gericht
I
das
;
(e)s/-e
, auch
und (vereinzelt:)
-er
 ;
Adjektivabstractum zu
gerecht
›gerade‹ (Kluge/S.
2002, 348
). - Vgl. mit reichhaltigem Belegmaterial, teilweise mit je eigener Bedeutungsgliederung und mit zugehöriger, teils umfänglicher Wortbildungsstrecke generell auch: Rwb
4, 299-315
; Hrg
1, 1539
 f.; Schweiz. Id.
6, 325-343
; Schwäb. Wb.
3, 407-411
; Dwb
4, 1, 2, 3637-3650
; Dietz, Wb. Luther
2, 85-86
.
1.
›Recht als Gesamtheit der Setzungen, die religiös und/oder durch Herrschaftssysteme begründet sind, die als in Übereinstimmung mit
gerechtigkeit
1 empfunden werden und denen gesellschaftliche Geltung zukommt; Rechtssystem, Rechtsordnung; einzelner Rechtssatz; Gerechtigkeit als übergeschichtlich gedachte Größe‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, , teils im Orientierungsfeld von
1
 1 ›Glaubensinhalt‹,  3.
Syntagmen:
das g. angehen
›betreffen‹
/ verfüren
›verfälschen‹
/ verkaufen, die welt (kein) g. haben, jm. g. versagen
;
jn. begnügt (nicht) des gerichtes
;
etw
. (z. B.
geschwätzigkeit
)
gegen g. gerichtet (sein), etw. durch g. tun
;
gewonheit des gerichtes
.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
209a, 3
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
PAffen vnde geistlich luͤte, de nicht nach ireme ger  ͤichte geschoren ne sint.
Jahr, H. v. Mügeln
2009
(
omd.
, Hs.
1463
):
die werlde hette kein gericht, | wo das nicht fride wer geticht.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
440, 16
(
osächs.
,
1523
/
4
):
das mir die hulfen geweldigen und bestetigen zu recht von gerichts wegen die, die mir mit gewalt furgingen.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
23, 17
(
Straßb.
1650
):
müsse man alles dieses sein Geschwätz, so wider Gericht vnd Gerechtigkeit gerichtet, auch glauben.
Qu. Schweiz. Gesch.
1, 131, 15
(
halem.
,
1470
):
so haltends darfür, ich hab es [hus] der statt gestolen und vom gmeinen mann mit gricht und grecht verkoufen erschunten.
Ebd.
181, 9
:
Hat doch ie ein mann torechtere, widerwertigere und ungerechtere [...] urteil von einem richter, so gricht und recht verfuͤren sol, ie ghoͤrt, dann üwer schultheis hüt hat tan?
Welti, Stadtr. Bern
266, 12
;
Wyss, Luz. Ostersp.
2539
;
Memminger Chron. Beschr.
23, 4
;
Schweiz. Id.
6, 325
.
Vgl. ferner s. v.  7,  2.
2.
›in der Hand von Territorialherren, Grundherrschaften, Städten, Kirchen oder ihren Institutionen liegendes (auch an
bürger
) delegierbares Recht der Ausübung von Rechtsschutz, Gerichtsbarkeit, Gerichtsgewalt‹; auch: ›Herrschaft über ein bestimmtes Gericht; Gerichtsbarkeit über ein Gut‹; ˹dazu ütr.: ›Herrschaft über das Meer‹˺; als Metonymie: ›mit der Gerichtsbarkeit eng verbundene und davon kaum trennbare Einnahmen, Gefälle‹.
Beleghäufung für Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
(
das
136, , (
der
4,  4,
2
 5,  2, , , ,  3, , , ; zur Metonymie:
1
 45, , (
das
4,  2,  10, (
die
2,  5,  12,  1, .
Syntagmen:
g. niessen / haben, g. auf einem gut, über hals und hand, leib und gut haben, gerichte in einer stat haben, das g. begeren / schwächen / verlieren, sich das g. vorbehalten, der babst / keiser / könig das g. abnemen
›die Gerichtsbarkeit in eigene Hände nehmen‹,
got das g. in des menschen hand setzen, jm
. (z. B.
dem cardinal
 )
ein / das g. befelhen / confirmieren / verkaufen / verleihen / vorbeheben / weisen
;
das g
. (Subj.)
eines herren sein, an einer macht stehen
;
des gerichtes pflegen, sich des gerichtes unterwinden
;
jn. mit g. belehenen, mit dem hohen g. in das niedere greifen, dem rat im g. eintrag / verhinderung
›Rechtsschmälerung‹
tun, jm. verkürzung in sein g. tun
;
das niederste / mitlere / hohe / oberste / peinliche g
.;
das g. über hals und hand, über das blut, über das blutvergiessen
;
der herre des gerichtes
;
genies von g
.
Wortbildungen:
gerichtlehen
,
gerichtfreiheit
›Gerichtsbarkeit als Privileg‹,
gerichtgang
›Gerichtsbarkeit‹ (a. 1500),
gerichtsgewalt
,
gerichtskreuz
›Kreuz als Zeichen der Gerichtsbarkeit und als Grenzmarke‹ (mit letzterem zu 6; a. 1474),
gerichtslauf
1 ›Gerichtsbarkeit‹,
gerichtsfrau
›Inhaberin der Gerichtsgewalt‹ (a. 1498).

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
336, 23
(
preuß.
,
1446
):
summa summarum von den 5 stetin kretczschmeczinsz, gerichte, weszengeld, obermosze und pfluggeld 220 m.
Toeppen, Ständetage Preußen
4, 414, 30
(
preuß.
,
1454
):
Item begeren wir alle gerichte bynnen und bawssen iglicher stat freyheit und grenitczen [...], und das wir wilkoren setczen und abethun mogen noch irkentnisz ane ymands anders czuthun.
Ebd.
5, 513, 9
(
1508
):
wo ymandt kompt, dem vorkortzung und eynfell in seyn gericht wider recht gschehenn, [...], dem wellenn wir noch billickeit zw ablegung seyner beschwerung helffen.
Luther, WA
19, 641, 11
(
1526
):
das die Denen und Lübeker sind zugefaren als richter und uber herrn des Königes [...], Damit sich des gerichts und der rache unterwunden.
Große, Schwabensp.
45a, 29
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
da namen abe de pauese, keyser vnde konige ir gerichte.
Helbig, Qu. Wirtsch.
4, 69, 17
(
md.
,
1339
):
waz ouch genizes von lihunge, von gerichte, von czollen [...] geuellit.
Dat nuwe Boych
428, 23
(
rib.
,
1396
):
do gesan der selue Ertzebusschof van yn, dat sij yme wijsen [...] weulden syne Rechte, hierlicheide vnd gerichte zo Coelne.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
753
(
pfälz.
,
1436
):
dann der almechtig barmhertzig got hat sin geriecht gesetzt jn des menschen hant.
Grimm, Weisth.
3, 394, 39
(
hess.
,
1457
):
sie weisen ihme auch zu den gerichtslauf, alle busse und brüche an und in demselben gericht.
Behrend, Magd. Fragen
3, 27
(
omd.
,
um 1400
):
bekennet her [richter] des
[ein Rechtsversäumnis],
so hat her wedir synen eid getan unde wedir recht und hat das gerichte vorlorn unde sal keyn richter me syn.
Ebd.
49, 6
:
Eyn burger, der gerichte und voyteie hat in uwir stat, mag wol [...] ander narunge triben, der mag man ym nicht geweren, dorumb das her das gerichte hat.
Hertel, UB Magdeb.
3, 504, 20
(
nd.
/
omd.
,
1494
):
hat dennach oben gnanther unser [...] ertzbisschoff nicht untirlassen, bemeltem rathe in vorgnanthe ubirste blut- und pynliche gherichte und durch seyner f. g. mulnvogt intrag und vorhynderung zu thun.
Jahr, H. v. Mügeln
114
(
omd.
, Hs.
1463
):
das an den keiser wart gelan, | sint im got und naturen ticht | der erden und des mers gericht | gap.
Ermisch, Freib. Stadtr.
253, 4
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
so haben di burger di zwelf geswornen in di hoiste unde die groziste gewalt unde gerichte, ich meine di burger di zwelf geswornen in Vriberg, daz sie sullen unde mugen setcen unde heizen unde gebieten allez, daz si wizzen unde daz si dunket gut unde nutze sin der stat.
Ders., Sächs. Bergr.
68, 13
(
osächs.
,
E. 15. Jh.
):
Das gerichte umbe solche sache steeth ann furstlicher macht.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
243, 1
(
osächs.
,
1523
/
4
):
Das Hans von Brandenstein auf seim (dorf), do er auch gericht hat uber hals und hand, ein wolfsgrube gemacht.
Ebd.
554, 13
:
sein voigt oder richter, do er und sie von seintwegen gericht haben und richten nach landrechten.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
154, 8
(
schles.
,
1350
):
daz ich habe vorkouft [...] deme Erb’n manne Nickel [...] daz vorwerk Thomicz [...] mit czehn hufen, [...], mit aller herschaft, mit allē nucze, [...], mit gartenczinse, mit aller fruchberkeyt, mit deme obirsten gerichte, obir hals vnd obir hant czu richten, vnd ouch mit deme nedirsten gerichte vnd vri ane dinst.
Voc. Teut.-Lat.
lviijv
(
Nürnb.
1482
):
Gerichtsgewalt od’ gewalt zurichte͂ iurisdictõ e͂ ptãs iudicãdi.
Koller, Ref. Siegmunds
296, 18
(Hs.
um 1474
):
daz gebieten wir bey beraübüng der gericht freyheyt.
Maag u. a., Habsb. Urbar
2, 1, 444, 4
(
alem.
,
1361
):
es hât enpfangen Wernli truchsetz von Rinfelden [...] ze Nidern-Swetstatt 4 ½ mark geltes, twing, benne und die kleinen gericht in dem selben dorf.
Geier, Stadtr. Überl.
131, 15
(
nalem.
,
1456
):
als si vermainen, inen mit den hohen gerichten in ire niedern gericht griffen hab witer, denn im zuͦ tuͦnd gepuͤre.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
284, 6
(
halem.
,
1391
):
alz ich [Rudolf v. Arburg] den banne und vogtye dez gerichtlehens, das bluͦtregen gibt, enpfangen habe von minem herren, dem Roͤmschen kuͤnge, den selben banne dez gerichtlehens, so gät uͥber moͤnschlich bluͦt vergiessen, verlihe ich sunderbar dem ... her Otten von Buͦbenberg, schultheisen, in der herschafte mit dem swert ze richten.
Ders., Statut. Saanen
196, 29
(
halem.
,
1571
):
so behalten wir uns aber ouch heyter vor, [...], hoch und nider herrschafft (darin das malefiz vergriffen), gricht, twing und ban und alle herlichkeit der souverainitet und oberlandtsherschung.
Müller, Grafsch. Hohenb.
1, 3, 7
(
schwäb.
,
1392
/
4
):
von stewern, zinsphennigen, ungelten, gerichten und vellen 822 lb.
Henisch
1515
(
Augsb.
1616
):
mit gericht vnd recht belehnet.
Klein, Oswald
112, 295
(
oobd.
,
1438
):
wem man bevilcht lant oder leut, | ampt, pfleg, gericht und desgeleich, | zu straffen, richten arm und reich, | der sol sich halten in dem schein, | das er unstrëflich mug gesein.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
191, 19
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Das gericht bevalch der pabst dem cardinal Ursino und dem cardinal von Venedig, die sach [...] zu entschaiden.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
54, 5
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
Auch habent mein herrn auf irem guet gancz gericht.
Ziesemer, a. a. O.
423, 2
;
Luther, WA
19, 652, 10
;
Helbig, Qu. Wirtsch.
4, 78, 36
;
Koller, Reichsreg. Albr. II.
28, 14
;
51, 16
;
231, 5
 f.;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
185, 14
;
Ermisch, a. a. O.
34, 1
;
37, 1
;
39, 1
;
Kisch, a. a. O.
216, 12
;
546, 1
;
Bindewald, a. a. O.
163, 10
;
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 175, 2
;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
79, 15
;
135, 12
;
Rennefahrt, Stadtr. Bern
235, 11
;
399, 3
;
ders., Recht Laupen
88, 27
;
91, 34
;
ders., Gebiet Bern
812, 16
;
ders., Statut. Saanen
178, 23
;
Thiel u. a., Urk. Münchsm.
226, 15
;
Bretholz, a. a. O.
55, 29
;
Schwäb. Wb.
3, 412
 f.;
6, 2014
.
3.
›Rechtsprechung, Handhabung, Pflege des Rechtes; Verurteilung‹; offen zu 5; 6; im Unterschied zu 1 mit Betonung der Handhabung des Rechtes, im Vergleich zu 5 bezogen auf die Gesamtheit der Rechtsprechungspraxis.
Bedeutungsverwandte:
 2,  6, ; vgl. .
Syntagmen:
g. halten / tun / hindern / versäumen, das g. handhaben / üben / volfüren
;
das g
. (Subj.)
wachsen
›gedeihen‹,
sich aufen / meren, ein fürnemes werk sein, den könig kleiden
;
des gerichtes pflegen
;
in g. mit vernunft regieren, mit dem g. jn
. (z. B.
schädliche leute
)
vertreiben, von dem g. verscheiden sein, zu g
. ›zur Verurteilung‹
stehen
;
das geistliche / gute / rechte / starke g
.;
die ausrichtung des gerichtes
;
die finstere im g
.
Wortbildungen:
gerichtsrecht
1.

Belegblock:

Luther, WA
21, 369, 5
(
1544
):
sagt er, Er werde weiter die Welt straffen umb das Gerichte. Das ist wol auch etwas frembd und finster geredt in unsern Ohren, die wir der Ebreischen Sprache nicht gewonet sind, in dem wort Gerichte, Welches heisst nicht anders, denn (wie wir auch davon reden) da man handelt und urteilet zwischen zweierley streitigen parten, welches recht oder unrecht habe, Und fasset zu gleich die beide stuͤck, welche muͤssen allzeit im Gerichtshandel sein, Gnade und Zorn, oder Huͤlffe und Straffe.
Große, Schwabensp.
220a, 21
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
daz ist da von, daz se [echteren] von allem cristenlichem ger
e
ichte vorsceiden sint.
Hilliger, Urb. St. Pantaleon
310, 34
(
rib.
,
1456
):
as gerichtsreicht ind gewoende is.
Lau, Qu. Neuß
84, 34
(
rib.
,
1373
):
dat unse scheffene ... unse gyerichte lange zijt her gehyndert ind versumet hand.
Gerhard, Hist. alde e
4641
(
omd.
,
um 1340
):
Man ubte da daz gerichte | Um allerhande geschichte.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
46, 14
(
thür.
,
1421
):
Romulus [...] nante die altherren; die sulden dem volke unde der stat vorstehn unde radt unde gerichte thun.
Valli, Baldemann
478
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Hie vor ein keiser was vormunt | Des richis und pflag nichtis | Denn rechtis und rechtis gerichtis.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
46
(
Nürnb.
1517
):
Aus Adam wirdet uns angeborn ein lieb gegen uns, ein eigennützige lieb, ein krüme in der wale, ein tunkle finstere im gericht.
Päpke, Marienl. Wernher
11382
(
halem.
,
v. 1382
):
Do Ihesus vor geschlagen was | Und an der sul vor Pylato stuͦnd | Zegerichte.
Sappler, H. Kaufringer
20, 154
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
das haissent rechte gericht, | der vorsprech ist frumm und guot. | ob er das durch gott nun tuot | und umb kainen alevanz.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
202, 9
(
oobd.
,
1349
/
50
):
die vesten rihter, die mit irem starken geriht die schedleichen läut vertreibent.
Roth, E. v. Wildenberg
117, 3
(
moobd.
,
v. 1493
):
do nu konig Ludbig zuͦ rue kam und das reich allein hett, do hielt er guͦte gericht.
Schmidt, St. Kastorst.
2, 467, 12
;
Dietrich. Summaria
30v, 14
;
Behrend, Spangenb. Anbindbr.
15, 81
;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
109, 26
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
40b, 32
.
Vgl. ferner s. v. (V.),  2.
4.
›Gericht, zur Sicherung des Rechts von Städten, Grundherrschaften, Lehnsherren eingesetztes, hierarchisch gegliedertes Organ der geistlichen und weltlichen Gerichtsbarkeit, Instanz des Rechtssystems und der rechtsnahen Verwaltung, Behörde, Institution der Rechtsprechung‹; tropisch in kaum trennbarer Weise und mit unterschiedlicher Deutlichkeit auch die Personen, speziell das Richtergremium und den Rechtsvollzug mitmeinend; offen zu verschiedenen anderen Bedeutungen, insbesondere zu ›Rechtsprechung‹ (vgl. 3), ›Gerichtsverhandlung‹ (vgl. 5); auch räumliche Vorstellungen (vgl. die Präpositionalgruppen
am / vor, zu dem gericht
) spielen bei der hier angesprochenen Verwendung mit, obwohl die Instanz nicht an ein Gebäude gebunden sein mußte. Als Metonymie hier anschließbar: ›Amtsgeräte, -utensilien des Richters‹.
Überwiegend Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
mit gerichtes hand(en), von gerichtes wegen, in gerichtes weise
jeweils ›gerichtlich, auf gerichtlichem Wege‹;
mit / vor gerichte oder ane gerichte
(o. ä.) ›auf gerichtliche oder außergerichtliche Weise‹;
das heimliche / westfälische gericht
›(westfälisches) Femegericht‹.
Bedeutungsverwandte:
2
 12, (s. v.  13), , .
Syntagmen:
das g. anrufen / antreten / beklagen / (be)setzen / entsetzen / erneuern
›neu besetzen‹
/ besitzen
›den Vorsitz führen‹
/ falschen
›als ungerecht schmähen‹
/ füren / halten / hegen / muten / suchen, ein g. haben / leiden
›anrufen‹
/ schaffen, über etw. setzen, dem richter das g
. ›Utensilien‹ (Metonymie)
nach hause tragen
;
das g
. (Subj.)
schweren / voran gehen / sitzen bleiben / versammelt sein, jn. berechten / bestellen / vergelübden, jm. die appellation abbekennen, jn
. (z. B.
den ausländischen
)
zu einem inwoner annemen, jn
. (z. B.
den ehebrecher
)
mit namen nennen
;
sich des gerichtes unterwinden / verzeihen / weren
;
dem g. antworten, etw. beweisen, etw. verfallen sein, etw. vergeben
›vorenthalten‹
/ abziehen, etw
. (z. B.
wein
)
geben, dem g. jn. antworten, zu richter setzen
;
am g. rechten / richten / sitzen, mit jm. an einem g. kriegen, sich an ein g. berufen, etw
. (z. B.
eine frist
)
an dem g. stehen, an dem g. einen rechtspruch tun, etw. an / vor das g. brengen, jn. an das g. kiesen, jn. auf ein g. laden, etw. auf dem g. pfänden, nicht viel auf ein g. achten, sich für g. schützen, e. S. gegen dem g. abtragen, in einem g. antworten, jn. in das g. ziehen, im g. angreifen / ansprechen / verklagen, etw. mit g. angreifen / antasten, jn. mit g. bannen / bekümmern / umtreiben, sich mit dem g. abdingen, sich e. S
. (z. B.
eines gutes
)
mit g. unterwinden, jn. mit g. nemen, j. unter ein g. gehören, unter einem g. gelegen sein
›einem Gericht unterstehen‹,
von dem g. ein urteil holen, vor (dem) g. erscheinen / klagen / prokurieren / schweren / stehen, vor (das) g. kommen / treten, jn. vor das g. brengen / eischen / füren / laden / stellen / ziehen, jn. vor einem g. fürnemen, jn
. (z. B.
die armen
)
vor dem g. hören, jn
. (z. B.
den son
)
vor g. ausziehen, jn. vor g. (e. S
., Gen.)
beklagen / beschuldigen / beschweren, jn. vor g. für ächter ausrufen, etw
. (z. B.
die sache
)
vor g. nemen, etw
. (z. B.
das haus
)
vor dem g. anlangen, vor dem g. etw. aufgeben, aus der hand geben, vor dem g. etw
. (z. B.
die schuld
 )
bekennen, jm. etw. vor (dem) g. angewinnen / auflassen / verkaufen, für ein g. gehen, jn. für ein g. bringen / füren / laden / verklagen, etw
. (z. B.
eine sache
)
für das g. schlagen / tragen / weisen, jm. für g. gebieten, sich wieder
(›gegen‹)
das g. setzen, jn
. (z. B.
den erzbischof
 )
zum g. setzen
›das Gericht mit jm. besetzen‹,
zu g. sitzen, zu einem g. gehören, jn. zu g. erfordern / erwälen
;
das äussere / auswendige / eigene / fremde / freie
›aus Freien bestehende‹
/ geistliche / werltliche / gute / heimliche / hohe / niedere / obere / offene / ordenliche / peinliche g
.;
das g. des bistums, der stat
;
das g. zu Laudenbach, über das blut
;
der freibote / fronbote / richter / stab, die erkentnis / gewonheit / verwaltung, das buch / gezeugnis / insiegel, die geschworenen / schöffen des gerichtes
;
die obersten am g., der brief an das g., der fürspreche aus dem g., der stab im g., die ladung in das g., die fürheischung für das g
.
Wortbildungen:
gerichtlich
1. ›dem Gericht zustehend‹; 2. ›vor Gericht, auf dem Rechtsweg‹; 3. ›zum Gericht gehörig (von Utensilien)‹,
gerichtmas
›vom Gericht festgelegtes Maß‹,
gerichtsbesetzung
,
gerichtsbesoldung
,
gerichtsbot
›Anordnung eines Gerichts‹,
gerichtsbusse
›an das Gericht zu zahlende Geldstrafe‹ (a. 1338 ff.),
gerichtsbüttel
(dazu bdv.: ; vgl. ),
gerichtschlos
›schloßähnliches Gebäude für das Gericht‹,
gerichtsdiener
(dazu bdv.: vgl.  ),
gerichtserkantnis
›Gerichtsurteil‹,
gerichtsersetzung
›Besetzung des Richterkollegiums‹,
gerichtsfällig
›straffällig‹,
gerichtsforderung
›Anrufung des Gerichts‹,
gerichtsform
›Gerichtsbrauch‹,
gerichtsfreund
a) ›Mitglied des Gerichtes‹ (a. 1498); b) ›vorübergehend der Gerichtsgewalt des Stadtrichters unterstellte
auswendige
Person‹ (16. Jh.),
gerichtsfrevel
1 ›gerichtlich geahndeter Frevel‹ (a. 1504),
gerichtsfrone
›Gerichtsdiener‹ (Beleg s. v. ),
gerichtsfuder
eine Abgabe (Reise-, Transportabgabe?) für den Richter,
gerichtsfürsprech
(17. Jh.),
gerichtsfürst
wohl ›Gerichtsherr‹,
gerichtsfutter
›Futter für die Pferde des Richters‹ (eine Abgabe),
gerichtsgabe
›rechtsförmlich vollzogene Besitzübertragung‹,
gerichtsgebot
›Gerichtsbeschluß‹,
gerichtsgebrauch
,
gerichtsgebrauchshalben
,
gerichtsgefälle
(dazu bdv.: ; s. Hrg
1, 1545
),
gerichtsgeheim
(a. 1519),
gerichtsgenosse
wohl ›Mitglied eines Gerichts‹ (so Rwb
4, 338
), möglicherweise ›im Gerichtsbezirk Wohnender‹ (dann zu 7),
gerichtsglied
wohl ›Schöffe, Mitglied eines Gerichts‹,
gerichtshälter
›vom
gerichtsherren
mit der Gerichtsbarkeit an einem bestimmten Gericht Beauftragter‹,
gerichtshaltung
,
gerichtshilfe
›dem Gericht zu leistende Hilfe‹,
gerichtshof
,
gerichtshülfe
›Mitwirkung des Gerichts‹ (Beleg s. v. ),
gerichtsinsiegel
,
gerichtsklage
,
gerichtskreis
›Gerichtsbezirk‹ (als Verdeutlichung auch zu 7 stellbar),
gerichtslade
›Truhe zur Aktenaufbewahrung‹,
gerichts|
2
laube
›Einverständnis des Gerichts‹ (Gw zu
2
,
der/die/das
, 1),
gerichtsleikauf
(Gw zu  1),
gerichtsmonat
(analog zu ; a. 1548),
gerichtspen
(Gw zu  2; a. 1460),
gerichtsrecht
2. ›Recht auf gerichtliche Hilfe‹, 3. eine Abgabe an den  3,
gerichtsreitung
›Rechnungsabschluß eines Gerichts beim Abgang des Richters‹,
gerichtsring
›Gerichtsring, Kreis der Gerichtsteilnehmer‹,
gerichtsrüge
›gerichtlicher Verhandlungstermin‹,
gerichtssache
›einem Gericht zur Entscheidung vorliegender Streitfall‹,
gerichtsscheffel
ein kleineres Getreidemaß (≈ 0,5
görz
),
gerichtsschein
›vom Gericht ausgestelltes Dokument‹,
gerichtssiegel
,
gerichtsstatut
,
gerichtsstellung
›Gerichtsverhandlung‹,
gerichtsstrafe
›vom Gericht verhängte Strafe‹ (a. 1491),
gerichtsstube
1 ›Amtsraum des Gerichtes‹,
gerichtsstunde
›Zeitpunkt der gerichtlichen Audienz‹,
gerichtstul
1 ›Richterstuhl‹,
gerichtsunterschied
›Gerichtsentscheid‹ (a. 1540),
gerichtsuntertan
(Beleg s. v.  1),
gerichtsuntervogt
,
gerichtsurkunde
,
gerichtsurteil
(a. 1357 ff.),
gerichtsverschmäher
,
gerichtsvogt
1 ›Person mit dem gerichtlichen Auftrag, Einkünfte aus Pflege-, Vormundschaftsverhältnissen zu kontrollieren‹,
gerichtswarter
,
gerichtswille
(Beleg s. v.  14),
gerichtswoche
›offiziell festgelegte Zeit von 7 Tagen‹ (a. 1548),
gerichtszeche
›Arbeitsessen der Gerichtsangehörigen (als Gegenstand finanzieller Regelungen)‹.

Belegblock:

Luther, WA
11, 259, 10
(
1523
):
das er [Christen] [...] nicht sich selb reche, auch nicht fur gericht sich schutze.
Große, Schwabensp.
227a, 6
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Ne ist iz nicht vor gerichte geschen, So ne habez dicheine craft.
Helbig, Qu. Wirtsch.
5, 361
(
md.
,
1500
):
so wollen wir hirmit allen unseren amptleutten, [...] befolen haben, zu yren
[der Schuldner]
gutteren [...], ane gerichtsforderunge zu vorhelfen.
Grimm, Weisth.
6, 626, 20
(
rib.
,
14. Jh.
):
wann ein gerichtsstellungh in der landschaft zu thun felt, vor weme soll die geschehen?
Aubin, Weist. Hülchrath
281, 8
(
rib.
,
1555
):
Gerichtliche verfelle in Langel und Rheincassel.
Ebd.
281, 18
:
Die Scheffen van Sunderstorf und Orr haben gein eigen siegel, sondern werden die gerichtzschein der ort durch den vogten zu Monheim versiegelt.
Ebd.
286, 20
(
1590
, Hs.
A. 17. Jh.
):
Weistumb des Deutzschen gerichthobs zu Langell.
Loersch, Weist. Boppard
220, 28
(
mosfrk.
,
1510
, Hs.
17. Jh.
):
der
[Bußfällige]
het den herrn gewettet jeglichem gerichtsglide ein gulden und ein ohrt.
Wiese, UB Wetzlar
1, 500, 18
(
1333
):
daz sie nieman, [...] fur kein ander geriht, [...], hinnanfur ewiclich nicht laden noch ziehen sol.
Kollnig, Weist. Schriesh.
112, 35
(
rhfrk.
,
1496
):
wisen sy unserm gnedigsten hern pfaltzgraven al geriechts oberkeit und sin gnod vor iren dorfs- und geriechtsfursten und hern al hoh und nidder freveln zu strofen.
Ebd.
214, 13
(
1606
):
Darzu auch zum 4. alle und eines jeden jahrs drey gerichtsruge oder selbotten gedingdag, [...] zu halten hab.
Ebd.
228, 23
(
1618
):
Demnach sich [...] nachfolgende [...] mißverständ erhaben, erstlichen die verwahrung des grichtssiegels, bücher und anderer zum gericht gehöriger archiven.
Köbler, Ref. Franckenfort
102, 1
(
Mainz
1509
):
wañ verkünts brieff an die gerichts thoͤr [...] angeschlagen werde͂ / sol võ jglichem brieff dem obersten richter an zu schlagen werde͂. vj. heller.
Laufs, Reichskammergo.
109, 9
(
Mainz
1555
):
Wir ordnen und setzen, daß fürhin ein jeder procurator eines yeden gerichtstags zu jeder gerichtsstundt, ehe und zuvor die urtheil und bescheydt eröffnet, im gericht erscheynen.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
14, 2
(
Frankf./M.
1568
):
Jch procurir vor dem Gericht / | Vnd offt ein boͤse sach verficht.
Behrend, Magd. Fragen
21, 4
(
omd.
,
um 1400
):
doruff bevestent her [keyser] unszer stat zcu Magdeburg unde saczte eynen erczbischoff zcu geistlichem gerichte unde auch eynen richtstul zcu wertlichem gerichte.
Ebd.
144, 18
:
Ab czwene man eyne sache vor gerichte usz der hanth gebin erbaren luthen zcu berichten.
Hertel, UB Magdeb.
3, 87, 12
(
nd.
/
omd.
,
1472
):
vornemen wij, dat he sijk denne wedir an dat frie gerichte maken wille.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
152, 6
(
omd.
,
1554
/
1633
):
dorüber hat der bergkmeister nicht zu helfen, sondern der stadtrichter oder die gericht, darunter die personen gehören.
Küther, UB Frauensee
107, 9
(
thür.
,
1342
):
di keine ansprache [...] sullen herhebe noch mache umme daz guͦt [...], wedir vor gerichte odir ane gerichte heimeliche noch uffinbar.
Ebd.
387, 1
(
1528
):
hatt sich doch itziger voigt [...] auch die gerichtsfelle, so zcum Sehe gescheenn, zu straffenn unnderstandenn.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
151, 15
(
thür.
,
1474
):
Hadt Herman Flade [...] uff die schulde unde angestalthen gerichtesclagen Hansen Brunsweine bekandt, daz [...].
Ebd.
207, 28
:
ist komen Ticzel Zcahen vor gerichte met Hannßen Hofeman, synem vorreder, unde hat geworben met gerichtesloube in eyner bescheydenheyt also: [...].
Ebd.
321, 16
:
Hath Hanß Swynitcz [...] Henczen Hofeman vor gerichte zcu Peßenig beschuldiget, daz Hentcze Hofemann synem vater zcugesaget habe, daz [...].
Schönbach, Adt. Pred.
27, 26
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
swer siner scult bekennet in eines werltlichen herren hove oder vor werltlicheme gerichte, der mach des angest haben daz iz im an den sinen lip ge.
Ermisch, Freib. Stadtr.
78, 15
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
den sullen si brengen dem richtere [...] unde sullen bewisen denselben valsch deme gerichte unde erhaften luten.
Ebd.
152, 25
:
Di vrist stet an dem gerichte, ab si di vrist geben wollen.
Ebd.
264, 21
:
wo iz [gut] denne der vater ankumt, do mac her sich iz mit gerichte underwinden.
Ders., Sächs. Bergr.
51, 20
(
osächs.
, Hs.
1482
):
seczczyt sych denne ymant wedyr daz gerychte, wyrt der wunt adir zeu tode geslagen, zo zal der bergrychter myt den schepphen danach eyn gerychte dorobir syczen.
Hertel, Hall. Schöffenb.
2, 220, 25
(
osächs.
,
1424
):
Nickel Snecke ist komen vor gehegit ding vnde hat geclait czu Koppen Pizker, daz her on geczogen habe in vzwendige gerichte.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
89, 7
(
osächs.
,
1523
/
4
):
das Jorg Kesler [...] gezeugen konde, das das gerichte zu rechter dingzeit [...] nicht gehegt were.
Ebd.
205, 8
:
was derselb dieb nach ime gelassen hette, [...], das were er dem gericht verfallen.
Ebd.
232, 13
:
euer beder freund haben dieselbigen euer peder irrung und gebrechen mit gunst des gerichtshelders und in kegenwertigkeit des richters und der schöpfen vor gehegten ding sulchs bericht.
Ebd.
433, 9
:
der man [...] hat dasselbe erarbeite gut [...] seinem weibe gegeben mit redlicher rechtlicher gerichtsgabe, wissentlich richter und schöpfen.
Ebd.
761, 20
:
Nun bitt er und begert eins rechten, ap er das gezeugt mit dem erbhern und mit dem gericht [...], das er gericht gelieden hat umb die gerade, ap er umb di sach kein ander gericht solle leiden, wann er vor einem andern gericht seint der zeit geschuldigt ist.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
445, 4378
(
Zwickau
um 1540
):
[Daß sie] Sie [Ketzer] wuͤrgen / bruͤnnen / on barmhertzigkeit / | On ursach und gerichts gerechtigkeit.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 29, 28
(
schles.
,
1533
):
doch das geld der halbe teil zu underhaltung stadtschreiber und gerichtsdiener steiger glocken und andere dergleichen gemeines perckwerchs notturft, [...] soll eingelegt werden.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 46, 21
(
nobd.
,
1464
):
Es ist auch bey den gerichtsuntervogten und schopfen zwͦ merken, das kein herrschaft ir keinem nichts schuldig ist zwͦ lonen.
Voc. Teut.-Lat.
l viijv
(
Nürnb.
1482
):
Gerichtsuersmeher. contumax est aliquis conte͂pnens iudicium.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
32, 30
(
nobd.
,
v. 1498
):
Alßdann thut der richter zum ersten fragen, wer das gericht besitzen soll als ein richter.
Sachs
24, 62, 20
(
Nürnb.
1543
):
[Pilatus] sezet sich | Sam trawriclich | Auf den gerichtstuel nider.
Voc. Teut.-Lat.
o viiijv
(
Nürnb.
1482
):
Hofe. curia od’ dinghofe od’ gerichtßhofe gerusia.
Köbler, Ref. Nürnberg
121, 9
(
Nürnb.
1484
):
so mag nach herkomen vnd gewonheit diser Stat vnd gerichts gepruchshalben voͤlliger vnd gnuͦgsamer beweisung dem verantwurter ein ayde ertailt werden.
Ebd.
150, 6
:
welcher teil. der. vnd auch der außgeuͤbten gerichtzhenndel gerichtlich vrkund begert. dem oder denselbe͂ solle͂ die. nach gewonlicher gerichtzform ertailt vnd gegeben werden.
Ders., Stattr. Fryburg
41, 20
(
Basel
1520
):
Wir setzen vnd woͤllen vnsern alten gebruche͂ nach / das Schultheiß vnd Richter zuͦ den zyten irer gerichtßhaltu͂g nach gelegenheit vnd irem guͤtbeduncken das gericht verbãnen moͤgen.
Koller, Ref. Siegmunds
298, 4
(Hs.
um 1474
):
man soll verhuten, an keinen weltlichen gerichten uber kein geistlich ding zü richten, wann weltlich gericht und geistlich gericht sollent sich lauter scheyden. Man soll an allen weltlichen gerichten richten, was in keyserlich recht gehort und sol bebstlich und bischofflich recht unbekommert lassen.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
235, 6
(
halem.
,
1384
):
das die ... von Berne Tune, burg und stat und das usser gerichte, als man gewonlich vor der stat richtet, mit aller zuͦgehoͤrde haben suͥllen.
Boos, UB Aarau
282, 10
(
halem.
,
1441
):
das die stat von Arow not angienge von wússenden und des heimlichen gerichtes wegen.
Grimm, Weisth.
5, 148, 26
(
halem.
,
1466
):
man mag ôch gebieten, daz nieman armprost, spiesz [...] trag zuo dem gerichtzring oder in das husz, da man inne richt.
Maaler
170v
(
Zürich
1561
):
Gerichtsspan (der) Lis.
Müller, Nördl. Stadtr.
346, 24
(
schwäb.
,
1488
):
alsdan sol der urtelbrief in ains ratz cantzlei verfertigt und mit der stat gerichtz insigel [...] besigelt werden.
Sappler, H. Kaufringer
20, 160
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
man hat das gericht in guoter huot | in ettlichen reichstetten zwar.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 155, 22
([
Augsb.
]
1548
):
Das ansehen der person im Gerichte ist nicht guͦt.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 113, 10
(
schwäb.
, Hs.
17. Jh.
):
es soll kainer kein spieß, [...] wurfbeyl oder creuz in kein wiertshauß wan ain gricht oder gesellschaft beiainander versamlet ist, tragen.
Ebd.
243, 4
(Hs.
17. Jh.
):
wöllen wir, daß die [...] richter und urtaylsprecher, [...], sich der gegenwirtigen nachgeschribnen gerichtsstatuten, sazungen und ordnungen, auch unsers gottshauß freyheiten, urbarbücher, bott und verbot halten und darauf urtayl geben.
Ebd.
265, 2
(
1592
):
Und soll mit erwöhlung, session und umbfrag der richter volgendermaßen gehalten werden, daß [...] der herren von Rechberg ambtman den ersten richter [...] auch ainen Ehingerischen richter erwöhlen, welliche beede richter mit einander in die gerichtsstuben ervordert [...] werden.
Ebd.
335, 2
(
1603
):
welcher gegen dem anderen mit recht ein schuld erlangt, soll nach gerichtsgebrauch und altem herkomen in vierzehen tagen außgericht werden.
Ebd.
365, 24
(Hs.
1678
):
wan man an festtägen zue opfer gehet, solle damit alle zucht und wohlstand gehalten werden, also das ein gericht und die ältern voran und die jüngern hinach gehen sollen.
Ebd.
380, 2
(
1550
):
und soll sollich jerlich gerichtsgevell und einkommen [...] ain jeder amann bey seinem aid [...] in die büchs [...] einziehen.
Ebd.
410, 33
(
1520
):
wegen der gerichtzbesetzung so soll fürohin ain prelat des gotzhaws Marchtall zwen gerichtzman uß der gemaind dargeben und wölen, nachvolgend die gemaind von Alleshuwsen und Brachsenberg auch zwen, und alsdann die vier aber zwen, und darnach für und für nach ordnung des gerichts wölen, bis das gericht erhollet und besetzt wirdet.
Ebd.
474, 31
(
1570
):
was deß gerichts tax von mannrechten, kundschaften und allen andern brieflichen urkunden sein soll.
Ebd.
495, 35
:
auch solle mit den malzeiten und zehrungen, [...], gleichsfahls ainhellige gerichts-, schützen- und dergleichen zechen bey den wüerten [...] auf daß gleichest umbgewechslet werden.
Ebd.
688, 32
(
1585
):
ob aber der clager deßhalben ainichen costen gelitten oder nit so sol der ungehorsam [...] durch meinen gerichtspittel für daß erst außbleiben, [...], umb zehen schilling,
[gestraft werden].
Ebd.
779, 1
(
1622
):
es sollen alle pflegvögt [...] der herrschaft oder dem gerichtsvogt alle jahr uff ihr begeren genugsame rechnung geben bey straff.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 632, 16
(
schwäb.
,
1545
):
Wir [...] wöllen auch, daß keiner unser arm man, hindersäß, gerichtsgenoß oder verwandter [...] wider uns [...] kein bündnuß [...] mache.
Ebd.
763, 36
(
1556
):
Ains amans gerichtsbesoldung. [...] ist [...] der gebrauch, das ein gerichtsaman von jedem, so ain frevel, [...], verluestig wirt, das er ihm aman zusampt der herrschaft erkenntem und gefallnen frevel auch funf schilling haller zu geben schuldig.
Bastian u. a., Regensb. UB
124, 17
(
oobd.
,
1358
):
Daz dieseu gerichtsach also stet und unzebrochen beleib, daruͤber ze einem urchund gib ich im disen brief.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
23, 46
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Zu premzeit furt der judisch rat | den werden got Pilatus für gericht.
Ebd.
24, 44
:
da du [herre] für gerichte | gefangen wurdest bracht.
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 217, 42
(
moobd.
,
1383
):
wart dem obgenanten Otten [...] von gericht wegen gepoten, on [...].
Ebd.
231, 8
(
1386
):
seiner hab darumb ze benoͤtten vnd ze pfenden an gericht vnd an gerichtz bot.
Ebd.
293, 8
(
1397
):
hat auch ain ieglicher vnser pfarrer, [...] zu pfenden auf allem dem aygen vnd aygner guͤlt, die daz vorgenant spital [...] hat, vnd auch darumb zuzusperren ane gericht vnd ane gerichtzgebot.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 4031, 7
(
moobd.
,
1462
):
wie Hanns Mülhauser, sein diener, ainn, genant Hanns Wintter, [...] mit gerichts handen in venknuss bracht habe.
Ebd.
4892a
, 15 (
1481
):
dass ihr Mann ihr
solh ubergab, behabnuss, gerichtsurkund und schaden
übergeben habe
.
Winter, Nöst. Weist.
1, 301, 36
(
moobd.
,
16. Jh.
):
Das der richter zu Neinkirchen sol haben zu Gloggnitz rechte gerichtmaß zu wein und getrait.
Winter, Nöst. Weist.
3, 758, 12
(
moobd.
,
1535
):
idliches
[jeder Taidingsteilnehmer]
soll sich mit ainem gerichtzpfenning erzeigen.
Ebd.
791, 11
(Hs.
2. H. 16. Jh.
):
Von wegen des gerichtsfueter. Item, welcher das gerichtfueter nit recht gibt oder dem nachrichter [...] der ist zu wandl 72 ₰.
Ebd.
4, 197, 14
(
1691
):
so einer einen markstein freventlich außwurf zwischen zweien gemerken, so soll man denselben nehmen mit gericht und ihn setzen an die statt und grueb darinn der markstein gestanden bies an die gürtel, und soll ihn verschütten mit erdreich.
Mell u. a., Steir. Taid.
60, 27
(
m/soobd.
,
n. 1590
, Hs.
1. H. 17. Jh.
):
das nicht allein die gerichtsersezung sonder sowol auch die vleisige abhaltung übers gericht den herrn Hofmannen [...] neben dem hofzins eingeben und zuegestölt worden.
Ebd.
79, 33
(
M. 17. Jh.
):
Die gerichtslad, stab vnd gschmeid bleibt allzeit im grichtshaus.
Ebd.
119, 9
(
1505
):
welicher in dem gericht
(dies zu 9)
fräflt mit stechn, mit schlachn oder werfn, [...], ist gerichtfällig.
Ebd.
159, 9
(
1. H. 16. Jh.
):
Auch sol man ain jeden erwölden richter [...] das gricht erberlich mit burgern an sand Peter stuelfeiertag zu haus haimb tragen.
Ebd.
234, 31
(
1638
):
Schaff und görz ist gleich in der maß, | Gerichtschäffel habern ist ein halber görz.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
19, 22
(
smoobd.
, o. J.):
ainem ieden landrichter zu Altenthann ist man schuldig ze göben ain fueder, welcher ime das nit gibt, dem mag er seine gerichtsrecht auch nit than.
Ebd.
32, 13
(
1625
):
wer in dem gericht siczt, der ist dem herrn pfleger ain gerichtsrecht hüener und habern, [...], zu geben schuldig.
Ebd.
73, 35
(
17. Jh.
):
ob der ambtman einem oder mer gerichtsleuten umb gerichtshilf zuespräch, das dieselben gehorsam laisten.
Ebd.
112, 17
(
1623
):
so rüegt man iren hochfürstl. gn. pfleg zu Glanegg den gerichtskraiß, der hebt sich an bei dem Wüsshai im Nunthal.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
167, 24
(
m/soobd.
,
1635
):
das dorf ist befreiet das kein lantgricht darein zu greifen hat, so gibt es auch wie ander dörfer kein gerichtsfueder.
Ebd.
200, 8
(
16.
/
17. Jh.
):
Ein jeder richter alhir, wan er sein gericht aufkindet, soll [...] sein gerichtsraitung ordentlich, [...] einlegen und darüber die justificierung erwarten.
Ebd.
201, 30
:
da man hinkumbt, soll ein jeder burgersman dem grichtlichen zeug ehennter nicht auß der hant nicht laßen, biß der alte richter [...] dem grichtsstab auß seinen hänten gelaßen hat.
Ebd.
205, 14
:
ist er einer löbl. purgerschaft angenemb, soll zum kauf zuegelaßen werden, auch gegen erlegung eines laidentlichen burgerrechts und richtigmachung den gerichtsleikauf mit 4 ₰ und den richter 12 pfenning.
Ebd.
212, 19
:
nach verbrechung der that sol die gerichtserkantnus darauf folgen mit einer unnachlässigen straf.
Ebd.
236, 18
(
16. Jh.
):
Das reißgejadt soll man von dem gerichtborter bestehen und ist durch die gerichtsleüt erkant ob ainer etwaß fieng, es wär mader, fux, [...] oder vögl, der soll daß dem herrn des gerichts [...] zutragen.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
79, 40
(
tir.
,
1525
):
das sy [richter] aŭch ire gerichtsleŭt mit denen zinsen, vogtheyen oder gerichtskorn ŭber ir pilliche anzal [...] nit beswern werden.
Ebd.
84, 16
:
sovil und besetzŭng der claŭsen unnder dem sloß Ernberg aŭch daz gericht und daz gerichtsloß berŭert, will F. D. ain gnedig nachgedenncken haben, die selb claŭsen aŭch daz gericht und gerichtsloß mit geschickhten und taŭgenlichen personen zŭ fŭrsehen.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
128, 34
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
So sind doselbs 20 gancze lehen, an die 2 lehen, die in den gerichthoff gehörent.
Piirainen, Stadtr. Sillein
41a, 16
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Wer clagt in gaystlichem gerichte eynen man.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
160, 23
(
mslow. inseldt.
,
1625
):
das die Wieśen im Pfaffengrunndt Vmb ihr eigen geldt erkhaufft śey [...] contra Janckho Shmidt, der śie darumb Gerichtlich beśProchen.
Mollay, Ofner Stadtr.
290, 2
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
ehe precher sol man nÿndert leiden, daß gerichte schol sÿ echent heÿmlich vnnd offinbar Mit namen.
Luther, WA
12, 118, 33
;
18, 388, 21
;
Schorer, Sprachposaun
44, 22
;
Große, a. a. O.
205a, 2
;
Wyss, Limb. Chron. U
128, 14
;
Köbler, Ref. Wormbs
37, 31
;
ders., Ref. Franckenfort
9, 3
;
Froning, Alsf. Passionssp.
3776
;
Kollnig, a. a. O.
65, 11
;
Leman, Kulm. Recht
2, 1, 15
;
Behrend, a. a. O.
23, 2
;
46, 24
;
167, 30
;
Hertel, a. a. O.
3, 3
;
Bergner, Urk. Kahla
94, 18
;
Küther, a. a. O.
277, 26
;
Grosch u. a., a. a. O.
22, 21
;
35, 23
;
44, 6
;
50, 21
;
84, 31
;
118, 21
;
149, 26
;
154, 8
;
162, 10
;
164, 35
;
166, 31
;
235, 27
;
319, 35
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
183, 4
;
Ermisch, Freib. Stadtr.
33, 17
;
Kisch, a. a. O.
347, 9
;
398, 42
;
499, 65
;
734, 10
;
821, 5
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
43, 14, 7
;
162, 14
;
Wattenbach, Urk. Rauden
57, 7
;
Wutke, a. a. O.
21, 46, 27
;
Mon. Boica, NF.
1, 350, 13
;
2, 1, 156, 14
;
184, 17
;
255, 24
;
Dinklage, a. a. O.
15, 20
;
39, 30
;
48, 19
;
61, 18
;
Fastnachtsp.
1345, 41
;
Franck, Klagbr.
229, 32
;
Vetter, Pred. Taulers
290, 13
;
Chron. Strassb.
1, 54, 4
;
56, 26
;
123, 26
;
255, 12
;
Roloff, Brant. Tsp.
965
;
Roder, Stadtr. Villingen
90, 16
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
64, 17
;
Geier, Stadtr. Überl.
59, 18
 f.;
128, 31
;
Leisi, Thurg. UB
6, 467, 9
;
Rennefahrt, Recht Laupen
90, 11
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
39, 1
;
194, 4
;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
175, 38
;
226, 33
;
404, 6
;
Welti, Stadtr. Bern
80, 14
;
280, 17
;
589, 4
;
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
346, 20
;
Unger, Richtes Stig
411, 12
;
Glitsch u. a., Hofger. Rottw.
55, 35
;
Wintterlin, a. a. O.
1, 172, 24
;
Gehring, a. a. O.
3, 38, 8
;
77, 43
;
122, 19
;
191, 6
;
328, 29
;
545, 39
;
Müller, a. a. O.
441, 11
;
Barack, Zim. Chron.
2, 278, 16
;
Bastian u. a., a. a. O.
171, 3
;
UB ob der Enns
9, 832, 5
;
Dirr, Münchner Stadtr.
535, 12
;
Vogel, a. a. O.
1, 25, 29
;
364, 22
;
Staub, Qu. Wien
3, 2, 2520, 7
;
Weber, Füetrer. Poyt.
353, 4
;
Bischoff, Steir. Landr.
137
;
Uhlirz, a. a. O.
2, 3, 4047, 3, 19
;
Winter, a. a. O.
1, 5, 29
;
Turmair
5, 551, 7
;
Mell, Steir. Weinbergr.
112, 4
;
139, 24
;
Kummer, Erlauer Sp.
4, 159
;
Bischoff u. a., a. a. O.
117, 6
;
205, 30
;
Mollay, a. a. O.
275, 17
;
Dasypodius
399r
;
Maaler
170r
;
Rwb
4, 328
 ff.;
384
;
Pfälz. Wb.
3, 225
 f.;
Schweiz. Id.
7, 1367
;
10, 748
;
11, 2088
;
15, 250
;
Schwäb. Wb.
3, 412
;
6, 2014
;
Öst. Wb.
2, 993
;
4, 559
.
5.
›Gerichtsverhandlung, Verfahren zum Zweck der Entscheidung eines Rechtsstreites‹; vereinzelt auch gebraucht für bestimmte Verfahrensteile; ütr.: ›kritische Selbstprüfung‹; als Metonymie auffaßbar: ›kleines Vergehen‹.
Phraseme:
gleiches gericht wegen
›mit gleicher Waage wiegen‹.
Gewisse Beleghäufung in Rechts- und Wirtschaftstexten.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  2,  1, ,  5,  6,  1.
Syntagmen:
g. halten
(vielfach, tendenziell formelhaft)
/ sitzen
(ansatzweise phrasematisch)
/ haben / aufgeben
›beenden‹
/ lassen
›verlassen‹,
das g. verwaren
(wie
halten
)
/ ˹anheben / besitzen / hegen / niedersetzen / zeugen
jeweils als Synekdoche für ›die Verhandlung eröffnen‹˺,
das / ein g. gebieten / verkündigen, kein g. schreien
›das Beschreiungsritual nicht vollziehen‹,
kein anderes g. über jn. tun als [...], järlich / wöchentlich g. haben, g. im bakhaus haben
;
g
. (Subj.)
täglich werden, in acht tagen nicht werden
, [eine Zeit]
wären, einem gedicht gleich sein
;
des gerichtes pflegen
;
an g. sitzen / treten, am g. reden, an dem g. recht erkennen / unbescheiden sein, jn. an einem g. fürnemen, von rat wegen nicht an das g. kommen, im g. handeln / prozedieren, ein urteil fällen, eine klage tun, in dem g. die warheit hören, mit dem g. fürfaren, arbeit haben, vom g. kommen, sich vor g
. [wie]
verhalten, vor g. zänkisch sein, ein urteil für dem g., zu einem g. fristen, zu g. gehen / müssen / sitzen, zum g. stehen
›erscheinen‹,
viel zu g. gehen, jn. zu dem g. schicken, recht zu gerichten haben
;
das g. der reue
;
das grosse / offene / verbannene / schacherliche g., das erste / andere / dritte g
. (als Gegenstand von Erscheinens- bzw. Verhinderungsregeln);
der anstal, die haltung / aufhebung des gerichtes
;
von g. zu g
. ›von einer Verhandlung zur anderen‹.
Wortbildungen:
gerichtplaz
1,
gerichtsfal
2 ›Rechtsfall, Gegenstand einer Gerichtsverhandlung‹,
gerichtsfrevel
2 ›Vergehen vor Gericht, während der Verhandlung‹,
gerichtsgezeugnis
›mündlich oder durch Schriftstücke erfolgende Beweisführung einer Verhandlung‹,
gerichtshaller
›Heller als Abgabe an den Richter beim
banteidung
1‹,
gerichtslauf
2 ›Gerichtsverhandlung‹ (15. Jh. ff.),
gerichtspfenning
›Abgabe des Taidingsteilnehmers an den
richter
‹,
gerichtspflicht
›Prozeßgebühr‹,
gerichtsprotocol
,
gerichtsschaz
›Gebühr für eine außerordentlich gebotene Gerichtssitzung‹,
gerichtsschazgeld
,
gerichtsschub
›Aufschiebung eines Sitzungstermins‹,
gerichtsschultheisse
(16. Jh.),
gerichtssiz
›Gerichtsverhandlung‹,
gerichtsspan
,
gerichtsstube
2 ›Verhandlungsraum eines Gerichtes‹.

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm
690
(
preuß.
,
1331
):
di Gerechtekeit | Stete gancz mit sichirheit | Gar unver wandelt heldet | Und ouch mit nichte speldet | Ir wage, ir gewichte, | Mit den si gliech gerichte | Gewegen hat der pine cloz.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 28, 21
(
preuß.
,
1437
):
das uff Johann nehstkomende czum gerichte von den, die dorczu werden geschicket, dy sache sal gerichtet werden.
Ebd.
4, 66, 23
(
1453
):
wy das mit gerichtsschuͦben vorlenget ist.
Luther. Hl. Schrifft.
Sir. 4, 7
:
SEy nicht zenckisch fur Gericht
[
Froschauer
1530:
gmeynd
,
Dietenberger
1534:
gemein der armen
].
Leman, Kulm. Recht
2, 2, 49
(
Thorn
1584
):
Bewyset eyn man syne wunden eyme scheppen adir tzwen vnd schryge keyn gerichte nicht.
Lau, Qu. Neuß
1, 15, 17
(
rib.
,
1534
):
Der scoultis sall dat gericht verwaren, [...], der wechen tzwein dage, as guedesdaechs und saterdaechs, so si neit hilge daege weren, den burgeren und den fremden.
Aubin, Weist. Hülchrath
282, 40
(
rib.
,
1615
):
Im gerichtssitz, wan amptman und vogt zugleich jegenwurtig tenet dominus camerarius medium locum, wann der vogt allein, primum locum.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
757
(
pfälz.
,
1436
):
Jn dem geriecht der rüwe v̈be er sich selbs.
Köbler, Ref. Franckenfort
22, 2
(
Mainz
1509
):
Võ fyrtage͂ dar vff man nit gericht sol halte͂.
Laufs, Reichskammergo.
90, 33
(
Mainz
1555
):
solche schlechte, geringe rechtsetz, als begerter dilation und dergleichen, do besichtigung der gerichtsprothocoll nit begert.
Grimm, Weisth.
6, 415, 11
(
pfälz.
,
1. H. 17. Jh.
):
Wo es sach wäre, dasz einer einen gerichtsfrevel breche, welches ist 2 ℔.
Kollnig, Weist. Schriesh.
15, 13
(
rhfrk.
,
1609
):
wann sie zue gericht sitzen und in solcher zeit eine frohn vorfällt.
Behrend, Magd. Fragen
73, 20
(
omd.
,
um 1400
):
Siczet der konig gerichte in eyner stat, do wigbilde recht ist, so mag man do vor ym ortel schelden.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
162, 8
(
thür.
,
1474
):
Magk Nigkel Herwig met gerichtisgeczugkeniß, also nemelich met deme richter des gerichtiß, da dy tat yne geschen sy, unde met dem fronebotin desselbin gerichtis bewisen.
Ebd.
175, 28
:
Da habin sye wedder an gerichte getrettin [...] unde furderunge getan.
Ebd.
207, 18
:
unde [er] hat Ticzeln Zcanen geschuldiget umbe solliche schult eyn gerichte, daz ander gerichte, daruff er nye keynen notscheydere vor gerichte gesant hat, biß uff daz dertte gerichte ist er instellig komen unde hat dy schult vornomen.
Ebd.
228, 4
:
dy stat, da man phliget gerichte zcu siczen.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
62, 23
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Do geschit ouch groz gerichte von manslachtunge unde von duͤbe.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
227, 9
(
osächs.
,
1523
/
4
):
so dan Asmus Schneider
[der Kläger]
der gerichtspflicht und -cost in (seiner) forderung nicht gedacht, noch in seinen urteiln darauf geurteilt und gepeten hat.
Ebd.
246, 6
:
ich liß den fronen gar dicke rufen: „Had ymand zu teidingen, min herre wil gerichte ufgebin!“
Ermisch, Freib. Stadtr.
211, 21
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
wenne he gerichte sitzet, he sal nichtein urteil teilen, he ne sal ouch keinez strafen zu rechte.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
100, 16
(
nobd.
,
1382
):
Stewber schuster ist die stat verboten [...] daruͤmb, daz er unbescheiden an dem geriht ist gewesen.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 244, 9
(
nobd.
,
1464
):
das sie das pflaster umbsuͤnst tretten; und nicht gnug ist, das sie gult in die hwͤbe geben, darumb sie ir hewszer besiczen, reyssen und stewren, wann reysz selten kompt, schucz und schirm und gericht teglich wirt.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
24, 8
(
nobd.
,
um 1430
):
zum ersten haben die hern des dorfs ein ungepoten gerichte jerlichen uf sant Johanns welczeltagk.
Ebd.
43, 32
(
1450-70
):
das die herschaft hat das recht zu den dreien gerichten zu dem horning, zu dem mayen und zu dem herbst.
Ebd.
70, 26
(
1465
):
wanne einer frevelt und solchs einem schopfen nit bekennt, ee das gericht besessen und gehegt ist.
Ebd.
77, 26
(
1457
):
wie dicke und oft und zu welcher zeit man gericht hette oder haben wolte, solte der obgenant probst [...] als ein richter den stab haben.
Ebd.
93, 7
(
1579
):
wenne das gericht verkundigt wurdt und gepotten zu rechter zeit und (einer) frevenlich aussen blibe.
Ebd.
94, 28
(
1409
):
sal unsers herren amptman [...] den stap in der hant haben, [...], dieweil er an gericht siczt.
Ebd.
99, 43
(
15. Jh.
):
wann der hirt zum dorfe einferet, so sal man das gericht anheben; wann er wider außferet, so sal man berechen.
Ebd.
110, 10
:
wann man das gericht nidergesetzt, so fragt ein abt von Aura, was [...].
Gille u. a., M. Beheim
57 b
, 1 (
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Etlich gericht | ist dem geticht | gar wol geleiche.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
232
(
Nürnb.
1517
):
Es gezimet sich, alzeit ze beten. [...] inmasen der anwalt im gericht stets handelt und procedirt.
Chron. Strassb.
1, 334, 4
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
do Julius wolte uf das capitolium gon zuͦ gerihte sitzen, also hievor gewonheit was das künige und keyser selber zuͦ gerihte sossent und arme und riche verhortent.
Roder, Stadtr. Villingen
64, 31
(
önalem.
,
1447
):
Und sol darnach denn all wochen woͤchentlich ungevarlich drú gericht haben, nemlich uff den mentag, uff die mitwuch und uff den fritag.
Geier, Stadtr. Überl.
387, 19
(
nalem.
,
1551
):
so soll der herr burgermaister [...] den herrn richtern [...] in die gerichtstuben und neben dem herrn stattaman das gericht zehalten, auch die partheien ze hören [...] erlauben.
Golius
124
(
Straßb.
1579
):
Lis. Controuersia, zanck vor gericht / rhatshandel / gerichtsspann.
Boos, UB Aarau
256, 21
(
halem.
,
1421
):
das der vorgenanten únsrer froͮwen von Kúngsvelt [...] richten sol umb alle pfand, einung, umb geltschuld und alle kleiny gericht, die nit fraͤvel geheissen sint.
Rennefahrt, Recht Laupen
46, 30
(
halem.
,
1449
):
als ich ze Bimplitz offenlich an des richen straß ze gerichte saß und stat hielt.
Ebd.
245, 2
(
1451
):
wöllicher am ersten oder andern gricht nit antwurt gibt, soll verbunden sin, am dritten gricht zu antwurten; [...]. Khompt er aber am dritten gericht ouch nit, mag der cleger inn ußclagen.
Merz, Urk. Lenzb.
96, 4
(
halem.
,
1556
):
der zuͦ Lentzburg in der statt zum Loͤwen [...] offen verbannen gericht gehalten im Namen Berns.
Maaler
192r
(
Zürich
1561
):
Grichtplatz (der) Gelaͤgen ort vnnd platz da man gricht haltet. Forum.
Müller, Nördl. Stadtr.
348, 13
(
schwäb.
,
1488
):
daz er soll daz gewonlich fürpot gelt. auch des amans knecht. das er die richter mant. acht pfening und darzu für den gerichtzschatz ain pfund unser statwerung, [...] ausserhalb des gewonlichen clagschatz geben.
Ebd.
353, 2
(
1488
):
Alles fürpotgelt, gerichtschatzgelt, clagschatz und der gleichen legt man gantz dar.
Sappler, H. Kaufringer
20, 106
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
Do nun waz aber komen der tag, | das man des gerichtes pflag.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 132, 30
(
schwäb.
,
1554
):
daß bey haltung der gerichten [...] ain zeithero mercklicher uncosten mit essen und trincken [...] ufgewendt.
Ebd.
215, 6
(
1495
):
daz man allwegen in viertzehen tagen an ainem guͦttem tag gericht gehalten hat.
Henisch
1516
(
Augsb.
1616
):
Man ist nimmer so weiß / wann man vom Gericht kompt / als wann man hinzu gehet.
Auer, Stadtr. München
454, 2
(
moobd.
,
1347
):
Wie man sich vor gericht verhalten müsse.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
75, 12
(
moobd.
,
1422
):
in welher herschaft ich begriffen wird, da bedarff man chain ander gericht uber mich ze tun, dann daz der prief uber mich sol gelesen werden.
Klein, Oswald
111, 158
(
oobd.
,
1436
):
Und zügten faͤlschlich über in [Jesus] | ain schacherlichs gericht.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
123, 65
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
so turren sy sich in allen hendeln vnd gerichten schatzen fur dew weissisten.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
148, 28
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
Die enthalb der Waisen sein, [...], sein vier und dreissig, gibt jeder dem richter den gerichts- oder panhaller in jedem pandeding.
Toeppen, a. a. O.
1, 626, 7
;
Luther, WA
22, 108, 36
;
Hübner, Buch Daniel
4219
;
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
652, 24
;
Grosch u. a., a. a. O.
163, 6
;
175, 30
;
177, 30
;
227, 35
;
294, 34
;
304, 8
;
Kisch, a. a. O.
247, 1
; 4;
Wattenbach, Urk. Czarnowanz
144, 10
;
Dinklage, a. a. O.
19, 35
;
86, 23
;
94, 43
;
99, 45
;
115, 29
;
Rieder, Gottesfr.
137, 12
;
Chron. Strassb.
2, 969, 24
;
Roder, a. a. O.
13, 39
;
Päpke, Marienl. Wernher
9181
;
Argovia
9, 109, 21
;
Rennefahrt, Stadtr. Bern
282, 4
;
Stammler, Berner Weltger.
135
;
Schwarz, Awürt. Lagerb.
1, 410, 14
;
Gehring, a. a. O.
3, 519, 29
;
Dasypodius
399r
;
Maaler
170r
;
Rwb
4, 352
;
Pfälz. Wb.
3, 224
.
6.
›Beschluß, Urteil, Spruch, Entscheidung eines Gerichtes‹; offen zu 3; 5.
Phraseme:
mit oder ane gericht
›mit oder ohne Gerichtsbeschluß‹.
Syntagmen:
das / ein g. aufschieben / hören / suchen
›anstreben‹
/ verkeren, g. über jn. geben
;
g
. (Subj.)
über jn. gehen
;
gerichtes bedürfen, (jn.) gerichtes bitten, des falschen gerichtes (be)zeihen, j. des gerichtes nicht achten, des gerichtes schuldig sein
;
etw
. (z. B.
die übeltat
)
an das g. bringen, jn. ane g. fahen / pfänden, aus g. erkennen, das [...], etw. mit g. erlangen, jn. mit g. auf den turn fertigen, in ein erbe weisen, mit g. als verre kommen, das [...], von gerichtes wegen kosten auf etw. legen, jm. von gerichtes wegen frieden bieten / verkündigen, jm. etw
. (Subj.)
zum g. gereichen
;
das falsche
›ungerechte‹
/ gnädige / malefizische / peinliche
›Leib und Leben betreffende‹
/ scharfe / werltliche
›von einem weltlichen Gericht ausgesprochene‹
g
.
Wortbildungen
gerichtsaz
(dazu bdv.: , ),
gerichtserlang
›Urteilsfällung‹ (o. J.),
gerichtsklang
›Wortlaut eines Urteils‹,
gerichtsspruch
›Urteilsspruch‹,
gerichturteil
,
gerichtzucht
›situationsadäquates Verhalten bei der Urteilsverkündung‹.

Belegblock:

Luther, WA
7, 181, 9
(
1520
):
Nu ists yhe war, das die warheyt und gerechtickeit nit schewet das gericht.
Ebd.
21, 369, 14
(
1544
):
Doch wird es [wort Gerichte] fast am meisten gebraucht fur das ander teil des Gerichts oder Rechsspruchs, nemlich fur verdamnen.
Ders. Hl. Schrifft.
Mt. 7, 2
:
Denn mit welcherley Gerichte
[
Mentel
1466:
vrteil
,
Emser
1527,
Eck
1537:
vrteyl
 ]
jr richtet / werdet jr gerichtet werden.
Schöpper
88b
(
Dortm.
1550
):
Iudicium. Gericht vrtheil entscheidung.
Boon, St. Prätorius
104, 18
(o. O.
1593
):
Die Gottlosen aber wird er [...] ins Hellische fewr verweisen / mit diesem Gerichtsklang / Weichet von mir / jr Vbeltheter.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 226, 30
(
hess.
,
1355
):
wo wir eynen funden, [...], die unsirm hantwerke schedelich weren, das wir die mit gerichte vertegetin uff den thorn.
Froning, Alsf. Passionssp.
4436
(
ohess.
,
1501 ff.
):
das hie nicht underwynde sich | gerichtes uber dissen man [Jhesus].
Behrend, Magd. Fragen
43, 4
(
omd.
,
um 1400
):
Ab eyne vrouwe zcu deme scholtissen queme unde clagete, das ir czinsman entrunnen were, und bete gerichtes, dez ginge her mit ir in das husz zcu des czinszmannes huszfrouwe.
Ebd.
84, 15
:
daz sy des toden nehiste were, unde wart mit gerichte in das erbe gewiset.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
16, 2
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Falsches gerichtes bezeihestu uns; uns tustu unrecht.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
5, 21
(
osächs.
,
1343
):
wer abir tôtet, der ist schuldic des gerichtes
[
Mentel
1466:
vrteil
 ].
Ermisch, Freib. Stadtr.
26, 9
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Welch man erbecins hat an eime huse, der mac phenden ane gerichte, ab he wil.
Ebd.
217, 16
:
der [voit] sal zu rechte dazu gehn, die wile iz tac ist, unde sal da richten, als recht ist. Ist, daz si sich an in nicht keren noch sines gerichtes nicht achten.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
167v, 46
(
Leipzig
1588
):
zum zeugnis / das er des gedachten Bapsts Nicolai straffe angenomen [...] hette / Wo sichs aber anders verhielte / solches jm zum Gericht gereichen solte.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
4, 60
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Lieb und haß verkeren das gericht.
Mon. Boica, NF.
1, 686, 2
(
nobd.
,
um 1434
):
das peinlich gericht uber in ergen lassen; aber ausz gneden auszgelassen.
Kläui, Schweiz. Urbare
2, 14, 39
(
halem.
,
1371
):
Boͤdoͤrftin och die gnossen, [...], me gerihtz von des gotzhus guͤter wegen, so [...].
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
316, 17
(
schwäb.
,
1403
):
so dürfen sie
einen stekken ... schlahen fúr daz obgenante hus, hoffstat und hoffrayd mit gericht oder ăn gericht.
Maaler
324r
(
Zürich
1561
):
Raͤchtspruch(t) (der) Raͤchtsatz oder gerichtsatz. Iurisdictio.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 519, 32
(
schwäb.
,
1599
):
Gerichtzucht. [...] wo einer den richtern in die urthel reden (würde), soll dem ambtmann drey, jedem richter ains, der obrigkeit 5 ℔ ₰ zu bezalen schuldig sein.
Henisch
1516
(
Augsb.
1616
):
Vier ding verkehren alle Gericht / gaab / haß / gunst vnd forcht.
Dirr, Münchner Stadtr.
306, 28
(
moobd.
,
1340
):
Ez sol chain richter noch amptman niemant pfentten [...], ez sey dann ertailt und mit gericht als verr choͤmen, daz er sein mit dem rechten schuldich worden sey.
Piirainen, Stadtr. Sillein
35a, 8
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
vnd pitte dich genedygez gerichtes vͤber alle meyn svͤnde.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
218, 27
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
83, 22
;
162, 11
;
v. d. Broek, a. a. O.
67r, 14
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
93, 10
;
Roloff, Brant. Tsp.
748
;
Glitsch u. a., Hofger. Rottw.
55, 19
;
Bastian u. a., Regensb. UB
382, 37
;
ders., Runtingerb.
15, 1
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 4009, 8
;
Wackernell, Adt. Passionssp. St. II,
1447
;
Maaler
170r
;
Jelinek
290
.
Vgl. ferner s. v.  4,  2,  6.
7.
›Gebiet, Bezirk, Sprengel, Fläche, die (a) unter die Rechtsprechung eines bestimmten Gerichtes (vgl. 4) fällt, die (b) einem bestimmten Gericht als Grundbesitz eigen ist, die (c) den Raum umfaßt, für den die Gerichtshoheit gilt‹; vereinzelt auch auf einen Verwaltungsbezirk bezogen; Metonymie zu 4 (für a und b), zu 2 (für c); die hier getroffenen Unterscheidungen lassen sich nur in Einzelbelegen klar voneinander trennen, deshalb folgt die Belegung ohne semantische Binnengliederung.
Phraseme
(formelhaft):
als verre das gericht ist / geht / reicht
.
Bedeutungsverwandte:
(
das
5,
2
 5, ,
1
 2,
2
,
2
 2,  8,  4, , .
Syntagmen:
jm. das g. verbieten / verderben
;
das g
. (Subj.) [wo]
angehen, js
. (Gen.)
sein, drei gerichter
[wo]
zusammen gehen
;
der krieg jm. am g. schädlich werden, eine name
›Diebesgut (Vieh)‹
an das nächste g. treiben, etw. aus einem g. füren, jn. aus einem g. überantworten / ausschiessen
›zum Kriegsdienst ausheben‹,
der müller hinter js. g. getreide zur müle füren, in einem g. arbeiten / sitzen
›ansässig sein‹
/ wonen / sterben
(erbrechtlich relevant)
/ liegen
(von Immobilien),
jn. in einem g. aufnemen, zu tode schlagen, in einem g. etw. verkaufen, ein bach in einem g. ausbrechen
›über die Ufer treten‹,
in einem g. dingpflichtig sein, j. / etw
. (z. B.
der hof
 )
in ein g. gehören, die tat in einem g. geschehen, ein grund in einem andern g. liegen, das gut in seinem g. versetzen, j. habe in einem g. erfaren, von einem g. in das andere laufen, das dorf zu einem g. gehören
;
das g. des gotteshauses, des herren von Mainz, das g. mit wasser / weide
;
das g. auf der kleinen Elbe, zu felde / dorfe, zum se
;
die commune des gerichtes
;
die bistum mit iren gerichten, die bauern in einem g., ein fach in einem g
.
Wortbildungen:
gerichtsbach
›Bach im Gerichtsbezirk‹ oder ›Grenzbach zwischen zwei Gerichtsbezirken‹,
gerichtsbanwasser
(vgl.
2
 5),
gerichtsbezirk
(a. 1537),
gerichtsbidmark
›Begehung der Gerichtsgrenze‹ (zum Gw s.  1),
gerichtsflecke
›im Gerichtsbezirk liegende Ortschaft‹,
gerichtshalbmas
ein Getreidemaß,
gerichtsinsasse
›in einem Gerichtsbezirk Angesessener‹ (Beleg s. v. ),
gerichtskugelmark
›Grenze des Gerichtsbezirks‹ (Beleg s. v.
aufhin
; zu
kugel
s. Dwb
5, 2537
: ›Grat der Anhöhe, Wasserscheide, wie sie durch eine rollende Kugel festgestellt wurde‹),
gerichtsmark
a) ›Grenze eines Gerichtsbezirks‹ (Beleg s. v.  3; b) ›die Grenze kennzeichnende Marke, Grenzzeichen‹,
gerichtssässe
2 ›in einem Gerichtsbezirk Ansässiger‹ (a. 1484 f.),
gerichtsscheide
›Grenze eines Gerichtsbezirks‹ (a. 1647),
gerichtsstein
›Grenzstein eines Gerichtsbezirks‹ (a. 1559).

Belegblock:

Kollnig, Weist. Schriesh.
26, 24
(
rhfrk.
,
1399
):
daz die von Heydelberg schutzen hant gesetzt uber den Neckar heruber in die faudy und gericht unßers herren von Meintze.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
3, 240, 15
(
mosfrk.
,
1373
):
zweiongen und uneindrechtikeit [...] umb die weiden in den rodebuschen binnen gerichte derselben dorfer gelegen.
Ebd.
3, 261, 31
(
1412
):
daz wir [...] umb nutzen getruwen dinst, den uns [...] Johan von Ursfelt [...] getan hait [...] erleuben an diesem brieve, ein fach in unserm gerichte und wasser der Moseln.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
15, 32
(
rhfrk.
1451
):
so hant sie zü rechte gesprochen, das die graveschaft zü Hanauwe die obersten herren sien des gerijchts zü Burgjossa und das dasselbe gerijchte yre halb luter eigen sije mit wasser und weyde.
Goerlitz u. a., Rechtsd. Schweidnitz
208, 13
(
omd.
,
1440
):
ligende grunde, in andern gerihten gelegen.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
653, 10
(
thür.
,
1421
):
das sie des synnes worden das on der krigk schedelicher worde an yren dorffern unde gerichten, denn on genutzen mochtin der von Erfforte vorderunge.
Thiele, Chron. Stolle
211, 19
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Do vorterbeten sy den von erfforte or gerichte unnd ore dorffere zu grunde.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
161, 25
(
thür.
,
1474
):
gericht, darynne dy tat geschen ist.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
418, 31
(
osächs.
,
1523
/
4
):
Was auch der tode man erbesgutes gelassen hat, das soll nemen das gericht, do der inne gestorben ist.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
34, 12
(
nobd.
,
1323
):
daz dritte jar schol er [...] in die stat nith komen,als verre daz gerihte reichet.
Mon. Boica, NF.
1, 31, 15
(
nobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Daz dorf git stewer und dienst und gehoͤrt zu dem geriht.
Geier, Stadtr. Überl.
600, 38
(
nalem.
,
1585
):
darauf ist bethädingt, das die von Überlingen in oder an irn nidern gerichten fürohin die gerichtsmarken höher nit ob dem erdrich dann zween werkschuoch hoch ufsetzen [...] sollen.
Müller, Lands. St. Gallen
11, 15
(
halem.
,
1483
):
Es sol öch hinfür niemant in der gemelten lantschaft und des gotzhus gerichten, zwingen und pennen wonende weder sin lip noch guͦt in dhain weg [...] underwürfig machen kainen andern [...] gerichten anders denn denen gerichten, darinne jetlicher gesessen oder das guͦt gelegen ist.
Bächtold, N. Manuel. Papst
75, 1172
(
Zürich
1525
):
Und wurfend die puren in unserem gricht | So vil gelts in ,s becki, [...], | Es klinglet stets den ganzen tag.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
222, 24
(
halem.
,
1525
):
si vermainent, dz ain jetlicher in iren grichten sin guͦt, es sig uf gaistlich oder weltlich gricht, wol versetzen
[könne].
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
341, 15
(
halem.
,
1634
):
daß kein müller dem anderen synen kunden abwigglen noch abgutzlen und also kein müller hinder deß anderen gricht und bezirck, [...] einich getreidt zmüli reichen, sonder jeder sich synes ordenlichen bezircks ersettigen ... sölle.
Müller, Nördl. Stadtr.
398, 18
(
schwäb.
,
1436
):
wan semlich, die den angriff getan hetten, dieselben name uff rechte in das nechst gericht triben und dabei leiden wolten, was recht wer, so [...].
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 482, 34
(
schwäb.
,
1570
):
so sollen [...] in jedem meiner gerichtsflecken die geschworne undergenger darzu verordnet sein, daß die umb sollich sachen clag, antwurt, gegen- und widerred, [...] anheren.
Turmair
1, 390, 27
(
Augsb.
1517
):
dioecesis ,gricht‘ apud Ciceronem ,piet, grichtzwang‘.
Ebd.
4, 115, 4
(
moobd.
,
1522
/
33
):
jerlichen schoß man gemainlich auß iedem gericht und dorf auß den hundertesten man.
Fuchs, Urb. Göttweig
257, 16
(
moobd.
,
1361
):
9 hertstet und der zehnthoͤf ze Muͤldaͤrf, daz daz alzz gehoͤrt in daz gericht ze Choͤtans mit den toͤt und mit flizzͤnt wuͤnten.
Roth, E. v. Wildenberg
54, 3
(
moobd.
,
v. 1493
):
anno domini 745 hat der vorgedacht Bonifaci mit gonst hertzog Ottilo ausgeteilt die bistumb in Beirnland mit irn gerichten.
Mell u. a., Steir. Taid.
119, 18
(
m/soobd.
,
1505
):
Von erst geet unser gericht an die Lamyngprugk, und darnach auf den Gruenwald an das wassergeschaid.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
13, 13
(
smoobd.
,
1637
, Hs.
E. 17. Jh.
):
das gemischte aber [solle] als von ainem gerichtshalbmaß 1½ müssl zue maut genommen werden.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
359, 3
(
m/soobd.
,
1576
):
die panthäding und pidmark [...] werden in amthauß auch jährlichen zwaimall [...], darinnen man auch die gerichtspidmark, wie von alter herkomen, vermelt, gehalten.
Ebd.
369, 43
(
17. Jh.
):
soll sich hinfüro in des stüfts Rhein gerichtpaanwasser niemant der da vischen oder kreussen wolte bei der straf nit finten lassen.
Ebd.
495, 37
(
16.
/
17. Jh.
):
von Tangern nach den gerichtspach bis hinab auf den see.
Leman, Kulm. Recht
2, 4, 28
;
96
;
Helbig, Qu. Wirtsch.
5, 56, 27
;
134, 13
;
Hertel, UB Magdeb.
3, 395, 25
;
608, 26
;
Küther, UB Frauensee
415
;
Grosch u. a., a. a. O.
179, 3
;
180, 33
;
243, 13
;
Maag u. a., Habsb. Urbar
2, 1, 750, 20
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
31, 9
;
Geier, Stadtr. Überl.
158, 11
 f.;
173, 20
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
8, 21
;
11, 15
;
Welti, Stadtr. Bern
600, 21
;
654, 12
;
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
415, 28
;
ders., Stadtr. Bern
279, 11
;
ders., Gebiet Bern
7, 30
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
161, 15
;
Gehring, a. a. O.
3, 218, 31
;
Müller, Stadtr. Ravensb.
100, 20
;
Bastian, Runtingerb.
212, 10
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
170, 21
;
Dirr, Münchner Stadtr.
339, 17
;
Herzog, Landsh. UB
340, 37
;
Hör, Urk. St. Veit
120, 17
;
Siegel u. a., a. a. O.
81, 40
;
Mell u. a., a. a. O.
101, 7
;
Bischoff u. a., a. a. O.
479, 20
;
Wopfner, Bauernkr. Tirol
7, 22
;
Pfälz. Wb.
3, 224
;
226
.
Vgl. ferner s. v.  2, ,  1, (
die
1,  3,  1,  1.
8.
›Richtstätte; Galgen‹; als Metonymie: ›Hinrichtung‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1, , , I, 2,  2,  2,
1
 1.
Wortbildungen:
gerichtplaz
2 ›Richtstätte‹,
gerichtschwert
›Richtschwert‹,
gerichtstag
2 ›Tag der Vollstreckung eines Urteils‹ (a. 1532 f.).

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 61, 26
(
nrddt.
,
1565
/
6
):
haben die feinde bei der Sudenburger gerichte sich understanden unser viehe zunehmen.
Opel, Spittendorf
420, 9
(
osächs.
,
um 1480
):
das die zwene gericht und gehangen wurden: und nemlich Kakuschke, der hatte lenger den acht tage immer mehr am gerichte gebluttet.
Chron. Augsb.
2, 71,
Anm. 2 (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
2 guldin und 12 grozz dem nachrichter von dem gericht über den Griesherren.
Henisch
1516
(
Augsb.
1616
):
Gericht / Galgenfeld / carnificina.
A. à S. Clara. Glori
47, 24
(
Wien
1680
):
Der H. Soldat Georgius ist samt der Kaͤyserin mit vor Freuden zusammen geschlagenen Haͤnden nach dem GerichtPlatz gangen.
Qu. Brassó
4, 238, 27
(
siebenb.
,
1654
):
hat sich ein Tuchmacher Andres Kük erhänkt und folgendes Tages durch den Henker bei das Gericht begraben.
Rechn. Kronstadt
3, 695, 8
(
siebenb.
,
1540
):
dedi emundatori gladiorum, quod gladium iudicii vulgo gericht schwert emundavit asp. 6.
Qu. Brassó
4, 241, 20
;
283, 21
;
Schweiz. Id.
8, 261
.
9.
›in zeichenhafter Weise (z. B. mit Richterstuhl, Hegung, Schranne, Abtrennung) zubereiteter Ort, Stelle, an der das Gericht (im Sinne von 4) tagt oder wo der Gerichtsherr sich gerade aufhält; Gebäude, in dem das Gericht untergebracht ist‹ (dazu unter Sachaspekten: Hrg
1, 1550
).
Vielfach Rechts- und Wirtschaftstexte.
Syntagmen:
das g. einnemen / verbannen
;
das g
. [wo, z. B.
zu hause / hofe des richters
]
sein
;
an das g. kommen, etw
. (z. B.
der weingarte
)
an dem g. gelegen sein, briefe in ein g. legen, in dem g. etw. verlieren, für dem g. stehen, zu g. laufen, etw
. (z. B.
das pferd
 )
zu g. füren
;
das g. vor dem hof, auf dem markt
;
der stul / ring des gerichtes
.
Wortbildungen:
gerichtsbank
1. ›Ort, Sitz des Richter(kollegium)s‹; 2. ›Bank, Sitz der einer Gerichtsverhandlung Beiwohnenden‹;
gerichtsbank|spannung
,
gerichts|
1
laube
(Gw zu
2
,
der/die/das
, 1),
gerichtsschranke
›die Gerichtsversammlung von den Zuhörern trennende Schranke‹ (16. Jh.),
gerichtsstegetor
›Tor der Treppe (s. ) zum Gerichtsgebäude (als Ort von Aushängen)‹,
gerichtstor
.

Belegblock:

Aubin, Weist. Hülchrath
106, 18
(
rib.
,
1607
):
ich wolte Johan Keuper [...] wie es mit der gerichtzbankspannung eine gelegenheit und mit was worten dieselbe im ampt Hulcherodt [...] geschehe, fleissig abfragen.
Ebd.
230, 14
(
1624
/
31
, Hs.
18. Jh.
):
wan die untertanen [...] am herrenhaus versamblet und die gerichtsbank gekleidet, werden der untertanen namen abgelesen.
Köbler, Ref. Franckenfort
83, 5
(
Mainz
1509
):
das solche güttere [...] in ein sonderen zettel geschrieben / vnd an die gerichts stegen thore [...] angeschlagen werden soll.
Ebd.
94, 2
:
ob etwan vonn parthyen brieffe / register / acta / [...] / in gericht gelegt werden.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
282, 2
(
thür.
,
1474
):
habe daz gelt nicht wollen von ym uffnemen, deshalbin so habe er daz in gerichte geleyt: lyhet danne daz gelt in gerichte, daz Heinrich Swynicz daryn geleyt hat, so [...].
Ermisch, Freib. Stadtr.
9, 89, 2
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
vure iz [pfert] zu gerichte, daz ist zu huse unde zu hove des richteris.
Ebd.
211, 28
:
wo he [aftervoget] denne ist in dem wicbilde, iz si vor der stat oder in den gazzen oder in den husen, uf dem marcte oder wo he ist, da ist in gerichte.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Joh.
19, 13
(
osächs.
,
1343
):
dô Pilâtus hôrte dise rede, dô fuͦrte her Jhêsum hin vore und saz ûf dem stûl des gerichtes
[
Eck
1537:
richterstuͦl
,
Luther
1545:
Richtstuel
 ]
an der stat di gesprochin ist Litôstratoth.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
61, 11
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
wen si kumen an di stat do das gemeyne gerichte ist, so ruft her [...].
Dinklage, Frk. Bauernweist.
87, 31
(
nobd.
,
1446
):
das wir uff hute [...] mit dem edeln juncker Cunrade [...] fur sinem geriechte daselbst gestanden sin, das uff dem furwerck besetzet und beheget was.
Merz, Urk. Lenzb.
101, 17
(
halem.
,
1560
):
das Vͤly Lüscher hinder des gerichtes ring stan vnd sich da offenlich vor allermengklichem bekennen.
Müller, Nördl. Stadtr.
34, 23
(
schwäb.
,
1348
/
50
):
haben wir gesetzet, daz die richter vor gericht, welch ains wort sprechent, suͤlent usserhalb der innern srannen stan.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 305, 15
(
schwäb.
,
1612
):
Es sollen auch meine ambtleüth daß gericht an drey pfund pfennig straff verbannen, daß niemands darhinder redt dan durch sein erlaubten fürsprechen.
Henisch
1515
(
Augsb.
1616
):
Gerichtsbaͤncke / Baͤncke auff einander gesetzt / das eine hoͤher [...] ist als die ander.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
108, 5
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
darnach namen sy den turn eyn zu Zoll mitsambt dem gericht.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
204, 1
(
smoobd.
,
1565
):
daz der gerichtspot sprücht, er hab daz lanttäiding zu trei 14 tagn uber die gerichtsläbm berueft.
Hilliger, Urb. St. Pantaleon
351, 18
;
Hertel, UB Magdeb.
3, 53, 35
;
607, 31
;
Grosch u. a., a. a. O.
184, 16
;
Ermisch, a. a. O.
217, 24
;
218, 23
;
Schwäb. Wb.
3, 412
;
414
.
10.
›jüngstes Gericht, einer säkular-menschlichen Gerichtsverhandlung analog gedachtes Gericht mit Gott als Richter und dem Einzelmenschen nach seinen Taten bzw. der Menschheit als zu Gericht Stehenden‹; Gott wird dabei teils als
got
1 ›Gott-Vater‹, häufiger als
got
2 ›(wiederkommender) Christus‹ verstanden; seine Haltung ist die der Gerechtigkeit, das heißt einerseits des
zornes
über die Sünde des einzelnen Menschen und der Menschheit generell, andererseits die der erlösenden Liebe, Barmherzigkeit, wie sie der Erlösungstat Christi entspricht. Die zu Gericht Stehenden unterliegen einem endgültigen,
lezten
Urteil, und zwar entweder der ewigen Verdammnis in einer Feuerhölle (
helle, ewiges feuer, ewige flammen
) oder der ewigen Seligkeit,
freude
(mit Eingang in das
himmelreich
); der Mensch hat sich des Jüngsten Gerichtes deshalb immer bewußt zu sein. Das Gerichtsgeschehen vollzieht sich als Glaubensrealität in (auch in der Ikonographie immer wieder begegnenden) Bildern: in Wolken kommender, in den Wolken richtender, sprechender Richter, Engel, Feuerflammen, Adler, Trompeten, Nacktheit der zu Richtenden; vielfach tropische oder sonstige über den Darstellungsinhalt hinausgehende Bedeutung der Bilder bzw. Bildelemente. Vielfach metonymischer Gebrauch: ›Urteil Gottes‹; ›Verhandlung des Jüngsten Gerichtes‹; ›Zeitpunkt des Jüngsten Gerichtes‹.
Zur Sache: LThK
4, 1960, 726-37
(dort Angabe biblischer Anbindungen); Lex. d. Mal.
4, 1327
.
Gehäuft Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Phraseme:
das ewige / gemeine / grosse / jüngste
(meist)
/ hinterste / lezte gericht
.
Bedeutungsverwandte:
(s. v.  5,  6), , (s. v.  5,  8); vgl.  6.
Syntagmen:
das g. halten, das jüngste gericht aufrichten, das g. vor sich haben, got das g. sitzen
;
das jüngste gericht
(Subj.)
alle ding verneuen, zu furcht üben, furchtlich machen, die bösen ausschlagen / bessern, im tal Josaphat geschehen, ein tag des zornes, der angst / jamerkeit sein
;
des gerichtes warten
;
an das jüngste gericht denken, am jüngsten gericht weinen, freude empfangen, Jesus am jüngsten gericht wiederkommen, j. am jüngsten gericht richten / urteilen, die engel am jüngsten gericht gerichtet werden
(als Problem angesprochen),
jn. auf das jüngste gericht laden, der herre im g. sitzen, im jüngsten gericht dem menschen verderbnis zukommen, jn. von dem jüngsten gerichte träumen, um des lezten gerichts willen etw. bitten, vor g. stehen, vor dem g. (nicht) bestehen, jn. für das jüngste gericht füren, zu g. aufstehen, got / Christus zu(m) gericht kommen
;
das ängstliche / götliche / herte / (ge)strenge / künftige / unsträfliche gericht, das g. gottes, des herren, des todes, das g. über die kinder
(als Problem angesprochen);
die zeit des gerichtes, der tag des (grossen / jüngsten) gerichtes, die abmalung des jüngsten gerichtes, das gemälze von dem jüngsten gericht, die wiederkunft [Christi] zum g.
Wortbildungen
gerichtstul
2 (dazu bdv.:  ).

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
12, 13
(
preuß.
,
1407
):
eyn silberyn cop, [...], dor off steet unsers herren bilde als her sitczt im gerichte.
Luther, WA
7, 218, 16
(
1520
):
und alle menschen, alle engele und teuffel fur seyn gerichts stull kummen mussen.
Ebd.
8, 490, 38
(
1521
):
Dißen tzorn hatt er auch auff die letzten tage gespart, antzufahen den ewigen tzorn seyns bald kunftiggen gerichts.
Ebd.
10, 1, 1, 8, 1
(
1522
):
die vorprant werden, sind des gericht stuls wirdig, den werden sie auch am iungsten tag besitzen.
Ebd.
18, 89, 8
(
1525
):
Das er mich [Luther] auch auffs jungst gericht lüd uber der schwermer messe.
Ders. Hl. Schrifft.
Weish. 6, 6
(
Wittenb.
1545
):
Es wird gar ein scharff Gericht
[
Froschauer
1530:
vrteyl
,
Dietenberger
1534:
vrtheil
,
Eck
1537:
vrtail
 ]
gehen vber die Oberherren.
Ebd.
Jak. 2, 13
:
Es wird aber ein vnbarmhertzig Gericht vber den gehen / der nicht Barmhertzigkeit getan hat.
Alberus, Barf.
65, 10
(
Wittenb.
,
1542
):
Zu der stund als Franciscus geboren ward / [...] ward ein solch getumel / das sie [Teuffel] meineten der Jungste tag keme. Als sie aber sahen / das das Gericht nicht gehalten ward / sprachen sie / Es wird gewislich ein Kind geboren sein / welchs [...] die Helle [...] zurstoren wird.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
396, 18
(
Wolfenb.
1594
):
Ich Citire dich vor das gestrenge Gerichte Gottes, Da soltu Rechenschafft von geben.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
6198
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Vor Gotes angesichte | Zume lesten gerichte | Do richte ich richter ober sie.
Ebd.
11928
:
brinc uns in unse ewikeit | Swelchewis an der geschichte | Daz du sitzes din gerichte, | Wen sich dan musen alle dinc | Enden um diz arm gesprinc | Unser menschlichen art.
Ebd.
20224
:
An der letzesten irstende, | Swenne Got mit Gotes witzen | Sin gerichte sal sitzen | Und mit rechten urteilen | Die gerechten sal heilen | [...] | Die unrechten vordammen.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
733
(
pfälz.
,
1436
):
Volwirckt aber das mensch vnordenlich vnd böse wercke [...] vnd wirt dar jnne tötlichen funden an sinem jüngsten ende, so wirdet es verdampt jn das ewig füre; dann nach dem hindersten geriechte so sint nicht me dann zwen staet der menschen, das ist das hiemelrich vnd die helle.
Müller, Faustb.
973, 19
(
Frankf.
1587
):
Mein Fauste / seye doch nicht so kleinmuͤtig / ob du schon deinen Leib verleurest / ist doch noch lang dahin / biß dein Gericht wirt.
Froning, Alsf. Passionssp.
7920
(
ohess.
,
1501 ff.
):
Jhesus, [...], | der wyrt widder kommen | ane dem jungsten gericht.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
394, 21
(
thür.
,
1421
):
do tromete om [babist] das got sesse gerichte yn dem uffgange ssonnen unde das vil engel umbe on weren.
Schönbach, Adt. Pred.
5, 16
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
wiltu mit houbetsunden [...] unsers herren gotes lichnam untphan. du untphes dar an daz gerichte des ewigen todes.
Ebd.
18, 1
:
der ist selich der sine cleider, daz ist sine reinikeit, bewart, usser daz er niht nacket [...] werde gesehn vor deme gerichte unsers herren Jesu Christi und daz man niht enseh die schande [...] siner sunde.
Fastnachtsp.
1451, 20
(
nobd.
,
15. Jh.
):
Das lest oder gemein gericht wirt sein an dem end der wellt.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
14, 2
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Welche ubel und verderbnuß dem menschen in dem tod und in dem jungsten gerichte czukumen werden.
Ebd.
14, 8
:
andern dingen sol er fursehen den forchtsamen tod und die ding, die den selben tod umbsteend und mitwonend und nochvolgent, und das streng und ewig gericht, das da pleiben wirt on ende.
Ebd.
14, 75
:
Davon spricht JERONIMUS: Wenn ich gedenck von dem tag des jungsten gerichtes, so erschrik ich von ganczem herczen und leib, wann, als der prophet SOPHONIAS schreibet, der tag des jungsten gerichts ist ein tag des czorns, ein tag der angst und der jamerkeit.
Gille u. a., M. Beheim
84, 169
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
durch den erschrakenlichen tag | des jungsten gerihts, da man klag | und antwürt fur wurt halten.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
184
(
Nürnb.
1517
):
Vil werden am tag des gerichts zu mir sprechen: „Herr, herr, haben wir nit in deinem namen prophezeit“.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
164, 16
(
Nürnb.
1548
):
das wir wissen / wie wir suͤnder sind / vnd Gottes gericht vor vns haben.
Dietrich. Summaria
30v, 36
(
Nürnb.
1578
):
biß er [Christus] verkleret / vnnd endlich zum gericht kommen / vnd die vnglaubigen in die ewigen flammen werffen werde.
Rieder, Gottesfr.
46, 14
(
els.
,
1382
/
91
):
ein tofele, hoͤrt bi ein gemeltze von dem júngesten gerihte, wie unser herre urteilet alle kúnne der menschen, einen ieglichen noch sime verdienende.
Ebd.
21
:
Stont uf ir toten zuͦ gerihte, | Ir muͤssent fúr gottes angesihte.
Koller, Ref. Siegmunds
341, 40
(Hs.˹
Basel
,
um 1440
˺):
darumb uns der leo zu hilff gegeben ist, der lest die feürein flammen schissen, das ist der zorn des herten gerichts gotz über alle mainaid cristen, die da verprennt und zerstört werden.
Päpke, Marienl. Wernher
9071
(
halem.
,
v. 1382
):
er [Gott] wirt komen sunder wan | Inainem wolken zegericht.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2914
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Do erschinend oͮch zwen engel klar, | Die wÿssagetend do fúr war | Das er och mit gewaltes pflicht | Also kaͤm an das jungst gericht.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron.
57, 15
(
schwäb.
,
1549
):
ob dem gebew ist ein grosser adler gestandenn mytt zwenn feyssenn auff zwenn nackenttenn perschönenn zwischenn dennenn ist gewessenn ein byld des gericht in einer hand ein trommettenn gehabtt inn der ander ein palm als ein zeichenn des sygs.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
80, 10
(
München
1528
):
ain yeder wirt dort gericht vor dem gerichtstuoel cristi.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
24, 26
(
tir.
,
1464
):
die erschrikhenleich vrtail, die da gëben würd der gerecht richter an dem tag des grossen gerichtes, so er sprechen würt: ,Get. ir verflüechten, in das ewig feür, das da peraitet ist dem tiefl vnd seinen engel‘.
Dies., Zist.-Pred. Haller
40, 32
(
tir.
,
1466
):
Wer iczund nicht seufften ist vmb das abesen Kchristi, der sol sehen, das er nicht wainen werd an dem jungsten gericht.
Ebd.
91, 228
:
die Kchristum sint lieb haben [...] sind sich auch mer freuen der freuden, die Kchristus enpfhangen hat von seinem vater in seiner vrstent [...], denn aller der freuden, die sÿ enpfhahen werden von Kchristo an dem junsten gericht.
Dies. Imitatio Haller
63, 13
(
tir.
,
1466
):
die wort die sint vil hertter, die er sprechen würt an dem jungsten gericht.
Luther, WA
8, 719, 29
;
10, 1, 2, 376, 23
;
Fischer, Brun v. Schoneb.
11049
;
Gropper. Gegenw.
150, 15
;
Kollnig, Weist. Schriesh.
297, 8
;
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
23, 18
;
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 13, 24
;
13, 13, 10
;
Langen, Myst. Leben
212, 22
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
164
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
568, 16
;
Reichmann, a. a. O.
169, 24
;
Lauchert, Merswin
16, 9
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
232, 20
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
13, 6
;
Grundmann u. a., A. v. Roes
207, 1
;
Rieder, St. Georg. Pred.
336, 34
;
Wyss, Luz. Ostersp.
7222
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
5, 92
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst., S. 
263
;
Drescher, Hartlieb. Caes.
398, 4
;
Bauer, Imitatio Haller
99, 12
;
101, 9
;
Dietz, Wb. Luther
2, 86
;
Warnke, Wb. Müntzer.
1993, 153
.
Vgl. ferner s. v. , ,  1, ,
1
 6.
11.
›nicht in der Form der Gerichtsverhandlung gedachtes, von Gott als dem Herren des Rechts ausgehendes, streng oder (seltener:) gnädig richtendes Urteil Gottes; gottgewolltes Urteil‹; mit Tendenz zum Kompositum
gottesgericht
, dann ›Gottesurteil‹.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl.  2.
Syntagmen:
das g. gottes gerecht, jm. zu unheil sein; etw. das g. gottes sein
;
got der herre seines gerichtes sein
;
aus dem g. etw. ergehen, durch gottes gericht
(Kompositum?)
zum tod gebracht werden, vor gottes g. bestehen
;
das g., die gerichte gottes, das g. der gnade
›gnädiges Urteil, Gnadenbeweis‹,
der gerechtigkeit
›gerechtes Urteil, Beweis, Zeugnis der Gerechtigkeit‹;
das erschrekliche / gerechte / unbegreifliche g
.
Wortbildungen:
gerichtampt
.

Belegblock:

Luther, WA
7, 10, 14
(
1520
):
glaub [...] alleyn denen, die dich demütigen, da ist gottis gericht.
Ebd.
12, 363, 2
(
1523
):
mit solcher furcht und demut, als wenn yhr fur Gottis gericht stundet.
Ebd.
8, 483, 15
(
1521
):
das wyr ym todt wider den teuffel und alle seyn macht, auch gegen dem gericht gottis zu streytten geschickt seyn und mit Jacob gott durch eyn solchen starcken glawben uberwinden.
Ebd.
16, 112, 16
(
1524
):
so ergehet aus gerechtem Gericht, das Gott verhenget, das das hertz Pharaonis verstockt wird.
Ebd.
16, 356, 25
(
1525
):
sie [Richter] sollen [...] mit recht richten zwischen inen, [...] und niemands Person schewen, denn das Gerichtampt ist Gottes.
Ebd.
18, 176, 5
(
1525
):
Wer unwirdig des herrn gedechtnis hellt, der verdienet yhm das gericht.
Ebd.
26, 202, 27
(
1528
):
das sie vleissig und offt die leut zur busse vermanen, Rew und leyd uber die sunde zu haben und zuerschrecken fuͤr Gottes gericht.
Ders. Hl. Schrifft.
5. Mose 1, 17
(
Wittenb.
1545
):
das Gerichtampt ist Gottes
[
Luther
1528:
gericht
,
Mentel
1466,
Eck
1537:
urteil/urtail
 ].
Dubizmay, kurß zu Teutze
11, 9
(
hess.
,
1463
):
Gots vorcht ist heylig [...] seyn gerichte sind ware.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
14, 13
(
Frankf./M.
1563
):
daß boͤse Hexen / [...] / vil dings bekennen was sie durch Zauberey haben außgericht / derhalben sie auch durch Gottes gericht / und den dienst der Oberkeyt [...] vom leben zum todt gebracht werden.
Strauch, Par. anime int.
138, 32
(
thür.
,
14. Jh.
):
,deus iudicii dominus. Got ist ein herre sines gerichtis‘. der babist inist nicht ein herre sines gerichtis, he muiz richtin noch deme alse ime geschribin ist, wan abir Got ist ein herre sines gerichtis, darumme richtit he noch sinem willin, und wan he daz tuit, so intuit he sinir gerechtikeit kein unrecht, alse he sich irbarmin wil.
Eggers, Psalter
70, 25
(
thür.
,
1378
):
Er [got] minnet gnade vn̄ gerichte.
Gille u. a., M. Beheim
159, 118
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wie unpegriffenlichen stan | mit wunder also reichen | Die gericht deiner grechtigkeit.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
142, 16
(
Nürnb.
1548
):
nichts dest weniger bleibt jmmerdar das hertz foͤrchtig vnd erschrocken / es kan sich wider Gottes zorn vnd gericht nicht troͤsten.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
136, 14
(
moobd.
,
1478
/
81
):
peicht dein sündt, wann du pist ain sun des tods; das ist das gericht Gottes.
Luther, WA
10, 3, 182, 2
;
12, 384, 20
;
14, 55, 15
;
17, 1, 289, 39
;
26, 202, 27
;
36, 454, 24
;
Bauer, Geiler. Pred.
94, 4
;
Koller, Ref. Siegmunds
67, 28
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
87, 76
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
12, 27
.