glied,
das
;
-(e)s/-er
(meist),
(seltener),
-e
(vereinzelt);
Bed. 1-3 auf den Körper (in den Belegen meist des Menschen) bezogen; speziell von 1 ausgehend unter 4-6 tropische / bildliche Verwendungen: Glied als funktionierender Teil eines Ganzen, vor allem im Sinne des christlichen Haupt-Glied-Gedankens; 7 bis 8 daran assoziativ eng anschließbar: 9-11 unter säkularisierten Haupt-Glied-Aspekten faßbar; 12 relativ isolierte, meist reimbedingte Verwendung.
1.
›Glied, Organ des menschlichen und (seltener belegt) tierischen Körpers‹; übergeordneter Ausdruck für Gliedmaßen (oft), sonstige Körperteile, innere Organe und (vereinzelt:) Verstandeskräfte; bei dem sehr häufigen Gebrauch im Pl. kann auf den gesamten Körper / die gesamte Person Bezug genommen sein.
Phraseme:
etw. bricht jm. kein glied ab
›jm. bricht kein Zacken aus der Krone‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1, (
das
9.
Syntagmen:
die glieder abbrechen / aufheben / baden / bessern
›Gliederverletzungen büßen‹
/ bestreichen / entblössen / kräftigen / regen / rüren / salben / schätzen / stärken / wärmen / weichen / zerbrechen / zerstossen, wasser
(tropisch für
wollust
)
die glieder schwellen, der leib glieder haben, die sele die glieder regieren, js. glieder mit worten behüllen, jm. die glieder ausdenen / lämen / reissen / schwächen / strecken / verwunden, enzwei schlagen, etw
. (z. B.
ein wort
)
js. glieder durchdringen, schwüre jm
. (z. B.
got, dem heiligen
)
die glieder berüren, der sünde die glieder zu waffen begeben, affen glieder gleich menschen haben, ein g. zu seinem werke anrichten
;
jm. eines gliedes bresten
;
die glieder
(Subj.)
erbidmen, zerrissen werden, jm. siechen, ein ampt / werk haben, ein g. verderben, jn. offendieren, ein g. ersterbet / verrenkt, jm. erstorben, von einer sucht geschwollen sein
;
die rippe ein g. sein, unsere glieder gottes glieder sein
;
der bauch der glieder nicht entberen, der leib mancherlei glieder
(Gen.)
sein
;
der glieder, den gliedern nicht gewaltig (sein), den gliedern eine rast geben, den gliedern die empfindlichkeit nemen, die speise sich den gliedern (nicht) teilen
;
den tod an den gliedern fülen, jm. an einem g. weh sein, jn. an einem g. strafen, j. schwach an den gliedern sein, an gliedern und leben verderblich werden, etw
. (z. B.
ein kraut
)
auf ein g. legen, die werke in die glieder treten, das gegicht in die glieder bringen, blut in die glieder fliessen, das fülen in alle glieder ausgeteilt sein, die sele
˹
sich in den gliedern bewegen, sich in die glieder ausgiessen
˺
, in
[jedem]
g. (volkommen) sein, mit einem g. sündigen
;
das g. des leichnams, die glieder des leibes
(mehrfach)
/ walfisches, unseres herren, das bresthafte / lame / minste / ungestalte g., die guten / jungen / erlamten / hübschen / verhauenen / weichen / schwachen / zitternden glieder, die vorderen glieder, die innerlichen
(›innere Organe‹)
/ dauenden
›Verdauungsorgane‹
/ geistlichen glieder
›Verstandesfähigkeiten, rationale Kräfte‹;
die strafe / infektion des / eines gliedes, die abschneidung / krankheit / schmerzen der glieder, die gleichen
(›Gelenke‹)
/ faulwerdung / lämung / mattigkeit / vastung / verlierung, das verrenken der glieder, die busse leibes oder gliedes
;
ein bis / gebresten an den gliedern, der tropf, die hitze, das zittern in den gliedern, der leib mit seinen gliedern, die salbe zu den gliedern
.
Wortbildungen:
gliedband
,
gliedbrichig
,
gliederläme
(15. Jh.),
gliedflus
›Triefen von Gliedern, z. B. der Augen‹ (a. 1472),
gliedfuge
›Gelenk‹,
gliedganz
›an den Gliedern unversehrt‹ (auch von Tieren; a. 1559); ütr.: ›integer‹ (dazu bdv.: ),
gliedhalbe
(Gw zu ,
die
, 3) ›Glied‹,
gliedig
1,
gliedknopf
,
gliedläme
(a. 1534),
gliedlämig
,
gliedlich
,
gliedman
›männliche Gliederpuppe‹,
gliedmänglig
(wie
gliedlos
),
gliedweibel
(analog zu
gliedman
).

Belegblock:

Luther, WA
22, 57, 37
(
1544
):
Gleich wie die glieder in einem leibe macherley unterschiedlich ampt und werck haben.
Ders. Hl. Schrifft.
Mt. 5, 29
(
Wittenb.
1545
):
Es ist dir besser / das eins deiner Gelied
[
Lang
1521:
glidmasse͂
]
verderbe.
Ebd.
Röm. 6, 13
:
Auch begebet nicht der sünden ewre Glieder zu Waffen der vngerechtigkeit.
Ebd.
1. Kor. 12, 12
:
Denn gleich wie ein Leib ist / vnd hat doch viel Glieder / alle glieder aber eines Leibes / wiewol jr viel sind / sind sie doch ein leib.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
74, 11
(
um 1571
, Hs.
1615
):
darumb ist der Tactus oder füllen ausgetheilet durch den ganzen leib in alle glider.
Quint, Eckharts Pred.
1, 143, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Diu sêle ist ganz und ungeteilet alzemâle in dem vuoze und alzemâle in dem ougen und in ieglîchem glide.
Ebd.
2, 407, 2
:
durch die grôzen einunge, die diu sêle ze dem lîbe hât, sô ist diu sêle in dem minsten glide als volkomenlîche als in dem lîbe alzemâle.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
313
(
pfälz.
,
1436
):
yedes mensch schuldig ist an zu rïchten jn rechter regirunge ein yglich gliedt des libes zu sinem werge.
Ebd.
716
:
Wann die sele jn jren gedencken enpfindet des guten, so beweget sich das hertze jn freuden vnd güßt uß geblüte jn die glieder.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
118, 22
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Des keysers dochter [...] hat gar eynen schonen lyp vnd gude gelider in rechter lydemasse.
J. W. von Cube. Hortus
3, 41
(
Mainz
1485
):
Knobelauch in baüm olei gesotten heilet vergifftig biß an beinen vnd an andern gliddern des libes.
Palmer, Tondolus
617
(
Speyer
um 1483
):
Hie in werdent alle ir
[
geistliche lut
, die in
sunden
leben]
glider zerrissen von natern.
Köbler, Ref. Wormbs
345, 20
(
Worms
1499
):
das der gefragt an synen glydern oder leben dadurch nit verderplich werde.
Ebd.
339, 9
:
So aber in solichen straffen die masse vberfaren zu grob od’ grülich were mit verwonden oder zurbrechen der glider das soll steen zu vnser erkentnus.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
15187
(
omd.
,
1338
):
Nicht der walvisch des enpirt, | Des gelyde so groz wesen.
Hübner, Buch Daniel
2484
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Lute die da stetis sint | Spisende des menschen kint | Mit irme brote durch Got, | Uf daz en craft vor den tot | Gegeben werde wider | Gar menschlichen gelider | Zu der macht da ez e was.
Strauch, Par. anime int.
108, 8
(
thür.
,
14. Jh.
):
alle werc [...], di inspringint in deme herzin und tredint furbaz in di gelide und werdin vollinbracht an der hant.
Neumann, Rothe. Keuschh.
2563
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
god der sucht diner glede kein | danne din hertze.
Thiele, Chron. Stolle
491, 13
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
ab aber der vorgemelten unserer amplute [...] vorhandelten, dar umme sye an liebe ader an geledern zu straffen weren.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
55, 16
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
do sint ouch affin [...], eczliche [...] han alle ir gelit gelich eyme menschin.
Pyritz, Minneburg
3441
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Solt ich ir lob und ir gelider, ir lobes erenriches gevider | Mit worten gar behullen.
Mayer, Folz. Meisterl.
27, 103
(
nobd.
,
v. 1496
):
Do hing der her dreyer stund lang | Gespant in dreien negeln fest | [...] | Odern und glidhalb on all rest.
Rupprich, Dürer
2, 201, 274
(
nobd.
,
1513-5
):
wÿ wir dan das sehen jn den menschlichen armen, henden, fingern, peinen, [...], das dÿ fordern gelid kürtzer vnd kleiner sind dan dÿ hindern.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
164, 31
(
Nürnb.
1548
):
Er ist alt / sihet den todt vor jm / ja er fuͤlet jn [...] an alle͂ glidern.
Bihlmeyer, Seuse
317, 3
(
alem.
,
14. Jh.
):
Ich beger, daz kein gelid sie an minem libe, es habe dines
[des
herren
]
toͮdes ein sunderliches tragen.
Koller, Ref. Siegmunds
196, 6
(Hs.
um 1474
):
Ein apt sol seinen monichen züsehen und einen guten spiegel furtragen, daz bricht den epten kein glid ab.
Ebd.
225, 16
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
Das virde ist allen glidlemingen, betterisen und allen den, die ir glyder mangelent.
Chron. Strassb.
1, 19, 7
(
els.
,
1362
):
der [Alban, bobst] satte uf, wem eins gides breste, daz der nüt pfaffe würde.
Ebd.
235, 24
(
A. 15. Jh.
):
sie [frowe] wart beschaffen usser eime ryppe, das ist ein glyt mitten in dem menschen.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
209v, 22
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Dem we sig an dem knie oder an dehainem / gelid sines libes, der sol eglen niderthalb / seczen.
Dasypodius
482r
(
Straßb.
1536
):
Glidmaͤngliger / der nur einen hoden hat / adder sunst eines glids manglet.
Rieder, St. Georg. Pred.
115, 9
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
etswenn vert er [túvel] in den lip und machet sich also swaͤre daz der mentsch dú gelider kûm uf gehebet.
Goldammer, Paracelsus
178, 15
(
1530
):
dann got will, daß wir sein fleischliche creatur nit zur hurerei gebrauchen, noch unsere glider auch nit, die seine glider seindt.
Sudhoff, Paracelsus
8, 375, 23
(
1530
):
das die pestis ein krankheit sei oder infection des hirns [...] oder auch anderer dergleichen glideren.
Schmidt, Rud. v. Biberach
3, 22
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Sant Bernhart git disen wonungen ein ander vnderscheidunge nach etzlichen gelideren vnsers herren Ihesu Cristi.
Welti, Stadtr. Bern
389, 15
(
halem.
,
n. 1437
):
ob aber yemant [...] sollich gros [...] swuͤr freuenlichen tete, die dem almechtigen gotte, siner muͦter magt Marien oder den lieben heiligen ir gelider beruͤren wurden, sol man [...].
Maaler
185v
(
Zürich
1561
):
Glider (die) Als bein / fleisch / adern [...]. Geschwolne Glider. [...]. Die Glider entbloͤssen. [...]. Seinen
[
Henisch
1649:
seiner
]
Gliederen nit gwaltig.
Bremer, Voc. opt.
1200
(
schwäb.
/
wbair.
,
15. Jh.
):
Conpago [...] glidfúgin [...] est colligatio nembrorum per nervos.
Dreckmann, H. Mair. Troja
16, 21
(
oschwäb.
,
1393
):
si wurff doch irer augen plik offt gen dem Jason, [...], und schätzt im also seinen anplik, und alliu gelider seins leibs.
Sappler, H. Kaufringer
30, 128
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
der tanz haißt wol „der gnapper“. | [...] | sie gnappent fast hin und herwider. | sie regent den ars und alle glider.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 262, 7
([
Augsb.
]
1548
):
Mit dem glid / da ainer mit sündiget / daran wirt er auch gestrafft.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 51, 27
(
schwäb.
,
1639
):
Welcher den andern glüd- oder bainbrichig oder bainschrettig oder lam schlecht, der [...].
Ebd.
800, 14
(
1610
):
Wa aber ainer dem anderen ein glid abhawen oder lämen [...] verwunden wurde.
Henisch
1649
(
Augsb.
1616
):
Gliedlich / von einem gliedmaß zum anderen / articulatim. Glidig / großglidig / membrosus. [...]. Die glider / darinn ein jeder Sinn sein sitz vnd wirckung hat. [...]. Glidband / Bendel der Bein / ligamen. [...]. Glidgantz / integrum perfectum ratione partium. Diß Leben laͤßt nicht glidgantz seyn. Es ist nicht alles auff alle Ort glidgantz [...]. Glidknopff / glidwerff [...]
. Phr.
Wañ einem glid all empfindligkeit gehling genomen wirdt. [...]. Der Bauch kan der glider / vnnd die glider deß Bauchs nicht entberen. Der neyd kocht sein aigen Glider. Ein Haupt muß seine Glider haben. [...]. Man darff der schwachen glider am Leib auch.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
300, 4
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wenn si [würm] nu tôt sint, sô geuzt man wein dar auf und leget si auf ain glit, ez sei fuoz oder hant oder ain ander glit.
Ebd.
372, 3
:
wenn man die nuz zuo der nasen habt, daz sterkt daz hirn vast und diu gaistleichen gelider.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
12
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
ain söliche vorcht, daz meine gepain vnd alle gelider erpidembten.
Weber, Füetrer. Poyt.
263, 3
(
moobd.
,
1478
/
84
):
SEin krafft im was entpfüeret | [...] | das er dy glid kaum rüeret.
Weitz, Albich v. Prag
154, 5
(Hs. ˹
oobd.
,
A. 16. Jh.
˺):
nym mayenputtern, [...] vnd salb da mit die lamen glid.
Winter, Nöst. Weist.
1, 344, 37
(
moobd.
,
E. 17. Jh.
):
Der ainem ain glüdt lembt, zu wandl 5 ℔ 60 ₰.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1858
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Ein glidman von holtz geschnitten, daran man alle glider hin und her biegen kan. Ein glidweibl auch wie oben beschaffen.
Piirainen, Stadtr. Sillein
41a, 26
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Von den gliden dy man bezzern sol mit einem halben wergelde.
Luther, WA
8, 499, 28
;
Helm, H. v. Hesler. Apok.
22746
;
Quint, Eckharts Pred.
2, 103, 2
;
Ders., Eckharts Trakt.
109, 14
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
138, 1
;
Steer, a. a. O.
303
;
Österley, Kirchhof. Wendunmuth
1, 552, 15
;
v. Keller, Amadis
422, 30
;
Strauch, a. a. O.
97, 33
;
J. W. von Cube. a. a. O.
75, 58
;
106, 16
;
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
92, 10
 f.;
104, 14
;
Behrend, Magd. Fragen
28, 7
;
Keil, Peter v. Ulm
82
; S. 
387
 f.;
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
226r, 11
;
233r, 1
;
Gille u. a., M. Beheim
120, 199
;
Rohland, Schäden, S. 
409
;
Vetter, Pred. Taulers
69, 17
;
122, 21
;
124, 22
;
Ott-Voigtländer, a. a. O.
210r, 3
 f.;
Koller, a. a. O.
231, 20
;
Goldammer, a. a. O.
2, 90, 14
;
Sudhoff, a. a. O.
2, 467, 22
;
8, 145, 3
;
Adrian, Saelden Hort
8676
;
Päpke, Marienl. Wernher
4603
;
9824
;
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 80, 21
;
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
1, 23, 74
;
Klein, Oswald
2, 70
;
77, 35
;
Weitz, a. a. O., S. 
196
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
9, 28
;
Kummer, Erlauer Sp.
5, 409
;
Piirainen, a. a. O.
73a, 10
;
Lehmann, Rezeptb., S. 
180
;
Bremer, a. a. O.
1176
;
1199
;
Schöpper
49b
;
69a
;
Mylius
B 5v
;
Schwäb. Wb.
3, 693
;
6, 2046
 f.
Vgl. ferner s. v.  2,  1,
1
 1,  2, ,  1, (Präp.) 2, , ,  5, ,  1.
2.
›kleines Körperglied (allgemein)‹; speziell und jeweils als Spezialisierung zu 1 auffaßbar:
a) ›Zunge‹.
b) ›Finger-, Zehenglied‹.
Wortbildungen:
gliedeslang
,
gliedgleich
›Länge eines Fingergliedes‹.
c) ›Geschlechtsteil des Menschen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  .
c1) ›männliches Glied‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.
2
 1, (s. v.  1),
1
 3,  3, ,  2).
c2) ›weibliches Geschlechtsteil‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 2).
d) ›Augenlid‹.

Belegblock:

Allg.:
Schmitt, Ordo rerum 340, 11.
3
(
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Articulus gliedel et significat quandoque membrum paruum vt in digitis uel pedicis.

Zu a):

Luther, WA
32, 363, 4
(
1530
/
2
):
deine hand noch fus, zunge noch ein ander einzelen gelied.
Ebd.
34, 1, 461, 26
(
1531
):
die zunge, das aller schwechste glidt ym leybe.
Lemmer, Brant. Narrensch.
19, 27
(
Basel
1494
):
Es ist die zung eyn kleyn gelyd | Bringt doch vil vnruͦ.

Zu b):

Ziesemer, Proph. Cranc Dan.
5, 5
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
in der selbin stunde irschenen vingir als einis menschen hant schribende keygen deme luchtere an der want des kuniglichen salis. und der kunic sach di gelit
[
Wormser Proph.
1527 /
Froschauer
1530:
handballen
;
Eck
1537:
gelaich
]
der schribenden hant.
Behrend, Magd. Fragen
181, 23
(
omd.
,
um 1400
):
Fleischwunden, dy nagils tiff sint unde gledis lang, unde wunden an deme houbte ouch gledes lang und bloslege, [...], helt man kampwirdig.
Leman, Kulm. Recht
2, 3, 25
(
Thorn
1584
):
Wirt abir abe gehauwen eyn gantz gelet von eyme vynger adir eyn gantz ore. das heysset eyne lempde.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
162, 27
(
thür.
,
1474
):
wy [er; ...] eynen finger abe⸗, den andern lam, den derttin vinger daz furderste gelyt auch lam, [...] gehouwen habe.
Morrall, Mandev. Reiseb.
27, 9
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Also sollent ir wissen [...] das daz erst gelyd an dem tumen haisset ain untz.
Piirainen, Stadtr. Sillein
72r, 19
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
ist dy wunde nagels tyf vnd glidez lanch so ist sy kampes wirdich.
Leman, a. a. O.
2, 2, 29
;
Thiele, Chron. Stolle
439, 1
;
Schorer, Sprachposaun
75, 3
;
Vogel, Pract. Alg. Ratisb.
272, 15
;
Mylius
B 8r
.

Zu c):

Luther, WA
32, 332, 21
(
1530
/
2
):
So doch Gott selbs die unehrlichen gelieder am leib zugedeckt [...] hat.
Chron. Köln
2, 8v, 17
(
Köln
1499
):
Alle geslecht der mynschen [...] den is so gantz vnd so sere ingeplantzt tzo bedecken yr menliche off wijffsche gelit.
Palmer, Tondolus
473
(
Speyer
um 1483
):
mit den pinen / so werdent bed frauwen vnd man in ieren glidern vnd heimlichen stetten (do mit sie wollust vnd vnkuscheit begangen haben) gepiniget.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
312, 13
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wer sein
[eines
paumes
]
saft trinket [...] der [...] benimpt hitz oder prunst, [...], und allermaist wenn man diu schämigen gelider dâ mit handelt.

Zu c1):

Fischer, Folz. Reimp.
12, 187
(
Nürnb.
um 1485
/
6
):
[do] man das kindlein an wart schawen, | Do het es eins gelidlins nicht, | Alls man gemein an kneblin sicht.
Maaler
281r
(
Zürich
1561
):
Maͤnnlich glid / Mannsruͦt.
Sappler, H. Kaufringer
11, 477
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
si schnaid im aus die hoden sein. | des ward mair Seifrid leiden pein, | wann er verlos ain guot gelid.
Henisch
176
(
Augsb.
1616
):
Baͤlglin / saͤcklin an dem maͤnlichen glied / scortum.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
12472
;
Dasypodius
331r
.

Zu c2):

Barack, Zim. Chron.
2, 67, 17
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
do hat er gesagt, man male kein weiblich glidt uf ain helm.
Klein, Oswald
92, 30
(
oobd.
,
v. 1408
?):
das hastu mir so dick versprochen bei der wid, | vest stet zu halden ainen frid, | noch tet du mir an meim gelid.

Zu d):

Rupprich, Dürer
2, 48, 162
(
nobd.
,
um 1500
):
Dornoch sichstu jn der volgeten figur mit plo gemacht [...] die awgen mit den gelideren.
Haage, Hesel. Arzneib.
14r, 2
(Hs. ˹
noobd.
/
md.
,
E. 15. Jh.
˺):
Wiltu pran abeczen, so nim payd assen und gerstenmel und temperir daz [...] und keͤr im dy glid umb.
Vgl. ferner s. v.  1.
3.
›Körpergelenk; Knoten des Pflanzenstengels‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, (
das
1;
2
(
das
13; vgl. (
das
8, .
Wortbildungen:
gliedgäng
(wie
gliedkraut
),
gliedkraut
eine Pflanze, der man eine Heilwirkung gegen Gliederkrankheiten, Gicht o. ä. zuschreibt (dazu bdv.: ; zu den botanischen Bezugsmöglichkeiten s.
Marzell
5, 250
), ˹
gliedsucht
,
gliedwe
,
gliederwe
˺ eine Gliederkrankheit (dazu bdv.:  2; vgl. ),
gliedsüchtig
(dazu bdv.: , ),
gliedweich
(wie ).

Belegblock:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
168, 13
(
Frankf.
1535
):
Petroleum dienet zu dem schmertzen der ancken / glider odder geleych.
Alberus
K iijr
(
Frankf.
1540
):
Arthritis, [...], affectio articulorum, glidsucht / gesuͤcht / heyßt auch gutta, der tropff [...]. Paralyticus, glidsüchtig / gichtbrüchtig.
Ebd. FF iv:
Papauer, Marien roͤßlin / raden / widderstoß / glidweych.
Ebd. GG ir:
spina alba [...] splispettel / glid / glidweych / ist fur zan wehtumb guͦt.
Hübner, Buch Daniel
1792
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Ire gelit ircrachen | Vil dicke von swerer not.
Voc. Teut.-Lat.
l jv
(
Nürnb.
1482
):
Glidsucht. arthesis arthetica idem. [...] Gliedsuchtiger. arteticus. od’ kremffiger.
Haage, Hesel. Arzneib.
6r, 3
(Hs. ˹
noobd.
/
md.
,
E. 15. Jh.
˺):
Wiltu werczen vertreiben, so soltu nemen ainen halem und solt die werczen brennen mit des halems gelid.
Maaler
165v
(
Zürich
1561
):
Gelidkraut / Judenkraut. Sideritis.
Rot
291
(
Augsb.
1571
):
Artickel vel articul. Ein glid / ein glaich / kleine gelenck.
Henisch
1650
(
Augsb.
1616
):
Glidsucht / das reissen inn den glideren oder allen glaichen / die gicht / arthritis. [...]. Gliderwehe / idem quod Glidsucht. [...]. Glidweich / glidgaͤng / herba sanquinalis, quam Greci polygôna vocant.
Piirainen, Stadtr. Sillein
87a, 11
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Nymant mak dy sat treten durch tag noch durch beyzzen vm dy czeit daz daz chorn glid hot.
Jerouschek, Nürnb. Hexenh.
7r, 20
;
Voc. Teut.-Lat.
k vijv
;
Bad. Wb.
2, 431
;
Schweiz. Id.
7, 278
;
Schwäb. Wb.
3, 693
.
4.
›mit einer bestimmten Funktion beauftragtes Glied eines von einem
haupt
regierten, als vor allem menschlicher Organismus gedachten Ganzen‹; mit Öffnung zu tropischen / bildlichen Bedeutungsschichten.
Texte der Sinnwelt ,Religion‘.
Syntagmen:
der man glieder haben
;
das g. untertan sein, ein ampt haben / begeben, einflus von einem ampt haben
;
das haupt das oberste g. sein
;
das g. des leibes, die glieder am tier
 ;
die vereinigung der glieder
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
7462
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Der man hat manic gelit, | Daz ieslich sin ammecht hat.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
7716
(
omd.
,
1338
):
Wan mir bleib der zungen amnpt, | Da ander gelid allent samnpt | Gar ire ammet begoben.
Jostes, Eckhart
104, 18
(
14. Jh.
):
Da solt du in dich drincken gnade [...] unde alle die inflúzze, die ain gelyd von sinem hopt emphahen mag.
Rieder, St. Georg. Pred.
339, 25
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
dez libez gelider sont die undertan sin
[in der
sele closter
].
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
3r, 22
(
Zürich
1521
):
Was trüwe͂ v’eynigung d’ glideren vnder ine͂ selbs / in den liben der tieren?
Buijssen, Dur. Rat.
28, 19
(
moobd.
,
1384
):
Pey dem haup ist zwͦ vorsten daz gemuet und dıͤ verstentnuͤzz, die das obrer ist under allen werkchen der sel, recht alz das haup daz obrist glid ist under andern glidern.
Vgl. ferner s. v. (
das
1.
5.
›funktionales Glied (z. B.
leute, menschen, wir, sele, christenheit
, jeweils gedacht als
leichnam
1; 3,
1
leib
1), eines
hauptes
(
herre, got, truchten
, mehrfach
Jesus, Christus
)‹; ›funktionales Glied einer als
leib
gedachten christlichen Gemeinschaft (
ecclesia, christenheit
)‹.
Texte der Sinnwelt ,Religion‘.
Syntagmen:
der mensch g. der christenheit / Christi sein, wir g. Christi, an einem leibe sein, die gerechten g. des hauptes sein, die christen
(untereinander)
glieder sein, ein g. am anderen hangen
;
sich an jm. als an den gliedern gottes üben
;
die glieder des leichnams, der christenheit / kirche
;
das abgeschnittene
›exkommunizierte‹
g., wir arme glieder
 ;
der anhang der glieder an [...]
;
die armut an des herren gliedern
.

Belegblock:

Luther, WA
8, 694, 21
(
1522
):
eynickeit (wilche furnemlich bestehet ym anhang der glider an einem hewbt.
Ebd.
41, 239, 28
(
1535
):
et propter hoc ex Ecclesia reiiciatur et vocatur ,abgeschniten glid‘.
Ders. Hl. Schrifft.
Eph. 4, 16
(
Wittenb.
1545
):
LAsset vns aber rechtschaffen sein in der Liebe / vnd wachsen in allen stücken / an den / der das Heubt ist / Christus / aus welchem der gantze Leib zusamen gefüget / vnd ein Glied am andern hanget.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
1971
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Merket daz unser trechten
[›Herr‹] |
Ist houbet der gerechten | Unde sie wider sine gelit.
Ebd.
16881
:
,In gab Got vater‘ hat her [sente Pauel] geseit | ,Ein houbet ober al die cristenheit, | Die vort sin lichame ist, | Der houbet ist Jhesus Crist | Und wir alle sine gelit‘.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
690
(
pfälz.
,
1436
):
was man tut den gliedern der cristenheit, das schaczt Jhesus jme getan.
Bihlmeyer, Seuse
91, 23
(
alem.
,
14. Jh.
):
wir ermú gelider
[vorher:
lidendú menschen
]
súllen úns troͤsten und froͤwen únsers wirdigen hoptes.
Buijssen, Dur. Rat.
24, 19
(
moobd.
,
1384
):
darumb sind si [cathecumini] nicht gelider des leichnam der christenhait, sam noch di juden oder di haiden.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
22, 7
(
tir.
,
1464
):
wir sein alle einander gelider in ainem leib, vnd Jesus Christus ist v̈nser haupt.
Luther, WA
1, 269, 37
;
28, 70, 23
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
248
;
Vetter, Pred. Taulers
259, 6
;
Rieder, St. Georg. Pred.
175, 17
;
216, 21
;
Langen, Myst. Leben
201, 2
;
Drescher, Hartlieb. Caes.
278, 10
;
Bauer, a. a. O.
14, 20
;
Dietz, Wb. Luther
2, 137
.
Vgl. ferner s. v.
1
 8,  9.
6.
›sozial funktionaler Teil (das kann sein: eine einzelne Person, eine Personengruppe, ein Stand, die Bevölkerung einer Landschaft, eine Stadt) einer übergeordneten sozialen Einheit (s.  8, , , ,  6, ,
der/die/das
, 1, , gedacht als
corpus
4 oder
leichnam
1; 3)‹.
Gehäuft Chroniken.
Syntagmen:
die glieder schwächen
;
j. ein g. an einem stifte sein, Köln ein g. an einem corpus sein
;
mit allen gliedern regieren, der orden mit manchem g. geziert stehen
;
das geamptete / keiserliche g
.;
die glieder des reiches
;
Elias als ein g. des volkes
;
schuz / schirm, die schwächer der glieder
 ;
der stand mit seinen gliedern
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
830
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
und [der heilige ordin] hât irarnet dâmitte, | daz er mit manchim gelitte | êrbêrlîch stêt gezîret.
Mieder, Lehmann. Flor.
857, 11
(
Lübeck
1639
):
Wenn die Contributiones nicht zu Schutz vnnd Schirm des Lands vnnd glieder / sondern dieselb zu schwaͤchen [...] verwendt [...] werden.
Chron. Köln
2, 457, 29
(
Köln
1499
):
dat men die gelidder des hilligen richs vri ind ungeletzt sal halden in dem lichnam.
Wyss, Limb. Chron. U
133, 23
(
mfrk.
,
1382
):
so mochte sẏ [schillinge] losen sẏn persone uff deme stiffte zuͦ Limpuͦrg, wer eẏn gelet were in deme vuͦrgenanten stiffte.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 434, 27
(
halem.
,
1508
/
16
):
so werind oͧch schwecher und abschrenzer der gelider des helgen richs.
Chron. Augsb.
9, 95, 12
(
schwäb.
,
1544
/
5
):
aus was ursachen die edlen Römer das königklich regiment verlassen und den freien stand mit seinen ämptern und glidern anstat desselben angefangen [...] haben.
Ebd.
354, 18
(
1541
):
[Augspurg] Als ein treu, kaiserliches glied. | Herr Gott, die statt Augsburg befrid!
Chron. Köln
2, 450, 14
;
Mathesius, Passionale
55v, 15
;
Chron. Augsb.
9, 93, 28
.
Vgl. ferner s. v.  1,  11.
7.
›Glied in einer (meist) zeitlich-linear gedachten Verwandtschaftslinie; Glied einer zeitlich-horizontal gedachten Verwandtschaftsstufe, einer Generation‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4,  10.
Wortbildungen:
gliedmage
.

Belegblock:

Luther, WA
10, 3, 326, 9
(
1522
):
Jn dem [buͦch] zelt her xlij glid von Abraham an biß auf Christum.
Stambaugh, Friederich. Saufft.
13, 18
(
Frankf./O.
1557
):
Allhie drewet Gott das Sauffen und andere Suͤnde [...] an deinen Kindern und Kindskindern / biß ins dritte und vierdte Glied zu straffen.
Reu, Süddt. Kat.
1, 257, 8
(
Heidelberg
1563
):
Gott, der die missethat der väter heimsucht an den Kindern biß ins dritt vnd vierd glid
(vgl.
Luther.
Hl. Schrifft. 2. Mose 20, 5).
Gille u. a., M. Beheim
328, 601
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
daz waz dem fursten wider, | wann er der nechsten glider | und sip dez kunges waz.
Chron. Strassb.
1, 476, 30
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
wie wol er eines glides verrer were denne dirre Edewart, so ruͤrte doch sine sippeschaft von sime vatter.
Köbler, Stattr. Fryburg
147, 5
(
Basel
1520
):
Weñ aber das erst abgestorben / Eegemechd dhein lybserben [...] / ouch dhein sipfründ / als vatter / muͦtter / großvatter / großmuͦtter / bruͤder vnd schwestern / vetter vñ basen / biß in das vierd glid oder grad / inschließlich / nach sinem tod verließ / so [...].
Rennefahrt, Statut. Saanen
192, 26
(
halem.
,
1581
):
ob noch wie unelich personen ire eelichen fründ und glitmagen zuͦ erben veechig noch befuͤgt sin söllend.
Ders., Zivilr. Bern
758, 1
(
halem.
,
1615
):
habend wir gesetzt, das die trostung sich nit ferner erstrecken soͤlle, dann biß in das dritt glid deren, so ein anderen zeerben und zerechen hand.
Turmair
1, 370, 13
(
Nürnb.
1541
):
Das geschlecht Tubals in Hispania, do es nun bis ins drit glid geregirt het, starb es gar abe.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
250, 23
;
Köbler, a. a. O.
59, 28
.
8.
›Reihe nebeneinander stehender Personen einer in der Tiefe nach mehreren Reihen gestaffelten militärischen oder dazu analog gedachten Formation‹.
Syntagmen:
ein g. machen, die glieder ordnen
;
die glieder
(Subj.)
reiten
;
in einem g. nebeneinander reiten, x
(z. B.
15; 25; 100
)
man in 1 g. sein / stehen
o. ä.,
bei jm. im g. sein, die zal in einem g. erfüllen
;
das erste / hinterste / vorderste g
.;
glieder in der schlachtordnung, das g. der einspännigen
.
Wortbildungen:
gliederweise
.

Belegblock:

Knape, Messerschmidt. Bris.
14, 13
(
Frankf./M.
1559
):
denē ritten neun Edelmaͤnner vor / je drey in eim glid neben einander.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
91, 11
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
sein zehenntausent knecht jm feld, so geburt sich hundertt mann jn eim glitt.
Ebd.
108, 10
:
ob die hindern glider, [...], nit alle mit edeln bestelt werden, [...], so nim redlich knecht, [...]. Vnd so du dieselbigen glider auch geordnet host, so los dan die andern vberigen reysigenn, die hinten oder an den hindersten glider seindt, auch nebeneinander jn glider-weiß orden.
Bachmann, Haimonsk.
229, 33
(
halem.
,
1530
):
Ir heren, ich bit ŭch, daz ir by mir sigend imm fordersten glyd.
Haszler, Kiechels Reisen
26, 31
(
schwäb.
,
n. 1589
):
Es sein auch verordnet trometer, derer bey 15 in dreyen glüdern wahren, also yeder zeüt 5 mahl ufmachten.
Henisch
1459
(
Augsb.
1616
):
Gelid inn der Schlachtordnung / acies, exercitus, ordo, phalanx.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
633, 3976
;
Neubauer, a. a. O.
99, 16
;
Chron. Nürnb.
2, 484, 20
;
Jacobs, UB Langeln
14, 30
;
Chron. Augsb.
7, 477, 10
 f.;
8, 223, 30
;
238, 6
;
19
.
9.
›relativ klar abgegrenzter funktionaler Teil (z. B. Strophe) eines Textganzen (
lied, rede
, Prozeß)‹.
Bedeutungsverwandte:
 2; vgl.  1.

Belegblock:

Köbler, Ref. Franckenfort
25, 8
(
Mainz
1509
):
so sol doch solch antworte͂ nach der kuntschafft auch zuͦgelassen werde͂ / dwyl solich antwort ein glidt der bybrengung
›Beweisführung‹
ist.
Kohler, Ickelsamer. Gram.
45, 30
(wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Ain yde gantze vollkomene [...] rede, [...], hat etliche glider.
Ebd.
46, 26
:
vnd das ander on vnterschaid durch ainander Cola vnd Cōmata, das ist glider vnd tail diser rede.
Turmair
1, 345, 19
(
Nürnb.
1541
):
hat er der selben [gesatz] gar wenig geben und die selbigen in gesang weis gestelt, [...], und allweg an einem lied zehen glider gemacht, die wir noch gesetz nennen.
Jahr, H. v. Mügeln
104, 178
;
Kohler, a. a. O.
46, 15
.
10.
›Deckel (einer Kiste)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  1.

Belegblock:

Piirainen, Stadtr. Sillein
80b, 23
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
chisten mit gebognen gliden vnd aller hande gepende vnd phannen.
11.
›Glied einer Kette‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
2. Mose 28, 14
(
Wittenb.
1545
):
zwo Keten von feinem golde [...] / aber die gelied in einander hengend.
Mieder, Lehmann. Flor.
819, 26
(
Lübeck
1639
):
Wenn ein Glied auß der Ketten gerisssen wird / so ist sie nicht mehr gantz.
Rechn. Kronstadt
1, 304, 28
(
siebenb.
,
1504
):
seratori Stephano pro labore catenae in fonte ketten, gelÿder, et reformatione asp. 28.
12.
steht mit gen. explicativus, in 1 Beleg mit Possessivpronomen, für den Inhalt des Genitivs bzw. die Bezugsgröße des Possessivpronomens; z. B.
des herzen glied
›das Herz‹;
unsere glieder
›wir‹.
Älteres und mittleres Frnhd.; Beleghäufung für gebundene Texte.
Syntagmen:
des herzen / meres, der zungen, der barmherzigkeit / erbärmde / demütigkeit / gerechtigkeit / gütigkeit / geduldigkeit / mässigkeit glieder
 ;
unsere glieder
.

Belegblock:

Reissenberger, Väterb.
12319
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Siner zungen gelit | Berihtet jenes und ouch dit.
Ebd.
19539
:
wiltu sin unbeweit | An des herzen gelide | Unde dar zu mit gantzem vride | In dirre werlde han dine leben.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
9099
(
omd.
,
1338
):
Allein Elyphas sunder spil | Nu habe Job gestrafet vil | Durch syner sunden gelyder.
Goldammer, Paracelsus
7, 170, 17
(
1530
):
wissent, daß wir [...] in dem bündnus der verknüpfung göttlicher ordnung bleiben und außerhalb derer unsere glieder in kein hurerei füeren.
Klein, Oswald
18, 27
(
oobd.
,
1416
):
Ich hab umbfarn insel und arm, manig land, | [...] | des hoch und nider meres gelieder vast berant.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
67, 71
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
habt lieb die glider der parmhertzichait, guͤtichait, diemuͤtichait.
Karsten, a. a. O.
355, 2
;
Gille u. a., M. Beheim
84, 49
.