hand,
die
;
, auch
hände / hande, hände
(Schreibungen meist mit
-e-
).
– Außerordentlich stark vernetztes Bedeutungsfeld, hohe Phrasemaffinität und auffallend hohe Mehrdeutigkeit der Phraseme; Grenze zwischen Syntagmen und Phrasemen aufgrund der Vermischung tropischer Verwendungen mit phrasematischen Demotivierungen kaum sicher festlegbar. Vgl. zur Gliederung des Bedeutungsfeldes sowie zu rechtlichen, kulturhistorischen und landschaftlichen Spezialisierungen: Schwäb. Wb.
3, 1096
-1108; Schweiz. Id.
2, 1378
-1393; Rwb
4, 1540
-1599; Dwb
4, 2, 324
-363, jeweils mit zugehöriger Wortbildungsstrecke.
1.
›Hand des Menschen, wie sie im Alltag und in allgemein üblichen Kommunikationszusammenhängen ohne besondere Markierungen angesprochen wird‹; in Einzelfällen: ›Pranke von Tieren‹ (Dalby, Lex. MHG Hunt.
1965, 82
); ›technische oder künstlerische Nachbildung der menschlichen Hand‹.
Phraseme:
lange hände haben
›einen langen Arm haben‹;
die hände im busen haben
›faul sein‹;
die hand in den schos legen; jm. die hand bieten; jm. sind hand und fus gebunden; etw. / jn. auf (den) händen tragen; jn. an die hand nemen; alles geht ze händen
›verläuft nach Wunsch‹.
Syntagmen:
die hände abkeren / anschlagen
›klatschen‹ /
aufbieten
›zum Gebet erheben‹ /
aufhalten / aufheben / binden / verliesen / waschen, in etw. stossen / tunken, die h. auf den mund legen, jm. die h. durchstechen / geben / reichen; etw. / jn. an der h. füren, etw. ab der hände nemen, auf den händen und füßen gehen, jn. mit der h. anrüren / nemen, jn. bei der h. leiten, sich mit der h. ätzen
›sich kratzen‹,
mit der h. etw
. [tun, z. B.
jn. schlagen, jm. die füsse waschen
],
in einer h. lam sein, etw. in die h. nemen, in der h. etw. haben / tragen, jm. etw. in die h. legen, jm. nägel durch die hände schlagen, jm. wunden in die h. hauen; eine h. vol
(ungefähre Mengenangabe);
die h. des herren; die rechte / linke / auswendige
[›Handrücken‹]
aufgerekte / besudelte / flache / offene / reine / weisse / unflätige / unschuldige h., geschlossene / zusammen gehenkte hände; gicht, rücken, wunde der hand; ein schlag mit der h., eine münze mit händen
.
Wortbildungen:
handader
,
handbal
›Ballen des Fingers‹ (Gw zu
1
 1),
handband
1 ›Armband‹ (a. 1623),
handbärde
›Gebärde mit der Hand‹, wohl auch: ›Unart (des Pferdes)‹ (1. H. 16. Jh.),
handbärdig
›eine unartige Gebärde machend‹ (1. H. 16. Jh.),
handbein
›Handwurzel‹ (a. 1649),
handbeschneidung
,
handblat
,
handbrot
›tägliches Brot‹,
händeskugel
wohl ›halbkugelförmiger Schutz für die Hände‹,
händeweis
eine Pflanze zur Bereitung einer Salbe,
handfinger
,
handfingerlein
›Fingerring‹,
handfüren
›jn. leiten‹,
handgabe
a) ›einfaches Geschenk‹, b) ›Morgengabe‹ (dazu bdv.: , ,  1),
handgeige
›Violine‹ (a. 1589),
handgelte
›kleiner Kübel‹ (a. 1594),
handgemein
›eng verbunden‹ (Beleg s. v. ),
handgemeinsame
›Gemeinschaft wechselseitiger Hilfe‹ (a. 1540),
handgerecht
,
handgemünd
ein Längenmaß von etwa einer Spanne,
handgeschir
›Utensil‹,
handgeschos
›Handfeuerwaffe‹ (a. 1525),
handgeselle
,
handgesucht
,
handgesüchte
,
handliedsucht
,
handsucht
eine Krankheit der Hand, wohl ›Handgicht, Arthritis urica‹,
handgiesfas
,
handgreiflich
›unübersehbar, auf der Hand liegend‹,
handhöle
,
handkauf
›billige Abfindung‹,
handkessel
,
handklopfen
a) ›zum Zeichen der Freude, des Spottes klatschen‹; b) ›etw. mit der Hand aus etw. herausklopfen‹,
handklopfer
(zu
handklopfen
a) gehörig),
handkommen
(part. Adj. zu
kommen
; ›abgerichtet und dadurch zur Hand zurückkommend‹),
händlach
,
handleine
›Strick, wohl als Teil des Pferdegeschirres‹ (14. Jh.),
handleuchter
,
handloch
›Ärmelloch‹ (a. 1512),
handmuffel
›Muff‹ (a. 1611),
handmünze
eine kleine Scheidemünze,
handnapf
(dazu bdv.:  1,  1, , ),
handnotdurft
›zum Augenblicksgebrauch Notwendiges‹,
handregler
wohl ›Taschenspieler‹,
handring
wohl eine Art Handtuch,
handsam
1) ›leicht handhabbar, handgerecht (von Sachen)‹; 2) ›umgänglich‹ (von Personen),
handschauer
›Wahrsager aus dem Beschauen der Hand‹,
handschrecken
›mit den Händen klatschen‹,
handstab
›Gehstock‹,
handtatze
eine Art Manschette (a. 1638),
handwasser
,
handweile
›kleine Weile, Augenblick‹,
handwende
›Handumdrehung‹.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Jes.
55, 12
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
die berge und di hobele werden syngen vor uch lob, und alle boume dez landis werden hantschrecken
[Froschauer
1530
:
handklopffen
].
Ders., Gr. Ämterb.
715, 13
(
preuß.
,
1447
):
eyne silberin hant, item 1 silberin monstrantze.
Luther. Hl. Schrifft. Ps.
91, 12
(
Wittenb.
1545
):
Das sie dich auff den henden tragen.
Ders., WA
32, 202, 32
(
1530
):
Man soldes [Euangelion] uffn henden tragen, ßo speyet mans an.
Ebd.
41, 508, 15
(
1536
):
quando princeps non regit, sed amptleut, Sind im hand und fus gebunden, dicitur dominus et est servus.
Pfefferl, Weigel. Ges.
12, 8
(
Hamburg
1646
):
er [Adam] wardt beschnitten ohne all eüßerliche handtbeschneidung.
Fischer, Brun v. Schoneb.
11143
(
md.
, Hs.
um 1400
):
der kristenheit ist kume eine hant vol | kegen der ungeloubigen valschen dit.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
357
(
mrhein.
,
um 1335
):
[Iesus] leite mir bit siner hant | die speicholter vf die augen min.
Ebd.
607
:
Er
[Jesus]
wuͦshc [...] | der iungern vuͦze bit siner hant.
Buch Weinsb.
2, 150, 17
(
rib.
,
1566
):
2 klatterbursten, 1 antrecker, 1 hulzen roltgin zum hantringe, 4 erden pisspot.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
8, 9
(
hess.
,
14. Jh.
):
daz in einer hantwilen daz gebot der meisteren [...] mit snelheide der godes vorten irvullet werden.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 2, 33
(
hess.
,
M. 15. Jh.
):
derhalbe ringkharnesch als pfantzer, schurtz, hendeßkugeln, armeledder [...] verspulget sein.
Ebd.
525, 14
(
hess.
,
1579
):
schneiderknecht, die [...] ires aigen willens [...] in den heussern arbeitten und dardurch uns unserer handbrott, damit wir weib und kinder erhalten und die burgerliche ufflag [...] erarbeiten sollen, abstricken.
Lehmann, Rezeptb.
2371
(
pfälz.
,
1470
):
etliche nemment hende wiß: vnd sol daz crüt stoßen [...] die botter drẏn dün [...] so ist die salbe bereit.
Palmer, Tondolus
711
(
Speyer
um 1483
):
Do nam mich der engel mit der hant.
Kurz, Waldis. Esopus
2, 11, 37
(
Frankf.
1557
):
sein hende waren | Fuͤr grosser kelte hart gefroren.
Froning, Alsf. Passionssp.
3123
(
ohess.
,
1501 ff.
):
der syn hant stosßet zwar | in disse schussel myt mer, | der vorredet mich gar schyer!
Leman, Kulm. Recht
2, 74
:
an den henden sullen sy nicht wenne dunne hantzken haben.
Behrend, Magd. Fragen
131, 35
(
omd.
,
um 1400
):
also spelluthe und lotterer adir dy unelich geborn syn
[Var. K fh:
spiler, handregeler, uneliche
].
Strauch, Par. anime int.
60, 19
(
thür.
,
14. Jh.
):
daz der lip unsis herrin [...] mochte zihen ein gelit in daz andir, di vingere in di hant, und di hant in den arm.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
1, 17
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
von mir
[Ackermann]
und aller menniglich swei über euch ernstlich zeter! geschriren mit gewunden henden!
(vgl.
händewinden
).
Ebd.
20, 15
:
auf snellem fuß leuft hin der menschen leben: jezunt mit leben, in einer hant wenden
[Var.
handweile
]
gestorben.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
149, 1282
(
Zwickau
um 1540
):
Sitzt muͤssig / legt die hend inn schos hinein.
Ebd.
151, 1306
:
Ihr gebt mir boͤsen handkauff diser frist / | Weil ich itzt kumb und bin des gfengnus loß.
Böhme, Morg.R.
18, 28
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
wenn ich rede werden sie auffmercken / wenn ich fortrede werden sie die haͤnde auff jhren Mund legen.
Opitz. Poeterey
10, 16
(
Breslau
1624
):
So hat man unsere Musen zue mahlen pflegen / als sie mitt zuesammen gehenckten haͤnden in einem reyen tanzten.
Ebd.
40, 21
:
Die Porcellane wird vns in der hand zuespringen.
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
485, 31
(
nobd.
,
1527
):
Ein zynnyn stentnerlein. Ein messyn kesselein zum handwasser.
Chron. Nürnb.
2, 80, 19
(
nobd.
,
1444
):
ein jung gesell, ist lam in einer hent.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
72, 1
(
nobd.
,
um 1450
):
so sol er nemen in iede hant ein maß weins.
Gille u. a., M. Beheim
268, 65
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Neklin, arm, hendlin peide | sein weiss als creiden vinger.
Voc. Teut.-Lat. n vijr (
Nürnb.
1482
):
Handtader. saluacella.
Fastnachtsp.
333, 34
(
nürnb.
,
v. 1494
):
du verheites goffelmaul! | [...] | Ja sichstus, mein lieber hantgesell.
Rupprich, Dürer
2, 202, 362
(
nobd.
,
1513-1515
):
vam lengsten finger van fornen an pis zw ent der hant ist
1
/
10
.
Reichert, Gesamtausl. Messe
32, 6
(
Nürnb.
um 1480
):
der priester tregt in seiner handt ein eingewunden kelich.
Voc. Teut.-Lat. n vijr (
Nürnb.
1482
):
Handtnapff. aymer. krug. schapff. zuber. vrceus.
Ebd. T ivr:
Weissagung auß den haͤnde͂.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
69, 31
(
Nürnb.
1548
):
wer [...] beharren wolte / Der wuͤrde nit reine / sonder besudelte [...] hende auffheben.
Sachs
20, 73, 10
Anm. (
Nürnb.
1557
):
Der wird mir gleich handgift
[Var.:
Handgab
]
geben, | [...], schawt die arbeit eben.
Schmitt, Ordo rerum
118, 31
(
oobd.
,
n. 1457
):
Arra brawtgabe [...] bruttstat [...] hafftpfenning [...] prawtgab oder lewtkauff [...] prvtgab hantgab morgengab.
Ebd. (
alem.
,
1486
):
Vola [...] hantplat daz mittel in der hand.
Ebd.
360, 14
(
15. Jh.
):
Cirogra [...] handsucht [...] hanth suchte.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 87, 6
(
Hagenau
1534
):
Sihe yhm auf die hende / du darfst yhm auff die fuesse nicht sehen.
Cirurgia H. Brunschwig
15
vb, 15 (
Straßb.
[
1497
]):
die elenboge͂ vñ die gleich d’ hantfinger vñ füß.
Dasypodius
159r
(
Straßb.
1536
):
handgeschirr. Vtensil.
Ebd.
343r
:
flach hand. Palma. mit flacher hand drucken.
Ebd. :
handhöle [...] ir.
Bremer, Voc. opt.
43098
(
wobd.
,
1329 ff.
):
Cyrogra [...] handliedsucht [...] handsucht [...] handgesucht [...] handgesúcht.
Bachmann u. a., Volksb.
313, 20
(
alem.
,
15. Jh.
):
Ich tuen wol, was ich will, es gatt mir als ze handen.
Maaler
210r
(
Zürich
1561
):
Beüt mir die Hand. [...]. Der Baur singt von Hand [...] fragt keiner kunst nit nach.
Ebd.
210v
/ 211r:
Handklopffen / Handschlagen / Die hand zesamenschlahen / Mit den henden klopfen das zuͦ spott od’ froͤude͂ geschicht. [...]. Mit handklopffen / außhintreyben oder jagen. [...]. Das Handklopffen das ein zeichen [...] der froͤud ist. [...]. Handklopffer.
Ebd.
211v
:
Handsam / zeügsam / Das guͦt ist mit vm͂zgen. Tractabilis. Freündtlicher / Guͤtiger vnnd Handsamer mensch.
Ebd.
218r
:
Die Hend im buͦsen haben / Am ofen ston / das ist / faul vnd traͤg sein.
Boner, Urk. Aarburg
184, 22
(
halem.
,
1569
):
das [...] alle ire nebentprütschen, so us dem rechten houptgraben uf ire guͤter durch selbige gräben ze wesseren gandt, zu allen ziten eins guͦten handtgemünds höcher ligen und syn söllendt dan alle, die im rechten furt des houptgrabens das wasser hinus zuͦ richten.
Rennefahrt, Gebiet Bern
259, 4
(
halem.
,
1634
):
Die handtmünzen beruͤhrend, söllend derselben [...] allein unsere batzen, halbbatzen [...] geng [...] syn.
Morrall, Mandev. Reiseb.
118, 12
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
in ain ander ynsel da ist anderlay lút und volck inn; die gond uff den henden und fuͤssen.
Martin, H. v. Sachsenh. Temp.
1316
(
schwäb.
,
1455
):
Nu biettend uff die hend | Und biegent üwer knw.
Sappler, H. Kaufringer
4, 192
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
si nam mit ir schneweissen hend | des mannes kinback.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin II,
3, 194
(
schwäb.
,
1471
):
Vergib mir, so vergib ich dir, | Eẅr weisse henndlach biettent mir.
Barack, Zim. Chron.
3, 566, 25
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
das die könig und grose potentaten durchgeborte oren und lange hendt haben.
Henisch
118
(
Augsb.
1616
):
Die armut [...] tregt Sperber auff den haͤnden.
Eschenloher. Medicus
88, 16
(
Augsb.
1678
):
Hierauff die Gefahr mit handgreiflichem Schein der erhaltenen Gnad nachgelassen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
352, 33
(
oobd.
,
1349
/
50
):
daz ez [ai] durch ain hantvingerl zieh.
Ebd.
409, 33
(
oobd.
,
1349
/
50
):
diu salb [...] ist guot [...] für der hend giht.
Primisser, Suchenwirt
22, 38
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Domit er mir sein hende pot | Und pat mich zu im sitzen nider.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
23, 91
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
durch hent und fües man im zuhant drei nagel slueg.
Schmitt, Fachprosa
64, 27
(
oobd.
/
md.
M. 15. Jh.
):
wann men den habich straffen wil, so sal man in dez gewenet haben, das er hantkomen sey von erd vnd aus denn pawmen. Doch so ist mannig habich, der nymmer hantchomen wirt, pis er vahet.
Turmair
4, 924, 24
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Die wârsager, münch und pfaffen, hantschauer, voglseher, opferkuker [...] machten ir ding gar gros.
Höver, Bonaventura. Itin. B
122
(
moobd.
,
1450
/
60
):
muͤgen wir versten, das wir jn die gotleichen [stat] gehantfuͤred werden durch [...] krefft der vernufftigen sel.
Wierschin, Liechtenauer. Fechtk.
121, 8
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Die schnyde wende, zuͦ slechen druck die hende.
Weber, Füetrer. Poyt.
126, 5
(
moobd.
,
1478
/
84
):
den [brief] si verholen im legt in sein hennde.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
164, 5
(
smoobd.
,
1585
):
so müessen die Vischawennger [...] dem freiman alle handnotdurft [...] hergeben.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
305
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 kleine runde indianische nuß [...] in der größ eines zimblichen handtballs.
Ebd.
820
:
1 schöner türckischer handstab, daran man geht.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
77, 10
(
tir.
,
1464
):
so hüeb er an zu schreien siczent vnd mit vercherten augen vnd mit geschlossen hennden.
Ebd.
90, 6
:
[ich] teüt in mit den hënden das si still swigen.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
337, 9
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
ein ros, das ainer an der hannt fürt.
Zingerle, Inventare 7a,
28
(
tir.
/
vorarlb.
,
1485
):
Ain kuͦpfrein hanndkessl.
Ebd.
91b
(
1462
):
III hanndleuchter.
Ebd.
114b
, 13 (
1487
):
Zway brochen hanndtgiessfaß.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
6494
;
Ziesemer, a. a. O.
715, 13
;
Alberus, Barf.
17, 6
;
Grosch u. a., a. a. O.
197, 30
;
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
236v
, 18;
Gille u. a., M. Beheim
229, 40
;
Chron. Nürnb.
1, 240, 28
;
Reichert, a. a. O.
30, 1
;
140, 4
;
Dietrich. Summaria
18v
, 26;
Lauchert, Merswin
12, 23
;
Stammler, Berner Weltger.
744
;
Jörg, Salat. Reformationschr.
372, 6
;
658, 5
;
Morrall, a. a. O.
8, 12
;
Martin, a. a. O.
347
;
Sappler, a. a. O.
23, 150
;
Haszler, Kiechels Reisen
308, 4
;
310, 20
;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 839, 10
;
Auer, Stadtr. München
331
;
Broszinski, Minner. Chir. Parva
84r
, 15;
Spechtler, a. a. O.
38, 24
;
Bretholz, a. a. O.
269, 12
;
Grothausmann, a. a. O.
39, 1
;
90, 24
;
Dasypodius
347r
;
Maaler
209v
;
Henisch
64
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 124
;
Schweiz. Id.
2, 1407
;
4, 348
;
Schwäb. Wb.
3, 1109
;
1115
 f.;
1124
 ff.;
1128
;
1133
 f.;
6, 2101
 ff.;
2105
;
Öst. Wb.
2, 185
.
2.
in engem Anschluß an 1 in tropisch zu verstehenden Kontakt-, speziell Gruß- und Versöhnungsformeln vielfach zur Kennzeichnung von Schmeicheleien, Bestechungen, zwischenmenschlichen Beziehungen gebraucht.
Phraseme:
jm. die hand bieten
›jm. beistehen‹;
jm. die hand salben / schmieren
o. ä. ›sich bei jm. einschmeicheln; jn. bestechen‹.
Syntagmen:
(jm. / e. S.) die h. (dar)bieten / geben / reichen / versagen; der hände milte sein; jm. in die h. hofieren
.
Wortbildungen:
handbieten
(
das
) ›das Entgegenstrecken der Hand‹,
händkratzen
›sich beliebt machen‹,
handsalbe
(im Phrasem:
handsalbe geben
›schöne Versprechungen machen‹),
handsalben
›jn. bestechen‹,
handschmer
,
händschmieren
,
handschmierung
›Schmiergeld‹ (dazu bdv.:  2, ).

Belegblock:

Luther, WA
125, 654, 256
/um 1535):
Die Hen̂de schmieren.
Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 552, 31
(
rib.
,
1396
):
ich en hedde ieme sine hant ierstwerf gesalft ind liefnisse darumb gegeven.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
161, 3608
(
Magdeb.
1608
):
die giengen jhm hoͤfflich entgegen / | Mit handbieten / willkommen sagen.
Struck, Joh. Pfannstiel
112, 42
(
mosfrk.
,
1526
):
hayt vill hant smers ußgegeffen.
Allg. Schau-Buͤhne
47, 31
(
Frankf.
1699
):
ihr Koͤnig [...] gienge [...] damit um / auch die andern von den Türcken ihm entzogene Landschafften wieder zu erobern / wañ ihm nur die Christen die hand bieten wolten.
Schmitt, Ordo rerum
666, 18
(
omd.
,
1466
):
Plaudere hant slan hannt slahen jn frewden [...] hant slan in vreden.
Opitz. Poeterey
53, 26
(
Breslau
1624
):
das sie [...] unserer Muttersprache die hand bietten / und ihrer Poesie den glantz / welchen sie lengest hette kriegen sollen / geben werden.
Fischer, Folz. Reimp.
25, 167
(
Nürnb.
1479
):
[Geicz] Hendschmirt, libkost, dreugt arm und reich.
Ebd.
167
:
[Unkeusch] Lieblechelt, hendkratzt, schmuczt und gelimpft.
Fastnachtsp.
36, 15
(
nürnb.
,
v. 1486
):
gene, der du hantsalb gabst | Und mit ir vom tanz zum hause ab drabest.
Ebd.
294, 5
(
nürnb.
,
1455
/
6
):
Das sechst [ist] helkuochen und hantsalben vor gericht, | Dar mit man eim armen sein recht zupricht.
Lemmer, Brant. Narrensch.
46, 57
(
Basel
1494
):
Man fyndt der stett noch me dann eyn | Do mã hant schmyerung gern vff nymt.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 223, 13
(
Hagenau
1534
):
Man zeucht in den Herren hoͤfen die jungen Herren dazu / daß sie yhrer hende mildt sind / und niemand die handt versagen. [...] aber doch ists auch war / daß man zu Hofe vil hende gibt / und wenig hertzen.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
10, 15
(
Straßb.
1650
):
Wir [...] dörfften doch selbst alle wol, daß vns einer die hand reichte.
Sappler, H. Kaufringer
20, 25
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
er kan [...] | das recht zuo ainem unrecht machen. | ob man im dann die hant schmirbt, | wie palt er daz herwider wirbt.
Henisch
215
(
Augsb.
1616
):
Wer einem bawren den hindern kratzt / dem hoffiert er zu lohn in die hand.
Mieder, Lehmann. Flor.
3, 10
;
Munz, Füetrer. Persibein
459, 1
;
Dasypodius
347r
;
Schwäb. Wb.
3, 1128
.
3.
als Spezialisierung, anschließbar an 2, in Ausdrücken sozial-, insbesondere rechtsrelevanten Schwörens, Unterzeichnens, Handschlags, Zustimmens; als pars pro toto auch für den Vollzieher und den Eideshelfer als Beteiligten der Handlung; in weiterer tropischer Verwendung: ›Schwur, Vertrag‹, speziell auch ›Ehe(vertrag)‹.
Phraseme:
die eigene hand
›Eigentum‹;
die tote hand
›Verstorbener, gegen den eine Forderung besteht‹; als Metonymie: die zugehörige erbrechtliche Situation;
die bessere hand; die gebrochene hand
›(durch Tod) beendete Ehe‹;
bei einer hand
›bei Verlust einer Hand‹;
mit / unter js.
(z. B.
des amptmannes, der königin
) / [einer Institution, z. B.
des marktes
]
hand
›mit js. / einer Institution Erlaubnis, Zustimmung, Willen‹;
mit seines eines / seines selbes hand
o. ä. ›eidlich‹;
mit der hand auf den heiligen; gericht über hals und hand; mit gerichtes hand
›vor Gericht‹;
mit der mer(er)en hand
o. ä. ›mit Stimmenmehrheit‹;
mit gunst, willen und handen; mit hand und halm; mit hande und mit munde; die hand schuldig / verfallen sein; die hand zeigen
›sich zum Eid bereiterklären‹;
die hand offen behalten
o. ä. ›sich freie Hand behalten‹;
die h. verbrechen
›die Ehe brechen‹;
den stab in die hand nemen
›die Richterfunktion übernehmen (etwa bei der Konstitution des Rates als Gerichtshof)‹;
an js. hand ziehen
›jn. zum Eid auffordern‹;
j. ist mit der hand bestanden
›j. haftet mit der Hand‹;
jm. etw. an die hand, mit der hand geloben, in die hand geben / schlagen; es geht jm. an die hand; gericht über hals und hand haben; jn. in eine andere hand schiessen
wohl ›jn. in die Gewalt eines anderen geben‹;
etw. an js. hand ziehen
›einen Eid in einer Sache verlangen‹;
jm. jn. ab der hand ziehen
›jn. dem Strafvollzug durch den Scharfrichter entziehen‹;
etw. (ein urteil) mit
[z. B.
dreien] händen
[wohin]
ziehen
›wo appellieren‹.
Syntagmen:
seine h. waschen
(nach dem Eid),
seine h. büssen, h. in h. (dar)schlagen, jm. die h. abschlagen / abziehen
›jn. nicht zum Eide kommen lassen‹;
der vorderen h. gebrauchen
(beim Schwur);
etw. zu h. loben, mit gehebter h. schwören, unter js. h. versprechen, jm. etw. in die h. schlagen; jm. etw. / jn
. (auch:
sich
)
mit der h. antworten, etw. in js. h. tun, die gewalt in die h. nemen, jm. etw. in die h. geloben; die gehebte h.; des herren h
.
Wortbildungen:
handgebunden
›eideskräftig‹ (a. 1458),
handgerekt
›durch Handschlag bekräftigt‹,
handklapf
mit der rechten Hand vollzogenes Zeichen zur Bestätigung einer Einigung (Gw zu mhd.
klapf
›Knall‹, s. Lexer
1, 1596
; Zuordnung zu
handklopfen
bei Maaler wohl volksetymologisch),
handloben
(dazu bdv.: vgl.  2),
handrek
wohl ›durch Handschlag bekräftigte Verleihung eines Gutes‹,
handstrak
›Versprechen mit Handerhebung‹.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
2, 15, 35
(
preuß.
,
1436
):
Dorczu haben die Polen vorgeschreben [...] gelobet unseren heren mit hande und mit munde [...], das [...].
Große, Schwabensp.
163a
, 16 (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
vnde buͦtet der muͦnter eynen valschen pennigh vͦt [...], iz gey
e
t yme an de hant.
Luther, WA
49, 324, 5
(
1544
):
Schlah mirs in die hand.
Leman, Kulm. Recht
2, 2, 3
(
Thorn
1584
):
Eyn man mag synes ingesigels entgeyn myt synes eynes hant.
Ebd.
3, 15
(
Thorn
1584
):
Wundet eyn man den andirn twzeyger kampir wunden adir me dy an dy hant treten in eyner nehende. das yst myt eyme slage. do vorluset her nicht me wenne dy hant.
Ebd.
3, 65
:
Beclayt eyn man den andirn vmme scholt noch todir hant. her sal dy tode hant benumen.
Ebd.
5, 23
:
Neme is abir der schelme. so tzeyge her dy hant vnd sy ouch ledig.
Ebd.
5, 39
:
so sal her der eynen dy hant abe tzyhen dy das sweren wellen.
Lappenberg, Fleming. Ged. (
1633
):
Äol und Neptun stehn hier, | schwören mit gebotnen Händen.
Aubin, Weist. Hülchrath
77, 17
(
wmd.
,
1639
):
Wan ein neuer lehenman sein aid leistet, soll er erstlich seinen gurdel abbinden und noch geleistem aid soll er seine hend weschen.
Wyss, Limb. Chron.
56, 3
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
der selbe Johan [...] wart in ein ander hant geschoßen.
Rudolph, Qu. Trier
94, 2
(
mosfrk.
,
1593
/
4
):
Es soll ein stadtbaumeister darauf handgelobt und beeidigt werden, daß [...].
Kollnig, Weist. Schriesh.
11, 33
(
rhfrk.
,
1430
):
wer es, das ymands [...] icht gutes nach sinem tode lies und das nit nach [...] der zent recht mit hand und halm verreichte [...], do [...].
Ebd.
275, 45
(
1562
):
wo es ein gebrochen hand ist, so ist ein jeglicher erb schuldig, wo aber kein verfallen ist, so ist es nur ein erbwein.
Brinkmann, Bad. Weist.
303, 5
(
rhfrk.
,
1556
):
welcher aber solchs uberfurt, ist schuldig ein hand und ein fuß.
Allg. Schau-Buͤhne,
40, 56
(
Frankf.
1699
):
welches ihm unter der Königin Hand und grossen Siegel versprochen worden.
Behrend, Magd. Fragen
187, 23
(
omd.
,
um 1400
):
Tode hant ist unde heisset das, daz eyme syn vater, muter, bruder adir swester adir wer syn hehester irstorbin was, des erbe her nemen mag, unde wen her denne dorumme beschuldiget, der musz unschuldig werden selbsebinde.
Ebd.
194, 16
:
Bekennet her des vor gehegetem dinge, her busset dorumb syne hant.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
19, 2
(
thür.
,
1474
):
tharn sich dy genanten zcwene bruder entledigen unde abenemen iglicher met synes selbist hant uff den heylgen, [...], so [...].
Ebd.
173, 12
:
daz ir an denselbein enden gerichte habit obir hals unde hant.
Küther, UB Frauensee
299, 25
(
thür.
,
1501
):
darinn [schrifft] wyr der genanten huß hobereiden [...] unß [...] vorzcihen mid hant, halm unde munde.
Ermisch, Freib. Stadtr.
2, 8
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Hat he der burgen nicht, so muz he sich antwerten mit der hant deme kleger.
Ebd.
8, 26
(
15. Jh.
):
So sal der vinder [...] czwene vingere legen uf syn houpt unde sal swern [...]: „Also gebruche ich mynes houptes und myner vorderen hant, das mir got so helfe.“
Ebd.
23, 4
(Hs. 
v. 1325
):
Were iz ein totslac, so were he bestanden zu rechte mit dem halse; were iz aber eine wunde, so were he bestanden mit der hant.
Opel, Spittendorf
142, 38
(
osächs.
,
um 1480
):
musten geloben [...] dem rathsmeister [...] in seine handt, [...].
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
217, 6
(
osächs.
,
1523
/
4
):
So must ir peinlich [...] strafunge leiden, das ist, das man euch die hand sol abschlan.
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
212, 45
(
nobd.
,
1486
):
als wir das dan also zu volfurn der obgedachten kauferin alsbald an mit hand in hand dargeschlagen
[haben].
Dinklage, Frk. Bauernweist.
38, 37
(
nobd.
,
1488
):
so einer oder eine die handt verpricht noch absterben seins ehelichen gemahels [...], alsdan nehmen die kinder das muetterlich guet gar hinweg.
Boos, UB Aarau
54, 15
(
halem.
,
1339
):
das ich mit gunst, willen und henden Heini Suren [...] han gegeben ze koffenne zwei viertal kernen geltes.
Ebd.
57, 17
(
1341
):
Ich [...] loben es stet ze hande bi guͦten triuwen.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
325, 37
(
halem.
,
1398
):
erlawben wir in, das sie [...] ein gerichte uber hals und uber hant haben sollen.
Ders., Gebiet Bern
816, 24
(
halem.
,
1513
):
das soͤlichs
[
setzen
von
amptlüten
]
beschaͤhe in bywaͤsen gemeiner [...] versamnung und mit der meren hand.
Ders., Zivilr. Bern
65, 35
(
halem.
,
1525
):
soͤllend sy ouch fry sin und also die eigenschaft der besseren hand nachfallen.
Ders., Statut. Saanen
174
. 16 (
halem.
,
1541
):
vogtkind und vogtbar lútt, die mit recht und urteil gevogtet werden, ir hand und múnd gelten sol.
Ders., Staat/Kirche Bern
902, 15
(
1628
):
da wir es gut finden wurdend, es an deß beklagten hand züchen mógen.
Merz, Urk. Wildegg
19, 9
(
halem.
,
1400
):
swuͦr darnach [...] gelerte eide [...] mitt gehepter hand.
Argovia
4, 266, 30
(
halem.
,
1400-1450
):
dieselben vrteilen mag man ziehen mit dreien händen gon Neszlenbach [...], da sol man sy entscheiden.
Welti, Urk. Rheinfelden
826, 11
(
halem.
,
1463
):
furbracht, dz er der eygen hand des gemelten huses solich huse mit ergangem zinse vffgeben habe.
Ebd.
579, 6
(
1536
):
daß j.
vß craft irer priuileigen vnd freyheyten dem nachrichter ab der hand geschnitten wurde.
Qu. Schweiz. Gesch.
1, 26, 1
(
halem.
,
1470
):
sy nit by iren eiden an keinem ort harumb erkennt hettend, noch nach dem bruch den stab in die hand genommen.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
377, 22
(
halem.
,
1529
):
so mag ein yecklicher, so anspricht, an deß hand ziehen, den er ansprichet.
Schib, H. Stockar
137, 21
(
halem.
,
1520
/
9
):
als mir [...] der fattar dye Thocht(ar) zusyatt und der handstrack geschiach, do gieng ich [...].
Jörg, Salat. Reformationschr.
613, 6
(
halem.
,
1534
/
5
):
[der vj stetten anwaͤllt] wettends jr hand offen bhallten han / allso das sy glycher gstallt / mit der profand / und feylem kouf ab zeschlaan / wie domals / gegen jnen handlen moͤchtend.
Maaler 9r (
Zürich
1561
):
Abzellen / welcher mer henden in der wal habe.
Ebd.
211r
:
Etwas bestaͤten mit einem Handklapff. Fidem dextra sancire.
Chron. Augsb.
1, 147, 1
(
schwäb.
,
1371
):
daz ieder man der niht in den zunfften wer, daz der dar in kom by einer hant.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 35, 28
(
schwäb.
,
1552
):
alle ligende güeter, die allso zur zeit der gebrochen hand vorhanden gewest sind.
Bischoff, Steir. Landr.
95
(
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
daz sew dez herren hant nicht bedurffen.
Dirr, Münchner Stadtr.
330, 23
(
moobd.
,
1340
):
so sol der, dez daz guͦt gewesen ist, berechten mit zwain, daz sein hant die dritt sey.
Bastian u. a., Regensb. UB
4, 2
(
oobd.
,
1351
):
haben auch alle, [...], unser trewe darumb gegeben in unsers purgermeisters hant, daz [...].
UB ob der Enns
9, 197, 20
(
moobd.
,
1377
):
Wann di Hanndlung [...] geschêhen schol mit irr Hannd, gunst vnd willen, anders hat ez nicht chraft.
Mell u. a., Steir. Taid.
266, 28
(
m/soobd.
, Hs.
16. Jh.
):
wer [...] darin [markt] erb hat der mag mit des markts hant versezen, verkaufen.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
337, 30
(
smoobd.
, o. J.):
wer hantrek hat von meinen herren von Salzburk [...], das in die hiegig herschaft [...] gehört, [...], der sol herkömen zu dem taiding.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
332, 31
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
das des pharrer zu Prugk hintersessen [...] ainem jeden pharrer [...] zu Prugk mit iren handgerakten treun globt sind wider all ungehorsam des pharrer undersessen beistand ze tun.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
247, 14
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
wer darinn am schaden begriffen wirt [...], so ist er meinn herrn verfallen 5 tal. den. oder ein hant.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
163, 15
(
mslow. inseldt.
,
1632
):
Weil Andre Pástir [...] ihn hoch injuriret, vnnd Simon ihn bei der handt Zuer Thür hinauß gewisen.
Große, a. a. O.
47a
, 33;
207a
, 28;
325, 9
;
Hertel, Hall. Schöffenb.
2, 208, 7
;
Koller, Reichsreg. Albr. II.
152, 25
;
Grosch u. a., a. a. O.
39, 7
;
49, 1
;
186, 37
;
Ermisch, a. a. O.
142, 4
;
Kisch, a. a. O.
637, 11
;
Weizsäcker, Graupn. Bergb.
157, 29
;
Dinklage, a. a. O.
94, 37
;
V. Anshelm. a. a. O.
5, 286, 28
;
Argovia
4, 94
;
Wyss, Luz. Ostersp.
10291
;
Sappler, H. Kaufringer
4, 311
;
Wintterlin, a. a. O.
56, 17
;
UB ob der Enns
9, 529, 35
;
Bischoff u. a., a. a. O.
377, 33
;
378, 36
;
408, 6
;
Öst. Wb.
3, 83
;
Öst. Wb.
3, 183
.
Vgl. ferner s. v.  9,  8.
4.
›Hand‹, gesehen als Organ des Menschen, mit dem spezielle Tätigkeiten, z. B. Schreiben, Heilen, Produktions-, Schaffensprozesse aller Art, vollzogen werden bzw. deren Vollzug als Tätigkeit mit der Hand gedacht wird; als pars pro toto in offenem Übergang zu der mit der Hand schaffenden Person, als Metonymie für das Produkt der Tätigkeit; hohe Phrasemaffinität mit kaum festzulegenden Grenzen gegen die Syntagmen.
Phraseme:
die rechte hand
›unentbehrlicher Helfer‹;
von der hand weg
›mühelos‹;
mit freier hand
›freiwillig‹;
unter den händen
›unter der Hand‹;
hand anlegen; hand von etw. abtun; jm. in die hände kommen; jm. zur hand gehen; etw. für / unter handen haben; etw. an die hand, zu handen nemen; jm. unter den händen stehen; sich von seinen händen nären
.
Syntagmen:
die h.
(Subj.)
jn. verfüren; der h. vergessen; von der h. gemacht sein, etw. von der h. schreiben, etw. mit der h. tun; die h. der mutter; die diebische / eigene / hochgelerte h.; arbeit der h
.
Wortbildungen
handakst
(dazu bdv.: ),
handbärlich
,
handbietung
›Handreichung; Frondienst‹,
handbot
›Handreichung‹ (16. Jh.),
handbüschel
(s. u.
Maaler
),
handdiener
,
handfure
›Hilfe, Beistand‹,
handgarn
›Strick‹,
handgarnich
(
-ich
Kollektivsuffix; s. Henzen, Dt. Wortbildung. 1965, 140),
handgeschaft
›Schöpfung‹ (dazu bdv.: vgl.  1),
handgeschäft
›Handarbeit‹ (a. 1581),
handgeschrieben
(dazu ggs.: ),
handgewerbig
›handgewerblich‹ (a. 1620),
handgeworcht
›von Menschenhand gemacht‹,
handgezeuge
›Instrument‹ (semantische Berührung des Gw mit demjenigen von ; Dwb
4, 1, 7, 6982
),
handhacke
,
handhepe
›am vorderen Ende sichelförmig gebogenes Haumesser in der Waldwirtschaft‹ (um 1570),
handkarre
,
handlandschaft
›Handzeichnung einer Landschaft‹,
handmaler
,
handmälig
›befleckt‹,
handnageleisen
ein Schmiedegerät, wohl zur Herstellung einfacher Nägel,
handochse
›vom Pfarrbauern für den Pfarrherrn gehaltener Stier‹ (a. 1634),
handpocher
›handlicher Hammer zum Zerschlagen des Erzes‹ (a. 1590),
handreckersche
›Gehilfin‹,
handrobat
›Frontätigkeit‹ (Gw zu mhd.
robâte
›Fronarbeit‹; dies aus slaw.
robóta
; Lexer
2, 478
),
handrobater
,
handschaufel
›Spaten‹,
handschneider
›Tuchhändler‹,
handschreiber
›Kopist‹,
handsiel
›Handseil zum Führen des Fahrviehs‹,
handstrecken
›dienen, Zuarbeit leisten‹,
handstrecker
,
hand|twirle
eine Art Quirl (im Schnitzhaus),
handübung
›Anleitung (der Vermessungstechnik)‹,
handwirkung
a) ›manuelle Tätigkeit‹, b) speziell: ›Tätigkeit des Chirurgen‹ oder möglicherweise auch: ›Werkzeug des Chirurgen‹,
handzange
,
handzeichnis
›Handzeichnung‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
4485
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz du dine guten tete | [...] | Mit bosen itewizzen | Maches icht hantmelic.
Ebd.
14924
:
Ewangelisten, zwelfboten, | Die den hantgeworchten goten | widerstenden.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
73, 24
(
preuß.
,
1513
):
20 heuffen strenge, 5 stug hoerseill, 1 hantgernichen.
Ebd.
184, 7
(
1507
):
Gemein hawsgerethe: [...] 1 hantgarn, 1 hantvas.
Ebd.
281, 13
(
1425
):
1 dromczange und 2 hantczangen, item 1 spitzeczangen.
Ebd.
447, 32
(
1436
):
1 czymmerbeyl, 1 hantaxt.
Ebd.
665, 10
(
1437
):
1 borisen, 1 hantwirle.
Ebd.
14
(
1437
):
1 hufgeczoug, 1 hantnageleysen, 2 belge.
Luther, WA
51, 645, 21
(
um 1535
):
Viel hende machen leicht erbeit.
Ders. Hl. Schrifft. Jes. Sir.
38, 15
(
Wittenb.
1545
):
WEr fur seinem Schepffer sündigt / Der mus dem Artzt in die hende komen.
Mendthal, Geom. Culm.
17, 10
(Hs. ˹
preuß.
,
A. 15. Jh.
˺):
eyn buch des irlauchten vorsten, [...] der wirkende ertmose myt hantvbunge, in dem so sal man leren, wy man messen sal eyn yelych ackerlant vnde gevilde.
Schmitt, Ordo rerum
122, 9
(
15. Jh.
):
Ministra [...] hantreicherinne [...] hantrekerse [...] handstreckerin.
Voc. inc. teut. l ijv (
Speyer
um 1483
/
4
):
Hantschauffel pala.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
22, 1
(
Frankf./M.
1568
):
Der Handmaler [...] Dem Menschen ich mit farb kan gebn | Sein gstalt.
Kollnig, Weist. Schriesh.
172, 17
(
rhfrk.
,
1610
):
doch das die undertanen alle fron und handbietung darzu leisten solln.
Schmitz, Schiltb.
79, 23
(
Frankf.
1597
):
Wie sie aber handt anlegen / vnnd jr gewachsen Saltz abschneiden woͤllen.
Köbler, Ref. Franckenfort
93, 5
(
Mainz
1509
):
wes am nechsten gericht gehãdelt / vñ von der hant vff geschrieben ist.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
16, 4
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Wir sein gotes hantgezeuge, herre Tot, ein rechte würkender meder.
Mathesius, Passionale
40r
, 15 (
Leipzig
1587
):
vnser Diener / der vns zur Hand gehet.
Opitz. Poeterey
22, 19
(
Breslau
1624
):
solche carmina, die [...] ohne arbeit von der hand weg gemacht werden.
Opel, Spittendorf
88, 30
(
osächs.
,
um 1480
):
wiewol seyne gnade fast mergliche sachen [...] fur handen hedde, seyne gnade die zurugke geslagen.
Göz. Leichabd.
225, 4
( 
Jena
1664
):
Joseph / vergeß ich dein / so werde dieser meiner rechten hand vergessen!
Dinklage, Frk. Bauernweist.
90, 37
(
nobd.
,
E. 15. Jh.
):
so einer feuer sehe, so sol er von stundt alles laß, so er under handen hat, und zu den feuer eilen.
Voc. Teut.-Lat. n vijr (
Nürnb.
1482
):
Hãdtperlichkunst. od’ wurcklichku͂st. practica e͂ manual’ vl’ actualis scı͂a.
Ebd. n vijv:
Handtkarre. copsus est biga p’ua. q͂m hõ manib’ trahit. radperre.
Fischer, Folz. Reimp.
37, 23
(
Nürnb.
1491
):
das sie [jüd] kein hantwürkung thun.
Rupprich, Dürer
3, 279, 31
(
nobd.
,
n. 1513
):
So dich dan dein hant [...] dürch dÿ schnelkeit verfürn wollt, so wert dir das der ferstand.
Franck, Decl.
340
. 71 (
Nürnb.
1531
):
wie vill haben von des spils wegen dyebische hend.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
132, 24
(
Nürnb.
1548
):
du wirst dich nehren deiner hand arbeit.
Lauchert, Merswin
23, 22
(
els.
,
1352
/
70
):
daz gie mir ǒch gar wol zuͤ handen.
Cirurgia H. Brunschwig
28
va, 9 (
Straßb.
[
1497
]):
dz sint die instrumentenn vnnd hant wirckunge des cirurgicus.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 262, 29
(
um 1524
/
24
):
Solt sie uns denn under den henden sterben, so wird uns nichts fürs artzlon.
Wickram
4, 22, 17
(
Straßb.
1556
):
wend wir das nodtwendigst an die hand nemen / [...] / der abgestorben kinder halben.
Schmitt, Ordo rerum
121, 3
(
salem.
,
2. Dr. 15. Jh.
):
hantreicher – handstrecker [...] dyener oder hantrayher.
Ebd.
614, 6
:
Ministrare [...] hantstrecken.
Jörg, Salat. Reformationschr.
29, 3
(
halem.
,
1534
/
5
):
wann jch [...] uß früntlicher ervordrung [...] dise min bschrybung zuͦ handen gnomenn hab.
Maaler
210r
(
Zürich
1561
):
Handbüschele (das) Was ein schnitter mag fassen.
Lauater. Gespaͤnste
25r
, 9 (
Zürich
1578
):
Hieruf nammend [die] Predigermünch [...] die sach an die hand.
Chron. Augsb.
2, 366, 35
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
so wöll er furo davon hand abtun noch sich [...] in den sachen mer annemen.
Barack, Zim. Chron. II,
427, 37
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
welche zeit sie [...] mit der handt, darauf sie gesessen, sich ernert.
Henisch
129
(
Augsb.
1616
):
Wenn ein Kind kranck ist / da ist des Mutter hand die beste [...] artzney.
Eschenloher. Medicus (
Augsb.
1678
):
daß sie ohne anderer Leuth getrewe Huͤlff vnd Handfuͤhr nirgend [...] auskommen koͤnden.
McClean, Havich
2527
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
das sich Got erparm wolt | uber all sein hantgeschaft.
Winter, Nöst. Weist.
1, 714, 22
(
moobd.
,
1601
):
welchem fuesgeheten oder hantrobeter an das gejait oder andere kaiserliche robothen angesagt wiert.
Ebd.
4, 68, 39
(Hs.
1717
):
damit nicht einer öfter alß der andere mit den zug oder der hantrobbath [...] eingesagt würdt.
Rössler, Stadtr. Brünn
372, 24
(
mähr. inseldt.
,
1. H. 14. Jh.
):
chaufleut, di da haisent hantsneider oder chramer dicz landes.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
2599
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Teutsche vonn der hand geschribene [...] cronica.
Ebd.
2683
:
vil conterfettische stett [...] und sonsten mehrerley handlandtschafften von der feder gezaichendt. [...] buch von mancherlay niderlendischen handtzaichnussen.
Ebd.
2779
:
Zwey [...] handtgeschribne und gemalte bücher.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
39, 2
(
mslow. inseldt.
,
1567
):
weder Haw noch Rodhaw [...] Jn śeinen Handen habend, on allein ein geringes Handhecklen.
Perez, Dietzin
1, 38, 25
;
Leman, Kulm. Recht
2, 5, 56
;
Hübner, Buch Daniel
1461
;
Opitz. a. a. O.
50, 10
;
Harsdoerffer. Trichter
3, 252, 9
;
Dinklage, a. a. O.
101, 42
;
Enders, Eberlin
1, 40, 4
;
Tittmann, Schausp.
16
. Jh. 193, 600;
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 158, 5
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
30, 17
;
Klein, Oswald
18, 37
;
19, 191
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
531, 5
;
Lampel, Qu. Wien
1, 8, 15933, 3
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
18, 30
;
Dasypodius
125r
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 124
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
164
;
Schwäb. Wb.
3, 1109
;
1116
;
1129
;
1139
;
6, 2101
 ff.;
Öst. Wb.
3, 1269
.
Vgl. ferner s. v. ,  8, (
der
1 3,  11.
5.
›Hand‹, gesehen oder gedacht als Organ der Gewalttätigkeit und als Träger von Waffen; als Spezialisierung zu 4 auffaßbar.
Phraseme:
mit heisser hand
›tätlich‹;
hand abtun; gewaltige hand an jn. legen
;
unter js. hand, händen sterben
›durch js. Gewaltanwendung sterben‹;
jm. hand gegen hand begegnen; sich in hand geben
o. ä.
Syntagmen:
die h. an jn. lassen / legen, fremde hände im har überkommen; die hände voller blutes sein; jn. ane h. zerstören; die akst in den händen haben, jn. mit seiner h. erschlagen; die h. des henkers; die blutige / gewafnete / gewerte / streitende / werende / werhafte h
.
Wortbildungen
handanlegung
(dazu bdv.: ),
handband
2 (dazu bdv.: ),
handbarte
(dazu bdv.: ),
handbok
›Ramme mit Handgriffen‹,
handdegen
›kleiner Degen‹ (a. 1570 ff.),
handgewer
Handwaffe unbestimmter Art,
handgrel
(Gw zu mhd.
grel
›Gabel als Waffe‹; Lexer
1, 1072
),
handhaft
(Adj.) 2 ›gewaltsam‹,
handkette
›Handfessel‹,
handschlag
1,
handschlagen
1,
handstärke
(Lehnübersetzung von
manuum fortitudo
),
handstecke
›Schlag-, Stoßwaffe‹,
handstos
(im Beleg, s. u.
Schmidt
, ütr.: ›Stolperstein‹),
handstreich
1 ›Schlag mit der Hand‹,
handtartsche
(Bw zu mhd.
tar(t)sche
›Schild‹, dies aus frz. / mlat.
targe
,
-a
; Dwb
11, 1, 1, 146
; Lexer
2, 1406
),
handwer
1) ›Handwaffe‹; 2) ›Handgemenge‹ (16. Jh.),
handzwinge
.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Ez.
39, 9
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
dy woner uz den stetin Israhels [...] werdin entczundin und vorburnin daz wapen, schilt, sper, bogin und phile, hantsteckin
[Luther
1545
:
Fauststangen
]
und kulin.
Ders., Gr. Ämterb.
454, 21
(
preuß.
,
1440
):
1 eyseren stanghe, 1 handbock, 1 boͤchsmeysel.
Luther, WA
41, 115, 5
(
Wittenberg
,
um 1535
):
er
[Antichrist]
sol one hand zustoͤret, und sein durch die endliche, herrliche erscheinung [...] Christi ein ende gemacht werden.
Große, Schwabensp.
98a
, 33 (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
suͦnderlich gerichte, da man ober bluͦtege hant richten sal.
Ebd.
168a
, 11:
Swer sinen knecht [..] mit Ruͦden Sleit zuͦ tote, vnde stirbet se vnder sinen henden, her ist ir scuͦldich.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
641, 4221
(
Magdeb.
1608
):
Vnd hackten mit jhren Handbarten / | Jhnen erschrecklich durch die Schwarten.
Wyss, Limb. Chron.
78, 4
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
di gaben sich uf; di gaben sich alle in hant.
Ebd.
105, 29
:
die von dossenau giengen graf Johannen in die hand.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
103, 14
(
hess.
,
1498
):
eyn par oberbeyn, dartzu eyn hantgewere, antwer eyn streytaxe oder eyn helmbart.
Köbler, Ref. Wormbs
103, 4
(
Worms
1499
):
der ander demselbe͂ anfaher glicher masse begegent mit widerstant [...]. als wort gegen worten. [...]. handt gegen handt.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Joh.
7, 30
(
osächs.
,
1343
):
dô sûchten si en an zuͦ grîfene, und nîmant lîz di hant an en, wan sîne stunde was noch niht kuͦmen.
Ermisch, Freib. Stadtr.
83, 18
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Geschit ein urhap [...] von besezzenen luten, daz sich di werren mit einander mit worten, mit stozene, mit hantslane, mit roufene.
Weise. Jugend-Lust
115, 10
(
Leipzig
1684
):
die verfluchten Giftmischer [...] sind [...] unter der Hand des Henckers gestorben.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 89, 13
(
schles.
,
1540
):
so der landshauptmann oder die rät mit handhafter that etbas wider das landrecht von Troppa handlten.
Reichert, Gesamtausl. Messe
30, 9
(
Nürnb.
um 1480
):
ewer hende seyn voller pluts.
Voc. Teut.-Lat. n vijv (
Nürnb.
1482
):
handt. oder gewalt. oder rachsal. oder werck.
Ebd. :
Handtzwinge. cyrostringa.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
7, 464, 3
Var. (
Straßb.
1466
):
Zebinden ir kúnig in fuͦseysen: vnd ir edeln in eysnin ketten
[Var. 1475 ff.:
handketten
; Froschauer
1530
:
fuͦßbanden
; Dietenberger
1534
:
banden
; Eck
1537
:
hand banden
; Luther
1545
:
fesseln
].
Schmidt, Rud. v. Biberach
9, 7
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Merkent, das menger hantstos vnd irtvm ist an „dien wegen der ewikeit“, die den menschlichen geist irrunt.
Koppitz, Trojanerkr.
20516
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Der werde gast also schnell | Fürtte aine hand grell.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
257, 33
(
halem.
,
1493
):
Wellicher den andern veringen schluͤge mit gewaffneter hand, der [...].
Welti, Stadtr. Bern
416, 20
(
halem.
,
1501
):
ob in soͤlichem [..] eyniche handanlegung fúrgenomen wurde, darumb sol die buͤsß [...] dryfallt sin.
Maaler
210r
(
Zürich
1561
):
Handband (das) Handbinden / Handeysen / Eysen die hend eynzeschmiden.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
221
(
Genf
1636
):
handt Anlegung, f. Frevel.
Martin, H. v. Sachsenh. Temp.
770
(
schwäb.
,
1455
):
Samson mitt siner hant | Vil heiden schluog allein.
Chron. Augsb.
8, 211, 2
(
schwäb.
, zu
1563
):
die ertzknappen [...] seind dem ertzbischoff mit [...] gewörter hand für das schloß gezogen.
Müller, Stadtr. Ravensb.
63, 13
(
oschwäb.
,
1326-30
):
swer den andern mit haizzer hant angrifet, daz er in slecht.
Barack, Zim. Chron.
3, 356, 19
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
der solt bald frembde hend im har überkommen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
183, 29
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Es ist [...] rettung eren, leibs und der sel nicht besser, dann aigen hanndstergk.
Ebd.
202, 25
:
begerttn sy, das die von Pruckh wolltn die hantt schlagn an alle, die [...].
Winter, Nöst. Weist.
3, 620, 32
Var. (
moobd.
,
15. Jh.
):
slecht ainer den andern mit offner hant, so ist das wandl 1 tal.
Roth, E. v. Wildenberg
8, 1
(
moobd.
,
v. 1493
):
sie [...] hetten auch keinerlei hantwer noch harnasch.
Zingerle, Inventare
53b
, 1 (
tir.
/
vorarlb.
,
1479
):
v handttartschen hat der Grüenepach [...] herauff pracht.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
15, 6
(
mslow. inseldt.
,
1512
):
haben śie [...] mit Wehrhafften vnnd gewaPneter hand angelauffen.
Große, a. a. O.
118a
, 7;
Altmann, Wind. Denkw.
240, 28
;
Küther, UB Frauensee
208, 28
;
Köbler, a. a. O.
102, 31
;
Gille u. a., M. Beheim
328, 961
;
V. Anshelm. Berner Chron.
1, 13, 7
;
Jörg, Salat. Reformationschr.
93, 8
;
Grossmann, a. a. O.
60, 3
;
204, 30
;
Winter, Nöst. Weist., a. a. O.
1, 299, 29
;
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
336, 8
;
Schwäb. Wb.
3, 2103
;
1134
;
6, 2102
.
Vgl. ferner s. v.  1,  3,  3,
1
 1.
6.
›Gewalt, Macht, Zwang, Besitz, Verfügung e. P. über e. S. (seltener) / P.; Gefangennahme von jm.‹; eng an 5 anschließbar und offen zu 7.
Syntagmen:
js. händen entrinnen; in js. h. gehen / kommen / sein, etw.
(z. B.
den wald
)
für h. nemen, jn. zu seinen handen nemen, jn. in js. hände geben, in der hände haben, aus der h., von handen lassen, von js. händen erlösen, zu js. handen antwurten, j. jm. in die h. werden
.
Wortbildungen:
handfasten
›jn. festnehmen‹,
handfechsnen
›jn. festnehmen‹,
handfessel
,
handgefängnis
›Handfessel‹,
handschlag
2 ›unentrinnbare, gefängnisartige Bindung‹ (s. u. Beleg
Jungbluth
),
handschlitte
.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Jes.
45, 14
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
si werdin dir nochgeen, geen werdin si gebunden mit hantvessirn
[Luther
1545
:
fesseln
].
Ders., Gr. Ämterb.
274, 18
(
preuß.
,
1416
):
Im satelhuwze: 17 stocke roleder, 1‹b›2* schok gortrynken, 6 hantgefengnisse.
Wyss, Limb. Chron.
73, 22
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
gewan her Cone vurgenant daz binnen virzen dagen, also daz si sich ufgaben unde gingen in hant.
Ermisch, Freib. Stadtr.
66, 5
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Willekurt he daz, so mac he in uz der hant lazen unde laze in mit im heim gen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
28, 7
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Als balde ein man ein weib genimt, [...]. Zuhant hat er einen hantslag, einen anhang, einen hantsliten, ein joch.
Opel, Spittendorf
144, 37
(
osächs.
,
um 1480
):
sie [...] hetten ihn wollen greiffen ins raths handt.
Fastnachtsp.
255, 8
(
nobd.
,
v. 1486
):
du fleckpolster, du schnoder sack! | Sag mir, pist nur anders doch, | Dan ein hantschlit, ein schwere pird und joch? | Du kumet, rosfeil und uberlast
(s. o. Beleg
Jungbluth
).
Chron. Nürnb.
3, 275, 34
(
nobd.
,
1450
/
80
):
wann sie [gemein volck und povel] wider den ratte, die regirer und erberen [...] [sich] aufferhuben und die alle vermeinten zu iren hanten zu nemen [...] und selbs zu regiren.
Roloff, Brant. Tsp.
857
(
Straßb.
1554
):
Fraw du muͦst unsern willen thun [...] | So bist du jetz in unser handt.
Wyss, Luz. Ostersp.
7005
(
Luzern
1545
):
do will ich in v́wer hennd inn geben.
Ebd.
10811
(
Luzern
1545
):
alls Lucifer mit den altuetternn than, | die er nit gernn von handen liess.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 396, 19
(
halem.
,
1508
/
16
):
Also namend si den wald für hand.
Lauater. Gespaͤnste
41r
, 27 (
Zürich
1578
):
[Brutus]
hieß sinen diener / er solte jn erstaͤche͂ / daß er dem fyend nit in die hend wurde.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
148, 35
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
muesten sy sich [...] aller irer besetzung [...] abtretten, rawmen und zw des kaysers hannden ledigklich antwuerten.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
38, 27
(
tir.
,
1464
):
erlös mich von [...] den hënden der frömden sün.
Winter, Nöst. Weist.
2, 272, 5
(
moobd.
,
1585
):
doch solt er den thäter handfasten und in das gericht vorm dritten tag anzeigen.
Ebd.
2, 1046,
Var. (Hs.
16.
/
17. Jh.
):
so haben si das recht das si in wol mugen geheften und mugen in pringen
[Var.
hantfechsnen
]
in ir freis gericht.
Tittmann, Schausp.
16
. Jh. II, 269, 99;
Roloff, a. a. O.
873
;
943
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
50, 19
;
Rwb
5, 40
.
7.
›aufgrund von Herkommen, Recht, Verfassung legitimierte Autorität, Macht, Verantwortung, Gewalt über e. P. oder ein Herrschaftsgebilde; Einfluß, Befehl, Schutz; Erziehungsgewalt über jn.‹.
Phraseme:
über jn. hand nemen
›jn. zu etw. nötigen‹.
Bedeutungsverwandte:
(
der
4,
2
 15, .
Syntagmen:
stark durch Formelhaftigkeit geprägt, insofern durchgehend offen zur Phrasematisierung;
js. h. dienen; an js. h. stehen, jn. hinter seinen handen haben, etw. aus js. h. kommen, jn. mit seiner h. beschirmen, jn
. (z. B.
die bürger
)
/ etw.
(z. B.
eine stat
)
von handen lassen, jn. zu seinen handen nemen, etw. in js. h. stehen, etw. in js. h. stellen, jm. etw. in die h. geben; des fürsten / herren / keisers / königs h.; zu getreuer h., in handen des reiches, in den händen der zungen
.
Wortbildungen:
handlassen
›jn. aus der Unfreiheit entlassen‹,
handlasser
,
handlassung
(jeweils 1521),
handledige
(
der
) ›Freigelassener‹ (14. Jh.),
handlege
eine Abgabeart (a. 1480),
handlöse
(a. 1443f.; wie  1),
handlosung
(a. 1291; dasselbe),
handnemen
›leihweise Übernahme des Gutes des verstorbenen Ehemannes durch die Witwe aus der Verfügungsgewalt des Grundherren‹ (s. oben auch das Phrasem).

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
4928
(
Magdeb.
1608
):
Es wuͤrde auch daß Regiment / Gestellt in wenig Fuͤrsten Haͤnd.
Beckers, Bauernpr.
61, 42
(
Köln
1515
/
18
):
karolus magnus [...] gaff dem adel luydt vnd landt | Tzo beschyrmen sy mit yrer handt.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
9, 7
(
hess.
,
14. Jh.
):
Beide dot und leben liget in den henden der zungen.
Stackmann u. a., Frauenlob
12, 9, 14
(Hs. ˹
nobd.
, Hs.
3. V. 15. Jh.
˺):
Trier. laz uz dinen handen | des riches caplan wachsen.
Mon. Boica, NF.
1, 306, 24
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ditz [...] hat Jacob Hirsingk als ein vormundt den obgenanten knaben zu getrewer hant enpfangen.
Chron. Strassb.
2, 777, 16
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
Sus kam der gewalt us der herren hant an die antwerke.
Boos, UB Aarau
238, 62
(
halem.
,
1415
):
Wir [...] enwellen die jetzgenante statt Aroͮw niemer me von dem heiligen Roͤmischen rich [...] von handen lassen.
Ebd.
240, 15
:
wond sich die hand der herrschaft halb gewandlet haͤt.
Koller, Ref. Siegmunds
238, 37
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
ist zu sagen, das all küni und all herrn [...] in aines kaysers oder künigs hant und gewalt stät.
Ebd.
241, 27
:
ein keyser [...] sol mit einer hant lihen und mit der ander hant wyder ziehen.
Ebd.
247, 41
:
[der kayser] gab sein kaysertumb dem bapst in die hand.
Köbler, Stattr. Fryburg
140, 32
(
Basel
1520
):
Die vorberürt nutzung [...] hoͤrt nit ee vff / dañ biß die kind ußgestürt werden / vnd uß des vatters hande͂ vnd gewalt komen.
Chron. Augsb.
5, 395, 14
(
schwäb.
,
um 1530
):
wil sie
[konfessionelle Abweichler]
kai. maj. in dem fall wider dieselben
[Mehrheitsangehörige]
wol [...] schirmen, damit deßhalben die gemaindt uber sie nit handt neme, wie sie dann solliches in der bäurischen aufruor auch verhiett haben.
Wackernell, Adt. Passionssp. St. II,
1292
(
tir.
,
v. 1496
):
Dye haiden hat er [Pillatus] all hintter sein handen.
Winter, Nöst. Weist.
3, 737, 1
(
moobd.
, Hs.
E. 16. Jh.
):
wann sich begibt das ain man mit todt abgedt und die nachgelassene wittib das guet wider an die hant nemen
[›übernehmen‹]
will und darbei zu bleiben hat, so soll sie sich umb daß hantnemen von den tag des todtfals an [...] anmelden, hantnemen und sterbhaubt [...] machen.
Luther, WA
41, 66, 26
;
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
54
;
Opel, Spittendorf
143, 31
;
Koller, a. a. O.
239, 42
;
Edlib. Chron.
18, 26
;
Weber, Füetrer. Poyt.
79, 4
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 2, 380, 36
;
Raabe, Wortsch. Murner
2, 1990, 337
;
Rwb
5, 82
;
90
;
Schwäb. Wb.
3, 1125
.
8.
›Schutz, Macht, Herrschaft, Gnade einer metaphysischen (göttlichen) Instanz‹, insofern auch ›Gott‹; mit genitivus explicativus oder mit Adjektivattribut für den Inhalt des genitivischen bzw. attributiven Ausdrucks, z. B.
friedes hand
›Friede‹,
barmige hand
›Barmherzigkeit‹.
Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
(
der
1,  2,  1, .
Syntagmen:
die hände von jm. abziehen, jm. die hände reichen / langen; die h
. (Subj.)
jn. bekleiden; js. händen entfliehen; etw
. (z. B.
js. atem, den tod, die gnade
)
in seiner h. haben, etw
. (z. B.
gnade, himmel, erde
)
in händen haben, etw. in js. (gottes) handen stehen, jm. jn. in seine hände, unter seine h. befelen, etw. in seine h. verschliessen, etw. in seine hände, zu seinen handen nemen; gnade js. hand ! die h. gottes, des vaters / beschirmers / friedes, huldes, naturen h.; die barmige / gerechte / gewaltige / mächtige h.; vor der kräfte handen
.
Wortbildungen:
handschirm
›Schutzschirm‹.

Belegblock:

Luther, WA
35, 44, 18
(
1524
):
Tod, sund, leben und auch gnad, | alls ynn henden er [Christus] hatt.
Jostes, Eckhart
49, 28
(
wmd.
,
14. Jh.
):
Waz ist die hant gotz? Daz ist di wurchend craft gotz.
Hübner, Buch Daniel
6010
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Vor siner crefte handen | Wart gevriet ir dekein.
Ebd.
6337
:
Doch han wir uns nicht bereit | Gentzlich mit der buze cleit | Kein dir umme vrides hant.
Ebd.
7261
:
In des hohe wirt er sich | Setzen ane hulfes hant.
Jahr, H. v. Mügeln
101, 10
(
omd.
, Hs.
1463
):
naturen hant dich [got] nie begreif.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 172, 37
(
Bautzen
,
1567
):
Vater in dein hend, | Befehl ich dier den Geiste mein.
Stackmann u. a., Frauenlob
1, 14, 18
(Hs. ˹
omd.
/
schles.
, Hs.
14. Jh.
˺):
daz ez [cleit] besloz den grozen, der da himel und erde in henden hat.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 621, 7
(
Leipzig
1537
):
Jhr [Engel] handtschirm wol behuͤtet dich.
Päpke, Marienl. Wernher
1431
(
halem.
,
v. 1382
):
Gang uf, froͧwe, wunneklich | Und nim gewallt und allú rich | Zedinen werden handen.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
6, 30
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Genad deiner [Maria] hande, | wann du brächt uns zu lande | aller werlt aufhab.
Luther. Hl. Schrifft. Sir.
10, 4
;
Jostes, a. a. O.,
66, 13
;
Hübner, a. a. O.
6411
;
Mathesius, Passionale
34v
, 11;
Bell, G. Hager
241, 3, 23
;
Stammler, Berner Weltger.
421
;
938
;
Spechtler, a. a. O.
3, 53
;
37, 43
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
20, 22
;
99, 21
.
Vgl. ferner s. v.  2,  1, ,
1
 3.
9.
in Anlehnung besonders an 3, 6, 7 mit Tendenz zu ›Besitz, Verfügung, Verfügungsgewalt, treuhänderische Aufsicht über etw. (z. B. physischen Besitz, Alltagsgegenstände, Rechte, Ideelles)‹; Belege ansatzweise auch als pars pro toto für die Bezugsperson lesbar.
Phraseme:
in die hand
›zur sofortigen Verfügung‹ (im Unterschied zu
zu tagen
);
die kandel aus der hand geben
›Verzicht leisten, den Löffel abgeben‹.
Syntagmen:
die h. sich ändern; zu gemeiner h. dienen, von einer h. zur anderen kommen, in einer h. bleiben, etw. in / vor handen haben, etw. in andere hände geben / wenden, von den handen lassen, jm. etw. in die h. erlegen / geben, in die hände schreiben
›schriftlich übertragen‹,
etw. zu handen bringen / reichen, etw. zu (js.) handen befelen / geben / stellen, etw. aus js. händen bringen / nemen / senden / setzen, (jm.) etw. von der h. geben / leihen; die (ge)treue h.; zu eigenen / gemeinen handen, zu handen der herschaft, jm. zu handen, in der ambachten hand
.
Wortbildungen:
handänderung
›Besitzwechsel‹.

Belegblock:

Luther, WA
33, 125, 24
(
1531
):
thue die kandel aus der hand und las dein murren anstehen.
Köbler, Ref. Wormbs
131, 21
(
Worms
1499
):
guͦt das einer zu getruwen handen hinder sich einem andern [...] zubewaren angenõmen [...] hat.
Ebd.
305, 8
:
der [...] mag solch dinstparkeit nit [...] in andere hende wenden.
Schmitt, Ordo rerum
609, 9
(
omd.
,
1466
):
Mancipare vnder hende thun [...] oder geben.
Küther, UB Frauensee
407, 37
(
thür.
,
1536
):
zu wissen sey, das [...] Michel Flach mir Joan Plucken registratori uf befelch des cammermeisters zu handen bracht hat die brieffe.
Ermisch, Freib. Stadtr.
110, 5
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
daz muz vor sich gehn, iz si silbir oder pfenninge, [...], in di hant oder zu tagen.
Ebd.
177, 8
(
1509
):
doselbst sie [...] itzlichem arbeitter [...] seinn lon selber tzu handen reichen [...] sall.
Opel, Spittendorf
372, 13
(
osächs.
,
um 1480
):
die treue handt, die solde nicht mehr geubet werden ohne willen meines herrn.
Leman, Kulm. Recht
2, 3, 152
(
Thorn
1584
):
Wirt eynem manne gelt gelobit tzu eynes andirn mannes hant.
Opitz. Poeterey
47, 6
(
Breslau
1624
):
Du guͤldne Leyer [...] die Apollo mir | Gegeben hat von hand zue handt.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
[Ordnung] welche mir die arth der sache selber an die Hand gegeben hat.
Chron. Nürnb.
1, 112, 19
(
nobd.
,
v. 1352
):
ob sy ir hewser in ir hant bringen moͤhten, daz si di dornach in einem jare [...] verkauffen solten.
Mayer, Folz. Meisterl.
71, 175
(
nobd.
,
1517
/
8
):
Nun schreibt das gut der frauwen in ir hant.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 66, 15
(
Hagenau
1534
):
Es ist besser eyn sperling inn der handt / denn eyn Kranich auff dem dach.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
165, 34
(
halem.
,
1430
):
die selben [...] gerichte [...] soͤllend úns [...] zuͦ gemeiner hand dienen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
38, 32
(
halem.
,
1534
/
5
):
Damit jch [...] dem laͤser merern verstand zuͦ handen bringen mog / hatt mich [...].
Rennefahrt, Zivilr. Bern
213, 2
(
halem.
,
1649
):
das wan ein [...] guͦt [...] in würckliche besitzung übergeben wird, dahar sich ein handtenderung zuͦtragt.
Koller, Ref. Siegmunds
186, 32
(
Basel
,
um 1440
):
sy [örden] gaben ir zeitlich gut von der hand, sy namen sich kainer zeitlicher dingen an.
Köbler, Stattr. Fryburg
92, 15
(
Basel
1520
):
hab / so zuͦ gemeinen handen behalten würdt.
Ebd.
102, 7
:
Welcher eín frye gab thuͦn wil / der sol die vßhande͂ vnd gewalt / dem ihene͂ den er begaben wil in sin hand und gewalt antwu̇rten.
Chron. Augsb.
5, 2, 3
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
sollich buͦch nit auß zuͦ leichen noch suͦnst zuͦ andern henden komen zuͦ lassen.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 2, 158, 6
(
moobd.
,
1438
):
König Albrecht II. bestätigt, dass er die
12000 guldein, hie ze Wienn in der stat rat zu getreur hand nidergelegt.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
111, 5
(
mslow. inseldt.
,
1617
):
außZahlung alß nemblich florin 100 hungrisch Zue handen Vor gemelten Casparo.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
81, 35
;
167, 43
;
Chron. Nürnb.
1, 213, 22
;
2, 72, 26
;
254, 18
;
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
198, 21
;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
27, 5
;
ders., Recht Laupen
40, 33
;
261, 1
;
Boos, UB Aarau
59, 40
;
273, 26
;
Koller, Ref. Siegmunds
215, 22
; P
303, 26
;
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
178, 18
;
Grothausmann, a. a. O.
15, 12
;
Schöpper
93a
;
Maaler
352v
;
Näser, in: Sprache und Brauchtum.
1980, 295
 f.
Vgl. ferner s. v.  2,  1,  3,  8,  18;  2, (
die
4.
10.
›Herkunft, Abstammung, Familie; Glied einer Familienlinie‹.

Belegblock:

Ettmüller, Heinr. v. Meißen
91, 5
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
Ir werden ritter, swâ ir in den landen sit [...] | daz iuch itewìzen | iht durfe kranker hande barn.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
149, 23
(
rhfrk.
,
um 1435
):
mich dunckt ir sint von guder hande.
Wyss, Limb. Chron.
57, 21
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
bleben uf der Nassawischen siten dri doit [...], guder hande lude.
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
1211, 2
(Hs.
A. 15. Jh.
):
bistu von wilden Kriechen Wolf her Dieterich? ein helt zu sinen handen, dem gebarestu gelich.
Bischoff, Steir. Landr.
142
(
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
Der pan mag nicht verrer, dann an die dritte hant.
11.
in einer Fülle von Phrasemen, bei denen der räumliche, zeitliche Bezugspunkt, soziale Nähe besonders betont werden, die aber auch tropisch an andere Bedeutungsansätze angeschlossen werden könnten.
Phraseme
(Auswahl):
gesamte hand
(dazu bdv.:
in gesamter handsweise
›gemeinsam‹);
zu hand
›sofort, gleich, jetzt‹;
von der hand zum maul; auf / zu der rechten / linken /zeswen hand
o. ä. ›zur Rechten / Linken‹ o. ä;
vor der hand
›anwesend‹;
an der hand
›offensichtlich‹;
zu hand
›sofort, gleich, jetzt‹;
etw. hat hände und füsse
o. ä;
die hand im sode haben
›mitmischen‹;
jm. komt / stöst / wächst etw. an / in die hand
o. ä. ›jm. tritt etw. zeitlich und räumlich greifbar entgegen‹;
jm. zu handen kommen, an die hand stossen, zu handen gehen
›jm. zustoßen‹;
an die hand / hände stossen / wachsen
›jm. begegnen, zustoßen, geschehen‹;
vor der hand sein
›bereitstehen‹;
jm. etw. zu händen gehen; jn. um die hand haben
›nach Gefallen mit jm. verfahren‹;
jn.
(z. B.
einen freund
)
an der hand haben
.

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Konventsb.
91, 20
(
preuß.
,
1402
):
sy sullen den haber mit gesamphter hant usrichten.
Schöpper
39b
(
Dortm.
1550
):
Occurrere. Begegenen entgegen kummen vnderaugen stossen an die händ stossen.
Ebd.
45 a
:
statim. Alßbald anstundt vffs erste zu handt [...] vnuerzogenlich.
Luther., WA
33, 357, 12
(
1531
):
[der Bapst] wil hie die hand im sode haben.
Ebd.
601, 40
:
Es wird dir in die handt kommen, was wir sagen.
Mieder, Lehmann. Flor.
528, 9
(
Lübeck
1639
):
Die Nahrung ist schlecht da es von der Hand zum Maul gehet.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
3, 165, 25
(
mosfrk.
,
1337
):
han wir [...] den vorg. hof huser kelter garten [...] ufgetragen mit gesamenter hant und mit guten willen.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
138
(
mrhein.
,
um 1335
):
Bist du der ware godes suͦn, | [...] Wan wir von dir gelesen han, | daz dich zuͦ hant der engel dreit.
Opel, Spittendorf
209, 23
(
osächs.
,
um 1480
):
do es Schlegell that, dem ging es vor gutt auss [...], denn er was der jhenige einer, die die pfenner umb handt haben konnden.
Sachs
13, 415, 15
(
Nürnb.
1558
):
Pontus [...] | sey mit seim heer schon vor der handt.
Stackmann u. a., Frauenlob
1, 5, 7
(Hs. ˹
alem.
,
14. Jh.
˺):
David, der seit, ir stündet zu der zeswen hant, [...] iuch künig Salomon bevant.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 352, 4
:
Es hatt hende und fuͤß / was der man redet.
Ebd.
420, 23
:
Er hatt eynen gutten freundt an der handt.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 104, 12
(
halem.
,
n. 1529
):
si woͤltid wol betrachten den grossen schaden und bluͦtvergiessen, so vor ougen und an der hand.
Ebd.
4, 408, 5
:
die wil unser Eidgenoschaft [...] sorglich loͤuf an die haͤnd stossen.
Bachmann, Haimonsk.
94, 31
(
halem.
,
1530
):
syt das mir disser unfal zehanden gangen ist.
Jörg, Salat. Reformationschr.
60, 6
(
halem.
,
1534
/
5
):
wie Cristus / [...] gewyssaget [...] das so groß jammer und ellend werde den cristgloͤübigen mentschen and hand wachsen.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 2, 214, 6
(
moobd.
,
1442
):
[Weingarten], den er und seine Frau
in gesambter handsweis mit einander kaufft haben.
Weber, Füetrer. Poyt.
153, 2
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Nach dem durch lusst er ginge | vil palld zer letzen hannd.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
5643
;
Leman, Kulm. Recht
2, 2, 9
;
Schützeichel, a. a. O.
100
;
685
;
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
733
;
Froning, Alsf. Passionssp.
5253
;
Thiele, Chron. Stolle
218, 6
;
Ermisch, Freib. Stadtr.
49, 19
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
130, 25
;
Sachs,
13, 551, 22
;
Adomatis u. a., J. Murer. Nab.
100
;
Jörg, a. a. O.
371, 7
;
678, 16
;
Koppitz, Trojanerkr.
1614
;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
475, 35
.
12.
›Art und Weise‹; auch ›Material, Beschaffenheit‹.
Bedeutungsverwandte:
1
, , ; vgl. (
die
12.
Wortbildungen:
handlei
(zum Gw s.
1
).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
23026
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Swer si [sunde] tribet, der wirt so tum | [...] Das her dicheine minne | [...] zu Gote hat, | Dicheinhande gute tat.
Große, Schwabensp.
187 a
, 15 (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
So ist vordenit der lemmer zegede gelt vnde aller hande vleschgelt.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
122
(
mrhein.
,
um 1335
):
des diuels schalkeit | Iesum [...] | virsuchte in drier hande wis.
Fischer, Brun v. Schoneb.
5759
(
md.
, Hs.
um 1400
):
[der balsam] hat manchir hande togunt.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 66, 134
(
Frankf.
1557
):
un machts nach ewrer handt.
Allg. Schau-Buͤhne
62, 3
(
Frankf.
1699
):
Die Türcken [...] kommen stuͤrmender hand in die Stadt.
Strauch, Par. anime int.
67, 21
(
thür.
,
14. Jh.
):
ez sint zweigirhende werc.
J. W. von Cube. Hortus
108, 6
(
Mainz
1485
):
schaden an dem leybe von was handt der were.
Chron. Nürnb.
4, 257, 14
(
nobd.
,
15. Jh.
):
namen etlich hant werkmaister für sich ein schiessen zu machen.
Euling, Kl. mhd. Erz.
554, 14
(
nobd.
,
E. 15. Jh.
):
die neẅ welt treybt ytz vil unkeüsch, | [...] das die frum alt hant nit tet.
Päpke, Marienl. Wernher
9838
(
halem.
,
v. 1382
):
Von im schaidet mich kain tot | Noch kainerhande schlacht not.
Koppitz, Trojanerkr.
24065
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Sin sper von vier handen waz, | [...] Daz aine waz lignum aloe; | Das ander [...].
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 58, 1
(
schwäb.
,
1471
):
Ich hab in maniger handtlay weis | [...].
Primisser, Suchenwirt
37, 42
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
der povel samet sich | Mit manigerhant waffen.
Fischer, Brun v. Schoneb.
5759
;
Wyss, Limb. Chron. U
130, 21
;
Kurz, Waldis. Esopus
3, 88, 9
;
4, 66, 134
;
Leman, Kulm. Recht
2, 2, 22
;
3, 29
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
1, 6
;
Stackmann u. a., Frauenlob
3, 1, 2
;
Gille u. a., M. Beheim
18, 83
;
Lauchert, Merswin
18, 2
;
Vetter, Pred. Taulers
58, 2
;
Wickram
4, 34, 12
;
Päpke, Marienl. Wernher
579
;
2744
;
3946
;
6964
;
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
2, 20
;
Haltaus, Liederb. Hätzlerin II,
58, 1
;
Jaksche, Gundacker
378
;
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
25, 14
;
Ukena, Augsb. Hl. Kreuzsp.
1808
.
Vgl. ferner s. v.
1
 18,  2.