aufmutzen,
V.
1.
›jn. (meist: sich) schmücken, herausputzen, ausstaffieren‹, oft abwertend gebraucht; ›etw. (z. B. eine Rede) auszieren, schmücken, schön gestalten‹.
Syntagmen:
etw.
(z. B.
die rede, den leib, die brust, ein bild
)
a., etw. mit worten a., etw. schön a., jn. hoch a., jn.
(meist:
sich
)
mit etw.
(einer Sache, z. B.:
dem kleid / gewand / ring, der kette / seide
) oder mittels einer Tätigkeit (z. B.:
bürsten / flechten / schnüren
)
a., jn. in etw.
(z. B.
seide / silber
)
a., waren zum kauf a., sich wie weiber a., sich in weibes kleid a., sich gegen der welt a., sich mit fleis / sorge a.
;
j.
(meist Frauen)
sich a.
;
aufgemuzte bulschaft, aufgemuzter text, aufgemuzt von gestein / gold / silber / gewand.
Wortbildungen:
aufmutzer
,
aufmutzerin.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
4, 28, 56
(
Frankf.
1557
):
Die [Magd] eim Gesellen baß behagt, | Wenn sie mit schoͤn vnd tugent putzt, | Denn wers mit Kleidern auffgemutzt.
Schmitz, Schiltb.
105, 24
(
Frankf.
1597
):
Welchs dann gemeinlich aller Weibern art ist / daß sie nur allein darauff gedencken / wie sie sich rechtschaffen auffmutzen / schmuͤcken Zieren / Malen / auffthun / einbreisen / schnuͦren / Koͤpffen / Haͤwblen / vmb den Arß fuͦttern.
Fastnachtsp.
380, 12
(
nobd.
,
15. Jh.
):
[ein tanzen] | Do sich unser tochter und frauen | Vor mutzen auf und laßen schauen | In perlein, rocken, guldin kronen.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 234, 1399
(
nobd.
1524
):
Daß man got tag und nacht mög loben | Mit steur und hülf zuͦ großen glocken, | Die bild ufmutzen wie die docken, | Mit silbern kelchen.
Sachs
13, 68, 6
(
Nürnb.
1556
):
Die [metze] ich schon auff-gemutzet hab | Mit schöm gwandt, kettn und ringen.
v. Keller, Ayrer. Dramen
1817, 35
(
Nürnb.
1618
):
Der Schwager thut sein red auffmutzen, | Die ich gleich wol nicht straffen kan.
Dasypodius
125r
(
Straßb.
1536
):
Mango [...], Ein auffmutzer vnnd verkauffer der menschen / od’ pferden vnd anderer dingen / die man außbutzet / außstreychet / vnnd zieret vff den kauff.
Ebd.
383r
:
auff Mutzer der menschen.
Golius
106
(
Straßb.
1579
):
Ornatrix, ein auffmutzerin / so die Braut / oder eine andere zuͦ der hochzeit auffmutzet.
Barack, Teufels Netz
12192
(
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Si wend sich och uff mützen und gasten | Mit flechten, bürstan und snuoren, | Daz man seh daz si sigind huoran.
Ebd.
2256
:
Wan das wip tuot iren lip uf mützen, | So tuot der man sich hinwider spitzen | Als der fuchs gen dem huon.
Sudhoff, Paracelsus
8, 150, 18
(
1530
):
wiewol dir groß die armut in der küchi ist, iedoch aber auf der gassen und in der kirchen und am danz so müssen sie sich aufmuzen, wie die kaz wenn sie scheißen wil.
Bächtold, N. Manuel. Papst
50, 472
(
Zürich
1525
):
[ich] hat ein hüerli, wol usgebutzt, | Mit siden, samet fri ufgemutzt.
Meisen u. a., J. Eck
55, 19
(
Ingolst.
1527
):
der irsal, der mit [...] zierlichen reden wirdt auffgemutzt unnd prachtlich herfirbracht.
Luther, WA
41, 403, 7
;
Sachs
5, 296, 32
;
14, 37, 8
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 34
;
Fuchs, Murner.
4
Ketzer 1917;
Barack, a. a. O.
5016
;
13505
;
V. Anshelm. Berner Chron.
1, 221, 4
;
Kottinger, Ruffs Adam
466
;
Schöpper
56b
;
Maaler
35r
;
Schwartzenbach R iijr;
Dietz, Wb. Luther
136
;
Scherzius
67
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 147
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 244;
Schwäb. Wb.
1, 400
;
Schweiz. Id.
4, 620
;
Wolf, Mathesius.
1969, 266
.
2.
›etw. betonen, e. S. erhebliches Gewicht geben‹; oft abwertend gebraucht, dann: ›etw. aufbauschen, übertreibend darstellen, etw. über seinen Wert hinausheben, jn. übermäßig loben‹; Ütr. zu 1.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1,  3,
1
 1; vgl. .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
etw.
(z. B.
das böse / gebot / gebrechen / leiden / wunder, die ere / jungfrauschaft / steuer / sünde / tat, den dienst / feiertag / feler / glauben
)
a., etw. hoch
(formelhaft)
/ fast / jämmerlich a.
;
aufgemuztes wort, aufgemuzter text
; Subst.:
listiges a.

Belegblock:

Luther, WA
32, 81, 26
(
1530
):
Dis mutzet die Epistel zun Ebreern hoch auff und spricht.
Ebd.
33, 313, 30
(
1531
):
Da heist einer ein bös teuffelisch maul, das die gebrechen der leuthe so jemmerlich kan auffmutzen.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 119, 9
(
Wittenb.
?
1524
/
25
):
On was ich kurz geschriben hab | Von bischof Benn und seinem grab, | Den ich so hoch hab ufgemutzt, | Daran der Luther vast erstutzt.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
96, 12
(
Nürnb.
1548
):
man sehe auff dẽ boͤsen feynde / vnd sein arge tuͦck / solche geringe suͦnde / kan er dermassen auffmutzen das ein armes hertz an Gottes gnade verzweyfflet.
Goldammer, Paracelsus.
5, 157, 18
(
1530
):
wie hoch wurd der paur die ehr aufmutzen.
Turmair
4, 193, 5
(
moobd.
,
1522
/
33
):
welcher tat haben hoch gepreist, vast aufgemutzt, wol herfürpracht ir gelerten.
Luther, WA
17, 2, 346, 25
;
33, 599, 13
;
41, 282, 8
;
Chron. baier. Städte. Regensb.
63, 11
;
Pfeiffer-Belli, Murner im Glaubensk.
1, 50, 16
;
Turmair
1, 301, 39
;
Schöpper
56b
;
Dietz, Wb. Luther
136
/7;
Crecelius
1, 60
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
370
;
Schwäb. Wb.
1, 400
;
Schweiz. Id.
4, 620
.
3.
›etw. verfälschend als etw. anderes (Höherwertiges) darstellen‹.

Belegblock:

Luther, WA
30, 3, 315, 29
(
1531
):
Wie hat der Teufel hie todte knochen, kleider und gerete fur der heiligen beine und gerete auff gemutzt.
Dietz, Wb. Luther
136
/37;
Trübner, Dt. Wb.
1, 148
.
4.
›sich trotzig verhalten‹.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
3, 86, 11
(
Frankf.
1557
):
Derhalben sich [der Wider] gar hoch auffmutzt, | Zu sehr auff seine stercke trutzt.
Preuss. Wb. (Z) 1, 244.
5.
›jm. etw. vorwerfen, vorhalten, zur Last legen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  25.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. Sir.
13, 27
(
Wittenb.
1545
):
Wenn aber ein Armer nicht recht gethan hat / so kan mans auffmutzen.
Sachs
14, 305, 21
(
Nürnb.
1553
):
Ich wil dirs wol auffmutzen hoch | Beim inquisitor.
Preuss. Wb. (Z) 1, 244;
Schwäb. Wb.
1, 400
;
Schweiz. Id.
4, 620
.