bleuen,
bläuen,
V., unr. abl.;
zu mhd.
bliuwen
›bläuen, schlagen‹ ();
im Frnhd. Übergang zur schw. Flexion und zur Schreibung mit
äu
mit volksetym. Anlehnung an
blau
(
Pfeifer, Etym. Wb. d. Dt.
1993, 149
).
– Vgl.
Dammers u. a., Flexion der st. und schw. Verben.
1988, 475
.
1.
›jn./sich, js. Körperteil schlagen, prügeln‹.
Bedeutungsverwandte:
 11,  1, ,  1; vgl.  2.

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
2170
(
rib.
,
1444
):
Magdalenen hain ich ouch gebluwen.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Umb das du mit [slussel] nit zu sliessen has | Noch zu entsließen odir zu hauwen, | Zu snyden odir zu blauwen.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
2, 156, 2
(
hess.
,
1532
):
auch stehets sonst nicht wole fur dem volk, mit kindern sich pleuwen.
Luther, WA (
1528
):
Sanct Bernhard, der hette sich geblawet und gemartert tag und nacht, mit beten, fasten, studieren und casteyung des leibes.
Fastnachtsp. (
nobd.
,
1486
):
Und schonet ich dein als wenig als mein, | Ich wolt mich freilich mit dir pleuen.
Sachs (
Nürnb.
1551
):
Ich fürcht fürwar bey meinen trewen, | Wenn sie heim kumb, sie werdt mich bleuen.
Ebd. (
Nürnb.
1554
):
Ietzt solt ich blewen dir dein leyb.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
146, 6
(
Nürnb.
1548
):
der da gern sihet / das Mann vnd weyb vneynig sind / keins dem andern weychet / sich rauffen vnd plewen.
Bell, G. Hager
337, 3, 3
(
nobd.
,
1610
):
Bleye jm den Rücken Hin fort.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
vnd pleuent hemerschlachent die leib der tummen.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1538
):
Darumb doͤrffen sich zů diser Zeit die Pfaffen nit plaͤwen, sonder Gott und dem Luther dancksagen.
Turmair (
Augsb.
1517
):
ich clopf oder anpos, ploy oder schlag etc. du clopfst an, der clopft an.
Thiele, Minner. II,
13, 360
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
man solt sie [nachgaffer] billich bluwen | mit knütteln gros.
Niewöhner, Teichner
564, 4068
(Hs. ˹
moobd.
,
n. 1400
˺):
yeder man sein schinken plewet.
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich (Hs.
A. 15. Jh.
):
Sie begunden in bluwen all umbe sinen kopf.
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 33
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 25
;
Dietz, Wb. Luther ;
Preuss. Wb. (Z)
1, 654
;
Schles. Wb.
1, 135
;
Öst. Wb.
401
ff.
2.
›etw. (z. B. Flachs, Wäsche) bearbeiten‹.
Wortbildungen:
bleuschlegel
.

Belegblock:

Bergner, Urk. Kahla (
thür.
,
1455
):
Ouch sal nimand lassen derren, bluwen, brechen flachs noch ander gespinste in der stad.
Ermisch, UB Chemnitz (
osächs.
,
1470
):
Eckhart der bleichrichter hat nw furgenomen zcu bleichen mit weybern [...] und wil das mit plewen usrichten.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
12, 40
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Wann er [acker] nicht geackert noch besäet oder sonsten geblauet und man dannoch viel klees darauf findet.
Mollwo, Rotes Buch Ulm (
schwäb.
,
1425
):
Besunder setzen wir flechserin, die werke pluͥwent, brechent, schwingent.
Boner, Urk. Aarau
351, 4
(
halem.
,
1419
):
an der muͥli ze Sure nieman malen noch bloͤwen soͤllent.
Maaler (
Zürich
1561
):
den hanff / Pleüwen vnnd lind machen.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1365
):
gepietent mein herren die purger, daz man fuͤrpas chain gewant plewen sol.
Ebd. (
moobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Swer flachs in der stat derret oder plewet, der geit der stat 36 pfenning.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
15. Jh.
):
es verpeut die herrschaft ernstlich das niemand in dem markt har plewen lass.
3.
phras.:
sich mit jm. bleuen
›sich mit jm. herumschlagen‹;
jm. etw. um die oren bleuen
›jm. etw. wiederholt sagen, zu verstehen geben‹; ütr. zu 1.

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
wenn er sich gleich jmer mit jm treibet und blewet, so kan er es dennoch kaum fort bringen.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
der war häftig wider die von Carthago, pleuet stetigs dem rat umb die oren, man solt die stat zerstörn.
Was man im umb die oren pleut, Constantinus züg daher.