handel,
der
;
-s/-Ø
+ Uml.
1.
›Tätigkeit, Tun, Handlung, Verhalten, Lebens-, Verhaltensweise‹; oft negativ: ›Frevel, Praktik, unlauteres Geschäft‹; als Metonymie: ›mit der Tätigkeit verbundene Angelegenheit, Sache‹; auch: ›Produkt der Tätigkeit‹;
vgl.  23.
Phraseme:
handel und wandel
›Tun und Lassen‹;
einen wurm in den handel setzen
.
Bedeutungsverwandte:
1
 5, , (
das
), , , , .
Syntagmen:
got den h. vertrauen; etw. dem handel gemäs sein; in seinem h. lauter sein; jn. in seinem h. behüten, sich in seinem h. wie halten; der h. des heiligen geistes, des fürsten; der eheliche / faule / garstige / geistliche / gotlose / schändliche / seltsame / weltliche / zauberische h.

Belegblock:

Schöpper
29b
(
Dortm.
1550
):
Facinus. That geschicht handel.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
560, 1678
(
Magdeb.
1608
):
Der Fuͤrst lachet / vnd saget her / | Das Krieg ein solcher handel wer / | Da man samlet viel Leut vnd Pferd.
Mieder, Lehmann. Flor.
781, 27
(
Lübeck
1639
):
Wenn man etwas wil verboͤsern vnd verderben / so muß man ein Wurm in Handel setzen.
Knape, Messerschmidt. Bris.
42, 16
(
Frankf./M.
1559
):
dem
[Gott]
vertrawet er sein Seel / leib un̄ alle hendel.
Stoltzius, Chym. Lustg. Vorr.
10
(
Frankf./M.
1624
):
dieses alles soll vnsers Handels vnd Wandels fuͤrnembster Zweck vnd Ende seyn / daß [...].
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
7, 8
(
Frankf./M.
1563
):
diesen Bericht von den Zauberischen haͤndeln an das Liecht zu bringen.
Pyritz, Minneburg
4939
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Min leben und min handel | Hatt gar unseligen wandel.
v. Groote, Muskatblut
22, 28
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
des heiligen geistes handel, got mentsch in dir
[Maria]
entsprosz.
Gille u. a., M. Beheim
82, 438
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Als aines andern menschen | sein handel und wandelung was.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
81, 19
(
Nürnb.
1548
):
Behu̇t mich auch in meinē handel / das der Teuffel [...] mich nut verfu̇re.
Goldammer, Paracelsus
2, 281, 13
(
1539
/
5
):
er ist allein mit geistlichen hendeln umbgangen und mit nichten mit leiblichen hendeln.
Adomatis u. a., J. Murer. Bab. S. 
79
(
Zürich
1560
):
ob du hierinn vilicht fundist das dem handel nit gemaͤß [...] waͤre.
Maaler
210v
(
Zürich
1561
):
Ein fein Handel oder thuͦn vnd lassen vernütigen / verwerffen vnd brechen.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
158, 6
(
moobd.
,
E. 14. Jh.
):
wie die Elweinin [...] sull seltzam händl in irem leben getriben [...] haben.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
33, 7
(
smoobd.
,
1625
):
all fräfel und händl [...] ze richten, ze handlen und ze straffen, allain die drei händl nemblich strang, prand und radt solle er herr pfleger [...] anzaigen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
104, 1932
;
Pfefferl, Weigel. Gn. S
89, 19
;
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
12
;
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 443, 5
;
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
177v, 9
;
Gille u. a., M. Beheim
139, 122
;
Drescher, Hartlieb. Caes.
322, 31
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
7, 11
;
Klein, Oswald
86, 23
.
2.
s.  6.
3.
›Streit, Zwist; tätliche Auseinandersetzung zwischen Personen; kriegsähnlicher Konflikt; Krieg‹;
vgl.  7.
Phraseme:
der handel hebt sich über etw.
Bedeutungsverwandte:
,
1
, .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
den h. beschreiben / erzälen / strafen, einen h. mit jm. haben; in einem h. um das leben kommen; der böse / frische / streitbare / wilde h.

Belegblock:

Luther, WA
7, 3, 15
(
1520
):
Es zwingt mich der handell und streyt, ynn wilche ich mit etlichen wusten menschen [...] kummen bynn, [...].
Ebd. WA
30, 3, 214, 28
(
1530
):
Denn der handel hebet sich daruber, das die Juͤden [...] sich von yhren weibern scheideten, wenn sie wolten.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
552, 1440
(
Magdeb.
1608
):
Weil die furcht stets drawt mehr gefahr / | Denn sonst im handel selber war.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
120, 24
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
so du jm felde bey eim handel oder des handels ein hauptman bist.
Franck, Decl.
337, 40
(
Nürnb.
1531
):
Daher kommen kryg / vneinigkeit / mord / haß / vnbillichkeyt / arckwon vnd aller boͤser handel.
Turmair
5, 298, 11
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Im zeitpuech über ganz Teutschland find man den handel
[Investiturstreit]
nach der leng beschriben.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
207, 17
(
m/soobd.
,
16.
/
17. Jh.
):
wan [...] in frischen handl ainer umb sin leben käme.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1494
;
Chron. Nürnb.
3, 269, 10
;
Bachmann, Morgant
27, 22
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
25, 16
;
Fuchs, Kart. Aggsbach
108, 2
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
17, 44
.
Vgl. ferner s. v.  8.
4.
›Handel; gewerbliche Tätigkeit‹;
vgl.  8.
Syntagmen:
h. haben / treiben / üben, den h. verbieten, den h. liegen lassen; der h. frei sein; etw. für den h. brauchen; h. des pochwerks, h. auf gewin, mit kaufen / verkaufen, mit baumwolle / seide, durch das land; der grosse / weltläufige h.
Wortbildungen:
handelgold
›mittels Bergbau gewonnenes Gold‹ (a. 1546),
händelmark
,
händelsheller
(wohl ad-hoc-Bildung für eine fiktive Münze),
handelssache
,
händelstük
,
handelsverderber
.

Belegblock:

Schöpper
82a
(
Dortm.
1550
):
MERCATURA. Gewerb handell kauffmanschafft handtierung handlung geschefft gewerbschafft.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
132, 2748
(
Magdeb.
1608
):
Was sein leben wer / vnd sein wandel / | Was er braucht fuͤr gewerb vnd handel.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 9, 10
(
md.
1521
):
der weltliche guͤter begert oder händel uf gewinne treibt.
Kollnig, Weist. Schriesh.
305, 20
(
rhfrk.
,
1512
):
so die herren von Schönau hendel und gescheft haben, mögen sie [...].
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 49, 35
(
schles.
,
1537
):
in welchem [ort] allerlei krämer- und handelssachen verkauft werden mögen.
Sachs
17, 464, 23
(
Nürnb.
1557
):
Achterley händelstück | Die bringen neunerley unglück.
Ebd.
21, 283, 36
(
1564
):
Fünffzincket weinraut muß da sein, | Zwen händleshäller groß und klein.
Rennefahrt, Zivilr. Bern
119, 26
(
halem.
,
1501
):
ob jemand daruber eynichen handel mit kouffen, verkouffen, [...] mit im understuͤnde.
Memminger Chron. Beschr.
18, 24
(
Ulm
1660
):
Vier Hȧndel seyn jedem Burger neben seinem Handwerck oder Handthierung zu treiben frey / als der Saltz- Tuch- Eisen vnd der Weinhandel.
Turmair
4, 220, 19
(
moobd.
,
1522
/
33
):
wie [...] Venedig [...] gros kaufmanschaft und handel hat, [...] in der ganzen welt.
Qu. Brassó
4, 230, 36
(
siebenb.
,
1646
):
Ist [...] der Hendel-Mark ausn die Stadt gemacht wegen der regierender Pest.
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 45, 22
;
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 55, 8
;
117, 12
;
135, 8
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
143, 30
;
118, 15
;
Rauwolf. Raiß
36, 14
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
220, 3
;
Paul, Wb. Bergmannsspr.
1987, 192
;
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
235, 14
;
Schwäb. Wb.
6, 2102
.
Vgl. ferner s. v.  3, ,  1.
5.
›Bericht über ein Geschehen (o. ä.); Niederschrift; Inhalt des Berichtes‹;
vgl.  9.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  7, (
das
1, .

Belegblock:

Schmidt, St. Kastorst.
2, 457, 12
(
mosfrk.
,
1465
):
schicken wir uch [here] hiemyt handel der sachen.
Mathesius, Passionale
42r, 9
(
Leipzig
1587
):
die Summam / oder den gantzen handel dieses Capitels [...] habt ihr nu gehȯret.
Voc. Teut.-Lat. n vijr (
Nürnb.
1482
):
Handel. tractatus. m.q. oder ein puch.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
449, 28
(
nobd.
,
n. 1525
):
das alles sie ime auch genomen und darzu alle seine bucher, ratschleg und hendel zerrissen.
Turmair
4, 316, 26
(
moobd.
,
1522
/
33
):
wie ich iezo [...] beschreiben wil. Und heb also den handel an.
Mathesius, a. a. O.
36v, 30
.
6.
›Behandlung, Verhandlung einer zur Entscheidung, zum Kompromiß (o. ä.) anstehenden Sache (teils nach vorangehendem
gehor
)‹; speziell: ›Gerichtsverhandlung‹; metonymisch für den Gegenstand der Verhandlung, resultativ für: ›Vereinbarung, Übereinkunft‹;
zu  11.
Syntagmen:
den h. anfangen / aufschreiben / bekräftigen / verrichten, gütlich vortragen, mit jm. halten; h. etw. gestalten; e. S. zu h. haben, mit jm. in h. stehen, im h. etw. besprechen, in einem h. etw. verwilligen; der grosse / kleine / gerichtliche / gütliche h.
Wortbildungen:
handelstag
›Verhandlungstag‹ (a. 1553).

Belegblock:

Köbler, Ref. Wormbs
136, 21
(
Worms
1499
):
so in gerichtlichen hendeln vnd Processen die substancial vnd weßtlichen terminy [...] nit gehalten [...] würde.
Ders., Ref. Nürnberg
142, 8
(
Nürnb.
1484
):
In ertzewgung alhie der geschefft. keuff. vertrege vnd ander henndel. so dann die fuͤrbaßer In der schreibstuben [...] bekrefftigt werden.
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 374, 25
(
halem.
,
1489
):
ettlich [...], die by handell und gehor aller gestallten in irm namen syen.
Dirr, Münchner Stadtr.
313, 23
(
moobd.
,
1340
):
Swen zwen irer sach, die si mit einander ze handel habent, gent geleich hinder di schidlaeut, und suͦllen dovon nicht choͤmen, si werden mit einander verscheiden.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
123, 64
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
so turren sy sich in allen hendeln vnd gerichten schatzen fur dew weissisten.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
94, 8
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
vermaynten, man sol umb all hendl den punthern klagen.
Turmair
5, 90, 33
(
moobd.
,
1522
/
33
):
da
[auf der
samlung
]
solten alle händel nach laut des evangelii nach christlicher ordnung verricht werden.
Winter, Nöst. Weist.
3, 375, 5
(
moobd.
, Hs.
um 1545
):
das ain richter, ambtman, de fuerer oder nachparn ain handl, [...], guetlich mit einander vertrugn.
Wackernell, Adt. Passionssp. St. II,
1499
(
tir.
,
v. 1496
):
Herodes dicit ad judeos: | Was ist wider Jhesum ewer handel?
Chron. Magdeb.
2, 180, 23
;
Kollnig, Weist. Schriesh.
304, 26
;
Opel, Spittendorf
21, 19
;
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
825, 23
;
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 17, 33
;
Chron. Nürnb.
3, 108, 10
;
Bernoulli, Basler Chron.
6, 221, 7
;
Grossmann, a. a. O.
81, 7
;
Maaler
210r
;
Öst. Wb.
4, 234