gebot,
das
;
(e)s/-e
, auch
, (rib. auch:)
-er
.
1.
›(göttliche, kirchliche) Aufforderung, Vorschrift, Weisung; (obrigkeitliche) Anordnung, Festlegung; Auftrag, Befehl‹;
vgl.
1
 1,
1
 1,  3.
Phraseme:
zu gebote stehen
›zur Verfügung stehen‹; Doppelformel im rechtsspr. Bereich
gebot und verbot
.
Bedeutungsverwandte:
 5,
1
 1,
1
 1,  2,  1,  810.
Syntagmen:
das g. achten / ansagen / auferlegen / brechen / deuten / erfüllen / geben / halten / leren / sprechen / übergehen / überschreiten / übertreten / verachten / verkünden / vernemen / verschmähen / volenden; das g
. (Subj.)
ausgehen / ausweisen / vorgehen; dem g. folgen / gehorsam sein / nachkommen / untertänig sein; das christliche / evangelische / geistliche / götliche / heilige / himlische g., die zehn christlichen gebote, das gemeine / kaiserliche / königliche / natürliche / rechtliche / oberste / strenge / väterliche g
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
[die zwelfboten] satzten uf mit listen | Vier gebot.
Pfefferl, Weigel. Ges.
20, 17
(
Hamburg
1646
):
den in diesem gebot stehet Christus vnd alle schrift verfaßet.
Luther, WA (
1544
):
Das kein Bischoff, ja auch kein Doctor die zehen Gebot recht verstanden noch geleret hat.
Ebd. (
1524
):
Soltu halten die zehn gebot | die uns gebeut unser Gott.
Anderson u. a., Flugschrr.
17, 7, 17
([
Wittenb.
]
1523
):
wie die Tyrannen so vnchristlich mit vns gefare͂ haben / da sie vns solch recht vnd gepott genomen haben.
Lemmer, Schernb. Frau Jutte
164
(
Eisleben
1565
):
Vnd bin des von gantzem hertzen fro | Vnd wil gern zu gebotte stehn do.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
daz ist also gemeinet: alle de gottes gebot zuͤbrechent, de han den rechten vrede tuͤbrochen.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Des lobeten sie mit vlize Got | Nach der gewonheit gebot.
Aubin, Weist. Hülchrath (
rib.
,
1451
):
Item weisen die scheffen den heren van Deutz zu Langel gebott und verpott.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
sehen wir niet offenbeirlich mit vervarenheit, dat vele minschen sint die die goetliche gebot, geistliche statuten und keiserliche gesetze wissen und bekennen.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1610
):
Es ist geborn ein wahrer Gott, | Der hat erfuͤlt seins Vatters gebott.
Rudolph, Qu. Trier (
mosfrk.
,
15. Jh.
):
Den von Koretz und im Maer doet man eyn gebot, und abe sy nyt kemen, sich zu verantworten, so mag man sy dan kommern.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
148
(
mrhein.
,
um 1335
):
Daz ist der heilgen scrifte gebot. | Gleube aleine an einen got.
Kollnig, Weist. Schriesh.
157, 11
(
rhfrk.
,
1595
):
Es werden auch in dieser dorfsordnung verbotten alle gotteslästerliche flüche, sowohl die wider die gebotten Gottes, als wider sein gnädigste herrschaft geschehen.
Brinkmann, Bad. Weist. (
rhfrk.
,
1564
):
des junkern gemeine gebot und verbot zu Mönchzell sollen und mögen bei dreien lb. fünf s. heller besdheen.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Mainz
1550
):
Das fuͤnfft Gebott ich dir befhele, | Du solt niemand das seine steln.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
Vernemet, liebe sustere, die gebot des meisters.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1593
):
Es sollen auch die steindecker alhie kein gebott, verbott, gesetz oder verbondtnuß machen oder ingehen hinder oder ohne erlaubnuß des raths alhie.
Froning, Alsf. Passionssp.
1258
(
ohess.
,
1501ff.
):
ich byn Herodes gnant, | eyn geweldigk konig uber alle lant: | fursten, graffen und dinstman | musßen mer alle zu gebode stayn.
Harms u. a., Alberus. Fabeln
144, 14
(
Frankf./M.
1550
):
Der Mammnon ist jhr hoͤchster Gott / | Sie halten fleißlich sein gebott.
Feudel, Evangelistar
31, 30
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Warumme ubir treten dyne jungeren der elderen gebot?
Behrend, Magd. Fragen (
omd.
,
um 1400
):
Wy dicke her des richters gebot vorsiczet, so dicke hat der richter syn gewette.
Jahr, H. v. Mügeln
129, 2084
(
omd.
, Hs.
1463
):
durch libe wirt gesuchet got, | durch libe helt man sin gebot.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Wellet irz eben merken, sô ist minne mê lônes wert dan ein gebot.
Dô her Âdam daz gebot brach, dô wart er ûz dem paradîse gestôzen.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
das gesetze, die steynen taffeln, do er [got] die zehn geboth yn schreib.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
237, 8
(
thür.
,
1474
):
Da habin dy von beyden partien beyde uff sollichen uwern rechtspruch folge unde geboth geheyschet.
Küther, UB Frauensee
375, 3
(
thür.
,
1528
):
das sie alwege die hohen gepot uber halß undt heupt haben zu richten gehapt.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk. (
osächs.
,
1343
):
ein gebot ginc ûz von dem keisere Augustô, daz bescriben worde der ummecreiz allesamt.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
Dise dru gebot waren in einer tafelen geschriben und horten zu gote.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
55, 3
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Si sprechin das si sint undirtenic dem grozen chaam, doch sten si ym nicht czu gebote, wen das si wollin.
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Der undervoit sal ouch zu der burger gebote sten an allen sachen, an allem geheize.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1528
):
Dass kumer verbot und gebot in bercsachen durch den berckmeister beschehen sollen.
Gille u. a., M. Beheim
146, 344
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Also ist nun gesaget fürt, | daz dis gebat erfullet wurt | auff dreierhandlai sine.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
52, 10
(
nobd.
,
1536
/
49
):
wir weißen auch seiner gnaden, zu Helmershaußen alle mugliche geboth und vorboth zu thun.
Dienes, E. Gros. Witwenb.
16, 10
(
Nürnb.
,
1446
):
sünde ist vngehorsam mit übertretten der hymmlischen gepot.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Hie slúss ich die uz die von den gebotten der heiligen kirchen zuͦ gebette verbunden sint.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 500
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Gehorsamkeit machet den menschen vndertenig den gebotten vnd den verbotten vnd dem willen gottes.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
23, 7
(
els.
,
1362
):
Die schiflúte erfúlletent sin gebot.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
603
(
pfälz.
,
1436
):
das ist zu lesen vnd zu mercken jn naturlicher gesetzde, die zwey gebott hand.
Karnein, Salm. u. Morolf
90, 1
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Salmon das gebott uber gie.
Dreckmann, H. Mair. Troja
10, 13
(
oschwäb.
,
1393
):
allem iurm gebot will ich on allen zweifel gehorsam sein.
Morrall, Mandev. Reiseb.
43, 9
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
also nach da by ist die statt da im unser herr gab die tauffel von den zehen gebotten.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 382, 15
(
schwäb.
,
1578
):
seind dise deß gotteshaußes gebot und verboth, ordnungen, sazungen.
Fellmann, Denck. Schrr.
2, 41, 30
(
Augsb.
1526
):
warumb sihet er nicht auf seine gebott, welche er darumb gegeben hat, das mans halt.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Ir sont och merken daz wir in Gotte anders nit bliben mugent won in sinen gebotten und in sinen hulden.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1468
):
Welher aber die gepot verachten und nit frid geben nach halten wölt, zu dem sol man grifen.
Goldammer, Paracelsus
2, 255, 15
(
um 1534
):
darumb ist vater und mutter gebott und verbott so wol ärgerlich als der klöster gebott.
Wyss, Luz. Ostersp.
664
(
Luzern
1583
):
Herr, ich bin hie, allmechtiger Gott, | Zuͦ erfüllen din geheiß vnd gbott.
Klein, Oswald
126, 34
(
oobd.
,
1416
?):
Got, got, almächtiger got, | gros was dein väterleich gepot.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Darnach wurden sy zu Salltzpurg offenlich auf der kanntzl umb die ungehorsam, das sy dem rechten gepot von dem babst nicht waren nachkomen, gepannet.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1435
):
so sol er mit seines gosthaus leẅten schaffen, das die sölchen geboten nachgeen und gehorsam sein.
Bauer, Zist.-Pred. Haller
81, 32
(
tir.
,
1466
):
Ist das ir meine gepot halten seit, so peleibt ir in meiner lieb.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
13, 6
(
mslow. inseldt.
,
1497
):
Am Erśten hab er in der Hodritśch nach inhalt Künigliches gePotts befragt.
Kollnig, a. a. O.
11, 11
;
26, 35
;
138, 20
;
144, 37
;
163, 39
;
199, 16
;
272, 38
;
294, 44
;
Feudel, a. a. O.
30, 1
;
32, 1
;
66, 11
;
69, 12
;
105, 11
;
133, 6
;
141, 25
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
27, 38
;
28, 24
;
70, 13
;
78, 18
;
Grosch u. a., a. a. O.
162, 11
;
175, 29
;
200, 10
;
207, 16
;
236, 12
;
Dietrich. Summaria
20v, 4
;
23r, 45
;
26r, 16
;
26v, 11
;
Vetter, a. a. O. ; ; ; ;
Eichler, a. a. O.
1, 9
;
1, 95
;
1, 401
;
2, 72
;
2, 864
;
2, 2101
;
2, 2204
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 72, 1
;
83, 13
;
121, 22
;
135, 17
;
282, 12
;
435, 38
;
565, 27
;
Schmitt, Ordo rerum
120, 45
f.;
Voc. Teut.-Lat.
k iijr
;
k viijv
;
l viijr
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 32
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 177
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 64
,
Dietz, Wb. Luther
2, 26
;
Vorarlb. Wb.
1, 1074
;
2.
›Macht und Recht des Gebietens; Verfügungs-, Herrschafts-, Befehlsgewalt‹;
vgl.
1
 1,  34.
Bedeutungsverwandte:
(
der
4.
Syntagmen:
das g. geben / erwälen / verlassen; zu einem g. gehören, in einem g. bleiben
.

Belegblock:

v. Ingen, Zesen Rosenw.
62, 3
(
Hamburg
1646
):
Weil ich mich nuhn also mit der flucht fohr dir zu verbaͤrgen gedenke / und mich nicht so wohl ihrem gebote [...] als ihrem bitten entzuͤhe.
Rosenthal. Bedencken
27, 25
(
Köln
1653
):
Ich hab deine Gebott erwehlt.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
15, 39
(
rhfrk.
1451
):
So hette eyne grave von Hanaüwe [...] auch das oberste gebotte durchgeende das gerijchte zu gebieten.
Froning, Alsf. Passionssp.
4987
(
ohess.
,
1501ff.
):
in des tufels gebode mußt er synn, | ir enfolget dan dem raide myn.
Mon. Boica, NF. (
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
dy herschaft hat alle gebot und verbot in den dorffern.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
66, 28
; (
nobd.
,
um 1530
):
teilt man zu meinem gnedigen hern alle oeberste geboth zur Linten.
Ebd.
96, 19
(
nobd.
,
1430
):
Zum ersten weysen sie mein herrn von Rienecke die obersten und hoesten gebot uff der zenth zu Rieneck.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Dorumb in dem dritten iare seins gebottes er macht ein grosse wirtschafft allen den fúrsten.
got des himels der hat dir gegeben das reich die sterck vnd das gebott vnd die wunniglich.
Rennefahrt, Statut. Saanen (
halem.
,
1397
/
8
):
veriechen wir [...] das wir der obgenanten froͤwe Anthonia [...] vollen gewalt, gunst, gebot und heissen gegeben haben.
Wackernell, Adt. Passionssp. Pf. I,
368, 6
(
tir.
,
1486
):
Das ist der grosmächtig und unsterblich got, | Der da zerstörn will eur gepot.
3.
›Aufgebot, (Ladung zu einer) Versammlung von Handwerkern‹;
zu
1
 4.
Syntagmen:
ein g. gebieten / machen; eines gebots begeren; zu einem g. fordern / erscheinen
.

Belegblock:

Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1593
):
Welcher uf die stuben zum gebot erfordert und nit erscheinen würde, der soll zum erstenmahl funff batzen und zum andernmahl zehen batz zur straff erlegen.
Ebd. (
hess.
,
1574
):
Es sollen auch die zunfftmaister dise ihre ordnung alle fronfasten den gesellen gemainlich in ainem gepott lassen verlesen.
Ebd. (
hess.
,
1451
):
Auch sin sie uberkommen, das man keyn geboit uff eynchen wercktag machen sal.
Ebd. (
hess.
,
E. 16. Jh.
):
Sie sollen auch keyn wehr inn daß gepott tragen, dweil der gesellen weyn wert.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
wellen wir dieselben meister [...] vnnd aber sunnst in annder waͤg [...] ouch zuͦ den gebottenn vff die stubenn ze gannd, geruͤwiget vnnd vnbeladenn belibenn.
4.
›Angebot, Gebot (im Kauf und Verkauf von Waren, Gütern)‹;
vgl.
1
 3, (V.) 6.

Belegblock:

Schmidt, St. Kastorst.
2, 469, 18
(
mosfrk.
,
1465
):
ob der rad soliche unsere gebodere nit wurde uffnemen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
246, 17
(
thür.
,
1474
):
ehe danne Richenbach unde dye andern geboth unde clage zcu Kalhartis guttern getan habin.
Ebd.
246, 34
:
unnser erste spruch auch von deme gebote alleyne nicht bemeldet, sundern meldet von gebote unde clage, daz bedutit von clagen met rechten gebotin.