hertiglich,
härtiglich,
hertlich,
Adv.;
sehr selten ohne Uml.
1.
›hart, fest‹; zu (Adj.) 1.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. 2, 7.

Belegblock:

Schmitt, Ordo rerum
710, 20
(
omd.
,
1466
):
Duriter hertlich [...] vastlik hartlik.
Voc. Teut.-Lat.
o iiijv
.
2.
von Verbänden, Fesseln o.ä.: ›straff, fest, eng‹; zu (Adj.) 2.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
2
, 5, 1, 1, .

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm (
preuß.
,
1331
):
Alsust in slafes twalme | Samson verschoz di palme | Und hertlich wart gebunden.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1610
):
Die Juͤden fingen ihn grimmiglich, | Vnd bunden jn gar hartiglich.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
39, 88
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
tue die herz genaden rich | hertikleich beklammen.
Stedtfeld, Roger-Glosse
73
;
Kehrein, a. a. O. ;
Schib, H. Stockar
4, 19
.
3.
›streng, energisch, unerbittlich, erbarmungslos‹; oft zur Charakterisierung von (göttlichen) Geboten und Strafen; zu (Adj.) 6.
Bedeutungsverwandte:
(Adv.) 7; vgl. (Adj.) 6, 1, , , (Adj.) 3, 1, .
Gegensätze:
vgl. 2.
Syntagmen:
jn. h. (be)strafen
(sehr häufig)
/ bitten / fragen / halten, etw. h. gebieten / verbieten, h. mit jm. reden
;
die hertigliche durchächtung
.

Belegblock:

Kohler u. a., Peinl. GO Karls V. (o. O.
1532
):
das man solliche Buben nit leidenn, Sonnder annemen, herttigklich fragen vnnd vmb jre Misshendell mit ernst straffenn soll.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
55, 1
(
omd.
,
1487
):
Es [dÿe su̇nde des ehbruchs] wirtt auch herttiglich vorbotten, durchs geistliche recht.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
Es hat auch got yn den zehn geboten [...] die feier des sontagis hertlichen geboten zu halden.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
92
(
Nürnb.
1517
):
Von dannen straft got vilmals in higer zeit schwerlicher und hertiglicher den erwelten dann den verworfnen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
83, 31
(
els.
,
1362
):
Helena des keysers muͦter in Bethania [...] stroffete in [Constantinus] vil hertekliche das er der iuden got hette gelossen.
Schmidt, Rud. v. Biberach
35, 6
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Merkent, das got in mengen weg mit vns ret: Etwenne hertlich vnd straffende als in apocalipsi got sprichet.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
dann so gott die waldvögelin also hertigclich gestraft hat, daß sie hungers tod sein.
Ebd. (
1544
/
45
):
wo es ainer so gefarlich übet oder trib, den will ain rat nach gestalt der sachen hertigklichen darumbe straffen.
v. Bunge, Livl. UB
4, 750, 37
;
Bihlmeyer, Seuse ;
Rieder, St. Georg. Pred. ;
Vetter, Pred. Taulers ;
Tobler, Schilling. Bern. Chron. ;
Heydn. maister
12v, 5
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. .
4.
›beständig, hartnäckig, beharrlich‹; vgl. (Adj.) 7; 13.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , , (Adj.) 2; 3.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
wie lyt der Judde uff dem unglauben alßo hertlich.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Hertigclich der mentsch in sind fellt, | Ellend auch darin bleibt.
Klein, Oswald
113, 37
.
5.
›mühevoll, beschwerlich; mit Anstrengung, auf schwierige Weise‹; zu (Adj.) 11.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , 1, 1, 6, 1.
Syntagmen:
h. streiten
;
jm. h. dienen, etw. h. gewinnen / kaufen / treiben
;
h.
[wo]
leben
.

Belegblock:

Palm, Veter Buoch (
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
wan die gewonheit was in scyti, das man gar herteclich da lebete.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1388
):
so ist daz fuzvolk [...] gezogt fuͤr die egenanten Newenbuͤrg und [...] haben daz herticlichen und mit rehtem sturm gewunnen und awz geprant.
Niewöhner, Teichner
220, 2
(
moobd.
,
1360
/
70
):
Wer dez gicht, daz himelreich | sey ze chauffen hertichleich, | der verstet nicht recht dw maͤr.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
die 12 geslächt alle mussten den von Egipti hertigklichen dienen.
Gereke, Seifrits Alex.
7911
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
73, 35
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 357
.
6.
zum Ausdruck körperlicher Empfindungen: ›grausam, schmerzlich, qualvoll‹; zu (Adj.) 11.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 2, (Adj.) 3, 3, .
Syntagmen:
jn. h. geisseln / martern / peinigen / schlagen, js. leib h. schiessen / schlagen / stechen
.

Belegblock:

Dierauer, Chron. Zürich
19, 1
(
halem.
,
1415
/
20
):
do si die abgoͤtt nicht wolten anbetten, do hieß er [Decius] si nakent ußziechen und an ein sul binden und si da hertenklichen geislen.
Heydn. maister
36v, 9
(
Augsb.
1490
):
Vnd thaͤt in hertiklich peÿnigen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
er
[Bischof Heimran]
ward hertigklich gemartert, nach ausweisung seiner legend.
Hübner, Buch Daniel ;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1553
;
Roth, E. v. Wildenberg .
Vgl. ferner s. v. 3.
7.
›heftig, kräftig, stark‹; zu (Adj.) 14.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 3, 1; 2, 1.
Syntagmen:
h. arbeiten / weinen, jn. h. schlagen / verklagen / verwunden, jn. h. zu etw. nötigen, jn. mit etw. h. erzürnen, etw. h. fürchten
.

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
1601
):
Man redt auch zue Magdeburg offentlich, das die von Leipzig Hertzoge Jurgen zue Sachsen gar hertiglichen und mit einem Drancksal sollen genöthigt haben, [...] die strasse von Magdeburg [...] in keinem wege zu versperren.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
77, 17
(
omd.
,
1487
):
Johānes [...] schreÿbett von eÿnem smÿde derselbe tegelich gar hertiglich geerbeitt vnd keinen heilgen tagk gefeÿertt hatt.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Das ich noch ye so herteclich | Mit meim gesang erzurnte dich.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1550
):
seind [...] all trabanten des vogts sambt im hertigclichen verwundt worden.
Große, Schwabensp. ;
Adrian, Saelden Hort
2705
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
78, 17
.
8.
›unfreundlich, barsch‹.

Belegblock:

Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Hútt das du icht redest kein dinge herticlich wider jacob.