pen,
vereinzelt mit initialem
pf-
(
pfen
), im späteren Frnhd. vereinzelt mit
-ö-
(
pön
),
die
;
-Ø/–
;
aus
mlat.
pena
,
lat.
poena
, wobei sich die
-ö-
Schreibungen aus dem Rückbezug auf
poena
erklären lassen (Kluge/S.
1989, 1993, 534
; Schulz/Basler
2, 592
).
Gegenüber
pein
(dies mit stärkerer lautlicher Eindeutschung ebenfalls aus
pena
) mit verändertem Bedeutungsspektrum.
1.
›Beschwernisse jeder Art, Qual, Bedrängung‹.
Bedeutungsverwandte:
(
die
8, .

Belegblock:

Luther, WA
32, 548, 16
(
1532
):
diese Peen oder Straffen sind nur zeitlich.
Chron. Strassb.
320, 6
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
er erdihte die penen und martel die men gefangen lüten ane důt.
Leidinger, A. v. Regensb.
625, 42
(
oobd.
,
um 1430
):
Der ward von den hayden mit manigerlay pen als ein martirär gekrönt.
Ebd.
643, 23
:
Wiwol der schalkch mit allerlay pen ze straffen wär.
2.
›Strafe (darunter oft: Geldstrafe), Buße für begangenes Unrecht, Nichtbefolgung von Auflagen u. ä.‹; auch ›Strafandrohung‹; im allgemeinen auf weltliche Strafen, seltener auf Schuld im religiösen Sinne bezogen.
Phraseme:
in den pönen gehen
(s. u. Qu. Brassó; laut Glossar der Ausgabe: ›in Fußfesseln gehen‹).
Bedeutungsverwandte:
2
 2,  7,
1
 2, I, 2, (
die
2, , , (zur Verteilung von
pen
,
busse
,
strafe
vgl. Dückert, Norm lex. Ebene.
1976, 230
).
Syntagmen:
(die / eine) p. auflegen / aufmessen / aufsetzen / dräuen / leiden / verdienen / verfallen / verschulden, jm. p. geben, p. pflichtig sein, eine p. auf etw. setzen, jm. die p. irrogieren
;
die p. ledig werden
;
auf / bei / mit p. etw. gebieten / verbieten, auf / bei p. gebieten, das [...] / zu [...], in (die) p. fallen, in eine p. verfallen sein, (jm.) etw. zu p. verfallen, etw. bei p. [tun], etw. auf / zu p. geben, in der p. liegen
;
p. der acht
(gen. explicativus)
/ der übertretung, des gutes / leibes / lebens / gerichtes, p. des ewigen todes
;
grosse / hohe / rechte p
.;
bei p. des geldes, bei der p. des zornes e. P
.
Wortbildungen:
pengeld
.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 8r, 41
(
Köln
1499
):
van den feuchten desseluen boums geboit yn got dat Sij sich soulden enthalden vp eyn pene des ewigen doitz.
Buch Weinsb.
5, 169, 9
(
rib.
,
1580
):
2000 goltgl. pfeenen, halb der Churf. kamer [...] andere halbscheit dem haltenden teil unnachleisslich zu bezaln.
Koeniger, Sendgerichte
222, 2
(
mosfrk.
,
2. H. 17. Jh.
):
und gepieten uf peen und wett, dass ihr fridlich und still seind.
Chron. Mainz
1, 53, 23
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
als dicke sal der [...] in ein pene funf gulden verfallen sin.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
203, 6
(
thür.
,
1474
):
Henntcz Vogel solle unde musse ym daz vorbessern addir sollich pene unde straffunge darumbe lyden.
Küther, UB Frauensee
412, 15
(
thür.
,
1540
):
es sey der thott ader abschneidunge der glieder ader mit ruethen zu schlagenn ader ewige landsverweisunge ader dergleichen peen.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
499, 44
(
osächs.
,
1523
/
4
):
pei verlust der sachen oder pei peen des geldes.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
180, 15
(
osächs.
,
1542
/
70
):
Wiewol einem jeden gerichtshelder bei vorlust seiner seelen auch anderer pene gepurt [...], in allen hendeln [...] mit großer fursichtigkeit [...] zu handeln.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
131, 14, 84
(
schles.
,
n. 1352
):
byͤ der penen vnd buse vnsirre vnwirdekeit vnd czorns.
Gille u. a., M. Beheim
79, 332
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
den | walt er mit des gerichtes pen | sein grechtichait erczaigen.
Chron. Nürnb.
2, 163, 35
(
nobd.
,
1449
/
50
):
auch bei penen und unsern sweren ungenaden gepieten [...], daz [...].
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
6, 87, 24
(
Straßb.
1520
):
das bei pen in einem iar nit man nach trucken sol.
Leisi, Thurg. UB
6, 64, 27
(
halem.
,
1359
):
ze gebend ze pen und ze bessrung ainen aymer wins.
Welti, Stadtr. Bern
51, 11
(
halem.
,
A. 14. Jh.
):
so sullen si die selben pene liden, als si ez och getan hettin.
Ebd.
370, 20
(
n. 1437
):
als dick sol ein ieglicher vngehorsamer ze rechter pene vnd eynunge vnnser statt verfallen sin zechen schilling stebler pfeningen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
157, 3
(
halem.
,
1534
/
5
):
und schon peen / und straaf getroͤwt / denen so sich wider jren triumph setzen wurdend.
Köbler, Stattr. Fryburg
205, 2
(
Basel
1520
):
der sol vns zǔ straff vnd pen zehen pfund pfennig verfallen.
Müller, Nördl. Stadtr.
21, 28
(
schwäb.
,
1348
/
50
):
Und schol ain ieglicher, der pen verschuͤlt, nit lenger frist haben nach der kuͤndung denn aht tag.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 408, 12
(
schwäb.
,
1509
):
si sollen [...] daß peengelt, so daruff gesetzt, one ableßlich geben.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
168, 6
(
schwäb.
,
v. 1542
):
alles bey pen und straf leib, lebens und gutz zu halten.
Rot
339
(
Augsb.
1571
):
Pœn, gantz pœna, Straff / pein / bůß.
Fuchs, Kart. Aggsbach
140, 52
(
moobd.
,
1397
):
der wiss sich in unser ungnad swêrleich vervallen sein und darczů der peen, die unserr egenanter lieber herr vetter [...] aufgeseczt hat.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1318
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Seind ainer verdienet ain grosse pen oder den tod, der ainem sein guet enphüret, waz pen ist der phlichtig der got sein götleiche ere enphuret?
Winter, Nöst. Weist.
1, 219, 29
(
moobd.
,
1630
):
Die penn nach den waffen. von ainem spieß fünf gulden.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
159, 11
(
mslow. inseldt.
,
1625
):
Jśt ihm derhalben obśtehende poen nach außgeśtandner takh gefängnüs irrogiret worden.
Qu. Brassó
4, 234, 16
(
siebenb.
,
1650
):
welcher zur Straf gezogen und etliche Zeit in den Poen
[wohl ekthliptisch für:
poenen
]
gegangen.
Leman, Kulm. Recht
2, 1, 5
;
Buch Weinsb.
4, 88, 22
;
Aubin, Weist. Köln/Brühl
33, 15
;
Köbler, Ref. Franckenfort
64, 18
;
Laufs, Reichskammergo.
188, 21
;
248, 18
;
265, 16
;
Kisch, a. a. O.
221, 12
;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
67, 16
;
Hauber, UB Heiligkr.
2, 145, 30
;
Chron. Nürnb.
1, 247, 1
;
398, 13
;
5, 719, 10
;
Köbler, Ref. Nürnberg
254, 3
;
387, 15
;
Leisi, a. a. O.
6, 595, 25
;
625, 15
;
7, 278, 29
;
Boos, UB Aarau
185, 19
;
Welti, a. a. O.
246, 21
;
Rennefahrt, Zivilr. Bern
89, 25
;
Köbler, a. a. O.
95, 12
;
Chron. Augsb.
2, 82, 14
;
7, 354, 4
;
Meisen u. a., J. Eck
58, 15
;
Barack, Zim. Chron.
2, 95, 15
;
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
170, 39
;
Seemüller, Chron. 95 Herrsch.
107, 4
;
Turmair
4, 748, 27
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
26, 19
;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
23
;
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 243, 30
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
265
;
Öst. Wb.
2, 992/3
.
Vgl. ferner s. v. ,  2,  8.
3.
›rechtliche Verpflichtung, Abgaberegelung; Abgabeauflage‹; metonymisch: ›Abgabe, Gebühr‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. .

Belegblock:

Chron. Strassb.
612, 11
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
beder bebeste gebot und briefe die penen hettent oder iemanne schaden möhtent.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
109, 23
(
halem.
,
1403
):
und sol oͧch denn die selben gerichte [...] volfuͤren, in gelichen penen, gewonheiten und rechten.
UB Zug
573, 30
(
halem.
,
1418
):
die súllent in allen stuken die ordnung unn gesastz, pene und ursatz, war unn stet halten.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
91, 17
(
tir.
,
1525
):
dann er mŭes alle penn und văll aŭf des fŭrsten camer verraitten.
Ebd.
104, 20
:
aŭch die penen, so ir etlich noch vertzinsen, sambt demselben zinß ab sein.
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
247, 13
.
4.
›Leiden, Qual der Hölle, ewige Verdammnis; zeitliche Qual des Fegefeuers‹; vgl. die begriffsgeschichtliche Bemerkung s. v.  8.
Bedeutungsverwandte:
1
 3, (
die
5, , , .
Gegensätze:
 5.
Syntagmen:
(die) p. abledigen / empfangen / leiden / verkünden, jm. die p. nachlassen, der sele die p. messen
;
sich der p. entladen
;
von p. ledig / los sein, von der p. sagen, in der p. rösten / sitzen
;
p. der hölle, p. der bösen / selen
;
zeitliche / ewige / grosse / schwere p
.;
ablassung der p
.;
entledigung von p
.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
79, 298
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Das er etlich verwarffe | und ordent zu der pen der hell.
Mayer, Folz. Meisterl.
8, 15
(
nobd.
,
v. 1496
):
Ob er sein sel möcht neren | Vor sulcher pen, | Die dort so swer gemessen | Den selen wirt.
Ebd.
10, 27
:
Himlischer freid zu zillen | Oder der pen, | Dar in man ewig röste.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
90
(
Nürnb.
1517
):
das die sünd des fürsehenen zeitlich und nit ewig und derhalb allein mit zeitlicher peen zu strafen ist.
Wolf, Norm im sp. Ma.
54, 64
(
oobd.
,
1486
):
zu pauung des volcks, jn zu verkunden sund vnd tugent, pen vnd glori mit kurczen warten.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
3
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
das ich got den vater swërleich mit meinen snoden sünden gelaydigt [...] hette, damit ich mich czu swërer pen aintweder hie oder dort czu leyden geaygent vnd verpunden hette.
Ebd. S. 
288
:
Ob die pen des leipleichen tods die pen vmb sie sündt icht ringer machen. [...]. Pen der helle sind manigerlay vnd sind vber alle masse pitter.
Drescher, Hartlieb. Caes.
263, 17
(
moobd.
,
1456
/
67
):
wer das unwirdikleich neẃsset, der enpfácht die ewigen pen.
Ebd.
327, 13
:
Er sach auch die er und glori der heyligen, und gar offt sach der die pen und marter der poͤsen.
Turmair
5, 5, 363, 2
(
moobd.
,
1522
/
33
):
wärn in all sünd schon vergeben, wärn von pên, straf und schuld los und ledig.
Gille u. a., a. a. O.
141, 22
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
190
;
Bobertag, Schwänke
53, 22
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 56, 4
;
190, 5
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3757
;
Drescher, a. a. O.
284, 19
;
Reithmeier, B. v. Chiemsee
58, 5
;
Wackernell, Adt. Passionssp. St. I,
324
.
Vgl. ferner s. v.  4,  3,  5.