antragen,
V., unr. abl.
1.
›etw. tragen, mit sich führen; etw. wohin bringen‹; speziell: ›(bei Tisch) auftragen‹.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
329, 109
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
manch tausent man | die daz kreucz trugen an | [...] | gegen der Unger here.
Wickram
4, 50, 8
(
Straßb.
1556
):
gieng Reichart in die kuche / befalh wann man die letst richt oder essen angetragen hett / solt man den armen leuten die auffgehabne speis [...] außtheilen.
Barack, Zim. Chron.
3, 137, 19
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
derselbig alt herr den jungen [...] ansicht und vermerkt, das er ein lang rapir
[›Schwert‹]
anetrueg.
McClean, Havich
3845
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
ich cham nechten von dan. | dem chünig ich chaüm entran. | fraw, nu haist tragen an.
Winter, Nöst. Weist.
3, 826, 37
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
die nachtgepawrn zu Achleitten sullen antragen holz, häw und stro.
Turmair
4, 838, 15
(
moobd.
,
1522
/
33
):
ein kolschwarze erschrockenlich wolken, die ward von eins feueren winds gewissem anstoß und antragen troffen.
Päpke, Marienl. Wernher
11431
;
Winter, a. a. O.
2, 7, 37
;
Pfälz. Wb.
1, 291
.
2.
›etw. am Leibe tragen (meist von Kleidern, auch von Rüstungsteilen, Würdezeichen)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 1.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
14054
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
[Die zene] waren als der lewen zane, | Glich ysern halspergen trugens ane.
Große, Schwabensp.
136a, 7
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
der richter noch de sschepene suͦlen huͦben noch huͦte, cappen noch hantschuͦ noch mantel an traghen.
Neumann, Rothe. Keuschh.
4098
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
gulden schu | di gehoren dissem bilde zu, | di disse togund ane treget.
Bell, G. Hager
349, 2, 1
(
nobd.
,
1611
):
So wol beÿ dem, der an dreck(t) zwar | Seiden für war, | auch zepter vnd kron offen bar.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 218, 33
(
Straßb.
1522
):
das er bald mit dreien Pferden rit und fuͤchsen Roͤck antruͦg.
Sappler, H. Kaufringer
30, 8
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
der welt dienstman | tragent soliche zaichen an.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
142, 22
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Er trueg allzeit an zwen schwartz gross puntschuech.
Skála, Egerer Urgichtenb.
192, 14
;
Goldammer, Paracelsus. B. d. Erk.
43, 13
;
Vetter, Pred. Taulers
64, 26
;
Wickram
4, 44, 26
;
Päpke, Marienl. Wernher
12917
;
Chron. Augsb.
7, 41, 9
;
Turmair
4, 108, 13
;
Bauer, Imitatio Haller
104, 22
;
Dietz, Wb. Luther
105
;
Schweiz. Id.
14, 493
.
3.
›die Waffe an die Wange anlegen (zum Zweck sicheren Schießens)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  7.

Belegblock:

Schwäb. Wb.
1, 276
.
4.
›entstehen, sich entwickeln‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
7, 2
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wie morden und rauben wart erdacht, | wie es sich hie auf erden ane truge, | van wem der erste mort wart vollen pracht.
Ebd.
7, 7
:
wie sich die sach czu erst trug an.
5.
›etw. anstiften, anzetteln, bewirken, schaffen, ins Werk setzen‹, meist mit negativer Bewertung der Bezugshandlung.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  10,  1.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
5970
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Undir der vrûntschafte wân | trûc er heimelîchin an | mit den Prûzin vorgeseit | ein engistlîche valscheit.
Chron. Strassb.
1, 433, 22
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
do truͦg der keyser ane mit den bischofen in dütschen landen, die koment alle zuͦsamene gein Wurmeße und erkantent, das men den bobest nüt solte für einen bobest han.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 192, 2
(
halem.
,
1508
/
16
):
beschiktend die ganze gemeind; die muͦstend inen schweren. Das hatend die Türggen mit inen angetragen.
Niewöhner, Teichner
294, 20
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
daz all teufel nicht an truͤgen, | daz pringt si [alt weib] zu in churtzer vrist.
Roth, E. v. Wildenberg
38, 1
(
moobd.
,
v. 1493
):
der obgedacht Decius truͦg an, das die zwen keiser erschlagen wurden.
Sappler, H. Kaufringer
7, 397
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
si [frawen] künnen es geschiken wol, | das ir sach antragen wert.
Strehlke, a. a. O.
11136
;
Toeppen, Ständetage Preußen
4, 189, 33
;
Thiele, Chron. Stolle
232, 37
;
Chron. Strassb.
1, 78, 30
;
Chron. Augsb.
3, 365, 9
;
Leidinger, V. Arnpeck
451, 18
;
452, 2
;
Roth, a. a. O.
37, 6
;
Schweiz. Id.
14, 495
/96.
6.
›jn. in etw. verwickeln, etw. über jn. bringen‹.

Belegblock:

Chron. Nürnb.
1, 242, 16
(
nobd.
,
1385
):
wolten dann dhein fuͤrste [...] den vorgenanten [...] steten veh oder veintschaft antragen oder zuziehen oder sie darumbe beschedigen oder bekriegen.
Sappler, H. Kaufringer
5, 551
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
ich fürcht gar grosse unruo, | die uns der wirt werd tragen an.
Chron. Augsb.
1, 328, 28
(
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
dann das der statschreiber wich und truͦg der stat groß krieg mit sein verlogen worten an.
Chron. Augsb.
3, 508, 1
;
Schwäb. Wb.
1, 276
;
Schweiz. Id.
14, 496
.
7.
›(jm.) etw. anbieten‹.
Bedeutungsverwandte:
 1.
Syntagmen:
(jm.) ein ampt / recht / gut, die krone, den beistand / guten willen / ere / kauf, das reich, ein gewand a.

Belegblock:

Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981,
S. 94 (
1398
):
daz hee yn bat, daz hee yme eyn kauff andruge, des kaufft hee yme den kauffe und dreyb in selber heim.
Ralegh. America V
2, 19
(
Frankf.
1599
):
Wie aber [...] S. Walther Ralegh [...] dieses Koͤnigreich entdeckt / ist jhm von den Eynwohnern [...] aller guter Will vnd Beystandt zu befoͤrderung seines Fuͤrschlags angetragen [...] worden.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
258, 38
(
m/soobd.
,
1629
):
die etwann bluetiges gewant antruegen, und iemants sollichs chaufet, die sollen gestrafft werden.
Göz. Leichabd.
317, 2
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 409, 3
;
A. à S. Clara. Glori
36, 3
;
Maaler
27v
;
Schwartzenbach C iijr;
Rwb
1, 751
;
Schweiz. Id.
14, 494
.
8.
›etw. vorschlagen, etw. mit der Absicht vortragen, es zu verwirklichen‹; hierher als Spezialisierung:
antragende hand
›gewillkürter Erbe, der nicht aus Verwandtschaftsgründen, sondern auf Antrag des Erblassers ein Erbe antritt‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  12.
Wortbildungen:
antrag
5.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 173, 35
(
nrddt.
, Hs.
1601
):
Sie haben [...] bittlich angetragen, das ein Radt [...] der schlussell hierzue muchten mechtig werden.
Leisi, Thurg. UB
8, 227, 14
(
halem.
,
1395
):
Es weͣr denn, das sy liberben by enander nit liessin und das guͦt zuͦ ainer aintragenden hand kêm.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
94, 38
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
sy hetten vor auch ainen pundt angetragen, aber doch nicht vollenndt.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
438, 3
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Dyomedes mit fuegen | und Ulixes die paid | ein frid aber antruegen, | das zehen monat man do streit vermaid.
Ebd.
523, 7
(
moobd.
,
1473
/
8
):
das wir mit not den frid han angetragen.
Chron. Strassb.
1, 412, 4
;
Grossmann, a. a. O.
73, 24
;
Maaler
27v
;
Dietz, Wb. Luther
105
;
Rwb
1, 751
;
Schweiz. Id.
14, 495
.
9.
›etw. vortragen, vorbringen‹; auch: ›etw. als (An)klage vorbringen, anzeigen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  34, (V.) 12.
Wortbildungen:
antrag
6,
antrager
3,
antragung.

Belegblock:

Koller, Ref. Siegmunds
336, 6
(Hs.
um 1475
):
da wart aber als vil angetragen dazümal, das [...] geordent wart gen Basel.
Chron. Augsb.
7, 281, 5
(
schwäb.
, zu
1552
):
in dem und damit sie gegen hochermelten chur⸗ und fürsten dargegeben und angetragen.
Maaler
27v
;
Dietz, Wb. Luther
105
;
Rwb
1, 751
;
Schwäb. Wb.
1, 276
;
6, 1523
;
Schweiz. Id.
14, 495
.
10.
›jm. etw. zutragen, jn. über etw. informieren‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  14.

Belegblock:

Sachs
16, 212, 3
(
Nürnb.
1562
):
Bald im [landvogt] solches ward angetragen, | Bschickt den Thell, thett in zornig fragen.
Roth, E. v. Wildenberg
134, 19
(
moobd.
,
v. 1493
):
als der konig in Lamparten kam, wolten in die welischen fürsten und stet nicht weiter ziehen lassen, und man sagt, im hiet das heimlich antragen etlich tewͦtzsch fürsten.
Rwb
1, 751
.