heften,
V.,
vereinzelt rückuml.
1.
›etw. / jn. (besonders mit Nägeln) an einem Gegenstand befestigen, anbringen; etw. festbinden, zusammenbinden, zusammenfügen‹; speziell: ›Vieh auf der Weide anbinden‹; ›ein Schiff festmachen‹; daneben: ›jn. fesseln‹; vereinzelt auch intransitiv: ›wo feststecken‹.
Phraseme:
das schif heften
›das Schiff am Ufer mit Tauen festmachen‹.
Syntagmen:
jn. fest, an das holz / kreuz, auf die erde h., jn. mit nägeln h., die häublein an das haupt h., das schif wohin h., das pferd an das faltor, an die tanne, zur linde h., die bäklein jm. an die wange h., die zunge
(Subj.)
in den mund geheftet sein, die prünne
(Subj.)
jm. im fleisch h., etw.
(z. B.
einen zettel
)
dabei h., bilder an die häuser h
.
Wortbildungen:
heftband
(a. 1482),
heftstecke
›Balken, an den das Schlachtvieh gebunden wird‹,
heftstökchen
›Stange zum Festbinden von rankenden Pflanzen‹ (a. 1370).

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
7235
(
ohess.
,
1501 ff.
):
nym Luciper den hellehunt | und bynt en yn der helle grunt! | du salt en feste hefften.
Hübner, Buch Daniel
4289
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Sundir allez verfeilen | Heften sie en [Jhesum] an daz holtz.
Gille u. a., M. Beheim
99, 905
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
der morder [...] nam | gut stark nagel von eisen | Und liess in umb und umb [...] | dy heüblin hefften an daz haubt.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
319, 50
(
halem.
,
1408
):
daz der obg(enant) Michel ime sin schif abgemeret und anderswa hin geheftet het.
Sappler, H. Kaufringer
13, 276
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
die hoden wurden nicht gespart, | die wurden für zwen knopfe vein | geheftet an das pütelein | undan an die züpfel baid.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
15, 9
(
oobd.
,
1349
/
50
):
daz diu zung geheft ist in den munt oder daz ireu pant, dâ mit si der mensch zeuht, verwarlôst werdent.
Winter, Nöst. Weist.
2, 439, 30
(
moobd.
,
v. 1465
, Hs.
1590
):
sagen si das zwen rahtgeschworn und ain maister sollen das viech beschawen an dem heftstecken.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
362, 7
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Er [Hector] schlueg, das Achilles die prünn | mit truck in seinem vlaisch begunde heften.
Munz, Füetrer. Persibein
249, 1
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Sein pfärtt er hefft zer linden | vnnd ging auf das palas.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
333, 4
(
smoobd.
,
1435
):
der landrichter [...] sol sein pfërd heften an das valltör.
Ebd.
118,
A. 10 (
smoobd.
,
n. 1623
, Hs.
17. Jh.
):
aber doß heften und hieten ist verboten in den traidfeldern bei der nacht.
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
220, 15
;
Anderson u. a., Flugschrr.
1, 5, 14
;
5, 86
;
Gille u. a., a. a. O.
449, 380
;
449, 478
;
Thiele, Minner. II,
5, 86
;
Wyss, Luz. Ostersp.
9009
;
Bastian u. a., Regensb. UB
348, 34
;
Bastian, Runtingerb.
2, 62, 23
;
Niewöhner, Teichner
320, 151
;
Vgl. ferner s. v.  11, , .
2.
in der Terminologie des Weinbaus: ›Weinreben mit Strohbändern an Pfählen befestigen‹; Spezialisierung zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  13.
Wortbildungen:
heftung
1 (a. 1512).

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw.
252, 19
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Umb pfingsten bricht man dem weine das ubrige holz abe, heftet denselben alsbalt und hacket die erde zu den stöcken zum andern mal.
Kocher, Rechn. Schönenwerd
281, 63
(
halem.
,
1383
):
Die reben ze hakken, ze hetften und ze sniden.
Schib, H. Stockar
147, 21
(
halem.
,
1520
/
9
):
Uff dye zitt ist grossy nott gesin und mangel ain wyber in die reben zu werkan, erbrechen und hiefftan, wan es was unstett wetter.
Kollnig, Weist. Schriesh.
261, 19
;
Ermisch u. a., a. a. O.
161, 29
;
Vetter, Pred. Taulers
32, 2
;
Stieler
1, 816
;
Schwäb. Wb.
3, 1330
.
3.
in der Terminologie der Medizin: ›Wunden zusammennähen und verbinden (und dadurch heilen); durchtrennte Körperteile durch eine Naht wieder zusammenfügen‹; Spezialisierung zu 1.
Gehäuft medizinische Texte.
Bedeutungsverwandte:
 3.
Syntagmen:
die wunde h., die ader mit einem faden h
.
Wortbildungen:
heftnadel
(a. 1594),
heftpulfer
›Pulver zur Blutgerinnung und Wundheilung‹,
hefttüchlein
›Heftpflaster‹ (a. 1649),
heftung
2,
heftwasser
›flüssiges Arzneimittel zur Blutgerinnung und Wundheilung‹.

Belegblock:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
90, 9
(
Frankf.
1535
):
Silber helt die wunden zsamen / also das man die nit hefften darff.
Cirurgia H. Brunschwig
21
ra, 40 (
Straßb.
[
1497
]):
das du die wunden suber vnd rein zuͦ samen fügest vnd sie hefftest noch irer gestalt.
Ebd.
21
rb, 30:
die hefftūg geschicht in fünferley form oder wise.
Sudhoff, Paracelsus
5, 326, 20
(
1527
/
8
):
man sol nit heften wunden in priapo.
Ebd.
10, 70, 3
(
1536
):
es seind etliche heftpulver, heftwasser, die ein wunden zusamen ziehent, gleich an einander leiment gleich als der zwei bretter zusamen heftet.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 194, 12
(
schwäb.
,
1580
, Hs.
18. Jh.
):
wöllicher dem andern ain [...] wunden hawet oder stech, die man von nott wegen höften muest.
Weitz, Albich v. Prag
144, 9
(Hs. ˹
oobd.
,
A. 16. Jh.
˺):
Wem die groß halß ader ab gehawen sey, das das pluͦt nit versten woͤll, so hefft die aber mit ainem subtilen faden.
Keil, Peter v. Ulm
130
;
Sudhoff, a. a. O.
10, 68, 8
;
Gehring, a. a. O.
3, 75, 12
;
Niewöhner, Teichner
99, 5
;
Schwäb. Wb.
3, 1329
;
6, 2132
.
4.
›sich jm. / etw. zuwenden, sich jm. anschließen, jm. nachfolgen; etw. (besonders die Seele) mit jm. (z. B. Gott) / etw. verbinden‹; Ütr. zu 1.
Religiöse und didaktische Texte.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1, , , , ,  5, (V.) 6,  1,  2,  19.
Syntagmen:
etw.
(z. B.
die sele
)
/ sich an jn.
(z. B.
an got
)
heften, sich an die warheit h., etw. an das brot heften
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
2, 25, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ich wölte mich an die wârheit heften und wölte got lâzen, wan got ist diu wârheit.
Strauch, Par. anime int.
88, 7
(
thür.
,
14. Jh.
):
da noch hefte ich mine sele an got und minen willin.
Schmidt, Rud. v. Biberach
7, 19
(
whalem.
,
1345
/
60
):
wer sich an got hoͤftet, der wirt ein geist mit im.
Ruh, Bonaventura
343, 4
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
anhang hefte dich vmb sterky der lieby.
Andreae. Ber. Nachtmal
38r
, 4 ([
Augsb.
]
1557
):
Wie nun Doctor Luthern seligen / sein verklaͤrung / vbel gedeütet wordē / als ob er den Leib Christi in̄s Brot einschliesse / oder an dz Brot heffte.
Jostes, Eckhart
56, 6
;
Strauch, a. a. O.
12, 13
;
Neumann, Rothe. Keuschh.
2678
;
Adrian, Saelden Hort
4359
;
Steer, K. v. Megenberg. Sel
420
.
5.
›jn. rechtlich belangen, rechtlich gegen jn. vorgehen‹.
Nur alem. Belege.
Bedeutungsverwandte:
 9.

Belegblock:

UB Zug
1, 5, 47
(
halem.
,
1352
):
den selben oder die [...] sol man heften und angriffen und si des wisen, das si den selben schaden und angrif ablegen und widertuͤÿen.
Leisi, Thurg. UB
8, 19, 10
(
halem.
,
1391
):
Und múgent och sy und ir nachkomen und helffer mich und min erben dar umb angriffen, heften, pfenden und umbtriben, es sig mit gericht ald ane gericht.
6.
›jn. festnehmen, verhaften, arrestieren‹.
Bedeutungsverwandte:
 12,  2; vgl.  1,  6,  1,  1.

Belegblock:

Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
139, 37
(
halem.
,
1413
):
moͤgent ouch des gotzhus amptluͥte die geteter, ob si si in iren gerichten [...] ergriffent, hoͤften und angriffen, untz daz si burgschaft gebent.
Leisi, Thurg. UB
8, 449, 33
;
Schweiz. Id.
2, 1060
 f.
7.
›etw. pfänden, mit Beschlag belegen‹.
Gehäuft alem. Belege.
Bedeutungsverwandte:
 8,  4; vgl.  9,  1,  14,  1, (V.) 12.
Wortbildungen:
hefter
(a. 1513),
heftung
3 ›Beschlagmahme, Gewahrsam‹.

Belegblock:

Krebs, Prot. Konst. Domkap. Protokoll,
1963
(
nalem.
,
1503
):
Als die maier zu Tengen den zehenden haben lassen hefften von wegen ains prandium so sy vermainen ain cappittel tempore locacionis decimarum geben sölle.
Müller, Lands. St. Gallen
63, 10
(
halem.
,
1533
):
als er ouch anzogen, wie die von Utwyl etlich von Romishorn geheft umb zins, das aber nit brüchig sig, das man umb zins heften, sunder die underpfand suͦchen soll.
Leidinger, V. Arnpeck
688, 20
(
moobd.
,
v. 1495
):
alles gut ligencz und farencz, so yn heftung oder verbot were.
Rennefahrt, Gebiet Bern
626, 33
;
Schwäb. Wb.
3, 1328
.
8.
wohl: ›jn. zu etw. (rechtlich) verpflichten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , ,  3,  2,  7, .

Belegblock:

UB Zug
638, 5
(
halem.
,
1423
):
Der selbe spruch ǒch wiset unn also verbriefet ist, ob wir dem nit genuͦg taͤtin, dz ir unn ander únser Eitgnossen, darzuͦ gehaft, dazuͦ súllent behulffen sin, dz die darumb gestraffet werdin, die dem nit genuͦg taͤtin.
9.
›etw. (z. B. Tuch) besticken, einfassen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , , , , ,  1.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb.
351, 8
(
preuß.
,
1405
):
3 m. vor 2 hanttwelen unserm homeister, die mit golde und syde gehaft waren.
10.
›an etw. haften, festkleben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2, ,  1,  1.

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 277, 53
(
Köln
1582
):
Gotloser boͤsewicht, | Der vbels thuͦt, | Soll bei mir hefften nicht.
Munz, Füetrer. Persibein
364, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
morgen auf seinem schillt mein sper | múeß hefften.
Brandstetter, Wigoleis
217, 26
.