ausreuten,
3
ausreiten
(letztere Form in etwa einem Viertel der diesbezüglich interpretierbaren Belege),
V.;
vgl. , .
1.
›etw. (Pflanzen o. ä.) herausreißen, roden, ausreißen, aushacken‹; oft bildlich auf religiöse Tatbestände angewandt;
Überwiegend obd. Texte.
Gegensätze:
 1.
Syntagmen:
den baum / frieden
(jeweils mehrfach)
/ bramen / stok, die blume / dorne / hecke / pflanzung / pflanze / wurz, das holz / stöckicht / unkraut a., etw. mit der wurz a.
Wortbildungen:
ausreuter
1.

Belegblock:

Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
3, 6
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
ir habt meine lichte sumerblumen, meiner wünnen nar, mir aus meines herzen anger jemerlichen ausgereutet.
Mon. Boica, NF.
1, 470, 4
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
3 schilling [...] von der Hecken, dy er ausgereuͤtt hat.
Goldammer, Paracelsus.
2, 286, 19
(
1530
/
35
):
der ist der paum, der nit frucht gibt, wellichen Christus heißt verbrinnen und ausreiten.
Bihlmeyer, Seuse
425, 23
(
alem.
,
14. Jh.
):
daz ir [...] nút mit dornen und mit bramen waͤrint erfúllet, die ir nu so arbeitseligklich us rútent.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
10, 53, 20
Var. (
Straßb.
1466
; Var.
Augsb.
um 1475
/
1518
):
ich bin ein schweyger
[Z-Oa:
außreitter
]
zůuerwústen die wilden feyg baum.
Koller, Ref. Siegmunds
91, 8
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
můß man doch diße ordenunge halten [...], unkrut usrüten und den garten sübern.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 502, 32
(
schwäb.
,
1658
):
eß soll auch keiner hinfürter nichts außstocken oder außreuten ohne der obrigkeit [...] wissen.
Buijssen, Dur. Rat.
9, 12
(
moobd.
,
1384
):
Ein igleich phlanczung, die nicht phlanczt hat mein hymelischer vater, di wirt auzgerawt.
Turmair
4, 356, 24
(
moobd.
,
1522
/
33
):
das groß päum wachsen lange zeit, werden aber in einer einigen stund mitsambt der wurzeln ausgereut.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
72, 9
(
München
1528
):
ist durch jnwendig rew [...] awszerreyten jnwendige sündige wurtz.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
267, 33
(
m/soobd.
,
16. Jh.
, Hs.
17. Jh.
):
von ainem gewachsenen grienen fridt darinen gehag ist, reit er ihm auß, so hat er gefrävelt.
Bauer, Imitatio Haller
83, 28
(
tir.
,
1466
):
Wer [...] die wurczen nicht aus reuten ist, der nimet nicht vil auf.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 234, 10
;
Luther, WA
32, 521, 35
;
Mon. Boica, NF.
2, 1, 58, 23
;
Müller, Handel Paumgartner
40, 33
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 326, 4
;
Chron. Augsb.
4, 66,
Anm. 1;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
107, 14
;
Winter, Nöst. Weist.
1, 88, 34
;
446, 18
;
Diefenbach, Mlat.-hd.-böhm. Wb.
112
;
Voc. inc. teut. b
viijr
;
Voc. Teut.-Lat.
c iijv
;
c iiijv
;
Schöpper
74b
;
Serranus
22r
;
Maaler
44v
;
Schwartzenbach
C iiijr
;
Hulsius
O ir
;
Volkmar
357
;
Dietz, Wb. Luther
1, 179
;
Schwäb. Wb.
1, 498
;
Schweiz. Id.
6, 1810
;
Pleuser, Leid b. Tauler.
1967, 175
.
2.
›etw. (mit Baumbeständen, Sträuchern u. ä. bewachsene Flächen) roden, urbar machen‹; im Vergleich zu 1 mit verschobener Bezugsgröße; vgl.  2; offen zu 3.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. .

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
2, 268, 19
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ein gartner, der / ein garten pflanzen sol vnd in / auz reuhtet.
Merz, Urk. Wildegg
179, 4
(
halem.
,
1619
):
eine wyte erdterich hochwäldig väld vngefahr vier groß jucharten vßzerüten vnd abzeholzen.
Roth, E. v. Wildenberg
47, 14
(
moobd.
,
v. 1493
):
zůhandt liessen sie den waldt ausrewͦten bei dem wasser Kolmanbach.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
12, 14
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
welcher auf der gemain reutstöl oder einfang ausreutet, seiner glegenhait trait darein zu säen.
Schwäb. Wb.
1, 498
;
Schweiz. Id.
6, 1810
.
3.
›etw. von etw. reinigen, freihalten, befreien‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  6, .

Belegblock:

Mayer, Folz. Meisterl.
5, 36
(
nobd.
,
v. 1496
):
es [feür] die lufft auß rewt, | Die dan die pösen geyst | Und der wellt sund vegifft hant allermeyst.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
66, 12
(
moobd.
,
1478
/
81
):
wie der edel fürst Otilo ausrewtte die länder von den Gotten.
Mell, Steir. Weinbergr.
143, 11
(
smoobd.
,
1543
):
gehäger und rain zu raumen bei und zwischen der weingarten sollen bed anrainer mit einander ausreiten.
4.
›etw. (meist negativ bewertete Gegebenheiten wie die Sünde, seltener auch Positives wie das Evangelium) tilgen, unterdrücken, vernichten, ausrotten, löschen, beseitigen‹.; vgl.  2; Ütr. zu 1.
Vorwiegend obd. Texte.
Syntagmen:
den bresten / geist / (aber)glauben / irtum / misverstand / schlaf / wan, die beichte / betrieglichkeit / gedächtnis / gewonheit / ketzerei / liebe / lügen / sünde
(mehrfach)
/ zweiung, das evangelium / wort / laster / regiment / übel a.
Wortbildungen:
ausreuter
2.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
96, 192
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Wer macht des ungelauben wan | vertilkt und auss gereutet han.
Mayer, Folz. Meisterl.
100, 55
(
nobd.
,
um 1480
):
die irsal ausem thalmut, und ire betriglikeit wurd ich außreuten mit den czeugnusen der warheit.
Sachs
15, 436, 24
(
Nürnb.
1563
):
Das [evangelium] auch biß an den jüngsten tag | Kein tyrann nicht außreuten mag.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 539, 9
(
Nürnb.
1631
):
Dw wollest auch außreuten, | Jrrthumb vnd Ketzerey.
Vetter, Pred. Taulers
97, 26
(
els.
,
14. Jh.
):
Er sol zů dem ersten abehoͮwen und uzrúten die súben hoͮbtsúnde.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 250, 29
(
halem.
,
n. 1529
):
damit diser prest
[Reformation]
dester e und bass ussgeruͤtet werde.
Ukena, Luz. Sp.
335
(
halem.
,
1575
):
Man wirdt kümmerlich von den lütten | Die gedächtnuß Jesu Christ vßrütten.
Jaspers, St. v. Landskron
84r, 21
(
Augsb.
1484
):
so muͤß er außreiten auß seinem gemuͤt soͤliche vnordenliche lieb.
Chron. Augsb.
4, 380, 4
(
schwäb.
,
v. 1536
):
daß nunmer [...] alle zwispaltung alhie ausgereittet [...] wirt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
311, 18
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wan er [paum] auzräut und auzwürzelt den unkäuschen glust.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
14, 31
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
er versprach [...], das ganntz lanndt Pehaym zw cristenleichen gelauben ze pringen und die ketzerey ganntz aussrewten.
Turmair
4, 1018, 24
(
moobd.
,
1522
/
3
):
damit der neu gotlos verfluecht aberglaub, nur alten weibern, hueren und pueben annemlich, außgereut würd.
Ebd.
5, 578, 29
:
die schilt sein der rechten, beschirmer und liebhaber der gerechtigkait, die auch sein ausreuter des übels, vertilger schanden und laster.
Bauer, Imitatio Haller
73, 25
(
tir.
,
1466
):
vnd sölten sy souil fleis thuen, das sy aus reüttetten ire sünden vnd das sy in in pfhlanczten die gueten tugentleichen werch.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 13, 8
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
8, 6
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
237, 5
;
Asmussen, Buch d. 7 Grade
394
;
Mayer, a. a. O.
38, 249
;
Vetter, a. a. O.
94, 17
;
404, 29
;
Chron. Augsb.
4, 252, 23
;
371, 7
;
Meisen u. a., J. Eck
32, 29
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
107, 35
;
Mell u. a., Steir. Taid.
12, 30
;
200, 43
;
Roth, E. v. Wildenberg
57, 3
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
388
;
Maaler
48r
;
Dietz, Wb. Luther
1, 179
;
Schwäb. Wb.
1, 498
;
Schweiz. Id.
6, 1810
;
Pleuser, Leid b. Tauler.
1967, 174
.
5.
›jn. (seltener: Einzelpersonen, meist: Gruppen) töten, physisch vernichten, ausrotten‹; vgl.  3; Ütr. zu 1.
Vorwiegend obd. Texte.
Syntagmen:
jn., das geschlecht / gesindel, die christen / juden / ketzer / fölker a.

Belegblock:

Schwartzenbach
O iiijv
(
Frankf.
1564
):
Alles vmbbringen / vnd mit dem schwert außreutten.
Luther. Hl. Schrifft.
Zeph. 1, 3
(
Wittenb.
1545
):
ich wil die Menschen ausreuten aus dem Lande / spricht der HERR.
Bell, G. Hager
251, 1, 6
(
nobd.
,
1601
):
all juden der gstalt | aus zu reitten an hindernus.
Sachs
15, 106, 17
(
Nürnb.
1559
):
Daß mans all erwürg auff ein tag. | Nit leichter mans außreutten mag, | Eh daß sie dir ein auffrhur machen.
Ebd.
516, 3
(
1562
):
Als keyser Valens hat regiert, | [...] | Durch sein [...] amptleut | Wurden vil christen außgerewt.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
9, 5, 15
(
Straßb.
1466
):
hab ich dich geschickt vber die leut vnd vber die reich das du sy ausreutest.
Bachmann, Haimonsk.
11, 30
(
halem.
,
1530
):
so will ich inn [Lothar] ǔber zǔchen mit hundert tussend stryttern und inn gentzlichen uß rǔtten.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
111, 23
(
moobd.
,
1478
/
81
):
was Karel ze muet sy [Sachsen] und das land gantz auszerewten.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
195, 1
(
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
damit dergleichen gesindl außgereit und besagte unterthonen [...] desto paß mit ruhe und frid sein mögen.
Sachs
15, 105, 35
;
Bell, a. a. O.
447, 1, 11
;
Meisen u. a., J. Eck
45, 28
;
Adomatis u. a., J. Murer. Nab.
1443
;
Chron. Augsb.
1, 96,
Anm. 5;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
8, 23
;
Voc. inc. teut. b
viijr
;
Jelinek
40
.
6.
›etw. (Länder o. ä.) verwüsten, verheeren; etw. (Gebäude) zerstören‹; vgl.  4; Ütr. zu 1.
Bedeutungsverwandte:
 1,  4,  1, ; vgl.
1
 3,  3,  3,  30,  13,  6,  2.
Gegensätze:
.

Belegblock:

Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
126, 22
(
moobd.
,
1478
/
81
):
die selben haiden hetten alle gotshäwser [...] erstört und auszgerewtt.
Ebd.
156, 13
:
das [closter] was von dem pösen Ornold [...] ganz ausgerewtt und veröset.
Turmair
4, 57, 29
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Etliche großmechtige stet und künigreich sein dermassen abgetilgt und ausgereut.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
10, 78, 11
.