herlichkeit,
die
;
–/-en
, Pl. nur in 4 und 5.
1.
›Prunk, äußere Pracht, Prachtentfaltung, äußerer Glanz; Schönheit, Herrlichkeit‹;
vgl.  1.
Syntagmen:
die h. beweisen, erscheinen lassen
;
jn. mit h. begraben, es an h. jm. weit vortun
;
die h. der wappen
;
die beste / grosse / königliche h
.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron.
93, 6
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
da qwamen di fursten von Duschem lande zu Frankenfurt [...] unde lagen da bi echte dage mit großer koste unde herlicheit.
v. Birken. Erzh. Österreich
70, 42
(
Nürnb.
1668
):
Es befanden sich daselbst zwey Geschlechte / [...] / welche es an Vermoͤgen und Herrlichkeit den andern weit vorthaͤten.
Anderson u. a., Flugschrr.
4, 3, 11
([
Straßb.
]
1524
):
Alle menschen seynd graßs / vnd all jr glory / bracht / vnd herligkeit / nit anders dañ die hewbluͦmē.
Chron. Augsb.
8, 326,
Anm. 1 (
schwäb.
, zu
1547
):
da kam der kaiser her gen Augspurg mit großem volck und großer herrligkeit.
Turmair
4, 467, 18
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Wolten demnach obgenanten hauptman Cneum Manlium nit ein lassen faren auf einem sigwagen, mit welchem sigspil, bracht, herlikait und zier domals die hauptleut [...] ein pflegten zu faren.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
23, 13
;
Wyss, a. a. O.
54, 6
;
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
203, 1897
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 163, 9
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 297
.
Vgl. ferner s. v. .
2.
›Freude, Fröhlichkeit‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  2, (s. v.  1).

Belegblock:

Palmer, Tondolus
1234
(
Speyer
um 1483
):
Nim war was lust wz freiden wz herlicheit ist da zusehen / vnder den choren der engeln.
Hertel, UB Magdeb.
3, 609, 1
(
nd.
/
omd.
,
1497
):
uff das sie herligkeit, lust und recreacion in den heiligen pfingsten nach alder gewonheit dar uff gehaben mogen.
Logau. Abdank.
163, 26
.
3.
›Tugend(haftigkeit)‹; speziell: ›Würde, Anstand, Ruhm, Ehre; Ansehen‹; auch in religiöser Hinsicht;
vgl.  35.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (
das
7,  2,  1.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron.
70, 8
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
da dise frage unde dise antworte [...] geschen waren unde mit herlicheit unde mit wisheit vurantwort worden.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
152r, 45
(
Leipzig
1588
):
Manche Leute stellen jr vertrawen auff jre Gesundheit vnd stercke / Auff jr Gelt vnd Gut / Ehr vnd Herrligkeit.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 47, 11
(
Nürnb.
1631
):
Preyß, Lob vnd Herrligkeit, | Dancksagung vnd Klarheit, | Sei dir in ewigkeit, | O HErre JEsu Christ.
Maaler
219r
(
Zürich
1561
):
Sein Herrligkeit oder wirde verachtlich vnd klein machen.
Kehrein, a. a. O.
2, 398, 7
;
Wyss, a. a. O.
44, 16
;
81, 6
;
v. d. Broek, a. a. O.
150r, 50
.
Vgl. ferner s. v.
2
.
4.
›Herrschaftsrecht, rechtliche Befugnisse eines Herren / Herrschers über Personen und Sachen (auf unterschiedlichen Ebenen) und die daraus resultierende Autorität und Macht(fülle)‹; speziell auch: ›Recht der Ausübung von Gerichtsbarkeit, Gerichtsgewalt‹;
vgl.  6.
Überwiegend Rechtstexte.
Bedeutungsverwandte:
 1, (
die
1, ,  1, ,  2,  3, I, 2, (
der
456,  1,
2
 5,  6,  1,  1, , ; vgl. .
Gegensätze:
 3.
Syntagmen:
j.
(Subj.)
(eine) h.
[wo]
haben, die h. behalten / brauchen / handhaben / verlieren / vermelden
;
die h.
(Subj.)
der herschaft sein, jm. zugehören
;
j.
(Subj.)
seiner h. entsezt sein
;
j.
(Subj.)
an js. h. hindern, in js. h. greifen, etw. wieder die h. sein, jn. bei alter h. lassen
;
h. und freiheit / oberkeit
;
die h. der suveränität, des herren h., die h. über etw.
(z. B.
ein volk
);
die alte / hergebrachte h.
;
ein dorf mit aller h
.

Belegblock:

Dat nuwe Boych
428, 23
(
rib.
,
1396
):
do gesan der Ertzebusschof van yn, dat sij yme wijsen vnd vnderwijsen weulden syne Rechte, hierlicheide vnd gerichte zo Coelne.
Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 548, 26
(
rib.
,
1554
):
meinen ouch genslich, weulde noch iemant da an minre hirlicheit ind reichte hinderen, dat sullichs urre eirsamheit neit lief sijn soulde.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
1259
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Uber dich hait recht, | Macht und herlicheit | Din oberster in syme kleit.
Kollnig, Weist. Schriesh.
11, 9
(
rhfrk.
,
1430
):
was herlikeit und rechtes der vorgenant unser gnediger her uf und in der zent Sassenheym hette.
Thiele, Chron. Stolle
412, 36
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
sie setczen ouch, was eyn bisschoff adir stifft zu mencz gerechtickeit, herlickeit hat, zu erffort.
Mon. Boica, NF.
1, 659, 23
(
nobd.
,
1414
):
So ist sust der werltlich gewalt und das gerichte und alle andre herlickeit gancz der herrschafft.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
46, 22
(
nobd.
,
1465
):
Zum ersten hat ein itzlicher, der zu Sweinfurt voit ist, [...], alle herlikeit und gebot zu Guchsen und ist auch ein einiger gantzer herr des dorfs gnant.
v. Birken. Erzh. Österreich
68, 6
(
Nürnb.
1668
):
Ulrich von Regensberg [...] von aller Welt verlassen / auch aller seiner Staͤdte und Schloͤsser [...] beraubet / von allen Geld⸗ und Lebensmitteln entbloͤsst und seiner Herrlichkeit entsetzt.
Merk, Stadtr. Neuenb.
55, 2
(
nalem.
,
1427
):
daz unser herre der künig ime all sin land und lúte, slos, stette und phandschaft mit aller herlikeit und gewaltsami [...] wider entslagen [...] hat.
Rennefahrt, Recht Laupen
85, 3
(
halem.
,
1489
):
so sol [...] der vorgenant [...] das gotzhuß zuͦ Wyler mit allen sinen zuͦgehoͤrigen raͤnten, zinßen und guͥlten, vaͤllen, gelaͤßen und herrlikeiten von dißhin besitzen.
Merz, Urk. Wildegg
105, 6
(
halem.
,
1536
):
Christoffel Essinger kauft seinem Bruder Andres ab min ansprach der jürißdiction herligkheyt vnd erbgeraͤchtigkheyt an dem schloß Wylldegk.
Ukena, Luz. Sp.
1511
(
halem.
,
1575
):
Alls ich [Herodes] dann vom Römschen rych han / | In Galilea ein herrlicheit.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
206, 11
(
1438
/
9
):
die grafschafft Wirtemberg und alle und igliche andere grafschefte, herschefte und lehen mit allen und iglichen iren herlickeiten, wirden, eren, rechten, manscheften, hohen und nidern gerichten, wiltpennen, czollen, geleiten, muntzen, landen, luten und zugehorungen.
Turmair
4, 399, 15
(
moobd.
,
1522
/
33
):
die [Samniter] verdroß auch sêr, das si under der neuen stat Rom solten sein und ir alte hergebrachte herlikait also verliern.
Winter, Nöst. Weist.
4, 9, 13
(
moobd.
,
1529
):
Her richter, seit ir gesessen zu hören und zu vermelden di herligkait und freihait so zu dem ërbërn aigen Gleyssenfeldt gehört?
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
480, 47
(
m/soobd.
,
1599
):
Auf solliche hievor beschribne gericht und herrlichkaiten hat niemant anderer zu greifen noch [...] zu richten.
Hilliger, Urb. St. Pantaleon
364, 40
;
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
3, 275, 7
;
Loersch, Weist. Boppard
209, 1
;
Behrend, Magd. Fragen
223, 6
;
Dinklage, a. a. O.
19, 31
;
Merk, a. a. O.
77, 34
;
UB Zug
894, 9
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
163, 22
;
V. Anshelm. Berner Chron.
2, 377, 22
;
Jörg, Salat. Reformationschr.
856, 7
;
Rennefahrt, Statut. Saanen
196, 30
;
Edlib. Chron.
8, 10
;
Chron. Augsb.
9, 154, 14
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 2, 217, 10
;
Roth, E. v. Wildenberg
118, 9
;
Winter, a. a. O.
2, 660, 21
;
Bischoff u. a., a. a. O.
473, 11
;
Schwäb. Wb.
3, 1502
 f.
Vgl. ferner s. v.  1,
1
 1.
5.
›Herrschaftsgebiet, -bereich (auf ganz unterschiedlichen Ebenen); Hoheitsgebiet(mit speziellen Rechten und Befugnissen eines Herrschers)‹; metonymisch zu 4.
Phraseme:
eine freie herlichkeit
›von einem Herrscher unabhängiges Gebiet mit eigenen Rechten und Befugnissen‹.
Syntagmen:
in der h. jagen, etw.
(z. B.
vieh
)
aus der h. treiben / verkaufen
;
recht zu der h. haben
;
die h. der herschaft, unserer herren h.
;
die h. zu Friesenland, die hohe h
.

Belegblock:

Aubin, Weist. Hülchrath
212, 29
(
rib.
,
16. Jh.
):
Helpenstein ist eine alsolche freie herligkeit, das die undersaßen allezeit schatz- und dienst-, auch sunst anderer herren beschwernus frei und enthaben plieben.
Koeniger, Sendgerichte
22, 16
(
rib.
,
1. H. 17. Jh.
):
der herr pastor, so in dieser pfarkirchen die pastorey von einer ehrwirdigen frawen abdissen disser herrlichkeit und abdeyen hat.
Welti, Stadtr. Bern
497, 10
(
halem.
,
1437
):
es sol ouch furbasser hin [...] niemans mer kein swin vsser vnser herren herlikeiten vnd gebieten triben noch verkoͮffen, ane ir sunder vrloͧb.
Jörg, Salat. Reformationschr.
815, 11
(
halem.
,
1534
/
5
):
ob jn den selben gmeynen herschafften ettlich kilchoͤrinen, gmeynden oder herlikeytten / [...] die den nüwen glouben angnan.
Rennefahrt, Gebiet Bern
416, 21
(
halem.
,
1637
):
dz sy in irer herligkeit und hinder irem twing und ban unbefragt und unerlaubt wol selbs jagen.
Bastian u. a., Regensb. UB
277, 29
(
oobd.
,
1365
):
Wir Albrecht von gots genaden [...] vogt der gotzhaͤuser Agley, Triend und Brichsen, ruͤward der gravescheft Hennigaw [...] und der herleichait ze Friesland.
Merk, Stadtr. Neuenb.
63, 20
;
Edlib. Chron.
19, 25
;
Koller, Reichsreg. Albr. II.
27, 36
;
UB ob der Enns
9, 137, 25
;
Turmair
5, 582, 10
.
6.
›Obrigkeit, obrigkeitliche Gewalt‹; anschließbar an 4.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (
das
4,  1,  7,
2
 4.

Belegblock:

Rennefahrt, Statut. Saanen
46, 33
(
halem.
,
1429
):
also das die herrlichkeit die landluͥt nuͥtzet sol beruͤren.
Winter, Nöst. Weist.
1, 60, 29
(
moobd.
,
1566
):
so soll ain ieder [...] den annemen [...], und so er behandfest ist der herligkeit antworten.
Stahleder, Juliussp. Würzb.
94a
;
Rwb
5, 852
.
7.
als Titel oder Anrede für einen Würdenträger;
vgl. am ehesten  6.

Belegblock:

Aubin, Weist. Hülchrath
130, 17
(
rib.
,
1565
):
haben die laten vermelt, wie daß sie ingleichen von ihrer vorelteren gehort, daß wolgeb. her abt den angreiff in seiner hochw. herligkeit haben soll.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 81, 26
(
omd.
,
1424
):
haben wir [...] ewir herlichkeit gesant eyne usschrift der brive.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
468, 18
.
Vgl. ferner s. v.  2.
8.
mit Bezug auf Gott zur Charakterisierung seines Wesens und seines Reiches: ›Reich Gottes, Paradies, ewige Seligkeit, ewiges Heil‹; in einzelnen Belegen werden besonders folgende Aspekte der
herlichkeit
Gottes stärker akzentuiert: ›Licht, Glanz, Macht, Ruhm, Herrschaft‹; anschließbar an 3; 4; 5 (in jeweils religiöser Deutung).
Zur Sache vgl.
Rgg
4
3, 1681-1685.
Mittleres und spätes Frnhd.; gehäuft Texte religiösen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
 1,  2, (
der
3,  24,  1,  1, ; vgl. (
das
5,  1.
Syntagmen:
die h. sehen, gottes wort
(Subj.)
jm. die h. geben
;
der h. vol werden
;
j.
(Subj.)
in der h. sein, zur h. erhalten werden, jn. zur h. bringen, sich in der h. anschauen
;
die h. gottes, des hern / vaters
;
die almächtige / engelische / ewige / grosse / sichtliche / zukünftige h.
;
der glanz / stul, die hofnung der h
.

Belegblock:

Alberus, Barf.
41, 2
(
Wittenb.
,
1542
):
Alle jar werden auff S. Francisci tag Seelen aus dem Fegfewer erloͤset / Denn Franciscus ist in der Herrligkeit Gottes Vaters.
Luther, WA
12, 397, 22
(
1533
):
So habt yhr durch den glawben on ewer verdienst die ewige herlickeyt und selickeyt.
Ders. Hl. Schrifft.
2. Chr. 7, 3
(
Wittenb.
1545
):
Auch sahen alle kinder Jsrael das Fewr er ab fallen / vnd die Herrligkeit des HERRN vber dem Hause / vnd fielen auff jre knie.
Ebd.
Mt. 25, 31
:
WEnn aber des menschen son komen wird / in seiner Herrligkeit / vnd alle heilige Engel mit jm / Denn wird er sitzen auff dem stuel seiner Herrligkeit.
Rosenthal. Bedencken
34, 33
(
Köln
1653
):
du allain bist der / der Heilig / du allein der Herr du allein der Allerhoͤchst / IESV Christe mit dem Heiligen Geist in der Herrlichkeit Gottes des Vatters.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 112, 1
(
Mainz
1550
):
Nu ist die Engelische herligkeit den Menschen auff erden erschienen.
Ebd.
1, 293, 3
(
Bautzen
1567
):
heilig ist Gott, | [...] | Der Himel vnd die Erden weit, | seind voll deinr Ehr vnd herrligkeit.
Anderson u. a., Flugschrr.
8, 3, 8
([
Nürnb.
]
1524
):
Soͤlliche herligkait oder kindtliche gerechtigkait / gibt nichts dan̄ allain gottes wort.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
82, 12
(
Nürnb.
1548
):
Denn dein ist das Reych / die krafft / vnd herrligkeyt.
Ebd.
263, 3
:
so haben wir friden mit Gott / durch vnsern Herrn Jesum Christ / [...] / vnnd rhuͤmen vns der hoffnung / der zukuͤnfftigen herrligkeyt.
Ebd.
272, 12
:
Wie Sanct Paulus spricht: Leiden wir mit Christo / so werden wir auch miterben / vnnd zur herrligkeyt erhalten werden.
Dietrich. Summaria
24v, 10
(
Nürnb.
1578
):
JSt ein schoͤne historia / wie der HERR Jesus fuͤr den Aposteln sein herrligkeit sehen lest.
A. à S. Clara. Glori
52, 8
(
Wien
1680
):
was Cron oder Thron / was Herrlichkeit und Seeligkeit GOTT dem streitenden Blutzeugen und H. Soldaten Georgio gegeben / kan kein Herz ersinnen.
Luther, WA
35, 459, 1
;
47, 852, 38
;
ders. Hl. Schrifft.
4. Mose 14, 21
;
5. Mose 5, 24
;
Joh. 11, 39
;
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
24, 20
;
Göz. Leichabd.
207, 8
;
Kehrein, a. a. O.
1, 194
; 9;
Reichmann, a. a. O.
174, 8
;
Dietrich. a. a. O.
24r, 44
;
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 52, 84
;
Andreae. Ber. Nachtmal
66r, 10
.
Vgl. ferner s. v.  1,  1,  1.
9.
›besondere Fähigkeit, Gabe; Vorrecht‹.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
682, 5512
(
Magdeb.
1608
):
Wenn jhnen
[Krebse]
beyde Arm vnd Bein / | Vom Leib gar abgehawen sein / | Wachsen sie wider jeder zeit / | Kein Thier hat diese herrligkeit.