aufenthalten,
V., unr. abl.
– Keine omd. Belege.
1.
›jn./etw. tragen, halten‹; auch ütr.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 46, 5
(
Köln
1583
):
Er, der den Himmel auffenthelt, | Jn Tuͤchern wird eingewickelt.
Vetter, Pred. Taulers
407, 7
(
els.
,
14. Jh.
):
enwere es das uns dise sulen nút ufenthieltent und hettent wir ir nút, es moͤhte uns vil úbel ergan.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
370
.
2.
›sich aufrecht, gerade halten‹.

Belegblock:

Lemmer, Brant. Narrensch.
66, 15
(
Basel
1494
):
Ob vnder vnsern fuͤssen lüt | Ouch sygen / oder do sy nüt | Vnd wie sie sich enthaltten vff | Das sie nit fallen jnn den lufft.
3.
›etw. festhalten, zurückhalten‹.

Belegblock:

Vetter, Pred. Taulers
291, 18
(
els.
,
1359
):
so ist da weder rieme noch ruͦder die das schif múgen uf enthalten.
4.
›etw. bewahren, aufrechterhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.

Belegblock:

Sachs
17, 220, 22
(
Nürnb.
1560
):
Ein nachkommen von meinem stammen, | der mir auffenthielt meinen namen.
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 120, 10
(
whalem.
,
1484
):
die unverdenklichen gnad, [...] nit allein zuͦ beharren, dann beharrlich ufzuͦenthalten.
Bachmann, Haimonsk.
241, 12
(
halem.
,
1530
):
Diewil man doch inn der torheyt sin will, so sol mann die uff enthalten.
5.
›jn. (auch: sich) ernähren, unterhalten, js. Lebensunterhalt bestreiten‹; offen zu 6.
Bedeutungsverwandte:
, , , ; vgl. ,  7.
Syntagmen:
den knaben, das kind / weib a.
;
sich der wurzen a.
Wortbildungen
aufenthaltnis
(dazu Synt.:
a. des cappelans
).

Belegblock:

Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
66, 150
(
pfälz.
,
M. 16. Jh.
):
damit ich aufenhalten wolt die freyen khnaben.
Bachmann, Haimonsk.
54, 11
(
halem.
,
1530
):
wann er mocht sich der wurtzen baß uffenthalten, dann die andren mit weyssen oder haber hettend mögen.
Chron. Augsb.
4, 168, 21
(
schwäb.
,
v. 1536
):
so offt ain mensch gesund wirdt, schencken sie [die herrn Fugger] im gelt darzuͦ, damit sie sich nach der ertznei dasderbaß migen auffenthalten und nit wider umfallen.
Ebd.
223, 12
:
so sie doch, mit der glaubiger guͦt auffenthalten, vil pomp [...] getriben.
Ruh, Bonaventura
334, 17
;
Chron. Augsb.
4, 236, 22
;
Schöpper
2a
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
369
;
Schweiz. Id.
2, 1230
.
6.
›jn. beherbergen; jm. (gegen die Ordnung oder sonstige Normen) Unterkunft, Zuflucht, Unterschlupf gewähren‹; refl.: ›sich aufhalten‹. Die Gewährung von Unterschlupf an Gesetzesbrüchige war Gegenstand rechtlicher Verbote.
Wmd./Wobd.
Bedeutungsverwandte:
 3, , , ; vgl.  1.
Syntagmen
jn.
(neutral:
den bürger, jüngling, das volk
; negativ beurteilend:
den dieb / feind / eidbrüchigen / gotteslästerer / wiederwärtigen / zigeuner
)
a.
;
sich in einem land, in einer feste, bei jm. a.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
3, 40, 23
(
Frankf.
1557
):
Da ward der Juͤngling auffenthalten | Viel Jar von seim Vatter, dem alten.
Bachmann, Haimonsk.
58, 18
(
halem.
,
1530
):
das ir kein richen nach armmen mann fundend, der sich yetzmăl nŭt inn vestinnen uffenthalte.
Welti, Stadtr. Bern
647, 21
(
halem.
,
1539
):
Waͤr die eydbrüchigen vffennthaltet.
Chron. Augsb.
4, 422, 10
(
schwäb.
, zu
1495
):
in demselben haus auffenthielt man das arm folck mit den platteren [...]. gab man [inen] uͦmb gotzwillen zuͦ essen und zuͦ leben.
Ebd.
5, 229, 12
(
1523
/
7
):
er kam her gen Augspurg, der Jacob Fuͦgger auffenthielt in.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
162, 17
(
Ulm
1486
):
Die Thais was nit unwissend der buͦlschafft. dann sie den jüngling nit allain auf / enthielt. sunder berüefft in auch in das hauß da die Junckfraw was das er dester gieriger wurd.
Turmair
5, 60, 8
(
moobd.
,
1522
/
33
):
muest sich herzog Thessel zu Metz bei dem jungen künig Hildenprecht aufenthalten.
Spanier, Murner. Narrenb.
4, 155
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
1, 149,
Var. 39;
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 46, 18
;
334, 7
;
Bachmann, Haimonsk.
74, 32
;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 3, 36
;
141, 22
;
Meisen u. a., J. Eck
58, 16
;
Chron. Augsb.
2, 310, 10
;
5, 96, 9
;
7, 492, 40
;
Maaler
31v
.
7.
›jn./etw. erhalten, am Leben, in seiner spezifischen Existenz halten‹; refl.: ›sich erhalten, retten‹; offen zu 8.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  6.

Belegblock:

Mayer, Folz. Meisterl.
19, 51
(
nobd.
,
v. 1496
):
Do von die frucht zu stunden | In muter leib beweglich wirt | Und suͦcht die narung zu seinn auffenthallten | In weslikeyt zu pleiben.
Bihlmeyer, Seuse
177, 5
(
alem.
,
14. Jh.
):
so muͦss daz namlos goͤtlich wesen in sich selb ein allichs wesen sin, daz ellú zerteiltú wesen ufenthaltend ist mit siner gegenwúrtikait.
Ebd.
216, 14
:
daz [rehlin] siner muͦter hat vermisset, und daz in einem starken gejegde ist und mit flúhtigen wenken sich uf enthaltet.
Strauch, Schürebrand
27, 28
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz úch got in uwern jungen tagen so gar vetterliche het vürkomen und ufenthalten und behuͦtet.
Fuchs, Murner. Geuchmat
1351
(
Basel
1519
):
Ein yede geuchin weiß den list, | Wo mit ir gouch zuͦ spysen ist, | Wo mit sy jn lang vff enthalt | Mit gouch spiß.
Päpke, Marienl. Wernher
10735
(
halem.
,
v. 1382
):
Der [Got] si [Maria] doch als uffenthielt | Inallem jamer das ir wielt.
Guth, Gr. Alex.
5809
(Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Der alle dise werlt on allen wank Geschaffen hat und aufenthalt.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
11, 8
(
München
1528
):
Wie auch leibliche speis dem leib muoes zimlich vnd gelegen sein, daz er dadurch in seinn krefften awfennthallten müg werden.
Sachs
16, 367, 34
;
Bihlmeyer, a. a. O.
95, 28
;
Strauch, a. a. O.
26, 10
;
Barack, Teufels Netz
13454
;
Chron. Augsb.
4, 2, 3
;
4, 116,
Var. zu Z. 10;
Löffler, Columella/Österreicher
1, 48, 14
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
370
.
8.
›etw./jn. aufrechterhalten; jn. stützen, trösten, jm. Mut geben‹.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
161, 527
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
herr, was sol mich ermuten und | mich auf enthalten, wan mich stund | und czeit verlanget harte.
Goedeke u. a., Liederb.
138, 20
(
Nürnb.
1569
):
durch dein gestalt | mich aufenthalt! | o wein, o wein, | du freust mir das herze mein.
Menge, Laufenb. Reg.
4136
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Suͦch muͦt so du betrübet bist | Das uffenthalt dich manig frist.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 64, 18
(
halem.
,
n. 1529
):
Ir gewonheit ist, kein fule noch boͤse ansprach zu ufenthalten.
Bihlmeyer, Seuse
313, 5
;
Bad. Wb.
1, 80
.
9.
›sich militärisch halten, sich der Feinde erwehren‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  11,  24.

Belegblock:

Chron. Nürnb.
1, 146, 20
(
nobd.
,
1388
):
daz wir die vorgenanten stete beschuten und uns auch selber unser veind uffenthalten und derweren.
Bernoulli, Basler Chron.
5, 525, 19
(
alem.
,
1477
):
so hetten sich die in der statt doch nit lenger moͤgen uffenthalten dann den selben tag.
Bachmann, Haimonsk.
58, 35
(
halem.
,
1530
):
das ir ŭch möchtend erlichen uffenthalten.
10.
›jn. aufhalten, hinhalten; etw. hinausschieben, verzögern‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  18.

Belegblock:

Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 33, 23
(
whalem.
,
1484
):
das ouch von langem ufenthalten vil gesechen ist, die viend inmass dadurch gesterkt worden sin.
Ebd.
74, 18
:
Si wurden alweg mit guͦten worten ufenthalten und abgewiset.
Bachmann, Haimonsk.
201, 19
(
halem.
,
1530
):
so will ich Karly engegen rytten und inn uffenthalten, daz ir diewil gen Muntabant mögend kommen.
Rwb
1, 860
;
Schweiz. Id.
2, 1230
.
11.
›sich e. S. enthalten; gegen etw. (z. B. Tränen) standhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  25.

Belegblock:

Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
101, 16
(
tir.
,
1464
):
da mocht er sich nicht auf enthaltten von den zähern vnd traurikhait.
Ebd.
95, 6
.