grobheit,
grobkeit,
grobigkeit
(letzteres selten),
die
;
-Ø/–
.
1.
›Größe, Ausmaß‹; ütr.: ›Deftigkeit (von Speisen)‹;
vgl.  1.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 151, 6
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Diu sêle hât ouch eine kraft in dem ougen, dâ von ist daz ouge sô kleinlich und sô verwenet, daz ez diu dinc niht ennimet in der gropheit, als sie an in selber sint.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
10519
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Das ich eben han gewonheit | Groß brot odir wiß in zu sacken | Als viel guder spisen zu lecken; | Eben als wol die grobekeit | Als die gude spise mich lecken deit.
Strauch, Par. anime int.
99, 2
(
thür.
,
14. Jh.
):
si ist zumale ein lutir geist sunder alle materielichkeit und alle gropheit, groze, lenge, breite, alleine si geistliche groze habe.
2.
›Rauheit, Unebenheit; Abgegriffenheit, Verbrauchtheit, schlechter Qualitätszustand, Wertlosigkeit‹; ütr.: ›Häßlichkeit‹;
offen zu 4; vgl.  2.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
2, 627, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
als der ein edel zwî pflanzet in einen groben stok, dâ wirt alliu vrucht nâch der edelkeit des zwîs und niht nâch der gropheit des stockes.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
30, 7
(
hess.
,
14. Jh.
):
daz den susteren in meslichen steden gnugen sollen einir ieclicher [...] eynen rog, die cogele [...] socke und hosen. von der varben und der grupheide insollen die sustere nit clagen.
Voc. Teut.-Lat. n jv (
Nürnb.
1482
):
Grobheit des antlutz. crepudia.
Vetter, Pred. Taulers
121, 4
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Dem die goͤtteliche hitze in der minnen fúre alle fúchtekeit und gropheit und ungelicheit hette abgezogen, der verlúret sich in der gotheit.
Anderson u. a., Flugschrr.
23, 23, 10, 4
([
Augsb.
]
1525
):
Das die hoͤchsten glyder / auch die nydersten nit verschmaͤhen / Sonder lieb haben vnd denen verschenlich vnd trew seyn / vnangesehen der füß grobhait.
Henisch
1748
(
Augsb.
1616
):
Grobheit / rauhe / herbe / asperitas.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
235v, 1
;
3.
›Stofflichkeit, Materialität, Körperlichkeit, materielle Beschaffenheit‹;
vgl.  3.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
32, 21
(
14. Jh.
):
Nicht alzo daz wir ewiclichen in got waren in der gropheit, do wir nu an sein, wir waren ewiclichen in got alz deu chunst in den meistern.
Strauch, Par. anime int.
60, 4
(
thür.
,
14. Jh.
):
wan di zusamine gefugit sin mit der helfe des himmillischin libis, so sprechin si also daz di gropheit der element abe geͤ und die behendikeit und di subtilikeit des himmillischen libes beste.
Ebd.
124, 28
:
alse daz fuir und der stein foreinen sich, doch wan sie beide liplich sin, so blibit der stein dicke kalt fon binnen durch die gropheit des steines.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
381, 22
(
oobd.
,
1349
/
50
):
die andern art hât si [diu wermuot] von der grobhait ires saffes und die eͤrsten hât si von irr hitz.
4.
›Härte, Sperrigkeit‹;
vgl.  4.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Vetter, Pred. Taulers
120, 32
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
das fúr wúrcket in daz holtz und benimmet ime die fúchtekeit, die gruͤnekeit und die grobekeit.
Maaler
331r
.
5.
›Ungebildetheit, menschliche Unzulänglichkeit, Dummheit, Stumpfsinnigkeit bezüglich religiöser Erkenntnisfähigkeit; Unkultiviertheit, Roheit, Rüpelhaftigkeit, Unhöflichkeit, Derbheit (vom Menschen und dessen Handlungen)‹; im positiven Sinne: ›naive Einfältigkeit, Einfachheit‹;
zu  6.

Belegblock:

Schöpper
7a
(
Dortm.
1550
):
Intellectus obtusus. Vnuerstand grobheit hartsinnigkeit duͤmme.
v. Ingen, Zesen Rosenw.
65, 31
(
Hamburg
1646
):
Eben also wuͤrd auch [...] deine wilde grobheit von deinem Roselieb noch endlich gezaͤhmet.
Luther, WA
52, 841, 25
(
1534
):
Das ist ja eine grosse Grobheit und starre hertigkeit, Das Thomas nicht ehe gleuben wil, er sehe es denn mit Augen und tappe es mit Feusten. Dennoch tregt und duldet Christus solche Grobheit und Hertigkeit.
Quint, Eckharts Trakt.
55, 11
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Nû mac man bekennen und wizzen gropheit der liute, die geminlîche wunder hânt, sô sie sehent guote liute smerzen lîden.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
464
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Das inn uch sij keine grobkeit, | Keine frecheit odir boßheit.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 84, 12
(
Frankf.
1557
):
wuͤßt eben vom Christen Glauben | So viel die Blinden vnd die Tauben | Von Farben vnd von Orgelpfeiffen: | Koͤnt auch fuͤr grobheit nit begreiffen.
Thiele, Minner. II,
12, 185
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
Auch soltu ynne underrichten | zu lust unnd hohem mute, | all grobheitt vonn ym schlichten.
Opitz. Poeterey
56, 28
(
Breslau
1624
):
da sie sich denn vber jhren vnverstand vnd grobheit nach der lenge beklagen moͤgen.
Pyritz, Minneburg
695
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Ob ich ditz buchlin wolde | betichten, als ich solde, | Und solt im sin gropheit luttern | Mit wilder worten reinen krutern
(im Gegensatz zum Ideal des geblümten Stils).
Gille u. a., M. Beheim
100, 60
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Dar ümb das sy in [Noe] erten | und verdakten im seine scham, | als in verspotet sein sun Ham. | umb die grobhait vil herte.
Fastnachtsp.
52, 26
(
nobd.
,
v. 1486
):
Herr wirt, habt uns fur kein ungelimpf | Unser grobhait und nerrisch parn!
Chron. Nürnb.
3, 167, 14
(
nobd.
,
1488
):
wir teutschen verachten das, wann unser groß grobheit versagt uns gedechtnus der künftigen.
Mayer, Folz. Meisterl.
46, 12
(
nobd.
,
v. 1496
):
Die werden gar genante | Auß grobheit deiner dunnen wicz.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 945
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Aber ist es, daz wir sinneliche glichnisse setzent vmb gropheit der sinne.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
8, 352, 14
(
Straßb.
1466
):
er hat nichtz nit in seinen sprúchen das do beurisch oder grob laut oder das zů gemischet sey der einueltigen grobheit.
Bihlmeyer, Seuse
162, 29
(
alem.
,
14. Jh.
):
daz er ist, got sie, und es der mensch von siner grobheit nit erkenne.
Ebd.
293, 21
:
schúzzig gedenke koment allein von grobheit der sinnen.
Barack, Zim. Chron.
2, 160, 15
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
[Die] haben im sein dorheit und grobkeit wol verwisen, darbei anzaigt, das er mit den fürsten dergestalt nit handln müesse.
Rot
292
(
Augsb.
1571
):
Barbarei, Grobhait / von vnkoͤnnenden vñ vngelerten leuten. Jtem die ort vnd wo solche grobhait regiert. Die Greci haben etwa auß hochfart alle andre Nationes so nit jhrer sprach vnd sitten waren / Barbaros, geheissen.
Henisch
1748
(
Augsb.
1616
):
Grobheit deß verstands / vngeschickligkeit / verfahrenheit / vnwissenheit / vnfreundtligkeit / sinnlose grobheit / barabaries.
Drescher, Hartlieb. Caes.
122, 29
(
moobd.
,
1456
/
67
):
Der glokner oder mesner derselben kirchen was in solcher grobikait und roher gewissen das [...].
Panzer, Merlin Füetrers
5, 2
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Fraw Mynn, des ich getagen | sollt durch grobhait der diet.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
58, 29
(
Venedig
1483
):
alle vͤbung in strenge tugenden duͤncket sie aͤin grobhaͤt. Sie achten der lerer die die schriefft vil gelesen haben nicht.
Luther, WA
10, 3, 180, 15
;
17, 2, 224, 12
;
47, 365, 40
;
52, 842, 31
;
Quint, Eckharts Pred.
2, 632, 4
;
Wyss, Limb. Chron.
79, 22
;
Bihlmeyer, a. a. O.
5, 4
;
Voc. Teut.-Lat. n jr; ff vv;
Rot
348
;
Volkmar
546
;
Schwäb. Wb.
3, 847
;
Dietz, Wb. Luther
2, 171
.
Vgl. ferner s. v. , ,  1, (Adj.) 8.
6.
›Ungenauigkeit‹.

Belegblock:

Rot
318
(
Augsb.
1571
):
Incongruentz, Vnfuͤgsamkeyt / vngereimbts / mißhellung / vnbustrigkeyt / grobheit.