ansetzen,
V.,
teils rückuml.
1.
›etw. (Abgetrenntes, z. B. Körperteile) wieder ansetzen, aneinanderfügen‹.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
3408
(
ohess.
,
1501ff.
):
Jhesus der zeuberer | nam und sast eß [ore] mer widder an.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
der hiew im selber ein hant abe, die sat im unser frowe wider an.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
750
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Päpke, Marienl. Wernher ; ;
2.
›etw. (z. B. Schlamm) ansetzen, Bodensatz bilden‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  10,  19,  2.

Belegblock:

Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
soll ein paumeister in guter acht haben, wenn das ist das sie außfüren und in das wasser schütten, und dann zu zeitten geschicht, das es ansetzt in der Pegnitz.
Maaler (
Zürich
1561
):
Sich Ansetzen / als an den boden. [...] Ansetzende schinkige / die sich bald Ansetzt.
3.
›etw. (z. B. Waffen, den Schröpfkopf beim Aderlassen) an einer bestimmten Stelle ansetzen‹; ›sich festsetzen (von Hämorrhoiden)‹; ütr.:
ein argument a.
; phrasematisch
den pflug auf etw. a.
›etw. in Bearbeitung nehmen‹.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
5660
(
ohess.
,
1501ff.
):
seczet an spere und stangen | und beydet des nicht lange!
Wierschin, Liechtenauer. Fechtk.
146, 15
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Sper vnd ort den vorstich. Stich on forcht, springe, winde, setz recht an.
Fastnachtsp. (
nobd.
,
15. Jh.
):
Mit künsten reicher erznei, | Die künnen mit bewerten sachen | Di langen tutten kürzer machen | [...] | Und den die dinglein im hintern an-setzen, | Den künnen sis gar hübschlich ab etzen.
Cirurgia H. Brunschwig
25va, 32
(
Straßb.
[
1497
]):
Des gelichẽ geschicht ouch mit dem lassen oder vintusen an setzẽ.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
373
(
schles. inseldt.
,
1467
):
czw haldin ir wber alzo far, alz sÿ den plwg habin an gesaczt off Lwdwigs erbe.
Dietz, Wb. Luther .
4.
›(die Henne zum Brüten) ansetzen‹.

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw.
91, 23
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Im ansetzen der hennen giebe achtung und mache rechnung uff die 3 wochen.
Ebd.
95, 25
.
5.
›sich etw. vornehmen, etw. für sich beschließen‹.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1631
):
Hier hab’ ich mir angesetzet, | Heldin, nur zu sehn auf dich.
6.
›etw. ins Werk setzen, etw. unternehmen; etw. einführen, gründen, stiften‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  46.

Belegblock:

Niewöhner, Teichner
386, 25
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
waz er wider got an setzzet, | da mit wıͤrt er so gehetzet.
Ebd.
429, 142
:
waz er an satzt, daz waz verloren.
7.
›etw. anordnen, verordnen, verfügen, festlegen, festsetzen; ein Abkommen treffen‹.

Belegblock:

Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
Die zwen leiternbeume sint unse lib und unse sele den unse herre manger hande sproszen der otmudkeide und der zucht off zu stigene ane gesatzt hat.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1475
):
Hielt man aber yr recht ordenung der siben zeyten und stattutenn, als sye angesetz und geordent worden.
Mollwo, Rotes Buch Ulm (
schwäb.
,
1376
):
das dehain schuldner den soͤlich gelten sullen mit iro dehainem nicht taͤdingen noch ansetzen sol.
Goldammer, Paracelsus
5, 226, 21
(
1530
):
Nun setzt David die ursachen an, warumb sie sollen got loben.
8.
›die Zahl, den Wert von etw. festlegen, festsetzen, bestimmen‹; hierher phrasematisch:
zu fiel ansetzen
›zu viel auf die Rechnung setzen‹;
hoch ansetzen
›hoch einstufen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,
1
 3,  23.
Wortbildungen:
ansetzung
1.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Da vor, als ich geredet han, | Hat an gesazt der gute Johan | Groze zal der irkornen, | Grozer sazte her der vorlornen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
231, 22
(
thür.
,
1474
):
hat dy schult doch ane geczug anegesatczt.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
Ein münsß wurt von gold wol angesetzet dick und vil und wurt by eiden erkant, also zuͦ halten für wor.
Goldammer, Paracelsus. B. d. Erk.
53, 12
(
obd.
, Hs.
n. 1570
):
darumb ist die zall der apostl angesetzt / darumb dz sie bezeugen das wort gottes.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
16.
/
17. Jh.
):
so ein würth mit warheit begriffen würdt der zu vill anseczet, der wer verfallen 5 ℔ ₰ zu wandel.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Der küng sam starck ergrimet, | [...] | Beschuff ym andre kinde, | Die er nit allso hoch an saczt.
9.
›etw. (z. B. ein Konzil) einberufen‹.
Bedeutungsverwandte:
 2, , , ; vgl.  8.
Wortbildungen:
ansetzung
2.

Belegblock:

Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1475
):
das concilie zü Costentzt wolte ein ordenung thünn, darumb es eins teyls angesetzt was.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Künig Ludwig setzet einen tag gên Regenspurg an in pfingstfeirtagen.
10.
›jn. in ein Amt einsetzen, jn. anstellen‹; als Part. Prät.
angesezt
›amtierend, Dienst tuend‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5,  3.
Gegensätze:
 1.

Belegblock:

Wutzel, Rechtsqu. Eferding
53, 10
(
moobd.
,
1597
):
Alß mich der wolgeborn herr [...] alhie in irer gnaden statt Eferding zu deren gnaden stattrichter angesezt.
Roder, Stadtr. Villingen (
önalem.
,
E. 15.
/
M. 16. Jh.
):
so dick er ab oder angesetzt wirt, so sol er doch soͤllich obgeschriben gelt nit mer dann ain măl in ainer zunft schuldig sin zuͦ geben.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
110, 17
(
mslow. inseldt.
,
1617
):
erścheint der Erśamb vnd Weiße herr Andreas Nußdorffer [...] vor dem angeśezten herrn Richter.
11.
›jn. (den Prozeßsieger) gerichtlich in die Güter des Gegners einweisen; jm. Verfügungsrechte zusprechen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.
Wortbildungen:
ansetzer
1.

Belegblock:

Seuffert u. a., Steir. Landtagsakten
2, 196, 36
(
m/soobd.
,
1480
):
welher Jud ain behabnus tat, daz der sich under jarsfrist desselben guet mit gericht anseczen lass.
Rintelen, B. Walther
48, 2
(
moobd.
,
1552
/
58
):
wan einer durch einen gerichtlichen Ansatz in seines Schuldners Guett angesetzt wierdt.
Ebd.
27, 11
;
12.
›jn. betrügen, hintergehen, hinters Licht führen‹.
Bedeutungsverwandte:
 3,  2 (mehrmals),
1
 1; vgl. ,  2.
Wortbildungen:
ansetzer
2.

Belegblock:

Sachs (
Nürnb.
1563
):
Als denn er seine wolbekanten | Freund, gesellen und wolverwandten | Tückischer weiß denn thut an-setzen, | Mit lehen und bürgschafft zuletzen.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1562
/
4
):
der also das sin unnutzlich verthuͦn, ouch über dasselbig die welt wyter ansetzen und betriegen welte.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
damit sent ful [...] umb hauß, hof, gerten [...] komen, von weyben und kunden gelaffen und lands vertriben und die lewt angesetzt.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1565
):
so mëcht sich maniger darauf vertrössten und die leut mit gefär ansëtzen.
13.
›jm. hart zusetzen, jn. hart angehen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 4,  16.

Belegblock:

Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
der bischoff von Meyssen mit den thumherren mochten den von Halle dieselbigen gebrechen gar sehre scharf und hart angezogen und angesatzt haben.
14.
›etw. von etw. ausnehmen‹.

Belegblock: