aufmachen,
V.
1.
›etw. öffnen, aufbrechen‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 1, ,  2; vgl. ,  12,  4.
Syntagmen:
das loch / wammes, die haube / truhe, den laden a.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Jos. 10, 22
(
Wittenb.
1545
):
Macht auff das loch der Höle / vnd bringet erfür die fünff Könige.
Ebd.
Hiob 12, 14
:
Sihe / [...] Wenn er jemand verschleusst / kan niemand auffmachen.
Skála, Egerer Urgichtenb.
63, 19
(
nwböhm.
,
1569
):
der Dickh hab dj Truhen mit der hacken vfgemacht.
Ebd.
106, 13
;
Ulner
44
;
Rwb
1, 900
;
Schweiz. Id.
4, 39
.
2.
›etw. aufbauen, errichten‹; fachtextlich ohne Obj.: ›Verkaufsstände aufbauen‹.
Obd.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  4,  9.
Syntagmen:
ein bild
(›Statue‹)
/ gericht
(›Galgen‹)
/ grab / rad
(›Folterinstrument‹)
/ werk, einen altar / galgen / scheiterhaufen, eine betstat / büne / mauer a.

Belegblock:

Chron. Nürnb.
2, 28, 10
(
nobd.
,
1438
):
man het in der kirchen hinten ein schwartz grab aufgemacht, do prunen auf mer dann 400 wechsen kirtzlein.
Gille u. a., M. Beheim
79, 323
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
er [chung] lies in wol zu angesicht | auf machen rat und galgen | Zu ainer warnung.
Sachs
8, 672, 14
(
Nürnb.
1557
):
Ließ sie ein grosen scheytter-hauffen | Auffmachen hoch bey irem schloß.
Adrian, Saelden Hort
8370
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
ain himeltz uf gemachen | sach man och da Marien.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
157, 12
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
lyeß er ain stuel in der statt auffmachen, darauf saß er gekronet.
Roth, E. v. Wildenberg
77, 31
(
moobd.
,
v. 1493
):
tzv ainer ebigen gedachnvs lie er sich [...], avch seinen havbtman [...] avfmachen in dem gotzhavs.
Turmair
5, 461, 15
(
moobd.
,
1522
/
33
):
berüefet der kaiser ein reichstag [...] und lies alda ain pün [...] aufmachen.
Winter, Nöst. Weist.
4, 58, 18
(
moobd.
,
1477
/
94
, Hs.
16. Jh.
):
so man das gericht aufmacht, das der müllner zu Trautmanstorff [...] das soll zimmern.
Rupprich, Dürer
1, 151, 62
;
Chron. Nürnb.
4, 327, 12
;
5, 492, 4
;
Chron. Augsb.
8, 360, 16
;
Turmair
4, 94, 21
;
Winter, a. a. O.
1, 127, 27
;
Rwb
1, 900
;
Schweiz. Id.
4, 39
.
3.
›etw. aufzeichnen, schriftlich festhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  1.

Belegblock:

Roder, Stadtr. Villingen
204, 27
(
önalem.
,
1622
):
es solle auch von dem würth [...] aller wein und brot ordenlich ufgemacht [...] werden.
Schweiz. Id.
4, 40
(
1. H. 16. Jh.
).
4.
›(jm.) etw. vermachen, rechtsförmlich als Erbschaft übertragen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  8.

Belegblock:

Rwb
1, 900
;
Schweiz. Id.
4, 40
(a.
1482
).
5.
›sich aufrichten, seine Kräfte zusammennehmen (nach einer Verwundung); aufstehen (von einer Krankheit)‹; ütr.: ›nach oben dringen, aufsteigen (von Dämpfen)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
179, 7
(
thür.
,
1474
):
(da) habe sich yr vater uffgemacht, erhabin unde gekrochen so lange, daz er in syn huß komen ist met sollichen blutigen wunden.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
108, 26
(
oobd.
,
1349
/
50
):
daz der dunst in der erden sich auf macht und twingt sich durch alle die lüeger.
Preuss. Wb. (Z)
1, 243
.
6.
›sich aufmachen, aufbrechen, sich wohin begeben‹; ütr.: ›sich (zu Gott) begeben, sich (zu Gott) hinwenden‹; Synekdoche zu 5.
Bedeutungsverwandte:
,  67, (V.) 1, ; vgl.
1
 12,
1
 1,  3,  1.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 221, 20
(
nrddt.
,
1551
):
haben die feinde sich mit zweyen fhenlin aufgemacht und nach der klausen hinter die Magdburger angedrenget.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
3961
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Hîvon sî sich ûf machtin | und nach den vîendin gâchtin.
Chron. Köln
3, 566, 7
(
Köln
1499
):
so macht sich ein iglicher up [...] ind liefen heimwart zo sime harnesch ind wapenden sich.
Feudel, Evangelistar
3, 8
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
In der czit machte sich uf Maria unde gynk in das gebirge.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
2715
(
omd.
,
1338
):
ab tu | In rechter andach und vru | Dich uf zu Gote maches | Und betes.
Luther. Hl. Schrifft.
Luc. 15, 18
(
Wittenb.
1545
):
Jch wil mich auffmachen vnd zu meinem Vater gehen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
195, 19
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
hat sich (der) recht hauff des Turcken mit vil gefangner Kristen aufgemacht und aus dem lannd zyhen wellen.
Turmair
4, 450, 35
(
moobd.
,
1522
/
33
):
macht sich Hannibal in Hispanien auf mit herskraft.
Feudel, a. a. O.
92, 6
;
Luther, WA
41, 532, 11
;
Sachs
14, 56, 30
;
Eschenloher. Medicus
75, 27
;
Grossmann, a. a. O.
143, 27
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
101, 9
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
18, 2
;
Schöpper
38a
;
Dietz, Wb. Luther
1, 136
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 243
.
7.
›etw. zubereiten, in den ihm eigenen Gebrauchszustand bringen‹; mit sehr unterschiedlichen Bezugsgrößen: ›(Holz) zubereiten, sammeln‹; speziell: ›aufschichten‹; ›(Heu) machen, trocknen, dörren, ernten‹; speziell: ›auf Haufen setzen‹; ›(geschlachtete Tiere) zerlegen, ausbeinen, für den Verkauf zubereiten, verkaufsfertig machen‹; ›(Münzen) prägen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1, ,  2.

Belegblock:

Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
3, 268, 44
(
mosfrk.
,
E. 16. Jh.
):
wan die gemein das hew aufmachen, wird geben 1 rocken mutsch.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 98, 23
(
schles.
,
1543
):
soll der münzer allezeit uns solch geld wiederum am gemunzten golde darstellen und uberantworten, dobei von yder wenerischen mark aufgemacht werk von dem schlegeschaze fünf ort eines hungerischen guldens.
UB Zug
1166, 59
(
halem.
,
1473
):
als der obgenant her Hans Herrter [...] broͤnnholtz in des vilgenanten von Herttistein holtz gehúwen und uffgemachet hat zuͦ sinem huß.
Welti, Stadtr. Bern
414, 2
(
halem.
,
1484
):
semlich obgeluͥtert vnnuͥtz holtz [...] gewalt haben sullent, armen luͥten von der gemeind ze erlouben, vfzemachen vnd dannen ze fuͤren.
Maaler
34v
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
464, 32
;
Rwb
1, 900
;
Pfälz. Wb.
1, 385
;
Schweiz. Id.
4, 39
.
8.
›etw. (z. B. ein Buch) schön gestalten‹; ›jn. (auch: sich) aufputzen, schminken‹; als Synekdoche: ›jn. verkuppeln‹.

Belegblock:

Apherdianus
108
(
Köln
1575
):
Expolire, concinnare librum, ein buch auffmachen / außbotzen.
Bihlmeyer, Seuse
448, 6
(
alem.
,
14. Jh.
):
die sich vor vinlich uff mahtent, wie sú der minne gelagetin, die bergent sich nu.
Barack, Teufels Netz
2395
(
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Denn si was ain hoffertig wip: | Das hab dir von uffmachen dinen lip. | Hettest din antlit tuond bestrichen.
Turmair
4, 386, 16
(
moobd.
,
1522
/
33
):
so ernstlich sein und auf die rais herfürputzt und aufgemacht.
Mollay, Ofner Stadtr.
287, 3
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
dÿ alten hellen Rigel, dÿ posen weip [...], dÿ frawen Ader Iuncfrawen auf maͤchen Vnnd czu vnkeuschait pringenn.
9.
›etw. beseitigen, entfernen, wegräumen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,
1
, ,  1.

Belegblock:

Müller, Grafsch. Hohenb.
2, 269, 39
(
schwäb.
,
1453
/
4
):
Zway knehten von dem müst vor der burg uffzemachend 4 ß.
10.
›etw. verbrauchen, vergeuden, verschwenderisch durchbringen‹.

Belegblock:

Schöpper
25a
(
Dortm.
1550
):
Dilapidare. Vergeuden [...] verschwenden verschlaudern verschlemmen verdemmen verzeren auffmachen verthuͦn auffreiben verzechen verprauchen herdurch bringen herdurch schlahen verbrassen vffwenden verschwelgen.
11.
›aufspielen‹.
Syntagmen:
meist abs.;
zu tanz a., mit der pfeife / schalmei a.
Wortbildungen:
aufmacher
3.

Belegblock:

v. Keller, Ayrer. Dramen
2057, 21
(
Nürnb.
1618
):
Man macht auff
[als Regieanweisung].
Haszler, Kiechels Reisen
26, 32
(
schwäb.
,
n. 1589
):
Es sein auch verordnet trometer, derer bey 15 in dreyen glüdern wahren, also yeder zeüt 5 zu mahl ufmachten.
Schweiz. Id.
4, 41
.