erhaben,
erhebt,
teilweise lexikalisiertes
part. Adj.;
beide Formen semantisch nicht distinktiv.
1.
›(hoch) aufragend, aufgerichtet, (durch Baumaßnahmen) erhöht‹; auch: ›hervorstehend, gewölbt‹; speziell von Brot: ›(mit Hilfe von Hefe) aufgegangen‹;
vgl. 1.
Bedeutungsverwandte:
, ˹ 1, 1˺ (Part. Prät.),
2
(Adj.) 2, ; vgl. .

Belegblock:

Luther, WA (
1528
/
31
):
Die backen sind auch fein erhaben und vollig.
Ders. Hl. Schrifft.
Jes. 2, 13
(
Wittenb.
1545
):
der tag des HERRN Zebaoth wird gehen [...] vber alle hohe vnd erhabene
[
Cranc
, 14. Jh.:
vfgeschossene
;
Mentel
1466:
auf gerichte
;
Froschauer
1531 /
Eck
1537:
graden
]
Cedern auff dem Libanon [...]. Vber alle hohe Berge / vnd vber alle erhabene
[
Mentel
1466:
erhoͤcht
]
Hügel.
Stackmann u. a., Frauenlob
7, 2, 8
(Hs. ˹
md.
auf nd. Grundlage,
v. M. 14. Jh.
˺):
Da mitten stunt ein stempel
[›Säule‹] |
an einem sarke schone erhaben.
Wunderlich, Fierrabr.
146, 12
(
Simmern
1533
):
so waren jre bruͤstlin cleyn vnnd rundt erhaben / gleich zweyen cleynen berglin.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
do maht man ir ein erhebet grab.
Ebd. (
A. 15. Jh.
):
ein bischof [...] lit [...] begraben in dem erhebeten holen steine der do stet [...] nebent dem fronalter.
Maaler (
Zürich
1561
):
Erhebt oder aufgericht schuͤppen.
Morrall, Mandev. Reiseb.
170, 25
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
guͦt cristen sind in sinem land und begond die mesß als die Kriechen mit erhabem brott.
Turmair (
Ingolst.
1519
):
An dem 21. tag des merzen [...] ist obgemelter könig Carlman zu Oting gestorben und daselbst begraben, wie sein grab mit erhaben stain noch vor augen ist.
Schmidt, Rud. v. Biberach
180, 14
;
Vgl. ferner s. v. 1.
2.
›herausgearbeitet, hervorgehoben‹ (von künstlerischen Arbeiten wie Reliefs, Einlegearbeiten, Plastiken u. Ä.); generalisierend: ›verziert‹; Spezialisierung zu 1.
Phraseme:
die kunst der erhabenen arbeit, des erhabenen werks
›die Kunst des Gravierens, Stechens‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 3, 1, , 4.

Belegblock:

Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
35, 5
(
Frankf./M.
1568
):
Hie find jr Guͤrtel wol gemacht | Von Laͤder / artlich vnd geschlacht / | Von Rincken / Senckel / huͤbsch ergrabn / | Von Lauberck Meisterlich erhabn.
Pyritz, Minneburg
174
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Gar spehe mit vernuͤnfte pims | Waren ecken und sims | Der sule wehen durch graben | Mit erholtem werk erhaben.
Maaler (
Zürich
1561
):
Erhabne oder tribne arbeit machen. Cælare. Die kunst deß Erhabnen wercks oder arbeit oder deß außstaͤchens / grabens.
Erhebt werck von kleinen bildtnussen oder goͤtzinen / mit denen die kind kurtz weylend / als docketen / roͤsszle / voͤgele. Sigillaria opera
(zu lat.
sigillare
›mit kleinen Figürchen verzieren‹; vgl.
Georges
, Neub. 2, 4393).
Sappler, H. Kaufringer
13, 166
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
es waren zwen würfel silbrein; | die augen darin ergraben | waren mit rotem golde erhaben.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
von den stainen, dâ tier eingegraben sint oder dar auf erhaben.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Ein gestuͤl, daz was so maisterleich | Von helffen pain durchgraben, | An ainer seitt derhaben, | Tyͤr, wild, recht als seu scholden leben.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
60
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 groß horn von helffenbain, darauff allerley jachten erhebt geschnitten.
Ebd.
1771
:
Ein indianischer han uff silberplech erhebt.
Vgl. ferner s. v. 3.
3.
›weit entfernt, unerreichbar‹; ütr.: ›ehrwürdig, hochstehend, hoch herausgehoben‹;
vgl. 11; 12; 13.
Bedeutungsverwandte:
7 (Part. Prät.); vgl.
1
1, (V.) 1, , (Adj.) 15, 5.
Wortbildungen:
erhabenheit
1 ›Ehrwürdigkeit‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1522
/
6
):
dis Euangelion leret uns, das Christus die groͤste unnd hoͤchste person sey, in der gantzen welt erhaben.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
indu nit weder iren [ebdisse] willen, wande also vile so sie irhaben ist vor den anderen, also vil bedarf sie sich sorglich zu gehuden die gebot der regelen.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
Von welcher Groͤsse / Erhabenheit / Hoffhaltung / vnd von dem Guianacapa, der ein Anherr ist gewesen deß jetzigen Keysers zu Guiana, schreibet vns Franciscus Lopez.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
mein Knecht wird weißlich thun / vnd wird erhoͤhet / vnd sehr hoch erhaben sein.
Andreae. Ber. Nachtmal
630, 15
([
Augsb.
]
1557
):
vnd wann er [Christus] gleich vil tausentmal tausent meyl erhaben wer.
4.
›frei, unberührt, aller äußeren Belange enthoben (als Voraussetzung mystischer Erfahrung)‹; ›gelassen‹; auch: ›entselbstet‹;
Älteres Frnhd.; mystische Texte.
Bedeutungsverwandte:
, (Adj.) 2, 10,
2
3, ; vgl. , 3.
Wortbildungen:
erhabenheit
2 ›Zustand des mystischen Enthobenseins; Entrückung‹ (dazu bdv.: vgl. 5).

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
meister, nâch dîner lêre sô bin ich erhaben und bekenne, daz alliu lîplîchiu dinc sint als ein klein schif, daz dâ swebet in dem mer.
Ders., Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
man sol von grôzen und von hôhen dingen mit grôzen und mit hôhen sinnen sprechen und mit erhabenen sêlen.
Eichler, Ruusbr. steen
1126
(
els.
,
sp. 14. Jh.
):
Wan daz ist schowen vnd wissen, smacken vnd befinden, wesen vnd leben, haben vnd sin, dis ist zvͦ male eins in vnserre erhabenheit mit got.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz sú habent ein fri, lidig, erhaben gemuͤte, das ungevangen ist von allen dingen.
Schmidt, Rud. v. Biberach
77, 7
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Vnser beschoͮd klimmet denne warhaftlich vber vernunft, wenne daz gemvͤte sicht daz mit vrhaben geiste.
Quint, Eckharts Trakt. ; .
Vgl. ferner s. v. 3.
5.
phras.:
e. S. erhaben, über jn. / etw. / sich erhaben
›e. S. (z. B. des Todes) überhoben‹; ›in Bezug auf etw. (z. B. den Rang, Wert) überlegen, über jm. / sich selbst stehend‹; ›von etw. / sich selbst frei, losgelöst‹; eng an 4 anschließbar.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Zuletst trat er des tôdis spor, | des nîman mac sîn irhabin.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
der [mensche] sol sîn als ein morgensterne: iemermê gote gegenwertic und iemermê bî und glîch nâhe und erhaben über alliu irdischiu dinc.
Strauch, Par. anime int.
31, 28
(
thür.
,
14. Jh.
):
der engil ist ein lutir geist, irhabin pobin alle lipliche und materieliche dinc.
Ebd.
66, 34
:
wan he [Got] wolde daz si [der son und der helige geist] an edilkeit hohir irhabin werin dan andere creature.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
die edelen seligen gelossenen lúte, die sint erhaben úber sich selber.
Schmidt, Rud. v. Biberach
121, 5
(
whalem.
,
1345
/
60
):
sant Dyonisio, der gewirdigot was mit lu̇terkeit der verstentnissi vnd mit gotlichen erluchtungen [...] waz dar vmbe vber ein menschen erhaben.
Klein, Oswald
4, 24
(
oobd.
,
1421
):
hoffart, unkeusch, der geitig spot, | darüber ist si ganz erhaben hoch.
Quint, a. a. O. ; .