anstossen,
V., unr. abl.
1.
›an etw. angrenzen (von Ländern, Flurstücken usw.)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,
1
 2,  6, ,  1,  1.
Wortbildungen:
anstossung.

Belegblock:

Rennefahrt, Statut. Saanen
271, 16
(
halem.
,
1647
):
betreffend die weidenen, so die matten und fäng anstoßen.
Turmair
4, 584, 28
(
moobd.
,
1522
/
33
):
die Wandler haben dem alten römischen reich Africam, [...], die Winden Dalmatien Croatien und anstossende land abgedrungen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
61, 19
(
m/soobd.
,
1537
):
da der Hochenwerger rain anstösst.
Wyss, Limb. Chron.
92, 32
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 21, 23
;
Serranus
14v
;
Maaler
27r
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 182;
Schwäb. Wb.
1, 271
;
Schweiz. Id.
11, 1631
;
Rwb
1, 743
.
2.
›(zugeschnittene Tuchstücke) zu einem Kleidungsstück zusammenfügen‹; im Schweiz. Id.
11, 630
reiches Belegmaterial für: ›etw. anziehen‹.

Belegblock:

Helbig, Qu. Wirtsch.
1, 79, 29
(
md.
,
1495
):
das die sneyder in [...] unser newen stad und Sudenburg, die dieszer vier nachfolgenden stuͤcken als messens, sneydens, anstossens und uͤsz- und intragens in unser alden stad Magdeburg gebruchen wollen.
3.
›etw. / (seltener:) jn. in Brand stecken, anzünden, anstecken‹.
Dicht in Chroniken belegt.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  1,  4,  3,  2.
Syntagmen:
das dorf / haus
(mehrfach) /
schlos / stro, die bude / müle / scheuer / stat
(mehrfach)
a., den flecken a.
;
den man / die frau a.
;
feuer a.
›Feuer legen‹;
etw. mit feuer / brand a.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 502, 12
(
Köln
1499
):
as die quamen, so dede he die vergaderen in ein schuire ind lies die schuiren anstoissen ind verbrant alle die armen lude.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
653, 23
(
thür.
,
1421
):
qwomen sie vor das stetchin Kranchfelt [...] unde stiessen is mit füer an.
Chron. Strassb.
2, 818, 5
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
were es [stro] das die boͤsewihte werent hinzuͦ kumen, so hette men es anegestossen.
Adrian, Saelden Hort
4862
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
och sint von sinen [git] flammen | baidú frowen und man | windes halb gestossen an | und brunnent, sam ain schure | tůt.
Roder, Hugs Vill. Chron.
140, 9
(
önalem.
,
1525
):
wo sie die husser wusstend, die großhansen under dem burenhuffe, das stießend sy an mit fur.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 135, 25
(
halem.
,
1508
/
16
):
da ilt menglich der statt zuͦ; die ward ganz und gar geblúndert, mit fúr angestossen und in den grund verbrennt.
Turmair
4, 351, 4
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Alexander [...] lies überal das feur ausleschen, damit die feind in der flucht dörfer heuser flecken angestossen hetten.
Gerhard, Hist. alde e
2877
;
Helm, Maccabäer
5819
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
79, 7
;
110a
, 36;
Chron. Köln
3, 645, 14
;
Thiele, Chron. Stolle
104, 23
;
Dierauer, Chron. Zürich
141, 2
;
Guth, Gr. Alex.
2318
;
Roder, a. a. O.
133, 3
;
Chron. Strassb.
2, 127, 21
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 29, 30
;
Bernoulli, Basler Chron.
5, 176, 5
;
6, 501, 15
;
Schwäb. Wb.
1, 271
.;
Schweiz. Id.
11, 1627
;
Rwb
1, 743
.
4.
›(Büchsen) losbrennen, abfeuern‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (V.) 4.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron.
47, 23
(
mfrk.
,
2. H. 14. Jh.
):
Da qwamen di vigende in der nacht heimelichen unde spickeden di katzen unde stißen si ane.
Bernoulli, Basler Chron.
4, 277, 8
(
alem.
,
1445
):
als stiessz der buchsemeister hagelbuchsen an.
5.
›anstoßen, anecken, durch ein Hindernis aufgehalten werden‹, meist im ütr. Sinne; phrasematisch:
stein des anstossens.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  7,  6.

Belegblock:

Rosenthal. Bedencken
16, 1
(
Köln
1653
):
seind solche / welche nur auß vnvermeidlicher vnwissenheit anstossen.
Luther WA
30, 2, 636, 21
(
1530
):
Laufft einer ytzt mit den augen durch drey, vier bletter und stost nicht ein mal an.
Ders., Hl. Schrifft. Apg.
27, 29
(
Wittenb.
1545
):
Da furchten sie sich / sie würden an harte Orte anstossen / vnd worffen [...] Ancker.
Mathesius, Passionale
51r
, 16 (
Leipzig
1587
):
bey jhnen muste der Sohn GOttes ein Stein des Anstossens / vnnd Felß des Ergerniß sein.
Goldammer, Paracelsus
6, 57, 1
(
1530
):
darumb will David, daß wir bereit seient und nienen anstoßen.
Maaler
24v
;
394r
;
Dietz, Wb. Luther
103
/4;
Preuss. Wb. (Z) 1, 182.
6.
›jm. etw. (einen Ring) anstecken‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Mayer, Folz. Meisterl.
47, 27
(
nobd.
,
v. 1496
):
Ein ring vonn gold sie mir an stiß | Unnd saczt mir auff ein krenczelein.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 385, 21
(
Straßb.
1522
):
Da ward sie fro, stieß es [Ringlin] an, da was es irem Finger eben recht.
7.
›etw. (einen Sack) durch Aufstoßen auf die Erde prall füllen‹.

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist.
1, 241, 19
(
moobd.
,
1630
):
Welcher ain sackvoll mit trait angestossen geen mühl tregt.
8.
›stammeln, stottern‹.

Belegblock:

Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
62, 10
(
tir.
,
1464
):
ob ich red von den werchen des heiligen mannes mit den sündigen lebssen oder mit anstossender zungen, wend die himel die sint verchünden die ëre gottes.
9.
›jn. überkommen, überfallen, jm. zustoßen (von negativ bewerteten Bezugsgegenständen)‹; auch: ›hereinbrechen (von Tageszeiten)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2;  11.
Syntagmen
jn. die krankheit / sucht / pestilenz / melancholie / schwermütigkeit / not / furcht / ungerechtigkeit, der frost / krieg / kummer / schrecken / stulgang / unrat, das abenteuer / fieber / gebrest / grauen a.
Als Fluch:
das dich die franzosen anstossen.

Belegblock:

Kurrelmeyer, Dt. Bibel
5, 257, 1
(
Straßb.
1466
; Var.
Augsb.
um 1475
):
das er nit mecht gepauwen das haus seins herren gotz vmb die vberflissigen
[Z-Oa:
anstoͤssenden
]
streite.
Vetter, Pred. Taulers
24, 12
(
els.
,
14. Jh.
):
also sú die gebresten anstossent.
Chron. Strassb.
1, 442, 15
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
drang in der hitze zuͦ vil, das in der stuͦlgang anesties und lag 8 wuchen siech.
Goldammer, Paracelsus
5, 161, 13
(
1530
):
als lang als ein ewige gedechtnus wert, als lang bleibt er gerecht und forcht sich vor keim bosen anstoßen oder antasten.
Barack, Zim. Chron.
2, 264, 23
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
ist ine bei aim halben jhar ein solche melancolia und schwermüetigkait angestossen.
Ders., Teufels Netz
9950
(
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wenn [...] | [...] ain biderman | Stost ain slechti sucht an.
Roth, E. v. Wildenberg
147, 15
(
moobd.
,
v. 1493
):
den fürsten sties ain kranckheit an.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
562, 3
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Dich wird vil chummer anstossen - | zum jüngsten muess ir gwalt sich gen dir piegen!
Luther, WA
41, 588, 14
;
Roth, a. a. O.
84, 2
;
Tittmann, Schausp.
16
. Jh. 65, 5;
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 402, 6
;
3, 173, 4
;
Sappler, H. Kaufringer
5, 432
;
Chron. Augsb.
4, 248, 3
;
5, 135, 22
;
Barack, a. a. O.
2, 106, 8
;
Eschenloher. Medicus
44, 21
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
73, 12
;
Turmair
4, 1059, 17
;
5, 159, 12
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
301, 21
;
Dietz, Wb. Luther
103
/4;
Meyer, Legenda aurea.
1939, 83
;
Schwäb. Wb.
1, 271
;
Schweiz. Id.
11, 1627
;
Rwb
1, 743
.
10.
›jm. erblich zufallen, an jn. übergehen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl.  3.

Belegblock:

Siegel u. a., Salzb. Taid.
2, 44
(
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
als von lerung handwerchs, diensten oder anderer sachen wegen aus dem land käm und in stieß mitler zeit ain urbar an.
Ebd.
158, 13
(Hs.
1585
):
mitler zeit stiesse oder fiele ime ain erbschaft oder selbaigenthumb an.
11.
›etw. vereinbaren‹.
Syntagmen
den tag, das teiding a.
; phraseologisch:
den frieden anstossen
›Frieden schließen, sich mit jm. vergleichen‹.

Belegblock:

Turmair
4, 243, 16
(
moobd.
,
1522
/
33
):
der sties ein frid mit im an, macht ein pündnus mit im.
Ebd.
323, 23
:
dieweil si sich nichts pös besorgten und frid angestossen hetten.
Schwäb. Wb.
1, 271
(
ein accord a.
);
Haltaus
45
.
12.
›anbrechen, beginnen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  1.

Belegblock:

Wyss, Luz. Ostersp., Bd.
3, 271
(Glossar):
Angstossen hatt der dritte tag.
Schwäb. Wb.
1, 271
;
Schweiz. Id.
11, 1631
.
13.
›jn. betrügen‹.
Bedeutungsverwandte:
 3.

Belegblock:

Schwäb. Wb.
1, 271
.
14.
bedeutungsverwandt zu  2; anschließbar an 1.