pflege,
(bei
Adrian, Saelden Hort mit den Dentalsuffixen
-de, -t
:
pflegede, pfleget
),
die
;
-Ø/–
.
1.
›das Tun, Treiben, die Beschäftigung, Sitte, Gewohnheit‹.
Bedeutungsverwandte:
(
das
11,
1
 14.

Belegblock:

Behrend, Magd. Fragen (
omd.
,
um 1400
):
her mag sulcher handelunge unde narunge gebruchen gelich andern mitteburgern, ab her recht unde pflege do von thut.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Der vil reine selden barn | In rehter tugende pflage | Bat vrunde unde mage | Solange untz daz im urloub wart.
Gille u. a., M. Beheim
119, 151
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Czum virden, wann in moss und pfleg | erfullet würd ain yeklich weg | der menschlichen geberung.
Adrian, Saelden Hort
1172
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
owe der laiden pflegde! | hab ich die verwarlosot, | so wil ich untz an minen tot | komen in dem tempel nit.
Niewöhner, Teichner
165, 33
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
also ist der teuffel phleg: | pringt er dw phaffen auf di weg, | da gent auch dw layen mit.
Ebd.
181, 59
:
so ist daz der puoben phleg: | tryt er ainem aus dem weg, | nur wi chlains ist, umb ein har, | der chumpt dann mit lugen dar | und verleugt in mit der vert.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Noch poser ist dez chrieges phleg. | Da vor uns got behuette.
2.
›Aufsicht, Fürsorge, Obhut, Schutz, Wartung‹.
Bedeutungsverwandte:
 12, .
Syntagmen:
die pf. aufsagen; der pf. bedürfen; jn. / etw. in pf. halten; jn. / etw. in pf. geben / nemen
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Dî mûsten ouch zu pflege hân | aldâ ir kanen bî in stân | durch der Prûzin anehurt.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
das sie pillich das erbe und das gut der kinder behilden und behalden sollen zu einer pflege.
Behrend, Magd. Fragen (
omd.
,
um 1400
):
das selbe kint hilt myn wip in hute unde in pflegin XVI iar bisz an synen tot.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Als man Susannen vurte | Zu tœten, an dem wege | Irquicte Gotis pflege | Eines jungen kindes geist.
Gille u. a., M. Beheim
22, 153
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
der ewig got geb im [dem fürsten] weis weg und phleg, | Das er sein gluk cher zu den pristern hie.
Ebd.
82, 564
:
Verjah sy doch, daz sie mit irn | dingen allen nur wer sein dirn, | dem sy fleisslichen wartet | Mit muterlicher pfleg.
Ebd.
111, 431
:
er wolt also hy geporn | werden ain kindlin klaine | Und peturfft pfleg als andre kind.
Pyritz, Minneburg
523
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Daz kint, der kamerer die nomen | Unser war mit guter pflage.
Brandstetter, Wigoleis
196, 29
(
Augsb.
1493
):
Her gabon nam den jungen in sein pflege.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
desgeleichen hat auch ain erberer rat christlicher, guter mainung ain sondere achtung in seiner pfleg mit den beschedigten armen leuten im Blaterhaus.
Adrian, Saelden Hort
3955
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
Lieplich in ir pflágt | hant dich zarten brutgomen | fúr liebes trost genomen.
Rennefahrt, Zivilr. Bern (
halem.
,
1570
):
damit derselben gůt gtrüwer pfläg und administration bevolchen, ouch zů irem besten nutz und frommen verwaltet, der vögten untrüwe und liederliche pfläg abgestelt.
Ebd. (
halem.
,
1605
):
Nach dem wir beyder theyllen anbringen verstanden, und besonders, wessen sich David Rätzer diser zweyen töchterlinen verwaltung und pfläg anerboten.
Niewöhner, Teichner
215, 119
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
daz hat unser herre getan, | daz er unser vrawn chuͤr | durich daz wazzer der natuͤr | hat gefurt in seiner phleg | uͤber seiner wunder steg.
Weber, Füetrer. Poyt.
69, 5
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Der künig Bermund zw Lorandin sprach, | er sollt mit pfleg seins sunes allzeit wallten.
Leidinger, V. Arnpeck (
moobd.
,
v. 1495
):
darumb sagt er herzog Jörgen di pfleg auf, diweil herzog Jörg zu Ungeren was.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Got halt in [den herzog] in seiner phleg.
3.
›Amtsbezirk, Pflegeamt, Vogtei‹; Metonymie zu 2.
Bedeutungsverwandte:
(
das
5, I, 7,
2
 2.
Syntagmen:
die pf. besitzen / innehaben / inantworten; von der pf. abtreten / entsetzt werden, in einer pf. sitzen
.

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
E. 16. Jh.
):
Die Spanier und Hussern haben in der Wittenbergischen pflege großen schaden gethan.
Am selbigen tage hat Graff Hans George von Mansfelt das Schlos Egeln sampt der pflege eingenommen.
Redlich, Jül.-Berg. Kirchenp. 
1, 94, 4
(
rib.
,
1492
):
daromme der selve pastoir interdict zo Sinzich ind ander pleigen da umblanxs gelacht hait.
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1505
):
wat vische boven Bonne ind beneden Hemelgeist […] ind sust vort in denselven plegen gefangen of gehoilt wurden.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. (
mosfrk.
,
1397
):
unsere lude zů Wolmerode in der plege zů Manderscheit geseßen.
Ebd. (
mosfrk.
,
1464
):
Was auch kleine boißen in dem vurg. ampt und plegen fallent, die sullent ime alleine zustain.
Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
dann iß wol küntlich ist, daz die stait Mencze Oppenheim, Jngelheim und die plege von dem helligen rich vor 70 dusent gulden virphand hatten.
Kollnig, Weist. Schriesh.
95, 11
(
rhfrk.
,
1610
):
Das corpus oder bauch der kirchen erhelt das tumbstift Wormbs alß decimatores. Die pfleg Schönau die glocken und joch darzu.
Ebd.
280, 16
:
Den grosen zehenden an früchten […] nehmen ein die pfleg Schönau zu 2 und die pfarr […] zum 3 tigen teil.
Wolf, Gesetze Frankf.
242
(
hess.
,
1443
):
die busse davon ist 5 schillinge penninge allen dag, die sollen halb dem rade und halb dem richter, in des plege die verfallen were.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1544
):
daß etlich viel bender […] ausserhalb den erlawbten pflegen hewslich wonen und das handwerck treiben.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
118, 3
(
thür.
,
1474
):
Ist eyn prister im gericht unde phlege zcum Arnßhoug vorstorbin.
Küther, UB Frauensee
354, 23
(
thür.
,
1524
):
Ich Thomas Libergealt […] beclage mich hy ynne dyser zedel zu euch, das ir myr hat meyn moͤll ynn der Seheschenn pflege ader Auge myt unuͤberwyntlichen czynssenn hat uberladenn.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
derhalben dan die amptleute derselben pflege, darinne das aploß ist, etliche leute von gerichts und ampts wegen zu sich pflegen zu verpoten.
Helbig, Qu. Wirtsch.
1, 116, 35
(
md.
,
1423
):
Weres ouch sache, das eyn steynmetze ussewendigk unser hern phley gesellen adir leerknecht hette, des nempt sich eyn hantwerg nicht an.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1387
/
9
):
wir haben vernomen, wie daz du unser man und diener, die in deiner pfleg gesezzen sein, zu hilff den hertzogen von Bayrn gen Sultzpach und gen Herspruk gelihen hast.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1443
):
so hat man in der phleg den bawren ir dienst angeschlagen an gelt.
Memminger Chron. (
Ulm
1660
):
daß die Verwaltung der Pfleg zu S. Niclas der Statt zu gehören solle.
Maag u. a., Habsb. Urbar
2, 1, 711, 16
(
alem.
,
um 1380
):
habent die grafen von Toggenburg von Goͤtzen dem Muller an sich geledigot und und geloͤset die burg und stat ze Raperswile, die pfleg in der Wêge und in der Mittelmarch.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Dar umb sú fůrent ander wege | Wider in ir landes pflege.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1534
):
bevelch durch Jacoben Hinderhover als er von der phleg abgestanden.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
17. Jh.
):
Verer so rüegt man iren hochfürstl. gn. pfleg zu Glanegg den gerichtskraiß.
allain die vischwaid in der Glon riegt man zu der pfleg Glanegg, ist von alter herkomen.
Bastian u. a., Regensb. UB
207, 12
(
oobd.
,
1361
):
swer nach mir půrkgraf ist oder der die pfleg ze Stauff besitzzet.
Ebd.
453, 28
(
oobd.
,
1377
):
Wir […] erlauben mit chraft dez brifs im, unser vest und pfleg zuͤ Tuͤmstauff […] zuͤ ledigen.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
150, 6
(
1438
/
9
):
die dorffere Marley, Northeym […] und Hochfelden mitsampt ettlichen andern dorffern dabey gelegen zu der pflege Hagnow gehorenden.
Klein, Oswald
112, 295
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
wem man bevilcht lant oder leut, | ampt, pfleg, gericht und desgleich, | zu straffen, richten arm und reich, | der sol sich halten in dem schein, | das er unstreflich mug gesein.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Dapey er als vill gnadt verdiennt, das im der kayser die phleg und herschaft zw Grayffenwerg lyeß.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1482
):
An freytag vor dem suntag Judica […] ist Gothart Hartlieb von der phleg Fragenstein entsetzt.
Ebd. (
tir.
,
1488
):
Am suntag Esto michi […] ist Fridrichen Wingkentaler die phleg Fragenstain […] ynngeantwürt.
Ebd. (
tir.
,
1498
):
Ann dem achtennden tag des monnats Marty […] ist herr Pauls […] der pfleg Thaur abgetretten.
4.
›schutzgewährender Raum, Herberge‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1530
):
Denn alle land auff gewest ex omnibus Civitatibus, flecken und dorffern, und komen ynn die pflege.
5.
phras.:
zu pflege
›gewöhnlich, üblicherweise, stets‹;
jm. etw. pflege sein
›jm. etw. schuldig sein‹.

Belegblock:

Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
Herre, irbarme dich ubir mînen sun, wan her ist mênisch und lîdet ubele, wan her vellit dicke in daz fuͤr und zu phlege in wazzir.
Ebd. J. :
Abir Jûdas wiste ouch di stat, der en vorrît, wan zů phlege quam Jhêsus al dar mit sînen jungern.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Do sagete im ir ieselich | Gar des andern wege, | Wie er sich hielt zu pflege | An der tugende strazen.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
do nam man ez gereit | Hin wec zu eime stege, | Dar uber man zu pflege | Gienc in den tempel vorwar.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Doch by siner vernumpft er bleib | Und trat ny uz rechtem wege | Und hilt dy gedult zu phlege.
Ouch sint der selben wege | Vol arger list zu phlege, | Und ir ganc zu allen stunden | Mit trugene ist bewunden.
Wan wer win trinket zu phlege | Und vorchtet sin vortrunkenheit | […] Der mischet den win zu maze.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 356, 20
(
preuß.
,
1441
):
dat de vom Elvynge vorscr. dem vorberorden Hennynge bynnen dreen 14 dagen, nachten, solen don, wes se eme plege sin.
Ebd.
5, 308, 15
(
preuß.
,
1477
):
unnd nicht andyrs mag geseyn, ir unser getrawe manschafft uns dorinne, so es von noten wirt seyn, getrawe beystanth pfhlege syt zcu thuende.
Ebd.
5, 386, 34
(
preuß.
,
1482
):
wenn eynn gebawer […] beczalt zcynem herren, was er ym phlege ist, so mag her zcihenn, wohin her wil.
Guth, Gr. Alex. (Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Daz er im den zins geb, | Dez er in alter het pfleg | Zu geben in Persya.
Karsten a. a. O. ; ; .
6.
›Abgabe (als wiederkehrende Leistung)‹

Belegblock:

Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
sullin wir der fleige halber in rachtunge dreden.
Rwb  f.