Adj.;
zu
mhd.
bar
›nackt, bloß‹
(
).
setzen dieses Adj. zur Wurzel von
beran
, damit läge Wurzelgleichheit mit
1
bar
vor. Die neueren etymologischen Wörterbücher nehmen für
bar
›nackt‹
eine eigene Wurzel an (z. B.
;
; wie
).
1.
›frei von etw.‹; bei negativer Bewertung der Bezugsgröße: ›e. S. entledigt, enthoben‹, bei positiver Bewertung: ›e. S. beraubt, ohne etw.‹.
Älteres und mittleres Frnhd.; Verstexte.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1,
2,
1
2.
Syntagmen:
jn. b. geben
›jn. preisgeben‹,
jn. lebens b. machen
›jm. das Leben nehmen‹,
jn. e. S.
(z. B.
windeln
)
b. machen
›jm. etw. ablegen‹,
jn. b. machen
›jn. ganz ausnehmen‹,
e. S.
(Gen.)
b. sein
›von etw. (negativ Bewertetem) frei sein‹;
leides / leidens / sorgen / schanden / siechtums / tadels / wandels / meiles / zweifels / unmutes / freuden / saelden / wonnen / trostes / schlafens / schwertes b.
;
an freuden b.
Belegblock:
Kehrein, Kath. Gesangb.
(o. O.
1517
):
Der schamlich Judas [...] | [...] kam mit der schar | Der blůthund, das er jn [Christus] geb bar.
daz di sunne clar | Wart der werlde schinen bar.
Matthaei, Minner. I,
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
ich nam ouch ir klaider war, | die warn ouch gar wandels bar.
Adrian, Saelden Hort
1570
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
maches [kind] windellinen bar, | du heb es uf und leg es nider.
Koppitz, Trojanerkr.
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
ain schweres castalan: | Ze den brüsten waz es michel gar, | Sin gebaine wandels bar.
Niewöhner, Teichner
497, 42
(Hs. ˹
oschwäb.
,
1368
˺):
ee macht ich all min holden par | und nim ez dacz den juden uzz.
Sappler, H. Kaufringer
26, 110
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
gott schuof ee leiden auß nichten zwar, | ee er sein fründ liess leidens par.
Primisser, Suchenwirt
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Daz swert daz hiet er pei dem spitz | Unwerlich und ummütes par.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
7, 2
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
mueter hailes, | vas erkesen, vas par mailes.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
361, 2
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Allerst sy auff ihn drungen, | do er stuend schwertes par.
Weber, Füetrer. Poyt.
19, 6
(
moobd.
,
1478
/
84
):
der synnet, | wie er euch mache lebens par.
Wiessner, Wittenw. Ring.
4021
;
4349
;
6108
;
Munz, Füetrer. Persibein
386, 2
;
Weber, Füetrer. Poyt.
238, 4
;
Stackmann u. a., Wb. zur Gött. Frauenlob-Ausg.
1990, 18
.
6.
›bar, in materiell vorhandener Münze, barem Geld verfügbar‹.
Syntagmen:
etw. b. haben / empfangen / herausgeben / teilen / zalen / versprechen, jn. b. zalen, wechsel b. gegen b. geben
;
bares auf bares setzen
;
b. geld
(dieser Ausdruck ist nur teilweise flektiert, tendiert also zum Kompositum:
bargeld
),
b. gold, b. bezalung / münze, b. pfenning
.
Wortbildungen:
›bar bezahlen‹ (a. 1512).
Belegblock:
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
(Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
ob es schon feldt | an barem geltt.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
157, 29
(
omd.
,
1554
/
1633
):
uf armen zechen an zubueß nicht soviel bahr gelt uber die notturft der zechen eingebracht wardt.
Luther. Hl. Schrifft.
2. Kön. 12, 11
(
Wittenb.
1545
):
man gab das Gelt bar vber denen / die da erbeiten.
Weise. Jugend-Lust
(
Leipzig
1684
):
wofern nicht drey Millionen Goldes baar ausgezahlet werden.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
(
schles.
,
1670
):
weil ich zur zeit der baaren mittel entblöset.
Köbler, Stattr. Fryburg
(
Basel
1520
):
ob er etwas schuldig würdt / das sol er bar bezalẽ.
Hampe, Ged. v. Hausrat
2, 6, 15
(
nürnb.
,
1544
):
Die Hebam mustw zalen par | Die kellnerin hat auch kain spar.
Sieben gülden die hett er bar, | Lauter erbettelt gelt fürwar.
Merk, Stadtr. Neuenb.
(
nalem.
,
1535
):
als von Antorff die wexel par umb par gen Augspurg gangen.
wolt ich all mein hab und gůt in Hispanien zů barem gelt machen.
was vigilien mit barem gelt ingemeind uszůrichten gebuͥrren.
das die metzger, was sy par versprechend, par zalen.
Gleich bar / gleich zugegen [...], præsente pecunia, [...]. Was du redest / das mach war / Was du kauffest / das zahl bar. [...]. Bargelt hat manchen kauff schlecht gemacht. Ein gesunder starcker leib / Ein schoͤn Gottseelig weib / Gut geschrey vnd bar gelt / Jst das best in dieser Welt. Glaub ist besser / dann bar gelt. Thewrer geben auff borg / denn vmb bar gelt / heist Gott sein zeit verkaufen. Wenig bar gelt / macht gnaw zehren.
Loose, Tuchers Haushaltb.
;
ders., Staat/Kirche Bern
;
Nyberg, Birgittenkl.
1, 209, 25
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
8, 16
;
62, 20
;
75, 20
;
151, 25
;
Dahl, Rostocker Kanzlei.
1960, 181
;
Dückert, Norm lex. Ebene.
1976, 195/6
;