einbringen,
V.,
unr., rückuml. mit Nasalausfall im Prät.; md. mehrfach
einbrengen
.
1.
›etw. in etw. (überwiegend räumlich Gedachtes, auch: in jn.) hereinbringen, -lassen, -holen‹; ›jn. wohin bringen‹; ›etw. in etw. einfügen‹; speziell auch: ›etw. zu sich nehmen, schlucken‹; ütr.: ›etw. zulassen‹; ›jm. etw. eingeben‹ (z. B. von den Sinnen gesagt);
zu  1,  1.
Phraseme:
jm. wunder einbringen
›jn. zum Staunen bringen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  2,  1,  1.

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
5756
(
rib.
,
1444
):
Dese sachen brengent mir wunder in, | Want sij neit en synt gewone.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Es redt auch niemandt von den dingen | Anderst, denn jm sein sinn einbringen.
Strauch, Par. anime int.
78, 17
(
thür.
,
14. Jh.
):
darumme sal der mensche flizicliche beluchtin sine fimf sinne, daz si icht inbrengin daz der sele schedelich si.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk. (
osächs.
,
1343
):
si funden nicht an welchem teile si en
[den Lahmen]
in brêchten
[
Mentel
1466:
ein trúgen
;
Luther
1545:
hyneyn brechten
]
vor der schare
(in die Nähe Jesu).
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
14. Jh.
):
die do rechte one mittel inbringent den heiligen geist in einer hohen wisen, daz ist wore abgescheidenheit.
Ebd. (
1359
):
das der vigent im die fúlste und die boͤste bekorunge in bringet.
Goldammer, Paracelsus
2, 255, 8
(
um 1534
):
und habt vil sodomisch und gomorrisch einzüg einbracht.
2.
›etw. in etw. (z. B. in einen Text, in ein Buch) einfügen‹; ütr.: ›etw. (z. B. in eine Diskussion) einbringen, miteinbeziehen‹; ›zu etw. beitragen; jm. Informationen zutragen‹; Spezialisierung zu 1.
Späteres Frnhd.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  20,  3,  2,  2,  2.
Wortbildungen
einbringung
1 ›Einführung‹ (dazu bdv.: , ).

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (o. O.
1638
):
wir sahen Hispahan vor unsern Augen liegen, | die königliche die, die, wie man mir bringt ein, | von hundert Pforten soll genennet worden sein.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
47, 120
(
Magdeb.
1608
):
Damit sie zu dem andern singen / | Die Regal stim koͤnten einn bringen.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
die [Menschenfraͤsser] ich alle in obengedachter Mappen auffgezeichnet / vnnd mit eyngebracht habe.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
DRauff kan diese Anwort gefallen vnd einbracht werden.
Schorer, Sprach-Verd.
23, 21
(
1643
):
wo er dergleichen in seinen Schreiben mit einbringen koͤnte.
Goedeke, Fischart Kinderzucht
180
(
Straßb.
1578
):
Deswegen niemand nicht veracht | Die Fragen, hie kurz eingebracht.
Rot
318
(
Augsb.
1571
):
Induction, Einleytung / Einfuͤrung / Einbringung.
3.
›die Ernte einbringen, -fahren und wo lagern‹; in geistlichen Texten oft bildlich; generalisierend: ›den Ertrag aus etw., den Lohn für etw. erhalten‹; speziell auch: ›Geld an, mit etw. verdienen, Gewinn erwirtschaften / machen‹; ›etw. (durch Verkauf) zu Geld machen‹;
zu  3,  1.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. ,  2, ,  11, (V.) 12,
2
 2, (V.) 2,  2.

Belegblock:

Lohmeyer, K. v. Nostitz (
preuß.
,
1578
):
Die forbrige mit fleis zu rechter zeit bestelle mit pflugen, sehen und einbrengen und aüßdreschen.
Luther, WA Bibel (
1532
):
Schawet, wie es euch gehet. Jr seet viel, Vnd bringet wenig ein.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
576, 2218
(
Magdeb.
1608
):
Wer Geld zu rechter Zeit veracht / | Hat offt grossen gewin einbracht.
Helbig, Qu. Wirtsch.
1, 34, 30
(
md.
,
E. 14. Jh.
):
untze daz er [Christus] uns die fruht unserre ewigen selikeit gerwe in brohte und gesammelte mit sime bittern tode.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Vnd vns die Fruͤcht auff Erdn bewahr, | Von der wir lebn das gantze Jahr. | Daß wir sie nuͤtzlich bringen ein, | Vnserm Nechsten darmit behuͤlfflich seyn.
Bastian, Runtingerb.
2, 199, 7
(
oobd.
,
1402
):
Die 21 tuch sind verch(aͤuft), [...]; aber mein gebant und sein [gebant] sol durcheinander verchaͤuft werden und einpracht.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
[Die in einem Kampf Besiegten]
stalen sich so wider haim durch die land, behalfen sich mit den raben, so noch auf dem veld stuenden, noch nit auszogen noch einbracht warn.
4.
›(jm., auch: einer Stadt) etw. einbringen‹;
vgl.  3,  6.
Bedeutungsverwandte:
1
 13; vgl.  2,  6, (V.) 11.

Belegblock:

Lohmeyer, K. v. Nostitz (
preuß.
,
1578
):
das ampt [...], daß dreifehtig mher hette tragen und einbrengen sollen den bey Kobersen zeiten.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
wöliche der statt Rom renten, gülten, schatzungen, steuren und anlagen in kriegs⸗ und burgerlichen sachen und hendlen habend einbringen.
5.
›etw. bezahlen, einzahlen, zurückerstatten, begleichen‹; ›Geld bzw. materielles Gut (z. B. in Form einer Mitgift, eines Erbes, einer Pfründe) ein-, mitbringen, der Erbmasse, dem Besitz zuführen‹; generalisierend ütr.: ›eine Schuld begleichen, etw. wiedergutmachen‹;
vgl.  12,  1.
Mehrfach Rechts- oder Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
 2,  2, ; vgl.  3,  1,  9,  4, ,  2.
Wortbildungen:
einbringung
2 ›Zahlung, Ausstattung mit Geld‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
darnach kommen sie denn unnd wollenß mit meßhoren, [...] gebettle, ablas wider eynbrengen, als were gott eyn trewdeler.
Köbler, Ref. Wormbs
298, 31
(
Worms
1499
):
so soll [...] die pene von im inbracht werden.
Stambaugh, Friederich. Saufft.
48, 19
(
Frankf./O.
1557
):
Ob aber dennoch Gott eim ein solch Creutze aufflegte / das im das Bier / oder der Wein blieb ligen [...] derselbige werde im solches wol wider wenden / und inn ander wege wider einbringen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
28, 6
(
thür.
,
1474
):
so hoffen sy durch recht, dy zcwo tochter mussen wedder inbrengen, soviel sy enwegkhabin.
Ebd.
74, 38
:
also yres mannes erbin darkegen setczin, daz yn umbe keyn gud bewust ist, daz sy inbracht hat.
Ebd.
87, 7
:
so nympt der stiffvater uß deme gute nicht meher zcuvor danne syne ingebrachten sechczig schog.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
so sollen die töchter wider einpringen, das ine zu mitgift ist worden.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
einpringung unser yeder leybgeding, gult und ausrichtungen.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
258
(
Genf
1636
):
Jnbringen / Erstatten [...]. Was ich versaͤumet hab / will ich widerumb (Jnbringen).
Henisch (
Augsb.
1616
):
Einbringen / die guͤter einwerffen.
Bastian, Runtingerb.
2, 103, 18
(
oobd.
,
1390
):
Der Graf wil mir den 1 guldein noch einpringen.
Ebd.
380, 23
(
1401
):
Item so hat er ander laͤuten gelichen, daz er mir wider einpringen sol, 14 lb. ân 7 helbling.
Grosch u. a., a. a. O.
27, 21
;
59, 20
;
91, 34
;
Unger, Richtes Stig :
Vgl. ferner s. v.  12.
6.
›(Geld) einziehen‹; im Einzelnen: ›(Schulden, Geldbußen) eintreiben‹; ›(Zins, Steuern) erheben‹; Spezialisierung zu 3.
Überwiegend obd.; Chroniken und Rechtstexte.
Bedeutungsverwandte:
 11, ,  1; vgl. (V.) 9,  2,  5,  12,  12.
Wortbildungen
einbringer
›Steuereintreiber‹ (dazu bdv.: , s. v. , V., 1),
einbringung
3 (auch
-brengung
) ›Zahlung; Urteilssumme‹,
einbringungszeit
›Zeit, zu der Abgaben, Steuern gezahlt werden‹.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
98, 32
(
thür.
,
1474
):
Her mag sich abir der inbrengunge nach ergangen spruchen [...] nicht erweren.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 235, 29
(
nobd.
,
1464
):
das [...] viel lewt ir guͤlt nicht gaben nach inhalt des newen lantpuchs, und ich viel muͤhe het, ee ich derselben viel einbracht.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1516
):
Steuer und losungbeschreiber und einbringer: Hainrich Baur.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
1525
):
weliche prandschatzung [...] Joachim von Bappenhaiim, marschalk, und her Geörg von Streytberg, [...] alspald zum halben tail einprachten und einnamen.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
wo einer [...] von einem nit kont bezalt werden, das dann ein solcher wolt durch ein paumeister sein gelt einprengen. das soll nit sein.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1374
):
das sie yn suliche schulde helffen infurdern und inbringen sullen uff recht.
Vock u. a., Urk. Nördl.
2328
(
schwäb.
,
1571
):
der zinß vom wißmad ist vor vil jarn abkommen, daz man den nit mer einzebringen waißt.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1377
):
igleich fronpot sol daz gelt in seinem viertel einbringen.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
was das aufheben was, wie wan von wem man solchs [gelts] einbringen müest.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16. Jh.
, Hs. 
A. 17. Jh.
):
hiemit bevolhen, das si [...] zu jeder einbringungszeit die dörfer und deren unterthanen, hubmen und hofstet [...] aigentlich und lauter beschreiben.
Rwb  f.;
Öst. Wb.
3, 971
.
Vgl. ferner s. v.  4,  2,
5
 6.
7.
›jn. gefangen nehmen, festsetzen, einen Gefangenen wohin bringen‹;
vgl.  15,  2.
Nobd. / oobd.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  7,  9,  5, (V.) 17,  2,  1, ,  3,  22, .

Belegblock:

Chron. Nürnb. (
nobd.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
wer den mörder anzaiget oder einprecht, dem wolt ein erber rat [...] tausent pfunt alt zu lon geben.
Kohler u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
so auch des gefangen, der von Ampts wegen einbracht were, herschafft oder freuͤnde vnsern Richter [...] ersuchten.
Sachs (
Nürnb.
1553
):
Warumb woltst nit einbringen in
[den
roßdieb
],
| Daß man in in der statt hett gfangen?
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
17. Jh.
):
Von der herrschaft [...] aber eingebrachte malefizpersohnen sollen [...] einen jeden marktrichter [...] geantwort werden.
Vgl. ferner s. v.  4.
8.
›etw. bei Gericht vorbringen, verkünden; Klage erheben, jn. vor Gericht bringen‹; auch: ›Zeugen, Beweise vorbringen‹;
vgl.  1,  11.
Rechtstexte.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  7,  12,  9,  14,  3,  5.
Wortbildungen:
einbringung
4 ›das Vorlegen von Schriftdokumenten bei Gericht‹; auch metonymisch: ›Anzahl der (bei Gericht) vorgelegten Schriftstücke, Dokumente‹.

Belegblock:

Köbler, Ref. Wormbs
69, 6
(
Worms
1499
):
Wo [...] der appellans durch inbringung der gerichts acta etc. solich formalia bewiesen [...].
Ebd.
71, 11
:
Soners dan abermals appellatus vngehorsam vßblybt. soll der appellans vff dem selben tag syn citacion inbrengen oder repetirn.
Ders., Ref. Franckenfort
32, 4
(
Mainz
1509
):
Von vsz zügē widder der zügen sage: jngelegten brieff: instrumēt: vn̄ andere jnbrengūge.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
323, 7
(
thür.
,
1474
):
Also Eghart Wolfferam nu eyn andern geczugk inbrechte.
Ebd.
325, 28
:
ist komen Nigkel Fleyschouwer [...] vor [...] der stat gerichte zcu Pessenigk unde hat eyn hulfferede inbracht.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V. (o. O.
1532
):
Wie clarlich hernach vonn den Jhennen, die vff ancleger jnpracht werdenn, geschryben vnnd geordennt ist.
Ders. u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
So dan, [...] vor vnserm Richter vnd den zugeordenten vrteileren alles einbringen gescheen were [...]
(›wenn die Beweisaufnahme abgeschlossen ist‹).
So der cleger vff des beclagten eigen bekennen oder einbrachten kuntschafft vmb einen endhafften rechttag bit, der sol jme furderlich ernent werden.
Köbler, Ref. Wormbs
42, 21
;
124, 23
;
ders., Stattr. Fryburg ;
9.
›ein Urteil verkünden‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  7,  6,  3,  9,  5,  3.

Belegblock:

Unger, Richtes Stig (o. O.
1474
):
Wenn man das urtail einbringt, so fragt der richter und sprech [...].
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 135
.
10.
›(einen Stollen o. Ä.) anlegen, vorantreiben‹; auch: ›auf einem Grubenfeld eine bestimmte Tiefe erreichen‹;
vgl.  2,  3.
Bergbaubezügliche Texte.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , (V.) 14.

Belegblock:

Weizsäcker, Graupn. Bergb.
228, 6
(
osächs.
,
um 1550
):
so di stollener siben lochter in ire mossen einbrengen werden.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1578
):
aber zu hoffen, wan der stolln, den man tag und nacht forttreibt, eingebracht wird, dass grosser stadtlicher bau und nuz folgen werde.
Veith, Bwb. .
11.
›auf einem Grubenfeld zusätzliches freies Feld mit den zugehörigen Pflichten erwerben‹ (vgl.
1
 4).
Bergbaubezügliche Texte.

Belegblock:

Löscher, Erzgeb. Bergr.
84, 35
(
omd.
,
1548
):
Der berckmeister sol zuvor und eher er bestetiget, aufs vleissigste erkunden, ob auch derjenige seine maßen, die er bestetigen will, einbringen magk.
Weizsäcker, Graupn. Bergb.
78, 1
(
osächs.
,
1543
):
Hans Munczer hott aufgenomen die ander und drite mosse noch der Hulfe Gottes an Hosewetter, zwei war aber was er kan einbrengen.
Ebd.
151, 15
(
1542
):
weiter hott Petter Laux aufgenomen [...] eine neste mosse, so ver er si kan einbrengen.
Veith, Bwb. .