aufschlagen,
aufschlahen,
aufschlan
; die zweitgenannte Form im Inf. und Präs. im Gesamtraum bis ins 16. Jh. mit annähernd gleicher Häufigkeit belegt wie die zuerst genannte; die kontrahierten Formen insgesamt selten, vorwiegend md.;
V., unr. abl.
– Schwer gliederbares Bedeutungsfeld; 1-14 für Tätigkeiten, die die Ausführung eines Schlages implizieren; 15 und 16 Ütr.; 17-19 verbindbar unter dem Aspekt ‘etw./jn. hemmen, behindern, einschränken’; 20 und 21 isoliert.
1.
›etw. an-, aufschlagen, durch Schlagen auf etw. anderem befestigen‹; mit sehr unterschiedlichen Sachbezügen, z. B. ›einen Anschlag machen, etw. anschlagen‹, dazu als Synekdoche: ›etw. durch Anschlag bekanntgeben‹ (oft); speziell: ›(Münzen) verrufen‹; ›(Zeichen, z. B. Eigentumszeichen oder ein Kreuz als Zeichen schlechter Arbeit) anbringen‹; ›(Teppiche o. ä. zu Schmuckzwecken an der Wand) aufhängen‹; ›(Hufeisen) aufschlagen‹; ›(Zierspangen) anbringen‹; ›(eine Trophäe, z. B. einen Tierkopf) annageln‹.
Phraseme:
blech a.
›etw. mit viel Lärm, mit dem Anspruch auf allgemeine Beachtung vollziehen‹.
Bedeutungsverwandte:
(zu: ›bekanntgeben‹); vgl.  2.
Syntagmen:
den ban / brief / feind
(metonymisch für seinen Namen)
/ lon
(metonymisch für die Höhe des Lohnes)
/ prozes / tag / zettel, die acht / ordnung / rede / unschuld, das edict / gut / mandat / schreiben a., den gulden a., a., das / wie
(+ Objektsatz),
etw. öffentlich a.
;
das zeichen / kreuz, die spange a., das (huf)eisen, den kopf
(z. B.
des bären
)
a.
Wortbildungen:
aufschlahung
1 ›öffentlicher Anschlag‹.

Belegblock:

Chron. Köln
3, 899, 7
(
Köln
1499
):
dat was den heren vam raide sere leit ind satzten dairup ind deden upslain.
Müller, Grafsch. Hohenb.
2, 230, 30
(
schwäb.
,
1448
/
9
):
alz der vogt schikt nach den finden, die da waren uffgeschlagen 4 ß.
Ders., Nördl. Stadtr.
286, 28
(
schwäb.
,
1503
):
In zünften verkündt, auch offenlich beschrien und aufgeslagen.
Chron. Augsb.
5, 166, 13
/4 (
schwäb.
,
1523
/
7
):
zuͦ Nierenberg schluͦg man auch ains [mandatt] auff, das ward den ersten tag herab gerissen, man schluͦg es an mer orten auff.
Ebd.
8, 386,
Anm. 3 (zu
1552
):
daß deßhalb ain beruef beschehen und gedruckte zetl aufgeschlagen werden sollen.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
143, 27
(
schwäb.
,
v. 1542
):
ließ der landgraf zu Hessen in druck außgaun, unter seinem secret allenthalben in den reichsstetten aufschlachen, wie [...].
Ebd.
144, 4
:
wie dan derselbug truck und aufschlachen außweist.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 82, 2
([
Augsb.
]
1548
):
Blech auffschlagen. Sich stellen / als wolte man vil guͦts schaffen / damit das man etwas news herfür her bringe / damit an das bret zuͦ kommen.
Müller, a. a. O.
2, 254, 22
;
Ders., Nördl. Stadtr.
292, 32
;
Chron. Augsb.
5, 211, 28
;
7, 205, 10
;
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz.
155, 6
;
Dietz, Wb. Luther
143
;
Rwb
1, 938
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
371
;
Schwäb. Wb.
1, 414
;
Schweiz. Id.
9, 363
;
371
.
2.
›(Münzen) prägen‹; gegenüber 1 mit Verschiebung der Bezugsgröße.

Belegblock:

Koller, Ref. Siegmunds
345, 39
(Hs.
Augsb.
,
um 1440
):
so vindet man subtil leüt, di slahen münz auff, die sein aber swecher, mit der furm und geprech in geleich.
3.
›(die Trommel zeichengebend) schlagen; etw. im Spiel darstellen‹.

Belegblock:

Roder, Hugs Vill. Chron.
81, 12
(
önalem.
,
1519
):
do es ward umb das ain nach miternacht, do schlug man mit der trumen uff.
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 325, 28
(
whalem.
,
1484
):
so si denen von Bern [...] erboten und ouch uncristenlich sachen von inen gemolet und ufgeslagen hattent.
Schwäb. Wb.
6, 1546
;
Schweiz. Id.
9, 361
.
4.
›(einen Pfeil, Bolzen o. ä.) auf die Armbrust auflegen‹.

Belegblock:

Bad. Wb.
1, 85
(a.
1491
);
Schwäb. Wb.
1, 414
.
5.
›(mangelhaft gewalktes und gewaschenes Tuch zur Verbesserung des Aussehens auf Rahmen) spannen‹.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 496, 24
(
rib.
,
um 1400
):
sowilch kneicht de ein doich upsloege, [...] die sall dieselve boisse lijden.
6.
feuer aufschlagen
›durch Zusammenschlagen von Feuersteinen Feuer entzünden‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße: ›emporlodern, emporschlagen (von Flammen, Fackeln u. ä.)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. 2. Makk.
10, 3
(
Wittenb.
1545
):
[sie] namen Fewrstein vnd schlugen Fewer auff.
Gille u. a., M. Beheim
161, 613
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das der myn vakel von der ert | mit unmessiger gute | Czu aller czeit in prunsticlich | auf slach gegen dem himelrich.
Vetter, Pred. Taulers
369, 3
(
els.
, Hs.
1359
):
als von vil kolen ein gantz gros fúr wirt und slecht ein lichte flamme uf.
Ebd.
382, 17
:
die flamme tringet do durch und slecht uf in die hoͤhi.
Chron. Augsb.
5, 30, 9
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
was der zinder gemacht, wan man sie truͦckt, so schluͦg es selb feur auff, und gieng dan die bichs ab.
Ebd.
4, 218, 4
(
v. 1536
):
ain bichs, die von ir selbs ain feur auffschlagen kundt.
Bihlmeyer, Seuse
314, 3
;
Schwäb. Wb.
1, 414
.
7.
›(Vieh) zur Weide treiben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  15,
1
 3,  11.

Belegblock:

Bihlmeyer, Seuse
374, 23
(
alem.
,
14. Jh.
):
anger, da daz vih uf geschlagen waz.
Ebd.
447, 1
;
Schwäb. Wb.
1, 414
;
Schweiz. Id.
9, 365
.
8.
›mit den Füßen ausschlagen, austreten‹; ütr: ›sich e. S. widersetzen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  10.
Wortbildungen:
aufschlaher
3 ›ausschlagendes Tier‹.

Belegblock:

Voc. inc. teut. b VIr (
Speyer
um 1483
/
4
):
Aufschlahẽ hinder sich mit den fussen.
Bachmann, Haimonsk.
129, 35
(
halem.
,
1530
):
do fieng er
[ein Pferd]
an die orren schmucken und schluog hinden uff.
Maaler
36r
(
Zürich
1561
):
Hindẽ Auffschlaher. Calcitro.
Schweiz. Id.
9, 359
.
9.
›etw. aufschlagen, aufstellen, aufbauen, errichten‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße: ›etw. (z. B. einen Berg) bebauen‹; mit Subj. d. S.: ›aufgerichtet stehen, sich erheben (z. B. von einem Grenzstein)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3,  1,  1,  2,  4.
Syntagmen:
das haus / kriegslager / zelt, die bank / bettelade / brücke / burg / hürde / hütte / wonung, den kram /
(verschoben:)
berg a.
;
markstein
(Subj.)
a.
;
aufgeschlagener pflug
›auf ein Balkengestell gelegter Pflug‹.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
388, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
In dem êrsten beginne der êrsten lûterkeit dâ hât der sun ûfgeslagen daz gezelt sîner êwigen glôrien.
Wyss, Limb. Chron.
37, 19
(
mfrk.
, zu
1351
):
in der selben zit wart Falkenstein in dem lande zu Hessen eine burg ufgeslan.
Ebd.
75, 13
(zu
1380
):
Der selbe berg ober dise seszen jar wart noch eins ufgeslagen.
Luther. Hl. Schrifft. 1. Mose
26, 17
(
Wittenb.
1545
):
[Jsaac] schlug sein Gezelt auff im grunde Gerar.
Ebd. 4. Mose
1, 51
:
wenn man reisen sol / So sollen die Leuiten die Wonung abnemen / Wenn aber das Heer zu lagern ist / sollen sie die Wonung auffschlahen.
Guth, Gr. Alex.
1857
(Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Da slüg er auf die gezelt sein.
Kummer, Erlauer Sp. III,
561
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
slach auf die chram mein!
Winter, Nöst. Weist.
2, 107, 37
(
moobd.
,
1602
/
15
):
ob ainer dem andern mit aufgeschlagen pflueg uber ain acker fuehr.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
25, 1
;
Serranus
19r
;
Dietz, Wb. Luther
143
;
Pfälz. Wb.
1, 396
;
Schweiz. Id.
9, 360
.
10.
›etw. (z. B. einen Weg) freihalten, etw. (z. B. einen Graben) aufwerfen, aufschaufeln, aufgraben‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße: ›(Wasser) ableiten, (auf ein Grundstück) leiten‹ (dazu ggs.: vgl.  18).
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  13,  2,  1,  4.

Belegblock:

Adrian, Saelden Hort
6473
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
vor dem ain tiefe slugg, | ain witer grab ist uf geslagen.
Winter, Nöst. Weist.
4, 183, 40
(
moobd.
,
1413
, Hs.
16. Jh.
):
daß ein gemeine viechtrift ist, die die gmein soll aufschlagen zu irem nutz.
Ebd.
2, 81, 28
(
1512
):
wo ain unrechter weg geet in das feld, den sol er vermachn und die gräben aufslagen.
Rwb
1, 938
;
Schweiz. Id.
9, 363
.
11.
›(Bergwerksanlagen) in Betrieb nehmen, (einen Grubenbau) errichten‹; anschließbar an 9 sowie an 10 oder 12, insofern als die Grube durch Schlagen mittels Schlägel und Eisen eröffnet wurde (so Paul, Wb. Bergmannsspr.
1987, 137
s. v.
aufschlag
); für diese letztere Anschlußmöglichkeit spricht das Syntagma
erz aufschlagen
(Bad. Wb.
1, 85
).
Bedeutungsverwandte:
 4,  7; vgl.  12,  9.
Syntagmen:
den berg / schacht / stollen, die grube, das bergwerk a.

Belegblock:

Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 113, 26
(
schles.
,
1486
):
Also daz er und dieselben sein mitgewerkhen in den gemelten unsern landen [...] grub aufslahen und machen.
Ebd.
212, 9
(
1519
):
Sy mogen auch allerlei ertzt suchen [...], auch schechte grueben stollen auffslaen und ansitzen noch bergwergs ordenung.
Ebd.
21, 45, 30
(
1537
):
nachdem mein g. h. [...] allenthalben perkwerck aufzuschlahen freiheit geben hab.
Patocka, Salzwesen.
1987, 121
;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
111
;
Ders., Recht Schemnitz
279
;
Rwb
1, 938
;
Veith, Bwb.
33
;
Schweiz. Id.
9, 362
.
12.
›etw. (meist gewaltsam) aufschlagen, etw. schlagend öffnen, etw. aufbrechen‹; teils mit Verschiebung der Bezugsgröße, dann je nach Obj. z. B. ›(Wein) abzapfen‹; ›etw. stehlen, rauben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,
1
 3,  1, (V., unr. abl.) 1.
Syntagmen
die ader / lade / nus, das fas
(mit Verschiebung der Bezugsgröße:
wein
),
den ballen
(mit Verschiebung der Bezugsgröße:
tuch
)
a.
Wortbildungen
aufschlahung
2 (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Bindewald, Texte schles. Kanzl.
132, 2, 13
(
schles.
,
1373
):
das du dy egenantin Burger [...] vorbas mit guld [...] vngehindirt czihen lossest vnde keinen gewald tuͤst in doran, noch ere ballin vfslohest.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
246, 25
(
nobd.
,
1406
):
von der tuche wegen, [...] die im auf dem Czehenden aufgeslagen und genomen sein worden.
Rwb
1, 941
;
Schwäb. Wb.
6, 1546
;
Schweiz. Id.
9, 362
.
13.
›etw. (z. B. ein Buch) aufschlagen, etw. (flügelartig Gebautes) öffnen, auffalten, aufklappen, aufschlagen‹;
aufschlagende tafel
›(Altar)tafel mit Seitenflügeln‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  6.
Wortbildungen
aufschlagtisch
›Klapptisch‹ (a. 1633: Preuss. Wb. (Z) 1, 255).

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 232, 2
(
nrddt.
,
1505
; Hs.
E. 16.
/
A. 17. Jh.
):
das Nymandt [...] soll kost und speyse nach keynerley in offenen und uffgeschlagenen fensteren vorkauffen.
Buch Weinsb.
2, 309, 42
(
rib.
,
1575
):
1 uffsclainde taifel mit olifarb mit den h. dri konink.
Apherdianus
63
(
Köln
1575
):
ein stull mit fuͤgen / das man zu sich auffschlahn moͤge / frawen predig stull.
Heidegger. Mythoscopia
63, 28
(
Zürich
1698
):
Er habe es [Buch] auffgeschlagen / nur einige Blick darein zuthun.
14.
›etw. stapeln, handelsfertig lagern, aufschichten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  2, .
Syntagmen:
erz / fisch / mist / wäsche, die habe, das gut a.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 119, 4
(
rib.
,
1. H. 15. Jh.
):
er leis gein schif af vur Kolen, also dat zu Bun mallich upsloch und vurten zu karen de wine nederwart.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 169, 15
(
schles.
,
1509
):
es soll auch keiner erz abmessen, es sey denn vorgewogen und aufgeschlagen, dass es der erzkäufer besichtigen könne.
Rwb
1, 938
;
Schwäb. Wb.
6, 1546
;
Schweiz. Id.
9, 360
.
15.
›den Preis für etw. erhöhen; einen Aufpreis für etw. nehmen; den Wertgehalt einer Münze erhöhen‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße: ›teurer werden, im Preis steigen (von Waren und Lohnarbeitern)‹.
Bedeutungsverwandte:
 1; zu letzterer Variante: ; vgl.  7.
Gegensätze:
(V.) 1516.
Syntagmen:
jm. die kost a.
;
j.
(z. B.
schuster / ziegler
)
mit etw.
(z. B.
schuhpletzen, ziegeln
)
a., j. mit dem geld a.
;
arbeiter / bauern / knechte a., dienst / frucht / getreide / holz / hüner / käse / korn / münze / speise / wein a.
;
fast a.

Belegblock:

Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 42, 5
(
hess.
,
1553
):
so der knecht uff- oder abslege uff dem marckt.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 293, 10
(
nobd.
,
1464
):
wann kesz und hoͤner uf- und abslagen.
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
85, 22
(
nürnb.
,
1464
/
75
):
nachdem die arbeitter aufschlagen, hab ich die auch nit neher mugen gehaben.
Ebd.
94, 9
:
wo die pauren [...] so sere auf slagen wolten und den kalck als teur achten.
Merk, Stadtr. Neuenb.
128, 15
(
nalem.
,
1616
):
sol er hernacher ihne nit ufschlagen noch teurer geben.
Koller, Ref. Siegmunds
305, 9
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
Die pischoff versetzent [...] ir insigel und slecht man yetz auff die insigel allweg.
Ebd.
347, 18
(Hs.
Basel
,
um 1440
):
Wenn man sleht einen güldin für ein pfund werung, so bestot er nit lang; man sleht uff oder ab.
Chron. Augsb.
2, 113, 23
/24 (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
also schluegen die barchattuech auf von geschau zu geschau und guldin schluegen auch auf von tag zu tag.
Ebd.
178, 26
:
da ward alle speis fast aufschlahen.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
157, 12
(
schwäb.
,
v. 1542
):
damit alle ding tewr und im aufschlag waren, do schlugen die schuster ach auf mit dem schuchpletzen.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 275, 2
;
Chron. Nürnb.
5, 635, 2
;
Chron. Augsb.
2, 219, 27
;
256, 9
;
Maaler
33r
;
385v
;
Rwb
1, 938
;
Pfälz. Wb.
1, 396
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
371
;
Schwäb. Wb.
1, 414
;
Schweiz. Id.
9, 361
;
Schirmer, Kaufmannsspr.
1911, 19
.
16.
›jm. etw. auferlegen, zur Pflicht machen‹; speziell: ›(jm.) eine Abgabeverpflichtung auferlegen; (Steuern) veranschlagen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5,  22, , ,  2.
Syntagmen:
jm. das predigen a.
;
losung / schatzung / steuer a.
Wortbildungen
aufschlager
4 (seit 1565: Rwb
1, 940
; dazu bdv.: , ),
aufschlaggeld
(eine Abgabe beim Salzverkauf),
aufschlahung
3.

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw.
29, 20
(
osächs.
,
1570
/
7
):
1 gr. [...] aufschlegegeld von jedem stuck.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 68, 34
(
1464
):
da ist aufgeslagen worden dem gnanten halben teyl nach inhalt des newen lantpuchs jerlich zwͤ geben 2 somerin korns.
Ebd., NF.
1, 87, 25
(
nobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
swer hoͤfman in dem hof ist [...], der sol kein steur noch bet geben, als oft man die aufsleht.
Winter, Nöst. Weist.
3, 368, 30
(
moobd.
,
1588
):
die [...] weingarten zu aufschlagung des diensts beim gruntpuech anzusagen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
189, 40
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
deßgleichen sollen [...] der billigkeit nach die steuer aufgeschlagen werten.
Rwb
1, 938
;
940
;
Schweiz. Id.
9, 366
.
17.
›etw. (Handlungen) aufschieben, hinter einen erwartbaren Zeitpunkt verlegen, etw. um eine bestimmte Zeiteinheit, auf einen genannten Zeitpunkt verschieben‹; im einzelnen mit sehr unterschiedlichem Sachbezug, z. B. ›(das Gericht o. ä.) ruhen lassen, vertagen‹ (dazu komplesem: ›das Gericht eröffnen, abhalten‹, 1 Beleg im Rwb, a.
1351,
und 2 Belegstellenangaben, a. 1429; 1448; 1 Beleg bei Grimm, s. u.); ›(die Auszahlung des Soldes) hinauszögern‹; ›Zahlungsaufschub nehmen‹ und konversosem dazu: ›jm. Zahlungsaufschub geben; etw. stunden‹; ›(einen Vertrag) fristen‹.
Phraseme:
einem etw. an die kreide a.
›etw. anschreiben‹.
Syntagmen
den eid / gottesdienst / handel / kriegszug / rat / sold / tag
(z. B.:
reichstag
),
die antwort / beichte / disputaz / einung / klage / rede / sache / bezalung, das gedinge / gericht / recht / urteil a., etw. a. unz auf [...], etw.
[eine Zeiteinheit, Akk.]
a.
; mit Verschiebung der Bezugsgröße:
das gericht
(Subj.)
a.
;
(jm.) die bezalung / ürte / zerung, den trunk / zol, das mal / zergeld a.
(meist konversosem belegt: ›Aufschub nehmen‹ und ›gewähren‹);
jm. mer als um
[einen Betrag]
a., jm. über
[einen Betrag]
a.
;
den wirten, bei dem müller a.
›bei den Wirten, beim Müller Zahlungsaufschub nehmen‹;
um ässige dinge a.
Wortbildungen:
aufschlahung
4.

Belegblock:

Chron. Mainz
1, 294, 25
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
wart solich gesatzter dag des orteils von dem nuen rade ufgeslagen bit zu ußgange der alden messe.
Ebd.
330, 7
:
daz ir solich antwort [...] zwen oder dri mende ofslagen wollent.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
73, 13
(
nobd.
,
1523
):
hat er [zentgrave] macht solchs [zentgericht] drey oder vier wochen aufzuschlagen.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
244, 12
(
Bamb.
1507
):
solt alssdann an derselbigen vnser Zent das vrteyl [...] ein viertel jars aufgeschlagen werden.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
199, 33
(
nobd.
,
n. 1525
):
warden die vertreg mit der versiglung zu verfertigen uffgeschlagen biß uff morgen.
Grimm, Weisth.
6, 34, 43
(
1409
):
mag ein amptman [...] das gericht uf slagen oder gericht haben wann er wil.
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz.
96, 17
(
alem.
,
um 1430
):
ward do der crützgang uffgeschlagen, wann es ze spat ward.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
17, 18
(
halem.
, Hs.
1498
):
wellicher dem andern sin gewunnen gelt uf dem spil wider sinen willen verzücht oder ufschlecht.
Ebd.
74, 22
(
1543
):
was also im spil ufgeschlagen oder man dem andern zuverspilen licht.
Welti, Stadtr. Bern
280, 13
(
halem.
,
n. 1437
):
das man die vsclegt soͤlte vffschlachen vntz darnach vff den neͣchsten samstage.
Ebd.
293, 13
:
das vnsren rat duͤchte [...], den tag vnd sache uff ze schlachenne sin.
Ebd.
423, 28
(
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
das froͤmbd hanndtwerckgsellen [...] vsß manngell vnnd vfschlachung des gerichtz [...] hinwaͤg zuͥchent.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
306, 18
(
halem.
,
1513
):
angesechen dz nun ze maͧl alle waͤltlichi grichti uffgeschlagen sindt.
Bächtold, N. Manuel. Zugabe N. Manuel
412, 665
(
Zürich
1523
/
6
):
hie nieman nüt ufschlat, | Es muͦss alls ligen blutt und bar!
Rieder, St. Georg. Pred.
136, 7
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Bihte sol nieman fristen noch uf schlahen von fúnf sachen.
Roder, Hugs Vill. Chron.
108, 22
(
önalem.
,
1525
):
wardt der tag 4 wochen uffgeschlagen zu beschriben, wo es den von Überlingen gelegen were.
Roder, Stadtr. Villingen
148, 33
(
önalem.
,
1573
):
den frembden und insonderheit den müllern nit mehr zoll aufschlachen und an die wandt schreiben.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 715, 6
(
schwäb.
,
um 1600
):
Eß sollen auch die würth keinem underthonen über 1 fl. nit borgen, deßgleichen auch kein underthon keinem würth weder inn noch ausserhalb der obrigkeit weiter nit uffschlagen bei straf es seie würth oder gast 1 ℔ heller.
Turmair
4, 451, 9
(
moobd.
,
1522
/
33
):
nachdem man in den solt verzoch und aufschlueg.
Chron. Mainz
1, 30, 20
;
376, 21
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 98
;
Kohler u. a., a. a. O.
240, 7
;
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz.
88, 20
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 37, 13
;
Bernoulli, Basler Chron.
4, 64, 22
;
5, 226, 4
;
Rennefahrt, Statut. Saanen
62, 28
;
Welti, Stadtr. Bern
119, 27
;
150, 16
;
293, 11
;
637, 5
;
Leisi, Thurg. UB
8, 380, 25
;
Maaler
33r
;
Schwartzenbach C iv; Q iijv;
Ulner
411
;
Golius
197
;
Haltaus
66
;
Rwb
1, 940
/1;
Schwäb. Wb.
1, 414
;
6, 1546
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
371
;
Schweiz. Id.
9, 366
;
367
;
371
.
18.
›jm. etw. vorenthalten, schuldig bleiben‹.
Bedeutungsverwandte:
 10,  2; vgl.  5.

Belegblock:

Löscher, Erzgeb. Bergr.
114, 4
(
omd.
,
1548
):
Wiewol es vermoͤge der ordnung unbillich, das man einigem berckarbeiter sein lohn aufschlage, so tregt sichs doch zuweilen zue.
Ermisch, Sächs. Bergr.
177, 8
(
osächs.
,
1509
):
doselbst sie [...] itzlichem arbeitter [...] seinn lon selber tzu handen reichen und keynem arbeitter sein lon uffslahen sall.
Vetter, Pred. Taulers
94, 24
(
els.
,
14. Jh.
):
wie unbegriffenlich sorglich menglich dem andern daz sine abebrichet in unrechten wisen und listen und ufslahende.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
590, 4
(
halem.
,
1619
):
Welcher uff der stuben ein ürti uffschlecht, der soll ein wortzeichen in die büchßen leggen.
Henisch
97
(
Augsb.
1616
):
Wann man trewen arbeiteren nichts abbricht / auffschlegt / oder abwessert / das macht sie lustig.
Veith, Bwb.
33
;
Schwäb. Wb.
6, 1546
.
19.
›etw. pfandrechtlich sicherstellen‹.
Bedeutungsverwandte:
, , .
Syntagmen:
das gut, die morgengabe a.

Belegblock:

Schweiz. Id.
9, 365
.
20.
›etw. (z. B. ein Gut) übergeben‹.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl.  1,  8.

Belegblock:

Rwb
1, 938
(a.
1461
;
1746
).
21.
›(eine Hochzeit) abhalten, feiern‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  3,  10.

Belegblock:

Rwb
1, 938
(
16. Jh.
);
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 255
.