gries,
der/das
;
-es
, ekthliptisch auch
-Ø/–
.
1.
›Sandkorn, Kieskorn, zermalmtes Gestein‹; metonymisch dazu als Kollektivum: ›Sand, Kies; Geröll, sandige Erde‹; hier als Ütr. anschließbar: ›Mißstimmung, lähmende Stimmung‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  1.
Wortbildungen:
grieshärig
›filzig, hart, von schlechter Qualität (von Wollstoff gesagt; hierher?)‹,
griesechtig
,
grieselmöre
›Gelberübe; Möhre‹ (Motivation des Bestimmungswortes und damit der Lemmaansatz unsicher),
griesweise
›durch angespülten Sand‹,
grieswerk
.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Jes.
10, 22
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
daz din volk wirt sin als der gryis
[
Dietenberger
:
meersant
; Luther
1545
:
sand
]
des meris.
Kurz, Waldis. Esopus
3, 97, 59
(
Frankf.
1557
):
Des lacht die Bone auff dem griß | So sehr, das jr der Bauch zerriß.
Strauch, Par. anime int.
123, 7
(
thür.
,
14. Jh.
):
daz me engle ist danne grîzis oder laubis oder grasis.
Stackmann u. a., Frauenlob
2, 15, 11
(Hs. ˹
schles.
,
14. Jh.
˺):
Set stiez daz ris uf sines grabes griez.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 72, 9
(
schles.
,
1528
):
mit allirley bergwerke goltwerke kopperwerke [...] eysenwerke stolwerke mit allirley gris und seyffenwerke.
Ebd.
260, 14
:
Die roster sollen [...] die erzt zum brennen rein lautern und uffsezen, die rostwercke wol ausgebrandt klein klopfen, den gries ausrodten.
Gille u. a., M. Beheim
175, 28
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Die selbig piterkait ein gnist, | ein griss und auch ein essich ist, | da das wild feuer von erlist. [...] | Wann pey dem griess wirt auch gerait | hie des neides unfruchtperkeit.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
6, 415, 16
(
Straßb.
1466
):
Wann ich hab gesúndet úber dye czal des gryeß des moͤres.
Adrian, Saelden Hort
6750
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
der brunn uf dringet sunder mies | us dem velsen dur daz gries.
Schmoller, Straßb. Tucher- u. Weberzunft
137, 30
(
nalem.
,
ca. 1525-28
):
[der tůchscherer] kan erkennen, obe ein tůch uͤbel gewalkt schraͤnzig grisshaͤrig oder růmpfeht sy.
Rieder, St. Georg. Pred.
104, 1
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
und waͤri es muglich daz ain mentsch als lang leben solte und moͤhte daz ain tube des meres griess us gefůrti und ie ze tusent jaren nuwent ain griesselin
(›Sandkörnchen‹)
, dú jar solte der mentsch wellen in arbaiten leben.
Maaler
192v
(
Zürich
1561
):
Grießaͤchtig / Voll grieß. Glareosus, Sabulosus [...]. Ein Grießaͤchtig ort. Arenacea terra.
Ebd.
385v
:
Steinacker / Voll grieß vnnd stein.
Chron. Augsb.
2, 177, 1
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
da warf man ain hohen graben auf, [...] was gemacht mit reisachportzen, gelegt neben ainander und dann grieß darauf geschütt.
Henisch
1747
(
Augsb.
1616
):
Grizelmoͤren / gierlin / zam rapunzel [...]. geelruben / Gallis pastinade.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
485, 12
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Ez sint fliezendeu wazzer [...], diu ziehent guldeinen griez und etleiche edel gestain.
Gereke, Seifrits Alex.
6236
(
oobd.
, Hs.
1466
):
das wasser an ettleicher stat | gulldein gryess hat. | gemyscht mit edelm gestain.
Roth, E. v. Wildenberg
111, 11
(
moobd.
,
v. 1493
):
sovil du des gries an deinen geern tragen machst, also vil soltu antlas haben.
Turmair
4, 838, 13
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Man fand ie vil tier, die das mer im sand und grieß ließ.
Kummer, Erlauer Sp. 
4, 703
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
Ich han arme gesundet mer | danne gris hat das mer.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
158, 8
(
smoobd.
,
1585
):
aber was das wasser iemand in grießweiß gibt und anschütt, das soll dem bleiben und zuesteen, dem es angeschütt [...] ist.
Stackmann u. a., a. a. O.
7, 41
G, 6;
Fischer, Brun v. Schoneb.
1083
;
Hübner, Buch Daniel
1381
;
7328
;
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
312, 27
;
Jahr, H. v. Mügeln
106, 331
;
113, 817
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
18, 9
;
Gille u. a., a. a. O.
70, 157
;
435, 54
;
Völker, Antichrist
825
;
909
;
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
1, 131, 11
;
Niewöhner, Teichner
2, 77
;
281, 6
;
447, 129
;
Bremer, Voc. opt.
278
;
Schmitt, Ordo rerum
30, 5
;
Voc. Teut.-Lat. m vijv;
Brack c
12
;
Maaler
342v
;
Henisch
1745
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 60
.
Vgl. ferner s. v.  6,  2.
2.
›unbewachsene, sandige oder mit Kies aufgefüllte Stelle, Sandfläche‹; speziell: ›Sandbank; Sandfläche am Fluß oder Meer, Gestade, Strand, flaches, sandiges Ufer‹; ütr.: ›Turnierplatz, Kampfplatz beim gerichtlichen Zweikampf; Richtstätte‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.
Wortbildungen
griesstange
›Richterstange des Grieswartes beim gerichtlichen Zweikampf, als Amtszeichen und zur Trennung der Kämpfer, nachdem sich einer von ihnen für überwunden erklärt hat‹ (dazu phras.:
der griesstange begeren
›sich für überwunden erklären‹).

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
477, 15075
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
von urloigis mû | begertin der grizstangin | Samin und Nattangin. | Ermin unde Bartin | unde sich bekartin | zu dem geloubin widir.
Stackmann u. a., Frauenlob
2, 19, 13
(Hs. ˹
schles.
,
14. Jh.
˺):
daz criuce ich heize ein vrouwe. | sie gebar daz lebende leben, | [...] | ein liecht der sacramente wert. | ir griezstange und ir sigeswert, | himelzeichen, gotes marc.
Maaler
192v
(
Zürich
1561
):
Grieß (das) Steinaͤchtig sand am gstad d’ wasseren.
Chron. Augsb.
1, 85,
Anm. 4 (
schwäb.
, zu
1388
):
gelegen hie zu Auspurg in dem grieße bi bruder Arnolden.
Gereke, Seifrits Alex.
6618
(
oobd.
, Hs.
1466
):
Do zogtens aber furbas | und chamen da ain waser was, | das lautter was und nicht ze gros | und uber ainen gries flos.
Auer, Stadtr. München
316, 4
(
moobd.
,
1347
):
Man hat der plaich ainen besundern frid und scherm und plan gelaet und genomen danieden an dem griezz.
Winter, Nöst. Weist.
1, 405, 27
(
moobd.
,
1450
/
1512
):
Der vischer soll auch kainem frembden verkaufen, er ruef dan auf dem gries dreimall ,kauf visch‘.
Ebd.
1, 925, 35
:
wen ein gast von Payren kümbt [...] und aufrint zwischen den gemerkten [...], es sei auf stökch oder auf gries, und das im not zu schiften ist.
Ebd.
3, 346, 15
(Hs.
um 1400
):
man sol niemand uberfüern über das wasser was frombder leut sind [...]. wůrd ainer darüber begriffen [...] so sol man di leut auf ainen mittern gries füern und sol si auslassen.
Chron. baier. Städte. Mühld.
397, 42
(
moobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Der gast sol nicht hingeben noch verchauffen obzs, [...], wan auf dem scheff und auf dem griezz.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
308, 3
(
m/soobd.
,
15. Jh.
):
darnach hat er zu richten und zu greifen von den grieß neben der saag ob Freileiten.
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
356, 27
;
Bischoff u. a., a. a. O.
257, 2
;
Dietz, Wb. Luther
2, 167
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
155
;
Schmeller/F.
2, 121, 124
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 60
.
Vgl. ferner s. v. .
3.
›Blasenstein, Harngries‹.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl.  2.
Wortbildungen:
griesstein
1 ›Nephrit, Nierenstein als Mittel gegen Nierenschmerzen‹ (a. 1611),
griessucht
,
grieswasser
›Mittel gegen Nierenschmerzen‹ (a. 1611).

Belegblock:

Voc. inc. teut. k ijv (
Speyer
um 1483
/
4
):
Griessucht pertusis pertisis e͂ quidã morbus vesice.
Gille u. a., M. Beheim
111, 408
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
[Christus]
hot nit gnumen an sich | pesunder prechen oder swich | der menschen, als da seine | Vieber, aussmerklichkaite, | augen geswer, griess und vergicht.
Fischer, Folz. Reimp.
41, 251
(
Bamb.
1485
):
Die pfirsing- oder weischelkern | Find ich vast einer krafft bewern, | Das griß und auch den harm zu treiben.
Ebd.
43, 496
(
Nürnb.
um 1491
):
[Das pad] pricht auch mit seinem durchlauff | Der lenden und der plosen stein | Und treibt das griß hinweck gemein.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
208v, 7
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Fv́r das griess in der blater leret Ypocras: / Nim rosen mist [...] vnd legg das krut denne v́ber die gemaͤht, so / gat das griess von dir.
Golius
256
(
Straßb.
1597
):
Nephritis, nierenwehe / das grieß / der stein.
Haage, Hesel. Arzneib.
14v, 14
(Hs. ˹
noobd.
/
md.
,
E. 15. Jh.
˺):
Wer do hat den rotten griesz, der sol nemen wilden pfeffer und venchel somen.
Roth, E. v. Wildenberg
87, 21
(
moobd.
,
v. 1493
):
Dieser gütig keiser was mit swerer kranckheit, dem gries und stein, beladen.
Reu, Süddt. Kat.
1, 721, 42
;
Maaler
212v
;
Henisch
1745
;
Schwäb. Wb.
3, 830
/2.
4.
›geschrotenes, nur grob gemahlenes Getreide, Kleie; Gries, Grütze‹; speziell: ›Samen‹.
Bedeutungsverwandte:
(
der
2, , .
Wortbildungen:
griesbehälter
,
griesmus
›Griesbrei‹ (a. 1619),
griesscheiden
›Gewinnung von Gries, indem man ihn von den Getreidehülsen trennt‹,
griessieb
,
griesstein
2 ›Mühlstein‹.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 33, 10
(
rib.
,
1495
/
98
):
mit dem roggelgin sall man overlagen und rechenen, wat der roggen gilt; dazu sall man zellen und rechenen die unkost und den gress und machen davan eine somma.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
2, 360, 7
(
hess.
,
1352
):
hat er [knecht] eine husfrauwe, die zu markete sitzet und veil hat mele und gryz, den knecht sol kein meister halden.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
32, 22
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Wirf von neu weizenem mehl gries hienein, thut es auch.
Ebd.
152, 39
:
wann die scheidere den weizen aufschütten, polle und gries geschieden haben, sollen sie den after mehr nicht dann zum meisten sex mal aufschütten und mahlen.
Skála, Egerer Urgichtenb.
108, 12
(
nwböhm.
,
1573
):
der Pillich Eerl 10 f. gestolen Aus einem Gries behelter.
Merk, Stadtr. Neuenb.
115, 23
(
nalem.
,
1616
):
sollen sie samentlich gemeine statt mit gries und weißmehl jeder zeit also versehen.
Müller, Nördl. Stadtr.
270, 34
(
schwäb.
,
1513
):
das klain griessen und das der kern nit gnugsam genetzt noch gekrawtsibet werde, dem brot die schwertzin gebe.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 81, 19
(
schwäb.
,
1587
):
die muhlenen, darinnen gewonlich weißböcken mahlen. sollen mit guottem grießstein, [...] versehen, auch dreyerley guetter süeb zum grüeßscheiden und reüttern zu jeder mahlmühlen geordnet sein.
Chron. baier. Städte. Mühld.
408, 41
(
moobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
und so dich di erd verslinden muͤzz, als si tet Dathan und Abiron, und so dein griez nimmer mer choͤm zuͤ anderm griezz in den parn hern Abrahames.
Zingerle, Inventare
158a, 35
(
tir.
1472
):
zway griessib, zway alte seübersib.
Loesch, a. a. O.
2, 5, 13
;
Müller, Nördl. Stadtr.
517, 20
;
Gehring, a. a. O.
3, 577, 39
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 4115, 88
;
Zingerle, a. a. O.
167a, 1
;
Schmitt, Ordo rerum
175, 10
;
Maaler
192v
;
Schwäb. Wb.
3, 830
/2.