasser.
Volkmar
140
(
Danzig
1596
):
ort am vfer / da die wellen anschlagen.
Schweiz. Id.
9, 388
.
10.
›jn. schlagen, geißeln, züchtigen; auf etw. schlagen‹;
jm. die haut vol anschlagen
›jm. eine Tracht Prügel verabreichen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , , , ,
1
 4,  1, .

Belegblock:

Gierach, Märterb.
13918
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
an die schrayat
[›Pranger‹]
hiez er sy pinden | mit panden vil swindenn, | mit pleyein gaiseln sy slahen an, | das daz plüt von in rann.
Ebd.
26395
:
sus mit chlag manichvaldenn | schlüg er daz pild an.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
148, 13
(
smoobd.
, Hs.
1694
):
was ligt ainem daran, wan ich gleich dem die haut voll anschlag.
Gierach, a. a. O.
23400
;
24188
.
11.
phrasematisch:
die hände anschlagen
›Hand anlegen, ans Werk gehen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  15.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 585, 8
(
Köln
1499
):
slacht ure hande an mit vreuden, ure dinge sullen noch zo eime gueden ende komen.
Ebd.
1, 2440
.
12.
phrasematisch:
einen kauf anschlagen
;
die hand anschlagen
›einen Kauf durch Handschlag abschließen‹.

Belegblock:

Dietz, Wb. Luther
97
/98;
Rwb
1, 716
.
13.
›etw. beschlagnahmen‹; vgl. dazu die Phraseme unter 2.
Bedeutungsverwandte:
 2, (V.) 10,  6,  9,  2.

Belegblock:

Loersch, Weist. Boppard
149, 38
(
mosfrk.
,
1611
):
das nichts ohn geistlicher obrigkeit befelch binnen dem hof sol gepfendt und angeschlagen werden.
Rwb
1, 716
.
14.
›(eine Kuh einer Herde mit dem Hirtenstab) anschlagen und mit diesem Zeichen in Besitz nehmen; (Vieh) in seinen Besitz bringen, rauben‹; auch allgemein:
raub anschlagen
›raubend umherziehen, sich einer Sache räuberisch bemächtigen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  8.

Belegblock:

v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
711, 16
(
thür.
,
1421
):
das sie ranten vor Heringen unde slugen das vihe an.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
104, 24
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
ein kwe geit man [...] dem, der [...] dem hirten sein stap zu worczeychenn nympt vnd die herrt kwe anschlecht vnd anhept zu treybenn.
Chron. Nürnb.
2, 172, 17
(
nobd.
,
1449
):
die unsern [...] slugen daz vihe an vor Spitlertor und triben hin bei 300 küen und bei 1500 schaffen und fingen etlich baurn auf dem feld.
Ebd.
177, 4
:
warn etlich fußgengel ausgeloffen enhalb Weissennoch und hetten ein raub an geslagen.
Turmair
4, 360, 30
(
moobd.
,
1522
/
33
):
fieng Alexander etlich Teutschen [...]; schlueg auch etlich viech an, nemlich roß, so im mos giengen.
Chron. Nürnb.
2, 220, 18
;
Turmair
4, 515, 15
.
15.
›(ein Tier) auf die Weide treiben‹; mit verschobenem Objekt: ›(ein Grundstück) beweiden‹.
Bedeutungsverwandte:
,  1,  1.

Belegblock:

Mell u. a., Steir. Taid.
153, 24
(
m/soobd.
, Hs.
1629
/
43
):
so mag auch ein richter in der gemain sein roß auf das graß, an welchem ort er will, anschlagen.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
56, 34
(
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
welcher daruber den andern di tratn anschlieg, der wär verfallen dem gericht.
Ebd.
96, 21
(Hs.
1671
):
in solcher zeit soll kainer den andern mit seinem vich nit anschlagen und übertreiben.
Ebd.
41, 13
;
Rwb
1, 716
.
16.
›losschlagen, die Schlacht beginnen; jn. angreifen‹; auch: ›(ein Tier) anfallen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  8.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 211, 23
(
nrddt.
,
1550
/
1
):
Alß wie er sahe die Magdenburger so unordentlich herziehen, eilet er nach dem orth, da die Bauern zogen, schlug an, gewahn die schlacht.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 97, 97
(
Frankf.
1557
):
Die han gwonlich ein besser endt | Denn die, welch schnell vnd vnbewagen | Doch listig werden angeschlagen: | Die werden gmeinlich vbereilt.
Koller, Ref. Siegmunds
69, 29
(Hs. P:
Basel
,
um 1440
):
Harumb, getruwen cristen, kumt die zit, das man anslaht an die unrehten, die sich nit biegen wellent bi der hohen vermanung.
Schweiz. Id.
9, 380
.
17.
einen weg anschlagen
›einen Weg einschlagen, gehen‹.

Belegblock:

Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
4949
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Doch mynen weg zu gan, | Als ich den angeslagen han, | Wil ich nit underwegen lassen.
18.
›sich jm. anschließen‹.

Belegblock:

Chron. Köln
3, 611, 2
(
Köln
1499
):
ich weis wail: sleit her Rutger an minen heren, so sal die gantze gemeinde zo uch vallen, want he is van groissem gehoere under in.
19.
›sich entwickeln, sich anlassen, verlaufen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  13.

Belegblock:

Niewöhner, Teichner
66, 73
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
man waiz nicht, wie der marcht an slecht.
20.
›etw. ins Werk setzen, anstellen, handhaben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
2, 331, 14
(
preuß.
,
1441
):
ab man nicht zcu fruntschafft moge komen, wie men denn das vortan sal anslaen und halden.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 57, 28
(
Frankf.
1557
):
Weiß nicht, wie wirs anschlagen woͤllen, | [...] | Wie wir den Fliegen woͤlln entghan.
21.
›etw. planen, sich etw. vornehmen, besprechen, verabreden, ausmachen; vorausplanend für etw. sorgen‹; hierher phrasematisch:
eine sache warm anschlagen
›etw. eifrig betreiben‹.
Bedeutungsverwandte:
, , , ; vgl.  22.
Wortbildungen:
anschläger
3 ›Planer, Urheber‹.

Belegblock:

Rueff, Rhein. Ostersp.
760
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
Stent uff, er hern, und lat uns gan, | als wir vor han an geslan.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
752, 4
(
thür.
,
1421
):
sso qwam is das marggrave Jost von Merern eynen redt an slugk yn Behemen uff den konigk seynen brudir.
Ebd.
412, 19
:
vyngen do graven Frederichen von Bichinlingen, der disses eyn ansleger gewest was.
Bernoulli, Basler Chron.
4, 96, 18
(
alem.
,
1508
):
die gwalt gehebt haben, essen anzeslahen, huͤner, fleisch, visch und anders zuͦ bestellen.
Bachmann, Haimonsk.
45, 24
(
halem.
,
1530
):
so land uns die zyt anschlachen, wenn wyr von hinnen scheyden wellend.
Kottinger, Ruffs Etter Heini V
282
(
ohalem.
,
1538
):
Zu Beggenried wend wir ein tag han, | da selbst unser sachen schlahen an.
Chron. Augsb.
1, 309, 32
(
schwäb.
,
15. Jh.
):
O wie ist es vor übertragen und angeschlagen worden in sundern räten.
Turmair
4, 1138, 3
(
moobd.
,
1522
/
33
):
schlueg er ein zug an an den Reinstrâm [...], ließ überal aufpieten.
Fuchs, Murner. Geuchmat
1271
(
Basel
1519
):
Der hinden stadt, der muͦß syn lachen, | Das sy die sach anschlecht so warm.
v. Liliencron, a. a. O.
340, 13
;
Bernoulli, a. a. O.
6, 48, 11
;
Koller, Ref. Siegmunds
57, 26
;
Turmair
5, 50, 18
;
Schöpper 9a;
110a
;
Maaler
20v
;
26r
;
Dietz, Wb. Luther
97
/98;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
13
;
Schwäb. Wb.
1, 253
;
Schweiz. Id.
9, 386
/87;
Rwb
1, 716
.
22.
›(jm.) eine finanzielle Verpflichtung (Steuern o. ä.) auferlegen; (Steuern) erheben; etw. umlegen, jn./etw. (z. B. Güter) steuerlich veranlagen‹; im Heereswesen: ›jn. zum Heeresaufgebot verpflichten, (Soldaten) aufbieten, ausheben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  24,  5,  2, (V.) 11, , ,  5, (V.) 11.
Syntagmen:
das erz / gut / haus a., die summe / steuer / taxe / zubusse, das geld a.
; (
jm.
)
etw. zu geben / bezalen a.
;
die stat
(Akk.)
etw. a.
;
etw. zu steuer a.
;
etw. den armen a.
;
jn. um etw. a.
;
angeschlagenes geld.
Wortbildungen:
anschlagbuch
›Veranschlagungsbuch‹,
anschlagfrei
›umlagefrei‹,
anschlaghafer
›Haferumlage‹,
anschlagregister
›Veranschlagungsliste‹,
anschlagrodel
(dasselbe, dazu bdv.: vgl.  2),
anschlahung
2.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
279, 25
(
thür.
,
1474
):
daz sy [...] eyne zcal haffern zcu gebin angeslayn unde gesatczt habin.
Ebd.
280, 25
:
habin sy yme die guttere zcu Dretczsch unde zcu Molwicz gelegen nicht angeslagen.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 61, 3
(
schles.
,
1538
):
wie dass Cristoff Kolbig [...] ander grueben mer aufgenomen und ein zuepuess soll angeschlagen haben.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
171, 15
(
nobd.
,
1395
):
das dritte jare sint angeschlagen die von Rotenburg, Swinfurt, [...] umb zweyhundert guldin.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 302, 10
(
nobd.
,
um 1428
):
hat man auf die guͤter [...] gesetzt und angeslagen zu der alten guͤlt [...] fuͤr stewr und dienste ein summ gelts.
Niewöhner, Teichner
208, 10
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
dew gar reichen gewaltigen | schaiden an flust der van | und slahens nur den arm an.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
188, 28
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Zu dem zuck tet ym sein geperer [...] ain aufschlag in allen seinen erblichen lannden; und zu Kernndten angeschlagen 300 geraisig und 400 fuesknecht.
Ebd.
231, 10
:
Dasselb gellt wart angeslagen als ain gemeine stewr.
Mollay, Ofner Stadtr.
12, 2
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
So man losung dy stat an slahen wil.
Rechn. Kronstadt
3, 815, 29
(
siebenb.
,
1492
):
In dem Jaar 1492 hat man an geslavn ein tax czw sent Margarethen tag.
Wutke, a. a. O.
20, 182, 25
;
Müller, Lands. St. Gallen
90, 25
;
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
117, 4
;
Rintelen, B. Walther
19, 3
;
Grossmann, a. a. O.
67, 12
;
77, 16
;
Mell u. a., Steir. Taid.
13, 25
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
313, 48
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
189, 23
;
Mollay, a. a. O.
12, 6
;
Rwb
1, 716
/18;
Schweiz. Id.
9, 384
-386.
23.
›etw. in einer bestimmten Höhe veranschlagen, mit einem bestimmten Wert festlegen, den Wert von etw. bemessen, etw. auf eine bestimmte Höhe schätzen‹.
Bedeutungsverwandte:
, , , ; vgl.  1,
1
 8,
1
 2, ,  8,  3.
Syntagmen:
den eimer (weins) / hof / (-)garten / zehnt / dukaten, das vieh
(mehrmals)
/ kleid / mülwerk, die freiung / ware a.
;
etw. a. auf / pro [...]
;
etw. in geld a.
;
jm. etw. an geld a.
;
etw. teuer a.
Wortbildungen:
anschlahung
3.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
249, 17
(
thür.
,
1474
):
habe er [...] vorlorn dry phert unde syn harnasch met ettlichen cleynoten, daz er wirdert unde slet an zcweyhundert gulden.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
507, 19
(
osächs.
,
1523
/
4
):
der elste bruder solle das in seiner teilung moglichen anschlaen und rechen.
Loose, Tuchers Haushaltb.
129, 16
(
nürnb.
,
1516
):
solch mulberck hab ich angeschlagen pro 1470 gülden.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 151, 13
(
nobd.
,
1464
):
das im die herrschaft froͤner schicken soll, als zymlich ist, das alzo anzwͤslagen wer nach den morgen veldes.
Lemmer, Brant. Narrensch.
15, 2
(
Basel
1494
):
Der ist eyn narr der buwen wil | Vnd nit vorhyn anschlecht wie vil | Das kosten werd.
Müller, Lands. St. Gallen
76, 19
(
halem.
,
1543
):
das er roß, küe, kelber, win, korn [...] in hohem gelt angeschlagen, das sy nit wert.
Koller, Ref. Siegmunds
274, 2
(Hs.
um 1475
):
das sollen sye dan anslahen und ansehen den kost, sorg und erbeyt und einen anslag thünn.
Vogel, Pract. Alg. Ratisb.
137, 3
(
moobd.
,
M. 15. Jh.
):
130 fl reinisch vmb 100 ducaten, wie ist angeslahen der reinisch fl vnd wie der ducaten?
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
79, 29
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
die weingarten, die freyung, die man anslecht darnach vnd se wein tragent, ain jar mer wenn das ander.
Loose, a. a. O.
42, 1
;
69, 2
;
Chron. Nürnb.
1, 207, 17
;
Mon. Boica, NF.
2, 1, 295, 22
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 107, 30
;
Müller, a. a. O.
95, 29
;
Ders., Alte Landsch. St. Gallen
76, 19
;
91, 35
;
Koller, a. a. O.
167, 17
;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 21, 25
;
163, 29
;
Zingerle, Inventare
18a
, 32;
39a
, 23;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
134, 31
;
Turmair
5, 540, 3
;
Winter, Nöst. Weist.
1, 304, 10
;
Maaler
26r
;
Schwäb. Wb.
1, 253
;
Schweiz. Id.
9, 384
;
Rwb
1, 716
.
24.
›sich e. S. entziehen, an etw. vorbeikommen‹.

Belegblock:

Roder, Hugs Vill. Chron.
176, 10
(
önalem.
,
1529
):
Do hetten wir uns hie gern (unns) ußgezogen uß großer nottduͦrff, aber wir mochten uns gar nut anschlachen, wir mußten illens uff sant Johans aubend [...] hie hinweg schicken sechzig und siben wol gerusster man.
25.
›etw. (z. B. eine Feier) veranstalten, stattfinden lassen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.

Belegblock:

v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
675, 14
(
thür.
,
1421
):
Uff dem selbin houfe wart eyne friote an geslagen von dem graven von Henbergk.
Turmair
4, 458, 14
(
moobd.
,
1522
/
33
):
war allenthalben in der stat und auf dem land grosse freud, schluegen drei tag aneinander ein feier, kirchfart und umbgang an.