ausstreichen,
V., unr. abl.
1.
›etw. unter Druck herausstreichen, etw. herausdrücken‹.
Bedeutungsverwandte:
 4, .

Belegblock:

Rot
310
(
Augsb.
1571
):
Expellirn, Außtreyben / Außstreichen.
Deinhardt, Ross Artzney
19
(
oobd.
,
1598
):
Prich im [pferd] das eisen ab, streich das aitter auß vnd bint im warmen hundts mist darauf.
2.
›etw. glatt abstreichen‹; als Synekdoche: ›(eine Ware) nach vorgeschriebenem Maße verkaufen‹.

Belegblock:

Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
289, 26
(
halem.
,
1402
):
won welicher knecht in dewederm saltzhus sin saltz verkoͧffet, der sol dem knecht in dem andern hus besenden, der im das saltz usstrich.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 95a, 46
(
moobd.
,
1466
):
Von allerlai öll und hönig, wer das zu Wienn kaufft oder ausstreicht, der sol von ainem phunt phening geben 8 dn.
3.
›etw. (verbrauchte Gegenstände) auffrischen; (Tuch) glattstreichen, ausbügeln‹; in 1 Luther-Beleg wohl phras.:
eine kappe ausstreichen
›das Ungereimte, Falsche e. S. aufdecken‹.

Belegblock:

Schwartzenbach
D vr
(
Frankf.
1564
):
Bessern. Ein sach verneuwern. Erbessern. Erfrischen. Seubern. Auffzieren. Außstreichen. Ersetzen. Ergentzen.
Maaler
46v
(
Zürich
1561
):
Außstreychen / Widerumb auff ein neüwes außbutzen / alt ding grad als neüw machen. Interpolare.
Trübner, Dt. Wb.
1, 205
;
Schwäb. Wb.
1, 527
;
Dietz, Wb. Luther
1, 189
.
4.
›etw. ausstreichen, löschen, tilgen‹; mit verschobener Bezugsgröße: ›etw. (z. B. ein Götzenbild) reinigen, säubern‹.

Belegblock:

Kurrelmeyer, Dt. Bibel
9, 241, 9
(
Straßb.
1466
):
sy bedeckent sy [goͤtt] mit gewand vnd mit purpur vnd streichent aus ir antlútz vmb daz gestupp des hauß.
Schweiz. Id.
11, 2006
.
5.
›jn. zum Zwecke der Effektivierung des Verhörs oder als Strafe auspeitschen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, ; vgl. ,
2
 1.
Syntagmen:
jn.
(z. B.
den übertreter, das weib
)
mit ruten
(häufig) /
gerten / stecken, jn. mit dem besen a., jn. auszustreichen erkennen.

Belegblock:

Skála, Egerer Urgichtenb.
135, 6
(
nwböhm.
,
1574
):
Sej Nindert gemartert vnd mitt Ruethen Ausgestrichen den Zu Wunsehe.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
610, 6
(
nobd.
,
um 1525
):
hat man herr Hans Stocklein [...] ain creutz an die stirn geprent, nachmals [...] mit ruten ausgestrichen.
Chron. Augsb.
4, 194, 12
(
schwäb.
,
v. 1536
):
hat man 10 mann von des widertauffs wegen mit růtten ausgestrichen.
Ebd.
9, 226, 12
(
1544
/
5
):
ward in die Eisen gelegt und umb sein mutwillen [...] von ainem rat auszustreichen erkant.
Turmair
4, 82, 14
(
moobd.
,
1522
/
33
):
das gegen den übertrettern die priester [...] solten [...] nach denselbigen greifen, si fâhen, pinden und mit rueten außstreichen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
369, 46
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
der soll zum ersten mall [...] zum pranger gestelt, zum anderten mall ain ohr abgeschnitten, zum driten mall außgestrichen und daß lantgericht verbotten werden.
Skála, a. a. O.
78, 14
;
93, 14
;
Baumann, a. a. O.
570, 5
;
Chron. Augsb.
6, 32, 28
;
71, 5
;
8, 50, 16
;
228, 5
;
9, 226, 14
;
Turmair
1, 232, 28
;
Golius
241
;
Rwb
1, 1119
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 205
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 339
;
Pfälz. Wb.
1, 482
;
Schweiz. Id.
11, 2006
;
Dauner, Obd. Bibelgl.
1898, 71
;
101
.
6.
›(Farbe) streichend auftragen‹; in der Regel Verschiebung der Bezugsgröße (vom aufgetragenen Material auf die bestrichene Fläche oder das entstehende Gemälde): ›etw. bemalen, streichen; etw. von innen mit Putzmaterial auskleiden‹.
Bedeutungsverwandte:
2
 1,  5,  1,  2,  3,
1
 12; vgl.  1,  1.
Syntagmen:
jn.
(z. B.
die sophisten, den teufel
)
/ etw.
(z. B.
das bildnis, den ofen, die herberge) a.
;
a., was
[..., relativer Obj.satz];
ausgestrichene farbe
, (verschoben:)
ausgestrichene refectoria.

Belegblock:

Bihlmeyer, Seuse
60, 17
(
alem.
,
14. Jh.
):
do ward er [maler] siech an den ogen, daz er nút me gesah us ze strichen.
Maaler
46v
(
Zürich
1561
):
Außstreychen mit gold. [...]. Ein kunst bluͤmen vnd Außstreychen. Dare claritatem arti alicui.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
335, 19
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
ein schönner brief mit außgestrichner praunen farben.
Dietz, Wb. Luther
1, 189
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 205
;
Schwäb. Wb.
1, 527
;
Schweiz. Id.
11, 2003
.
7.
›jn. (auch: sich) schminken, herausputzen, aufmachen; (eine Körperpartie, z. B. die Brauen) durch Auftragen von Farbe ansprechend darbieten‹, im Part. Prät. mit Tendenz zu: ›gepflegt, ordentlich‹.
Syntagmen:
die brawe, jn.
(z. B.
die fraue
)
a.
;
jn. ausgestrichen gestalten
;
ausgestrichener jüngling / man.

Belegblock:

Schöpper
56b
(
Dortm.
1550
):
Ornare. Zieren auffmutzen außstreichen außbutzen auffzeumen auffbiffen.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 48, 12
(
Straßb.
1522
):
sie solt fier die allerhuͤbschesten Frawen [...] wol ußstreichen und solt [...] mit inen selber fuͤr den Fuͤrsten kumen.
Maaler
41v
(
Zürich
1561
):
Außgestrichner mẽsch / Sauber / Wolgebutzt / Gstryfft. Lautus homo.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
1, 28, 73
(
schwäb.
,
1471
):
Zway präwlen vszgestrichen vein, | Ir mündlin rott.
Karnein, de amore dt.
218, 249
(
moobd.
,
v. 1440
):
so ain hübscher, ausgestricher man ain zag ist, der [...] kainer erbern frauen zucht vnd er bebeisen thüt.
Maaler
46v
;
197r
;
Schwäb. Wb.
6, 1571
;
Schweiz. Id.
11, 2006/7
.
8.
›etw. mit Worten ausmalen, mit verbalen Mitteln ausgestalten; etw. nachdrücklich hervorheben, etw. betonen; jn. in auffallender Weise schildern, beschreiben‹.
Bedeutungsverwandte:
,
2
 2, (V.) 1,  4,  34,  2,
1
 4, ; vgl. ,
1
 2.
Syntagmen:
jn.
(z. B.
die falschen propheten
)
a., die ehe / geschichte / gestalt / missetat / pein / predigt / secte / tyrannei / verheissung, js. lob / macht / weisheit, den dienst / handel / krieg / mangel / wolstand / spruch, das exempel / laster a., etw. eigentlich / aufs beste / meisterlich / reichlich / grob, mit worten a.
;
a., wie
[..., Obj.satz].
Wortbildungen:
ausstreichung.

Belegblock:

Luther, WA
32, 39, 17
(
1530
):
Die selbigen historien solt man ya wol mit mehr worten ausstreichen.
Ebd.
33, 388, 29
(
1531
):
S. Joannes fasset diese predigt kurtz mit wenig wortten, aber der herr Christus wirdt sie viel reichlicher ausgestrichen haben.
Ders. Hl. Schrifft. Röm. Vorr.
2265, 1
(
Wittenb.
1545
):
DArnach streichet er weiter aus die art der Sünde vnd des Gesetzes / wie durch das Gesetz die sünde sich nu recht reget.
Schottenloher, Flugschrr.
79, 22
(
Bamb.
1523
):
Was ursach dyser furstenn drey | Loblich gethane handlung sey, | [...], | Will mit der zeyt ich gnugsam scharpff | Ausstreychen mit der warheit gantz.
Turmair
1, 170, 31
(
Nürnb.
1522
):
welchs dann im ganzen werk mit mêrem grunt und außstreichen an den tag geleget wirdet.
Dasypodius
433r
(
Straßb.
1536
):
außStreichen einen wie er an jm selber ist. Ornare aliquem suis uirtutibus.
Adomatis u. a., J. Murer. Nab.
754
(
Mühlh./E.
1556
):
Ich weiß es im ouch wol ußzstrychen | Dem tod můß er gwüß nit entwychen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
67, 16
(
halem.
,
1534
/
5
):
schelk syn jmm haͤrtzen [...] / alls namlich nach der usstrychung der toͤüffer / werdend dise jrrungen zeychen bas gehoͤrt.
Ebd.
922, 15
:
strychtt diser widerruͤft Wittellius [...] die sect Luterj so schon und wol us.
Maaler
4r
(
Zürich
1561
):
Ein ding mit worten Abmaalen / beschreyben vnnd außstreychen.
Rot
317
(
Augsb.
1571
):
Erleuchten / erleutern / erklaͤren / mit farben außstreichen.
Luther, WA
17, 2, 504, 10
;
30, 2, 117, 18
;
30, 3, 238, 3
;
41, 162, 27
;
Jörg, a. a. O.
77, 4
;
Koller, Reichsreg. Albr. II.
133, 25
;
Turmair
1, 110, 2
;
4, 11, 24
;
Rot
304
;
Dietz, Wb. Luther
1, 189/90
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 205
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 339
;
Schwäb. Wb.
1, 527
;
Schweiz. Id.
11, 2004-2006
;
Winkler, Flugschr.
1975, 93
.
9.
›jn. schmähen, ausschimpfen; jn. betrügen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  3, ,  9,  1,  17,  5,  14,  3,  5 (jeweils zur ersten Nuance);  24.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 152, 26
(
nrddt.
, Hs.
1601
):
sein [...] in der Altenstadt der Probst zu Unser Lieben frawen von Praemonstrat und die seinen jemmerlich außgestrichen von den vorlaufen Predigern.
Schwäb. Wb.
6, 1571
.