abtilgen,
V.
1.
›jn. vernichten, vertilgen, (Menschengruppen und deren Auffassungen) ausrotten; (Reiche) zerstören‹; offen zu 2.
Bedeutungsverwandte:
 5; vgl.  8.

Belegblock:

Kurrelmeyer, Dt. Bibel
7, 123
App. (
Augsb.
1475
):
die selben mit weib vnd kinden von iren feinden solten abgetilget werden.
Fuchs, Murner. Geuchmat
423
(
Basel
1519
):
Assuerus wolt allen Judschen standt | Abdilcken in dem gantzen landt, | Die Juden vß sym künigreich.
Sachs
23, 223, 21
(
Nürnb.
1560
):
Mag ich nit ueben solche rach, | Weil ich mit im abdilgt alln samen | Von meinem künicklichen stamen.
Chron. Augsb.
2, 88, 5
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
er wolt iren unglauben abtilgen und kain kätzerglauben leiden.
Ebd.
4, 28, 11
(
schwäb.
,
v. 1536
):
daß der kaiser wolt alle juden abdilgen.
Straus, Juden Regensb.
213, 4
(
oobd.
,
um 1475
):
in der Fursten von Bayrn landen ... die J(uden) abgetilgt und ausgetriben sind.
Turmair
4, 57, 28
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Etliche großmechtige stet und künigreich sein dermassen abgetilgt.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
108, 31
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Künig Karel von allen dingen was nicht begirdiger zu tuen, dann zu beschützen die cristenlichen kirchen [...] und abzetilgen den verdampten haidentumb.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
391, 18
(
m/soobd.
,
18. Jh.
):
als das sein seel [...] und der leib [...] von dem strengen richter abgedilgt und der gmainschaft aller hailigen gottes beraubt werden.
2.
›etw. (Einrichtungen o. ä.) abschaffen, aufheben; (Lebensformen) bekämpfen, ausrotten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.

Belegblock:

Kurz, Murner. Luth. Narr.
625
(
Straßb.
1522
):
Vß diesen woͤrtern werd geschetzt | Ob Christus hab ein babst ersetzt, | Den sie ab dilcken vnderston.
Ebd.
916
:
Das fasten ich wil dilcken ab, | Mein gůter gromen starb darab.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
126, 14
(
schwäb.
,
v. 1542
):
ir lutterischer prediger der wolt mit gantzen gwalt das meßhaben und sacrament abtulgen.
Leidinger, V. Arnpeck
672, 25
(
moobd.
,
v. 1495
):
ward di probstei abgetilgt und sand Benedicten orden aufgereckt.
Steer, Schol. Gnadenl.
6, 14
(
moobd.
,
15. Jh.
):
Dise gnad got allain beschäfft vnd ein guest der sel. Zum ersten ze ab tilgen vnd auf heben alle v̈bel vnd schuld.
Winkler, Flugschrr.
1975, 82
.
3.
›etw. leugnen, in Abrede stellen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Fuchs, Murner.
4
Ketzer 1850 Ü (˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Die sechst offenbarung / was belonung dem bapst würd, so er die rein entpfengknüß der můter gottes Marie abtilget.
4.
›etw. (z. B. Eintragungen, ütr.: Gedächtnisbilder) löschen, tilgen, zerstören‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.

Belegblock:

Neumann, Rothe. Keuschh.
683
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
das spricht sante Gregorius: | du bist gemalet van gotlicher dat | unnd hast einen guden meister gehat. | nu telge sin gemeltze nicht abe, | wiltu en zu frunde habe.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
74, 20
(
thür.
,
1474
):
daz dy frouwe Barbara [...] vor den rath komen ist unde sich der sechczig alden schog vorczogen unde dy hat heyßin ußthun unde abtelgen.
Vetter, Pred. Taulers
332, 8
(
els.
,
1359
):
alles das der mensche mit lust ie besas [...] das enwerde als gantz abgetilgget.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
2, 129, 29
(
1583
):
Sprach ich nit, du soltist min Bild abtylgen.
Chron. Augsb.
4, 217, 16
(
schwäb.
,
v. 1536
):
daß sie [underthanen] alle bilder [...] nit vermeilgen, uneeren, maculieren, plinden, abdilgen, bescheissen, zerstossen, zerprechen oder aincherlei schaden zůfiegen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
5, 17
(
moobd.
,
1478
/
81
):
das [...] aus aigner vernuft menschlicher gedächtnüss vor lang abgetilgt und als der staub zerflogen und vernichtt wär.
Diefenbach, Mlat.-hd.-böhm. Wb.
97
;
Pausch, Ital.-Dt. Sprachb.
176
;
201
;
Brack e
9 r
;
Serranus
20 v
;
Maaler
7 v
.
5.
›etw. (Schäden o. ä.) wiedergutmachen; (Sünde o. ä.) tilgen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
80, 175
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Ob er ain sund darinnen vint, | das er sie abtilket und swint, | mit reu, pus wider cheret.
Mayer, Folz. Meisterl.
100, 455
(
nobd.
,
um 1480
):
dein schand wurt nit abgetilgt in dir oder in deinem samen.
Turmair
4, 610, 30
(
moobd.
,
1522
/
33
):
das er [...] den schaden und unêr, römischem nam zuegefüegt, gar vergleicht und abtilgt.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
11, 123
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
das er abtilg der sünden scham, | die uns anerbent von Adam.
Ebd.
37, 12
:
das wirdig opfer brot und wein, | gemischt mit wasser chlar und fein, | das uns abtilg die ewig pein.
Voc. Teut.-Lat. a IV v (
Nürnb.
1482
):
Abtylgen [...] lauare. waschẽ [...] pessern. oder auß schulden komen. vel penitẽ. rewen.