aufenthalten,
V., unr. abl.
– Keine omd. Belege.
1.
›jn./etw. tragen, halten‹; auch ütr.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1583
):
Er, der den Himmel auffenthelt, | Jn Tuͤchern wird eingewickelt.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
14. Jh.
):
enwere es das uns dise sulen nút ufenthieltent und hettent wir ir nút, es moͤhte uns vil úbel ergan.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
2.
›sich aufrecht, gerade halten‹.

Belegblock:

Lemmer, Brant. Narrensch.
66, 15
(
Basel
1494
):
Ob vnder vnsern fuͤssen lüt | Ouch sygen / oder do sy nüt | Vnd wie sie sich enthaltten vff | Das sie nit fallen jnn den lufft.
3.
›etw. festhalten, zurückhalten‹.

Belegblock:

Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
so ist da weder rieme noch ruͦder die das schif múgen uf enthalten.
4.
›etw. bewahren, aufrechterhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.

Belegblock:

Sachs (
Nürnb.
1560
):
Ein nachkommen von meinem stammen, | der mir auffenthielt meinen namen.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
die unverdenklichen gnad, [...] nit allein zuͦ beharren, dann beharrlich ufzuͦenthalten.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
Diewil man doch inn der torheyt sin will, so sol mann die uff enthalten.
5.
›jn. (auch: sich) ernähren, unterhalten, js. Lebensunterhalt bestreiten‹; offen zu 6.
Bedeutungsverwandte:
 23, , , ; vgl. ,  7.
Syntagmen:
den knaben, das kind / weib a.
;
sich der wurzen a.
Wortbildungen
aufenthaltnis
(dazu Synt.:
a. des cappelans
).

Belegblock:

Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. (
pfälz.
,
M. 16. Jh.
):
damit ich aufenhalten wolt die freyen khnaben.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
wann er mocht sich der wurtzen baß uffenthalten, dann die andren mit weyssen oder haber hettend mögen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
v. 1536
):
so offt ain mensch gesund wirdt, schencken sie [die herrn Fugger] im gelt darzuͦ, damit sie sich nach der ertznei dasderbaß migen auffenthalten und nit wider umfallen.
so sie doch, mit der glaubiger guͦt auffenthalten, vil pomp [...] getriben.
Ruh, Bonaventura
334, 17
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
6.
›jn. beherbergen; jm. (gegen die Ordnung oder sonstige Normen) Unterkunft, Zuflucht, Unterschlupf gewähren‹; refl.: ›sich aufhalten‹. Die Gewährung von Unterschlupf an Gesetzesbrüchige war Gegenstand rechtlicher Verbote.
Wmd./Wobd.
Bedeutungsverwandte:
 3, , , ; vgl.  1.
Syntagmen
jn.
(neutral:
den bürger, jüngling, das volk
; negativ beurteilend:
den dieb / feind / eidbrüchigen / gotteslästerer / wiederwärtigen / zigeuner
)
a.
;
sich in einem land, in einer feste, bei jm. a.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Da ward der Juͤngling auffenthalten | Viel Jar von seim Vatter, dem alten.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
das ir kein richen nach armmen mann fundend, der sich yetzmăl nŭt inn vestinnen uffenthalte.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1539
):
Waͤr die eydbrüchigen vffennthaltet.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1495
):
in demselben haus auffenthielt man das arm folck mit den platteren [...]. gab man [inen] uͦmb gotzwillen zuͦ essen und zuͦ leben.
Ebd. (
1523
/
7
):
er kam her gen Augspurg, der Jacob Fuͦgger auffenthielt in.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
Die Thais was nit unwissend der buͦlschafft. dann sie den jüngling nit allain auf / enthielt. sunder berüefft in auch in das hauß da die Junckfraw was das er dester gieriger wurd.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
muest sich herzog Thessel zu Metz bei dem jungen künig Hildenprecht aufenthalten.
Spanier, Murner. Narrenb.
4, 155
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel 1, 149, Var.
39
;
V. Anshelm. Berner Chron. ; ;
Bachmann, Haimonsk. ;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. ; ;
Meisen u. a., J. Eck
58, 16
;
7.
›jn./etw. erhalten, am Leben, in seiner spezifischen Existenz halten‹; refl.: ›sich erhalten, retten‹; offen zu 8.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  6.

Belegblock:

Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Do von die frucht zu stunden | In muter leib beweglich wirt | Und suͦcht die narung zu seinn auffenthallten | In weslikeyt zu pleiben.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
so muͦss daz namlos goͤtlich wesen in sich selb ein allichs wesen sin, daz ellú zerteiltú wesen ufenthaltend ist mit siner gegenwúrtikait.
daz [rehlin] siner muͦter hat vermisset, und daz in einem starken gejegde ist und mit flúhtigen wenken sich uf enthaltet.
Strauch, Schürebrand (
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz úch got in uwern jungen tagen so gar vetterliche het vürkomen und ufenthalten und behuͦtet.
Fuchs, Murner. Geuchmat
1351
(
Basel
1519
):
Ein yede geuchin weiß den list, | Wo mit ir gouch zuͦ spysen ist, | Wo mit sy jn lang vff enthalt | Mit gouch spiß.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Der [Got] si [Maria] doch als uffenthielt | Inallem jamer das ir wielt.
Guth, Gr. Alex. (Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Der alle dise werlt on allen wank Geschaffen hat und aufenthalt.
Reithmeier, B. v. Chiemsee (
München
1528
):
Wie auch leibliche speis dem leib muoes zimlich vnd gelegen sein, daz er dadurch in seinn krefften awfennthallten müg werden.
Bihlmeyer, a. a. O. ;
Strauch, a. a. O. ;
Barack, Teufels Netz ;
Chron. Augsb. ; Var. zu Z. 10;
Löffler, Columella/Österreicher ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
8.
›etw./jn. aufrechterhalten; jn. stützen, trösten, jm. Mut geben‹.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
161, 527
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
herr, was sol mich ermuten und | mich auf enthalten, wan mich stund | und czeit verlanget harte.
Goedeke u. a., Liederb. (
Nürnb.
1569
):
durch dein gestalt | mich aufenthalt! | o wein, o wein, | du freust mir das herze mein.
Menge, Laufenb. Reg.
4136
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Suͦch muͦt so du betrübet bist | Das uffenthalt dich manig frist.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Ir gewonheit ist, kein fule noch boͤse ansprach zu ufenthalten.
Bihlmeyer, Seuse ;
Bad. Wb.
1, 80
.
9.
›sich militärisch halten, sich der Feinde erwehren‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  11,  24.

Belegblock:

Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1388
):
daz wir die vorgenanten stete beschuten und uns auch selber unser veind uffenthalten und derweren.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1477
):
so hetten sich die in der statt doch nit lenger moͤgen uffenthalten dann den selben tag.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
das ir ŭch möchtend erlichen uffenthalten.
10.
›jn. aufhalten, hinhalten; etw. hinausschieben, verzögern‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  18.

Belegblock:

Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
das ouch von langem ufenthalten vil gesechen ist, die viend inmass dadurch gesterkt worden sin.
Si wurden alweg mit guͦten worten ufenthalten und abgewiset.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
so will ich Karly engegen rytten und inn uffenthalten, daz ir diewil gen Muntabant mögend kommen.
11.
›sich e. S. enthalten; gegen etw. (z. B. Tränen) standhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  25.

Belegblock:

Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
101, 16
(
tir.
,
1464
):
da mocht er sich nicht auf enthaltten von den zähern vnd traurikhait.
Ebd.
95, 6
.