stärke,
die
;
-Ø/–
.
1.
›bestimmte, oft über der Normerwartung liegende Ausprägung von etw.‹; im einzelnen z. B. ›Stärke (des Lichtes)‹; ›Dicke (des Armes)‹; ›Stärke (der Liebe)‹;
vgl.  1.

Belegblock:

M. Cunitia. Ur. Prop.
230, 32
(
Öls
1650
):
Licht und finsternuͤß (dehrer ie eines deß andern staͤrcke zwar schwaͤchet / aber nicht gaͤntzlich außtilget).
Rupprich, Dürer
2, 202, 450
(
nobd.
,
1513
/
5
):
Herform elbogen jn der sterck des arms
1
/
17
*.
Ruh, Bonaventura
342, 7
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
Zem lesten anhangen, das hefty dich vmb des gesponsen sterckin der liebin.
2.
›körperliche Kraft; (auch:) Gesundheit (des Menschen, von Tieren)‹;
zu  2.
Bedeutungsverwandte:
 1,  9; vgl. .
Gegensätze:
 1, ; vgl.  2.
Syntagmen:
die s. verlieren / behalten / wissen, s. in den beinen haben
;
s. halben nimmer tüchtig sein
;
auf seine s. trutzen, sich auf seine s. verlassen, den tramen nach der s. heben
;
die s. des elefants / herzen / leibes / Samsons, der hände
;
die grosse / mänliche s
.;
das höchste der s
.
Wortbildungen:
starkwasser
.

Belegblock:

v. Ingen, Zesen. Rosenw.
46, 16
(
Hamburg
1642
):
unterdessen aber liessen sie nichts ermangeln an allerley koͤstlichen starck⸗wassern / bestrichen sie so lange / biß sie wider zu Ihr selbsten kam.
Bihlmeyer, Seuse
273, 16
(
alem.
,
14. Jh.
):
hetti ich Sampsons sterki und Absalons schöni, [...], die woͤlte ich dir [herre] ze lobe in dinem dienste verzerren.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 496, 10
(
Hagenau
1534
):
Wenn eyn pferd sein stercke wüste / so thatte es keynem manne keyn guͦtte.
Dreckmann, H. Mair. Troja
10, 28
(
oschwäb.
,
1393
):
Hercules, von dem die poeten schreibend, daz er mit seiner mänlichen sterk zug biz an die porten der vorhell.
Barack, Zim. Chron.
1, 466, 33
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Einer ungleuplichen grossen sterki ist er gewesen, dann er ain iedes gemain hufeisen mit beden henden schlichten mögen.
Henisch
253
(
Augsb.
1616
):
Was stercke nicht kan / das thut behendigkeit.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
36, 26
(
oobd.
,
1349
/
50
):
daz slahen der âdern bezaichent uns des herzen krankhait und sein sterken.
Fischer, Brun v. Schoneb.
1, 137
(
md.
, Hs.
um 1400
):
gib elphants sterk für sünden fluͦt, | du wol geplüte Aarons ruͦt.
Munz, Füetrer. Persibein
255, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
wie gros sein vnkrafft wäre, | so kam im krafft vnnd all sein sterck schnell wider.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
61, 547
;
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
237r, 9
;
Gille u. a., M. Beheim
19, 39
;
Harsdoerffer. Trichter
1, 434, 16
;
Gilman, a. a. O.
1, 14, 6
;
493, 15
;
2, 12, 1
;
Wiessner, Wittenw. Ring
4548
;
Schöpper
51b
;
Maaler
387v
.
Vgl. ferner s. v. ,  4,  13,
1
 2,  2.
3.
›Macht, Stärke militärischer Art; Macht, Stärke, Einfluß (z. B. der Geistlichkeit)‹;
vgl.  3.
Bedeutungsverwandte:
(
der
49,  5,  5, .

Belegblock:

Schöpper
107a
(
Dortm.
1550
):
Potentia. Krafft stercke / macht gewalt vermuͤglichkeit.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
501, 13
(
Magdeb.
1608
):
[Adler / Rab / Krae] richten jhre sterck vnd streit / | widder frembde Geschlecht vnd Leut.
Ralegh. America
14, 40
(
Frankf.
1599
):
daß er auß dieser Vbung gar [...] erfahren ward / [...] / seine Macht vnd Staͤrck / mit der Christen Macht zu bedencken.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
183, 29
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
der geistlichen sterck ist dy kunst und gerechtikait.
Chron. Augsb.
6, 25, 17
.
Vgl. ferner s. v.  2.
4.
›Stärke, Kraft, Beharrlichkeit, Beständigkeit des Menschen gegen etw. (Sünde, Leiden, Wankelmut o. ä.) und zum Zwecke von etw.‹; auch: ›Allmacht Gottes, wie sie in Christus gegeben ist und dem Menschen verliehen sein kann‹; vgl.  4; offen zu 5.
Überwiegend Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
 5,  2, (
der
6,  23,  1.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
s. haben / geben, an sich nemen
;
die s. in der stille werden, den sünden wiederstehen
;
[got] js. s. sein
;
sich der s. warnen
›mit Stärke wappnen‹,
jm. der s. mangeln; in s. beharren, ane s. krank gehen, mit s. gekleidet / umgürtet sein
;
die s. des sieges / streites
(›Stärke zum Sieg / Streit‹),
die s. in der zeit des leidens; die christenliche / götliche
›von Gott kommende‹
s.
;
das zeichen der s
.

Belegblock:

Luther, WA
33, 343, 11
(
1531
):
wenn er [Gott] sich schwach stellet, gilts deiner sterck.
Quint, Eckharts Pred.
2, 146, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Si [Elisabeth] was gekleidet mit der sterke ze widerstânne aller unvolkomenheit.
Ders., Eckharts Trakt.
215, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wan ie sich der mensche krenker vindet, ie baz er sich der sterke und des siges warnen sol.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 187, 6
(
Köln
1582
):
Er [Got] ist mein heil, mein stercke gut, | Mein auffenthalt in boͤsen zeiten.
Schönbach, Adt. Pred.
26, 12
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
sterke soltu haben, als iz dir ubele get.
Strauch, Par. anime int.
70, 9
(
thür.
,
14. Jh.
):
di anderen gehorin zu den willin und zu den anderen creften; der heubit sint genant gerechtikeit, sterke und mezikeit.
Ebd.
104, 20
:
mit der sterke und stedikeit uberwindit si [sele] wandilhaftige dinc.
Mathesius, Passionale
56v, 24
(
Leipzig
1587
):
die Goͤttliche stercke vnd krafft hat in diesem Goͤttlichem gemuͤthe / wie Er / [...] / verborgen gelegen.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
9b, 8
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
herre ich minne dich wann dv pist mein stercke.
Gille u. a., M. Beheim
134, 28
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Herr, ich wil dich lieb habe. | wann du mein sterk, vestung solt sein.
Vetter, Pred. Taulers
93, 7
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
die sittelichen tugende, also ist wisheit, gerechtikeit und stercke und messikeit.
Bihlmeyer, Seuse
553, 9
(
alem.
,
14. Jh.
):
wol uff, hertz mins, stand uff und bekleid dich mit gottes sterki.
Warnock, Pred. Paulis
17, 136
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Die menschen, die hoffnung habent in den herren, die werdent sterke an sich nemen.
Steer, Schol. Gnadenl.
2, 132
(
moobd.
,
15. Jh.
):
so der mensch jn der sterk behart biß jn das end.
Bauer, Geiler. Pred.
79, 5
(
Augsb.
1508
):
die vierde gab des hailigen gaistes / die ist Stercke.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
2, 129
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
Das zaichen der sterk stet auch jn drein dingen: Zum ersten das der mensch sterk hab als der tod [...].
Peil, Rollenhagen. Froschm.
531, 786
;
Adrian, Saelden Hort
1493
;
Eschenloher. Medicus
61, 11
;
Anderson u. a., Flugschrr.
1, 10, 20
;
Franck, Decl.
344, 9
;
Warnock, a. a. O.
5, 193
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
33, 11
.
Vgl. ferner s. v.  2, ,
1
 2,  1, ,  2.
5.
›Allmacht, Stärke, Kraft Gottes; Macht des Todes sowie des Teufels‹;
zu  5.
Bedeutungsverwandte:
(
der
1,
2
 7,  2,  5; vgl.  1, ,  2,  2,  8.
Syntagmen:
s. anlegen, seine s. wieder den menschen versuchen
;
jn. mit s. schaffen, Jesus mit s. angezogen / umgürtet sein
;
gottes s., die götliche s
. [jeweils mehrmals];
gewaltiger
[›Besitzer‹]
der s., panzer der s
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
17860
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Die drie die mich geschufen | Under eime gemerke | Mit ebenglicher sterke, | Den vater, den sun und den geist.
Froning, Alsf. Passionssp.
7669
(
ohess.
,
1501 ff.
):
Jhesus min herre ist mit stercke | Umbgort und ane gezogen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
34, 18
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
aller sterke gewaltiger [Tod]: [...] – erhöre mich!
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
79, 5
(
omd.
,
1487
):
Jn der zceitt vorsu̇cht der teu̇ffell alle seine stercke vnd listigkeitt widder den menschen.
Helm, a. a. O.
8820
;
Dubizmay, kurß zu Teutze
24, 4
;
Päpke, Marienl. Wernher
2813
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
134
.
Vgl. ferner s. v.  4, .
6.
›Härte, Unbiegbarkeit, Unzerbrechlichkeit (von konkreten Bezugsgegenständen, z. B. von Eisen)‹;
vgl.  7.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4,  1.

Belegblock:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
138, 1
(
Frankf.
1535
):
Das eisen ist [...] vest vnd bissig / vnd zwingt alle ding mit seiner stercke.
Chron. Nürnb.
3, 58, 6
(
nobd.
,
1488
):
so ist nun vermischt die sterkin seines eisens mit der blödigkeit der ertrichen scherben.
Warnock, Pred. Paulis
3, 190
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Die sterke dis poms ist warlichen, gross wider den bösen gaist.
Munz, Füetrer. Persibein
383, 4
(
moobd.
,
1478
/
84
):
des wurden den not vestten | zway soliche [sper] zw ir hannden, | dy von ir grossen sterck nicht mochten pressten.
Vgl. ferner s. v. (V.) 1.
7.
›Stärkemehl zum Steifen von Wäsche‹;
vgl.  5.

Belegblock:

Rennefahrt, Wirtsch. Bern
557, 15
(
halem.
,
1469
):
Ein halb ymmy meͣls für die stercky, so zuͦ dem zettel gebrucht wirt.
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 45, 19
:
ein (guote) stercke zuo fäderreiten zuo machen.
8.
›Bestätigung eines rechtsrelevanten Sachverhaltes, einer Zeugenaussage, eines Urteils‹. Dichte Belegung bei
Grosch
(s. u.; vgl. auch das Glossar von Buchda, Schöffenspr. Pössneck
4, 288
);
zu  4.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
103, 35
(
thür.
,
1474
):
also Contcz Albrecht zcu stergke syner gerechtikeyt vorbrenget eyn bekenteniß deß richters unde der schepphin.
Ebd.
223, 16
:
Nachdeme ir uns Lucas Schutczmeysters insage wedder eyn geczugkeniß, [...], unde deßselbigen Phillips zcusagen zcu stergke synes geczugkeniß, [...], gesant habit.
Ebd.
248, 27
:
Hiruff sprechin wir ratismeister unde ratmanne der stad Dornborgk der zcweyer orteyl zcu stergke unde besserunge vor recht.
Ebd.
276, 18
:
eyn orteyl unde stergke, daz ir zcwischin denselbin partten gesprochin habit.
Ebd.
239, 28
.
Vgl. ferner s. v.  20.
9.
s.  6.