hertigkeit,
hartigkeit,
hertekeit,
einmal
hertligkeit,
die
.
1.
›Härte, Festigkeit (von Materialien)‹;
zu (Adj.) 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.
Gegensätze:
.

Belegblock:

Böhme, Morg.R.
155, 31
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Die hartigkeit ist der Quell-brunn des thones.
Voc. Teut.-Lat. o iiijv;
Schmitt, Ordo rerum
458, 17
.
2.
von Körperteilen: ›Verhärtung, Verstopfung‹; Spezialisierung zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.
Syntagmen:
die h. der leber, des geäders, die h. in dem leib
.

Belegblock:

J. W. von Cube. Hortus
94, 15
(
Mainz
1485
):
diß wasser ist nit also krefftig daz eß moge erweychen die hertikeyt in dem lybe.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
366, 4
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wer si [cappar] seudet mit wein, sô ist si guot für des milzes laster und für der lebern hertikait.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
240r
, 15;
3.
›Strenge, Unnachgiebigkeit, (strenge) Zucht, (moralische) Härte‹, im Kontext des klösterlichen Lebens auch: ›Askese‹;
fließender Übergang zu 4; zu (Adj.) 6.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  2,
2
.
Gegensätze:
 1.
Syntagmen:
die dienstliche h., die h. der fastung / gebetung / sitte, des gebotes / lebens / ordens
;
der geist der h
.

Belegblock:

v. Tscharner, Md. Marco Polo
64, 30
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Von den epgotern czu India di do mydin alle sunde, und von ungeloubelichir hertikeit iris lebins.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
510, 34
(
nobd.
,
n. 1525
):
ye mer wir geflohent und undertenig bitt gegen ewer erber weyshait ausgossen, ye mer hertigkait haben wir empfangen.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 765
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
das niderste teil vnser selbes, daz vihelich ist [...], daz muͤße wir hassen vnd durchehten vnd pinigen mit penitencien vnd mit hertikeit des lebendes.
Koller, Ref. Siegmunds
189, 25
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
als hert sich sant Benedict und sant Bernhart hylten mit strengem leben, mit vasten, mit wachen und mit aller hertikeit.
Ruh, Bonaventura
339, 2
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
fleiß dich ze haben ainen wandel nach dem bild der nǎchn folgung Cristi: in hertigkait dir selbs, in güttigkait deim nächsten.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
71, 25
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
wa man vernimpt die hertichait pesunder armuͦt, fastung, gepetung vnd der auswendigen sitten, so derschaͤlt snell ir don in allew dew welt.
Reissenberger, Väterb.
20155
;
Hübner, Buch Daniel
5371
;
Ruh, a. a. O.
327, 13
;
Goldammer, Paracelsus
2, 254, 16
;
Koller, a. a. O.
335, 12
;
Hohmann, a. a. O.
69, 105
.
4.
›Unbarmherzigkeit, Hartherzigkeit, Gefühllosigkeit, Unmenschlichkeit‹;
zu (Adj.) 6.
Beinahe ausschließlich Texte der Sinnwelt ,Religion‘.
Gegensätze:
 1; vgl. ,  2,  1.
Syntagmen:
die h. sanft machen, h. befinden, h. von jm. sagen / gegen jm. pflegen
;
jn. mit h. stechen / stossen, etw.
(Subj.)
von h. kommen, jn. um seiner h. bestrafen
;
die innerliche h.
;
die h. des herzens
.

Belegblock:

Schöpper
19b
(
Dortm.
1550
):
INHUMANITAS. Haͤrtigkeit vnfreundtlichkeit vnguͤtickeit.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 70, 8
(
Köln
1583
):
Mach sanfft alle Hertligkeit, | Was kalt ist, mach warm alzeit.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
511
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Hastu yemans zu keinre stunt | Mit hertikeit gestossen odir gestochen.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
166
(
Nürnb.
1517
):
vil haben Christum gesehen leiplich am kreuz und doch in hertikeit ires herzen verhart.
Jostes, Eckhart
55, 15
(
14. Jh.
):
Di leidung meiner freunt chumt nicht von herticheit sunder von der mittelsten mittelcheit meines hertzen.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
1, 72, 4
(
Straßb.
1466
):
vmb die hertikeit ewers hertzen gestat eúch moyses zelassen ewer weib.
Päpke, Marienl. Wernher
12293
(
halem.
,
v. 1382
):
Och etlich umb ir hertekait | Bestraffet er [Ihesus] mit miltekait.
Schönbach, Adt. Pred.
35
;
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
13, 23
;
Sachs
17, 115, 31
;
Kehrein, a. a. O.
1, 262, 3
;
Adrian, Saelden Hort
10155
;
Rieder, St. Georg. Pred.
264, 9
;
Vetter, Pred. Taulers
283, 31
;
Dierauer, Chron. Zürich
85, 14
;
Turmair
4, 49, 17
.
5.
›Hartnäckigkeit‹; oft pejorativ: ›Verstocktheit, Eigensinnigkeit‹;
zu (Adj.) 7.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion‘.
Syntagmen:
in der h. bleiben
;
die h. des esels / sinnes / streites
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
14160
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Das ist irs sinnes hartikeit, | Den sie kegen Gote tragen.
Fischer, Brun v. Schoneb.
11831
(
md.
, Hs.
um 1400
):
vrouwe, dines strites hertikeit | hat irvochten manichen sige.
Schönbach, Adt. Pred.
12, 17
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
die herticheit des eseles gelichet sich wol deme sundere.
Vetter, Pred. Taulers
409, 1
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
die andern die blibent in irre hertekeit und wellent alle zit reht haben.
Bauer, Imitatio Haller
93, 20
(
tir.
,
1466
):
darumb so peleib wir also in vnser herttikchait vnd trakchait.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
9, 28
;
Sachs
19, 17, 1
;
Chron. Strassb.
710, 1
;
Bauer, a. a. O.
79, 29
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 49
.
6.
›Standhaftigkeit, unbeugsame Gesinnung‹;
vgl. (Adj.) 78.
Bedeutungsverwandte:
 2; vgl. ,  2, , , (
die
1.

Belegblock:

Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
98, 4
(
tir.
,
1464
):
si chümmret sich vast in irem gemüet mit grossem schmerczen vmb die stëttikchait vnd hërttikchait der selbigen chloster frauen.
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 496, 26
.
7.
›Anstrengung, Mühsal, Beschwerlichkeit‹;
fließender Übergang zu 8; zu (Adj.) 11.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  6.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron.
98, 21
(
mfrk.
,
1. Dr. 15. Jh.
):
Und hatten grose noit und mit groser hartekeit behielten sie er stat.
Lutz, Buch Alfadol
56
rb, 7 (
obd.
,
n. 1478
):
Du wirst deinen feind mit grosser hertikeit uberwinden wan er ist starke.
Reissenberger, Väterb.
1752
;
Turmair
4, 561, 14
.
8.
›Schmerz, Qual (sowohl physisch als auch psychisch)‹; im religiösen Kontext auch: ›Anfechtung‹; Intensivierung zu 7.
Bedeutungsverwandte:
2
, (
das
1, ; vgl. , (
das
2,  15,  1.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
die grausliche / unmenschliche h
.

Belegblock:

Asmussen, Buch d.
7
Grade 1696 (
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
swen uns ansprunge | hertikait oder pekorung, / | jomer oder trauren.
Bihlmeyer, Seuse
197, 5
(
alem.
,
14. Jh.
):
do wart im
[Seuse]
dú vorder hertikeit verkeret in ein minneklich suͤzikeit.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 96, 5
(o. O. [
Bodenseegeb.
]
1517
):
Eua [...] ire kind gepar | Jn hertikait vnd grossem schmertz.
Asmussen, a. a. O.
360
;
Chron. Nürnb.
3, 51, 24
;
Bihlmeyer, a. a. O.
273, 31
;
Heydn. maister
36r
, 23.