streit
I
der
;
-(e)s/-e
;
zu
mhd.
strît
(), vgl.
3
streit
(); in Einzelfällen, die nur nach dem Schreibstand der jeweiligen Quellen entscheidbar sind, kann Zuordnung zu
mhd.
strit
, nhd.
stritt
erfolgen (
Lexer ebd.
; );
Entsprechendes gilt für die gesamte Wortbildungsstrecke. Hier wird aus semantischen Gründen nur
streit(-)
angesetzt. – Das Bedeutungsfeld wurde folgender Gliederung unterworfen: in 1 Herausstellung von
streit
als Kriegszustand in einem relativ unspezifischen Sinne; 2 betont die einzelne Schlacht innerhalb eines solchen Zustandes; 3 Ütr. der äußeren Kampfmomente von 1 und 2 auf den inneren Zwiespalt von Sündenschuld und Erlösungsbedürftigkeit des Menschen; 4–7 als Spezialisierungen vor allem zu 1 und 2 auffassbar, und zwar auf Auseinandersetzungen, die als Zweikampf (4), als Rechtsstreit (in einem weiten Sinne; so 5), als verbale Auseinandersetzung (6), als Wechselspiel von Kräften generell (7) verstanden werden können; in 8 Auflistung phrasematischer Gebräuche.
1.
›Krieg, Verhältnis mindestens zweier gesellschaftlicher Formationen, das in längerfristigen militärischen Auseinandersetzungen mit dem Ziel ausgetragen wird, den jeweils als gegnerisch betrachteten anderen zu überwältigen und dem eigenen Willen zu unterwerfen‹; offen zu 2.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , ,
1
2,
2
1, 2, .
Gegensätze:
, (häufig), .
Syntagmen:
einen s. bereiten / füren / haben / hinnemen / tun / vermeiden
;
ein s
. (Subj.)
sich erheben
;
mit jm. im s. stehen, j. ein land mit s. zwingen, viele völker mit s. untertänig machen, ein dorf seit dem s. nicht zinsen
;
der s. mit den vögeln, wieder ein geschlecht
;
die zeit des streites
.
Wortbildungen:
streitkrieg
(verdeutlichend; zum Gw vgl.
1
1; 2; hierher oder zu 4; 5; 6?),
streitmütigkeit
›Kriegslust‹ (Gw zu 1),
streitpanier
(Gw wohl zu 2).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
BELLVM. Krieg pfed vel vehd streit / reisung.
Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
8, 13
(
preuß.
,
1437
/
8
):
das gancze dorf ist wuste und hat sedir dem streyte nicht geczinset.
Luther. Hl. Schrifft.
Pred. 3, 8
(
Wittenb.
1545
):
EJN Jghlichs hat seine zeit [...]. Lieben Hassen Streit
[
Froschauer
1530:
das man krieget
;
Eck
1537:
zeit [...] des kriegs
]
Fried.
Voc. Teut.-Lat.
ff iiijv
(
Nürnb.
1482
):
Streit. odʼ vrlage odʼ vnfride. bellũ p̃liũ pugna. oder kyfe.
Sachs (
Nürnb.
1562
):
Daß [kriegsvolck] mit gewalt dise Spartaner | Erlegen werd und ir streitpaner.
Grundmann u. a., A. v. Roes
192, 11
(
alem.
,
15. Jh.
):
große wunder, das ist gerihte tuͦn der versuͤnunge, uff der erden, das er hin neme die strite bitz an die ende des ertriches.
Ebd.
208, 21
:
Nútzt ist ungeordent in den werken des schoͤpfers, und also ettwenn ist die zit des fridden, ettwenn die zit des strites.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 70, 22
(
halem.
,
n. 1529
):
do kam der kuͤng in die stritmuͤetikeit, dass er in eigner person selbs fuͤrnam, disen krieg zuͦ volfuͤeren.
Morrall, Mandev. Reiseb.
128, 7
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Die klainen lút [...] hond och garr grössen strytt mit denn vogeln von dem land.
Schmitt, Ordo rerum
276, 2
(
oobd.
,
1436
):
Certamen crigk [...] kriegung [...] streutchrieg.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch. (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Ninus, der der erst was etlicher begirde mit plut vergiessen und mit streite die lant zu twingen.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
darnach bereit Octavianus ein streit wider gar grimiger geslächt zwei, geflohen aus Rom in Hisponi.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
611, 2207
;
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
101, 828
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
43, 26
;
Heydn. maister
12r, 10
;
Roth, a. a. O. .
2.
›militärische Auseinandersetzung (vom Scharmützel bis zur Schlacht größerer Heere)‹; in den Belegen stehen außer faktischen Angaben die Gewaltaspekte der Schlacht, speziell die befürchteten und die tatsächlichen (erlittenen und zugefügten) Verluste, eine gewisse Bewunderung für die erbrachte Leistung, die militärischen Bedingungen einer Schlacht, auch die Kampfesmoral sowie Stellungnahmen der Textautoren im Mittelpunkt des Gebrauchs.
Syntagmen:
einen / den s. annemen / behalten
›gewinnen‹
/ enden / gewinnen / scheuen / vermeiden, einen s. streiten, x streite siegen
›x Schlachten bestehen‹ oder Akk. der Zeiterstreckung, dann: ›x Schlachten lang siegen‹;
der / ein s
. (Subj.)
zu gewarten sein, sich erheben
/ [wo]
ergehen, ganz zergehen, auf dem mer beschehen, der s. jm. blos werden
›der Kampfesmut jm. schwinden‹;
des streites
›in der Schlacht‹
das leben verlieren
;
das volk an den s. treten, sich in den s. begeben, die helden gegen dem s. ziehen, j. im streite bleiben / umkommen, mänlich / glüklich siegen, viele leute erschlagen, manheit begehen, wunder wirken, das stätvolk im streite sieglos werden
›aufgrund seiner Masse / Ungeordnetheit‹,
got im streite gewältig sein, j. den Ungarn im streite obsiegen, j. jn. im streite fangen, einen jungman (nicht) in einen s. füren, eine stat mit streit anfechten / erobern, seine ere mit s. behalten, vor dem streite etw. tun, jn. zum s. fordern / ordnen, eine wagenburg zum streite schicken
›einrichten‹,
eine armada zum streite haben, armbruste / grellen / schilde zum streite gebrauchen, sich zum streite bereiten / keren, j. zum streite auf / unerschrocken sein
;
der s. auf dem mere
;
der brüderliche / grosse / grausame / verrümte s., der tag, die zeit des streites
.
Wortbildungen:
streit|
1
anger
(Gw zu
1
3),
streitbarte
(Gw zu ),
streitbogen
(Gw zu ,
der
, 3),
streitbüchse
(Gw zu 3),
streitfane
,
streitfeld
(dazu bdv.: ),
streitfürer
1 (dazu bdv.: 2),
streitgeschir
(zum Gw vgl. 1),
streitgeselle
(zum Gw vgl. 6),
streitgezauwe
(Gw zu 1),
streitgezeug
(Gw zu ,
das
, 3),
streithake
›Schlagwaffe mit einem Haken‹ (zum Gw vgl. 1),
streithammer
›Schlagwaffe mit hammerähnlichem Kopf‹ (dazu bdv.: ),
streithorn
,
streithube
wohl ›Turnierfläche, Übungsplatz für militärische Zwecke‹,
streitkundig
›tapfer, kampferprobt‹,
streitman
(dazu bdv.: ),
streitmüde
›entkräftet, erschöpft vom Kampf‹ (Gw zu , Adj., 2; dazu bdv.: vgl. 1),
streitsattel
,
streittag
,
streitzeug
›Kriegsgerät‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
So ein juncman nuͤwelichen wip nimt oder genomen hat, den ne sol nieman voren in einen strit noch mit arbeite noten.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
dô dî her begundin | mit craft zusamin sprengin | und sich in strîte mengin.
daz noch banîr, noch helme, | noch andir strîtgeschirre | was kentlich in dî virre.
Ziesemer, Proph. Cranc. Jer.
49, 26
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
hirumme werdin ire jungelinge vallin in irin gazzin und alle stritmanne
[
Mentel
1466:
mann des streites
;
Froschauer
1530:
kriegbaren
;
Eck
1537:
stritmanne
;
Luther
1545:
Kriegsleute
]
werdin swigin an dem tage.
Ebd. Sach.
10, 4
:
uz im [hus Juda] ist der engel, uz im ist der phal, uz im ist der stritboge
[
Mentel
1466:
boge des streytes
;
Froschauer
1530:
bogen im streit
;
Eck
1537:
kriegsboger
],
uz im werden gehen alle schosser mittenander.
Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
54, 19
(
preuß.
,
1410
/
8
):
4 tunnen Wismersch bires, dy ym her Techwitcz tote vor dem stryte.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
39, 36
(
preuß.
,
1438
):
In der harnaschkamer: 118 helm und prewsche hawben, [...], 8 zomsatel, 5 gehenge, 1 grusener, 1 streitsatel, 2 koventsatel, 1 rewsch satel, 50 schilde.
Luther, WA (
1526
):
Durch den bogen meinet er den gantzen streitgezeug, wie Psal. lxxvij. die kinder Ephraim, die den bogen solten furen.
Ders. Hl. Schrifft.
1. Chr. 6, 18
(
Wittenb.
1545
):
DEr kinder Ruben [...] was streitbar Menner waren / die Schild vnd Schwert füren / vnd Bogen spannen kundten / vnd streitkündig
[
Mentel
1466:
gelert zuͦ dem streitten
;
Eck
1537:
zum streiten vnderwisen
]
waren.
Volkmar (
Danzig
1596
):
Cestra, ein streithamer / faustkolben.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
553, 1484
(
Magdeb.
1608
):
Es sind auch besser wenig Leut / | Die vnerschrocken sein zum streit / | Denn das leuffet all Mann zu Feldt / | Vnd einer den andern auffhelt.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Dese veir verloren des strytz ir leuen.
Ebd. (
Köln
1488
):
sie hieven in die muiren ind in die portzen mit helmbarten, mit irren strithemmeren.
Ebd. (
1499
):
up die selve nacht dreven die Franzosen die burgere mit gewalt, mit swerden ind anderen stritgezauwe van der wacht.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
87
(
Köln
1476
):
Syn moedyge hertz voll truwen | Sall vns in noyt den moydt vernuwen, | Dat wyr wer storm noch strijd en schuwen | Jnd behalden eer ind goit.
Ebd.
551
:
Vmb storm ind strjit der vyant menlich dayr zo keren, | Stalten sych ritter ind knecht.
Karnein, Salm. u. Morolf
764, 5
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
da ließ sich an die ruwe | vil manig stritmuder degen.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
8, 7
(
Frankf./M.
1568
):
Mit siegreicher vnd starcker hand / | Am Tuͤrckn vnd andren Tyrannen | Wo die auffwerffn jrn Streitfahnen / | die stuͤrtzt er vnter diß Roͤmisch joch.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
6, 11
(
Frankf./M.
1626
):
verheissung / daß alle die jenigen / so in diesem Zug
[in einem Kreuzzug]
/ es were im Streitt oder auff der Reise / vmbkommen vnd bleiben wuͤrden [...] im Himmel auffgenommen [...] werden.
Eggers, Psalter
50, 4
(
thür.
,
1378
):
Wer ist der kuͤnig der ere? daz ist [...] got in deme strite geweildig.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Do hatten dy forsten eynen ekel inne alle mit stritbarten unnd spisse in den henden.
Thür. Chron.
7v, 1
(
Mühlh.
1599
):
Da zog Hannibal auß von Carthago [...] vnd erhub sich bey Tirim der erste Streit.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
34, 7
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Czu strite gebruchin si platin von wesins ledir gemacht und grellin unde schilde und armbrust.
Ebd.
43, 30
:
do das irvrisch Bayam, do sante her dar vil me volkis und gewan den strit.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
88, 5
(
nobd.
,
1446
):
obe waffengeschrey, dupstail oder fließende wonden geschegen uff den vier guten daselbst mit namen uff dem furwerck, uff der strithuben, [...], das sulte [...].
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
/
50
):
als der streit bei den weiern ergieng und die von Nuremberg dreu panier eroberten, mit namen [...] ein groß burgrefisch streitpanier.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
74, 22
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Wie man ein wagenburgk schicken sol zu dem streidt.
Ebd.
83, 4
:
ob got das gluck gebe, das wir ein streidt behilten, das dann niemandt den andern außziehe oder plunder, biß das der streidt gantz zergeth.
Ebd.
90, 2
:
zu acht spissenn gehort ein bussem vnd ein helmpart, jtem ij streytbussenn vnd x hockennbussenn.
Gille u. a., M. Beheim
453, 2004
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Streit haken, parten, kolben gross, | armbrust, hantpüchsen, manchen geschoss | Sie in den henden trugen.
Voc. Teut.-Lat.
ff iiijr
(
Nürnb.
1482
):
Streyt. [...] kãpff vrlog. odʼ vnfride.
Bachmann u. a., Volksb. (
alem.
,
15. Jh.
):
[sy] bliessend ir strithorn und kamend [...] an das feld.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
er hette gesehen, daz die boͤsen geiste zvͦ hettent broht, daz ein gar groser strit vf dem mer beschehen were.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
wer es, daz der kunig Adolf hette gesigte, in dem strite, so [...].
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
vnd streit wider die vil tage: vnd er macht bleiden
[›Wurfmaschinen‹; Var. um 1475–80:
passteyn oder streitzeug
; nd. Bibel um 1478:
bolwerke
;
Luther
1545, 1. Makk. 9, 64:
Kriegsrüstung
].
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
Ich binn Ruollanden strytgsell.
Schmidt, Rud. v. Biberach
168, 26
(
whalem.
,
1345
/
60
):
want enhein stat ist an luͥte vnd an volk, so het der sel schoͤpher in ir geordenot drier hant volk: die wisen ze rate, ritter zvͦ stritte, hantwerch luͥte zvͦ dienste.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1383
):
der kunig von Frankrich zoch mit den von Prugg uff daz feld und striten ainen grozzen strit, daz zuͦ paiden tailn zuͦ tod erschlagen wurden wol 24 tusend man.
Sappler, H. Kaufringer
23, 57
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
das es geschicht ze maniger zeit, | das das stettvolk niderleit | und würt in streiten sigelos | von irer ungemainsam groß.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Dieweil aber der stritt und die vecht wider ainem römischen könig und ain grosse gefar uf dieser handlung zu gewarten, [...], do [...].
Dreckmann, H. Mair. Troja
25, 9
(
oschwäb.
,
1393
):
vil gewapeter ritter, die griffend ze stund zu den swerten, und hubend under in ainen brüderlichen streit, und slug ye ainer den andern ze tod.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 163, 7
([
Augsb.
]
1548
):
Roß werden zum streittage beraytet / aber der syg kumbt vom Herrn.
Boot, Cassiodor. Hist. Eccl.
475, 18
(
moobd.
,
um 1385
):
der anfurreͣr wil ich sein, ich wars der streitfureͣr.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
die selbe weisse schar
[der
kristen
]
hett alle der hayden macht und streitman flúchtig gemachet.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Er ward urlewgen mit dem künig von Persia. Der vieng in in ainem streit und füert in gefangen in Persia.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
do nun Julius Cesar [...] 52 streit mändlich und gelücklich gesigt hete, ward er [...].
das veldt wirt noch genantdas mordt oder streit veld.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
umb Rod geschach ain clain scharmützel (haist alda noch, ‚der streitanger‘).
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1472
):
xiiii alt streythaken.
Sattler, a. a. O.
87, 32
;
Karnein, a. a. O.
486, 6
;
Dedekind/Scheidt. Grob.
134, 13
;
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe ;
Thür. Chron.
7v, 4
;
Neubauer, a. a. O.
115, 20
;
v. Keller, Ayrer. Dramen ;
Steer, Schol. Gnadenl.
3, 170
;
Merzdorf, Historienb. ;
Koppitz, Trojanerkr. ;
Welti, Stadtr. Bern ;
Munz, Füetrer. Persibein
193, 7
;
Weber, Füetrer. Poyt.
174, 1
;
Opitz. Poeterey
43, 7
;
Spiller, a. a. O. ;
Roth, a. a. O. ;
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
675
;
Voc. Teut.-Lat.
ff iiijr
;
Vgl. ferner s. v.
3
1, 11, 9, , (
die
) 3, 8, 1, 3, (Adv.) 1, 12, (V.) 9, (V.) 3.
3.
›als innerer Streit metaphorisierte Auseinandersetzung, die der Mensch aufgrund seiner christlich-religiös bestimmten Existenzeigenschaften ‚Sündenverfallenheit‘, ‚Erlösungsbedürftigkeit‘, ‚Schuld‘ (u. dgl.) in Ausübung der in seiner Möglichkeit liegenden
tugend
1, des
dienstes
4,
müens
(s. 1) gegen die
geistlichen feinde
, darunter gegen den
1
leib
1, das
fleisch
, seine
äusseren
Bestimmtheiten führt, um durch
sieg, überwindung
des
lones
2, der
seligkeit
, des
ewigen lebens
teilhaftig zu werden‹. In einer Reihe von Belegen erscheint dieses Bild eines inneren Kampfes auf Gott übertragen, so mit der Andeutung des
sinnes streites
(in H. v. Hesler. Apok.; s. u.
Helm
) oder der als
fechten, streit
gesehenen Erlösungstat Christi (in Mönch v. Salzb.; s. u.
Sprechtler
).
Gehäuft ˹älteres und mittleres Frnhd.; Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘, oft der Mystik˺.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1, 10, 2, 2, 3, , 2; 5; 6, , 1, , .
Gegensätze:
4.
Syntagmen
(einen / den) s. halten / haben
(z. B.
inwendig
)
/ durchbrechen / überwinden
;
der / ein s. aufstehen, sich in jm
. (z. B.
in Adam
)
heben, jn. leren, wie [...]
;
das leben nicht wan s. sein
;
j. jn. (die geistlichen feinde) an dem s. fechten, got jn. durch den s. jagen, der mensch immer im s. sein, j. sich in dem s. bereiten, in einem s. ere haben, feste / stäte werden, manniges todes sterben, sich mit s. üben
;
der s. des sinnes, der sele, der priester, der gebresten, der s. des inneren und äußeren menschen, des leibes wieder die sele, der braut mit den anfechtern, der s. zwischen dem geist und dem fleisch, der sele und dem geist, der sele und dem leib, dem leib und der sele, der s. in der sele
;
der ring, die ere, die zeit des streites
;
der ewige / lange / harte / geistliche / manigfaltige s
.;
der zugang zu dem s
.
Wortbildungen:
streitbar
3 ›wie im religiösen Kampf gefordert‹,
streitbarkeit
2,
streitfürer
2 (für Jesus Christus),
streitig
5.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz her [Got] zur erden queme, | [...] | Die menscheit zu irlosen, | Swie wol her der bosen | Irkante gramelichen nit, | Daz mochte wol eins sinnes strit | An Gotes gedanken heizen, | Daz her ie wolde irbeizen | Uf diesen senenden jamer.
Pfefferl, Weigel. Ges.
9, 6
(
Hamb.
1646
):
nach dem abweichen von Gotte, [...], Hub sich ein streidt vnd Zanck in Adam also das blutt vnd fleisch Herr wardt, vber den Geist.
Luther, WA (
1525
):
Sihe, da ligt der grosse streitbare Helt darnidder mit seinem Glauben, der doch Gottes Wort so starck hatte, das jn Gott selbs mus wider auffrichten.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
In der wârheit, dem reht wære, hæte der gewalt ze wünschenne, er ensölte niht wellen wünschen, daz im vergienge neigunge ze den sünden, wan âne die stüende der mensche ungewis in allen dingen [...] und darbete ouch der êren des strîtes und siges und des lônes.
Jostes, Eckhart
41, 14
(
14. Jh.
):
Der geist wer gern dar ab, und di sel wil doch dar beleiben: alzo ist ein streit zwissen der sel und dem geist in dem einvaltigen wesen.
Ebd.
42, 4
:
Daz sint di, di got einvalticlich rurent. Dise leut enhabent chein streit, vil oder wenik; dis sint gesunt worden.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
,Gut ist er [mensch] an allen var.‘ | Idoch mustu haldin strit.
Strauch, Par. anime int.
80, 14
(
thür.
,
14. Jh.
):
der mensche: der ist fon zweigerleige nature und ist ein ewig strit schussin deme geiste und deme fleische.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
11, 81
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Er [mensch] ist alleczeit in manigfeltigen streit. Wann inwendigs hat er krieg und streit in der sele der gedancken, der begerung und ander leydenlikeit.
Ebd.
15, 34
:
Unser leben auf erden ist newr ein ritterschaft oder ein streittperkeit auf der erden.
Voc. Teut.-Lat.
ff iiijv
(
Nürnb.
1482
):
Streyt der sele.
Ebd. :
Streyt zwischen sel vnd leib. monomachia.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
wan dem kneht gezimt nit wol zartheit, da der herre
[Z. 1:
Ewige Wisheit
]
stat in stritberlicher kuͦnheit.
daz si [sel] hie in dem stritlichem zite so vil erlitten, so vil gestritten und úberwunden hab.
Alsus geistlich ermuͤtet der kuͤne ritter David einen ieglichen erst anevahenden menschen, und fuͤret in in den ring des geistlichen strites, der da lit an einem frien urlob geben zerganklicher minne und zitlicher dinge.
der mensche, der ritterliche durchbrechen sol die herten strite sinre eigenen gebresten.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Die bredie usser sancte Matheus ewangelio [...] seit wie Got etteliche jaget durch den strit des inneren und usseren menschen, mit bewisunge einer gebesserlichen glichnisse.
in den striten starb sú [juncfrowe santa Cordele] maniges todes, der die anderen gelichen eins sterben.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 27
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
er [Cristus] hat gearbeitet vnd gestritten alse ein kempfe gegen vnsern vienden, vnd er hat das gevengnisse zerbrochen vnd den strit vber wunden vnd vnsern tot getoͤtet mit sime tode.
Ebd.
2, 1689
:
vͤbet er sich hie wol mit grossem ernste vnd [...] mit strite wider die vntúgende, so erkrieget er die dirte gaben, daz ist kunst vnd bescheidenheit.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
owe, lieber herre min! ich han ainen strit: min gaist mag mim lib nit volgen ân vohrte; min lip mag mim gaist nit volgen ân beswaͤrde; des min lip gert, daz ist wider mim gaist.
Daz erste ist daz wir striten sont. da von spricht her Job: ‚des mentschen leben ist nit won ainer strit und ain bekorung‘.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Wan es nachet kamphes spil, | [...] | Ain strittberliches raiczen | [...] | Gen dem vil alten draken.
Schmidt, Rud. v. Biberach
82, 6
(
whalem.
,
1345
/
60
):
bi Iacob dem ringer ist vns bezeichent guͦtelich leben, das wir die geistlichen fient vichtent an deme stritte.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
als Cristus Ihesus auch ward gekrent mit ainer dürnenkron in dem streit seiner pittern marter.
Bauer, Geiler. Pred.
323, 2
(
Augsb.
1508
):
wenn er [mensch] sich also nidersetzt und maint (/) er woͤll zuͦfriden sein. da huͤt dich vor. wann hie ist nit die zeit der ruͦe. sonder des streites und des kampffs.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
25, 7
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Menschen zung, ticht lob dem streite, | lob sein fechten in der zeite, | wie an das kreuz der herre Christ | mit edelm sig geophert ist.
Buijssen, Dur. Rat.
23, 22
(
moobd.
,
1384
):
Auch ist das zw merkchen das in der mess bezaichent wirt der streit und der sig des priester, den er hat mit dem pözen geist. Der zuegang zw dem streit wıͤrt gesaczt in dem czuegang des pischof zum alter am ent, sunder die wappen und der streit des priester sind gesaczt in der vorred des dritten tail.
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
213, 116
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
das wetrachten des lobleichen löns vnd der grossen er, den dye v̈berbinder yn dem geistleichen streytt haben werden, nicht alain in dem ewigen leben, sunder auch in dyser welt nach irem tod.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
58, 25
(
tir.
,
1464
):
Wend tu [herre] hast genomen den sun, den streitfüerer vnd peschirmer wider ire veint.
Strauch, a. a. O.
119, 10
;
Gille u. a., M. Beheim
82, 681
;
Bihlmeyer, a. a. O. ;
Warnock, Pred. Paulis
5, 170
;
6, 11
;
Hohmann, a. a. O.
183, 44
;
McClean, Havich
475
;
Bauer, Imitatio Haller
58, 29
.
Vgl. ferner s. v. 2, 5.
4.
›ernsthafte, auch mit Waffen ausgeführte, dann den Tod in Kauf nehmende tätliche Auseinandersetzung zwischen zwei männlichen Personen (auch zwischen
got
und
Lucifer
) in je unterschiedlichen Zusammenhängen und zu je spezifischen Zwecken‹; ›nach Regeln verlaufender ritterlicher Zweikampf zum Beweis der eigenen Werthaftigkeit im jeweils gültigen System gesellschaftlicher Anerkennung‹; im Unterschied zu 1 und 2 auf die Auseinandersetzung zweier Personen bezogen; im Einzelnen auch: ›Folter‹; ›Mord‹.
Bedeutungsverwandte:
1, 1, 1, , , , ; vgl. , .
Syntagmen:
s. suchen, einen s. anheben, mit jm. haben / fechten, got einen s. mit Lucifer halten
;
der s. sich heben
, [wo]
anheben
(z. B.
durch hoffart
);
j. streites geren, jn. streites überheben, j. sich streites gegen jn. bewegen
;
den turnei für den s. lassen, in einem s. manschlacht begehen, jn. mit s. überwinden, jn. (eine heidin) mit s. gewinnen, zum s. laden
;
der grosse / rechte s
.
Wortbildungen:
streitbar
4 ›dem ritterlichen Kampfspiel entsprechend; den Zweikampf kennzeichnend‹,
streitbuch
(um 1400) ›Buch über Zweikämpfe, Heldenbuch‹ (im Sinne der Heldenepik),
streitgewäte
›Rüstung‹ (zum Gw vgl. 1),
streitsontag
›Sonntag Invocavit‹ (s. zur Motivierung
DuCange
1, 688
s. v.
bohordium
, frz.
bohourt
, mhd.
bûhurt
, so nach der Anm. des Hrsg. zur Textstelle, s. u.
Chron. Mainz
).

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
dâ von dî schrift sus sagit, | daz Saul Dâvîd an tête | vil gar sîn strîtgewête.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
139, 4
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Dar vmb gang balde vnd stelle dich / das ir
[
Markair
und
hunt
]
den stryt angehebent.
Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
[geben] uf den dinßdag nach dem stritsondag.
Karnein, Salm. u. Morolf
65, 3
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Wil er mir geben sin schones wip | oder wil er vor Jherusalem | mit mir fechten einen strit?
Wunderlich, Fierrabr.
52, 18
(
Simmern
1533
):
der [man] ist als maͤnnlich / das er ewern Bruͦder Fierrabras / mit rechtem streite vberwunden hat.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Nu nim die rudden, es ist zit, | Und laß uns mit em haben strit!
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
daß der ander jhn mit frieden lassen, vnd deß streits vberheben solt.
Feudel, Evangelistar
58, 14
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Barrabas, der [...] in dem strite
[
Beheim
1343:
zweiunge
;
Mentel
1466:
widerteil
; Var. 1475
2
–1518:
aufflauf
;
Luther
1545, Mk. 15, 7:
auffrhur
]
begangen hatte manslecht.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
So ein frùmer ritter ein lereknappen bi der hant also geweffenten in den ring stritberlicher uͤbung des ersten in fuͤret, so [...].
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 536, 13
(
Hagenau
1534
):
von Keyser Otenit / wie er eyn Heydinne mit streit gewinnen will.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Disse strittbare nott | Sach von der zinnen dü wirttin.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Ihesus, uf die warte kan | Mit kampfes aventúre, | Ob der ungehúre | Gen im och des geruͦchte | Das er stritt [...] suͦchte.
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 83, 42
(
Luzern
1616
):
Nach disem wirdst du sechen bald, | den strytt, den vnser Heer Gott halt | Mitt Lucifier.
Dreckmann, H. Mair. Troja
30, 24
(
oschwäb.
,
1393
):
do hub sich under in ain grozzer streit, ye ainer ritterlich wider den andern.
Rot
343
(
Augsb.
1571
):
Prouocirn, [...] einen in Harnisch bringen / zum streyt laden / zum kampff bewegen / auffbieten.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Den turnay man auch lazzen sol | Fuͤr den streit durich ritterschaft.
Munz, Füetrer. Persibein
266, 6
(
moobd.
,
1478
/
84
):
ob du streytes gerest, | du wirst von mir noch ritterlich pestannden!
Ebd.
447, 2
:
seyd er hie streittes gertt, | ob seiner wären dreye, | so wirt er kampfs morgen von mir gewert.
Karnein, a. a. O.
48a, 1
;
Munz, a. a. O.
331, 3
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
44, 5
;
Ranke, Umgangsspr.
1951, 186
.
5.
›rechtsrelevanter oder in Anlehnung an Rechtsformen ausgetragener Streit, politische Auseinandersetzung um Einfluss, Steuern, Besitz u. Ä.‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 1, 5, 6, 1; 2, , , , , .
Syntagmen:
es gibt keinen s., einen s. entscheiden / erheben (mit jm.) / haben
(z. B.
mit dem keiser, um jn
.),
auf sich laden
;
ein s. sich erheben
;
sich des streites vereinen, des streites halben vergleichen / vertragen, mit jm. in s. sein
;
etw
. (Subj.)
sich zu einem streite machen
›entwickeln‹;
der s. der geschlechter
;
der s. wegen (der) güter, mit rat und gemeine
;
der grosse / lange s
.;
die entscheidung des streites
.
Wortbildungen:
streit|
2
ban
›Zustand allgemeiner gesellschaftlicher Zwietracht‹ (zum Gw vgl.
2
8; 18; Zuordnung aber diskutabel; dazu bdv.: vgl. 1, , , 2, 2),
streitbar
6 ›rechtsbezüglich; zur Entscheidung anstehend‹,
streitsache
›gesellschaftlicher Konflikt‹.

Belegblock:

Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
160, 9
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Vnd wurde sich das zü eym stryde machen / so besorgen ich jr nemen einen argen kauff dran.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Ir herren, es nehet sich der zit; | Wie erheben mer mit Jhesu einen strit?
Schwartzenbach (
Frankf.
1564
):
Woͤllest sie [Partheyn] jrer speen / jrrung / streitbans [...] halben [...] guͤtlich entschaiden.
Zwitracht. Zwitrechtigkeit. Partheiligkeit. Zwispalt. Sonderliche rottierung. Speen. Irrung. Strittban. Da keins mit dem andern vberein stimpt.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
wehe denen / welche bey dieser Sache / zu advociren sich vnderstehen / dann eben dardurch werden sie diesen streit auff sich laden.
Opitz. Poeterey
55, 27
(
Breslau
1624
):
Ob zwar diese durch streitsachen vnnd gefahr zue dem Buͤrgermeister ampte sind erhoben worden; so wil ich doch [...].
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Wirst du deß [Reich] gütlich tretten ab, | So ist es gut vnd gibt kein streit.
Streit wegen guͤter [...] Dimicatio bonorũ.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
um 1530
):
wie die von Augspurg grosen strit mit dem kaiser hetten.
Ebd. (zu
1561
):
Der ertzbischof, thumbropst, dechant [...] haben sich [...] aller stritten und geübten sachen halben gäntzlich und entlichen verglichen.
Brandstetter, Wigoleis
201, 42
(
Augsb.
1493
):
also hetten sy einen langen streyt. jr yegklichs wolt das ander der gebet nicht geweren.
Memminger Chron. Chr. (
Ulm
1660
):
Jn diesem Jahr gieng der Streit der Geschlechter mit dem Rath vnd Gemein wieder an.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
den zweien wardt auch zuͦgegeben ein dritter mann, [...], das der solt ausrichten den streitpern handel.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1561
):
und wier zue beden tailen uns alles schtrits und irtumbs inhalt der zehen eingelegten artikl in der guot wilkierlichen veraint.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
also das hinfort kain stritbare sachen an die landschrannen gelegt werden.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
143, 6
(
mslow. inseldt.
,
1612
):
dz beede Parteyen einen Ehrśamben rath, Zue beśtehtigung vnd entścheidung des śtritts hinauß in Weingart erbeten.
Froning, a. a. O. ;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Mell u. a., Steir. Taid. .
6.
›nähesprachlich verbal oder in Schrifttexten ausgefochtener Streit, Diskurs über Tagesfragen, Streit zwischen Personen oder Personengruppen; Auseinandersetzung über theologische Fragen, Glaubensauffassungen‹.
Bedeutungsverwandte:
2
,
1
1, , , ; vgl. , , , 1, 5.
Syntagmen:
einen s. haben
(z. B.
in seinem hause, mit seinem weibe
);
ein s
. (Subj.)
durch worte geschehen
;
miteinander in s. geraten, j. zu einem s. nichts dienen
›nichts beitragen‹;
der fürgelaufene / gegenwärtige s
.;
der verstand des streites
.
Wortbildungen:
streitig
6 ›theologisch kämpferisch‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1529
):
dieweyl er wol wusse, das Cristus daselbst nichts vom abenntmal rede, sonnder vom glauben, derhalben er zu gegenwertigem strit nichts diene.
Böhme, Morg.R.
16, 20
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
daß er den streigigen secten den grund zeigen / und den eitelen Babylonischen meinungen abhelffen [...] moͤchte.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Ich hett mit meinem Weib offt streit | Von wegen jhres losen Guts.
Ich hab ein Streit in meinem Hauß, | Bin davon wegen gangen auß.
Wickram
4, 48, 20
(
Straßb.
1556
):
Zuͤ disem streit und zanck / kam von ungefer der jung herr Richhart / der fragt / was sich da für ein zanck zuͤtragen.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
weil seine Seele vnd ich mit einander in einen Streit gerathen vnd gezancket haben, welcher der ärgste Teuffel vnder vns beiden seye, der Scherge oder Ich?
Streit / Zanck / Hader / so durch wors geschicht.
Donalies, Augsb. Bibelhs.
1992, 198, 18
(
oschwäb.
,
v. 1350
):
Ez ist aber ein streit
[
Mentel
1466:
krieg
; nd. Bibel um 1478:
twedracht
;
Luther
1545, Lk. 22, 24:
Zanck
]
/ worden vnder in welher ir gesehen / werd daz er der meiste sei.
Andreae. Ber. Nachtmal
66r, 2
([
Augsb.
]
1557
):
So steht nun der aigentlich verstandt dises streyts darinnen / das wir wissen, was der him̃el sey.
Vgl. ferner s. v. .
7.
›Streit, Wechselspiel um die Geltung zweier zusammenlaufender, komplementär wirkender, miteinander wetteifernder oder sich gegensätzlich, rivalisierend zueinander verhaltender Größen oder Sachverhalte‹.
Bedeutungsverwandte:
9, , , 1; 2, , .
Syntagmen:
einen s. bestehen / überwinden, keinen s. wieder etw. haben
;
(der / ein) s. aufstehen, sich heben, aus etw. kommen
(z. B.
aus böser sprache
),
ein s. zwischen feuer und holz sein
;
mit jm. in s. gehen
›wetteifern‹;
der s. der minne, der s. zwischen gottes und der menschen geist
;
der minnigliche s
.
Wortbildungen:
streitbar
8 ›strittig‹,
streitgenosse
›Mitstreiter in einem Religionsstreit‹ (dazu bdv.: 1),
streitig
7 ›wetteifernd (von Vogelstimmen gesagt)‹,
streitspiel
›Sängerkrieg (von Poeten)‹,
streitwesen
›Streitsucht‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1520
):
Hie hebt sich nu der froͤlich wechßel und streytt. Die weyl Christus ist gott und mensch, wilcher noch nie gesundigt hatt, und seyne frumkeyt unuͤbirwindlich, ewig und almechtig ist, ßo er denn der glaubigen seelen sund durch yhren braudtring, das ist der glaub, ym selbs eygen macht und nit anders thut, denn als hett er sie gethan, ßo mussen die sund ynn yhm vorschlundenn und erseufft werden.
Ebd. (
1536
):
Heri audistis Epistolam, quam dixi ein streitbare Epistel i. e. Loquitur non de bruͤsten, quibus pueri sugantur, sed quibus diabolus percutitur.
Ders., WA Br. (
1527
):
Was sonst der vnsinnige [...] Jrrgeist vnd Sacrament Schwermer Stenckfeld [...] wieder das Wort [...] ausköket vnd speyet, werdet ihr wißen, [...], daß dyser Narrischer Thor, [...] mit seinem stoltzen Sinn bey seynem adlichen, Ritterlichen vnd andern Streytwesen blyben were, so hatte [...].
Ders. Hl. Schrifft.
Phlm. 2
(
Wittenb.
1545
):
PAulus [...] PHilemoni [...] vnserm streitgenossen
[
Mentel
1466:
helffer
].
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
dar umbe, ê diz [ein wesen; ungescheiden] her zuo kome, sô ist dâ iemer ein rouch, ein widerkriec, ein prasteln, ein arbeit und ein strît zwischen vìure und holze.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 1429
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Von einem minnenklichem strite zwúschent gottes geist vnd des menschen geist.
Ebd.
1435
:
Von disen zwein entspringet der minnen strit: in das tieffeste begegen vnd in daz innegeste vnd neheste besuͦchen wurt ein iegelich geist von minnen gewunt.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Vor zeiten ließ man [...] Poeten gegen einander verß singen / vnd solliche streyt spil heissen Commissiones.
Warnock, Pred. Paulis
13, 30
(
önalem.
,
1490
/
4
):
So nun derselb krieg gefridet ist, [...], so ist ain ander stritt und disputacio uffgestanden zwúschent dem willen und der verstentnus oder vernunft des menschen.
Schorer, Sprach-Verd.
24, 17
(
1643
):
sondern auch offt aͤrgernuͤß gegeben werde / vnd grosser Mißverstand hieraus
[aus der Anerkennung des Deutschen]
kommen koͤnne / wie auch Streit vnd Zanck [aus boͤser Sprach].
Sappler, H. Kaufringer
12, 258
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
das trank im in den hals schos | zevil, das er sich darab rampf. | sich huob grosser streit und kampf | in seiner gurgel auf und ab.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
Ja prach sich der Galander | In tausentlay stym̃en | Die lerch vsz lautem grym̃en | So streitticlich herwider hal | [...] | Doch mit gewalt die nachtigal | Sy alle v̈ber sang.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Dardurch ist er so irr worden, das er vil zeit ein wunderbarlichen stritt solcher sachen
[um die Beziehung zu seinen Kindern]
halber [...] hat müesen besteen.
Klein, Oswald
42, 102
(
oobd.
,
v. 1408
?):
So wër quitt, | was ich litt. | hielt sis mit, | disen stritt
[›erotische Annäherung‹]
| müsst ich überwinden, | sunder klifen | tasten, grifen, | [...] | bleiben bei dem kinde.
Niewöhner, Teichner
360, 40
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
daz wirt zu der hochczeit, | daz Ir dar inn get enstreit
[›wetteifert‹],
| mit der hertzoginn zu chor.
McClean, Havich
385
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
da wider het er chainen streit; | er lobt es und laist es seit | und phlag ïr rechte wol.
Vgl. ferner s. v. .
8.
phras.:
˹ane (allen, allerhande) streit; sonder / wieder streit
(beides auch zusammengeschrieben)˺ jeweils formelhaft zur Bestätigung, Bekräftigung einer Aussage: ›fürwahr, tatsächlich, unbestreitbar‹; auch zur bloßen Versfüllung;
so ist kein streit
›so ist klar, offensichtlich‹ (1 Beleg).
Meist Verstexte, häufig in Reimbindung stehend.

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
1028
(
rib.
,
1444
):
Id was na bij der essen tzijt | Ind sij dienden weder strijt.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Also der wernde loser | Mit aller siner ere | Kommet in der meide lipp | An allerhande strit.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
daz ich michels mere | Di warheit und Gotes ere | Mit vlyze mochte bewaren | Und der welde wyt offenbaren, | Daz was min sin an allen strit.
Bell, G. Hager
624, 13, 7
(
nobd.
,
1594
):
wer das glaubt nit, | sag ich an strit, | den hilft es nit für ware.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
so er entschlafen waz. so sugen sú [gewúrme] und bissen in wider strit.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
2062
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Mir sind darzü die engel undertan | Und dienent mir widerstrit.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Dar nach wertte wider stritt | So lang disse hochzitt | Untz [...].
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2291
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Da von sÿ
[Maria]
dik der selben stund | Kust sinen blaich farwen mund | Und naiget sich dik wider strÿt | Uff siner sÿten wunden wÿt.
Andreae. Ber. Nachtmal
77r, 5
([
Augsb.
]
1557
):
souil das wesen des vlaisches belangt / wañ es für sich selbs ohn den gaist gefasset wirdt / so ist kain streyt / es nutze nicht.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
An dem stain man vint ainen man mit ainem swert, der macht sighaft an streit.
Gierach, Märterb.
8292
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
wïr fürchtenn dich nicht sunderstreit.
Ebd.
11817
:
die werde suezze raine maid | die was so schön, so mann sait, | daz nicht schöners widerstreit | lebunde was pey ïrr czeit.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
230, 2
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Do kom auss ainer insel | ain volck an streit vil schwind.
Koppitz, a. a. O. ;
Lindqvist, a. a. O.
674
;
Gierach, a. a. O.
472
;
2789
;
6990
.