laufen,
V., unr. abl.;
Part. und Plusquamperfekt regelhaft mit
sein
, obd. auch mit
haben
. 1-4 von der normalen Bewegung belebter und unbelebter Bezugsgegenstände; 5-9 (teilweise 10) von Bewegungen mit überdurchschnittlicher Geschwindigkeit; 11 und 12 von Wirtschaftsgegebenheiten.
1.
›gehen, laufen, sich in unauffälliger Geschwindigkeit mittels der Gehwerkzeuge fortbewegen (von Menschen und Tieren gesagt)‹; auch tropisch (als Emphase, als Synekdoche sowie als Übertragung) und bildlich gebraucht; als Emphase: ›sich frei, nicht als Gefangener, bewegen‹; als Synekdoche: ›von jm. weggehen, jn. verlassen‹; ›wo leben‹; als Ütr. z. B. ›(in einen Hafen) einlaufen, hineinfahren‹; ›herumgehen (vom Los)‹; weitere regelhaft belegte Übertragungen unter 2-4.
Phraseme:
den affensteg / affenweg laufen
; ˹
über land laufen; botschaft laufen
, jeweils ›als Bote tätig sein‹˺;
übrig laufen
›übrig bleiben‹;
aus der welt laufen
›Unmögliches tun‹;
kirchferten laufen
›wallfahrten‹;
laufendes
(i. Ggs. zu
fliegendes
)
wildbrät
.
Syntagmen:
einen lauf / weg l.; irre / irrende l., hin / her / heraus / darvon / umhin / heim / ferne l., after wege l., bei / mit / neben / von / vor / zu jm. l., zu fus, auf den füssen l., aus dem hause / lande l., in das haus, in die stat / stube, in den frieden l., von der haushaltung l., über ein türgeschwelle, über js. erbe l., zu dem fenster l., gegen markt l., nach dem geschmak von etw., nach der speise, nach parteken l.; mette singen l.; das l.
(subst.)
zum ewigen leben
.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
540, 1064
(
Magdeb.
1608
):
man laß das loß nun lauffen.
Quint, Eckharts Pred.
1, 117, 8
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Man sol loufen in den vride
(›das Schwierige als Aufgabe betrachten‹)
, man ensol niht anevâhen in vride.
Fischer, Brun v. Schoneb.
717
(
md.
, Hs.
um 1400
):
uf sten ich und loufe al umme | di stat di richte die krumme.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
135, 11
(
rhfrk.
,
um 1435
):
das der hunt zu leste vnd allezijt mit yme lieff.
Ebd.
149, 6
:
Der aber by vns hie leuffet / den han wir zü vns verlonet / das er vns vnser pherde sal wartten.
Karnein, Salm. u. Morolf
335, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
wol uff, ir cappelan, | lauffent metten singen.
Froning, Alsf. Passionssp.
1043
(
ohess.
,
1501ff.
):
des wel ich balde lauffen dort | [...] | zu mynem herren Luciper.
Leman, Kulm. Recht
3, 110
(
Thorn
1584
):
loufet ym denne icht oberyg. her sal is yeme wedir keren.
Strauch, Par. anime int.
125, 10
(
thür.
,
14. Jh.
):
in der widerwende laufint einen lauf di luterin geiste zu der blozheit Godis.
Skála, Egerer Urgichtenb.
148, 11
(
nwböhm.
,
1575
):
Sej Im den Wirschperger In die 10 Jar bothschafft geloffen sej sein Vogt gewesen vnd 6 Jar potschafft geloffen.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
257, 2396
(
Zwickau
um 1540
):
Ich bin gantz mud / weil ich so weiten weg | Geloffen hab.
Weise. Jugend-Lust
98, 4
(
Leipzig
1684
):
Lasset mich nur das einzige mahl lauffen.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
118
(
schles. inseldt.
,
1456
):
do bekante dar scheppe, das her hot gefaheen fy lawffen obir Mechel Kenessels erbe.
Chron. Nürnb.
4, 301, 15
(
nobd.
,
15. Jh.
):
wann es lüffen vil eemann von armen weib und kinden.
Gille u. a., M. Beheim
141, 66
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
sy suchen antlasse | Und laffen hin von ainer | kirchen czu der andern her wie | oder laffen gen Ram.
Ebd.
241, 11
:
dy schefflein, dy in der virr | der wilden wustung laufen irr.
v. Keller, Ayrer. Dramen
2209, 25
(
Nürnb.
,
1610
/
8
):
lauffen etliche Teuffel rauß, die alle Tantzen.
Ebd.
2876
:
solst vber Land lauffen mir.
Lauchert, Merswin
28, 35
(
els.
,
1352
/
70
):
wie ich wol sibenzehen iar irrende gelǒffen were, gar wite vnd gar ferre.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
7, 143, 8
(
Straßb.
1466
):
die fůsgengel luffen do zůsammen von allen den stetten.
Spanier, Murner. Narrenb.
5, 115
(
Straßb.
1512
):
ir sagt, ir kinnt den hymel steg; | Wes loufft ir dann den affen weg.
Schmidt, Rud. v. Biberach
1, 11
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Das svͦchen der natur der gotheit, [...], ist ein ilen vnd ein behendes loͮffen zem ewigen leben.
Goldammer, Paracelsus
5, 180, 7
(
1530
):
warumb loufen ir so fast vom herren, daß ir wie die durstigen schaf [...] auslecken euer mund?
Welti, Stadtr. Bern
333, 19
(
halem.
,
n. 1437
):
Vmb das man nit mit der hosen louffen noch fleisch da mit zůsamen tragen sol.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
17, 26
(
Zürich
1521
):
das man [...] fornen an spitz loufft / vnd das grusamlich geweer in des brůders glider stoßt.
Haszler, Kiechels Reisen
329, 15
(
schwäb.
,
n. 1589
):
das wür den 31 und lötsten Martii wüderomb in portto de Trippoli laufen muestenn.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 102, 5
(
Hagenau
1534
):
Ein yeder wartte des seinen / und lauffe nicht ferne.
Ebd.
553, 31
:
do die schlang Hevam uberredt hette / [...] / lieff sie bald zu Adam.
Ebd.
2, 5, 27
([
Augsb.
]
1548
):
Wer da will boͤse leüt oder boßhait fliehen / der můß auß der welt lauffen / das haißt / Es ist ain mal unmüglich.
Ebd.
133, 7
:
gehoͤrt inns Künigs recht / die Froͤne der dienst [...] zů Faren / zů Reiten / zů Fůß zu lauffen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
133, 11
(
oobd.
,
1349
/
50
):
das tier lauft in Engellant.
Werbow, M. v. Amberg. Gew.
32, 44
(
omd.
/
oobd.
,
v. 1382
):
wie wir über es urbürzling fallen und es jagen zu laufen den weg der tötlichen.
Turmair
4, 42, 6
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Das baierisch volk [...] ist geistlich, schlecht und gerecht, gêt, läuft gern kirchferten, hat auch vil kirchfart.
Winter, Nöst. Weist.
1, 541, 12
(
moobd.
,
2. H. 16. Jh.
):
wär auch das ainer dem andern in ubel in sein hauß luef, als oft er uber ain türgeschwell lauft, als oft hat er gefrevelt.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
13844
;
Quint, Eckharts Pred.
2, 633, 10
;
Jostes, Eckhart
13, 36
;
Tiemann, a. a. O.
170, 8
;
Dubizmay, kurß zu Teutze
63, 12
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
160, 22
;
Gille u. a., a. a. O.
189, 30
;
Bell, G. Hager
131, 3, 1
;
602, 3, 2
;
Schmidt, Rud. v. Biberach
15, 5
;
Goldammer, Paracelsus
3, 285, 1
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
20, 6
;
Chron. Augsb.
2, 101, 4
;
125, 32
;
5, 226, 9
;
8, 102, 11
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
319, 17
;
Bauer, Imitatio Haller
79, 13
;
Maaler
265r
;
Rwb
8, 764
;
Schweiz. Id.
3, 1122
.
Vgl. ferner s. v.  3,  3, , (Präp.) 9,
1
 5, , (Adj.) 9,  4,  1,  1,  1,  1, .
2.
›sich bewegen, sich drehen, kreisen (meist von Himmelskörpern, auch von Geräteteilen u. a.)‹; auch generell: ›laufen, funktionieren (von Geräten)‹.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged.
199, 90
(
1638
):
Durch uns scheint Titan heller, | steht fester Erd’ und See und läuft der Himmel schneller.
Fischer, Brun v. Schoneb.
1413
(
md.
, Hs.
um 1400
):
ja loufen si [planeten] vor und wider | den hemel uf und nider | und bliben nimer stete.
Quint, Eckharts Pred.
1, 155, 6
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Etwenne loufet er [âbentsterne] ob der sunnen, etwenne bî niden der sunnen.
Plant u. a., Main. Naturl.
296ra, 25
(
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
in dem winter so die sunne in dem zeichen loͮfet dc da heizit capricorn.
Lauater. Gespaͤnste
17v, 4
(
Zürich
1578
):
die gsellen meinend es lauffe alles vmb / die berg bewegind sich / die boͤum tantzind.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
22, 19
(
noobd.
,
1347
/
50
):
daz die siben planeten under dem kraizze lauffent.
Primisser, Suchenwirt
43, 47
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Im lewff wol gelukches rad, | Do all sein ungemach hin ran.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
79, 134
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
daruͤmb halt ain werchman ains horologij, als lang sein werch wol mag gelauffen von seinr ersten chraft vnd schikkung.
Bauer, u. a., Kunstk. Rud.
2141
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Ein ander uhrwerckh [...], darin laufft helffenbainin kügelin hin und wider uff 2 stähline saitten.
A. à S. Clara. Glori
26, 6
(
Wien
1680
):
so ist sie [Sonn] doch schon uͤber die fuͤnfftausend Jahr nie erliegen / sondern fort und fort laufft.
Bauer u. a., a. a. O.
1522
;
2159
;
2241
.
Vgl. ferner s. v.  3,  1.
3.
›umgehen, verbreitet sein; sich ausbreiten, verkündet werden (jeweils von sprachlichen Handlungen)‹; hier assoziativ anschließbar: ›im Umlauf sein (von Geld)‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
563, 22480
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Der clage vil ûf in dâ lif.
Dubizmay, kurß zu Teutze
76, 9
(
hess.
,
1463
):
Der seyne wordt sendet in die werlt seyne rede lauffet snelle.
Luther. Hl. Schrifft.
2. Thess. 3, 1
(
Wittenb.
1545
):
das das wort des HErrn lauffe / vnd gepreiset werde.
Welti, Stadtr. Bern
153, 1
(
halem.
,
1389
):
alz vil des geltes, das denne zemäl loͮffet.
Bachmann, Morgant
71, 3
(
halem.
,
1530
):
nun gsich ich wol, das der pris, der von üwer manheit in aller welt loufft, wǎr ist.
Rwb
8, 766
;
Schweiz. Id.
3, 1124
.
Vgl. ferner s. v.  2.
4.
›sich vollziehen, vollzogen werden, verlaufen, erfolgen, ablaufen, vonstatten gehen‹; mit Präp.
zu
: ›eine Entwicklung auf etw. hin nehmen‹.
Phraseme:
es läuft nicht ler
›es geht nicht ohne Schaden aus‹;
jm. läuft das spiel nicht ler
›j. spielt nicht umsonst‹;
zu kräften laufen
›in Kraft treten‹.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 359, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
diu werk sint lûter und unschuldic, diu dâ loufent und volbrâht werdent in dem liehte der sêle.
Allg. Schau-Buͤhne
49, 31
(
Frankf.
1699
):
wie es nicht allein wider des Landes Gesetze lieffe / einen Bastard zur Cron zu befoͤrdern.
Küther, UB Frauensee
321, 14
(
thür.
,
1514
):
uff den siebenden tag des monats februarii dieses lauffenden jahrs.
Keil, Peter v. Ulm
79
(
nobd.
,
1453
/
4
):
hitz vnd kelt, die zu wunten [...] vnd ander pöß geswer mit geswulst mügen lauffen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 555, 7
(
Hagenau
1534
):
wo es will zu unehren oder schaden lauffen.
Köbler, Stattr. Fryburg
71, 10
(
Basel
1520
):
Wañ nit in zehen tagen geappelliert würd / so loufft die vrteil zů krefften.
Chron. Augsb.
1, 99, 14
(
schwäb.
, zu
1395
):
red und widerred, die da verlaffen waren.
Ebd.
2, 18, 9
(Hs.
16. Jh.
):
aber es lief nit ler irthalben. ir burgermaister ward gefangen.
Klein, Oswald
12, 77
(
oobd.
,
1431
/
2
):
mein dienst, der loufft neur hinden nach, | seit mir die weiss durch braunen bart aufdringt.
Ebd.
86, 39
:
das spil louff mir nicht lër.
Jahr, H. v. Mügeln
105, 302
;
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
9b, 13
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
81, 183
.
5.
›laufen, eilen, rennen, sich mit einer über das Normalmaß hinausgehenden Geschwindigkeit mittels der Gehwerkzeuge fortbewegen (von Menschen und Tieren gesagt)‹; subst.: ›das Laufen für den Wettkampf zu Fuß wie für das Rennen zu Pferde‹.
Phraseme:
laufender bote; (die/der) barre laufen, zur bar laufen
›einem Lauf-, Ritterspiel nachgehen‹;
jm. durch die spiesse laufen; überhin laufen
›flüchtig (über etw.) hinweggehen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, , .
Syntagmen:
balde / eilends / fein / schnelle / sere l., darvon / heraus / hin / weg / heim l.; von / zu jm. l., zu dem panier / feuer l., nach der krone l., in den tod, in das haus, in die kirche, ins korn l., wieder die wand l., aus dem brot / erbe / lande l., um das kalb l., um das gewette l.; schnelle als der wind l.; j. gelaufen kommen; laufendes pferd; schnelle im l.
(subst.)
sein, das l. der winden
.
Wortbildungen
laufban
(dazu bdv.:  2),
laufkraft
,
laufros
,
laufung
a) ›das Laufen‹; b) ›das Zusammenlaufen (in friedlicher oder unfriedlicher Absicht)‹; c) ›Wettkampf‹ (dazu bdv.: ),
laufziel
›Ziellinie beim Wettlauf oder Wettrennen‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Große, Schwabensp. 168, a,
18
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
WErfen zwene vnder eyn ander vnde der eyne hat eyn swanger wip, de loůfet vnde wel helfen, Se wirt geschossen.
v. Ingen, Zesen Rosenw.
88, 14
(
Hamburg
1646
):
weil du dich als ein lauffendes pferd gebehrdest.
Ebd.
104, 8
:
ich [...] das hasen⸗panier auf⸗werffen und darvon lauffen muste.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
511, 142
(
Magdeb.
1608
):
Sie rieß jhr Kleider / jhr Haar vnd Hend / | Lieff mit der Stirn wider die Wend.
Schöpper
106b
(
Dortm.
1550
):
Stadium. Lauffzil schranck.
Quint, Eckharts Trakt.
427, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ir sint vil, die alle loufent nâch der krône und enwirt doch niht dan einem.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
203
(
Köln
1476
):
Zom wasser dyep Dorch groysse noyt | Manch Lumbart liep In synen doyt.
Altmann, Wind. Denkw.
174, 11
(
wmd.
,
um 1440
):
do sante mir Eberhart Windecke bischof Cůnrad [...] einen loufenden boten mit eime briefe.
v. Keller, Amadis
389, 21
(
Frankf.
1571
):
da fieng das pferdt [...] an zu fliehen, schlagen vnd lauffen.
Luther, WA
22, 51, 9
(
1544
):
welche [Kirche] in der Welt dazu gesetzet ist, das sie stets mus dem Teufel durch die spiesse lauffen.
Ebd.
30, 3, 469, 8
(
1531
):
Hie schweigestu aber und leuffest uberhin.
Ebd.
32, 83, 20
(
1530
):
hatten sie [Apostel] auch ein bos gewissen, das sie so schendlich von yhrem herrn Christo ynn seiner not und leiden geloffen waren.
Ders. Hl. Schrifft.
Jdt. 14, 11
(
Wittenb.
1545
):
die Meuse sind eraus geloffen aus jren Löchern / vnd sind küne worden.
Ebd.
Gal. 5, 7
:
JR lieffet fein / Wer hat euch auffgehalten / der Warheit nicht zu gehorchen?
Voc. Teut.-Lat.
s iijv
(
Nürnb.
1482
):
Lauffung. Cursio.
Matthaei, Minner. I,
14, 94
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
maͤnger wond er het ser geloffen, | so ylt er fer hinden nach.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
100, 26
(
els.
,
1362
):
daz su rittend uf tieren, die sint genant dromedarij, das ist gesprochen loͮffekraft. Die tier sint so snel daz [...].
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
5, 396, 7
(
Straßb.
1466
):
do athalia gehort die stymm der lauffung des volcks.
Dasypodius
51r
(
Straßb.
1536
):
Certamen uel Cursus, Ein streit oder lauffung.
Enders, Eberlin
1, 109, 33
(
Basel
1521
):
Das jung volck mag keglen, schiessen, barr louffen oder kurtzwilig comedias fürhalten
(dieser Beleg s. v.
5
bar
4 falsch interpretiert).
Wyss, Luz. Ostersp.
10193
(
Luzern
1545
):
Woluff, ir tüffel, mit mir dran, | es můss nun an ein louffen gan!
Bachmann, Haimonsk.
128, 7
(
halem.
,
1530
):
gwan Rengold den pris uff dem louffen zuo Muntmarder.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
298
(
Genf
1636
):
Lauffbahn [...] Stadium.
Morrall, Mandev. Reiseb.
118, 10
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
da sind lút die hond fuͤß als die pfaͤrde. Und die louffent gar sere, wann sie erlouffent die wilden tier.
Sappler, H. Kaufringer
1, 292
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
er sach ainen nach in her | eilen vast und lafen ser.
Bauer, Geiler. Pred.
104, 31
(
Augsb.
1508
):
die weltlichen menschen / leben nach der sinnlichait / sy essen und trincken / sy springen und lauffen.
Chron. Augsb.
3, 492, 13
(
schwäb.
,
1490
/
1500
):
und kam zů spat, das das laffen oder rennen ain end haͤt.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 130, 2
([
Augsb.
]
1548
):
Er treibet die Hunde auß / unnd laufft selbs mit.
Henisch
229
(
Augsb.
1616
):
Jm lauffen soll man schnell sein / im kauffen bedaͤchtiklich.
Klein, Oswald
5, 31
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Mein ringen, springen, louffen snell | hat ainen widersturz.
Chron. Magdeb.
2, 224, 35
;
Chron. Köln
1, 2416
;
2428
;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1028
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
27, 16
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
78, 5
;
Bell, G. Hager
307, 1, 33
;
388, 1, 9
;
538, 2, 6
;
578, 2, 7
;
v. Birken. Erzh. Österreich
66, 1
;
Goldammer, Paracelsus
5, 179, 7
;
Bachmann, a. a. O.
84, 21
;
Sappler, a. a. O.
32, 60
;
Chron. Augsb.
4, 123,
Anm. 2;
4, 432, 19
;
Klein, a. a. O.
52, 36
;
Kummer, Erlauer Sp. 
3, 280
;
Pausch, Ital.-Dt. Sprachb.
148
;
Maaler
265r
;
Rwb
8, 764
.
6.
›jn. tätlich angreifen, über jn. herfallen; bewaffnet auf jn. zurennen‹; auch: ›jn. stoßen‹.
Syntagmen:
an / auf
(meist)
/ in / über / wieder jn. l., gegen / nach jm. l.; jn. vor die brust l
.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 147, 33
(
nrddt.
, Hs.
1601
):
haben die beide Tyrannen mit ihren feusten die armen Kinder vor ihre bruste gelaufen.
Wyss, Limb. Chron.
90, 20
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
also daz ein partie der [...] obersten an sich namen die gemeinde unde lifen ober di andern.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 236
(
rhfrk.
,
1368
):
und lieff er obir in und slug in.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
248, 3
(
osächs.
,
1523
/
4
):
Do lief einer hin auf ine und wolde ine seins lebens geremet haben.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk.
14, 31
(
osächs.
,
1343
):
welch kůnig gêt zů einen strît zů tůne wider einen anderen kůnic, wie sitzet her nicht êrst nider und betrachtet ob her můge mit zcên tûsinden loufin
[Luther 1545:
begegen
]
kegin ime der mit zwênzic tûsinden kůmit zů ime?
Chron. Augsb.
5, 75, 1
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
so weren die weber über die becken gelaffen und hetten sie zů tod geschlagen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
148, 7
(
moobd.
,
1478
/
81
):
so lauft er an den kaiser, warf in under sich, wolt auch in ertödt haben.
Welti, Urk. Rheinfelden
859, 54
(
halem.
,
1534
):
pauren [...] die gegen mir mit gewerter hand geloffen vnd mir min buxen [...] abgethrungen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
642, 4249
;
Chron. Strassb.
127, 20
;
Munz, Füetrer. Persibein
399, 4
;
Rwb
8, 764
;
Schweiz. Id.
3, 1122
.
Vgl. ferner s. v. .
7.
›auf jm. herumtreten; über jn. hinweggehen‹.

Belegblock:

Luther, WA
32, 127, 13
(
1530
):
homines et diabolus lauffen uber uns, hie zurinnet kunst und huͤlffe.
Ebd.
47, 363, 38
(
1557
/
40
):
ehr sol ihn die wusten lauffen unnd nach Vatter und Mutter niht fragen unnd frisch uber sie hin lauffen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 82, 2
(
Hagenau
1534
):
Wer da ligt / uber den lauffet alle welt hyn.
Chron. Nürnb.
1, 58, 20
.
8.
›sich jm. / e. S. geistig mit schneller und entschlossener Haltung zuwenden, eilends eine Haltung einnehmen‹, in den Belegen von der Hinwendung zu Gott gesagt.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
112, 4
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
er löufet und îlet ze lêre und ze râte gotes.
Hübner, Buch Daniel
2823
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
O richter, louf zur buze! | Valle vor Gotis vuze!
Sermon Thauleri
9rb, 8
(
Leipzig
1498
):
darumb so lauffe vñ suche vñ iage die gantze͂ werlt mit ein ander auß.
Klein, Oswald
2, 7
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Louff, süch in [herren] schier, | es vinstert pald.
Quint, Eckharts Pred.
2, 475, 3
.
9.
›läufig sein, sich in der Brunst befinden (von Tieren)‹.

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw.
211, 24
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Wann man es
[ein Mittel zur Vertreibung von Wild]
vom wolfe oder wolfin bekommen kann, wann sie laufen, so ists am besten.
Ebd.
212, 23
:
die [futh] mus aber ausgeschnitten werden, wann die wolfin leuft.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
128, 35
(
oobd.
,
1349
/
50
):
der gaiz pöckel habent grôzen krieg umb die gaizel, wenn si in der prunst laufent.
10.
›fließen, rinnen, laufen (von Flüssigkeiten, Gewässern, auch von der Lawine)‹; vereinzelt von der Ausbreitung von Feuer o. ä., dann z. B. ›brennen; stieben (von Funken)‹, sowie von der Bahn der Kugel, dann ›fliegen‹.
Syntagmen:
der bach / schneberg
(›Lawine‹),
das blut / wasser, die sündflut (wohin) l.
Wortbildungen:
laufwasser
›fließendes Gewässer‹.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
93, 1567
(
Magdeb.
1608
):
Daraus der safft entspringen kund / | Lieff ins feslein.
Ebd.
631, 3896
:
Die Schneberg lieffen mit eim wunder / | Bey Tag vnd Nacht schrecklich Berg vnter.
Ebd.
679, 5423
:
Du lessest deine Suͤndfluth lauffen / | All Creatur auff Erdn ersauffen.
Mieder, Lehmann. Flor.
834, 10
(
Lübeck
1639
):
Es ist vngewis wohin die Kugel laufft.
Schöpper
79b
(
Dortm.
1550
):
Fluere. fliessen / rinnen lauffen.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
1, 1159, 1
(
mosfrk.
,
1537
):
Grundzins gibt,
wer laufwasser und gras zu lehen hat.
Knape, Messerschmidt. Bris.
35, 24
(
Frankf./M.
1559
):
das vierdt wasser Nilus [...] laufft durch Egypten in das Meer.
Ralegh. America
21, 8
(
Frankf.
1599
):
Der grosse Fluß Oronoke [...] hat 9. Stroͤm oder Adern / welche alle von seim Mund oder Außfluß gegen Nord lauffen.
v. Keller, Ayrer. Dramen
38, 17
(
Nürnb.
1610
/
8
):
All Löcher im Sieb halt ich zu, | Daß kein Wasser rauß lauffen thu.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
222, 12
(
els.
,
1362
):
Do von wart daß wasser Tyberis zů Rome so gros daz es úber die stat mure in lief.
Stammler, Berner Weltger.
15
(
ohalem.
,
1465
):
Vor gottes antlit ein für loͧfft.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
52, 36
(
tir.
,
1464
):
die sachen ain schar der engel an der selbigen stat, die luffen v̈beral vm als die funkhen, die da lauffen von der ëss.
Chron. Magdeb.
2, 188, 22
;
Ralegh. a. a. O.
13, 41
;
Chron. Augsb.
1, 113, 11
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
77, 14
;
Barke, Spr. d. Chymie.
1991, 284
;
Apherdianus
159
;
205
;
Pfälz. Wb.
4, 820
.
Vgl. ferner s. v.
1
 2, ,  7,  2,  1.
11.
›Ausbeute geben, Gewinn einbringen (von der Salzgewinnung)‹.

Belegblock:

Opel, Spittendorf
198, 35
(
osächs.
,
um 1480
):
das das saltz höher gesatzt wurde, uff das das gatt den leuten, die das hetten, höher lauffen möchte, und das den knechten auch mehr wurde.
Ebd.
236, 31
:
die sole wardt hoch verschlagen, denn sie wolden, das gutt solte viel lauffen.
Ebd.
430, 10
:
Ein virtel in dem Deutzschen Borne hat gelauffen ohne das schos 99 schock 22 groschen 1 d.
12.
›sich auf eine bestimmte Höhe belaufen, einen bestimmten Wert erreichen; pro Wirtschaftsleistung entstehen, anfallen (z. B. von Kosten)‹.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron.
57, 8
(
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
/Hs.
2. H. 16. Jh.
):
Daz leufet sich wol an hondert malder korngeldes.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 237
(
rhfrk.
,
1356
):
und weiz nit, war der schaden gelauffen mag.
Köbler, Ref. Franckenfort
102, 22
(
Mainz
1509
):
mehr stück zusammen in ein Jte͂ brenge͂ / dz sichs vff ein halben güldde͂ lauff.
Schnelbögl, Salb. Karls IV.
94, 12
(
nobd.
,
1366
/
8
):
der zol daselbest leuffet sich in gemeinem lauffe auf 2 ℔ hl.
Welti, Stadtr. Bern
510, 35
(
halem.
,
15. Jh.
):
das soͤliche bůß vnd freuel, als uor stat, abgetragen werde mit allem kosten vnd schaden, so daruff geloffen ist.
Opel, Spittendorf
103, 25
;
Rwb
8, 766
.