abstricken,
V.
1.
›jm. jn. abwerben, jn. zum Abfall bewegen, jm. jn. abspenstig machen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 66, 7
(
obd.
1521
):
da ward funden, daß es nit müglich were, den pfaffen ir metzen ab zů stricken.
Goedeke, Fischart. Flöh haz
3956
(
Straßb.
1594
):
solt michs nit verdriessen | Das ir betstrampler so geflissen | Mit euerm picken, griffen, zwicken, | Dem hausvater sein gsind abstricken | Und von der arbait gar entwenen.
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 155, 35
(
halem.
,
1489
):
Demnaͧch haben die vom see geredt: diewyl inen ir kuntschaft also abgestrickt sye.
Chron. Nürnb.
1, 160, 14
(
nobd.
,
1388
):
daz sie bey dem byschof von Saltzburg bleiben, daz uns der icht ab gestrikt werde.
2.
›etw. (z. B. ein Recht) aufheben, für nichtig erklären, etw. (z. B. bestehende Zustände) verbieten, abschaffen; jm. etw. (mögliche Handlungen) untersagen‹.
Bedeutungsverwandte:
(häufig),  3,  12, ; vgl.  4,  8.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
z. B.
(jm.) den kauf a., die freiheit / rechtsame / appellation / predigt / rottung / übergabe / hemden / hosen a., das recht / almosen / geschrei a.; a., etw. zu kaufen / zu fangen; abgestrikter markt.

Belegblock:

Schmitz, Schiltb.
68, 18
(
Frankf.
1597
):
dessen feiler kauff jhnen wegen Schwebender Kriegsleuffen abgestrickt war deßhalben sie solches orts grossen mangel litten.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
145, 16
(
osächs.
,
1542
/
70
):
Hirmit sal kein [...] ubergab des schuldigers gutere [...] zugelassen, sonder apgestrickt sein.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 103, 6
(
halem.
,
n. 1529
):
bi verlust des lebens abgestrikt alle rotung, samnung, gespraͤch, geschrei und glokenstuͤrm.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
409, 36
(
halem.
,
1532
):
das wir uns in sömlichem almůsen luterlich enderung, minderung und merung vorbehalten hand, dasselbig [...] gantz oder zum teil abzestricken und abzekünden.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
882, 20
(
halem.
,
1628
):
Im Ergoͤw sollend die gefeldeten und ingestochnen kurtzen hosen, die gantz uberflüssig an tůch sind, deßglychen die köstlichen mit sammet besetzten wulhembder abgestrickt, und hiemit jung und alte manspersonen verwarnet syn.
Buch Weinsb.
4, 3, 27
;
Roder, Stadtr. Villingen
127, 23
;
Chron. Augsb.
7, 248, 29
;
Bächtold, H. Salat
230, 28
;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
20, 34
;
292, 11
;
Graf-Fuchs, a. a. O.
354, 24
;
441, 21
;
503, 24
;
Winter, Nöst. Weist.
1, 512, 37
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
92, 43
;
122, 47
;
Schöpper
105b
;
Ulner 4.
3.
›jm. etw. entreißen, wegnehmen, rauben, vorenthalten, entziehen, abtricksen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl. , (V.) 11.
Syntagmen
sehr unterschiedliche Objekte:
jm. den kreis / proviant a., die landschaft / ere / hilfe / besoldung / appellation a., das geld / land a.; dem reich eine stat a.

Belegblock:

Buch Weinsb.
2, 188, 18
(
rib.
,
1568
):
das er besorgt, im worde die proviant abgestrickt werden.
Ebd.
3, 395, 8
(
1587
):
das der die stat Coln under des haus Burgundie gerichtzszwank understunde zu bringen und dem hilligen rich abzustricken.
Schwartzenbach D VI r (
Frankf.
1564
):
Einem etwas mit subtiler geschwindigkeit abstricken.
Barack, Zim. Chron.
1, 537, 39
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
die von Messkirch [...] inen auch die landtschaft zum tail [...] abgestrickt.
Chron. Augsb.
8, 175,
Anm. 2 (
schwäb.
,
1563
):
demselben nit allain angeregte hilfen gar abzestricken.
Ebd.
1, 220,
Anm. 8 (
1349
):
daz si [...] diser stat ir ere und ir ehaftin ab gestrikt habent.
Ukena, Luz. Sp.
3513
(
halem.
,
1557
):
Das nun sin gnad verordnet hab | All bsöldung v̈ch zů stricken ab.
Laufs, Reichskammergo.
169, 11
;
Barack, a. a. O.
2, 86, 10
;
4, 190, 41
;
Chron. Augsb.
1,
K 337;
8, 151,
Anm. 1;
Chron. baier. Städte. Regensb.
198, 13
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
490, 36
;
Dietz, Wb. Luther
32 a
.
4.
›etw./jn. von einem Strick losbinden‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Dict. Germ.-Gall.-Lat.
13 b
(
Genf
1636
):
abstricken / vom strick ledig machen.