pen,
vereinzelt mit initialem
pf-
(
pfen
), im späteren Frnhd. vereinzelt mit
-ö-
(
pön
),
die
;
-Ø/–
;
aus
mlat.
pena
,
lat.
poena
, wobei sich die
-ö-
Schreibungen aus dem Rückbezug auf
poena
erklären lassen (
Kluge/S.
1989, 1993, 534
; ).
Gegenüber
pein
(dies mit stärkerer lautlicher Eindeutschung ebenfalls aus
pena
) mit verändertem Bedeutungsspektrum.
1.
›Beschwernisse jeder Art, Qual, Bedrängung‹.
Bedeutungsverwandte:
(
die
8, .

Belegblock:

Luther, WA (
1532
):
diese Peen oder Straffen sind nur zeitlich.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
er erdihte die penen und martel die men gefangen lüten ane důt.
Leidinger, A. v. Regensb. (
oobd.
,
um 1430
):
Der ward von den hayden mit manigerlay pen als ein martirär gekrönt.
Wiwol der schalkch mit allerlay pen ze straffen wär.
2.
›Strafe (darunter oft: Geldstrafe), Buße für begangenes Unrecht, Nichtbefolgung von Auflagen u. ä.‹; auch ›Strafandrohung‹; im allgemeinen auf weltliche Strafen, seltener auf Schuld im religiösen Sinne bezogen.
Phraseme:
in den pönen gehen
(s. u. ; laut Glossar der Ausgabe: ›in Fußfesseln gehen‹).
Bedeutungsverwandte:
2
 2,  7,
1
 2, I, 2, (
die
2, , , (zur Verteilung von
pen
,
busse
,
strafe
vgl.
Dückert, Norm lex. Ebene.
1976, 230
).
Syntagmen:
(die / eine) p. auflegen / aufmessen / aufsetzen / dräuen / leiden / verdienen / verfallen / verschulden, jm. p. geben, p. pflichtig sein, eine p. auf etw. setzen, jm. die p. irrogieren
;
die p. ledig werden
;
auf / bei / mit p. etw. gebieten / verbieten, auf / bei p. gebieten, das [...] / zu [...], in (die) p. fallen, in eine p. verfallen sein, (jm.) etw. zu p. verfallen, etw. bei p. [tun], etw. auf / zu p. geben, in der p. liegen
;
p. der acht
(gen. explicativus)
/ der übertretung, des gutes / leibes / lebens / gerichtes, p. des ewigen todes
;
grosse / hohe / rechte p
.;
bei p. des geldes, bei der p. des zornes e. P
.
Wortbildungen:
pengeld
.

Belegblock:

Chron. Köln (
Köln
1499
):
van den feuchten desseluen boums geboit yn got dat Sij sich soulden enthalden vp eyn pene des ewigen doitz.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1580
):
2000 goltgl. pfeenen, halb der Churf. kamer [...] andere halbscheit dem haltenden teil unnachleisslich zu bezaln.
Koeniger, Sendgerichte (
mosfrk.
,
2. H. 17. Jh.
):
und gepieten uf peen und wett, dass ihr fridlich und still seind.
Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
als dicke sal der [...] in ein pene funf gulden verfallen sin.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
203, 6
(
thür.
,
1474
):
Henntcz Vogel solle unde musse ym daz vorbessern addir sollich pene unde straffunge darumbe lyden.
Küther, UB Frauensee
412, 15
(
thür.
,
1540
):
es sey der thott ader abschneidunge der glieder ader mit ruethen zu schlagenn ader ewige landsverweisunge ader dergleichen peen.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
pei verlust der sachen oder pei peen des geldes.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
180, 15
(
osächs.
,
1542
/
70
):
Wiewol einem jeden gerichtshelder bei vorlust seiner seelen auch anderer pene gepurt [...], in allen hendeln [...] mit großer fursichtigkeit [...] zu handeln.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
131, 14, 84
(
schles.
,
n. 1352
):
byͤ der penen vnd buse vnsirre vnwirdekeit vnd czorns.
Gille u. a., M. Beheim
79, 332
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
den | walt er mit des gerichtes pen | sein grechtichait erczaigen.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
/
50
):
auch bei penen und unsern sweren ungenaden gepieten [...], daz [...].
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
6, 87, 24
(
Straßb.
1520
):
das bei pen in einem iar nit man nach trucken sol.
Leisi, Thurg. UB
6, 64, 27
(
halem.
,
1359
):
ze gebend ze pen und ze bessrung ainen aymer wins.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
A. 14. Jh.
):
so sullen si die selben pene liden, als si ez och getan hettin.
Ebd. (
n. 1437
):
als dick sol ein ieglicher vngehorsamer ze rechter pene vnd eynunge vnnser statt verfallen sin zechen schilling stebler pfeningen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
157, 3
(
halem.
,
1534
/
5
):
und schon peen / und straaf getroͤwt / denen so sich wider jren triumph setzen wurdend.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
der sol vns zǔ straff vnd pen zehen pfund pfennig verfallen.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1348
/
50
):
Und schol ain ieglicher, der pen verschuͤlt, nit lenger frist haben nach der kuͤndung denn aht tag.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 408, 12
(
schwäb.
,
1509
):
si sollen [...] daß peengelt, so daruff gesetzt, one ableßlich geben.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
alles bey pen und straf leib, lebens und gutz zu halten.
Rot
339
(
Augsb.
1571
):
Pœn, gantz pœna, Straff / pein / bůß.
Fuchs, Kart. Aggsbach (
moobd.
,
1397
):
der wiss sich in unser ungnad swêrleich vervallen sein und darczů der peen, die unserr egenanter lieber herr vetter [...] aufgeseczt hat.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1318
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Seind ainer verdienet ain grosse pen oder den tod, der ainem sein guet enphüret, waz pen ist der phlichtig der got sein götleiche ere enphuret?
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1630
):
Die penn nach den waffen. von ainem spieß fünf gulden.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
159, 11
(
mslow. inseldt.
,
1625
):
Jśt ihm derhalben obśtehende poen nach außgeśtandner takh gefängnüs irrogiret worden.
Qu. Brassó
4, 234, 16
(
siebenb.
,
1650
):
welcher zur Straf gezogen und etliche Zeit in den Poen
[wohl ekthliptisch für:
poenen
]
gegangen.
Leman, Kulm. Recht ;
Aubin, Weist. Köln/Brühl ;
Köbler, Ref. Franckenfort
64, 18
;
Laufs, Reichskammergo.
188, 21
;
248, 18
;
265, 16
;
Kisch, a. a. O. ;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
67, 16
;
Hauber, UB Heiligkr. ;
Köbler, Ref. Nürnberg
254, 3
;
387, 15
;
Leisi, a. a. O.
6, 595, 25
;
625, 15
;
7, 278, 29
;
Boos, UB Aarau ;
Welti, a. a. O. ;
Rennefahrt, Zivilr. Bern ;
Köbler, a. a. O.
95, 12
;
Meisen u. a., J. Eck
58, 15
;
Barack, Zim. Chron. ;
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
170, 39
;
Seemüller, Chron. 95 Herrsch. ;
Siegel u. a., Salzb. Taid. ;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
23
;
V. Anshelm. Berner Chron. ;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Öst. Wb.
2, 992/3
.
Vgl. ferner s. v. ,  2,  8.
3.
›rechtliche Verpflichtung, Abgaberegelung; Abgabeauflage‹; metonymisch: ›Abgabe, Gebühr‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. .

Belegblock:

Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
beder bebeste gebot und briefe die penen hettent oder iemanne schaden möhtent.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1403
):
und sol oͧch denn die selben gerichte [...] volfuͤren, in gelichen penen, gewonheiten und rechten.
UB Zug
573, 30
(
halem.
,
1418
):
die súllent in allen stuken die ordnung unn gesastz, pene und ursatz, war unn stet halten.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
91, 17
(
tir.
,
1525
):
dann er mŭes alle penn und văll aŭf des fŭrsten camer verraitten.
Ebd.
104, 20
:
aŭch die penen, so ir etlich noch vertzinsen, sambt demselben zinß ab sein.
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
247, 13
.
4.
›Leiden, Qual der Hölle, ewige Verdammnis; zeitliche Qual des Fegefeuers‹; vgl. die begriffsgeschichtliche Bemerkung s. v.  8.
Bedeutungsverwandte:
1
 3, (
die
5, , , .
Gegensätze:
 5.
Syntagmen:
(die) p. abledigen / empfangen / leiden / verkünden, jm. die p. nachlassen, der sele die p. messen
;
sich der p. entladen
;
von p. ledig / los sein, von der p. sagen, in der p. rösten / sitzen
;
p. der hölle, p. der bösen / selen
;
zeitliche / ewige / grosse / schwere p
.;
ablassung der p
.;
entledigung von p
.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
79, 298
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Das er etlich verwarffe | und ordent zu der pen der hell.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Ob er sein sel möcht neren | Vor sulcher pen, | Die dort so swer gemessen | Den selen wirt.
Himlischer freid zu zillen | Oder der pen, | Dar in man ewig röste.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
90
(
Nürnb.
1517
):
das die sünd des fürsehenen zeitlich und nit ewig und derhalb allein mit zeitlicher peen zu strafen ist.
Wolf, Norm im sp. Ma.
54, 64
(
oobd.
,
1486
):
zu pauung des volcks, jn zu verkunden sund vnd tugent, pen vnd glori mit kurczen warten.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
3
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
das ich got den vater swërleich mit meinen snoden sünden gelaydigt [...] hette, damit ich mich czu swërer pen aintweder hie oder dort czu leyden geaygent vnd verpunden hette.
Ebd. S. 
288
:
Ob die pen des leipleichen tods die pen vmb sie sündt icht ringer machen. [...]. Pen der helle sind manigerlay vnd sind vber alle masse pitter.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
wer das unwirdikleich neẃsset, der enpfácht die ewigen pen.
Er sach auch die er und glori der heyligen, und gar offt sach der die pen und marter der poͤsen.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
wärn in all sünd schon vergeben, wärn von pên, straf und schuld los und ledig.
Gille u. a., a. a. O.
141, 22
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
190
;
Bobertag, Schwänke ;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst ; ;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3757
;
Drescher, a. a. O. ;
Reithmeier, B. v. Chiemsee ;
Wackernell, Adt. Passionssp. St. I,
324
.
Vgl. ferner s. v.  4,  3,  5.