ansprechen,
V., unr. abl.
1.
›jn. ansprechen, nach etw. fragen; jn. zur Rede stellen‹; vereinzelt: ›jn. verhören‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  2,  7,  2,  18.
Syntagmen:
jn.
(
freundlich / friedlich / gnädiglich / mit harten worten
)
a.
;
jn. der rede a.
;
jn. mit keinem wort a.
›jn. unbeachtet lassen‹.

Belegblock:

Schmidt, Frankf. Zunfturk.
2, 309, 23
(
hess.
,
1577
):
Es soll keyn meyster seyn lehrjungen [...] auff dye herbergk schicken, dye frembden gesellen anzusprechen.
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 6
(
thür.
,
1385
):
den [esil] losit vnd brengit mir en, vnd spricht uͦch ymant doruͦmme ane, so sprecht.
Skála, Egerer Urgichtenb.
29, 1
(
nwböhm.
,
1562
):
Als man ihn nun wider anges Prochen bekhennt, Er [...].
Geier, Stadtr. Überl.
512, 7
(
nalem.
,
1560
):
soll ain jeder underthon [...] unbekannte personen ob den straassen, [...] mit böstem glimpf und guͦter beschaidenhait ansprechen und fragen.
Chron. Augsb.
6, 56, 10
(
schwäb.
, zu
1533
):
darnach man widerumb rath gehabt, hat man ine der red angesprochen, ob er des willens noch sei.
Rauwolf. Raiß
19, 11
([
Lauingen
]
1582
):
Gleich im lenden traffén wir drey raysige Türcken an / [...] die liessen vns durch jren Dolmetschen ansprechen / vnnd fuͤren zuͦ jhrem Obersten.
Chron. Köln
1, 175
;
Rauwolf. a. a. O.
22, 20
;
Dietz, Wb. Luther
101
/2;
Maaler
26v
;
Bad. Wb.
1, 61
;
Schweiz. Id.
10, 765
;
Rwb
1, 733
.
2.
›jn. bittend ansprechen, jn. um etw. bitten, ersuchen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3,  5,  1,  2.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
2, 4, 47
(
Frankf.
1557
):
Der Freundtschafft muß ich mich anmassen, | Vnser blutgwanten sprechen an.
Skála, Egerer Urgichtenb.
91, 13
(
nwböhm.
,
1572
):
hab ein Zween Pauern In der Scheun Vmb herberg Ahnges Prochen.
Wickram
4, 32, 21
(
Straßb.
1556
):
nam er im entlich für / den alten herren umb die tochter anzuͦsprechen.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
140, 10
(
mslow. inseldt.
,
1612
):
hatt śie einen Ehrśamben Rath bittlichen angeś Prochen.
Lichtenstein, Lindener. Rastb.
49
;
Geier, Stadtr. Überl.
595, 40
;
Dietz, Wb. Luther
101
/2;
Crecelius
35
;
Pfälz. Wb.
1, 281
;
Rwb
1, 733
.
3.
›jn. zu etw. (in allen Belegen: zum Kampf oder gerichtlichen Zweikampf) herausfordern‹.

Belegblock:

Koppitz, Trojanerkr.
6521
(
halem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
Pariss, der ritter usserlessen, | Kampffes angesprochen ward.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
21, 26
(
moobd.
,
1305
):
Ob dehain purger wird angesprochen umb ein champhe.
Turmair
5, 529, 14
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Das missfiel herzog Ernsten, sprach den Penzenauer darumben an und schlueg im ein wunden.
Piirainen, Stadtr. Sillein
47a, 6
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Von bruͤen Von chemphe an sprechen.
Schwäb. Wb.
1, 264
;
Wmu
1, 106
.
4.
›jn. mit Zaubersprüchen ansprechen, jn. beschwören, jn. segnend anrufen‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Turmair
4, 908, 14
(
moobd.
,
1522
/
33
):
wie die Marcmannen aus verordnung und bevelch kaisers Marci Antonini mit etlichen besundern geistlichen segnen und peten angesprochen und dermassen verpant wärn.
Ebd.
964, 10
:
Nach derselbigen mainung muest man die stat Rom wider weihen und gesegnen und ansprechen.
Ebd.
5, 91, 14
:
Auf träum, zauberei, segen, ansprechen, vögel, sternsehen, täg solt niemand nichts halten.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
262, 21
(
oobd.
,
1349
/
50
):
si [diu slang] hât ain kündichait wider daz ansprechen, wan si druket ain ôr auf die erden und verschoppet daz ander ôr.
Turmair
4, 909, 17
;
Giustiniani, Adam v. Rottw. A
1706
.
5.
›jn. als jn. in einem bestimmten Status (z. B. als Herren) oder in einer bestimmten Eigenschaft (z. B. als leibeigen) ansehen, betrachten, behandeln‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 5,  3.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
180, 30
(
thür.
,
1474
):
hat her denselbin Hanßin Smeden vor synen entrunnen man angesprochin.
Luther, WA
41, 626, 23
(
1536
):
Deus spricht mich offentlich urteil fur ein todschläger fratris an.
Mayer, Folz. Meisterl.
32, 101
(
nobd.
,
v. 1496
):
der wirt yn allß ein dib an sprache.
Koller, Ref. Siegmunds
86, 16
(Hs.
um 1475
):
einer spricht den andernn an fur eygen.
Turmair
1, 248, 31
(
moobd.
,
1529
):
west er nit, wen er für ain fürsten, herren oder knecht sol ansprechen.
Ebd.
4, 1105, 7
;
Welti, Stadtr. Bern
245, 17
;
Geier, Stadtr. Überl.
27, 9
;
Brinckmeier
1, 111
;
Schweiz. Id.
10, 765
.
6.
›jn. zu etw. anstacheln, bewegen, veranlassen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  5,  1.

Belegblock:

Sachs
15, 545, 3
(
Nürnb.
1563
):
Derselbig offentlich bekennt, | Bischoff Stephanus an dem endt | Hett ihn zu diser sach angsprochen | Und mit vil geldes ihn bestochen.
7.
›jn. einer Forderung halber oder eines Vergehens wegen verklagen, jn. beschuldigen, Ansprüche gegen jn. erheben, jn. rechtsförmlich belangen, gegen ihn vorgehen‹.
Syntagmen:
jn. a.
;
jn. um etw.
(Forderung oder Vergehen)
a.
(oft),
jn. e. S.
(Gen.)
a., jn. etw.
(Akk.)
a., jn. von etw. a.
;
jn. a., das [...]
;
jn. fälschlich a.
Wortbildungen:
ansprechung
3.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
143a, 10
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
hat aber her iz gesen, der in an sprichet.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
216
(
mrhein.
,
um 1335
):
Die was des anegesprochen, | sie hede ir e gebrochen.
Froning, Alsf. Passionssp.
3985
(
ohess.
,
1501ff.
):
Sage an, du gudder man: | was sprechen dich die Judden an?
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
696, 16
(
osächs.
,
1523
/
4
):
schulden, da mich Gerdrut, Crosius eeliche wirtin, umb anspricht.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
56, 60
(
schles.
,
2. H. 14. Jh.
):
ist des nicht, so wil ich en manen vnd ansprechen als lange dorumme, bis daz mir recht [...] von ym geschyth.
König-Beyer, Reichenb. Stadtb.
15, 4
(
nböhm.
,
1554
):
das sie noch niemandt von irend wegen gnanten Andrean Schlesyern [...] vmb gar nichtes antzusprechen [...] sollen.
Chron. Nürnb.
5, 579, 2
(
nobd.
,
1494
):
wurd einer erslagen. da sprach man in an, er wer auch pei dem selben mort gewesen.
Sachs
17, 522, 17
(
Nürnb.
1559
):
Sein nachbawrn umb den wolff ansprechn thet, | Welchen sein bock gefangen het.
Merk, Stadtr. Neuenb.
38, 15
(
nalem.
,
1380
):
das nyemant [...]. furdern, ansprechen, bekummern, urteylen oder achten sulle oder muge umb keynerley sache.
Chron. Strassb.
2, 646, 12
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
dirre fuͦr gein Jerusalem [...] und wart anegesprochen, das er nüt hette rehten glouben.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
96, 6
(
halem.
,
1397
):
Hetten aber die herren oder die iren sy útzit von der guͤter wegen anzesprechenne, darumb moͤgent die herren sy ze tagen vordern.
Bächtold, N. Manuel. Elsli
295, 1065
(
Basel
1529
/
30
):
Die [...] | [...] etwan ein armen man ansprechend | Umb ein löchlechti haselnuss.
Koller, Ref. Siegmunds
299, 13
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
hat ain gaistlich man anzüsprechen ainen weltlichen man umb aigen oder umb erb.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
21, 17
(
moobd.
,
1305
):
der einen purger van Chrems oder van Stayn an sprichet dehainer sache, deu im an sein ere [...] get.
Mollay, Ofner Stadtr.
269, 5
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wirt er aber hoͤer an ge sprochen, den vmmb eÿne marck.
Große, a. a. O.
50a, 18
;
103a, 15
;
221a, 21
;
Chron. Mainz
1, 220, 2
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981,
S. 94;
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
2258
;
13008
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
247, 22
;
Luther, WA
41, 617, 31
;
Ermisch, Sächs. Bergr.
32, 23
;
Chron. Nürnb.
1, 170, 32
;
4, 308, 5
;
Chron. Strassb.
1, 37, 30
;
Rennefahrt, Statut. Saanen
131, 34
;
Graf-Fuchs, a. a. O.
180, 32
;
Welti, Stadtr. Bern
43, 21
;
383, 18
;
Mollwo, Rotes Buch Ulm
98, 12
;
13
;
Müller, Nördl. Stadtr.
5, 33
;
Roder, Stadtr. Villingen
153, 1
;
Brunner, a. a. O.
9, 32
;
21, 21
;
McClean, Havich
1355
;
Steinberger u. a., Urk. Hochst. Eichst.
50, 21
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
32, 22
;
90, 15
;
Seuffert u. a., Steir. Landtagsakten II,
197, 3
;
Mollay, a. a. O.
223
;
Maaler
26v
;
Shess. Wb.
296
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 179;
Schwäb. Wb.
1, 264
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
13
;
Schweiz. Id.
10, 766
-769 (hier reichhaltiges Belegmaterial, besonders mit Bezug auf das Eherecht);
Rwb
1, 733
;
Haltaus
42
;
Wmu
1, 106
.
8.
›etw. rechtsförmlich als sein Eigentum fordern, beanspruchen, Klage um etw. erheben‹; auch: ›Beschlag auf etw. legen, etw. beschlagnahmen‹.
Syntagmen:
das seine / eigen / erbe / gut
(häufig)
/ herzogtum / lehen, den hof, die kobel a.
;
etw. mit recht a., etw. für eigen a.
Wortbildungen:
ansprechung
4;
unangesprochen.

Belegblock:

Leman, Kulm. Recht
3, 134
(
Thorn
1584
):
Vorluset denne eyner das syne vnd an spricht deme andirn das syne.
Luther, WA
32, 388, 29
(
1530
/
32
):
ob man allerley musse von jderman leiden und jnn keinem fal sich weren durffe, auch nicht fur gericht haddern odder klagen noch das seine ansprechen und foddern.
Koller, Ref. Siegmunds
259, 23
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
wer den zol verfur, den greifft man swerlich an und sprechent schir leib und gut an, als ist es wider got.
Koppitz, Trojanerkr.
19585
(
halem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
Nun statt hie Aiax der tegen | Und spricht an schiltt und sper.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
119, 1
(
halem.
,
1404
):
wa dehein person deheine ligende guͤtere [...] besessen hat, unangesprochen von dien, die mit der persone ze kilchen [...] gangen sint.
Hauber, UB Heiligkr.
1, 466, 3
(
schwäb.
,
1369
):
waͤr das der selb bruͦder Conrat Stoll [...] der stuk [...] aͤverti anspraͤch, vordorti oder widerkeren woͤlt.
Turmair
5, 334, 22
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Der jung herzog rueft das recht an, sprach an das herzogtumb Bairn als sein änlich und väterlich erb.
Mollay, Ofner Stadtr.
360, 1
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
So man eÿn Erb an sprechen wil vnnd wen das geschen schoͤll.
Leman, a. a. O.
5, 53
;
Ziesemer, Marienb. Konventsb.
294, 13
;
Behrend, Magd. Fragen
86, 15
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981,
S. 94;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
44, 12, 3
;
Sachs
14, 57, 8
;
Goldammer, Paracelsus
7, 166, 10
;
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
56, 18
;
Welti, Stadtr. Bern
166, 1
;
593, 24
;
Graf-Fuchs, a. a. O.
171, 24
;
Rennefahrt, Statut. Saanen
17, 22
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
45b, 19
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
361, 18
;
Dietz, Wb. Luther
101
/2;
Preuss. Wb. (Z) 1, 179;
Crecelius
35
;
Bad. Wb.
1, 61
;
Schwäb. Wb.
1, 264
;
Schweiz. Id.
10, 769
;
Rwb
1, 733
;
Wmu
1, 106
.
9.
›etw. anfechten, in Frage stellen‹.
Bedeutungsverwandte:
 11; vgl.  1,  4,  7.

Belegblock:

Luther, WA
30, 3, 217, 36
(
1530
):
das ein offentliche verloͤbnis [...] durch ein heimlich verloͤbnis wird angesprochen und angefochten.
10.
›sich auf etw. berufen, auf etw. Bezug nehmen‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
201
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
ob îman mîn getichte | ansprêche.
11.
›etw. (ein Tier) anbellen (von Hunden gesagt)‹; ›nach der Fährte Alter und Geschlecht des Wildes ansagen‹.

Belegblock:

Schwäb. Wb.
6, 1521
;
Schweiz. Id.
10, 770
.
12.
etw. ist jm. angesprochen
›etw. kommt jm. von Natur aus zu‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Niewöhner, Teichner
503, 138
(Hs. ˹
oschwäb.
,
1368
˺):
ain tier belibt da byͤ | als im an gesprochen sy, | daz es nit gelernuͦn mag.
13.
›etw. (z. B. eine Stadt) beschießen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 52, 6
(
nrddt.
,
1565
/
6
):
Den 13 Martii [...] hat S. Jacoffs thurm des morgens umb drei schlege die Newstadt begunt etwas hart anzusprechen.