gesinde,
das
;
-s/-Ø
.
1.
›Familie, Stamm, Geschlecht (als Familienverband gedacht)‹; die historische Tiefe des Geschlechtes und die Zugehörigkeit der Ehefrau werden in den Belegen nicht angesprochen.
Bedeutungsverwandte:
(
das
8; ,
1
 3.
Syntagmen:
das g. grüssen, ein g. zu gast haben
;
einem g. nachschlagen
;
von js. g. sein, etw. für das g. einlegen
(in einen
stok
);
das g. Davids, des vaters, der mutter
.

Belegblock:

Gerhard, Hist. alde e
1058
(
omd.
,
um 1340
):
Gerson, Caath und Merari. | Van disen drin geriten | Dri gesinde
[Luther
1545, 4
. Mos. 27, 57:
geschlecht
]
der Leviten.
Feudel, Evangelistar
4, 33
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
waz von dem huͤse unde von dem gesynde Davidis.
Rupprich, Dürer I,
48, 70
(
nobd.
,
1506
):
Grüst mir ewer gesind. Albrecht Dẅrer.
Loose, Tuchers Haushaltb.
109, 17
(
nürnb.
,
1514
):
adi 14 augusto hab ich in den schmalczstock im Spital eingelegt für mich und mein gesind und eehalten 1 gülden.
Gille u. a., M. Beheim
252, 14
;
Loose, a. a. O.
19, 17
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
139
.
2.
›zu einem bäuerlichen, handwerklichen Haushalt bzw. einer als Haushalt gesehenen kleineren Wirtschaftseinheit gehörende Personen; Gesamtheit der Familienangehörigen, Dientboten, Knechte, Mägde, näheren Verwandten‹; vereinzelt ütr.:
Christi gesinde
; teils bildlich gebraucht.
Zur Sache: Lex. d. Mal.
4, 1402
-1404.
Phraseme:
mit kind und gesind
;
den herren beim gesinde erkennen
.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  12,  1; vielfach im Orientierungsfeld von (s. v.  3),  3,  1,  1, , , (
das
7,  46,  4,  610,  1,  3, (
die
3,  3, , , ; in Aufzählungen auch zusammen mit , genannt.
Syntagmen:
g. haben / behalten, das g. ausrichten
›bezahlen‹,
mieten, etw
. [zu tun]
heissen, mit sich füren, nicht müssig gehen lassen, zur arbeit, zum glauben / kirchgang halten, (nicht) in die kirche bringen, zum stelen anhalten, vom handwerk, von der arbeit abziehen, jm. das g. abmieten / abspannen / abstricken / abziehen
;
das g
. (Subj.)
in js. brot / schirm sein, sich
[wohin]
legen, glaubig werden, hurerei / laster treiben, jm. schaden tun, sich 1 jar vermieten, vor der zeit austreten, keinen aussetzigen scheren sollen
;
dem g. ablonen / aufsagen / rufen, etw. sagen / klagen / verkünden, den lon geben, das almosen abstricken, in einem gropen kochen, jn. mit speise gleich dem g. halten
;
sich gebürlich gegen dem g. halten, der güte gegen dem g. pflegen, mit dem g. gütlichen leben, zu fischen ausfaren, das handwerk treiben, jm. schaden fügen
›verursachen‹,
sich mit dem g. in der stat halten, einen knecht über das g. setzen, sich vor dem g. fürchten, zu dem g. gute sorge / acht haben, jn. zu g. empfangen
›in das Gesinde aufnemen‹,
zwei knechte zu seinem g. haben; die juden und ir gesinde, der landrichter / schultheisse und sein g
.;
das g. des hauses
;
das böse / freche / rohe / erliche / gedingte / gute / getreue / dienende / kluge / kranke / junge / bestendige / preussische g
.;
der vater des gesindes, notdurft des gesindes
›Bedürfnis nach Gesinde‹;
fische, proviant, ein bette für das g., Kain mit seinem g.
Wortbildungen:
gesindearbeis
›Erbsen für das Gesinde‹,
gesindbier
›für das Gesinde gebrautes dünnes Bier‹ (a. 1494),
gesindebrauch
›Bedarf für das Gesinde‹ (a. 1495),
gesindegrütze
,
gesindehafen
›Gesindekost‹ (zum Gw vgl.
1
 1),
gesindekamer
,
gesindekäse
,
gesindekoch
(a. 1614),
gesindel
1,
gesindeleinlachen
›Bettlaken für das Gesinde‹ (a. 1571),
gesindepfründe
›dem Hausgesinde zur Verfügung gestellter Naturalunterhalt‹,
gesindestube
,
gesindetafel
›Liste der dem Gesinde ausbezahlten Löhne‹,
gesindewein
(a. 1498),
gesindetischtuch
(a. 1617),
gesindevater
,
gesindig
›Hausgesinde‹ (a. 1566),
gesindlach
(kollektiv).

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Konventsb.
246, 21
(
preuß.
,
1411
):
52 m. 4 sc. 6 d. in der gesindetofel und 69 m. 7 sc. in der czedel was her rechenunge usgegeben hat off erbeyt, dy vordinget was.
Ders., Gr. Ämterb.
57, 8
(
preuß.
,
1513
):
eyn bette vor das gesinde in der gesindecamer.
Ebd.
563, 21
(
1409
):
2400 gesindekese, item 200 herrenkesze und 2 tonnen potter.
Ebd.
701, 1
(
1421
):
15 scheffel gesindeerbis und 8 scheffel herrengrocze und 8 scheffel gesindegrocze, item 8 scheffel gerste czu gesindegrocze.
Toeppen, Ständetage Preußen
1, 359, 3
(
preuß.
,
1420
):
We man das gesynde mitten sall und die awstlewte gewynnen.
Ebd.
2, 619, 23
(
1444
):
so sal eyn yderman seyn gesynde unde sunderlich das Prewsche unde seyne undirsos czemlich, unde zcu deme gelouben unde kirchgange unde predigat mit allem vleyse halden.
Luther, WA
1, 696, 32
(
1518
):
das alle, die got dienen und Christi gesind sein woͤllen, muͤssen vil stechens und widerwertigkait leiden.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
269, 30
(
Wolfenb.
1593
):
Wenn ich ausziehe, so mus ja einer im Hause bleiben, Dann sie hat sonst kein Gesinde bey sich.
Große, Schwabensp.
58a
, 30 (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
van deme guͦte sal man tuͦ deme ersten | gelten dem gesinde ire vordiende lon.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
3, 311, 5
(
mosfrk.
,
1509
):
sol ein iglicher kelner, [...], mit allem fleis ufseins haeben, dass er erbaer getrue und nutzlich gesind haebe.
Froning, Alsf. Passionssp.
1335
(
ohess.
,
1501 ff.
):
[Jacob] drangk des [bornes] selber by sym leben | myt synen kyndern, noßer und gesynde.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 67, 1
(
hess.
,
1463
):
Es sal auch keine meyster sine frauwe oder gesinde dem andern sin gesinde abespannen.
Ebd.
1, 394, 7
(
1583
):
Es ist meniglich alhie bewust, das durch den seidenhandell viel teutsch gesindt [...] von ihren gelerneten handtwerckern [...] abgezogen [...] werden.
Harms u. a., Alberus. Fabeln
99, 17
(
Frankf./M.
1550
):
Was ich weiter find / | Das sind nur Fischlin fuͤrs gesind.
Behrend, Magd. Fragen II,
167, 23
(
omd.
,
um 1400
):
Wer eynen man umb syne bekante schult in dy vrone adir in gefengnisze brenget, der sal yn mit spisze unde mit koste halden glich syme gesinde.
Neumann, Rothe. Keuschh.
4030
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
der licham, der tud ir [kuscheid] grosse leid, | widder den muss der mensche stetlich vechte | also mit sime wirte unnd hussknechte | unnd muss sich forchten vor sime gesinde.
Küther, UB Frauensee
300, 32
(
thür.
,
1503
):
wie daß C[la]ß Wenige zcum Tengeß ewer angehoriger vaste und vil bedrecklikeit mit synem vihe und gesinde schaden gefugt habe.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
13, 27
(
osächs.
,
1343
):
die knechte des gesindevateres
[Luther
1545
:
Hausvater
]
di gingen zuͦ und sprächin zuͦ ime.
Ebd. Mt.
24, 45
:
Wer wênistu der da ist ein getruͦwe knecht und klûg, den der herre gesatzit hât ubir sîn gesinde, daz her en gebe spîse in der zcît.
Schönbach, Adt. Pred.
33, 12
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
da vorsmehete der riche man und al sin gesinde den arm duͦrftigen.
Feudel, Evangelistar
129, 21
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
unde her wart geloubik unde alle syn gesynde
[Luther
1545,
Joh. 4, 53:
Hause
].
v. Tscharner, Md. Marco Polo
67, 1
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Di roubir vuren stetis mit yn wip und kint und alle ir gesinde.
Ermisch, Freib. Stadtr.
283, 30
(
osächs.
,
um 1440
):
Es sal ouch keyn meister mer gesellen halden wenn drey und eyn iungen, is wer denne, das yderman gesyndes ein notturft hette.
Ermisch, Sächs. Bergr.
55, 6
(
osächs.
, Hs.
15. Jh.
):
daz mus er clagen dry arbeytende tage nach eynander dem obyrsten bergmeister adir bergrichter zcu husse unde zcu hofe adir uff dem markte adir uff der zceche [...] adir syme gesynde, ap er nycht doheyme were.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
498, 15
(
osächs.
,
1523
/
4
):
Darnach hieß Hans Foltz seinen gebrötten knecht und andere seine gesinde holz in dieselbe hofestatt werfen.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
71r
, 39 (
Leipzig
1588
):
Als da jemand sein Weib / Kinder / Gesinde oder andere / vber die er Befehl hat / zum Stelen anhelt.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
79, 12
(
Nürnb.
1548
):
da wirdt das vbel allweg sich finde͂ in vnserm gewissen / [...] vnd im regiment / im hause / mit kindt vnd gesind.
Ebd.
118, 1
:
ob man gleich ruthen vnd stecken nimbt / vnnd zuschlegt / so kan man doch etliche kind vnd gesind in die kirche nit bringen.
Pausch, Ital.-Dt. Sprachb.
121
(
oobd.
,
1424
):
der smidt ist russgt mit allem sein gesind.
Barack, Teufels Netz
12001a
(
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Von kluogem Gesinde. | ,Also lausz die red stan. | Macht enkain cluog gesind han?‘
[Var. BC:
gesindlach
]
| Der figind sprach: ,Ich han cluog gesind, | Den ist die hut wisz und lind‘.
Maaler
175r
(
Zürich
1561
):
Gesind (das) Da weder scham noch from͂keit nu ist.
Lauater. Gespaͤnste
37v
, 17 (
Zürich
1578
):
dañ man lißt sunst daß die Heyden jre Lares / vnd Penates oder hußgoͤtter gehebt / welche sy vereeret / als die zuͦ jrem huß vñ gsind guͦt sorg vnd acht ghebt.
Dreckmann, H. Mair. Troja
20, 9
(
oschwäb.
,
1393
):
darnach gieng Medea zu der camer tür und loset da, ob sich daz gesind in dem balast iht het an sein gemah gelegt.
Barack, Zim. Chron.
2, 546, 10
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Darum spricht man gemainlich: „Man kennt den herrn beim gesind und das wetter beim windt“.
Rot (
Augsb.
1571
):
ein ort am Hauß / da sich die kinder vnd Gsindt helt.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 234, 12
(
schwäb.
,
1618
):
Hierumben soll ein jeder mann für sich selbst, sein weib, kind und gesünd seines feurs in großer acht haben.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
237, 21
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Pei dem merohsen verstên ich ainen iegleichen eifrær, der in seim haus promsent ist als ain per und gelebt nümmer güetleichen mit seiner hausfrawen noch mit seim gesind.
Bastian u. a., Regensb. UB
445, 17
(
oobd.
,
1354
):
dieselben fremden juden und ir gesinde und auch ir leib und ir guͦt suͦllen in unserm scherm sein.
Fuchs, Kart. Aggsbach
246, 7
(
moobd.
,
vor 1412
):
zw dem ersten all tag têgleich zwo pfruͤnt wein, aÿne herrenpfruͤnt, die ander gesintpfruͤnt, als man sew den herren awz irem vazz geyt und dem gesind geyt awch auz irem vazz.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
487, 42
(
m/soobd.
,
um 1600
):
so erscheint auch bei den jungen gesündlen und alten haußeheleüten dermassen alle leichtfertigkeit.
Zingerle, Inventare
108b
, 23 (
tir.
1490
):
In der gsynnstuben drey tisch.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
602, 16
;
ders., Marienb. Ämterb.
115, 16
;
152, 10
;
Toeppen, a. a. O.
5, 327, 12
;
Luther, WA
1, 699, 37
;
24, 522, 14
;
28, 23, 9
;
30, 3, 574, 26
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
555, 1531
;
Hilliger, Urb. St. Pantaleon
510, 35
;
Lamprecht, a. a. O.
3, 232, 20
;
Köbler, Ref. Franckenfort
6, 25
;
Kollnig, Weist. Schriesh.
104, 10
;
300, 7
;
Brinkmann, Bad. Weist.
220, 13
;
Schmidt, a. a. O.
1, 209, 26
;
Bechstein, a. a. O. Mt.
10, 25
; Lk.
12, 39
;
v. Tscharner, a. a. O.
17, 8
;
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
3, 30
;
Reichmann, a. a. O.
119, 28
;
254, 5
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 78
;
Wickram
4, 6, 9
;
Geier, Stadtr. Überl.
487, 4
;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
441, 13
;
571, 25
;
572, 11
;
Müller, Nördl. Stadtr.
86, 35
;
Chron. Augsb.
7, 88, 11
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 44, 42
;
113, 7
;
Wintterlin, a. a. O.
2, 191, 7
;
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
133, 39
;
Turmair
1, 351, 22
;
Fuchs, a. a. O.
80, 39
;
Winter, Nöst. Weist.
1, 515, 38
;
Bischoff u. a., a. a. O.
385, 1
;
Henisch
1562
 f.;
Dietz, Wb. Luther
2, 102
;
Rwb
4, 541
;
545
;
548
;
Pfälz. Wb.
3, 267
;
Öst. Wb.
3, 117
.
Vgl. ferner s. v. ,  1,  1,  1,  1, , (
das
3, ,
1
 1,  8,
2
 1, ,  6.
3.
›Gruppe von Menschen, die einen Wirtschaftsbetrieb (z. B. einen landwirtschaftlichen Hof, ein Bergwerk, eine Bank) oder einen einem Wirtschaftsbetrieb ähnlich gedachten Hofstaat in dienender, helfender, allseitig unterstützender Funktion aufrechterhält‹; je nach Art der Einheit im einzelnen: ›Dienerschaft; Belegschaft; Arbeiterschaft‹; ›Hofstaat‹; mit dem Blick auf Himmel und Hölle: ›Gott umgebende Schar der Engel oder herausgehobener Himmelsbewohner‹ bzw. ›Dienerschaft, Handlanger des Teufels‹; vereinzelt ütr. im Sinne von: ›helfende Seelenkräfte‹; eng an 2 anschließbar, im Unterschied dazu aber mit schwächerer Ausprägung des Familien- und Haushaltsgedankens.
Bedeutungsverwandte:
 2, , ,  37, , , .
Syntagmen:
g. haben, das g. kasteien, jm. das g. abhalten / abfordern, das g. an das ambacht setzen, die notdurft g. erfordern
;
das g. friedlich / gemachsam bleiben, jn. empfangen / liebhaben
;
engel / patriarchen g. sein
;
mit g. beraten sein, mit dem g. auf dem eigen liegen, von dem g. herschaffei kommen
;
das g. der herschaft, der sele, des teufels
;
das arme / edle / fleissige / grosse / nötige / hellische / himlische / schnöde g.
;
die notdurft / überlast des gesindes
;
der babst mit seinem g
.;
streit zwischen dem kommentur und dem g
.
Wortbildungen:
gesindel
2.

Belegblock:

Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
236, 11
(
preuß.
,
1402-04
):
Andrewis Burgh der isenbleser czum Synnen tenetur 50 ℔ vor dy scholt, dy wir im by deme gesinde lyssen uff dem selbien isenwerke.
Quint, Eckharts Pred.
2, 141, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dar umbe ,envorhte si
[
sant Elizabêt
]
den winter niht, wan ir gesinde was zwîvalt gekleidet‘.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
1401
(
rib.
,
1444
):
Herrschaffie, des sijt gewis, | Koempt van den knechten ind gesynde | Ind weest ouch op grois ind swynde | Van den underseessen alle.
Ebd.
4331
:
De sele ind yre gesinde zo male | Richtet ind castiet id also wale | Dat en geyn en is de misdoen of misprechen.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
145, 25
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Ludewig ginge alles in des konniges hoyff von Vngern vnd machte daz yne alle das gesinde liep hait.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
30, 15
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
eyn iclichir der hot ccc juncherren, sundir den ist uz gelicht, unde vil juncvrowin unde vil andirs gesindis.
Skála, Egerer Urgichtenb.
161, 9
(
nwböhm.
,
1575
):
Wer aber hernacher offters Im Schloß gewesen hette das gesindt eines das ander fexirt mit anZeigen.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 169, 35
(
schles.
,
1509
):
Es soll auch kein hüttenherr dem andern sein gesinde abhalten noch fordern. Es sey schmelzer, köhler, fuhrknechte.
Karnein, Salm. u. Morolf
713, 4
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
der kunig und das gesinde | in harte minneclichen enphing.
Vetter, Pred. Taulers
66, 17
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
die indewendige hochvartikeit [...] sleht zuͦ tode alles daz volk, das sint die obersten krefte und ouch die nidersten, das ist das gesinde der sele.
Rieder, St. Georg. Pred.
247, 4
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
sont wir sin beraten mit edelm gesinde, [...] die unserm herren wol gezaͤment. daz gesind sint die hailgen engel, patriarchen, propheten, zwelfbotten, martrer, bihter und die rainnen maͤgde.
Ders., Gottesfr.
211, 32
(
els.
,
1401
/
2
):
daß er des almusens aller notdúrftigest sige und och nút zumole ein ligering sige und ein zu swerer úberlast des gesindes und der andern dúrftigen.
Ebd.
224, 5
:
Im fall sich auch einig unwil, zank oder dergleichen in vilgedachtem haus zutrüge zwischen dem commentur und dem gesindt.
Schmidt, Rud. v. Biberach
168, 1
(
whalem.
,
1345
/
60
):
daz alle der mensche mit allem sinen geistlichen gesinde wert wol geordenot vnd in frid gesetzzed, daz es alles werde ze einem ewigen riche gottes.
Rennefahrt, Zivilr. Bern
85, 12
(
halem.
,
1404
):
einen wechselbank in uͥnser stat Berne in irem huse ze hanne, dar inne er, sin gesellen und sin gesinde wol suͥllent und muͥgent gewinnen, koͧffen und verkoͧffen.
Barack, Zim. Chron.
1, 346, 5
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Man sagt, das nit allain beider herrschaften gesündt im schloss, sonder auch die hundt und ander thier ain hass zusamen getragen [...] haben.
UB ob der Enns
9, 188, 36
(
moobd.
,
1377
):
vnd sol auch der egenant mein herr, mein fraw, ir paider Chamrer, Marstaler, choch, Jeger vnd all ir hauschnecht vnd waz si armes gesindes habent, daz nicht spörn trait, das sullen wir alles Paden an Lön.
Klein, Oswald
7, 22
(
oobd.
,
1427
):
der uns durch dich all hat erlosst | von hellischem gesinde.
Rintelen, B. Walther
32, 20
(
moobd.
,
1552
/
8
):
zu sollicher Behuet der Pfarrn und Beneficaten Höf nit mer Volks oder Gesindts, als die Notdurft ervordert.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
242, 33
(
moobd.
,
1622
):
wie es dis orts mit den hauern, maurern, zimmerleuthen, derselben gesindl unnd den gemainen taglöhnern bey diesen theuren und piclemmen zeiten wegen der arbeit [...] gehalten werden solle.
Luther, WA
6, 263, 5
;
6, 263, 16
 f.;
Tiemann, a. a. O.
119, 29
;
Froning, Alsf. Passionssp.
443
;
Thür. Chron. 7r;
18v
, 20;
Wutke, a. a. O.
20, 150, 1
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
55, 34
;
Lemmer, Schernb. Frau Jutte
400
;
Rieder, St. Georg. Pred.
62, 21
;
149, 16
;
Bihlmeyer, Seuse
32, 7
;
Schmidt, a. a. O.
169, 13
;
Koppitz, Trojanerkr.
874
;
Patocka, Salzwesen.
1987, 78
;
Bücher, Berufe Frankf.
1914, 50
;
Steer u. a., RS Bertold
426
 f.;
Rwb
4, 540
 f.
Vgl. ferner s. v. ,  1.
4.
›Gruppe von Menschen, (vereinzelt: von Tieren), die sich mit jm. auf einer Reise, auf Wanderschaft o. ä. befinden, (auch:) die js. Lebensgang teilen, Begleitschar, Begleitung (kollektiv)‹; speziell: ›Jüngerschaft Jesu‹; auch: ›einzelner Begleiter‹.
Gewisse Beleghäufung für berichtende Texte.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. (
der
),  1, (
der
1,  4.
Syntagmen:
das g. fangen; das g
. (Subj.)
dannen gahen / keren, mit jm. faren / ziehen, jn. verfüren; dem g. gebieten, das [...]; mit dem g. weit ziehen,
[wohin / woher]
kommen, zu dem g. sprechen, einen esel zu g. haben
.
Wortbildungen:
gesindel
3.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
691, 5787
(
Magdeb.
1608
):
Denn Heintz vnd Reynick Jung vnd Alt / | Kamen am Abend aus dem Wald / | Mit jhren Freunden vnd Gesinde / | Wieseln / Mardern / Weibe vnd Kinde.
Große, Schwabensp.
69a
, 16 (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
varent paffen [...] in plegelichen gewane, vnde ir gesinde ane wapene mit en veret.
Ebd.
165a
, 20:
paffen vnde rittere vnde alle ir gesinde vnde alle ir guͤt de soͤlen zollens wesen vry.
Stackmann u. a., Frauenlob
9, 21,
B, 8 (Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
,Ich urteile, als ich vinde‘, | sprach er zu sim gesinde, | mit sant Johannes ich ez wol beziugen wil.
Thiele, Minner. II,
12, 410
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
Ein dugentlicher alde | [...] | nach blumen zoch zu walde | und hat ein eynigen esel zu gesinde.
Morrall, Mandev. Reiseb.
136, 3
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Do zoch er under dem berg hin mit sinem gesind und gewan das kúngrich.
Gierach, Märterb.
1645
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
in allem gahenn | sy einen man sahenn | mit seinem gesind ziehen weyt | swiczund nach armer lewt sit.
Weber, Füetrer. Poyt.
193, 4
(
moobd.
,
1478
/
84
):
er hieß den schannden plossen | palld vahen vnd auch sein gesinnd allsam.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
560, 2
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Schnell theten’s dannen gahen, | paid heren und gesind.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
214, 30
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
als sy [fursstin] mit irm gesind zoch uber ein wasser, [...], do ersach die hertzogin ainen grossen geraysigen zewg.
Turmair
4, 886, 14
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Sein gesind, das mit im erzogen, stätigs umb in gewesen und gewont [...], hat in verfüert.
Chron. baier. Städte. Regensb.
230, 20
(
noobd.
,
1552
):
Es samlet sich immer kayserisch gsyndlein herein, sein pierbrew mit seinem werckzeug kham auch auf dem wasser herein.
Brandstetter, Wigoleis
201, 33
;
203, 14
.
5.
›militärische Gefolgschaft, Truppe, Truppenteil; Häscherschar; als militärisch organisiert gedachte Gruppe von Helfern‹; auch bildlich gebraucht.
Bedeutungsverwandte:
(
der
45, (
das
13; vgl.  1,  8,  12, , , .
Syntagmen:
das g. darvon bringen, zu hilfe schicken, jm. ein g. abspannen, zur were leihen
;
ein g.
[wo]
liegen
, [wohin]
kommen, das g. not leiden, wenig verrichten, an den zinnen stehen, mit waffen staffiert sein
;
mit dem g. kommen, auf js. pferd
›Reiterei‹
stossen, nach dem g. senden
;
das g. des Herodes, der edelleute, des feindes / herzogen
;
das arme
›unberittene‹
/ grosse / ringfärtige / starke / werliche g
.;
die wer des gesindes
.
Wortbildungen:
gesindel
4.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
20104
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Dî zwêne und ir gesinde | liddin dô vil swinde | nôt und anevechtin groz | von der vîende widdirstôz.
v. Keller, Amadis
376, 16
(
Frankf.
1571
):
also förchte ich, daß vnser Gesinde wenig ohne euwer gegenwertigkeit verrichten möge.
Pyritz, Minneburg
3027
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Aber jens gesinde dort innen | Stund veste an den zinnen | Und werte sich festiclichen.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
108, 31
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das derselb furst [...] ein eygen gesindt vnd hauffenn bey jm hab.
Chron. Nürnb.
1, 36, 1
(
nobd.
,
v. 1407
):
und hertzog Steffan gesind lagen zu Weissenhorn.
Gille u. a., M. Beheim
447, 144
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
künk Nabuchodonosarn. | der kam mit grossem gsinde | und tet im seinn gewalt zerstarn.
Vetter, Pred. Taulers
17, 18
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
alles daz do du dich geneiget vindest, daz muͦstu als zuͦmole úberkummen, al die wile bitze daz Herodes und als sin gesinde die des kindes sele suͦchtent, in dir zuͦmole werlichen und sicherlichen tot ist.
Donalies, Augsb. Bibelhs.
53, 7
(
oschwäb.
,
v. 1350
):
[der chünik] erzürnt. vnd sante / di vz sinen gesinnden
[Froschauer
1530
:
zeüg
; Luther
1545,
Mt. 22, 7:
Heere
]
daz / si verderbten die manslekere.
Morrall, Mandev. Reiseb.
45, 8
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
In Ebron Josue, Calepha mit irem gesinde kament in ainer spehe dar und gedachtent wie sie moͤchtent gewinnen daz hailig land.
Chron. Augsb.
1, 85,
Anm. 2 (
schwäb.
, zu
1388
):
einem boten gen Memmingen do unser gesind lag von der von Buren wegen.
Rauwolf. Raiß
44, 5
([
Lauingen
]
1582
):
sein Gsind waren maistthails Raysige vnd Bogenschützen.
Qu. Brassó
5, 474, 41
(
siebenb.
,
1613
):
Sein aber auch des Bathory Gesindel viel in Weyssemburg verhalten worden.
Luther, WA
10, 1, 1, 631, 15
;
Pyritz, Minneburg
2768
;
3007
;
Schottenloher, Flugschrr.
95, 10
;
Wiessner, Wittenw. Ring
8197
;
Chron. Augsb.
1, 27,
Anm. 4;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 51, 10
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
399, 3
;
Qu. Brassó
5, 465, 20
;
Rwb
4, 541
.
Vgl. ferner s. v.  13.
6.
›Gesindel, Pack, diejenigen Schichten und Gruppen von Menschen, die man am Rande bis außerhalb der Gesellschaft situiert sieht, denen man (berechtigterweise oder zur Herausstellung der eigenen Ordnungskonformität) alle möglichen Vergehen (z. B. Diebstahl, Betrug, sittenloses Verhalten) zuschreibt und die man der Agitation gegen herrschende Überzeugungen, der Unterminierung des gesellschaftlichen Zusammenlebens verdächtigt‹; teilweise Bezug auf Herrschaftsfunktionäre (
cardinäle, juristen, richter, des babstes gesinde, pfaffen
), sofern sie ihre Position zur Bereicherung nutzen; in
gesinde
(
das
) 6 überlagern sich soziale, sozialkritische, armuts- und fremdheitsbezügliche mit religiös-konfessionellen Einstellungen; mehrfach: ›fahrendes Volk‹; auch ›Teufelspack‹.
Bedeutungsverwandte:
,
1
, , (
der
6,  12,  3, (
das
3, , , , , ,  ; vgl. auch  5 und (s. v. , V., 4).
Syntagmen:
das g. abweisen / behaben / behausen / hegen, in gefangenschaft legen
;
das g.
(Subj.)
den braten schmecken, die häfen ausstieren, jm. in den busen blasen
;
das g. des babstes, der cardinäle, in der helle
;
das edle / feine / reine
(jeweils ironisch)
/ beschwerliche / faule / fremde / gotlose / ledige / lose / schädliche / seltsame / undankbare / unnütze / verstolene / verwegene / verzagte / wandelbare / wiederspännige / wilde g
.
Wortbildungen:
gesindlich
(kollektiv).

Belegblock:

Luther, WA
6, 38, 19
(
1520
):
Daher kompt es, das hadder, getzenk, richter, notarien, officialen, Iuristen und solchs edlen gesinds ßovill seynd als die fliegen ym ßommer.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
572, 2087
(
Magdeb.
1608
):
So gehts mir / das vndanckbar Gsind / | Sich jtzt mit lesterworten find.
Froning, Alsf. Passionssp.
4693
(
ohess.
,
1501 ff.
):
Ach, wilch eyn reynes gesynde!
[ironisch]
| er weret wert, das man uch yn den rauch hinge!
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
153, 10
(
nobd.
,
n. 1525
):
darob zu wachen und zu halten, damit von dem geböfel und mutwilligen gesind nit ain frevenlicher eingriff oder einfal in das frawencloster beschehe.
Sachs
21, 90, 9
(
Nürnb.
,
1559
):
Derhalb wil ich mich baß umbsehen, | Solchem gesindlich nit mer trawen.
Bihlmeyer, Seuse
459, 4
(
alem.
,
14. Jh.
):
Also tet er sich zuͦ der celle us mit wunder und sprach: „ach, waffen! waz gesindes ist dis?“ Do wart gesprochen diser sin: „hie ist ein tiefellichú samnung“.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
22, 5
(
Straßb.
1650
):
Nur dem Türcken zu mit diesem Gesind [Spanier], dann er bedarff der Moresken, seine Heer der Janitscharn und beschnittenen damit zu stärcken.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
127, 25
(
halem.
,
1633
):
daß die jenigen, so dergeleichen gsind [stümpelkrämer, hausierer, hutten- und krätzentrager, heimsche und frömbde] behausen und behofen wurdent, [...] mit 10 pfunden gestrafft werden.
Ders., Staat/Kirche Bern
929, 11
(
halem.
,
1654
):
deßwegen auch jeder mrgh der rhäten und burgeren gwalt haben soll, dergleichen schandt und ergerliches gsind durch die weibel dahin
[
gfangenschafft
]
füehren und legen zelaßen.
Haszler, Kiechels Reisen
323, 38
(
schwäb.
,
n. 1589
):
bey disen frömbden göstenn, als bey denn Arabiern, wölche von natur ein verstolen gesind ist.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron.
68, 22
(
schwäb.
,
1550
):
er hette geltt ausgebenn dem lossenn hauffenn als das gottloss gsindtt die mördtbrener.
Ebd.
125, 14
(
schwäb.
,
1552
):
Auff dise kamenn ein schöner reisiger zeig lutter Behemer und Unger, Gschariotten, Dyrcken, allerley tyffels gsind.
Turmair
4, 912, 19
(
moobd.
,
1522
/
33
):
schuef er ab dem kaiserlichen hof all schalknarren und suppenfresser, [...], all stark jung gewachsen gesellen, so der welschen püeberei auswarteten, alle freihaiter, alle sprecher, all, denen ausgeschnitten war, und ander dergleichen gesind, so nur zu der püeberei tet raten und helfen, zuetutler, zuetreiber [...]; verkaufet si all.
Goedeke u. a., Liederb.
179, 11
(
München
1575
):
ein los gesind, | schmarotzer, die man zhofe findt, | die brätlein tun sie schmecken.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 636, 10
;
Luther, WA
6, 420, 22
;
6, 422, 2
;
6, 431, 21
;
10, 1, 1, 724, 1
;
Peil, a. a. O.
263, 58
;
587, 2561
;
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
200, 13
;
Sachs
17, 229, 12
;
20, 111, 18
;
Bihlmeyer, Seuse
74, 24
;
370, 15
;
Schottenloher, Flugschrr.
62, 25
;
Vorarlb. Wb.
1, 1157
;
Rwb
4, 544
;
Schweiz. Id.
7, 1023
.
Vgl. ferner s. v. .