hausgenosse,
der
;
–/-n
.
1.
›Mitglied einer Hausgemeinschaft; Mitbewohner, Familienmitglied‹; oft ütr.: ›Bewohner des himmlischen Hauses‹;
zu  4.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. , .
Syntagmen:
einen h. ausbürgen / beklagen
;
ein h. sein / werden, j.
(Subj.)
sich als ein h. erzeigen
;
einem h. keinen kummer befelen
;
j. mit seinem h. leben
;
der himmelische / würdige h
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 168, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
in wem got wonet, der hât wirdige hûsgenôzen in im.
Köbler, Ref. Nürnberg
313, 25
(
Nürnb.
1484
):
So mer dann ein hawßgesind Jn einem hawß gemeche [...] haben. vn̄ yemant auß den selben [...] auß seiner verschuldung oder versawmnuss vrsach des prands vnd schadens gibt seinen mitwonern. hawßgenossen oder haußherren.
Goedeke, Fischart Mucken,
125
(
Straßb.
1610
):
Sie [fliege] wird sein hausgenoß darbei, | Sein gast und tischgesell so frei.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 69, 35
(
schwäb.
,
1592
):
so ainer wil kirblen in den bach legen, so sol ain haußgenoß nit iber sechßen legen bei straf 5 ß.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
12ra, 24
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
taz wir mit ten engeln ze hymel havsgenozzen vnd pvrger w’ten ewicklich.
Wolf, Norm im sp. Ma.
46, 48
(
oobd.
,
1486
):
an allen steten, wo dy bruͤder sein vnd sich finden, do sullen sy sich erczaigen als dy hausgnassen zu ein ander vntter jn.
Lappenberg, Fleming. Ged.
451, 17, 6
;
Vetter, Pred. Taulers
206, 12
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
1, 39, 3
Var. Z;
Sappler, H. Kaufringer
26, 119
;
Niewöhner, Teichner
206, 39
.
Vgl. ferner s. v.  1,  2,
1
 8.
2.
›Hauseigentümer, Hausbesitzer‹;
vgl.  12.
Bedeutungsverwandte:
 1,  4; vgl. (
der
),  1.

Belegblock:

Dinklage, Frk. Bauernweist.
66, 38
(
nobd.
,
um 1530
):
Dyeselbyegen gericht seind schuldig alle hausgenossen gemeiniglich zu ersuchen, den es kund und wissen gethan wird.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 140, 4
(
schwäb.
,
1591
):
Zum neunundzwainzigisten soll kain haußgenoß kain vich halten oder annemen ohne vorwissen ainer gemaind.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 1, 1740, 19
;
3.
›Mieter, Untermieter‹;
zu  2.
Bedeutungsverwandte:
 4,  6, ; vgl. ,  1.
Syntagmen:
einen h. aufnemen / haben
;
ein h.
(Subj.)
etw. in seines wirtes gewere bringen
;
jn. zum h. annemen / einnemen
.

Belegblock:

Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
34, 34
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
wirt, ingesinde und hausgenosse aller guten leut.
Ermisch, Freib. Stadtr.
30, 30
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Chein man, der husgenoze heizet, der mit dem andern inne ist in sinen vir wenden, der inmag cheinen tac behalden zu keiner cit.
Ebd.
234, 31
:
Welch man zu der stat gehort, he si besezzen oder si husgenoz, wenne he ot der stat rechtis pfligit, der sal zu rechte nicht zollen.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 502, 9
(
schwäb.
,
1577
; Hs.
18. Jh.
):
Dass die underthanen ohne vorwissen ihrer herrschaft und der vierleuth kein haußgenossen uffnehmen sollen.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 209, 10
(
schwäb.
,
1666
):
Item soll auch niemand kein frembden zum haußgenoßen annemmen, noch zu ihm einbestehen lassen ohn der herrschaft wißen und willen.
Ermisch, a. a. O.
54, 23
;
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
198, 24
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
24, 40
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
508, 20
;
Wintterlin, a. a. O.
2, 238, 1
;
Voc. Teut.-Lat.
m viijr
.
4.
›in einem Haushalt Beschäftigter (im Unterschied zum Haushaltsvorstand); Mitglied der Dienerschaft (Knecht oder Magd)‹; beinahe ausschließlch im Plural;
zu  6.
Gehäuft Rechtstexte.
Bedeutungsverwandte:
(
das
2,  1.
Syntagmen:
hausgenossen (be)halten
.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
2, 631, 18
(
preuß.
,
1414
):
daz keyn inwoner der stete alzo wol, als dy vorsteter halde hawsgenoszen, dy do mogen erbeithen.
Brinkmann, Bad. Weist.
251, 18
(
rhfrk.
,
1619
):
Demnach auch [...] die gemeind clagend anbracht, daß ihres geschicktes gesind und hausgenoßen oftenmal zu einer andern fron, als ihnen angesagt worden und sie zu leisten schuldig, ihrer unwißent von dem keller angerichtet [...] werde.
Kollnig, Weist. Schriesh.
301, 30
(
rhfrk.
,
1706
):
In spinnstuben sollen ehrliebende haußväter und mütter nicht zugeben, daß garstige zotten, leichtfertige lieder und dergleichen getrieben werden bey willkürlicher vogtsherrschaftlicher ahndung gegen die haußgenoßen.
Rennefahrt, Zivilr. Bern
443, 22
(
halem.
,
1572
):
soll den jhenigen, so ettliche dergestalt in iren guͤteren am schaden gesechen oder befunden hätten, ouch iren hußgenossen und diensten, ane wytere bewysung [...] geloupt, und dann die straff an den verclagten erstattet werden.
Müller, Lands. St. Gallen
38, 5
(
halem.
,
1594
/
1630
):
es sol ain jede haushaab von mannen, frowen, hausgenosen und haushäblichen witwen jerlich ain guͦte fastnachthennen geben.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
516, 16
(
halem.
,
1655
):
Wir werdend berichtet, [...] daß vilmals die haushaltung von den haußgnoßen nit wol sambtlich könne verlaßen werden.
Toeppen, a. a. O.
2, 634, 16
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
53, 17
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
22, 8
;
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 44, 9
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 201, 23
.
Vgl. ferner s. v. (V.) 1.
5.
›Mitglied einer Münzergemeinschaft; (fürstlicher) Münzbeamter‹; daneben seltener: ›Münzwechsler‹.
Älteres Frnhd.
Wortbildungen:
hausgenossenschaft
(a. 1463).

Belegblock:

Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
2, 355, 3
(
mosfrk.
,
1351
):
daz der [herre des bischtuͦms] in siner zît me machen niet ensal wand bis an drî munzen in unser stad [...], und die vorgen. muͦnze mit rade eins capittels von dem dome der scheffine der hußgenoißen der stede gemeinlichen.
Chron. Augsb.
1, 108, 12
(
schwäb.
, zu
1396
):
man gepott, daz niemant solt kain guldin kauffen wann die husgenossen.
Bastian u. a., Regensb. UB
57, 13
(
oobd.
,
1355
):
daz man von hinne biz auf sand Michelstag [...] und darnach drew gantzew jar [...] den hausgenozzen unserer muͤnsse ze Regenspurch den gewalt geben haben.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
126, 28
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 4983, 13
;
2, 3, 5011, 7
;
Brinckmeier
1, 965
.
6.
›Schöffe am Gericht‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , , .

Belegblock:

Bastian u. a., Regensb. UB
128, 21
(
oobd.
,
1358
):
Do fragt ich, was recht war. Da ertailten di erwergen hausgenossen, man solt den fludreren darumb zusprechen, das si offneten, was irew recht waͤren.
Ebd.
194, 28
.
7.
›Gleichrangiger, Ebenbürtiger‹.

Belegblock:

Bischoff, Steir. Landr.
94
(
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
Ez mag nyemant dem andern gesagen vmb seinen leib, vmb sein aigen, vmb sein er, er sey dann hausgenozz.
8.
›Einwohner (besonders eines Dorfes)‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 2,  2.

Belegblock:

König-Beyer, Reichenb. Stadtb.
40, 19
(
nböhm.
,
1555
):
Lorentz Lindner, itzo ein haußknoß in der alten stadt Progau auf der karpengasse pey dem weysen krebissen.
UB ob der Enns
10, 65, 37
(
moobd.
,
1381
):
so sullen si vnz den obgenant pawn wider chern nach vier mann rat, die ze Obernberig hawsgenossen vnd puriger sein in dem markt.
Leisi, Thurg. UB
8, 625, 10
.
Vgl. ferner s. v.  2,  2.
9.
›von einem Grundherrn (z. B. einem Kloster) dinglich abhängiger, freier oder halbfreier Bauer‹.

Belegblock:

UB Zug
517, 9
(
halem.
,
1413
):
Sid dz die husgenossen zu Núnhen gichtig sint, das ir vordern dz also an sy brǎcht hand, wer siben schuͦ lang und breitt da selbs hǎt des vorgenant gotzhus guͤtern, dz der sol ein val geben.
Ebd.
750, 17
.