bewegen,
V.,
meist regelmäßig, mehrfach (gehäuft in 3) unr. abl.; vgl. Dammers u. a., Flexion der st. und schw. Verben.
1988, 340-346
;
453-455
;
Fortsetzung von
mhd.
bewëgen
und
bewegen
(Lexer
1, 254
).
1.
›in Bewegung sein, sich bewegen (ohne Richtung; von Personen und Sachen, auch abstrakten)‹.
Syntagmen
der stein b
., meist refl.:
der geist / planet / stern, die erde / kraft, das herz / kind / wasser sich b., der puls sich b
. (›schlagen‹);
sich unordentlich / ungleich / hin und wieder, hin und her b
.
Wortbildungen:
bewegnis
1.

Belegblock:

Luther, WA Bibel
6, 342, 5
(
1522
):
ynn wilchen [halle] lagen viel krancken, blinden, lahmen, durren, die warteten, wenn sich das wasser bewegt.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
246, 6239
(
Magdeb.
1608
):
Fuͤhlt / ob jhm wer das gnick entzwey. | Ob der Pulß auch noch sich bewegt.
Quint, Eckharts Pred.
1, 66, 4
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
swaz eigenlich gewortet mac werden, daz muoz von innen her ûz komen und sich bewegen von innerer forme.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
476
(
pfälz.
,
1436
):
Die lichtickeit auch jn dem füre ist nicht wesenclich das füre vnd beweget (zu 2) doch das füre, das es sinen lauff über sich hat vnd sin bewegnïs.
Ebd.
716
:
so beweget sich das hertze jn freuden vnd güßt uß geblüte jn die glieder.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
70, 14
(
Frankf.
1535
):
Aquileus ist des adlers steyn / so der bewegt / würt in jm ein ander steyn gehoͤret.
Feudel, Evangelistar
3, 16
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
so hat sich daz kint beweget mit vrouden in myme lybe.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 161, 8
(
Bautzen
1567
):
Gar mancher harter Fels zerreis, | Die Erd thet sich bewegen.
M. Cunitia. Ur. Prop.
184, 21
(
Öls
1650
):
die andern 5. +++. Saturn +++. +++ umb die Sonn herumb / in gewisser Zeit / vngleich sich bewegende.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
86
(
Nürnb.
1517
):
wann got gibt allen dingen das bewegen und bleibt er unbeweglich.
Schmidt, Rud. v. Biberach
13, 20
(
whalem.
,
1345
/
60
):
das der menschlich geist mag sich selben bewegen vnd gan in zwo stette.
Henisch
360
(
Augsb.
1616
):
Das sich weder regt noch bewegt.
Moscouia
D 3v, 10
(
Wien
1557
):
Den Huͤet [...] mit Edlem gestain vnnd gulden plechlen an gulden DRATN hangund hin vnnd wider sich bewegund.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
65, 36
(
tir.
,
1464
):
das der himel auf höret von der stetigen pewëgnus.
Belkin u. a., a. a. O.
92, 20
;
Vetter, Pred. Taulers
420, 14
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
446, 7
;
Steer, Schol. Gnadenl.
6, 67
;
Schwäb. Wb.
1, 990
.
Vgl. ferner s. v.
1
 1.
2.
›etw. in Bewegung bringen, etw. bewegen (richtungslos gedacht)‹.
Phraseme:
tiere, die auf erden bewegt werden
›laufende, kriechende Tiere‹ im Gegensatz zu Fischen und Vögeln.
Syntagmen:
den elbogen / flus / himmel / leichnam / stein / tisch, die erde / natur / welt, das mer / wasser, ein glied b
.
Wortbildungen:
beweger
1.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
2. Sam. 22, 8
(
Wittenb.
1545
):
DJe Erde bebet vnd ward bewegt.
Ebd.
Hebr. 12, 26
:
welches stimme zu der zeit die Erde beweget. Nu aber verheisset er / vnd spricht / Noch ein mal wil ich bewegen / nicht alleine die Erden / sondern auch den Himel.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
209, 5078
(
Magdeb.
1608
):
weil Gold / Gold an sich zoͤg / | Ein Silber das ander bewoͤg / | Ein Edelgstein zum andern fellet.
Quint, Eckharts Pred.
1, 219, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz beweget und jaget und machet alliu dinc ze loufenne.
Ebd.
2, 421, 2
:
von dirre unbewegelicheit werdent beweget alliu dinc.
Ebd.
556, 2
:
als der niderste engel giuzet sîne kraft in den himel und beweget den.
Hübner, Buch Daniel
4326
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Alle erde wart beweit, | Uf cluben sich die steine.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
2236
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Davon alle die welt ist gespiset, | Uffgehalden und beweget.
Feudel, Evangelistar
24, 17
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
herre, ich wil unde habe nicht eynen menschen der mir helfe in den tych, alse daz wazzer beweget wirt.
Neumann, Rothe. Keuschh.
562
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
das machte sy also zu togende trege | das sy iren licham nicht wolden bewege.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
28, 1
(
omd.
,
1487
):
alle tÿr dÿe vff erden bewegt werdenn.
Opitz. Poeterey
48, 25
(
Breslau
1624
):
Das wasser das bewegt die erden.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
233, 3
(
Nürnb.
1548
):
ich bin der Herr dein Gott / der das meer bewegt.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 127, 3
(
Nürnb.
1631
):
Jns Kripplein heut wird er gelegt, | Der Himmel, Erd, vnd alles bewegt.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
398, 21
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
ob ellü dü ding, die natürlich beweget werdent, ob die beweget werden von dienste der engelen, die da bewegent die himelschen libe. Daz dritte stüke ist, ob die engele beweger sin der himelschen libe.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 951
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
die eigenschaft des vatters in der gotheit, wie er ist almehtige craft vnd mogentheit, schoͤpfer, vnthalter, beweger, begin vnd ende, aller creaturen sache vnd erstikeit.
Cirurgia H. Brunschwig
16rb, 9
(
Straßb.
[
1497
]):
do eyner in den elenboge͂ wu͂t ist / vñ in nit gebiege͂ strecken nach bewege͂ mag.
Lemmer, Brant. Narrensch.
110a, 137
(
Basel
1494
):
Die vff jr arm vnd elenbogen | Sich laͤnen vnd den disch bewegen.
Henisch
360
(
Augsb.
1616
):
Laß dich nicht bewegen von einem jeden wind.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
25, 32
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
In der krippen eng gelegte | waint das kindlein, mensch, bewegte | sein gelider.
Peil, a. a. O.
521, 442
;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
24, 29
;
Gille u. a., M. Beheim
43, 7
;
Rohland, Schäden
366
;
Williams u. a., a. a. O.
345, 25
;
Eichler, a. a. O.
3, 75
;
Morgan u. a., a. a. O.
112, 1
;
35
;
Dasypodius
171r
;
Dietz, Wb. Luther
1, 295
.
3.
›etw. eingehend überlegen, bedenken, erwägen; etw. abwägen (bildlich auch von der Waage)‹;
bewegt sein
›überzeugt sein‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 4, (V.) 3,  3, (V., unr. abl.) 1.
Wortbildungen:
beweg
1.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
3, 481, 11
(
preuß.
,
1452
):
ewir gnode begerit an mir die inhaldunge der copien getrewlich zcu bewegen, meinen rath doruff zcu schreiben.
Luther, WA
22, 157, 38
(
1544
):
[S. Paulus] Streichet es [Exempel] aus und bewiegts auffs hoͤchste, wie es denn ein trefflich [...] Exempel ist.
Ebd.
41, 581, 31
(
1536
):
wenn wir Christen gegenander kondten uber rechen und bewegen, was wir fur schetze und uberschwenglich gut haben.
Ders. Hl. Schrifft.
Sir. 21, 27
(
Wittenb.
1545
):
Die Weisen aber bewegen
[
Mentel
1466:
werdent gewegen
]
jre wort mit der Goldwage.
Küther, UB Frauensee
282, 26
(
thür.
,
1496
):
E. f. g. konnen bewege, wie schwer mir solche oberlestügüng sein magk.
Opel, Spittendorf
317, 13
(
osächs.
,
um 1480
):
unser bewech wer wol, das irs itzt lisset anstehen.
Ebd.
400, 42
:
kamen wir zu des bornmeisters hause und bewugen die dingk faste hier und dar.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
175, 34
(
Bamb.
1507
):
als vil [...] geschicht, das die vrteyler der vnderschayde yder sach nit hoͤrn vnd bewegen.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
100
(
Nürnb.
1517
):
Nach besichtigung des ersten bewieg zum andern, ob er der breutigam sei oder nit.
Sachs
22, 525, 5
(
Nürnb.
1550
):
Ich, die natürlich Ghrechtikeit, | Sitz am gericht zw aller zeit, | Verhör all antwort und die klag | Und pewieg sie auf meiner wag.
Chron. Augsb.
5, 152, 10
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
daß ich genůgsam bedacht, bewegen und ermessen hab die [...] entpörung von wegen meiner leer.
Ebd.
8, 377, 14
(zu
1548
):
Es bederf ainer underweisung, damit die leut algemach gewonen (würden), welche aigentlich bewegt seien, dise declaration seie der heiligen schrift zuͤwider.
Ebd.
9, 241, 30
(
1544
/
5
):
daß ain e. rat, [...], alle sach gantz wol bewegt haben.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
4452
;
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
7, 10
;
Opel, Spittendorf
37, 37
;
60, 9
;
269, 31
;
Tittmann, Schausp. 16. Jh. Rebh.
68, 82
;
Henisch
359
;
Dietz, Wb. Luther
1, 295
;
Schwäb. Wb.
1, 990
.
4.
›etw. / jn. konkret in eine Richtung bewegen‹.

Belegblock:

Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
472
(
pfälz.
,
1436
):
Die swerikeit in eynem steyn, die ist nicht wesenclich der stein, vnd doch beweget sie den stein von der höche zu dem erterich.
M. Cunitia. Ur. Prop.
150, 27
(
Öls
1650
):
Da diese Andere die Planeten von Niedergegen Aufgang beweget.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
33, 14
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
daz da beweget wirt von einre stat zuo der andern, daz muoz man e verstan e die bewegunge.
Klein, Oswald
114, 62
(
oobd.
,
1436
):
swërlich bewegt man im da legt | mit grossem valsch auf seinen hals | ain chreutz.
5.
›(ein Heer) aufbringen, aufbieten und ins Feld stellen‹.

Belegblock:

Seemüller, Chron. 95 Herrsch.
198, 13
(
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Durch des selben willen und liebe bewegte chaiser Karl, [...], das reich mit ainander.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
121, 29
(
moobd.
,
1478
/
81
):
künig Marsilies, [...] berüeft alls volk, was er bewegen mocht.
6.
›jn. zu etw. (einer Handlung) bewegen, veranlassen; etw. anstiften; jn. zu etw. (einer Haltung) bringen, führen‹; insbesondere mit letzterer Variante offen zu 8.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
aufrur, einen krieg
)
b., jn. zu etw
. (z. B.
zu dem bekentnis / bösen / lob / werk, zu minne / ungnade / zorn, zu waffen, zum dienst
)
b., jn. mit einem her b
. ›zum Heereszug veranlassen‹,
jn. b., das [...] / zu [...], etw. b., zu [...]
.
Wortbildungen:
beweg
2,
bewegde
2 ›Veranlassung, Befehl‹.

Belegblock:

Schöpper
2b
(
Dortm.
1550
):
Inducere. Anfuͤren auffbringen verusachen bewegen anregen.
Chron. Magdeb.
2, 143, 11
(
nrddt.
, Hs.
1601
):
Hierauf waren etzliche des Radts der Altenstadt bewogen worden und ließen den vorbemelten Bettler gefenglich annehmen.
Quint, Eckharts Pred.
2, 263, 6
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
von sînem grunde und von sîner wesunge und von sînem wesene wirt der vater beweget ze geberne.
Chron. Köln
2, 490, 26
(
Köln
1499
):
want die lude sint balder beweicht zo dem boesen dan zo dem goiden.
Steer, Schol. Gnadenl.
3, 1, 205
(
rhfrk.
,
1375
):
dirre gnade eigentschaft ist, daz si wider ruffet den frien willen von dem ubelen vnd beweget zů dem guten.
Köbler, Ref. Wormbs
127, 13
(
Worms
1499
):
als einer vss notdurfft oder bloͤdikeit mag angefuͤret vnd bewegt werden zu einer bekentnuss einer Sum geldes die yme nit dargezelt ist.
Ulner
27
(
Frankf.
1577
):
Anreitzen. ein gewinnen / locken / eynfuͤhren / vberreden / dahin schwaͤtzen / bewegen / bereden / anweisen.
Neumann, Rothe. Keuschh.
3314
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
suberlich senwel der apphil ist | unnd her wirt zu aller frist | gar lichtichlichen zu laufen beweget.
Mathesius, Passionale
52v, 20
(
Leipzig
1587
):
werdet jhr nu von den vrsachen seiner schwacheit vnnd schmertzen hoͤren / vnd was jhn darzu bewogen vnd verursachet.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
78, 31
(
Nürnb.
1548
):
Dise vnnd andere Exempel / moͤgen vns wol bewegen / das wir nicht sicher sein / sondern auff das kuͤnfftige sehen sollen.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
234, 28
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
zevolgenne dem baner eins heres von bewegede des houbtmannes.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
396, 4
(
els.
,
1362
):
daz ein erbere frowe durch andaht ime sine hant kuͤssete. Do von wart er beweget zů vnkuschekeit.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
127, 4
(
Zürich
1521
):
das sine
[Christi]
statthalter die gantze welt zů waffen bewegen mit kriegen.
Brandstetter, Wigoleis
214, 26
(
Augsb.
1493
):
auß wz vrsach aber das vngeheur weyb [...] gegen dem hochgebreyßten werden ritter beweget ward. solich mordt an jm zuouolbringen.
Ebd.
231, 11
:
in meynung sy mit freüntlichen gebaerden in sein lieb bewegen.
Chron. Augsb.
7, 309, 3
(
schwäb.
, zu
1553
):
dardurch sie dann bewegt worden, alle unnotdurftige gebeu gentzlich einzestellen.
Henisch
29
(
Augsb.
1616
):
beweg des gemüts / affectus.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
179, 26
(
moobd.
,
1478
/
81
):
wie es nit half, do zugen des ritters mag zu dem künig Karl gen Behaim und bewegten den mit ainem her.
Turmair
4, 529, 27
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Sölch fechter [...] bewegten ein grossen krieg und aufruer in Italien.
Quint, a. a. O.
2, 42, 2
;
384, 1
;
Ders., Eckharts Trakt.
6, 213, 2
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 357, 1
;
14
;
2, 412, 1
;
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
164
;
Kurz, Waldis. Esopus
1, 17, 38
;
Küther, UB Frauensee
198, 5
;
Meisen u. a., J. Eck
18, 21
;
Böhme, Morg.R.
13, 18
;
Reichmann, a. a. O.
138, 8
;
Morgan u. a., a. a. O.
217, 4
;
Chron. Augsb.
7, 28, 15
;
8, 333, 11
;
364, 17
;
Spiller, a. a. O.
263, 35
;
Roth, E. v. Wildenberg
54, 17
;
55, 4
;
102, 15
;
136, 5
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
15, 31
;
Schwartzenbach
B vv
;
D iijr
;
Ulner
28
;
Dietz, Wb. Luther
1, 295
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 588
.
Vgl. ferner s. v.  3, ,  6,  14.
7.
›jn., die menschliche Seele (o. ä.) innerlich ergreifen, rühren, bewegen; ,movere‘ im Sinne der Rhetorik‹.
Bedeutungsverwandte:
,  5,  2.
Syntagmen:
jn
. (z. B.
den richter
),
die sele, das fleisch / herz b., etw
. (Subj., z. B.
hofnung / schmerz, das wort
)
jn. b., das herz sich b., jn. zu weinen b., jn. jamers halben, mit leide, zu freude / leid / erbarmherzigkeit b., jn. hart / hoch / inwendig / schnelliglich b
.;
mit argwenigkeit / reue, von miltigkeit, zu mitleiden bewegt werden, in barmherzigkeit, von dem leiden bewegt sein
;
das schnelle b
. (subst.).
Wortbildungen:
bewege
,
bewegnis
2.

Belegblock:

Luther, WA
41, 306, 15
(
1536
):
umb unsers ellenden, schwachen fleisches willen, welchs sich mehr lesst bewegen das gegenwertige denn das kuͤnfftige.
Reissenberger, Väterb.
2444
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
wie der tuvel wirt beweit | Mit leide als im diu sele engat.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
136, 9
(
rhfrk.
,
um 1435
):
das alle die die dabij waren zü weynen würden beweget.
Eggers, Psalter
4, 23
(
thür.
,
1378
):
dy ding, dy ir sprechet in vwerme herzcen, di bewegent vch in vwerin betekameren.
Strauch, Par. anime int.
70, 33
(
thür.
,
14. Jh.
):
di gotlichin tuginde machin ein einunge der sele mit deme heligen geiste, daz der helige geist bewege di sele.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
21, 29
(
osächs.
,
1343
):
dar nâch wart her mit růwen bewegit
[
Luther
1545:
rewet es jn
]
und ginc inwec.
Mathesius, Passionale
53r, 6
(
Leipzig
1587
):
wird Christus vnsers elends vnd jammers halben beweget / vnd liebet vnnd meinet vns.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
130, 6
(
Nürnb.
1548
):
das weib [...] lassen jnen bald etwas zu hertzen gehn / lassen sich ehe zu freud vnd leyd bewegen / denn die menner.
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 63, 14
(
Coburg
1634
):
Weil jhm [Redener] obliget erstlich zubeweisen / [...]: Zum andern zubelustigen / [...]; zum dritten zubewegen.
Kehrein, Kath. Gesangb. 1, S. 
100, 11
(
Nürnb.
1631
):
Wer aber durch diese Geistliche erinnerung oder auch durch bewegnuß deß H. Geistes, vnnd durch antrieb der zum singen sehr geneygten Natur ein begierd hat.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
190, 21
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
die bewege der begirde, die da natürlichen ist, volget der begriffunge dez abgescheidenen verstans.
Bihlmeyer, Seuse
444, 13
(
alem.
,
14. Jh.
):
wan ellú minú inrekeit ist beweget in bitterkeit von dime liden.
Vetter, Pred. Taulers
375, 32
(
els.
,
1359
):
Hundert toͤde enmoͤchtent dise nút bewegen noch entsetzen.
Ebd.
421, 22
(
E. 14. Jh.
):
Waz ist gebet? [...] in eime nehern sinne so ist gebet ein vereinender inker des geschaffenen geistes in den ungeschaffenen geist Gottes mit eime fúrsatze das do wurt beweget von ewikeit der gotheit.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
383, 32
(
els.
,
1362
):
Die worheit die ich gesprochen han, die beweget die doten vnd kan doch úwer fúrsteinete herzen nút bewegen.
Ebd.
566, 17
(
els.
,
1362
):
do was er so jemerlich worden das der kúnig zů erbarmeherczikeit beweget wart.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 576
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Dis mitteliden, daz ist ein innewendig bewegen des hertzen mit barmehertzikeit zvͦ aller menschen not.
Köbler, Stattr. Fryburg
56, 20
(
Basel
1520
):
die dritten erschreckung mag er nit erlãgen / es weren dañ mercklich vrsachen vorhanden / dadurch wir oder die richter bewegt wurden.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
28, 23
(
Straßb.
1650
):
daß wohl ein steinern Hertz sich darob bewegen, erweichen vnd bekehren solte.
Koppitz, Trojanerkr.
19420
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
menger fröden pflegen | Sy do begunden: gar bewegen | Warend sy gemaine.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 111, 27
(
halem.
,
n. 1529
):
dass du verstandist, uns von diser botschaft nit allein nit erschuͤcht, noch erschrocken, sunder noch heftiger und me bewegt sin.
Chron. Augsb.
2, 257, 7
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
also ward ain rat bewegt in barmhertzigkait mit armen leuten.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
321, 4
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Er machet manchen siechen – | das muet’ den künig Meran, der sich’s bewueg.
Bauer, Imitatio Haller
47, 16
(
tir.
,
1466
):
Wer aber rechtig vnd czornig ist, der würt pewëgt mit mangerlai arkchwenikhait.
Quint, Eckharts Pred.
1, 168, 2
;
Gropper. Gegenw.
9r, 2
;
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
480
;
Kurz, Waldis. Esopus
4, 69, 160
;
Strauch, a. a. O.
13, 6
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
241
;
Williams u. a., a. a. O.
404, 32
;
Eichler, a. a. O.
1, 601
;
2, 138
;
Chron. Augsb.
9, 92, 11
;
Klein, Oswald
24, 4
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
1, 19
;
40, 17
;
86, 37
;
Hulsius
T iijr
;
Maaler
66r
.
Vgl. ferner s. v. .
8.
›jn. erregen, beunruhigen, in Unruhe, Aufregung versetzen‹; in 1 Beleg (s. u.
Wackernell 
): ›jn. quälen‹; refl.: ›sich bewegen, unruhig werden‹; als part. Adj.
bewegt
: ›in Unruhe‹.
Bedeutungsverwandte:
 3,  1.
Wortbildungen:
bewegnis
3.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
3, 3, 11
(
preuß.
,
1447
):
umbe deswillen nw die land [...] vordrissende seyn und unwillig und bewegit.
Luther. Hl. Schrifft.
Apg. 13, 50
(
Wittenb.
1545
):
die Jüden bewegeten die andechtigen vnd erbarn Weiber [...] vnd erweckten eine verfolgunge vber Paulum.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
64, 6
(
Frankf.
1535
):
Sein [steyn] tugent ist wider das wütend bewegt gemüt.
v. Keller, Amadis
6, 41
(
Frankf.
1571
):
der weltlichen händel vielfaltige bewegnuß vnd Vnruhe, die vnbestendigkeit Menschlicher ding.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
737, 15
(
thür.
,
1421
):
sso worden die fursten dorumbe sere bewegit.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
21, 10
(
osächs.
,
1343
):
dô Jhêsus ginc in Jêrusalêm, dô wart bewegit
[
Luther
1545:
erregte sich
]
di stat allesament und sprach: „Wer ist dirre?
Ebd. Lk.
23, 5
:
Her hât daz volk bewegit
[
Froschauer
1530:
empoͤret
;
Luther
1545:
erreget
]
lêrinde durch Judêam allesament.
V. Anshelm. Berner Chron.
3, 87, 22
(
halem.
,
n. 1529
):
Da bekent Jätzer, dass im dis trank angends braͤchte einen grossen angstschweiss und ein bewaͤgnuͤs after allem lib, als ob in d’ambeissen bissint.
Chron. Augsb.
6, 19, 8
(
schwäb.
, zu
1513
):
die [...] hetten ein teuerung gemacht im wein, daß man forcht, die gmain wurd sich bewegen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
143, 2
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Solichs bebegt die lanndtlewdt von Khernndten, wan es was wider iren fridt.
Ebd.
215, 17
:
mechtiger kunig und herr, Ewr begern und willen bewegt uns gar sere.
Wackernell, Adt. Passionssp. St. I,
1154
(
tir.
,
v. 1496
):
Mit rauffen, stössen und schlegen | Solt ir in [Jhesus] heint bebegen, | Das all sein synn und gemüet | Morgen wurd lass und müet.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
406, 31
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 588
.
Vgl. ferner s. v.  1
9.
›etw. (z. B. den Zorn) auf jn. / etw. richten, lenken, etw. (z. B. den Willen) in eine bestimmte Richtung lenken; sich e. S. zuwenden‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
3827
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Nu bin ich in vorbolgen | Und ist min zorn uf sie beweget.
Reissenberger, Väterb.
18804
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Sus liez er die hute | Die sin pflac uf steteckeit, | Unde wart uf disen sin beweit.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
151
(
pfälz.
,
1436
):
des menschen sele, [...], die beweget sich zu zwein wercken, das ist zu erkantnis vnd zum willen.
Ders., Schol. Gnadenl.
1, 428
(
noschweiz.
,
15. Jh.
):
erlúchte mir daz, wie gnad beweg v́nsern willen zů der warheit.
Reissenberger, a. a. O.
22474
;
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
712
;
ders., Schol. Gnadenl.
1, 456
.
10.
›jn. von etw. abbringen, jn. zum Abfall von etw. (z. B. vom Glauben) / jm. (z. B. von Gott) bewegen‹.

Belegblock:

Williams u. a., Els. Leg. Aurea
315, 23
(
els.
,
1362
):
Do er in hie mitte nút kunde bewegen von dem gloͮben.
Ebd.
491, 23
:
von man das folk nút lihtekliche von der alten gewonheit moͤhte bewegen.
hail. altvaͤter
94v, 10
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
das niemans red noch weltlicher kumer mùg irù herczen von got bewegen.
Henisch
360
(
Augsb.
1616
):
Ein weiser tugentreicher Mensch / lasset sich nicht liederlich bewegen.
McClean, Havich
2697
.
Vgl. ferner s. v.  1.
11.
›jn. gegen etw. (z. B. eine Herrschaft, einen Vorgesetzten) aufwiegeln, aufhetzen, zur Erhebung, zum Widerstand anstacheln‹; refl.: ›sich jm. entgegenstellen, aufsässig reagieren; sich erheben‹.
Bedeutungsverwandte:
 123;  8,  2, (s. v.
2
 1),  3.
Wortbildungen:
beweger
2 ›Unruhestifter‹,
bewegnis
4 ›Erregung, Unruhe‹ (a. 1556).

Belegblock:

Luther, WA
30, 3, 477, 1
/14 (
1531
):
Denn jhener [Muͤntzer] macht es so gar gros und tolpissch und wendet keinen schein des friedes fur, das nicht fast bewegt, sondern mehr abschreckt.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
39, 4
(
hess.
,
14. Jh.
):
Iz daz ir eine umme sumeliche klein sache von der ebdissen [...] berespit wirt und intsebet einre irren priolen mut erzurnet obe beweget ingegen sy.
Chron. Nürnb.
2, 137, 11
(
nobd.
,
1449
/
50
):
die herrn und aller adel wurden so seer bewegt wider die stat Nürmberg [...], daz [...].
Reichmann, Dietrich. Schrr.
80, 34
(
Nürnb.
1548
):
das er [Teuffel] vnns vberweldige / inn sünden werffe / vnd wider dein wort bewege.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
2, 389, 7
(
Straßb.
1466
):
Wir haben funden disen schelmigen menschen vnd ein bewegenten
[
Luther
1545:
der Auffruhr erreget
]
die widerteil in allen iuden in allem vmbring.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 457, 5
(
halem.
,
n. 1529
):
ir woͤllid uch [...] niemands wider die kristliche kilchen, ouch uns und das heilig rich, [...] in keinen weg bewegen.
Chron. Augsb.
3, 442, 10
(
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
unnser gnädiger herr und schirmer sein sich auch merer gehorsam zů unns dann zů sollichen unns ungunstigen bewegern versehen werde.
Ebd.
8, 138, 8
(zu
1561
):
Dardurch die landschaft bewegt worden, und haben sich bei den 20 000 mann von der landschaft zusamen besamelt.
Henisch
359
(
Augsb.
1616
):
Bewegen / aufwieglen / auffwecken / erwecken.
Meisen u. a., J. Eck
25, 6
(
Ingolst.
1526
):
Sy soͤllent ouch (die predicantenn) aller fablen unnuützen tant, auch was in irrung fieren moͤchte oder wider die oberkeit bewegen, unnderlassen.
Turmair
4, 1072, 14
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Und pewegten also die fraidigisten Teutschen all wider das römisch reich.
Ebd.
5, 339, 19
:
Der pischof bewegt die gemain wider den herzogen.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
612, 22
;
Chron. Augsb.
7, 297, 20
;
8, 325, 2
;
Dietz, Wb. Luther
1, 296
;
Schwäb. Wb.
1, 990
.
Vgl. ferner s. v.  8.
12.
›etw. hervorrufen‹.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
5, 15
(
14. Jh.
):
daz dar uuz entspringent di creft der sel, wechantnuzze und gelaub und minne, di werden webeget.
Bauer, Zist.-Pred. Haller
87, 143
(
tir.
,
1466
):
die guethait, [...], die sint pewainen vnser seüfften vnd sint pewegen die czäher meiner sünndigen selen.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
50
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
Nit also den Himelischen Vater unere, vnnd damit seinen gottlichen Zorn vber vnns arme sünder mer bewege.
13.
›etw. entscheiden, beschließen; sich zu etw. anschicken, aufraffen; sich zu etw. entschließen‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
24029
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
der si drî dâ slûgen, | den virden si gewûgen | zu lâzen bi dem lebbene.
Kohler u. a., Bamb. Halsger. Corr.
129, 20
(
nobd.
,
16. Jh.
):
Also hat mein gnediger herr von Bamberg [...] bewegenn vnnd erclert, das [...].
Koppitz, Trojanerkr.
5568
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Des müssen wir üns fluchtt bewegen.
Chron. Augsb.
7, 323, 8
(
schwäb.
, zu
1558
):
Es haben [...] die höchstermelte kas. und kun. mt. sampt churfürsten, fürsten und stenden solche sachen im religionsfriden dahin bewogen, [...], daß sie derenthalben auch auf ergangne generalprovision ain specialordnung gemacht.
Niewöhner, Teichner
60, 7
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
waz in dw maister hiezzen meiden, | dez wolt er sich nie webegen.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
44, 5
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Für gantz mein her ich kampfes mich an nim! | Ist yempt, der sich auch streits gen mir bewiget.
Munz, Füetrer. Persibein
286, 4
(
moobd.
,
1478
/
84
):
zwm iungsten aines stichs er sich pewag | mit seinem sper zer kel vor an den drossen | ain klaffter lannck.
Koppitz, a. a. O.
11296
.
14.
›auf etw. verzichten‹.

Belegblock:

Koppitz, Trojanerkr.
5700
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Da müssen wir üns gar bewegen | Des kaysser thüms sunder schaid.
Ebd.
18900
:
Dü ist nitt nach gewine | Durch die man sölich mordes pfligtt: | Wol im, wer sich der bewigtt!