benemen,
V., unr. abl.
1.
›jm. etw. nehmen, wegnehmen, jn. e. S. (oft: eines abstrakten Gutes, einer Fähigkeit) berauben; etw. rauben, stehlen; jm. die Möglichkeit zu etw. nehmen; jm. etw. entziehen, vorenthalten; e. S. etw. entziehen (z. B. dem Holz die Feuchtigkeit); etw. beenden; etw. zum Schwinden bringen (z. B. den Tau), im Wert mindern; etw. subtrahieren; e. S. Abbruch tun, sie schmälern; jm. den Weg verlegen‹; von sehr unterschiedlichen Bezugsgrößen gesagt, dementsprechend in sehr unterschiedlicher Weise zu übertragen.
Phraseme:
jm. sein stückel brot vor dem munde benemen
;
jm. den leib, das leben b
.
Syntagmen:
den schaden b
. (›Schaden begleichen‹);
jm die klagen b
. (›jm. alle Gründe zur Klage nehmen‹);
jm. den gewalt / mut / trost, die andacht / ere / farbe / freiheit / freude / gnade / hand / hofnung / jungfräulichkeit / keusche / kraft / narung / seligkeit / tugend, das brot / erbeteil / gesicht
(›Sehkraft‹)
/ lob / magdtum b., jm. die rede b
. (›jm. die Sprache verschlagen‹),
jm. / dem garten den weg b., jm. den sieg b., e. S
. (z. B.
der gegenwärtigkeit des leibes
)
nichts b., die wassernot b., der stat den namen, das gut / wasser / gottes wort / recht b., der munz die schwere b., der sonne das liecht b
.;
dem wasser die nässe b., dem holz die feuchtigkeit b., dem hulz die decke b
. (Sinn: ›das im Holz liegende Bildkunstwerk durch Entfernen äußerer Holzschichten freilegen‹),
dem bienenkönig die flügel b., sonne
(Subj.)
den tau b., die nacht jm. die zeit b., ein feld der farbe b., jn. der schulden b
.
Wortbildungen
benemung
1 (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
,
1565
/
6
):
dasselbige gesichte sie ihme mit dieser blendungk fast benamen.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Der daz got benemen wölte, der benæme im sîn eigen wesen und sîn eigen leben.
daz lieht benimet zît und stat.
Ders., Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz im [dem menschen] daz niht alsô gar benomen sî, daz man dâ aleine vinde blôz leben.
Dat nuwe Boych (
rib.
,
1396
):
Ind benamen [...] den burgern [...] van Coelne yre narunge vnd vrijheit.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
So wil ich uch benemen dat leuen.
den wech benamen sy eme zo male.
Eme en ist der sege neit al benomen.
Ebd. (
15. Jh.
):
hei inleis gein goit zo Collen komen ind dede it allet zo Bunne of zo Nuisse voiren ind benam it der stat.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1582
):
Die red werd ihn benommen, | Jhr lippen sein sprachlos.
Rueff, Rhein. Ostersp.
151
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
daz eme sin gewalt werde benommen.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 110
(
rhfrk.
,
1379
):
hat darczu werck gedan mit gewappinster hant und hat eme sin gesunt benomen.
Froning, Alsf. Passionssp.
6020
(
ohess.
,
1501ff.
):
der mer mynen lipp benemme.
Küther, UB Frauensee
281, 7
(
thür.
,
1496
):
sulchen schaden geretten wyr sie czu benemen mit den czinssen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
58, 38
(
thür.
,
1474
):
so muste er uch sollicher schulde von synes vater gutern [...] benemen unde uch dy beczalin.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
wî mac îmant în gegên in eines starken hûs und sîne vasz benemen, nůr her binde von êrst den starken unde denne benimet her sîn hûs?
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
14, 27
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Als wenig du kanst der sunnen ir licht [...] oder dem wasser sein nesse benemen.
Ebd.
24, 22
:
Benim und zeuch ab der schösten frauen des sneiders farbe, so sihest ein schemliche tocken.
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
so behilde si billicher ir erbeteil, denne man iz ir benemen mochte.
Göz. Leichabd. (
Jena
1664
):
Wie ein solch [...] straalendes Rosen⸗ und Lilien⸗Feld [...] der lebhafftigen Farben benommen [...] wird.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1530
):
dieweil durch ire uncost dieselbigen beweldiget und die wassernodt benohmen muss werden.
Anderson u. a., Flugschrr.
24, 2, 14
([
Nürnb.
]
1525
):
vnd yren Buͤrgern [...] alle klagen / sich ab eynem Rate zu beschweren / benome͂ werden.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
70, 19
(
Nürnb.
1548
):
das dennoch darumb dein seligkeyt dir nicht benommen / noch abgeschlagen soll sein.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
also das fúr wúrcket in daz holtz und benimmet ime die fúchtekeit.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
da si [bloze vernunft] in dem waren widerglanze der ingeburt des wortes und widergeburt ir selbs geistes ir selber wirt benomen und von allem mittel gebloͤzet.
Schmidt, Rud. v. Biberach
80, 14
(
whalem.
,
1345
/
60
):
want si ,den allerbesten teil erwelt hat, der ir niemer benomen solt werden‘.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
131, 24
(
els.
,
1362
):
nút enlont úch dise senften smeichelehten wort benemen die ewige crone.
Schmitt, Ordo rerum 284, 13.
2
(Hs. ˹
salem.
,
2. Dr. 15. Jh.
˺):
Defloracio beröbung oder benemung iunckfroͤwlicher er.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
ist diser statt ir voriger nam durch bemelten römischen hauptman Drusum benomen.
Andreae. Ber. Nachtmal
60r, 21
([
Augsb.
]
1557
):
wie es der gegenwertigkait / des Leibs vñ blůts Christi uñ Nachtmal / nichts beneme.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Alter schad fuͤr thorheit nicht / oder benimpt der thorheit nichts.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
ê diu sunne den taw benem.
der mensch [...] verkêrt menschleicheu werk und würkt iglischen oder gensischen oder benimt der frawen ir stat
[die übliche Lage beim Geschlechtsverkehr].
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
32, 5
(
noobd.
,
1347
/
50
):
und benem wir die zal neunzig graden, so beleibent zwen und virzig grad.
Munz, Füetrer. Persibein
278, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
ain serpannd mir pekam, | des sterck mir hat mein krafft uil gar benummen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
17. Jh.
):
daß ainer dem andern nit sein stickl brott vor dem munt benimbt.
Piirainen, Stadtr. Sillein
62a, 31
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
gewalt daz swert czu benemen allen den dy gerichtez namen han.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
125
(
mslow. inseldt.
,
1569
):
vnnd dadurch dem Alten weingarten, den Lantweg benomen [hat].
Froning, a. a. O.
6134
;
Henschel u. a., Heidin
945
;
Neumann, Rothe. Keuschh.
4906
;
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V. ;
Jungbluth, a. a. O.
23, 12
;
Sermon Thauleri
7r, 28
;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
119, 36
;
Langen, Myst. Leben
186, 27
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
123
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb. ;
Rohland, Schäden
364
;
Thiele, Minner. II,
16, 272
;
Rieder, St. Georg. Pred. ; ; ;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3485
;
Williams u. a., a. a. O.
318, 19
;
633, 24
;
672, 6
;
Banz, Christus u. d. minn. Seele
834
;
Andreae. a. a. O.
40v, 7
;
56r, 9
;
Schmitt, a. a. O.
691, 11
;
695, 17
;
Schwartzenbach
A iijv
;
Dietz, Wb. Luther ;
Preuss. Wb. (Z)
1, 524
;
Spengler, Fischart.
1969, 178
;
Pfeiffer, Kölner Ma.
1854, 306
.
Vgl. ferner s. v.  4.
2.
›etw. verhindern; jm. Einhalt gebieten, Nachteile bereiten, die Möglichkeit zum Weiterhandeln nehmen‹; eng an 1 anschließbar. – Am ehesten hier anschließbar das Phrasem (Rechtsformel):
es beneme jm. / jn. ehafte not
›außer im Falle einer Verhinderung, für die die betroffene Person nicht verantwortlich ist‹.

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
ne Cůmt nieman vnder des, der richter keret vnder sich, it ne beneme echt noth.
Köbler, Ref. Franckenfort
3, 20
(
Mainz
1509
):
Doch woͤllen wir den jhenen so ietzt in rechtfertigu͂g schweben hiemit nit benõmen noch zůgeeigent haben.
Behrend, Magd. Fragen (
omd.
,
um 1400
):
is en were denne, das den erben echte not beneme.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
6, 27
(
omd.
,
n. 1474
):
wer yme was gelobit, der müß yme das in eyme iare halden, es beneme yme danne erhafftige nod.
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich (Hs.
A. 15. Jh.
):
Der strit werte under in beiden bisz in die naht benam.
Daz treib er den tag allen, bisz im die naht benam.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
59, 25
(
noobd.
,
1347
/
50
):
Darzu antwuͤrt wir [...], daz deu grozze verren der sunnen von dem ertreich und von uns daz benimet.
Piirainen, Stadtr. Sillein
70a, 26
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
er wettet dem purgraven zehen phvnt ez benem dann ehafte noͤt.
Große, a. a. O. ;
Unger, Richtes Stig ;
Leman, Kulm. Recht ;
3.
›jn. / etw. (z. B.
das herze
) betäuben, seiner Klarheit berauben, benommen machen‹.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Os.
4, 11
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
unkuscheit unde win und trunkenheit benemen daz herze.
Dreckmann, H. Mair. Troja
21, 16
(
oschwäb.
,
1393
):
der grozzen lieb, die du uf Jason hettist, daz dir die sinn also werend benomen.
Klein, Oswald
16, 54
(
oobd.
,
1431
/
2
):
du hast mir herz und sinne | benomen sunder gar.
4.
›jn. / eine Institution durch hohe Belastungen ausnehmen, schröpfen, ausbeuten‹.

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
,
1565
/
6
):
dadurch war das Stift sehr beschatzt und benohmen.
weil der Margraf die bürger fast beleidigte und benahme.
Preuss. Wb. (Z)
1, 524
.
5.
›jm. / js. Bergwerk etw. (Wasser) entziehen, ableiten‹.
Bergbaubezügliche Texte.
Wortbildungen:
benemung
2.

Belegblock:

Ermisch, Sächs. Bergr. (
osächs.
, Hs.
1482
):
Das kummet dovon, das er [stollen] ym wassir benymmet unde wint brenget.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
126, 15
(
omd.
,
um 1559
):
augenscheinig, das yhnen der stollen mit seinem durchschlag das waßer benimbt.
Ebd.
150, 9
(
1554
/
1633
):
das den stöllen beydes an bringung wetter sowohl auch an benehmung waßers, keine hinderung [...] geschehe.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. ; ;
Piirainen, Igl. Bergr.
26b, 13
.
6.
›(jm.) etw. nehmen, jn. von etw. befreien, entledigen; etw. beseitigen‹; nur vereinzelt von konkreten Bezugsgegenständen.
Syntagmen:
(jm.) etw
. (z. B.
die arbeit / angst / hoffart / not / pein / schuld / schwere / sünde / unkraft / untugend, den argwan / unmut / zorn, das leid / trauren
)
b., jm. einen dorn b
. (›herausziehen‹),
tod die unrechte liebe b., friede den krieg b., hofnung den hunger b
.;
jn. des gebresten b
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
herre, als ich mich neige ûf dich, sô wirt mir benomen alliu swære, leit und arbeit.
Ders., Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wilt dû alles gebresten benomen werden alzemâle.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Sticht mich, als wers ein knebelspieß. | Vnd kuͤndtstu mir denselben bnemen.
Feudel, Evangelistar
56, 12
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
benym mir desen kelch, sundir nicht alse ich wil, sundir alse du wilt.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
der tot benimet die alle unrechte liebe.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1567
):
Das er herab kem, vnd jn benem, Jr suͤndlich pein.
Dienes, E. Gros. Witwenb.
39, 12
(
nürnb.
,
1446
):
das nichtzen die menschen als dümütig macht in yn selber vnd benympt frawliche hoffart.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
150, 29
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
daz der, der da genuogtuot, daz er, mit dem er gnuogtuot, deme daz widerwege, daz übermitz die schulde benomen ist.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
frid benimet krieg und schaidet úrlúg.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz er [...] dem mund seinen stank benimt.
Klein, Oswald
106, 18
(
oobd.
,
1431
/
2
):
smerze kan si wenden mir | schir, und benemen alles trauren bitter.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
287, 5
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Do ward benumen in gar all ir schwäre.
Quint, Eckharts Trakt. ; ;
Gille u. a., M. Beheim
123, 449
;
Gerhardt, Meister v. Prag
21, 19
;
91, 18
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
239
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
280, 22
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
783
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Pfeiffer, a. a. O. ;
Munz, Füetrer. Persibein
433, 6
.
Vgl. ferner s. v. (
die
2.
7.
›(jm.) etw. nehmen, jn. (von einer Krankheit) befreien, heilen; (eine Krankheit) beseitigen, überwinden‹; Spezialisierung zu 6.
Gehäuft Realientexte der Pharmazie.
Phraseme:
sich seines brunnen benemen
›urinieren‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, , , , .
Syntagmen:
etw
. (z. B.
die geilheit
)
von jm. b., (jm.) etw
. (z. B.
den dampf / wind / grind / schmerzen, die aussetzigkeit / blindheit / feistigkeit, das bluten / keuchen / zittern / geschwulst / meil / we
)
b., dem magen etw. b
.

Belegblock:

J. W. von Cube. Hortus
99, 8
(
Mainz
1485
):
do mit gebadet beny͂mpt die geylheyt von dem menschen.
Ebd.
114, 39
:
Ku͂mel genutzet benympt das blut seychen.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
182, 12
(
Frankf.
1535
):
Schwefel [...] benimpt das keichen mit einem weychen ey ingenommen.
Keil, Peter v. Ulm
256
(
nobd.
,
1453
/
4
):
trincks nüchtern in gutem wein: daz benympt die faißtigkeit.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Das blůt im uf sin ogen kam | [...] und im benam | Sin blinthait.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
alsô derschütelt sich oft ain man nâch dem und er sich seins prunnen hât benomen.
sô gibt er [stain] den plinden ir gesiht wider und benimt diu weizen mail in den augen.
J. W. von Cube. a. a. O.
84, 27
;
33
;
92, 13
;
95, 26
;
103, 9
;
115, 12
;
116, 29
;
Belkin u. a., a. a. O.
60, 4
;
76, 12
;
124, 18
;
Neumann, Rothe. Keuschh.
5252
;
Rohland, Schäden
364
;
Pfeiffer, a. a. O. ; .
8.
›jm. jn. nehmen, entziehen‹, refl.: ›sich jm. entziehen‹; ›jn. zum Dienst einziehen‹, in sehr unterschiedlichen Handlungszusammenhängen gebraucht.

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
der sal sin vorspreche sin [...], her ne werde ime denne mit bezerme gerichte benomen.
Toeppen, Ständetage Preußen
5, 370, 31
(
preuß.
,
1479
):
So haben mir dy anderen [...] antworth gebenn, sy weren benomen, und welche nicht benomen
[zum Dienst eingezogen]
weren, dy musten ys alle tage warthende seyn.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
herre, benimest dû uns dich, sô gip uns einen andern dich.
dâ biten wir allez got, daz er uns selben uns beneme.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
wenne do di meit von hoer art | ires kindes benomen wart.
Strauch, Par. anime int.
55, 13
(
thür.
,
14. Jh.
):
so brengit Godis lichame di frucht daz der mensche ume selber benomen wirdit und mit Gode foreinit wirdit.
Ebd.
85, 19
:
ich spreche, [...] daz sich Got der sele nicht benemen inmac also wenic alse he sines selbis forzihin mac.
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
den
[
man
als Sachwalter]
mac im nimant benemen zu rechte.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
An meinen armen leit | So lieb, so zart ain Iüngling claͮr, | Den will benemen mir der tag.
Kummer, Erlauer Sp.  (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
ich cham her schauen | das grab der saͤlichait. | er ist mir benoͤmen.
Quint, a. a. O. ; ;
Kummer, Erlauer Sp. .
Vgl. ferner s. v.  2.
9.
›sich rechtsförmlich verteidigen, von einem Verdacht reinigen, sich entlasten; jn. entschuldigen; jn. schadlos stellen‹.
Syntagmen:
jn. schadlos b
.;
jn. e. S
. (Gen.)
b., sich e. S
. (z. B.
des leumundes
)
b
.;
sich vor dem gericht b., sich mit einem eide, auf einen eid b., sich über die heiligen b
.

Belegblock:

Behrend, Magd. Fragen A. 6 (
omd.
,
um 1400
; Var.
md.
,
15. Jh.
):
Eyn vormunde sal syne vormundeschafft wol uffgebin, so das her sich des abeneme
[Var.:
beneme
]
vor gerichte.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
des wolle wir euch wol benemen und darvon absolviren.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
kundschaft, die ime der kinder vater uber die gelubde getan hat, ine schadlos zu benemen.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1294
):
In denselben vierzehen tagen sol er sich vor dem geriht offenlichen benemen.
10.
im Sinne von ›etw. annehmen‹ in verschiedenen Einzelverwendungen, z. B. ›etw. verzehren‹; ›etw. anerkennen, akzeptieren‹.

Belegblock:

Holtzmann, Gr. Wolfdietrich (Hs.
A. 15. Jh.
):
Dis mas mit fröden ward do benumen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
207, 7
(
els.
,
1362
):
daz sú die gemahelschaft wolte benomen oder stete haben, es were denne daz ir gemahel der richter cristen gelǒben fúriehe.
11.
im eigenen Material nicht belegt, in der u. a. Wörterbuchquelle dem falschen Stichwort zugeordnet (nämlich:
benemen
als Schreibung von ), deshalb unsicher: ›sich etw. zu tun unterstehen‹.

Belegblock:

Schwäb. Wb. (a. 
1472
;
1522
).