einnemen,
V., unr. abl.
1.
›etw. an sich nehmen, in Empfang nehmen; finanzielle Einkünfte erhalten‹; insbesondere: ›(von jm.) Abgaben (z. B. Steuern, Zoll, Strafzahlungen) entgegennehmen, einziehen‹; des Öfteren subst.: ›(Summe der) Einnahmen einer Gemeinde, einer Körperschaft o. Ä.‹;
zu  3, vgl.  24.
Bedeutungsverwandte:
 12, ; vgl.  6.
Gegensätze:
 1.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
den zehenten, die miete / steuer, das almosen, die bussen / wandel / zinsen
)
e., j
. (z. B.
ein baumeister / kastner / kirchprobst / schichtmeister / vogtherre
)
etw. e., etw. als ein erbe e., etw. für etw
. (z. B.
x gulden für seinen lon
)
e., etw. von jm
. (z. B.
von jeglichem arbeiter / seinem vogtholden
)
e., etw. zu js. händen e
.
Wortbildungen
einname
(dazu ggs.:  1),
einnamebuch
,
einnemung
1.

Belegblock:

Strauch, Par. anime int.
93, 22
(
thür.
,
14. Jh.
):
wirkin ist da mide wir alle unse lon fordinen; lidin ist ein innemen des lonis.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
214, 14
(
thür.
,
1474
):
unde hadt Hans von Geich [...] seyne gekaufften zcinsße fast zceit unde iar uff⸗ unde yngenomen unde dormitt nach seynem wolgefallen gethann.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 289, 23
(
nobd.
,
1464
):
gult und rent im gerichte und im mark Erelbach, die ein castner besuͤnder eynnmpt.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
E. 15. Jh.
):
zu einnemung söllicher stewer ward beschiden Allexius Haller.
Anderson u. a., Flugschrr.
18, 3, 15
([
Straßb.
]
1523
):
Ein pfenning über die haubtsum͂ vßgelihen / yngenommen / ist wuͦcher.
Golius
441
(
Straßb.
1579
):
Rationes excepti & expensi rechnung der einnome und ausgabe.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1442
):
wir gebieten [...], daz si die vorgenanten von Newmburg die obgemelten zolle also innemen lassen und si daran nicht irren noch hindern.
Ebd. (
1616
):
das umbgelt ordenlich abzuerechnen und in das gewohnlich einnam buech zue schreiben.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
All innom vnd vszgab sol in des gerichts buͦch geschriben werden.
Goldammer, Paracelsus
2, 54, 19
(
1531
/
4
):
die sorg des zinses, der pürgschaft, einnemben und ausgeben, das ist des meisters arbeit.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1369
):
4 bumaister sullen sin, der sullen zwen der stat gut innemen, so sullen zwen der stat gut uz geben.
Sappler, H. Kaufringer
20, 14
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
nun vindt man oft ain tummen man, | der sich nimpt ze reden an | das wort und will ain vorsprech sein | und nimpt die miet darumb ein.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
zwen kamerer, [...] die einnemen all puͤzz, die dew staͤt angehorent.
Rintelen, B. Walther
31, 27
(
moobd.
,
1552
/
8
):
Die Landtsteuer hat ein yeder Vogtherr von seinem Vogtholden einzunemen.
Rechn. Kronstadt
2, 161, 44
(
siebenb.
,
1529
):
Im ior 1529 das innemen.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
72
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
Zum Anndern, sollen sÿ [paw vnnd lonherrn] [...] In alweg dahin gedenckhen das diser Stat Einnemen gemert vnnd das ausgeben gemindert werde.
Anderson u. a., a. a. O.
21, 5, 23
;
Köbler, a. a. O. ;
Nyberg, Birgittenkl.
2, 279, 12
;
Sappler, a. a. O.
12, 275
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Mylius
G 6v
.
Vgl. ferner s. v. ,  2,  2,  1, .
2.
›etw. an sich bringen, in Besitz nehmen; sich (widerrechtlich) etw. aneignen‹; ›die Herrschaft über etw. übernehmen‹; speziell: ›etw. erobern, besetzen‹; oft von Gebieten, Gebäuden u. dgl.;
zu  3, vgl.  13.
Bedeutungsverwandte:
 8,  2,  13,  2,  1; vgl. , .
Wortbildungen:
einnemung
2.

Belegblock:

Volkmar (
Danzig
1596
):
Occupatio, einnehmung.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
542, 1137
(
Magdeb.
1608
):
DJe Jnsl Gyar / stad Orbitell / | Haben wir auch gewonnen schnell / | Vnd Cypern darzu eingenommen.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, zu
1351
):
[der lantgrebe] nam daz sloß in unde zubrach daz bit in den grunt.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
Wie Hauptmann Preston S. Iago de Leon [...] gar leichtlich vnd behend mit seinem Volck hatte eyngenommen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
140, 5
(
thür.
,
1474
):
der genante er Conradt Vogeler, prister, den genanten Nigkeln Hering unde Angneßen [...] beschuldiget, daz sy sich underczogen unde ingenomen habin yrer hußgenössen habe.
Thür. Chron.
23r, 7
(
Mühlh.
1599
):
Die Sachssen namen die Thuͤrne vnd Thore ein.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1584
):
Sey gegruͤst du hoher Festag, | [...] | An dem die Hell obsiegt hat Gott, | Vnd den Himel eingenomen hat.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
152v, 42
(
Leipzig
1588
):
[Pestis] Die Leute gantz ploͤtzlich [...] vberfelt / vnd geschwinde hinricht / wie ein grawsamer grimmiger Tuͤrcke oder Tatter / der in Einnemung einer Stadt / den armen Kindern vnd andern Leuten [...] vbern Hals rennet.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
ain grosser hawf bawrn war gein Ingolstat geflohen, hetten Ingolstatt, das verprennt schloß und zargen [...] eingenomen.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
wenn wir ein zeit darvor lign, | Lassen kein Profiant jn zukommen, | Kan sie [Stadt] leicht werden eingenommen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Italien Eynnemmen / vnd mit kriegßuolck besetzen.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
139, 7
(
moobd.
,
1473
/
8
):
so sy mit here gen uns zue velde chummen, | so wirt von dem verstossen her | Troya dy statt an schwert schleg eingenommen.
Moscouia
C 1r, 18
(
Wien
1557
):
Der Groͤßfuͤrst BASILIVS [...] hat das Land BVLGERN [...] erobert / vnd eingenum̄en.
v. Keller, Amadis ;
Engel, Rats-Chron. Würzb.
247, 3
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Roth, E. v. Wildenberg ;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Zingerle, Inventare ;
Qu. Brassó
5, 424, 29
;
Vgl. ferner s. v. ,  9,
1
(Raumname), ,  1.
3.
›etw. nach innen nehmen‹; ›etw. in sich aufnehmen; in sich aufgehen lassen‹; speziell: ›dem Körper etw. über den Mund zuführen; Nahrung, die Hostie, Medikamente u. dgl. einnehmen‹; auch: ›etw. geistig aufnehmen, sich merken, verinnerlichen‹;
vgl.  13,  25.
Bedeutungsverwandte:
, , I, 110, (V.) 1112; vgl.  3, (V.) 2.

Belegblock:

Luther, WA (
1528
):
last uns die [suͤsse, freundliche, troͤstliche] wort
[Christi]
wol einnemen und jns hertz treiben als unser seelen heil und trost.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
93, 1585
(
Magdeb.
1608
):
[der Gast]
Sagt die Nuͤß weren feister arth / | Kein kern dauon verdawet ward / | Blieb so / wie er wer eingenommen.
Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
Diese meinung des Herren Verheissung / hat der H. Petrus nach dieser beschener erklerung gefast vnd eingnomen.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
357
(
pfälz.
,
1436
):
die dann sin lere oder sin predigen ördenlichen jnnement vnd mercken.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
182, 5
(
Frankf.
1535
):
[Lebendiger Schwefel gepüluert] mit eim eyers dottern eingenommen / diß ist sonderlich guͦtt für die pestilentz.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth (
Frankf.
1563
):
Der doctor [...] befalch ihm [gärtner] [...] was ihm der apotecker zuͦrichten würde, solt er auff ein mal eynnemmen.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
wir allda [Dorff] hoffeten eine gute Malzeit zu thun / dieweil wir in vnserer Gallee nur ein schlecht Fruͤstuͤck hatten eyngenom̄en.
Perez, Dietzin
1, 321, 22
(
Frankf.
1626
):
Ein Edelman versprach [...] Herrn Johan̄i de Frara einen guten suͤssen newē Wein / wen̄ er wuͤrd mit jm heym gehen vnd die Nachtmahlzeit helffen einnemen.
Feudel, Evangelistar
28, 15
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Do dy czit quam dy frucht yn czu nemene, do sante her syne knechte czu den ackerluten.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Ellú vollkomenheit endet da, wenn dú sele mit allen iren kreften ist ingenomen in daz einig ein, daz got ist.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
das wir in [unser herre] zuͦ dem munde innemen súllent also lipliche spise [in glichnisse brotes und wines].
Schorer, Sprachposaun
54, 13
;
Strauch, Par. anime int.
43, 19
;
92, 1
;
Belkin u. a., a. a. O.
192, 6
;
202, 16
;
Österley, a. a. O. ;
Vgl. ferner s. v.  1.
4.
›jn. wo (auch: in eine Gemeinschaft) aufnehmen, beherbergen; jn. als Einwohner eines Ortes annehmen, anerkennen‹; auch: ›jn. festnehmen‹;
vgl.  13,  178.
Bedeutungsverwandte:
 10,  1, (V.) 1.
Syntagmen:
jn
. (z. B.
einen bürger / herbergsman, junge oder alte personen
)
e., j
. (z. B.
ein bauer / bürger / einwoner
),
ein jeder hof jn. e., jn. für einen ingast, in der stat, zu einer klosterfrau e
.
Wortbildungen:
einnemung
3 ›Beherbergung einer Person‹ (dazu bdv.: vgl.  3,  1,  2).

Belegblock:

Luther, WA Bibel (
1533
):
Nimpstu einen frembden zu dir ein, so wird er dir vnruge machen.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1474
):
Von freyheiten, burger einzünemen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1558
):
daß [...] kain burger oder inwoner niemandt einnemen oder beherbergen soll one zuͤlassung der kay. mt. furier.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1445
):
wo ainer begriffen wurd in der freiung mit unerbern sachen [...] den sol der benant ambtman innemmen [...] und sol in innhalten [...] unz auf den dritten tag.
Ebd. (
17. Jh.
):
einnembung der herbrigsleute.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
n. 1623
):
[es]
sol auch kain underthon ainichen herbergs- oder inman nit einnemen, er habe sich dan neben ime bei der obrigkait angemelt.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
97, 18
(
tir.
,
1464
):
Wenn si aine einnamen zu ainer chloster frauen, so namen si die selbigen auf vil mër durch des pösen guetes [simoneÿ] willen denn durch gottes willen.
Vgl. ferner s. v.  7.
5.
›etw. (Konkretes wie
stiefel, geschenke
oder abstrakt Gedachtes wie eine
huldung
) annehmen, entgegennehmen; etw. in etw. integrieren‹;
zu  3, vgl.  2.
Bedeutungsverwandte:
1
 6.

Belegblock:

Schorer, Sprachposaun
47, 25
(o. O.
1648
):
Es geschicht selten oder niemaln / daß die Lateiner Teutsche oder frembde Woͤrter [...] einnehmen.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1427
):
solich huldung [...] von dem obgenanten minem gnedigen herren [...] ietz ist empholhen und gewalt geben in irem namen ze erfordern und inzenemen.
Sappler, H. Kaufringer
20, 70
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
der schuochster bracht do mit im dar [zuo ainem vorsprech weis] | zwen guot stifel pückein. | „lieber herr, die nement ein | und sprecht mir vor gericht daz wort.“
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
daß die gemeinds leut [...] eintweders sich mit eingenomenen geschencken ungerechtigclich beholfen oder aber mit gemeiner stat gelt untreulich umbgangen.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
16. Jh.
):
wer aber solch [dieblich] guet von inn einnemme, so wär gleich zu puessen der heller als der steller.
Sappler, a. a. O.
4, 346
;
6.
in Verbindung mit spezifizierendem Nomen: ›Auskünfte, Informationen usw. über etw. (oft: über einen Streitfall) einholen‹;
vgl.  13,  1.
Bedeutungsverwandte:
 1,  2, (V.) 2.

Belegblock:

Ralegh. America iijv, (
Frankf.
1599
):
Auff die eyngenommene Kundtschafft sandte ich 40. Mann auß.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
107, 23
(
omd.
,
1548
):
Wurden dem berckmeister und geschwornen [...] die gebrechen und hadersachen zu besichtigen zugeordnet, so sol der berckmeister [...] jedes theiles bedencken anhoren und einnehmen.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1616
):
wa [...] eines bawes halben ein mißverstand entstunde und man ihren begeren wird, so sollen sie [Bawschawer] den augenschein einnemen.
Sappler, H. Kaufringer
7, 350
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
er nam ein die kuntschaft eben, | wie er des nachtes käm hinein | zuo dem cluogen puolen sein.
Löscher, a. a. O.
106, 34
.
Vgl. ferner s. v.  5.
7.
›jn. vereinnahmen; jn. beeinflussen, zu einer bestimmten Einstellung, Haltung, Meinung bewegen‹;
zu  2.
Bedeutungsverwandte:
 5,  2; vgl.  3,  7.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
286, 10
(
Wolfenb.
1593
):
Ihr habt euch lassen das falsch geschrey so weit einnhemen, Das jhr ein mißtrawen zu mir gesetzt.
Luther, WA (
1532
):
die lere und leben angerichtet ist, das man [...] sich hute fur dem geitz, das er uns nicht heimlich erschleiche und einneme.
Dietrich. Summaria
21v, 40
(
Nürnb.
1578
):
weltliche sorge vnnd betrug des reichthumbs / welche die hertzen also einnemen / das man nicht raum noch zeit hat / an das wort zugedencken.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
GRoß vnd fast Vnglaublich ist die liebliche Suͤssigkeit [...] deß singens, also daß sie auch die allerhaͤrtesten Gemuͤhter einnimbt vnnd bezwinget.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Dar nah kam der junger in eine begirde, ob in keinen landen ein soͤlich edeler gelazner mensch weri, der dur Cristum warlich wer in genomen, daz im der von gotte bekant wurde.