aufblasen,
V.
1.
›etw. durch Blasen oder innere Wirkung zum Schwellen bringen, etw. (z. B. die Backen) aufblasen‹; spezialisiert: ›(Fleisch o. ä.) durch Blasen so behandeln, daß es größer oder günstiger aussieht‹ (ein Kniff der Metzger); ütr.: ›jn. überheblich machen‹; ›etw. aufbauschen, übertreibend darstellen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ; zur Spezialisierung: vgl.  4.

Belegblock:

Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1377
):
auch sal nymand keinerlei fehe uffblasen.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
94, 11
(
Frankf.
1535
):
Arsenicum [...] blaset vff das antlitz gleich ob es zerschwollen were / desßgleichen die hende.
Luther, WA (
1530
):
Kanstu nu aus dem Euangelio auffblasen kindlichen ungehorsam, so kan man widderumb daraus auff blasen deinen unveterlichen frevel.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
3, 14
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
die andern künst, die sein gewonleich vierbicz, eitel und aufplasent den menschen.
Sudhoff, Paracelsus (
1527
):
seind auch ursachen zu dem schrepfen genomen aus den aufblasenden krankheiten, als die mit geschwulst und dergleichen anfallen.
Goldammer, Paracelsus.
7, 100, 3
(
1530
):
einer, der ein backen ufblast und lest ihn wieder nider gohn.
2.
›an-, aufschwellen‹; meist als part. Adj.
aufgeblasen
1 ›geschwollen, an-, aufgeschwollen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  2.

Belegblock:

Volkmar (
Danzig
1596
):
Varix [...] ein auffgeblasen Ader.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
78, 4
(
Frankf.
1535
):
so soll man das puluer darin thun mit eim federlin gelegt in ein auffgeblasen blater.
Maaler (
Zürich
1561
):
Adergunten (die) weñ die bluͦtaderen an etlichen orten aufgeblaasen voll werdend / wie krampffaderẽ.
Aufgeblaasne / geschwulne haut.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wenn man in [trach] verjagen wil [...], sô nimt man ain aufgeplâsen plâtern und sleht dar auf mit coraleinn gärtleinn.
3.
›sich überheben, sich aufblasen, aufspielen, groß tun‹, als part. Adj.
aufgeblasen
2 ›überheblich, großtuerisch, aufgeblasen‹ (auch subst.).
Wortbildungen:
aufblasung
2.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Superbus hoffertig stoltz rumraͤtig hochmuͤtig schwuͤlstig hochhertzig stoltzmuͤtig auffgeblasen geschwollen hochtrabend verwegen vbermuͤtig vffbruͤstig hochpraͤchtig hochfarend.
Ulner
257
(
Frankf.
1577
):
Hochmuͦhtig seyn. Stoltzieren / hochmut treiben / sich erheben / vbermut vnd pracht treiben / prangen / sich auffwerffen / vberheben / erhoͤhen / auffpfeien / stoltz / hoffertig seyn / die Augen hoch tragen / einen hohen Geist haben / auffbaͤumen / auffblasen.
Anderson u. a., Flugschrr.
1, 2, 9
(
Leipzig
1520
):
in schoner lere mit auffgeblasenn / listigenn vnd behenden worten furgeben.
Luther. Hl. Schrifft.
Hiob 15, 2
(
Wittenb.
1545
):
Sol ein weiser Man so auffgeblasen wort reden / vnd seinen Bauch so blehen mit losen reden?
Ebd.
1. Cor. 4, 19
:
Jch wil aber gar kürztlich zu euch komen / so der HErr wil / vnd erlernen / nicht die wort der auffgeblasenen / sondern die krafft.
Ebd.
1. Tim. 3, 6
:
Nicht ein Newling / Auff das er sich nicht auffblase / vnd dem Lesterer ins vrteil falle.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1523
):
mennschen [...] die von sich selbß halten, [...], verrether, freueller, auffgeplasen, die mer lieben die wollust denn gott.
Maaler (
Zürich
1561
):
Aufgeblaasen (der) Ruͦmsüchtig / der sich grosser dingen ruͤmpt vñ außthuͦt. [...]. Aufgeblaasen vnd hochtragen seyn.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
damit wir uns selbs nit triegen mit unsern [...] aufgeplasnen unnützen titl.
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Barack, Zim. Chron. ;
Voc. Teut.-Lat.
b viijv
;
c ir
;
Schöpper (Belegzitat s. v.
aufblähen
1);
Dietz, Wb. Luther ;
4.
›etw. (oft: Feuer) durch Blasen entfachen‹; ütr.: ›(Streit o. ä.) entfachen, schüren‹.
Phraseme:
ein feuer aufblasen
›Uneinigkeit stiften‹; ›eine Schmiede (neu) einrichten‹;
ein grosses feuer aufblasen
›etw. aufbauschen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl.  2,  3.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1638
):
da lief uns Persien, das edle, stracks entgegen | [...] | blies Freudenfeuer auf.
Luther. Hl. Schrifft.
Jes. 54, 16
(
Wittenb.
1545
):
Jch schaffs / das der Schmid / so die kolen im fewr auffbleset / einen Zeug draus mache.
Ebd.
Hiob 20, 26
:
Es wird jn ein fewr verzeren das nicht auffgeblasen ist.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
190v, 39
(
Leipzig
1588
):
wenn sich zwischen guten Freunden was beschwerliches findet [...] / sol man nicht bald ein gros Fewer auffblasen / Sondern trewlich leschen vnd dempffen.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
15, 63
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
den nicht eczwen doch in einem tail des tags nicht betrubt hat die schuld seiner gewissen [...] und nicht aufgeplosen hat der wint der hoffart.
Fischer, Folz. Reimp.
11, 62
(
Nürnb.
um 1488
):
Der dip sprach: ‘plauff, ich thu dir nicht, | Dan plest du mir nit auff das licht, | So mustu schlecht mit mir gen hell’. | Der paur sprach: ‘plas auff, wer do well!’
Reichmann, Dietrich. Schrr.
91, 4
(
Nürnb.
1548
):
Solche anfechtung kan der boͤse feind groß auffblasen / dz die schwachen bloͤden hertzen dz gebet fallen lassen.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
6, 70, 22
(
Straßb.
1520
):
das du [...] nit weitere irrung in hangender sach vff blassest.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
[Gildo] wolt also unainikait zwischen den brüedern machen, auch ein neus feur aufplasen.
Fischer, a. a. O.
11, 45
;
Dietz, Wb. Luther ;
Winkler, Flugschr.
1975, 88
.
5.
›(ein Blasinstrument) zum Erklingen bringen, blasen‹; das Blasen insbesondere mit der Trompete diente als Zeichen für verschiedene Zwecke, u. a. zum Turnierabbruch, zur Sammlung, zum Kriegszug, zu obrigkeitlichen Mitteilungen, dann Verwendung als Synekdoche: ›jn. zusammenrufen, zum Kampf, zum Aufbruch blasen usw.‹.
Bedeutungsverwandte:
, , , , ; vgl.  4.
Syntagmen:
oft ohne Obj.;
das horn, die posaune / pfeife / schale / trumete a.
;
zum angrif / sturm a., auf den plätzen a., im land a.
; subst.:
grosses a.
;
durch a. jn. aufmanen.

Belegblock:

Holtzmann, Gr. Wolfdietrich (Hs.
A. 15. Jh.
):
Do hies Merzian der heiden ufblasen sin herhorn.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
um 1525
):
wurt in der stat zw Rotenburg durch den herolt mit der trumeten uffgeplosen und alle burger [...] beruft auf den marckt.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
kerte sich der jungling zuͦ den vieren mit den schalmien und sprach zuͦ in, daz si uf bliesen.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
do ward er vast zornig und [...] ließ sich von stund an wapnen und ließ uff blăssen.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
198, 5000
(
schwäb.
,
1453
):
ich sy im grossen zorn, | Und uff hais blaͮsen bald die horn, | Die krummen pfiffen und busun.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
v. 1536
):
eemals der gantz raisig zeug ist für sich zochen [...], hat man auffplaussen, trumethet und bauget.
Moscouia
C 3r, 40
(
Wien
1557
):
So liessen die Moscouiter aufblasen / vnd griffen die Littischen an.
Gille u. a., M. Beheim
104, 208
;
453, 1987
;
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 147, 20
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron. ;
Dietz, Wb. Luther ;
Bad. Wb.
1, 79
;